Larian Studios

DSA-Romane

Posted By: Ralf

DSA-Romane - 04/04/03 11:06 AM

Auch dieses Topic darf hier selbstverfreilich nicht fehlen!

Meine Bewertungsliste (mit dank an Hellfighter, der mir das Topic des alten Forums gemailt hat ):

Das Jahr des Greifen: ****
Der Scharlatan: ***
Túan der Wanderer: ** + 1/2
Die Zeit der Gräber: **
Das Leben der Thalionmel: ** + 1/2
Feuerodem: *
Katzenspuren: ***
Der Drachenkönig: ** + 1/2
Der Göttergleiche: ***
Die Legende von Assarbad: **
Treibgut: ***
3 Nächte in Fasar: ****
Die Piraten des Südmeers: *** + 1/2
Die Reise nach Salza: ** + 1/2
Die Gabe der Amazone: *** + 1/2
Spuren im Schnee: ****
Schlange und Schwert: ***
Der Spieler: ***
Das Gesicht am Fenster: *** + 1/2
Steppenwind: ** + 1/2
Der Lichtvogel: ***
Die Rabenchronik: ****
Aus dunkler Tiefe: ** + 1/2
Von Menschen und Monstern: *
Heldenschwur: ** + 1/2
Das letzte Lied: ***
Das Galgenschloß: **
Tod eines Königs: ***
Das Leben des Raidri Conchobair: ** + 1/2
Schatten aus dem Abgrund: *
Seelenwanderer: * + 1/2
Das magische Erbe: ** + 1/2
Der Geisterwolf: **
Und Altaia brannte: ****
Blutopfer: ***
Das Zerbrochene Rad: ****
Die Nebelgeister: ***
Die beiden Herrscher: *** + 1/2
Das Wirtshaus "Zum lachenden Henker": **
Die Königslarve: ****
Die Nacht der Schlange: ***
Geteiltes Herz: **
Erde und Eis: ***
Gassengeschichten: ***
Die Hand der Finsternis: ***
Zwergenmaske: ***
Aranische Nächte: ** + 1/2
Koboldgeschenk: **
Der letzte wird Inquisitor: *** + 1/2
Druiden-Rache: ***
Blakharons Fluch: **
Westwärts, Geschuppte: *** + 1/2
Das Greifenopfer: *** + 1/2
Die Mühle der Tränen: ***
Aufruhr in Aventurien: ** + 1/2
Im Schatten der Dämmerung: * + 1/2
Sand und Blut: ***
Der geheime Pfad: ***
Das Daimonicon: ***
Blutsbande: *** + 1/2
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 04/04/03 11:26 AM

Und nun gleich ans Eingemachte!

"Blutsbande" von Martina Nöth, bestehend aus den Bänden "Verborgene Mächte" (mit einem sehr attraktiven Umschlagbild ) und "Die letzte Schlacht".
Die kleine Althea war vor Jahren einzige Überlebende eines mysteriösen Wetterphänomens, das ein ganzes Dorf in Weiden ausgelöscht hat. Gefunden wurde sie von zwei hochrangigen Draconitern, die den Unglücksfall untersuchen wollten - ohne Erfolg. Sie fanden nur Althea, die jedoch ihr Gedächtnis verloren hat.
Mittlerweile ist Althea eine Novizin des Hortes Drachenwacht, als sie plötzlich seltsame Anfälle erleidet, obwohl sie ansonsten vollkommen gesund zu sein scheint. Sie fühlt zudem eine starke Sehnsucht nach ihrer "Heimat", obwohl sie sich an diese gar nicht erinnern kann. Also bricht sie mit ihrem Ziehvater Sibelius und der Ersten der Eisernen Schlange (ein kriegerischer Hesinde-Orden, der sich vor allem in den Kämpfen gegen Borbarad hervorgetan hat) auf, um das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften ...

Der Aufbau der Geschichte ist in gewisser Weise ähnlich dem von Nöths DSA-Debüt "Zwergenmaske" (es gibt übrigens sogar sozusagen ein Cameo einer der Charaktere aus "Zwergenmaske" ) - es beginnt recht langsam, Nöth läßt sich viel Zeit, um die Atmosphäre aufzubauen und die Figuren ausführlich vorzustellen. Erst nach einer ganzen Weile beginnt die eigentliche Story so richtig und entwickelt sich immer weiter fort. Dabei arbeitet Nöth mit zwei Handlungssträngen (von denen sich einer später nochmal aufteilt): einmal Althea mit ihren Gefährten und dann noch Raul, ein seltsamer, magiebegabter Junge, der scheinbar überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun hat! Doch langsam nähern sich diese Handlungsstränge einander an, die Gemeinsamkeiten werden immer klarer und schließlich vereinen sich die Stränge.
Diese Erzählform hat - obwohl hier sehr kunstvoll und konsequent ausgeführt - nur eine Schwäche: Es ist eigentlich immer so, daß einen (mindestens) einer der Handlungsstränge deutlich weniger interessiert als die anderen. Das ist mir auch hier so ergangen, die Kapitel, die sich um Raul drehen, haben mich irgendwie nicht übermäßig fesseln können.
Eine weitere Eigenart von Martina Nöth ist ihre Affinität zum Horror-Genre - was mir persönlich sehr gut gefällt und gerade in dieser Geschichte auch passend ist!
Was mir jedoch etwas übertrieben vorkam, ist die Tatsache, daß es auch hier mal wieder gleich um die Rettung der ganzen Welt gehen mußte. Angesichts dessen, was Aventurien schon alles überstanden hat, wirkt das von Anfang an eher unglaubwürdig. Weniger wäre in diesem Fall IMHO mehr gewesen, es hätte doch gereicht, wenn es z.B. nur um das Schicksal Weidens gegangen wäre!
Absolutes Highlight sind meines Erachtens dafür die "Rückblicke" auf einen untergegangenen Hesindeorden, dessen Schicksal hier enthüllt wird - SEHR stimmungsvoll und spannend beschrieben, daraus hätte man eigentlich auch einen eigenen Roman machen können ...
Insgesamt hat mir die Geschichte jedenfalls sehr gut gefallen.
Ich bin der Meinung, daß Martina Nöth ein außergewöhnliches Talent besitzt.
Es gibt in der DSA-Reihe zahlreiche Autoren, die wirklich gute Bücher schreiben - ohne jedoch in irgendeiner Art und Weise hervorzustechen (es gibt auch ein paar, die überhaupt keine guten Bücher schreiben ...).
Die Romane von Martina Nöth dagegen mögen teils noch ein wenig wie ungeschliffene Diamanten sein, bei weitem nicht perfekt, aber definitiv bemerkenswert und entwicklungsfähig. Ihr Stil ist ... wie soll ich das beschreiben? Rauh, kraftvoll, wild, düster, emotional. Ich bin mir jedenfalls sicher, daß diese Autorin ihren Weg gehen wird und hoffe sehr, daß sie noch viele DSA-Romane schreiben wird!
Note 1-.
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 04/04/03 11:46 PM

Ich habe in den Eingangspost meine Bewertungsliste eingefügt.
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 06/04/03 11:34 AM

Ich frage mich ja wirklich, was aus der letztjährigen Ankündigung wurde, daß in Zukunft noch mehr DSA-Romane erscheinen sollten ... der nächste neue Roman (dazwischen erscheint Bernhard Hennens "Die Nacht der Schlange" erstmals als Taschenbuch) erscheint erst im SEPTEMBER! Das dürfte mit Sicherheit die bislang längste Pause zwischen zwei DSA-Romanen sein ... ca. 5 Monate!

Naja, dafür schaffe ich es dann vielleicht endlich mal, die anderen Bücher zu lesen, die noch ungelesen auf meinem Schreibtisch liegen ...
Posted By: Schweige

Re: DSA-Romane - 06/04/03 12:25 PM

Schweiges BEWERTUNGEN (Anmerkungen am Schluß!)

Heyne:

1. Der Scharlatan: ***
2. Túan der Wanderer: *+
3. Die Zeit der Gräber: **
4. Die Löwin von Neetha (Thalionmel 1): ***+
5. Thalionmels Opfer (Thalionmel 2): ***+
6. Feuerodem: *
7. Katzenspuren: ***+
8. Der Drachenkönig: *
9. Der Göttergleiche (ANTHOLOGIE): **+
10. Die Legende von Assarbad: **
11. Treibgut: ***
12. Der Tanz der Rose (Fasar 1): ***
13. Die Ränke des Raben (Fasar 2): ***
14. Das Reich der Rache (Fasar 3): ***
15. Hinter der eisernen Maske (Südmeer 1): **+
16. Im Farindelwald (Salza 1): ***
17. Die Suche (Salza 2): ***
18. Die Gabe der Amazone: ***+ (2x gelesen)
19. Flucht aus Ghurenia (Südmeers 2): **+
20. Spuren im Schnee: ***+ (2x gelesen)
21. Schlange und Schwert: ***
22. Der Spieler: *+
23. Das letzte Duell (Südmeers 3): *+ (enttäuschender Schluß)
24. Das Gesicht am Fenster: ***+
25. Steppenwind: **
26. Der Lichtvogel: *+ (für Nichtexperten schwer verständlich)
27. Die Boroninsel (Rabenchronik 1): ***
28. Aus dunkler Tiefe: **
29. Kinder der Nacht (Rabenchronik 2): ***
30. Von Menschen und Monstern (ANTHOLOGIE): **
31. Heldenschwur: *+
32. Das letzte Lied: **
33. Das Galgenschloß: **
34. Tod eines Königs (Dajin 1): ***
35. Der Schwertkönig (Raidri Conchobair 1): **+ (kein spannendes Buch, aber gute Chronologie der jüngeren Aventurischen Geschichte)
36. Schatten aus dem Abgrund: **+
37. Seelenwanderer: * (überflüssige Fortsetzung von 36.)
38. Der Dämonenmeister (Raidri Conchobair 1): **+ (siehe RC1)
39. Das magische Erbe: ***
40. Der Geisterwolf: ***
41. Und Altaia brannte: ***+
42. Blutopfer: **
43. Die Nebelgeister: **** (2x gelesen, mein DSA-"Inselbuch")
44. Die beiden Herrscher (Dajin 2): **+
45. Die Nacht der Schlange: ***
46. Das Wirtshaus „Zum lachenden Henker“: **+
47. Die Königslarve (Dajin 3): **+
48. Geteiltes Herz: **
49. Erde und Eis (Elementare Gewalten 2): * (für Nichtexperten völlig unverständlich)
50. Gassengeschichten (ANTHOLOGIE): ***
51. Sphärenschlüssel (Aranische Nächte 1): *** (große Hoffnungen ...)
52. Die Hand der Finsternis: ***
53. Zwergenmaske: **
54. Koboldgeschenk: **
55. Blutrosen (Aranische Nächte 2): ** (... schwacher Schluß)
56. Das zerbrochene Rad - Dämmerung: ****
57. Das zerbrochene Rad - Nacht: ****
58. Der letzte wird Inquisitor: **+
59. Druiden-Rache: **
60. Blakharons Fluch: **
61. Westwärts, Geschuppte: ***
62. Das Greifenopfer: ***+
63. Die Mühle der Tränen: **+
64. Aufruhr in Aventurien (ANTHOLOGIE): --- (darf nicht )
65. Lichter Tag (Schatten der Dämmerung 1): **+ (große Hoffnungen ...)
66. Die Schwärze der Nacht (Schatten der Dämmerung 2): *+ (... völlig idiotischer Schluß)
67. Sand und Blut: ***
68. Der geheime Pfad: **
69. Das Daimonicon: **
70. Verborgene Mächte (1): ***
71. Die letzte Schlacht (2): **+

Bastei-Verlag: Das Jahr des Greifen: **+

Die gebundene Original-Ausgabe von "Das zerbrochene Rad": Siehe Band 55 & 56.
Der Sammelband "Piraten des Südmeers": Siehe Band 15, 19 & 23.
Der Sammelband "Drei Nächte in Fasar": Siehe Band 12, 13, & 14.

Anmerkungen:

Mehrteiler habe ich einzeln bewertet, da die Qualität doch schwankt (meist zum Schlechten).
Die Bewertungen der älteren Bücher sind mit Vorsicht zu genießen, da das Lesen doch einige Zeit zurückliegt.
Ich habe bewußt nur selten mehr als 3 Sterne vergeben (in der Hoffnung, daß da noch was kommt ...)

Als Richtlinie:
* - Auch für Fans nicht unbedingt Lesenswert.
** - Typische DSA-Durchnittskost
*** - Wirklich Lesenswert
**** - Auch für "Nicht-Serienleser" ein gutes Buch. (Wenn sie es verstehen, denn das habe ich nicht berücksichtigt)

Die 1/2 Sterne habe ich durch ein + ersetzt um die Liste lesbarer zu machen.
Posted By: Schweige

Re: DSA-Romane - 06/04/03 12:29 PM

Hoppla! Da ist ja noch jemand!

Ich danke Euch für die Rettung meiner Bewertungen (müsste sie noch irgendwo als doc herumliegen haben - aber wer weis schon wo?)
Ich habe das Schliessen des alten Boards gar nicht mitbekommen sonst hätte ich den alten Thread auch gerettet. (Den 1. Teil des DSA-Bücher-Threads müsste ich noch (irgendwo ) auf Platte haben falls es jemanden interessiert.)
Meine Bewertung zu den Blutsbanden folgt ... hat mir - soviel kann ich schon verraten - und, wie oben schon zu sehen - auch sehr gut gefallen.

Bis demnächst

Posted By: AlrikFassbauer

Re: DSA-Romane - 06/04/03 02:00 PM

Aufgrund eines privaten Archivierungs-Projektes dürfte das alte Topic noch erhalten geblieben sein. Siehe dazu auch den ersten Satz dieses Topics.

Posted By: AlrikFassbauer

Re: DSA-Romane - 08/04/03 10:07 PM

Heldentode

Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 10/04/03 12:22 PM

Einige sind schon klasse ...

"Wie jetzt, Erzdämonen sind unsterblich?"

"Meister: Ihr seht, wie sich vor euch eine mächtige Gestalt erhebt. Es ist Borbarad!
Gruppe: HAHAHAHAHAAA!!!!!"

"Spieler: Ich schick dem Mager mit einem Ignifaxius mit 100 Tp (Zf 11+) ins Reich der Niederhöllen.
Meister: Invercano mein Freund"

Meine beiden Favoriten:
"Spieler: Ich nähere mich der Tür und ..
Mesiter : Du bist tot!
Spieler: Warum? Was ist passiert?
Meister: In den namenlosen Tagen passieren seltsame Dinge ..."

und:
"Spieler: Ist es dumm einen Schwarzmagier zu bestehlen???
Meister: Nein Nein, mach nur"



Oh, und der ist auch genial:
Meister:"Dreimal gepatzt auf Brotbacken. Du fällst in den Ofen und verbrennst"
Spieler:"Spinnst wohl?"

Fies:
"Letzte Worte: Ich kann den Dämon von hinten erwischen -- mein Schwert ist Rondra-Geweiht!"
und
Vor dem Inquisitionsgericht: "Das schwöre ich bei Praios und seinen zwölf Geschwistern!"

Und das könnte Ddraiggy sein:
Helden: "Für den König, die Ehre und das Gold!"
Drache: "Für mein Mittagessen!"

Herrlich, herrlich ...
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 16/04/03 04:57 PM

Hey Schweige, du schuldest uns noch eine Kritik!
Posted By: Schweige

Neue DSA-Romane - 12/08/03 01:02 PM

Das Licht einer Ölfunzel husch über feuchtes Mauerwerk und mit Gerümpel übersäten Boden.
"Hier! Äh ... ich ..." Ein Husten zerreist die Stille. Die Gestalt bückt sich und hebt etwas auf. "... ich glaub, ich hab ihn!"
"Was? Wo?"
"Hier!"
"Bist du dir sicher?"
"Schau." Sein schmutziger Handrücken wischt im Schein der Lampe über das staubige Ding.
"Tatsächlich ... sieht aber gar nicht gut aus."
"Nee - wirklich nicht."
"Glaubst du, wir kriegen ihn wieder hin?"
"Schwer zu sagen. Ich denke, wir nehmen ihn einfach mal mit."
"In Ordnung - Aber ich hab ihn viel dicker in Erinnerung."
"Ja, aber das ist ja auch schon lange her. Komm mit ... und stell dich nicht so an!" Die erste Gestallt steckt das Ding ein und geht zum Ausgang.
"Glaubst du wirklich, dass es sich lohnt?" fragt der Zweite.
"Ja!"
Die zweite Gestalt eilt der Ersten nach und ihre Stimmen werden leiser. "Ich mein, gerade mal neun Posts, und der letzte ist schon ein halbes Jahr alt."
"Na und! Ein Versuch ist es wert."
"Aber ..."
"Jetzt halt's Maul und überleg, was du schreiben willst ... Die Fuchsfähren sind ja jetzt raus."

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Nun, ich denke, ich werde die "Fuchsfährten" wohl morgen bekommen, jetzt vorab, sozusagen als Wiederbelebungsversuch, ein paar Sachen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Kann es sein, dass jetzt tatsächlich nur noch vier DSA-Romane im Jahr erscheinen? Ansonsten waren es nur Wiederveröffentlichungen (Im Schatten des Raben). Nach dem was Alex W. hier berichtet hat, und wenn ich mir die Amazon Verkaufscharts ansehe, ist die Serie ja überaus erfolgreich.
Liegt es an FanPro oder Heyne?

Beim FanPro eigenen Phoenix Verlag sind jetzt auch noch zwei DSA-Romane erschienen:

Unsterblicher Traum von Patricia Renau
und
Blaues Licht von Daniela Knor

Kennt einer von Euch diese Bücher?

Als nächste Heyne-DSA-Romane konnte ich übrigens bisher

König der Diebe (Autor?)
sowie
Flammenbund (Rhiana 1) von H.-J. Alpers
und
Das Artefakt (Rhiana 2) von Andre Wiesler

ausmachen.

Und noch eine Anregung - Da die ganzen alten Posts verlorengegangen sind, vielleicht zur Anregung und Auffrischung:
Welche DSA-Bücher sind Eure Lieblinge und welche findet ihr am schrecklichsten und warum ... man muss ja nicht nur die Allerneusten Rezensieren ...

... bis dann ... und meine entgültige "Blutsbande"-Kritik folgt auch noch ... ach ja ... gibt's eigentlich was neues von den hier anwesenden (Hobby - AiA - ...-) Autoren? Was neues geschrieben, veröffentlicht? ...
... äh, ja ... bis dann ...
...
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 15/08/03 11:46 AM

Im Grunde genommen könnte ich deinen Post glatt kopieren, Schweige ...

Ich habe "Fuchsfährten" diese Woche gekauft, muß aber erst noch ein anderes Buch (mit über 700 Seiten ...) zu Ende lesen.
Ob und falls ja, warum die Anzahl der Romane eingeschränkt wird (vielleicht war die Halbjahrespause ja einmalig), kann ich auch nicht sagen. Ich fände es jedenfalls schade.
Und die Phoenix-Romane (bekommt man die überhaupt in normalen Buchläden? Konnte nichts finden bislang) werde ich sicherlich nicht lesen, ehe ich nicht andere Erfahrungsberichte erhalte, zumal mir beide Autorinnen gänzlich unbekannt sind.

P.S.: Auf jeden Fall freue ich mich, daß es demnächst endlich mal wieder was Neues von Hans-Joachim Alpers zu lesen gibt!
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Neue DSA-Romane - 02/09/03 11:58 PM

Amber Interview

Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 03/09/03 09:12 AM

Klasse Interview (übrigens mit Martina Nöth, ich schätze mal, der Name sagt doch mehr DSA-Fans etwas als "Amber")!
Über ihren nächsten Roman:
"Oh, es wird um eine Geheimdienstmission in die Dunklen Lande gehen mit einem überraschenden Ende, die allerdings sehr blutig und horrorlastig werden wird, ich möchte das Potenzial der Dunklen Lande richtig ausschöpfen.
Und es wird ein Wiedersehen mit Personen aus dem ersten Teil geben!"
Klingt doch vielversprechend!

Wen sie am liebsten aus Aventurien verbannen würde:
"Geht’s auch im Dreierpack? Emer, Rohaja und Ypolitta – ich finde diesen Emanzenhaufen grauenvoll und würde dem Mittelreich mal wieder einen Herrscher wünschen, der charismatisch, frei von Pubertätsproblemen und ohne Menstruationsgezicke als Autorität regiert!"

Und wer sollte auf keinen Fall verschwinden?
"Rhazzazor, weil er fault so sympathisch"
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 11/09/03 12:49 PM

FUCHSFÄHRTEN:
Die Handlung des DSA-Roman-Debüts von Thomas Plischke ist sehr durchschnittlich, die Umsetzung gut.
Es handelt sich sozusagen um ein typisches Stadtabenteuer (zumindest überwiegend) mit einer ziemlich typischen P&P-Heldengruppe: Der reiche Ziehvater (und Phex-Geweihte) der Hauptfigur Severin wird ermordet. Gemeinsam mit einem jungen Medicus, einem Thorwaler und einer Söldnerin macht er sich auf die Jagd nach dem Mörder. Wie gesagt: Nicht übermäßig originell, aber sehr sympathisch, flüssig und auch erfreulich humorvoll aus der Sicht von Severin geschrieben. Das Ende ist dann etwas zwiespältig. Ein Teil der Auflösung ist ziemlich enttäuschend, andere Wendungen sind dafür sehr erfreulich.
Wie auch immer; für die Story gibt es eine 3, für den Erzählstil eine 2, ergibt insgesamt eine 2-.
Plischke darf jedenfalls ruhig weiter DSA-Romane schreiben. Ich denke, es ist auch ganz normal, wenn man sich bei seinem Debüt erstmal eine nicht ZU ausgefallene Story überlegt, sondern auf Bewährtes zurückgreift. Würde ich zumindest auch so machen. Beim zweiten Versuch darf man dann ruhig etwa mehr riskieren!
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 11/09/03 12:52 PM

Ja Leute, was soll DAS denn???

"Diese Nachricht kann nicht mehr geändert werden, da die Editierzeit abgelaufen ist"

Diese Meldung erscheint, wenn ich meinen ersten Post in diesem Topic mit der DSA-Roman-Liste editieren will. Na super, wofür soll DAS denn gut sein? Heißt das jetzt, daß ich jedesmal, wenn ich einen neuen Roman in die Liste einfügen will, die gesamte Liste kopieren und in einen neuen Post einfügen soll? Das wird ja dann extrem unübersichtlich.

Könnt ihr das irgendwie ändern, Marian???
Posted By: Steffen

Re: Neue DSA-Romane - 11/09/03 04:04 PM

Vielleicht nur eine Vorsichtsmaßnahme des Forenscripts.

Topicstart: Wie geht es euch?
Antwort: Echt Spitze!!!

Änderung des Starts: Wie findet ihr Heino?

Also Änderungen nur möglich, so lange es noch keine Antwort gab.
Posted By: Schweige

Re: Neue DSA-Romane - 11/09/03 05:56 PM

Welch Zufall! Auch ich habe meine Fuchsfährten Kritik heute geschrieben.

Also:

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Rezension: "Fuchsfährten" von Thomas Plischke

Severin, seines Zeichens hauptberuflicher Neffe, wird vom Tod seines Onkels völlig überrascht. Noch verwirrender wird für ihn die Angelegenheit, als er feststellt, dass der Onkel wohl Opfer eines heimtückischen Mordanschlages wurde, er selber von einem Mitglied der garethischen Criminal-Cammer dieses Mordes verdächtigt wird und der tote Onkel wohl ein wichtiges Mitglied der dunklen Seite in der Kirche des Gottes der Händler und Diebe war. Als solcher hatte er ein geheimnisvolles Artefakt in Gewahrsam, welches jetzt natürlich verschwunden ist.
Und so zieht Severin bald mit einer Hand voll Gefährten los, um die Überlebenden einer Gaunertruppe zu suchen, in deren Händen sich das gesuchte Amulett befinden müsste. Doch leider bekommen sie immer wieder Besuch von einem fuchsköpfigen Ungeheuer, welches die Zeugen in die Arme Borons schickt.

Genug Stoff für eine spannende Kriminal-Queste also, leider springt der berühmte Funke oft nicht über, die Personen bleiben Klischee, ihre Handlungen voraussehbar oder - ganz im Gegenteil - abrupt und unmotiviert. Der eine oder andere Handlungsabschnitt scheint eher am Spieltisch entstanden, als durchdachter Romanplot zu sein.
Nur ein Beispiel: Severin verkleidet sich, um die Stadt ungesehen verlassen zu können, als Frau. Was andere Autoren zu einem (zugegebenermaßen nervigen und abgedroschenen) Charlies Tante Kapitel ausgebaut hätten, verläuft in den Fuchsfährten völlig unspektakulär. Es passiert nämlich, außer ein paar Bemerkungen seiner Reisegefährten, gar nichts. Als sie die Stadtmauern hinter sich haben, zieht er seine normalen Klamotten wieder an - Punkt. Wie gesagt, ich stehe überhaupt nicht auf peinlichen "Schenkelklatsch-Bäumchen-wechsel-dich-Humor", aber an diesem ist der Hauptmangel des Buches gut auszumachen.

Es gibt packendere und ausgereiftere Geschichten in dieser Roman-Serie (z.B.: "Das gebrochene Rad" oder "Die Nebelgeister"), die auf der "Speziellen-DSA-Roman-Skala" (nicht zu verwechseln mit der "Allgemeinen-Weltliteratur-Skala") bei mir ganz oben stehen.

Da das Buch auf seinen 340 Seiten trotzdem einige Stunden vergnügliche Unterhaltung bietet, vergebe ich zwei Sterne.

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P.S.: Auch ich würde meine Wertungen gerne wieder editieren.

Ich lese gerade "Unsterblicher Traum" von Patricia Renau, den ersten DSA-Roman der im Fanpro-eigenen Phoenix Verlag erschienen ist. Nach den ersten 60 Seiten kann ich nicht sagen, dass diese Reihe schlechter wird als die Heyne Romane. Zumindest bisher kann das Buch mit den Fuchsfährten mithalten.

Zu Ralfs Kritik: Natürlich will auch ich den Autor nicht entmutigen und würde sicher noch den einen oder anderen Roman von ihn lesen. Ist immerhin solides Handwerk ... und wer von uns wollte denn nicht auch ... ihr wisst schon ... der eigene Name auf dem Umschlag ... schnief ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Neue DSA-Romane - 11/09/03 10:01 PM

@Steffen : ROTFL !!!
Posted By: Steffen

Re: Neue DSA-Romane - 12/09/03 11:04 PM

*schnief* Und es lebt vielleicht doch noch:
http://www.vinsalt.de/Ticker/Aktuell/aktuell.html?100903_1
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 13/09/03 12:58 PM

Wegen Edit-Einschränkung:
Ich glaube nicht, daß solche Vorsichtsmaßnahmen in diesem Forum nötig sind. Und selbst wenn: Was könnte denn schon schlimmes passieren?
Die Frage ist nur, ob sich die Sache überhaupt ändern läßt, oder ob das bei diesem Forumstyp einfach zum Gesamtpaket gehört.
Außerdem stellt sich natürlich noch die Frage, ob die Larians es überhaupt ändern WÜRDEN? Marian? Maaaaaarian!
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 15/09/03 04:25 PM

Interessanterweise hat "Fuchsfährten" bei amazon bislang dreimal die Höchstwertung erhalten ...
Posted By: Schweige

Re: Neue DSA-Romane - 18/09/03 10:18 AM

Verwundert beobachten wir Fans der DSA-Romane die sich wandelnde Veröffentlichungspolitik von Fanpro/Heyne. Gab es im Jahr 2002 noch satte neun Neuerscheinungen, so waren es 2003 noch gerade drei. Dann hat man sich gerade damit abgefunden, dass Fanpro vielleicht in Zukunft mehr auf Qualität als auf Quantität setzen will (was fraglich ist, da die drei Veröffentlichungen auch nur Durchschnitt sind), oder dass einfach der Nachschub fehlt (was ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann), da entdeckt man plötzlich unter dem Fanpro eigenen Phoenix Label zwei weitere Aventurien Romane. Ob Fanpro die Veröffentlichung der Romane langfristig in die eigene Hand nehmen will - was geschäftlich zumindest bisher unklug wäre: Heyne hat immerhin einen "Namen" und ein "Phoenix" Buch ist mir bisher an keinem Bahnhofskiosk (meine Hauptquelle für DSA-Bücher) begegnet - oder ob hier die Bücher erscheinen, die es nicht zum "richtigen" Verlag schaffen, wird wohl vorerst ein Geheimnis bleiben.

Rezension: "Unsterblicher Traum" von Patricia Renau

Inisharca (genannt Cara) ist die Frau des Dorfschmieds, etwas pummelig, hat zwei Kinder und ist in der Gegend eigentlich nur durch ihr Talent als Näherin bekannt.
Doch ein anderes, verborgenes Talent bringt ihr Leben völlig durcheinender. Mit Hilfe ihrer magischen Fähigkeiten befreit sie den jungen Hexer Feirin aus den Fängen der Inquisition.
Auf der Flucht, durch den Reichsforst, in dem sich ihnen ein kleiner Drache anschließt und hartnäckig an ihnen kleben bleibt, nach Gareth und weiter, wird immer deutlicher, dass es nicht nur der entlaufene Hexer ist, der von der Inquisition gesucht wird, bald heften sich noch einige Paktierer an ihre Fersen.
Hat es etwas mit den seltsamen Träumen zu tun, die Inisharca ihr Lebtag plagen, und zur Zeit so intensiv sind wie nie, oder hat es etwas mit dem glitzernden Stein zu tun, den die Frau ein paar Monde zuvor gefunden hat?

"Unsterblicher Traum" ist zunächst ein "Reise-Roman". Den meisten Orten und Personen - ob hilfreich oder nicht - begegnet man einmal, dann gehen sie ihres Weges. Die Autorin beschreibt sie aber mit genügend Lokalkolorit, so dass man der Flucht der drei Protagonisten durch das Mittelreich und darüber hinaus mit Vergnügen folgt. (Ach ja: Wie weit diese Beschreibungen DSA-Regelkonform sind, muss ich, wie immer, anderen überlassen.)
Bald ist klar, dass Caras Geheimnis für die Geschichte wichtiger wird, als zu Beginn angenommen. Ihre, anfänglich unklaren und durch die seltsame Sprache etwas nervig zu lesenden, Träume rücken weiter und weiter in den Mittelpunkt, so dass ich ab etwa der Hälfte des Buches der Auflösung regelrecht entgegenfieberte. Denn dies ist der Autorin wirklich gelungen: Die Pointen bleiben bis zum Schluss wirklich offen. Klar habe ich das eine oder andere geahnt, aber das kann hinterher ja jeder sagen ...

Woran zu mäkeln wäre: Leider ist der Showdown dann doch etwas schwach, die Lösung eines Rätsels etwas enttäuschend, die "Gutenachtgeschichtenrahmenhandlung" etwas überflüssig. Zudem wechselt die Autorin öfters mitten in einem Absatz die Person (Sichtweise), was verwirrend ist und, außer bei Leuten, die das wirklich beherrschen, als Todsünde gilt.
Zum Buch selber muss ich sagen, dass es einige Druckfehler gibt. An zwei Stellen hatte ich den Eindruck, als ob gar ein ganzes Wort fehlt.

"Unsterblicher Traum" ist eine klassische Aberteuergeschichte mit sympathischen Helden, schurkischen Schurken, einigen schönen Rätseln und etwas Tiefgang. Ohne das Buch in ungerechtfertigte Höhen zu loben, muss ich sagen, dass es das größte "DSA-Lesevergnügen" war seit Alex Ws "Sand und Blut".

Drei Sterne.
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 18/09/03 04:30 PM

Ich habe zufällig gestern beide Phoenix-DSA-Romane bei amazon.de bestellt. Das zweite hat ja anscheinend immerhin über 500 Seiten (kostet aber auch satte 10 Euro). Aber im Buchhandel habe ich die Dinger jedenfalls auch nirgends gefunden.
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 26/09/03 02:25 PM

Neues über die DSA-Romane von der Ratcon:
http://www.vinsalt.de/Ticker/ratcon03_3.htm

Ich will hier einiges kurz zusammenfassen und zitieren:

1. Die bisherige DSA-Reihe bei Heyne wird aufgrund der diversen Verlagsübernahmen eingestellt, weil nicht rentabel genug! Es soll jedoch eine neue Reihe geben (wobei mir nicht ganz klar ist, ob die auch etwas mit DSA zu tun haben soll?)

2. Grundsätzlich werden die DSA-Romane jetzt beim Phoenix-Verlag erscheinen (na toll, dann muß ich die Dinger wohl immer bei amazon bestellen, da es sie bislang in keinem Buchladen in meiner Nähe gibt). Dummerweise wird die Trennung zwischen Aventurien- und Myranor-Romanen aufgehoben. Das nervt mich persönlich tierisch, da mich Myranor nicht die Bohne interessiert, ich aber grundsätzlich gerne alle Bücher einer Reihe lesen will. Das muß ich dann wohl aufgeben ...

3. Bereits angekündigt war ja die neue Reihe "Rhiana" von verschiedenen Autoren. Dazu heißt es u.a.:

"Die neue Reihe wird im Gegensatz zu der bisherigen einen Hauptcharakter bzw. Hauptcharaktere erhalten, die die Leser von Buch zu Buch bei ihren spannenden Geschichten begleiten können. Bisher war es so, dass der aventurische Kontinent selbst quasi der Hauptcharakter und das verbindende Glied zwischen den DSA-Romanen war, was sich jedoch leider auch - auch aufgrund der schwankenden Qualität der Romane - negativ auf die ganze Reihe auswirkte."

Mein Kommentar: Schwachsinn! Daß es immer verschiedene Charaktere gab und der Hauptnenner der Romane Aventurien war, hat sich doch NIE IM LEBEN "negativ auf die ganze Reihe ausgewirkt"! Ich bin ja mal sehr skeptisch, wie das neue Konzept funktionieren wird. Ein Hauptcharakter ist ja schön und gut, aber wenn der/die von verschiedenen Autoren übernommen wird, muß das doch zwangsläufig zu neuen Problemen führen (anderer Schreibstil, andere Beschreibung der Hauptperson - wenngleich natürlich "Grundregeln" für alle Autoren festgelegt werden -, immer noch Qualitätsunterschiede der einzelnen Autoren, ...). Außerdem wird diese Reihe ab ca. 80 vor Hal spielen, was ich auch nicht so toll finde.
Ich weiß ja nicht, ob das Ganze wirklich der Weisheit letzter Schluß ist. Aber gut: Ich lasse mich gerne überzeugen!
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Neue DSA-Romane - 26/09/03 09:08 PM

Hab's grade gelwesen.

Mein Lieblingssatz :

In Antwort auf:

Wer jedoch mal einen Blick auf die PC-Spiele Divine Divinity oder Sacred geworfen hat, der kann sich ungefähr vorstellen, wie DSA auf dem PC hätte aussehen können...



Posted By: Alix

Re: Neue DSA-Romane - 13/10/03 03:03 PM

Ich überlege gerade ob ich einige DSA und andere Fantasy Bücher bei Amazon verkaufe....
Möchte jemand hier "Das Jahr des Greifen" oder "3 Nächte in Fasar" kaufen? (nicht unbedingt für 500 Goldstücke, vielleicht 4-6 Euro + Versand ... Ich weiß aber nicht was der Versand kostet, weil die Bücher sind ziemlich [nocando]...)
Dann hätte ich von Hohlbein die Saga von Gart und Torian (1-3 als einzelne Handcover und 4-6 als Sammel-Paperback)

Gibts eigentlich noch eine Stelle wo man gebrauchte Bücher verkaufen kann? (ausser Amazon und Ebay) Die Antiquariate hab ich schon versucht... denen sind die Bücher zu neu.
Ich brauche Platz im Regal und sortiere z.Z. alles aus was ich sowieso nicht wieder lesen werde, weil es kein mir gefallendes "Happy" Ende hat.


Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Neue DSA-Romane - 13/10/03 06:25 PM

Wie wär´s denn mit einer anderen öffentlichen Bücherei, nicht unbedingt gleich sowas spezielles wie ein auf besonders alte Bücher fokussierter Laden.

Habt Ihr eine Stadt-/Gemeindebücherei?
Oder nehmen die´s nur geschenkt?


Ragon
Posted By: Alix

Re: Neue DSA-Romane - 14/10/03 06:08 AM

Die nehmen nur geschenkt, bei Büchern die neuer als 3 Jahre sind bekommt man u.U. eine Spendenquittung. Ich habe da schon 3 Kisten alter Bücher abgegeben (Krimis und so was, was ich früher mal gern gelesen hab ...) Ich kann Bücher einfach nicht wegwerfen... Die Bibliotheksdame hat mir versprochen die nicht benötigt werden in den Rentnerclub zu geben...

Posted By: AlrikFassbauer

Re: Neue DSA-Romane - 14/10/03 02:33 PM

Bibliotheksdame ? Kiya ?

Das Jahr des Greifen - wenn's 'ne alte Ausgabe ist - würde ich behalten, oder vorsichtig verkaufen, denn das ist in meinen Augen schon etwas wertvoller (okay, seitz dem Nachdruck nicht mehr ... ) , ansonsten : Gibt's kein "Modernes Antiquariat" bei euch ? Sowas gibs doch eigentlich überall ...

Posted By: Lysandra

Re: Neue DSA-Romane - 15/10/03 11:20 AM

Du kannst relativ einfach bei Booklooker.de was reinsetzen, einfach registrieren, obwohl ich vermute, dass die auch eine Gebühr nehmen. Auf jeden Fall bieten da eine Menge Antiquariate ihre Sachen an.
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 16/10/03 12:31 PM

Hat mittlerweile eigentlich mal jemand eines der "Gezeitenwelt"-Bücher von den DSA-Autoren gelesen?
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 03/11/03 01:48 PM

UNSTERBLICHER TRAUM:
Eigentlich kann ich nur Schweiges Kritik auf der ersten Seite des Topics zustimmen. Und zwar in so ziemlich jedem Punkt.
Größte Stärke der Geschichte ist IMHO die Zusammensetzung der zentralen "Heldengruppe". Ein junger Hexer (was noch nicht so spektakulär ist), ein Meckerdrache (man braucht ja auch was zum Schmunzeln ) und vor allem eine Näherin mittleren Alters. Eine untypischere Hauptfigur eines Fantasyromans kann man sich ja kaum vorstellen! Und so werden der nicht überragend originellen Geschichte auch durchaus ein paar neue Facetten abgewonnen.
Etwas irritiert hat mich der Handlungsstrang mit den "Träumen". Irgendwie gibt es eigentlich keine echte Auflösung dafür. Andererseits: So ist das Leben nunmal ...

Insgesamt eine stimmungsvolle, sympathisch erzählte Fantasy-Geschichte. Note 2 (oder drei Sterne).

Das ist nun also der erste DSA-Roman aus dem Phoenix-Verlag. Was hat uns das gebracht? Einen noch höheren Preis als bei Heyne (8,50 Euro für knapp 300 Seiten sind schon happig - der zweite Roman bietet immerhin 500 Seiten für 10 Euro - ist aber auch nicht gerade ein Schnäppchen), als Gegenleistung dafür aber massig Druckfehler (ich gehe mal wohlwollend davon aus, daß es nicht wirklich Rechtschreib- oder Grammatikfehler sind ...). Wirklich prima. Hoffentlich wird das demnächst besser!
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 14/11/03 02:38 PM

Sehr interessant finde ich Hadmar von Wiesers Bewertung seiner eigenen Bücher aus dem von Ragon im "DSA-News"-Topic geposteten Interview:

"DER LICHTVOGEL: Begabter Jungautor. Hat anscheinend noch nie einen Roman geschrieben. Geile Ideen, keine Ahnung von Rhythmus und Spannungsbogen. Eine Schnapsidee, diese Handlung in sechs Wochen zu quetschen.

DER SCHWERTKÖNIG: Fühlt sich ehrlich und authentisch an, aber in Episoden zerrissen. Lernen Sie, wie man Szenen in einander überleitet. Warum ist der Akteur schon mit 20 ein Superheld? Ach so, das war die redaktionelle Vorgabe. Na gut, trotzdem unglaubwürdig.

DER DÄMONENMEISTER: Wieder zu szenisch. Zu wenig Aufbauarbeit, immer gleich in die Vollen. Zu viel Sex. Wirklich originelles Ende. Schade. Wenn Sie das nicht auf den letzten Seiten machen, sondern durch beide Bücher aufbauen, wäre es Literatur gewesen.

ERDE UND EIS: Liebenswerte und gut eingeführte Figuren. Die Handlung ist noch immer Stop-and-Go-Bus-Tourismus, aber besser. Unverständliche Szene in der Zitadelle: Sie schreiben nicht für 40jährige Philosophen, sondern für 18jährige Fantasyfans. Weitermachen.

TRONDE GEHT FEIERN (aus: VON MENSCHEN UND MONSTERN): Brüllend komisch. Sehr aventurisch, sehr echt. Warum schreiben Sie halbwegs gute Romane über Superhelden, wenn Sie wirklich gute Kurzgeschichten über liebenswürdige Käuze schreiben können?

HIMMLISCHES FEUER: Wow. Schwer. Nobel. Beeindruckend aufgezogen. Eine unwiderstehliche Hauptfigur. Mühsamer Anfang. Viel zu viele Namen, viel zu lange Namen. Aufregend echte Kulturen, interessante Protagonisten. Hart, wirklich hart. Hängt im zweiten Drittel wieder etwas durch. Rhythmus gegen Ende immer besser. Definitiv weiterschreiben."

Ganz schön selbstkritisch, Respekt.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Neue DSA-Romane - 14/11/03 03:59 PM

Und selbstironisch!

Posted By: Marian

Re: Neue DSA-Romane - 14/11/03 05:14 PM

Eigentlich weder das eine noch das andere übermäßig viel. Wenn man zwischen den Zeilen liest, merkt man, daß er sich eigentlich hauptsächlich über die Vorgaben beschwert, die ihm Fanpro beschert hat. Die Eckpfeiler der Story, die er nicht ändern durfte, weil die aventurische Geschichte eben auf diesen Eckdaten in Stein gemeißelt wurde.
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 14/11/03 05:39 PM

Hmm, so KANN man das natürlich auch interpretieren, aber ich verstehe es eher wie Alrik: als Selbstironie.
Naja, wahrscheinlich wie üblich eine Mischung ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Neue DSA-Romane - 14/11/03 07:45 PM

Womit du wieder einmal Stoff für die "Drei-sind-eins"-Theorie gegeben hast : Ragon, Alrik und Ralf sind angeblich ja in Wirklichkeit ein und dieselbe Person ...

Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Neue DSA-Romane - 14/11/03 10:26 PM

Quote:

Hmm, so KANN man das natürlich auch interpretieren, aber ich verstehe es eher wie Alrik: als Selbstironie.
Naja, wahrscheinlich wie üblich eine Mischung ...




Und wenn man dabei dann noch in Betracht zieht, wer das interpretiert...!!
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 20/11/03 01:18 PM

Mittlerweile ist übrigens der erste "Rhiana"-Roman von Hans-Joachim Alpers erschienen. Mal sehen, ob dieses neue DSA-Roman-Konzept was taugt ...
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 29/01/04 03:46 PM

BLAUES LICHT von Daniela Knor:
"Blaues Licht" entführt den Leser weit in die Vergangenheit Aventuriens. Genauer gesagt in das 4. Jahrhundert nach Bosparans Fall, in die Zeit der Herrschaft der Priesterkaiser.
Erzählt wird die Geschichte eines der bedeutendsten Heiligen der Firun-Kirche, Mikail von Bjaldorn.
Nun, die Rahmengeschichte ist eigentlich nicht sonderlich originell. In Bjaldorn werden einige Geweihte ermordet und verstümmelt und Mikail will mit Hilfe einiger Freunde den oder die Mörder finden.
Viel interessanter ist allerdings, wie Daniela Knor die Geschichte erzählt. Auf 500 Seiten läßt sie sich erfreulicherweise viel Zeit für die Entwicklung der zahlreichen Haupt- und auch Nebencharaktere, ohne daß es langweilig würde. Auch die Schilderung des ländlichen Lebens und der zahlreichen Jagden (bei einem Firun-Geweihten als Hauptperson natürlich unverzichtbar ) ist sehr gelungen. Man merkt an den vielen Details, daß sie sich große Mühe gegeben hat, alles wichtige zu beachten und daß sie auch gut recherchiert hat (sowohl was irdische als auch DSA-Belange angeht). Die Geschichte ist spannend erzählt und bereits relativ früh gibt es sogar eine unerwartete Wendung, die ich persönlich schlicht für brillant halte.
Kritikpunkte gibt es natürlich auch. Am schwerwiegendsten ist dabei, daß man bereits ziemlich früh den Täter erahnt - und daß dessen Motivation am Ende IMHO nicht wirklich zufriedenstellend erläutert wird.
Zudem gibt es ein paar kleinere handwerkliche Mängel, die meines Erachtens darauf hindeuten, daß Daniela Knor noch ein "Frischling" als Romanautor ist. Aber Raum für Verbesserungen muß schließlich immer gegeben sein, insgesamt war ich mit "Blaues Licht" sehr zufrieden (wenngleich ich bei den erwähnten Jagden irgendwie immer auf Seiten der "Opfer" war ... ).
Eine glatte 2.

Damit läßt sich schon mal sagen, daß die DSA-Romane aus dem Phoenix-Verlag sich qualitativ nicht hinter der Heyne-Reihe verstecken müssen (zumindest nach den ersten beiden Bänden).
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 17/02/04 08:24 PM

DER FLAMMENBUND von Hans-Joachim Alpers (erster Band der neuen Heyne-DSA-Reihe "Rhiana, die Amazone"):
Die junge Rhiana ist die Prinzessin des kleinen Inselkönigreichs Talania. Allerdings befindet sie sich nach einer Rebellion und dem Tod ihres Vaters bereits seit vielen Jahren mit einer Gruppe Königstreuen auf der Flucht in Aventurien.
Denn sie werden von einem geheimnisumwitterten Feind verfolgt, der bei ihnen ein wertvolles Geheimnis vermutet.
Man merkt, daß Alpers ein alter Fantasy-Hase ist. Er macht keine Anfängerfehler, die es bei den DSA-Romanen recht häufig gibt, sondern schreibt souverän seinen Stiefel herunter.
Allerdings auch nicht unbedingt mehr. Die Story ist nett, aber nicht sonderlich aufregend. Und einige Handlungselemente sind gar so vorhersehbar, daß es einen wirklich ärgert, daß die Protagonistin des Romans sie erst 100 Seiten später begreift als man selbst ... das ist schlecht für die Spannung.
Natürlich hat Alpers das Problem, daß er den Anfang schaffen mußte für diese neue Reihe, die von verschiedenen Autoren fortgesetzt wird. Und zwar handelt es sich dabei offensichtlich - wie das "Fortsetzung folgt"-Ende beweist - nicht um in sich abgeschlossene Geschichten wie z.B. bei der "Conan"-Reihe, sondern wirklich um eine große Storyline. Mutiger Versuch von Heyne, mal sehen ob das klappt.
Jedenfalls wird die Story gegen Ende der gut 350 Seiten dann so langsam richtig interessant und ich bin schon gespannt auf die bereits erschienene Fortsetzung von André Wiesler.

Für "Der Flammenbund" gebe ich eine 2-.
Da hat mir Alpers´ umstrittene "Piraten des Südmeers"-Trilogie doch wesentlich besser gefallen.
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 05/03/04 06:44 PM

DAS ARTEFAKT von André Wiesler:
Bereits der zweite Band von Heynes neuer "Rhiana"-Reihe zeigt perfekt die Probleme, die ein Konzept, das viele verschiedene Autoren für eine Storyline verwendet, beinhaltet.
Natürlich will jeder Autor ganz gerne eigene Ideen einbringen und nicht nur das Werk seines Vorgängers einfach fortführen. Das führt in diesem Fall dazu, daß Alpers´ solider und in sich durchaus stimmiger Auftakt zur Reihe hier in viele verschiedene Storylines zersplittert wird.
Einige Hauptpersonen aus "Der Flammenbund" werden nur am Rande erwähnt, dafür gibt es massig neue. Zudem sind die meisten Kapitel sehr kurz (was wiederum einen Formbruch gegenüber den extrem langen Kapiteln im "Flammenbund" darstellt). Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen kurze Kapitel. Das kann durchaus ein spannungsförderndes Mittel sein, wenn es richtig eingesetzt wird. Aber hier empfang ich es eher so, daß ich jedes Mal, wenn ich mich gerade mit der Storyline angefreundet habe, abrupt zum nächsten Schauplatz des Geschehens gerissen wurde. Sehr ärgerlich. Zudem habe ich in der Vielzahl der unterschiedlichen Handlungsstränge immer wieder mal Dinge vergessen, auf die dann Bezug genommen wurde.
Okay, das Problem gibt es wahrscheinlich nicht, wenn man das Buch am Stück durchliest, aber dank Prüfungszeit kam ich halt doch nur zu ein paar Kapiteln pro Tag.
Naja, soviel zur Kritik.
Um den Inhalt nicht vollständig zu vernachlässigen (obwohl es aufgrund des Fortsetzungscharakters der Reihe naturgemäß schwierig ist, halbwegs spoilerfreie Inhaltsangaben zu machen): Hauptsächlich konzentriert sich die Story (mal wieder) auf den Farindelwald und andererseits auf Thorwal.
Die Charaktere, die in beiden Büchern vorkommen, sind wenigstens konsistent beschrieben, mir sind keine allzu auffälligen Widersprüche in ihrem Verhalten oder ihrer Sprechweise aufgefallen.
Immerhin.
Insgesamt ist "Das Artefakt" für mich jedoch gegenüber dem auch nicht überragenden Auftakt von Alpers ein Rückschritt und geradezu ein Paradebeispiel für ein durchschnittliches Buch.
Also eine glatte 3.
Was ich geschrieben habe, klingt zwar eigentlich negativer. Aber das bezieht sich zu einem Großteil auf diese Fortsetzungsproblematik, die ja nicht Schuld des Autors ist. Für sich genommen ist das Buch aber wirklich nicht schlecht, deshalb die 3.

P.S.: Sagt mal, liest außer mir eigentlich gar niemand mehr DSA-Romane?
Posted By: bernhard

Re: Neue DSA-Romane - 08/03/04 02:00 PM

@Ralf: eingentlich nicht. Früher habe ich doch etliche gelesen, doch jetzt schon lange das DSA komplett aus den Augen verloren. Nachdem es meine Spielrunde vor 6 jahren zerstreut hat...
...Naja, du kennst das wahrscheinlich eh.

Trotzdem lese ich deine posts immer und bin dankbar, wenigstens ab und zu ein bisschen was aus Aventurien zu hören.
Posted By: WAH2

Re: Neue DSA-Romane - 08/03/04 02:06 PM

Mir gehts da genau wie bernhard, ewig keine Gruppe mehr, und auch lange keinen Roman mehr gelesen. Aber schreib ja weiter ich les das immer wieder gerne
Posted By: Patarival

Re: Neue DSA-Romane - 08/03/04 02:58 PM

Hin und wieder lese ich einer der älteren DSA-Romane. Hab ein paar in meiner Sammlung. Komme leider in letzter Zeit kaum zum Lesen. Aber ich finde Deine Kritiken wirklich gut. Ich habe mir auch "Flammenbund" wegen Dir gekauft -- nur eben hatte ich noch keine Zeit, es zu tatsächlich zu lesen.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Neue DSA-Romane - 08/03/04 03:32 PM

Zum Thema "DSA wird Zwanzig :

In Antwort auf:

Doch auch Lesenswertes gibt es zum Jubiläum: So

ist ein Taschenbuch in Arbeit, in dem die

Geschichte und der Hintergrund von DSA genauer

beleuchtet wird – mit Vorstellung der jetzigen und

der früheren Redakteure, mit Anekdoten aus den

unterschiedlichen Epochen und mit einigen

Kurzgeschichten von bekannten Autoren und

Autorinnen, in denen der Leser altbekannten

Figuren begegnen kann.

Zusätzlich gibt es noch einen Aufruf für einen

Kurzgeschichten-Wettbewerb, dessen Ergebnis

allerdings erst im kommenden Jahr präsentiert

wird.



Im letzten Newsletter habe ich alle kreativen DSA-

Anhänger unter Ihnen zu unserem

Jubiläums-Kurzgeschichten-Wettbewerb aufgerufen.

Und - kaum zu glauben, aber wahr: Die ersten

Geschichten sind tatsächlich schon eingetroffen!

Dennoch besteht kein Grund zur Eile: Das gesamte

Jahr 2004 steht Ihnen zur Verfügung, um sich mit

Ihrer Kurzgeschichte am 20-jährigen Bestehen

der aventurischen Spielwelt zu beteiligen! Die

besten Geschichten werden im Frühjahr 2005 in

einer eigenen Anthologie veröffentlicht. Dadurch

sind wir in der glücklichen Lage, der Vielfalt

Aventuriens auch dadurch Rechnung tragen zu

können, dass wir nicht einen einzigen "ersten

Preis" vergeben müssen. Vielmehr wird es eben so

viele "erste Plätze" geben wie Kurzgeschichten in

der Anthologie! Scheuen Sie also nicht den Schritt

in die Öffentlichkeit - jede adäquate Umsetzung

Ihrer persönlichen Sicht auf Aventurien und seine

Bewohner hat eine Chance, ihren Platz im

Jubiläumsband zu erhalten. Auf mehrfachen Wunsch

reiche ich heute eine wichtige Information nach,

nämlich die Postadresse, an die Sie Ihre

Geschichten bitte versenden:



Fantasy Productions

z. Hd. Catherine Beck

Ludenberger Straße 14

40699 Erkrath






Im Laufe dieses Jahres wird die DSA-Redaktion auf

den größeren Conventions noch mehr als sonst

vertreten sein, und geplant ist in diesem Rahmen

ein Quiz für DSA-Kenner im Stil von „Wer wird

Millionär". Nach mehreren Vorausscheidungen soll

auf dem RatCon dann das „DSA-Superhirn" ermittelt

werden. Über den genauen Ablauf und Preise werden

wir vor Beginn der Quizreihe noch informieren.





EDIT : Aus dem letzten Newsletter : Details zum Geschichtenwettbewerb :

In Antwort auf:

Beweisen Sie Ihre Kreativität erneut und senden

Sie uns Kurzgeschichten zu, die Aventurien und

seine Bewohner in allen Lebenslagen zeigen.

Eine Themenvorgabe gibt es nicht - wir möchten

Ihnen die Möglichkeit geben, das DSA-Jubiläumsjahr

zu nutzen, um Ihren ganz persönlichen Beitrag zu

diesem feierlichen Anlass zu leisten. Daher steht

Ihnen auch das komplette Jubiläums-Jahr 2004 zur

Verfügung.

Die besten Kurzgeschichten werden dann

voraussichtlich im Frühjahr 2005 in einer

speziellen Anthologie erscheinen - von Spielern

für Spieler.



Natürlich haben wir uns ein paar formale

Rahmenbedingungen überlegen müssen, da sonst ein

solcher Wettbewerb kaum durchführbar ist. Diese

Formalia sollten Sie unter allen Umständen

beachten, denn Geschichten, die diesen nicht

entsprechen, werden strikt aussortiert.

Da werden wir ebenso gnadenlos wie Sie

(hoffentlich) phantasievoll sein!



Themen:

Es gibt keine Themenvorgabe, Sie können über alles

schreiben. Dennoch möchten wir Sie zur Mäßigung

ermahnen - bitte keine weltumstürzenden oder

weltverändernden Geschichten, kein direktes

Eingreifen von Göttern, kein Auftritt von Borbarad

persönlich.



Kompetenz:

Wir werden nicht nur die sprachlichen Qualitäten

bewerten - die Geschichten sollten nicht

enthüllen, dass sich der Autor oder die Autorin

möglicherweise gar nicht in Aventurien auskennt.



Rechtschreibung:

Auch hier erwarten wir eine gewisse Sicherheit -

namentlich mindestens die, die einem die

Rechtschreibprüfung der handelsüblichen

Textverarbeitungsprogramme verschafft. Was UNTER

diesem Niveau liegt, wird nicht berücksichtigt.



Länge & Form:

Mindestens 8, höchstens 20 Seiten. Diese müssen

nach folgenden Angaben formatiert sein:

Schrift: Courier New

Größe: 12p

Zeilenabstand: doppelt

Keine Trennungen

Etwa 1800 Anschläge pro Seite, also 30 Zeilen á 60

Anschläge



Auch hier gilt: Alle Geschichten, die diese

Anforderungen konsequent missachten, werden nicht

berücksichtigt.



Mehrfacheinsendungen:

Sind grundsätzlich möglich, allerdings nehmen wir

nicht mehr als 2 Geschichten pro Einsender an.



Senden Sie Ihre Geschichten bitte per Post an uns

- Rücksendungen sind leider nicht möglich.



Einsendeschluss: 31.12.2004 (Datum des

Poststempels)

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.



Wichtig:

Sie werden von uns selbstverständlich keine

Rückmeldung erhalten, bevor die Wettbewerbsfrist

verstrichen ist. Im Klartext heißt das: Im Jahr

2004 erhalten Sie keinerlei Zwischenergebnisse

oder ähnliche Informationen; es wird lediglich

gesammelt.

Rückmeldung werden Sie von uns also frühestens im

Februar 2005 erhalten. Nachfragen werden nicht

bearbeitet, da dies ungerecht denjenigen gegenüber

wäre, die noch nichts eingesendet haben.

Im Übrigen werden wir von uns aus an die

Teilnehmer herantreten, um sie darüber zu

informieren, ob ihre Geschichte in die Anthologie

aufgenommen wird.

Dazu ist es ZWINGEND erforderlich, dass Sie Ihre

komplette Anschrift mit E-Mail-Adresse angeben.

Anonyme Einsendungen können natürlich nicht

berücksichtigt werden.




Da frage ich mich, warum können anonyme Einsendungen "natürlich" nicht berücksichtigt werden ?


In Antwort auf:

CREEPY FREAKS KOMMT IM APRIL!

Sie kennen Creepy Freaks nicht? Wie uncool!

Dies ist das ekligste 3D-Trading Game mit

schrecklich viel Spaß für Kids im Alter von 6 bis

99 Jahren. Die coolen Creepy Freaks kann man

sammeln, tauschen und natürlich mit ihnen spielen.

Bei der Entwicklung dieses Spiels wurde besonders

darauf geachtet, dass es sich auch für Einsteiger

eignet. Schnelle, einfach zu erlernende Regeln und

jede Menge „Igittigitt"-Effekte machen nicht nur

den Jüngeren Spaß. Mit einem Creepy Freaks-

Starterset (deutschsprachige DVD und Regeln) kann

es sofort losgehen. Starten Sie noch heute Ihre

Niesattacken, Rotzangriffe oder Mörderpupse ...

oder wohnen Sie immer noch bei Mutti?





Zu Schattenlauf "Shadowrun" :


In Antwort auf:

Neue Produkte: PORTFOLIO EINES DRACHEN:

DUNKELZAHNS GEHEIMNISSE ist letzten Monat

erschienen und dürfte die Läden inzwischen

erreicht haben. Dunkelzahn ist tot, gestorben

vor der Zeit (oder?), aber das hindert ihn nicht

daran, weiterhin Geschichte zu schreiben. Das Buch

ist auf 2000 Stück limitiert, also zugreifen,

solange der Vorrat reicht! Ähnlichkeiten oder

Übereinstimmungen mit aktuellen Vorgängen in

Nordamerika sind rein zufällig und keineswegs

beabsichtigt.






Quelle : FanPro Newsletter.




Posted By: bernhard

Re: Neue DSA-Romane - 09/03/04 01:00 AM

Einfach weil es mir Spass macht, werde ich euch jetzt mit einer, konsequent die vorgaben missachtenden, Kurzgeschichte langweilen.

eine Expedition

Rundgalf und seine leute waren nun seit 20 tagen unterwegs. Seit sie greifenfurt verlassen hatten waren sie kaum anderen menschen begegnet. Die Straßen waren erst sclecht gewesen und später, nun ja später waren sie gänzlich verschwunden. Immer wieder konnten Rundgalf und seine Frauen und Männer die zerstörungen erkennen, die der große orkkreig vor mehr als 5 jahren angerichtet hatte. Es war keine leichte zeit für ganz Aventurien gewesen. Das wohl.

Zu 12. waren sie aufgebrochen, eine heilige zahl, aber schon am 2.Tag waren 3 seiner truppe verschwunden. Vermutlich, so dachte Rundgalf, hatten sie es mit der Angst zu tun bekommen. Sie waren wohl schon weit im Süden, er hatte nicht nach ihnen suchen lassen. 3 tage später, nach einem Angriff marodierender Goblins, flohen weitere 6. Jetzt waren da noch Helviane, eine bardin, die die Aufgabe hatte, die Ergebnisse der Expedition aufzuzeichnen, Ubechet, die Magierin aus Kunchom und er Rundgalf, Krieger aus Thorwal im Dienste das Herrschers von gareth, König Brins.

Bald hatten sie das Ziel der Expedition erreicht, die Grenzen des orklandes. Der Auftrag war alles andere als einfach. Rundgalf konnte noch die Stimme von raidri Conchobair hören der sie letztendlich losgeschickt hatte. Der Schwetkönig stellte sich das ganze wohl viel einfacher vor als es war. Aber er, rundgalf würde weder Conchobair noch brin enttäuschen!

"Findet die orks, forscht sie aus, stellt ihre Stärken und Schwächen fest!, so hatte Conchobair befohlen. "ich will wissen wer auf dem roten thron von khezzara sitzt" Thairach und brazoragh dürfen für uns nie mehr eine gefahr darstellen!"

Rundgalf schüttlete den kopf als er noch einmal, zum hunderdstenmal in den letzten tagen, über diese Aufgabe nachdachte.


----------------------------------------------------

So, fortsetung folgt, es sei denn, ihr findet die geschichte so schlecht...

na ja...
Posted By: Schweige

Re: Neue DSA-Romane - 09/03/04 10:26 AM

Natürlich lese ich noch DSA-Romane ... aber ich bin ja auch kein aktiver DSA-Spieler ...
Leider komme ich aber zur Zeit kaum dazu meine Kritiken endlich fertig zu schreiben. Ich kann Ralfs Kommentaren zu den letzten Romanen eigendlich weitgehend zustimmen.

"Blaues Licht" fand ich sehr schön, wenn auch ich das Gefühl hatte, die große Jagt sei eher ein Lückenfüller um das Buch dicker zu machen. Mit der eigentlichen Handlung hat es ja nichts zu tun.

Die wirklich schon nervtötend schöne und perfekte "Rhiana" hat mich gegen Ende des "Flammenbundes" dann doch noch "gepackt" und ich bin wirklich neugierig, wie es weitergeht. Zunächst kommt aber ein Non-DSA-Buch dran ("American Gods" von Neil Gaiman). Eines noch: Der "gestandene Autor" HJA verwendet mehrfach eine Wortwendung wie "genügend mehr", "ausreichend viele"; mir sind diese Sätze immer unangenehm aufgefallen. Nicht böse gemeint, aber ist das überhaupt korrektes deutsch?

Zu der Geschichten Ausschreibung:
Da verfalle ich ja fast in Nostalgie ...
... wie bin ich denn auf dieses Forum gestosen?
Wo sind die Mitgeschichtenerzähler aus "Aufruhr in Aventurien"?
Soll ich es noch einmal versuchen?
Meinen DSA-Roman hab ich ja immer noch nicht fertig (ca. 250 von 300 Seiten)
Wer von euch wird es mit einer Geschichte versuchen?
Sollen wir uns gegenseitig Korrekturlesen?


Wenn die Diskussion nur halb so lebhaft wird, wie nach der Veröffentlichung von AiA kommt endlich wieder leben in diesen Thread.

Bis bald ...
Posted By: Alix

Re: Neue DSA-Romane - 09/03/04 10:33 AM

In Antwort auf:

So, fortsetung folgt, es sei denn, ihr findet die geschichte so schlecht...



Schreib mal weiter, Du kannst doch nicht einfach an der spannendsten Stelle aufhören!
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 09/03/04 03:22 PM

Schweige: Solche Formulierungen fallen mir mittlerweile meist gar nicht mehr auf, weil sie mir so oft begegnen ... bloß über die Wendung "bereits schon" könnte ich mich immer noch aufregen.

Aber da diese Wendungen so oft vorkommen, habe ich mich selbst schon gefragt, ob die Dinger nicht vielleicht doch korrekt sind. Sie klingen aber trotzdem doof!

Mittlerweile ist übrigens auch noch der wohl letzte DSA-Roman der ursprünglichen Heyne-Reihe erschienen: "König der Diebe" von André Wiesler. Aber ich schiebe jetzt auch erstmal mindestens ein Nicht-DSA-Buch ein ("Catch 22" von Joseph Heller, nachdem mir der Film sehr gut gefallen hat, wurde gleich das Buch gekauft und begonnen ).
Posted By: Schweige

Re: Neue DSA-Romane - 09/03/04 04:26 PM

@Ralf: "bereits schon"? Uuups ... ... ist ja auch "doppelt gemoppelt" ... ... ich glaub, das verwende ich gelegendlich auch ... ist mir bisher jetzt gerade schon noch gar nie nicht richtig ganz aufgefallen (rotwerd) ...

im "offiziellen" Fanpro-Forum ist der erste rhiana roman übrigens ziemlich arg verrissen worden ... in ganz kleine fetzen ... schon hart für so ein DSA-Urgestein ... ob das mit der neuen veröffenlichungspolitik bei FanPro/Heyne wirklich gut war?
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 09/03/04 05:45 PM

Tja, schade, daß es im Buchbereich nicht sowas die Fernseh-Einschaltquoten gibt. Würde mich schon lange interessieren, wie die Verkaufszahlen verschiedener Autoren oder Reihen so sind.
Die "StarTrek"-Romane sollen ja auch ziemliche Probleme haben, wie ich kürzlich las.
Angeblich sollen ja immer mehr Menschen zu Second-Hand-Büchern greifen, was durch das Internet natürlich gefordert wird. Die Buchverlage freuen sich natürlich weniger darüber.
Hoffentlich verstärkt das nicht die Tendenz, daß immer mehr Mainstream verlegt wird aber nur noch wenige Nischen wie eben Fantasy oder Science Fiction ...

P.S.: "Bereits schon" wird vor allem von Zeitungsjournalisten sehr gerne verwendet.
Posted By: bernhard

Re: Neue DSA-Romane - 12/03/04 10:23 PM

So, obwohl sich die Begeisterungstürme über meine literarischen Fähigkeiten eher in grenzen halten die Fortsetzung meiner abslolut unnötigen kurzgeschichte...

-----------------------------------------------------------------------------

Rundgalf wurde plötzlich ganz abrupt aus seinen Gedanken gerissenm, als Helviane ihm bedeutete aufzupassen. <<Rundgald, Ubechet, paßt auf, da vorne sind Orks, die ersten die wir sehen>> Und wirklich auf einer nahen Anhöhe standen 2 Orks, die seie ganz offensichtlich noch nicht bemerkt hatten denn die Schwarzpelze blickten in die entgegengesetzte Richtung.

Rundgalf blickte die beiden anderen an. <<Angriff?, was meint ihr?>> <<Ich bin dagegen>> meinte ubechet, <<wir sollten mit ihnen reden, vielleicht können sie uns die Informationen geben, die wir benötigen>> <<reden können wir wohl mit ihnen, wir können schließlich alle orksch, aber einem ork vertrauen? Bist Du verrückt?>>
<<Versuchen wir es einfach!>>

Rundgalf gab seinem Pferd die Sporen und die beiden Frauen folgten ihm. Als die orks den hufschlag hörten drehten sie sich blitzschnell um und zogen ihre Waffen.

Posted By: AlrikFassbauer

Re: Neue DSA-Romane - 12/03/04 11:38 PM

Das Schlimme ist bloß, daß die Verlage den Autoren jetzt auch noch die Tantiemen kürzen wollen ... zumindest in GB.

Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 16/03/04 02:59 PM

Auch amazon.de macht mal Fehler ...
Inhaltsbeschreibung zum für August 2004 geplanten DSA-Roman "Der Todeswanderer":

"Die Entscheidung für die richtige Art von Krankenversicherung zu treffen ist für Laien extrem schwierig. Tarif- und Leistungsunterschiede, unübersichtlich Bedingungen und verklausulierte Hinweise überfordern auch geübte Verbraucher. soll man sich privat oder in der gesetzlichen Krankenkasse versichern? Diese und zahlreiche weitere Aspekte behandelt dieses Buch - damit Sie rundum abgesichert sind um im Ernstfall über den optimalen Versicherungsschutz verfügen."

Na, DAS nenne ich mal ein ganz neues DSA-Konzept ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Neue DSA-Romane - 16/03/04 03:18 PM

Ich finde, es paßt sehr gut zum Titel ...

Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 05/04/04 02:06 PM

KÖNIG DER DIEBE von André Wiesler:
Nach etwa einem halben Jahr erscheint also endlich mal wieder ein DSA-Roman aus der ursprünglichen Heyne-Reihe. Und das Warten hat sich durchaus gelohnt!
Hangard ist seit Jahren der unangefochtene König der Diebe von Rommilys. Doch als die Diebin Ginaya, die neu in der Stadt ist, ihm seine Krone streitig machen will, entscheidet der oberste Phedrian, der oberste Phex-Geweihte der Stadt, daß ein Wettstreit zwischen den beiden entscheiden soll, wer neuer oder alter König der Diebe wird. Hangard wähnt sich seiner Sache bereits sicher, als er bei einem alten Magier einbricht und ihm ein magisches Artefakt stiehlt. Doch als dieses ihm abhanden kommt, beginnt eine rätselhafte und sehr grausame Mordserie in Rommilys ...
Für Hangard gilt es nun, sowohl seine Krone zu verteidigen als auch die Morde aufzuklären, die scheinbar etwas mit seinem Diebstahl zu tun haben.

"König der Diebe" beginnt wie ein klassischer Gaunerroman. Sehr schwungvoll, sehr unterhaltsam, genau wie ich es mag.
Doch mit Beginn der Morde verändert die Geschichte ihren Charakter zwar zum Glück nicht völlig, die Grundstimmung wird aber natürlich wesentlich düsterer (auch dank der teils sehr plastischen Beschreibungen der Morde ...). Finde ich persönlich schade, macht das Buch aber nicht schlechter. Zwar entwickelt sich die Hauptstory nicht übermäßig orginell (und scheint mir auch nicht immer ganz logisch zu sein), aber die Stärke nimmt der Roman vor allem aus den zahlreichen Nebensträngen. Denn wie es scheint, ist plötzlich die halbe Stadt auf der Jagd nach Hangard und dem verschwundenen Artefakt und daraus ergibt sich ein stellenweise irrwitziges Tempo wie in klassischen Hollywood-Gaunerfilmen á la "Der Clou".
Wie gesagt, ich persönlich hätte es schöner gefunden, wenn Wiesler sich tatsächlich auf so eine Gaunergeschichte konzentriert hätte (die in den DSA-Romanen bislang sträflich zu kurz kommen - soweit ich mich erinnere, erfüllt eigentlich nur Christian Jentzschs "Der Spieler" dieses Prädikat einigermaßen) und ein etwas weniger blutrünstiger Handlungsfortgang wäre schön gewesen. Aber das sind wirklich nur rein subjektive Wünsche. Objektiv betrachtet ist "König der Diebe" ein sehr kurzweiliger Fantasy-Roman mit kleinen Schwächen (mancher Nebenhandlungsstrang wirkt doch eher überflüssig) und - ganz nebenbei - um Klassen besser als Wieslers "Das Artefakt" aus der "Rhiana"-Reihe.
Note 2+.
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 16/04/04 11:15 AM

"Unsere" Alex Wichtert führt seit Mitte März ein Online-Tagebuch, in dem es vor allem um ihren neuen Roman (gemeinsam mit Heike Wolf und Anja Jäcke) "Rabengeflüster" geht, der wieder - man ahnt es - in Al´Anfa spielen wird und Mitte des Jahres erscheinen soll:
http://www.livejournal.com/users/alexwichert/

Sehr unterhaltsam!
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 17/04/04 08:51 AM

SPIELSTEINE DER GÖTTER von Heike Wolf:
Das Buch handelt im Grunde genommen von der Suche des Rondra-Geweihten Taron von Gratenbach nach dem Sinn des Lebens. Das Konzept ist für die DSA-Romane bislang einzigartig (falls mich mein Gedächtnis nicht trügt): Denn die Geschichte erstreckt sich über sage und schreibe 30 Jahre hinweg, es ist also fast eine Biographie von Taron und so ganz nebenbei - das macht den besonderen Reiz aus - ein schöner Überblick über die aventurische Geschichte seit dem Jahr 3 Hal (als mehr oder weniger seit Gründung von DSA). Der alanfanische Feldzug gegen die Novadis, die Orkkriege und als Höhepunkt der Krieg gegen Borbarad - alles kommt irgendwie vor. Und das Beste: Es ist auch noch sehr gut geschrieben!
Allerdings in einem sehr düsteren Stil. Taron wird von Rondra nicht gerade mit einem luftig-fröhlichen Leben bedacht, vielmehr vor eine schwere Prüfung nach der anderen gestellt. Dementsprechend schlecht gelaunt ist Taron die meiste Zeit über und diese Stimmung hat die Autorin wunderbar rübergebracht - bloß: Wer sich von einem Fantasy-Buch ungern deprimieren läßt, sollte vielleicht einen Bogen um "Spielsteine der Götter" machen ...
Rein "technisch" hat mir das Buch besonders gut gefallen. Mangels Platz (330 Seiten) kann es natürlich keine vollständige Biographie sein, stattdessen stellt jedes Kapitel einen Abschnitt in Tarons Leben dar und danach gibt es einen Zeitsprung. Dabei erscheint es keineswegs so, als sei dazwischen einfach nichts passiert. Manchmal geschieht "dazwischen" sogar mehr als in den Kapiteln selbst und wir erfahren es erst nach und nach. Das ist ein raffinierter Trick, der die Geschichte lebendig hält.
Sehr gut hat mir als DSA-Veteran auch das Auftreten vieler "Meisterpersonen" gefallen und was die Borbarad-Kampagne angeht, kann man - ohne "Die sieben Gezeichneten" gespielt zu haben - weder im Aventurischen Boten noch in einem der anderen DSA-Romane so viel darüber erfahren wie hier. Darauf hatte ich eigentlich kaum noch zu hoffen gewagt.
Ein paar kleinere Mängel gibt es natürlich schon noch (beispielsweise hielt ich es bislang für eine typisch männliche Autorenphantasie, daß sich quasi alle weiblichen Charaktere in den Protagonisten verlieben - aber das macht wohl auch Autorinnen Spaß ... jedenfalls nervt mich sowas immer ein klitzekleines bißchen ), aber insgesamt ein wirklich gutes Buch!
Note 1-.

Übrigens ist "Spielsteine der Götter" der dritte DSA-Roman im Phoenix-Verlag und somit leider nicht überall erhältlich. Da nun aber alle diese Romane gut bis sehr gut ausgefallen sind (übrigens alle von Autorinnen - da behaupte noch einer, Frauen könnten keine Fantasy schreiben! ), kann ich hier nur mit Nachdruck auf amazon oder ähnliches verweisen.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Neue DSA-Romane - 17/04/04 05:04 PM

Sach´ mal, Du Hiasl!

Du bringst mich am Ende noch dazu, daß ich anfange DSA-Romane - ja überhaupt mal wieder ein Buch!! - zu lesen?!
Und das, obwohl ich eigentlich, nach Ende aller Spielergruppen bereits vor langer Zeit und der maßlosen Enttäuschung im CRPG-Bereich in den letzten Jahren (kein DSA 4, LMK, Armalion ), schon mit dem Thema endgültig durch zu sein glaubte!

Geh, beherrsch´ Dich, ja?!



Ragon, der Magier
Posted By: Ralf

Re: Neue DSA-Romane - 18/04/04 10:42 AM

Tja, ich habe Aventurien eben einfach zu lieb gewonnen, um es einfach aufzugeben.
Posted By: Kunar

Von Geschuppten, Schelmen, Abenteurern und Piraten - 25/05/04 11:02 PM

Den Zwölfen zum Gruße!

Meine große Fantasybücherphase scheint vorbei zu sein, dennoch lese ich ab und zu mal wieder, wenn ich Zeit habe. Ich schreibe mal kurz über das, was mir an DSA-Büchern seit ca. Ende 2002 in die Hände geriet:

1. Hans-Joachim Alpers: Die Piraten des Südmeeres
drei Romane in einem Band, enthält:
- Hinter der eisernen Maske
- Flucht aus Ghurenia
- Das letzte Duell

2. Alexander Huiskes: Der geheime Pfad

3. Gun-Britt Tödter: Koboldgeschenk

4. Karl-Heinz Witzko: Westwärts, Geschuppte!


Die Südmeer-Trilogie fand ich im Nachhinein am schwächsten. Sehr derber Tonfall, der wohl "piratig" wirken soll, gleichzeitig aber etwas zu verklärend-romantische Elemente (edler Held steigt von der Gosse auf, Freiheit auf See), die dazu nicht so recht passen. Das Ende verrate ich nicht - ich fand's aber eher enttäuschend. Fazit: Beim Thema "Piraten" denke ich wohl mehr an "Monkey Island" als an DSA-Bücher...

"Der geheime Pfad" hat sehr viele negative Bewertungen bei amazon.de bekommen, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Der Prolog sorgt für eine interessante Ausgangssituation und enthält für meinen Geschmack genügend Härte, damit der Rest des Buches etwas sanfter ausfallen kann. Endlich mal eine nette Geschichte mit humorvollen Zwischenteilen und einem (fast) normalen Jüngling statt der üblichen Hau-drauf-Helden. Vielleicht ist es mit diesem Buch wie mit manchen DSA-Abenteuern: Für einfache Gemüter, die im wesentlichen nach der Menge des Schwertfutters urteilen, welches dem Protagonisten über den Weg läuft, fällt die Bilanz etwas mager aus. Für alle anderen lohnt sich ein Blick.

"Koboldgeschenk" habe ich für 2,50 EUR auf dem Wühltisch im Supermarkt entdeckt (welch Ironie) und zugeschlagen. Vielleicht das DSA-typischste Buch von den vieren: Es gibt eine halbwegs normale Heldengruppe (nur ohne notorische Schwertschwinger), deren Mitglieder sich zudem typusgerecht verhalten, dabei jedoch noch genug Persönlichkeit besitzen. Besonders gefallen hat mir, daß man erahnen konnte, welchen Schelmenzauber die Hauptheldin wohl gerade verwendet hat... ach ja, offensichtlich kann man rahjagefällige Handlungen auch etwas sanfter beschreiben als in den Südmeer-Romanen. Die Nähe zu den Schwarzen Landen und die übermächtige Widersacherin bieten mir genügend Spannung; die Charaktere der Helden machen die Sache interessant. Würde ich vielleicht von den vier Büchern am ehesten einem Einsteiger empfehlen.

"Westwärts, Geschuppte!" gilt in meinem DSA-Bekanntenkreis zurecht als Kultbuch und grandiose Parodie der üblichen Fantasykost. Wer Aventurien nicht kennt, wird ziemlich auf dem Schlauch stehen. Wie soll man auch eine Persiflage ohne Kenntnis des Originals voll genießen können? Veteranen, die der ewig gleichen Handlungsmuster überdrüssig sind, kommen jedoch voll auf ihre Kosten. Wenn eine Gruppe junger aufrecht gehender Krokodile auf die Menschenzivilisation trifft, bleibt kein Auge trocken. Völlig gemäß ihrer eigenen Kultur und Wertvorstellungen handelnd, geraten die Möchtegernhelden unbeabsichtigt in immer größere Abenteuer und lösen diese stets auf äußerst unkonventionelle Weise. Wem Rollenspiel zu dumpf und langweilig geworden ist, der soll zum Abschied dieses Buch lesen und wird vielleicht wieder bekehrt. Unterm Strich bleibt ein gewagter, aber gelungener Roman übrig, der der altbacken-klischeehaften Fantasywelt das Fürchten lehrt.

Etwas seltsam muten die Titelillustrationen der drei Einzelbücher an, die alle nicht das Geringste mit dem eigentlichen Inhalt zu tun haben. Soll da jemand mit Absicht vom Lesen abgehalten werden?
Posted By: Ralf

Re: Von Geschuppten, Schelmen, Abenteurern und Pir - 26/05/04 01:17 PM

Hachja, die Abenteuer von Alrik, Alrik, Alrik und Alrik ...
Posted By: Ralf

Re: Von Geschuppten, Schelmen, Abenteurern und Pir - 01/06/04 04:13 PM

Wenn wir schon beim Thema sind:
Interview mit Karl-Heinz Witzko

Neu für mich: Witzko macht seit 2003 nichts mehr für Aventurien. Scheiße! Mir war zwar aufgefallen, daß er nichts mehr für den AB machte, doch daß er ganz weg ist, hatte ich nicht erwartet. Dabei hatte er sogar schon eine Fortsetzung für "Westwärts, Geschuppte!" in petto. So ein Mist aber auch ...

Dann werde ich wohl doch noch irgendwann mal mit der "Gezeitenwelt" anfangen müssen, wenn ich weiterhin Witzko-Bücher lesen will.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Von Geschuppten, Schelmen, Abenteurern und Pir - 01/06/04 05:38 PM

Witzko scheint wirklich ein humoriger Typ zu sein.

"... Das Cover ist ein Zeugnis höchst erfolgreichen Wahrträumens. Ich werde gelegentlich gefragt, was das für ein seltsamer Ammonit sei, den man darauf erkennen kann. Darauf gibt es eine einfache Antwort: Genau!...


Schade, daß er nichts mehr für DSA machen wird (außer vielleicht Solos für´s Handy ).
Schade, daß die heute an der Macht befindlichen DSA-Gewaltigen offenbar zu zusammengekniffene Ä***** hatten, um ihm den nötigen Raum zu geben!


Ragon, der Magier
Posted By: Kunar

DSA und Nicht-DSA - 02/06/04 06:12 PM

In Antwort auf:

Neu für mich: Witzko macht seit 2003 nichts mehr für Aventurien.

Dann werde ich wohl doch noch irgendwann mal mit der "Gezeitenwelt" anfangen müssen, wenn ich weiterhin Witzko-Bücher lesen will.




Auch wenn es streng genommen nicht hier reingehört, kann ich es ja erwähnen (wenn schon der Mangel an originellen Fantasybüchern beklagt wird): Der polnische Autor Andrzej Sapkowski ist einen Blick wert. Seine Erzählungen rund um den Hexer Geralt von Rivia unterscheiden sich sehr stark von der gewohnten Lesekost: Märchenelemente vermischen sich mit der harten Hintergrundgeschichte des Protagonisten, der einen recht desillusionierten Blick auf die Welt hat. Leider sind bisher nur zwei Bücher auf Deutsch erschienen. (Typisch Deutschland, wenn im Unterhaltungsbereich mal etwas nicht aus den USA kommt, wird es eben deutlich mißtrauischer beurteilt.)

In Antwort auf:

Witzko scheint wirklich ein humoriger Typ zu sein.
(...)
Schade, daß er nichts mehr für DSA machen wird (außer vielleicht Solos für´s Handy ).
Schade, daß die heute an der Macht befindlichen DSA-Gewaltigen offenbar zu zusammengekniffene Ä***** hatten, um ihm den nötigen Raum zu geben!





Wie man an den Rezensionen von "Westwärts, Geschuppte!" bei amazon sehen kann, liegt sein Humor nicht allen. Komisch, gerade als ich etwas DSA- und fantasymüde war, konnte ich sehr gut etwas damit anfangen.

Je genauer Dere beschrieben wird und je mehr Autoren ihre Werke untereinander abstimmen müssen (bei Büchern wie Boxen), desto weniger Spielraum (sic!) bleibt für den einzelnen. Das stört Freigeister und Unkonventionelle mit Lust zum Experimentieren natürlich besonders und deswegen sind sie auch die ersten, die von Bord gehen. Das lese ich aus dem Witzko-Interview ebenso heraus wie aus dem mit Hadmar von Wieser und der Dokumentation über die DSA-Entwicklungsgeschichte.

DSA ist seit den bescheidenen Anfängen Anfang der 1980er zu einer lohnenden Einnahmequelle geworden. Dagegen ist nichts einzuwenden - wer Ideen hat und anderen Freude bereitet, hat eine Entlohnung verdient. Wenn durch feste Abgabetermine und ähnliche Planung ein weiterer Tod durch Herzinfarkt verhindert wird, umso besser. Daß im Rahmen einer solchen Entwicklung - von dem kleinen Kreis der Kreativen hin zum großen Unternehmen - irgendwann der Flair der Anfangstage verloren geht, ist doch klar. Das passiert genauso, wenn eine Band, ein Fußballclub oder eine Fernsehserie im Lauf der Zeit immer mehr Erfolg haben.

Mich persönlich nerven allerdings die immer komplizierter werdenden DSA-Regeln (fast so schlimm wie AD&D!) und die immer festgezurrteren Rahmenbedingungen in Aventurien. An den normalsterblichen Gelegenheitsspieler von Nebenan denkt wohl niemand mehr. Wie schön war doch die Zeit mit der 2. Regelausgabe... *in Erinnerungen schwelg* Und noch weiter zurück: Ich weiß sogar noch, wie ich "Silvanas Befreiung" gespielt habe. (Jetzt habe ich mich wohl endgültig als Uralt-Spieler enttarnt.) Oder die Schlacht in "Mehr als 1000 Oger" und das Turnier in "Die Verschwörung von Gareth"... Meine Helden waren zwar nicht so toll von den Werten her oder besonders detailliert ausgestaltet, aber wenigstens schnell erschaffen und damit bereit fürs Spiel.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: DSA und Nicht-DSA - 02/06/04 06:29 PM

Quote:

... Wie schön war doch die Zeit mit der 2. Regelausgabe... *in Erinnerungen schwelg* Und noch weiter zurück: Ich weiß sogar noch, wie ich "Silvanas Befreiung" gespielt habe. (Jetzt habe ich mich wohl endgültig als Uralt-Spieler enttarnt.) Oder die Schlacht in "Mehr als 1000 Oger" und das Turnier in "Die Verschwörung von Gareth"... Meine Helden waren zwar nicht so toll von den Werten her oder besonders detailliert ausgestaltet, aber wenigstens schnell erschaffen und damit bereit fürs Spiel.




Sic est!
Posted By: Ralf

Re: DSA und Nicht-DSA - 02/06/04 06:30 PM

Hähä, das kann ich toppen. Mein erstes Abenteuer war "Wald ohne Wiederkehr"!
Posted By: Kunar

Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge? - 02/06/04 06:51 PM

In Antwort auf:

Hähä, das kann ich toppen. Mein erstes Abenteuer war "Wald ohne Wiederkehr"!




Hm, bisher war ich immer davon ausgegangen, daß "Silvanas Befreiung", welches Bestandteil der ersten Regelbox war, als Gruppenabenteuer Nr. 1 gilt. Aber ich lasse mich hier gerne eines Besseren belehren.

Die erste Regelbox enthielt zudem noch ein Soloabenteuer... ich erinnere mich vage an eine Gruppe Ratten, die aus dem Schrank sprang und den Helden angriff.

Ach ja, eine D&D-Regelausgabe (mit rotem Deckblatt) hatten wir zu Hause auch einmal. Aber irgendwie war das nicht so überzeugend.

Richtig schlimm wird es, wenn ich an meine Prä-DSA-Phase denke (D&D-Durchspielbücher) oder gar meinen allerersten Kontakt mit Rollenspiel überhaupt: ein Micky-Maus-Heft! Das war allerdings, zu seiner und meiner Ehrenrettung, inklusive Inventar und Spielwürfel, hatte also verschiedene Spielwege und einen Zufallsfaktor.

Vorschlag: Sollen wir mal einen Veteranen-Faden eröffnen? So als Äquivalent zur Mecker-Opa-Loge in der Muppet-Show, inklusive "Hach, damals!", "Früher war alles besser!" usw. Habe ich bisher nur für Computerspiele gesehen.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 02/06/04 08:02 PM

Uh, ich habe hier mal auf einem Flohmarkt eine absolut 1a erhaltene Box erstanden ... es steht sogar noch DRoemer-Knaur drauf.

*wühl*

Ich sehe gerade, da fehlt etwas, war wohl das Preisschild dran ...

Welche Ausgabe ist das ? Kann mir daseiner sagen ?

Die junge Frau meinte damals (vermutlich gehörte ihr das, obwohl sie etwas jung dafür aussah), daß sie es nie benutzt hat ... es klang ein bißchen bedauern durch, und ich hatte den Eindruck, als hätten ihre Eltern das verboten.
Ich habe ihr versichert, daß es in guten Händen ist.

*weiterwühl* Ich sehe gerade, da istSilvanas Befreiung drin ...

Muß ich mal näher anschauen ...

Posted By: Ralf

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 03/06/04 12:54 PM

Kunar: Ach, du meintest dieses Einführungsabenteuer. Deshalb konnte ich mich nicht an den Namen erinnern. Ja, das habe ich auch gespielt, zuerst allerdings das Soloabenteuer.
Aber "Wald ohne Wiederkehr" war mein erstes "richtiges" Abenteuer.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 03/06/04 06:35 PM

Na also, Ralf - daß Du Dich an dieses nicht mehr erinnern kannst!
Schließlich wurde darin unser aller guter Alrik darin erstmals eingeführt (wenn man mal natürlich von den Erwähnungen als ständiger Beispielcharakter im Regelbuch absieht! ).

Insofern dürftest Du ein heftiges dejá vú mit Deinen ureigensten Ursprüngen erleben, good ol´ Al!

Deiner Beschreibung nach hältst Du nämlich ein wahres Juwel des DSA-Publikations-Universums in Händen:
Das erste "Abenteuer Basis-Spiel" mit den Ur-Regeln von 1984,
welches sich selbstverfreilich auch in meinem Besitze befindet.

Ob die erste oder zweite Auflage davon, ließe sich anhand des Covers klären - ist da so ein blonder, glattrasierter Bodybuilder drauf, und so `ne ebenfalls blonde, langhaarige Frau in abwehrender (oder Zauber-?) Haltung und von oben rechts kommt eine Flugechse, unten am Boden Wurzelwerk und im Hintergrund schroffe Berge und natürlich das unvermeidliche, halbtransparente Schwarze Auge?
Dann müßte es die zweite sein, denn die erste soll noch anders gelayoutet gewesen sein. Ich hab´ jedenfalls die beschriebene.

Und natürlich befinden sich darin sowohl das erste DSA-Gruppenabenteuer "Silvanas Befreiung", als auch das erste Solo im Abschnitt "Das Abenteuer beginnt" des "Buches der Abenteuer", indem man behutsam in die Rolle des DSA-Archetypen, des Abenteurers "Alrik" eingeführt wird. Man ist das erste Mal Held in Aventurien (genauer: Havena; denn von dem Rest des Kontinents weiß man zu dem Zeitpunkt noch so gut wie nichts - was die Fantasie damals adrenalinartig beflügelte! )

Hach ja, meine allerersten Worte DSA, die meine jungen, brennend neugierigen Augen jemals erhaschen durften:

"Jenseits des neblig grauen Alltagsmeeres und der hohen Zinnen der Sierra Monotonia liegt Aventurien, das Reich des Schwarzen Auges.
..."


[Einleitung aus dem "Buch der Regeln", Abenteuer Basis-Spiel, 1984]


Und dann das "Buch der Abenteuer":

"Lieber Leser,
Sie ahnen es noch nicht, aber Sie haben soeben die Tür zu einer neuen Welt aufgestoßen: Zu einem Leben voller Abenteuer. Sie werden wackren Kämpen begegnen und hinterhältigen Schurken, wunderschönen Prinzessinnen und geheimnisvollen Magiern, fröhlichen Elfen und grauenhaften Monstern. Sie werden oft um ihr Leben zittern, aber Sie werden unsterblichen Ruhm an Ihre Waffen heften, und Ihre Taschen werden schwer von blinkenden Dukaten sein. Sie glauben, ich übertreibe? Nun, warten Sie's ab! Sie kennen eben Das Schwarze Auge noch nicht. Das Schwarze Auge ist mehr als ein Spiel. Ein Abend beim Meister des Schwarzen Auges entführt Sie und ihre Freunde aus dem grauen Alltag in das farbenprächtige Reich der Mythen und Sagen. Wenn Sie nur ein wenig Phantasie besitzen, werden Sie bald den trägen, gepanzerten Leib des feuerspeienden Lindwurms vor Sich sehen und seinen sengenden Atem spüren. Wie ein stählerner Blitz wird Ihr treues Schwert aus der Scheide fahren, und ...
..."


[Einleitung aus dem "Buch der Abenteuer", Abenteuer Basis-Spiel, 1984]


Die magischen, unwiderstehlichen Worte - wer kann sie jemals vergessen?...
Niemand! Vom ewigen Satinav sind sie fürderhin und auf immer ins Herz einer jeden unsterblichen Seele gebrannt, die Ihrer jemals gewahr wurde.
Und bis zum Sturz der Sphären, zum Ende alles Werdens und Vergehens muß sie ihnen folgen.
So werden Los und Sumu wieder eins.





Ragon, der Magier
Posted By: Ralf

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 03/06/04 08:27 PM

Ich bin mir zu 99% sicher, daß ich die Erstauflage habe und da sieht der Titel folgendermaßen aus:
Im Zentrum ein schwarzes Auge (nicht das Artefakt, sondern wirklich ein Auge, versteht sich ), darum kreisförmig (ich beginne um "12 Uhr"): Ein roter Drache, irgendein Echsenwesen samt maskiertem Reiter, ein ... äh, keine Ahnung, was das ist: ein sehr muskulöser Mann mit seltsam geformten Helm und einer Fackel in der linken Hand; könnte sein, daß er mit der rechten Hand einen Zauber wirkt. Dann kommt ein junger Krieger mit einer wohlgeformten Schwarzhaarigen im linken Arm (vermutlich eben gerettet ) und einem Schwert in der Rechten und zum Abschluß (also auf der linken Seite) ein Bogenschütze.

Und das "Buch der Abenteuer" liegt auch noch drin! *freu*
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 03/06/04 09:02 PM

Cool ! Dann habe ich ja auch die Erstauflage ! Meins entspricht jedenfalls Ralf Beschreibung.

@Ragon : Dein zweiter Link funktioniert nicht !

Posted By: Sveltje

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 04/06/04 02:40 PM

Wow, die 1. ist glaub ich echt selten. Ich hab auch die 2.

Irgendwo hab ich mal einen Text über die Anfangstage von DSA gelesen, und da stand, dass sie die 1. zurückziehen mussten, weil sich manche Leute über ein paar Bildchen aufgeregt hatten. Die haben sie dann für die 2. Auflage retuschiert.

Mal sehen, ob ich das noch mal finde.


Mein erstes Abenteuer war "Schiff der verlorenen Seelen" (oder so ähnlich). Als Meisterin. Meine Gruppe hat stundenlang einen Plan ausgetüftelt, wie sie sich an die Untoten ranschleichen können. Dabei war hellichter Tag
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 04/06/04 03:25 PM

Das mit den "Bildchen" kannst du in Ragons Link sehen ... da steht es in einer "Unterseite" drin.

Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 04/06/04 04:48 PM

Tja, da is´ mir wohl der Link "entfleucht". Gib´s denn sowas!?
[Korrigiert! ]

Ok, das muß tatsächlich die Erstauflage sein (siehe auch z.B. hier). Das Cover ist dann, glaube ich, einfach identisch mit dem des "Buchs der Abenteuer", wenn ich mich nicht irre, hihihi!
Ach nein, doch dem des "Buchs der Regeln" (Fotobeweis).


Ragon, der Magier
Posted By: Ralf

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 04/06/04 06:06 PM

Hey, cool! Da kam ich damals doch tatsächlich in den Genuß einer unzensierten Fassung (denn an die Bilder kann ich mich in der Tat noch erinnern ...) und wußte nichts davon!
Posted By: Ralf

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 08/06/04 10:57 AM

Was wird in Aventurien passieren?

Das klingt doch interessant (v.a. der Titel des letzten Abenteuers der Reihe!) ...
Hoffentlich wird das Geschehen nicht nur in den Abenteuern und im AB behandelt, sondern auch in mindestens einem Roman.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Was war zuerst das, das Schwarze oder das Auge - 17/06/04 04:32 PM

Ich erfuhr vor ein paar Tagen in einer Buchhandlung, daß der schuppige Roman "restlos vergriffen" sein soll - gemeint ist "Westwärts, Geschuppte !"

Posted By: Kunar

Das letzte Buch - 16/08/04 05:07 PM

Während ich noch bei der Suche nach der Schicksalsklinge auf der Stelle trete , habe ich ein weiteres DSA-Buch gelesen. Daher gibt es wenigstens eine neue Rezension:

Gun-Britt Tödter: Das letzte Lied

Um Enttäuschungen zu verhindern: Trotz des Titels und der Beschreibung auf dem Buchrücken handelt es sich nicht etwa um eine tragische Thorwaler-Erzählung, sondern eine nette Geschichte mit einer bunt gemischten Besetzung. Die Bezeichnung "Thorwaler-Roman" trifft aus mehreren Gründen nicht zu: Schauplatz ist nicht etwa die Heimat der Nordleute oder gar ein Schiff auf großer Fahrt, sondern das von Orks besetzte Svellttal. Als Protagonisten tauchen im Verlauf des Buches neben zwei Thorwalern auch drei Elfen, ein Magier sowie mehrere Zwerge auf. Thorwaler-Spezifisches kommt zwar durchaus vor (diverse Lieder und Sagen; Bräuche der Thorwaler), daneben aber auch viel Zwergengeschichte. Außerdem wird praktisch jeder der Helden mit seinem Werdegang, seinen Überzeugungen, seinen Zielen genauer vorgestellt.

Die Heldengruppe ist größtenteils recht eingeschworen; statt den üblichen Querelen zwischen Zwergen und Elfen und dem Konflikt zwischen Menschen und Orks liegt der Schwerpunkt mehr auf der Aufdeckung eines finsteren Planes - ein klassischer Abenteuerplot also. Am Ende wird die alle Erzählstränge miteinander verbindende Sache aufgelöst; jedoch bleiben viele Aspekte der einzelnen Heldenbiographien offen, so daß sich genügend Anknüpfungspunkte für Fortsetzungen ergeben (das Studium des Magiers, das Schicksal der Elfen, die Zukunft der Zwerge, die erahnten großen Veränderungen - letztere wohl eine Anspielung auf die dritte Dämonenschlacht).

Zu den Stärken des Romans zählt, daß er nicht mit Platz für die Beschreibung seiner Charaktere spart. Die Protagonisten müssen von etwas leben, also Geld verdienen durch Aufträge. Sie können also nicht wie die üblichen Klischee-Guten völlig uneigennützig durch die Gegend ziehen (bis auf den Geoden und seine Gefährtin - aber diese sind ja beim DSA-Spiel Nichtspielercharaktere und stehen damit über den üblichen Regeln). Zudem sind die Helden erfahren, aber nicht übermächtig: Die Magie des Zauberers, des Geoden und der Elfen ist begrenzt. Auch die Fragen über "das Böse" (Wer ist überhaupt böse? Aus welchem Motiv handelt der Bösewicht?) finden eine mögliche, nicht zu platte Lösung.

Die kleinere Schwächen bilden jene Elemente, die ein schnelleres Durchlesen unnötig erschweren: Die bei Autoren beliebte Methode, ständig neue Erzählfetzen zu schreiben, die sich erst später zu einem Ganzen zusammenfügen, erzeugt häufiges Zurückblättern und Rumgrübeln, wie denn nun alles zusammenhängt. In die gleiche Kategorie fallen diverse Träume, die nicht vollständig erklärt werden und die man zudem nur schlecht verstehen kann. Der Prolog bleibt völlig frei im Raum stehen - mir blieb bis zum Ende verschlossen, was der mit der späteren Handlung zu tun hatte.

Meinem Bruder waren die von ihm sehr geschätzten Thorwaler und Zwerge zu klischeehaft dargestellt und es kamen für seinen Geschmack zu viele Elfen vor; mir hat es hingegen recht gut gefallen. "Das letzte Lied" ist kein grandioser Superknüller, aber ein schönes Abenteuer mit einem interessanten Hintergrund. Empfehlen würde ich es Leuten mit DSA-Wissen, die mal etwas anderes lesen wollen als die üblichen Prügel- & Einsackgeschichten.


Übrigens: Während der Zugfahrt, in deren Rahmen ich das Buch zum Teil verschlungen habe, um den Mitreisenden eine Erholungspause von den Gesprächen mit mir zu gönnen, sprach mich doch tatsächlich eine mir gegenüber sitzende unbekannte ältere Dame an. Sie meinte, ich müsse aber mit dem ständigen Bücherlesen aufhören, wenn ich erst verheiratet sei; ihr Mann mache das auch pausenlos im Urlaub und das sei ja schrecklich blablabla... ist ja wohl eine Unverschämtheit! Das war das erste Buch seit drei Monaten - und noch nicht einmal ein besonders dickes (ca. 300 Seiten). Kann ich etwa etwas dafür, daß meine attraktive weibliche Begleitung so viel Schlaf während der Zugfahrt benötigt und ich mich deswegen auch mal alleine beschäftigen muß? Das Problem, bald zu heiraten, drängt sich bei mir nun wirklich nicht auf!
Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 19/08/04 12:15 PM



Übrigens müßte ich morgen den neuen DSA-Roman "Rabengeflüster" erhalten. Aber wird wohl eine Weile dauern, bis ich eine Kritik dazu schreiben kann. Olympia und so ...
Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 26/08/04 04:59 PM

Im Oktober soll ein DSA-Jubiläumsbuch erscheinen. Klingt soweit nicht uninteressant:
Magische Zeiten

Allerdings auch ziemlich teuer ...
Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 07/09/04 01:17 PM

RABENGEFLÜSTER von Heike Wolf, Anja Jäcke und Alex Wichert:

Ab und zu gibt es innerhalb der DSA-Romanreihe eine Art Schlüsselroman. Eine Geschichte, die sich nicht nur auf das Buch selbst beschränkt, sondern große Auswirkungen auf das gesamte aventurische Geschehen hat. Idealbeispiel ist natürlich Ulrich Kiesows "Das zerbrochene Rad", bislang letzter Schlüsselroman war wohl "Das Greifenopfer" von Thomas Finn.
Während des Lesens von "Rabengeflüster" befällt einen immer stärker das Gefühl, hier wieder einen solchen Schlüsselroman in Händen zu halten. Ich werde an dieser Stelle nicht verraten, ob es tatsächlich einer ist. Im Grunde genommen ist das auch völlig gleichgültig. Denn alleine durch die Möglichkeit, es könnte sich um einen handeln, steigt die Spannung während des Lesens in ungeahnte Höhen ...

Aber um das Pferd nicht von hinten aufzuzäumen: Man kann das Buch mehr oder weniger als eine Fortsetzung von Wicherts "Sand und Blut" betrachten. Es geht also wieder um die schwarze Perle des Südens, um Al´Anfa. Und damit um politische Intrigen, Machtspielchen und ausschweifende Gelage.
Konkret geht es diesmal um einen freigewordenen Platz im Rat. Der Patriarch Amir Honak möchte seinen Verbündeten Aurelian Bonareth auf diesem Platz sehen, während der extrem reiche Goldo Paligan seinen jungen Verwandten Amato durchdrücken möchte. Und dann gibt es da noch eine Rebellengruppe, die am liebsten alle Al´Anfaner Granden gleichzeitig zu Boron schicken würde ...

Vermutlich wird dieses Buch nicht jedem gefallen. Es ist vor allem zu Beginn nicht unkompliziert, den ganzen Intrigen und verwandtschaftlichen Verstrickungen zu verfolgen (der regelmäßige Blick auf die anfängliche Personenliste wird einem schnell zur Gewohnheit ... ) und ein Fantasy-Buch, in dem es fast nur um Politik geht, ist ja auch nicht gerade alltäglich.
Mir hat es jedoch sehr gut gefallen! Obwohl ich im wahren Leben Intriganten verachte, bereitet es mir aus irgendwelchen Gründen höchste Freude, in Büchern oder Filmen brillante Ränkespiele zu verfolgen, die immer wieder unerwartete Folgen nach sich ziehen.
Und das wird im "Rabengeflüster" sehr schön beschrieben. Bemerkenswert auch, daß trotz der drei Autorinnen keine größeren Stilbrüche bemerkbar sind (zumindest nicht für mich). Das Buch liest sich extrem flüssig, trotz der zahlreichen Wechsel zwischen den vielen Charakteren.
Einziges kleines Manko wäre vielleicht, daß das Buch mit gut 350 Seiten doch ein wenig zu kurz ist, um die zahlreichen Personen perfekt zur Geltung zu bringen. Das gelang Alex Wichert im ähnlich langen, aber von ihr alleine geschriebenen "Sand und Blut" naturgemäß noch wesentlich besser. Aber vielleicht gibt es ja Hoffnung auf eine oder mehrere Fortsetzungen. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen.
Note 1-.
Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 07/09/04 01:31 PM

Da die "Edit"-Funktion ja leider ein späteres Editieren als nach ein oder zwei Tagen verbietet, werde ich an dieser Stelle mal wieder eine aktualisierte Bewertungsliste posten. Seit der ersten Seite des Topics sind ja doch ein paar (überwiegend gute) Romane hinzugekommen:

Noch mal zur Erinnerung: Höchstbewertung sind 4 Sterne.

Das Jahr des Greifen: ****

Bei Heyne:
Der Scharlatan: ***
Túan der Wanderer: ** + 1/2
Die Zeit der Gräber: **
Das Leben der Thalionmel: ** + 1/2
Feuerodem: *
Katzenspuren: ***
Der Drachenkönig: ** + 1/2
Der Göttergleiche: ***
Die Legende von Assarbad: **
Treibgut: ***
3 Nächte in Fasar: ****
Die Piraten des Südmeers: *** + 1/2
Die Reise nach Salza: ** + 1/2
Die Gabe der Amazone: *** + 1/2
Spuren im Schnee: ****
Schlange und Schwert: ***
Der Spieler: ***
Das Gesicht am Fenster: *** + 1/2
Steppenwind: ** + 1/2
Der Lichtvogel: ***
Die Rabenchronik: ****
Aus dunkler Tiefe: ** + 1/2
Von Menschen und Monstern: *
Heldenschwur: ** + 1/2
Das letzte Lied: ***
Das Galgenschloß: **
Tod eines Königs: ***
Das Leben des Raidri Conchobair: ** + 1/2
Schatten aus dem Abgrund: *
Seelenwanderer: * + 1/2
Das magische Erbe: ** + 1/2
Der Geisterwolf: **
Und Altaia brannte: ****
Blutopfer: ***
Das Zerbrochene Rad: ****
Die Nebelgeister: ***
Die beiden Herrscher: *** + 1/2
Das Wirtshaus "Zum lachenden Henker": **
Die Königslarve: ****
Die Nacht der Schlange: ***
Geteiltes Herz: **
Erde und Eis: ***
Gassengeschichten: ***
Die Hand der Finsternis: ***
Zwergenmaske: ***
Aranische Nächte: ** + 1/2
Koboldgeschenk: **
Der letzte wird Inquisitor: *** + 1/2
Druiden-Rache: ***
Blakharons Fluch: **
Westwärts, Geschuppte: *** + 1/2
Das Greifenopfer: *** + 1/2
Die Mühle der Tränen: ***
Aufruhr in Aventurien: ** + 1/2
Im Schatten der Dämmerung: * + 1/2
Sand und Blut: ***
Der geheime Pfad: ***
Das Daimonicon: ***
Blutsbande: *** + 1/2
Fuchsfährten: ** + 1/2
König der Diebe: ***

Rhiana-Reihe:
Der Flammenbund: ** + 1/2
Das Artefakt: **

Bei Phoenix:
Unsterblicher Traum: ***
Blaues Licht: ***
Spielsteine der Götter: *** + 1/2
Rabengeflüster: ***
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Das letzte Buch - 14/09/04 05:37 PM

Habe wider Erwarten noch in einem RPG-Laden die Geschichte v on Alrik, Alrik, Alrik und Alrik bekommen ! Köstlich !

Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Das letzte Buch - 14/09/04 06:04 PM

Gib´s den Titel echt?
Oder soll das irgendeine Referenz auf `uns´ sein, Al!?

( `Uns´ - der unbekannte, weitere Teil der berühmten, auf Personalpronomina im Titel basierenden Stephen King-Reihe!
)
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Das letzte Buch - 14/09/04 06:12 PM

Ich meine damit natürlich "Westwärts, Geschuppte !"

Posted By: Schweige

Re: Das letzte Buch - 15/09/04 09:23 AM

Wenn ihr Heyne-DSA-Bücher sucht so ist es oft interessant die Wühlkisten der örtlichen Kaufhäuser zu durchsuchen, da hab ich schon einige gesehen ... auch "Westwärts, Geschuppte" ... und vor kurzem sogar die gebundene Ausgabe von Bernhard Hennens "Die Nacht der Schlange" für fünf Euro ... mir nützt es leider nichts ... hab ja schon alle ...
Posted By: Schweige

Re: Das letzte Buch - 26/09/04 01:48 PM

Sooo ... ich melde mich mal wieder zu Wort ... und gelobe Besserung

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Rezi: Spielsteine der Götter von Heike Wolf

Taron von Gratenbach ist nicht gerade ein typischer Rondrageweihter. Insbesondere sein Jähzorn - geradezu eine thorwallsche Walwut - bringt ihn regelmäßig in Schwierigkeiten. Doch ... auch wenn er lange Zeit davon überzeugt ist ... die grimmige Leuin hat ihn nicht verstoßen, sondern hält noch eine wichtige Aufgabe für ihn bereit.
Heike Wolf erzählt uns die Geschichte dieses Helden von seiner Aufnahme in Donnerbach bis zu der Schlacht an der Trollpforte 26 Götterläufe später ... und übernimmt sich dabei gewaltig.

Was hier auf etwa 330 Seiten erzählt wird, sind einige Episoden aus Tarons Leben; teilweise liegen Jahre zwischen den einzelnen Kapiteln. Das wäre weiter nicht schlimm, machen ja andere auch, leider fehlen aber Schlüsselszenen - wie z.B. der Grund, warum Taron Donnerbach verlässt - die werden dann als kurze Erklärungen nachgereicht. Eine Unsitte, die sich vielleicht Professor Tolkien erlauben durfte, und auch der hat genügend Prügel dafür beziehen müssen.
Die Erlebnisse anderer Personen werden gelegentlich als kurze Nebenhandlungen weitergeführt, leider jedoch so kurz, dass man sie auch vollends hätte weglassen können. Die Geschichte der Halbelfe Marga wird in ein paar Häppchen erzählt, die mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten. Wichtige Personen werden einfach für Tod erklärt, die näheren Umstände erfahren wir nicht.
Auch die Hoffnung, über den großen Showdown an der Trollpforte mehr zu erfahren als mir als Nicht-Abonent des "Aventurischen Boten" und "Nicht-P+P-Spieler" erlaubt ist, erfüllt sich nicht.
Das ganze ist in eine Rahmenhandlung - als Erzählung eines alternden Rondrageweihten an seine Schützlinge - verpackt, aber die hätte man auch vollends weglassen können.
Was die ganze Geschichte rettet ist der doch recht flotte und einfühlsame Erzählstil von Heike Wolf. Einige Kapitel sind wirklich anrührend oder spannend geschrieben und verlangen eigentlich nach mehr.

Im Großen und Ganzen habe ich den Eindruck, als habe die Autorin einen, wohl auf über 1000 Seiten, dann hätte es vielleicht funktioniert, angelegten Epos plötzlich beendet und das Geschriebene zusammengepackt. Nett, aber ich habe schon bessere Geschichten aus Aventurien gelesen ... und ... schade, da wäre mehr drin gewesen.

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Tja ... so oft ich mit Ralf über die Bücher einer Meinung bin ... diesmal wohl nicht
Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 26/09/04 03:31 PM


Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Das letzte Buch - 26/09/04 08:32 PM

Heda Ihr! Schreiberling!

"... für tot erklärt..." schreibt man aber doch hoffentlich noch so rum?!
Oder handelt sich dabei um eine weitere Ausgeburt der jüngeren `praiotischen Reformen´ , die allerdings mehr den Eindruck erwecken, als wären sie das `gräuliche Werk´ des Niederhöllenboten "Rächtschraib" (dessen Namen man besser nur im Schutze des Phex munkelt und tunlichst niemals auf die Rolle nimmt, äh, bringt! ), denn daß die gute Göttin der Weisheit dabei auch zu Rate gezogen wäre!?!

[Hallo Schweige! Erfreulich, daß´d wieder da bist! Wie geht´s so mit der schönen Kunst? )
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Das letzte Buch - 26/09/04 10:23 PM

Für Tod erklären - ich glaube, da hätte Tod selber noch ein Wörtchen mitzureden. Zumindest, wenn das auf der Scheibenwelt geschehen würde.

Posted By: Schweige

Re: Das letzte Buch - 27/09/04 09:21 AM

JA! JA! JA! Ihr habt doch recht!
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Das letzte Buch - 27/09/04 10:23 AM

Wer billig DSA-Bücher haben will, sollte sich mal in Woolwoth-Läden und Kaufhof-Filialen umschauen, da habe ich neulich welche herabgesetzt gesehen.

Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Das letzte Buch - 27/09/04 05:40 PM

Quote:

... ich habt doch recht! ...




Wie !? Was !?
HEY, MOMENT MAL!
Mir hat keiner was davon gesagt, daß wir jetzt plötzlich zu fünft(!) sind?!!...
Ralf? Al? Stone? *tap* *tap* *tap*


*grml* IsdochehrlichwahrwenigstensBescheidsagenkönntemanjawennsichmalwiederwasändert... *grml* *nureinkurzesWort*... *brml*

[ ]
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Das letzte Buch - 27/09/04 06:36 PM

JAAAA !!!! WIR ÜBERNEHMEN DAS FORUM !!!!!!

Wir sind die Borg ... Widerstand zwecklos. Auf die Dauer wird das gesamte Forum assimiliert !

Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Das letzte Buch - 27/09/04 07:20 PM

Ok, wir geben´s zu:
Wir haben Al für den `Größenwahnaspekt´ abgestellt.
`s war halt einfach noch frei und keiner sonst hat sich melden wollen!


[Und das soll´s dann glaub´ ich auch schon wieder gewesen sein mit SPAM in diesem ansonsten so beschaulichen und entspannenden Topic! ]
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Das letzte Buch - 27/09/04 10:43 PM

Okay. Ich bin mal gespannt, wie der FanPro-Stand auf der Spielemesse in Essen aussehen wird.

Posted By: Schweige

Re: Das letzte Buch - 28/09/04 09:09 AM

Oh ... Sch... schon wieder ein Tippfehler ... jetzt lass ich's dann bleiben:

ihr = ich, ich = ihr?

hallo herr freud! herr jung? was soll uns das sagen ...

---- ---- ---- ---- ---- ---- ----

ach so: eure letzten posts musste ich doch nicht verstehen (zu fünft? ... fanpro stand?) ... oder???
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Das letzte Buch - 28/09/04 11:16 AM

@Schweige : Das ist einer unserer vielzähligen Insiderwitze.

Es fing damit an, daß im Chat einer von uns drei - Ralf, Ragon und ich - die Sätze des jeweils anderen beendeten. Was Eolus zu dder Bemerkung veranlaßte, wir seien doch in Wirklichkeit nur 1 Person !

Letztens kam Stone dazu - nun sind wir vier - und wer weiß, wen wir sonst noch alles assimilieren können ...

Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 28/09/04 05:09 PM

Auf Elgi hab´ ich´s schon lange abgesehen!
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Das letzte Buch - 28/09/04 07:01 PM



Tu Chelm, tu!
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Das letzte Buch - 09/10/04 04:44 PM

Ich habe mir für knapp 3 Euro Rhiana Band 1 gekauft. Was ist eigentlich aus der Reihe geworden, seit Heyne DSA nicht mehr vertreiben darf ?


Nebenbei habe ich mich ziemlich heftig an ein paar Formulierungen gestoßen.
Wenn ich folgende Formulierung lese, ergreift mich das kalte Grausen :

In Antwort auf:

Sie nahm den Helm ab und schüttelte ihr langes, goldglänzendes Haar zurecht. Ihre Wangen waren von der Anstregung leicht gerötet. Sie sah bezaubernd aus. Tjalmar konnte sich an ihr einfach nicht satt sehen. Schon als kleines Mädchen hatte sie jeden in ihrer Umgebung entzückt, aber als erwachsene Frau glich sie einem Fleisch gewordenen Traum. Sie war ergreifend schön, und das galt nicht nur für ihr Gesicht mit ihren ausdrucksvollen, strahlend blauen Augen, sondern auch für ihren schlanken, wohlgeformten Körper. Sie war zauberhaft. Sie war eine Göttin. Und das war nicht alleine Tjalmars Meinung, der sie von Kindesbeinen an kannte und voreingenommen sein mochte. Jeder in der Zuflucht betete Rhiana an.




Später :

In Antwort auf:

Aber es liegt mir wirklich viel daran, daß ihr unbeschadet bleibt - und sei es auch nur eurer Schönheit zuliebe.




Wo bleibt denn da die Gleichberechtigung ???


Ich frage mich ernsthaft, ob eine Frau in der gleichen Art und Weise über einen Mann schreiben würde ... Ein Prinz, der im Zentrum einer Gruppe von Menschen steht ... würden Frauen ihn auch „anbeten“ ?
Ich wüßte nicht, daß so etwas je eine Frau geschrieben hätte.

Ich glaube, hier bricht gleich der Misantroph in mir durch, wenn ich schreibe, daß hier die Gleichberechtigung aufhört. Für Frauen alles Schöne und Gute, für den Mann der Rest, Häßlichkeit und Stärke oder so. Die Frau als Lichtgestalt, das alleine durch ihr Aussehen zur Göttin erhoben wird, der Mann steht dabei und darf in den Krieg ziehen, sich mit dem Blut seiner Gegner besudeln und narbenübersäht und als gebrochener Mann nach Hause zurückkehren, einmal zynisch überspitzt formuliert.

Sowas kotzt mich an.

Ich hasse Klischees.

Alrik.

Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 09/10/04 07:48 PM

Naja, Rhiana ist halt IMHO sehr eindeutig an Jeanne D´Arc orientiert. Die wurde nunmal auch von ihren Männern angebetet, hat sich aber - wie Rhiana - selbst ebenfalls "schmutzig gemacht".
Mich hat das eigentlich nicht so sehr gestört, auch wenn ich die bisherigen "Rhiana"-Romane insgesamt eher enttäuschend fand.
Die Reihe wird übrigens ganz normal fortgesetzt, bloß halt jetzt im Piper-Verlag. Der nächste Band soll noch diesen Monat erscheinen.
Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 10/10/04 08:46 AM

Ebenfalls noch diesen Monat soll "Roter Fluß" von Daniela Knor erscheinen. Nach dem sehr guten "Blaues Licht" widmet sie sich wieder einem historischen Aventurien-Thema. Und zwar einem, das ich sehr interessant finde: Es geht um den Kampf zwischen Thorwalern und Orks um das spätere Phexcaer.
Auf dieses Buch bin ich schon sehr gespannt (jedenfalls mehr als auf die nächsten "Rhiana"-Romane ...).

Edit: Obwohl ich eben entdecke, daß ebenjener nächste "Rhiana"-Roman, der am 28. Oktober erscheinen soll, ebenfalls von Daniela Knor ist - fleißiges Mädel!
Posted By: Patarival

Re: Das letzte Buch - 11/10/04 07:05 AM

Naja, Alrik, solche Forumulierungen habe ich (leider) wirklich schon öfters von Frauen gesehen.
Nichtsdetotrotz empfinde ich solche Passagen nicht wirklich als störend. Schliesslich ist das Buch ja aus einem gewissen Blickwinkel geschrieben und so lange dieser klar ersichtlich ist, "sieht" man die Welt mit den Augen desjenigen, der gerade den Blickwinkel definiert. Wenn es zu seinem Charakter passt, sind solche Formulierungen durchaus akzeptabel.

Trotzdem möchte ich Deinen Faden insofern weiterspinnen und sagen, dass der Stil trotzdem ziemlich zu Wünschen übrig lässt.
Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 11/10/04 04:13 PM

In Antwort auf:

Forumulierungen




Mein lieber Pat, vielleicht solltest du dich ein bißchen weniger in diesem Forum herumtreiben? Immerhin scheint es schon dein gesamtes Denken zu bestimmen ...
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Das letzte Buch - 11/10/04 06:17 PM

*LOL* *LOL* *LOL*

Das ist eben "... eine Formulierung aus der Sicht seines Charakters..."!


Spitzenmäßig!
Posted By: Ralf

Re: Das letzte Buch - 22/10/04 04:07 PM

Neben dem Hinweis, daß mit "Roter Fluß" von Daniela Knor ein weiterer DSA-Roman erschienen ist, habe ich bei Vinsalt bemerkenswerte Meisterinformationen (also extreme SPOILER-Gefahr für aktive Spieler!) zur neuen, großen "Das Jahr des Feuers"-Kampagne gefunden.

Und was soll ich sagen? Da wird scheinbar mal wieder richtig aufgeräumt in Aventurien! Jedenfalls klingen die Info-Häppchen sehr spannend und machen einem fast Lust, mal wieder mit dem aktiven Spielen anzufangen - wenn man doch nur Zeit, Spielgruppe und Kenntnis der neuen Regeln hätte ...

Achso, fast hätte ich den Link vergessen!
Das Jahr des Feuers

Hoffentlich werden als Begleitung zu dieser Kampagne wenigstens ein paar richtig gute Romane geschrieben - nicht, daß man als Nur-Roman-Leser so in der Luft hängt wie damals bei der Borbi-Kampagne ...
Posted By: Schweige

"Rabengeflüster" von Heike Wolf - 04/11/04 07:59 PM

Rezi: "Rabengeflüster" von Heike Wolf, Anja Jäckle und Alex Wichert

Aurelian Bonareth hat das Glück nicht gerade gepachtet. Der al'anfanische Grande steht weit unten in der Rangfolge seiner Familie, die ungeliebte Verwandtschaft tanzt ihm auf der Nase herum und jetzt bekommt er auch den lang ersehnten Platz im Hohen Rat nicht. Er sinnt auf Rache ... und steht damit im Mittelpunkt eines Ränkespiels, wie es nur in der Stadt des Raben stattfinden kann.
"Rabengeflüster" spielt also in Al'Anfa, der "Perle (oder Pestbeule, wie weniger wohlwollende Zeitgenossen sagen) des Südens". Und so sind auch Intrigen, Verrat, Heimtücke, Lug und Trug die Mittel, mit denen die "Helden" des Romans ihre Interessen und Positionen vertreten. In einer Welt zwischen dekadentem Überfluss und bitterem Elend scheint allen jedes Mittel recht zu sein.
Neben Aurelian begleiten wir als Leser noch den Großexecutor Irschan Perval, Lucio, einen Fana und Anführer der Rebellen vom Visarberg, sowie Amato Paligan, den wir noch aus Alex Wicherts "Sand und Blut" kennen, den Patriachen Amir Honak höchstpersönlich und einem knappes Dutzend weiterer Personen durch die Geschichte.
Die Handlung springt geschickt zwischen den verschiedenen Personen und Orten hin und her, und verdichtet sich gegen Ende zu einem großen Showdown. Denn am letzten Tag der Rahja könnte etwas geschehen, dass das Antlitz der Stadt des Raben für immer verändert.

Leser, die sich in den Verwandtschaftsverhältnissen der alanfaschen Granden nicht auskennen, werden zu Beginn des Öfteren vorne im Personenverzeichnis nachschlagen müssen. Dies legt sich jedoch schnell, da die meisten Personen vielschichtig und überzeugend gezeichnet sind. Ein einfaches Gut/Böse-Schema gibt es nicht, gerade Aurelian und Irschan, die wir die meiste Zeit begleiten, sind gnadenlose Intriganten und verfolgen ihre Ziele auch ohne Rücksicht auf vermeintliche Freunde, Geliebte oder Angehörige. Doch neben ihrer Tücke und Boshaftigkeit kommt immer wieder ihre Zerrissenheit zu tragen; auch sie sind oft nur Opfer eines Spieles, das größer ist als alle Mitspieler zusammen.
Leider scheinen die Autorinnen ihre Liebe und Sorgfalt in erster Linie den Granden gewidmet zu haben. Die Person des Lucio bleibt im Vergleich zurück, er bleibt etwas eindimensional und klischeehaft, seine Mitstreiter Fassade. Dadurch verliert der Roman entgültig eine "typische" Heldenfigur, was aber der Geschichte an sich keinen Abbruch tut.

Wer sich noch an meinen Kommentar zu Alex Wicherts "Sand und Blut" erinnert, weiß, dass ich mich damals über das "unphantastische" des Romans "beklagt" habe. Nun, das kann ich auch dieses mal wieder tun: "Rabengeflüster" verzichtet weitgehend auf Zauberei und Schlachtengemälde. Ich erlebe Al'Anfa als eine Art aventurisches Rom mit einer Portion antikem Griechenland, einem kräftigen Schuss dekadentes Alt-Spanien etc. usw. ... aber wie ich schon damals sagte (oder sagen wollte): Kein Problem! Ich möchte nur darauf hinweisen, dass auch diese Geschichte vor jedem Hintergrund funktioniert hätte, der uns eine dekadente Oberschicht, verarmte und eingeschüchterte Massen (möglichst noch Sklaverei/Leibeigene) und eine dünne, unzufriedene Mittelschicht bietet (also vermutlich auch unter "Deutschland 2010" ). Und das ist eben auch eine Stärke der Story: Sie funktioniert universell.

Auch verzichtet sie (wie schon gesagt) auf ein "typisches" Gut/Böse-Schema. Und damit fehlt auch ein "typischer" Held, ein Protagonist, ein Sam Gamdschie, aus dessen Augen ich die Geschichte miterleben und -leiden kann. Wer das nicht mag, sollte die Finger von dem Buch lassen.
Und wenn wir schon beim "Finger weg!" sind: Wer sich an Sex in Büchern stört und insbesondere homoerotische Schilderungen nicht mag, sollte einen weiten Bogen um das Buch machen. Die Autorinnen haben kaum eine Gelegenheit ausgelassen, an denen sich die Herren der Schöpfung nicht gegenseitig anknabbern.

Die etwa 360 Seiten sind stilistisch - im Vergleich zu vielen anderen DSA-Romanen - die reinste Freude. Weder unbeholfene Erklärungen, Stilblüten oder Überflüssigkeiten ("harte Steine" etc. - hab zumindest nichts entdeckt!) trüben die Lesefreude.

Für alle anderen, noch Mal kurz und bündig: "Rabengeflüster" hat eine vielschichtige, komplexe Handlung, toll gezeichnete Charaktere, grandiose Dialoge und ist damit - meiner bescheidenen Meinung nach - der beste Aventurien Roman seit langem.

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(Bei etwaigen Rächtscheibfehlern, falschen Word-Fehler-Korrekturen (wir/wie) und sonstigen Unklarheiten: Es gilt das, was ich meine und nicht das, was ich geschrieben hab )


Posted By: Ralf

Re: "Rabengeflüster" von Heike Wolf - 05/11/04 03:14 PM

Hey cool, du hast unsere Liste auf eine eigene Seite gestellt. Nicht schlecht, Herr Specht.

Was die vielen "xx" bei den Veröffentlichungsterminen angeht, solltest du mal bei Alveran vorbeischauen, da steht bei allen Büchern mindestens das Erscheiungsjahr, oft auch der -monat dabei.

P.S.: Mittlerweile ist auch der dritte Rhiana-Roman, "Das Geheimnis des Königs" von Daniela Knor, erschienen.
Posted By: Schweige

Todeswanderer von Yvonne Gees - 10/11/04 12:30 PM

Hallo Ralf, danke für den Link.

Jetzt aber erst mal ...

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Todeswanderer von Yvonne Gees

Nach Al'Anfanischen Ränkespielen und Heldenbiografien mal wieder eine "kleine" Geschichte, ein "aventurischer Roadmovie" sozusagen? Gerne!
Wie ich schon öfter geschrieben habe, bin ich kein aktiver P'n'P-Spieler sondern auf DSA gestoßen, weil mir die Idee einer Fantasywelt, die von vielen Autoren geschaffen wird, einfach gefällt. So freut es mich auch immer, wenn jemand einen Roman schreibt, den ich ohne Lektüre des Regelwerks genießen kann. (Und dort erfahre ich oft auch nur wenig erhellendes, da wichtige Informationen "Meisterwissen" sind und die "großen" Storys nur als Spielkampagne veröffentlicht werden.)

Doch zum Buch: Eine grausame Seuche löscht den ganzen Nivesenstamm der Lieska-Madukju innerhalb von wenigen Tagen aus. Nur die elfjährige Celiska überlebt - dank eines Amuletts, das sie von ihrer Mutter bekommt. Allein in der nordischen Einsamkeit kann das Mädchen nicht überleben. So macht sie sich auf, zusammen mit dem Hund "Kleiner Wolf", die einzige bekannte Verwandte im fernen Norburg zu suchen. Und vielleicht die Umstände des Tod ihres Stammes zu ergründen? ... Und gar diesen zu rächen?
Auf dem Weg dorthin trifft sie auf den Kräuterhändler Eljum und - später - auf den Kopfgeldjäger Gordon. Sie muss sich entscheiden, wem sie vertrauen kann. Und ist dabei des Rätsels Lösung näher als sie denkt!

Nach der geschliffenen Sprache von "Rabengeflüster" wirkt "Todeswanderer" oft unbeholfen und holperig. Ich möchte mir jetzt nicht die Mühe machen, einzelne Passagen herauszusuchen, aber oft greift die Autorin beim Versuch, interessante Wortwendungen zu benutzen, kräftig daneben. Auch schafft sie es mehr als einmal, soeben gesagtes im nächsten Absatz mit anderen Worten zu wiederholen. Die alte "moderne-Literatur-Regel": "Show it, don't tell it" beherzigt sie nicht immer.
Die Heldin wirkt für ihre 11 Götterläufe schon sehr erwachsen ... was natürlich nur relativ zu sehen ist, wie wir in einer älteren Diskussion schon mal erörtert haben. Wie weit einige (Kraft)Ausdrücke aventurisch genug sich, kann ich nicht sagen.
Der Showdown der Geschichte trägt dann die Züge einer ziemlich heftigen (C)RPG-Runde ... ein Gegner/eine Falle nach der Anderen ... Leute mit empfindlichem Magen sollten vorsichtig sein ... es geht zur Sache ...

Aber ... ihr dürft Euch fragen, warum ich so schnell nach "Rabengeflüster" diese Rezension schreibe: Die Geschichte ist spannend, die zweite Hälfte habe ich fast in einem Rutsch gelesen ... verschlungen möchte ich fast sagen. Und was will man von einem Erstling mehr verlangen? Also liebe Yvonne Gees: Das mit der Sprache und so kommt schon ... ich versuch 's ja auch immer wieder und kann's nicht. (Wo sind eigentlich die Lektoren bei Fanpro? - ach ja: der Verlag heißt jetzt einfach Fanpro und nicht mehr Phönix)
Fazit: Mir hat's Spaß gemacht! Weiter so!


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(Bei etwaigen Rächtscheibfehlern, falschen Word-Fehler-Korrekturen (wir/wie) und sonstigen Unklarheiten: Es gilt das, was ich meine und nicht das, was ich geschrieben hab )


Posted By: AlrikFassbauer

Re: Todeswanderer von Yvonne Gees - 03/12/04 08:16 PM

Wer in Berlin wohnt, kann sich am Alex in dem Weihnachtssonderverkaufsgebäude vom Kaufhof das Buch "Die Nacht der Schlange" von Bernhard Hennen für 5 Euro holen - gaaanz hinten durch. Und nur, solange noch welche da sind ...
Posted By: Ralf

Re: Todeswanderer von Yvonne Gees - 06/12/04 12:01 PM

TODESWANDERER von Yvonne Gees:
Zunächst eine dringende Warnung: Dieser Roman erzählt alles andere als eine Feelgood-Geschichte! Die gesamte Atmosphäre ist extrem düster gehalten und gegen Ende handelt es sich eher um einen Horror- als einen Fantasy-Roman.
Was keinesfalls als Qualitätsurteil mißverstanden werden darf, ich will bloß sagen: Dieses Buch trifft sicher nicht jedermanns Geschmack, zumal es innerhalb der DSA-Reihe vom Stil her ziemlich isoliert dasteht.
Alleine die 80 Seiten sind wahrscheinlich der deprimierendste Anfang, den ich je in einem DSA-Roman gelesen habe! Das wurde selbst mir fast zu viel, obwohl ich eigentlich auf düstere Stimmung in Büchern stehe ...
Glücklicherweise wagt die Autorin dann einen kleinen Bruch (achso: wer mehr über die Handlung wissen will, sollte Schweiges obige Rezension lesen, ich will ihn nicht wiederholen) und fügt den einzigen längeren Abschnitt mit einer fast "normalen" Stimmung ein, ehe sie sich dem langen Horror-Ende widmet.
Einen Pluspunkt des Romans verschenkt Yvonne Gees leider ziemlich schnell - das relativ unverbrauchte Nivesen-Szenario. Ab Seite 80 bleibt davon außer der jungen Protagonistin nichts mehr übrig.
Sehr gut - nach einer kurzen Eingewöhnungszeit - hat mir dafür die Figur des versoffenen und ständig fluchenden Söldners Gordon gefallen (mal abgesehen davon, daß "Gordon" IMHO einer der unaventurischsten Namen aller Zeiten ist ... ). Schweige hat die Kraftausdrücke ja bereits angesprochen, über die sich sicher - wie schon seinerzeit bei Hans-Joachim Alpers´ "Piraten des Südmeers"-Trilogie - viele Leser nicht freuen werden. Aber ich sehe es wie schon damals bei Alpers: Zu dessen rauen Piraten paßte diese Sprechweise genauso gut wie bei Gees zu einem korgläubigen Söldern.
Um genau zu sein, ist Gordon meines Erachtens sogar der am glaubwürdigsten dargestellte und am wenigsten romantisierte Söldner der gesamten DSA-Reihe (mal abgesehen davon, Spoiler : daß auch er letztlich zum bekannten Typus "harte Schale, weicher Kern" zählt).
Die leichten sprachlichen Unausgegorenheiten hat Schweige ja auch schon angesprochen, wobei ich den Eindruck hatte, daß sich das mit zunehmender Seitenanzahl deutlich gebessert hat - am schlimmsten fand ich in dieser Hinsicht eigentlich den Prolog. Entweder galt wieder mal "Übung macht den Meister" oder man gewöhnt sich einfach daran - ich tippe aber mal optimistisch auf die erste Alternative.

Fazit: Ein etwas ungeschliffener, aber sehr spannender Roman mit starken Horror-Einschlägen. Wer sich davon (und vom deprimierenden Beginn) nicht abschrecken läßt, wird mit einem lesenswerten Buch belohnt, das zwar nicht unbedingt mit einer allzu originellen Story aufwartet, diese dafür aber konsequent, nervenzerrend und emotional erzählt. Note 2.

P.S.: Ich glaube, nach meinem Studium bewerbe ich mich bei FanPro als Lektor. Die können nämlich WIRKLICH einen brauchen ...
Posted By: Ralf

Re: Todeswanderer von Yvonne Gees - 22/12/04 03:41 PM

DER TAG DES ZORNS von Daniela Knor:
Der erste und höchstwahrscheinlich auch letzte Armalion-Roman, den ich gelesen habe, denn eigentlich interessiert mich Armalion überhaupt nicht. Aber nachdem ich zufällig auf der Homepage der Autorin las, daß sie das Buch (das bereits vor einigen Jahren erschien) eigentlich als "normales" DSA-Buch geschrieben habe und es nichts mit Armalion zu tun hat, habe ich es mir doch zugelegt.

Wie üblich bei Daniela Knor spielt auch "Der Tag des Zorns" in der fernen Vergangenheit (ca. 3000 vor BF!). Der stolze Zwergenprinz Calaman stiehlt - obwohl es von den Angrosch-Priestern streng verboten ist - ein Stück aus dem gewaltigen Hort des Gottdrachen Pyrdacor, um es der Zwergin seines Herzens, der schönen Aghira, als Hochzeitsgeschenk zu überreichen. Alles geht gut, doch dummerweise ist das Artefakt mit unseliger Drachenmagie beladen und stiftet zunehmend Zwietracht in der Zwergenstadt Xorlosch ...

Der Beginn dieses recht kurzen Romans (270 Seiten) ist recht interessant, doch nach Calamans Rückkehr nach Xorlosch wird es erstmal ziemlich langweilig, vorhersehbar und uninspiriert (was vielleicht auch an den allzu deutlichen "Herr der Ringe"-Anleihen liegt). Zwischenzeitlich hatte ich mich schon damit abgefunden, einen echten Fehlgriff getan zu haben, aber glücklicherweise läuft Daniela Knor - deren "Blaues Licht" mir sehr gut gefallen hatte - im dramatischen letzten Drittel doch noch zu Hochform auf.
Deshalb reicht es wenigstens noch zur Note 3.
Für ein Debüt ja gar nicht schlecht, und wie "Blaues Licht" gezeigt hat, konnte sie sich danach bereits klar steigern. Läßt mich hoffen, da die beiden aktuellsten DSA-Romane "Roter Fluß" und "Das Geheimnis des Königs" ebenfalls ihrer Feder entsprangen ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Todeswanderer von Yvonne Gees - 22/12/04 05:56 PM

Dieser Golddiebstahl ist glaube ich auch in der Elfen-Zwerge-Box erwähnt ...

Posted By: Ralf

Re: Todeswanderer von Yvonne Gees - 22/12/04 09:05 PM

Durchaus möglich, da Knor in ihren anderen Romanen auch "historische" DSA-Ereignisse beschreibt (in "Blaues Licht" geht es um den Firun-Heiligen Mikael von Bjaldorn, in "Roter Fluß" um Kämpfe zwischen Orks und Thorwalern und als nächstes schreibt sie "Die Hjaldinger" über die Überfahrt der Thorwaler vom Güldenland nach Aventurien).
Posted By: Ralf

Re: Todeswanderer von Yvonne Gees - 29/12/04 06:43 PM

DAS GEHEIMNIS DES KÖNIGS von Daniela Knor:
Der dritte Band der "Rhiana"-Reihe bei Piper ist der mit Abstand beste. Das liegt zum einen natürlich daran, daß die ersten beiden Bücher ziemlich enttäuschend waren, zum Glück aber auch an der hohen Qualität dieses Bandes. In der Tat schafft es Daniela Knor erfreulicherweise, sich von Buch zu Buch deutlich zu steigern.

Nachdem der erste "Rhiana"-Band in Abilacht gespielt hatte und die Flucht der Talanier um ihre Prinzessin Rhiana vor dem mysteriösen Flammenbund behandelt hatte und der zweite Band größtenteils im verwunschenen Farindelwald stattfand, steht nun Havena und das umgebende Sumpfland (Muhrsape) im Zentrum der Handlung. Denn in diesem Sumpfland hat Rhianas verstorbener Vater etwas für sie hinterlassen und nun versucht sie mit ihren Freunden, es zu finden - immer in Furcht vor dem Flammenbund und anderen Verfolgern ...

Nach drei Büchern läßt sich sagen, daß das Konzept der Rhiana-Reihe durchaus aufgeht. Erfreulicherweise ist es nicht so, daß aufgrund der unterschiedlichen Autoren die einzige Gemeinsamkeit der Bücher ihre Protagonistin ist - wie ich befürchtet hatte -, sondern es gibt tatsächlich einen durchgehenden Handlungsstrang. Um genau zu sein: Sogar mehrere! In der Tat scheint es so, daß jeder neue Autor auch mindestens einen neuen Handlungsstrang und neue Charaktere einführt. Das ist verständlich, da man als Autor natürlich lieber mit "eigenen" Charakteren arbeitet; hat aber den Nachteil, daß die Anzahl der Handlungsstränge mittlerweile schon so groß ist, daß nicht jedem die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden kann. Beispielsweise wurde im zweiten Band eine Thorwaler-Handlung begonnen, die nun völlig ignoriert wird. Erst auf der letzten Seite wird enthüllt, daß die Thorwaler durchaus noch eine Rolle spielen werden. Auch andere wichtige Charaktere müssen sich hier mit einem einzigen Kapitel (oder gar einem Absatz) begnügen.

Daniela Knor umgeht aber die Probleme, die sich durch diese Handlungs- und Charaktervielfalt ergeben, auf die denkbar beste Weise: Sie erzählt einfach in jedem Handlungsstrang interessante, spannende und unterhaltsame Geschichten! Um ehrlich zu sein, ist dies der erste DSA-Roman seit langem, der in mir wieder mal das ständige Verlangen geweckt hat, immer und immer weiter zu lesen, weil ich wissen wollte, wie die Story vorangeht.
Die neuen Charaktere sind wirklich stark und haben IMHO bereits deutlich mehr Profil als einige der in den ersten beiden Bänden von Hans-Joachim Alpers und André Wiesler eingeführten Personen, vor allem der Novadi Rashid - den Knor so offensichtlich bewußt klischeehaft angelegt hat, daß es eine wahre Freude ist! - hat mir viel Freude bereitet.
Die Handlung an sich ist eigentlich relativ unspektakulär, wenn man genauer darüber nachdenkt. Aber beim Lesen merkt man das gar nicht, weil es eben einfach gut geschrieben ist.
Nur schade, daß der nächste Rhiana-Band nicht auch wieder von Frau Knor geschrieben wird ...
Note 1-.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Rollenspiel - 02/01/05 11:40 PM

So, es ist soweit.

Ich habe das ur-Rollenspiel gründlich überarbeitet, alle Beiträge, die mehr als 2 Stück waren, farblich markiert, und einen erklärenden Anhang bestehend aus Beiträgen aus "Out of Character" hinzugefügt.

Einziger Wehrmutstropfen : Rechtschreibfehler wurden (noch) nicht korrigiert.

Das Ergebnis ist einsehbar unter http://www.xanlosch.de/index.php4?fn=romane


Zum Titel : Da der Titel "Rollenspiel" war, habe ich ihn damals - zur Endphase der Entwickling von Divinty - in "Rescuing the Princess" für meine englische Übersetzung hin verändert. Diese Bücher wurden im Spiel selbst als "Tales from lost Kingdoms" veröffentlicht (einsehbar im Spiel selbst im sogenannten "Larian-Dungeon" , auch bekannt unter der Bezeichnung "Easter Egg Area").
Ich habe beide Titel übernommen und zurück ins Deutsche übersetzt.
Der Titel "Tales from Lost Kingdoms" ist deswegen eingebaut worden, weil der Text für die Veröffentlichung im Spiel selbst bearbeitet wurde (ich glaube, von Bronthion selbst, wenn ich mich richtig erinnere, oder von mir während der Übersetzung - oder beides ) , um jegliche Referenzierung zu DSA wenn möglich zu eleminieren.
Der originale, ursprüngliche Titel lautete - so, wie er gedacht war - "Tales of Heroes and Forgotten Kingdoms". Ich weiß nicht hundertprozentig, ob er so beibehalten worden ist, da ich Divinity schon lange nicht mehr auf der Festplatte habe. Wer mir da weiterhelfen kann, kann mir ja eine PM (oder PN) zuschicken.

Es kann daher auch sein, daß ich den Titel etwas verfälscht habe, ich habe ihn intern jedenfalls immer "Lost Kingdoms" genannt. Aber der Titel, den ich der Übersetzung gab, lautete "Rescuing the Princess", mit der Intention, den "Roman"-Titel etwas aussagekräftiger zu machen als einfach nur "Rollenspiel".

Ein Text, der die Entstehungsgeschichte dioeses Textes auf Englisch beschreibt ist hier einsehbar, inklusive Briefwechsel (e-mail) zwischen mir und Bronthion damals.

Dort ist auch das originale "Rollenspiel" inklusive "Rollenpiel out of character" im original-Layout des alten Forums einsehbar (bitte die "upgedateten Links" dort benutzen).


Es kann sein, daß es noch Überarbeitungen geben wird (speziell der Titel ) , aber das ist dir vorläufige Endfassung meiner überarbeiteten Version. Viel Spaß damit !


Alrik.

Posted By: Schweige

Das Geheimnis des Königs ... und anderes - 06/01/05 02:10 PM

Achtung ... ein etwas längerer Beitrag! ... und etwas OffTopic ...

Nach einigen aventurien-freien Romanen ...

*** OT!!! *** Nämlich:
Tom Robbins - "Völker dieser Welt, relaxt!" (Nicht unbedingt ein zweites "PanAroma", aber für alle Fans des Autors und alle anderen, die skurrile Geschichten mögen, lesenswert)
Akif Pirinci - "Das Duell" (Der vierte Krimi mit Kater "Francis", nicht mehr und auch nicht weniger)
und
Peter S. Beagle - "Das Zauberhaus" (Eine traumhaft schöne Geschichte um Geister und die vielfältige Anderswelt Englands. Wer Beagles märchenhaft-poetischen Styl mag: lesen!)
*** OT Ende ***

... habe ich inzwischen mit dem dritten Band der "Rhianna"-Reihe angefangen.

Was ich schon länger nicht mehr gemacht habe, ist es, meine ersten Eindrücke gleich niederzuschreiben. Ich mache es dieses Mal, weil es mich reizt, einige Kommentare zu geben, die ich nach Ende der Lektüre und der dadurch vorherrschenden Gesamtwirkung des Buches nicht mehr, oder nicht mehr so, machen würde und - zweitens - weil ich dabei auf drei Punkte zu sprechen komme, die - so den einer der anderen hier anwesenden Leser/Schreiber Lust hat - Anlass für kleine "Grundsatzdiskussionen" geben könnten.
Nun denn ...

1.) Nach der Lektüre der ersten fünf Kapitel kann ich Ralfs Kommentare zu den verschiedenen Handlungssträngen nur zustimmen. Im ersten Kapitel begleiten wir das Oberhaupt des Flammenbundes, im zweiten Rhiana, im dritten besucht die Baronin von Abilacht Fürst Emerthon, Im vierten wieder Rhiana, im fünften begleiten wir einen tobrischen Baron bei der Rekrutierung neuer Soldaten. Ich hoffe, die Autoren (der gesamten Reihe) verzetteln sich nicht in einem "Twin Peaks" zur Ehre gereichenden Schlamassel aus halbfertigen Parallelhandlungen. (Dass mich keiner missversteht: Ich liebe "Twin Peaks", hätte mich aber über die Auflösung der einen oder anderen Nebenstory sehr gefreut.)
Nach etwa der Hälfte des Buches, kann ich vorläufige Entwarnung geben. Daniela Knor führt zwar noch weitere Handlungen und Personen ein, es scheint aber bisher nicht allzu unübersichtlich zu werden.

2.) Im fünften Kapitel erstmals, sprechen die Bauern einen "pseudo-norddeutschen" Akzent (oder so ähnlich ... ich bin Schwabe ;-) ). Ich muss leider sagen, dass ich solche "Lokalisierungen" nicht besonders mag. Um Stand oder Bildung einer Person hör/lesbar zu machen, genügt meiner Meinung die richtige Wortwahl und gerne auch noch 'n paar Abschleifung'n. Ich habe wirklich nichts gegen Akzent und Mundart - wie gesagt, ich bin Schwabe, und nutze diese Sprache auch zur täglichen verbalen Kommunikation in meinem Umfeld - aber in der Schriftsprache hat so etwas meiner Meinung nach nichts zu suchen.
Grund 1: Der Text wird schwer lesbar. Grund 2: Es entsteht immer wieder der Eindruck: Slang = Ungebildet, Dumm. Hochsprache = Gebildet, Klug. Wahrheit ist jedoch: Jeder Spricht so, wie ihm "das Maul gewachsen ist". Grund 3: Ich habe noch keinen Text gelesen, in dem so etwas funktioniert hätte. Vielleicht abgesehen von sogenannten Mudarttexte. Aber auch denen haftet meist der Geruch des "Volkst(d)ümlichen" an.
Wie dies in anderen Sprachen funktioniert kann ich nicht sagen. Hier nur ein Beispiel. Ich habe Harry Potter (bitte hier keine HP = gut/schlecht Diskussion) sowohl auf deutsch, als auch auf Englisch gelesen. Im englischen Original spricht Hagrid einen extremen (wenn es mir korrekt mitgeteilt wurde) Cogney-Slang. (Abgesehen davon, dass es für mich eine zusätzliche Hürde ist;) ist es in GB nicht auch so, dass gewisse Slangs mit gewissen Klischees verbunden sind? Den Göttern Dank, hat uns die deutsche Übersetzung vor so etwas verschont. Trotzdem erfahren wir auch hier genug über die Person, allein aus der Art, wie und was er spricht. Oder ... wie hätte euch ein sächselnder/bayrischer/berlinerischer/schwäbischer Hagrid gefallen?

3.) Im dritten Kapitel (Das mit Sarja und Emerthon) scheint uns die Autorin ziemlich viel mitteilen zu wollen. Um alles unterzubringen springt sie mit der Erzählperspektive gegen Ende des Kapitels mehrfach zwischen den beiden hin und her. Sorry (und das ist mit Sicherheit auch wieder nur mein persönliches Empfinden), aber bei solchen "Stellungswechseln" stellen sich bei mir immer wieder die Nackenhaare. Ich weiß, dass das konsequente Erzählen aus einer Perspektive oft nicht leicht ist (was jeder bei der Lektüre von "Ich-Erzählungen" nachvollziehen kann: Ich kann nur schreiben/lesen, was die "First-Person" weiß/hört/sieht ...) aber normalerweise genügt ein Kapitel/Abschnittswechsel um diesen Perspektivwechsel stimmig zu machen. Daniela Knor hat diesen "Fehler" bis (inzwischen) Seite 220 nicht wiederholt. Wie seht ihr diese Sache? Bin ich da überempfindlich? Oder hat der Lektor geschlampt?

So, das war's erst Mal. Meine Rezension von "Das Geheimnis des Königs" folgt dann demnächst.

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Bei etwaigen Rächtscheibfehlern, falschen Word-Fehler-Korrekturen (wir/wie) und sonstigen Unklarheiten: Es gilt das, was ich meine und nicht das, was ich geschrieben habe
Posted By: Ralf

Re: Das Geheimnis des Königs ... und anderes - 06/01/05 05:47 PM

Okay, alter Schwabe ...

zu 1.: Kann ich nur zustimmen und zugleich erwähnen, daß sich Daniela Knor bis Ende des Buches zum Glück auf die für das Buch wichtigsten Erzählstränge konzentriert. Aber ich hoffe auch, daß nicht irgendwann einzelne Handlungsfäden einfach ignoriert werden.

zu 2.: Eigentlich mag ich sowas auch nicht - aber da ich hier keinerlei Probleme mit der "gedanklichen Aussprache" hatte, hat es mich nicht im geringsten gestört. Eigentlich fand ich es sogar gut. Und zumindest bei mir kamen auch keine Assoziationen von wegen "Mundart" gleich dumm. IMHO zeigt es hier einfach nur den Bildungsstand der unterschiedlichen Fraktionen. Und dagegen ist von meiner Seite aus nichts einzuwenden. Denn in der mittelalterlichen aventurischen Gesellschaft halte ich es durchaus für realistisch, daß Adlige bzw. Höflinge sozusagen hochdeutsch sprechen, während die Dörfler so reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Man kann natürlich einweden, daß es inkonsequent ist, diese Unterscheidung nur bei diesem Handlungsstrang anzuwenden - durchaus nicht zu Unrecht. Aber da es an der Qualität des Buches an sich nichts ändert, kann ich darüber gerne hinwegblicken.

zu 3.: Ähem, ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht an diesen Perspektivenwechsel erinnern. Also ist er mir entweder gar nicht aufgefallen oder hat mich nicht gestört.
Posted By: Ralf

Re: Das Geheimnis des Königs ... und anderes - 15/01/05 05:09 PM

ROTER FLUSS von Daniela Knor:
Wie immer handelt es sich auch bei Knors neuem DSA-Roman um eine historische Geschichte. Um genau zu sein befinden wir uns knapp 500 Jahre in der aventurischen Vergangenheit. Zentraler Schauplatz des Geschehens: Myrburg (das spätere, legendäre Phexcaer) mitten im Orkland. Besser gesagt am Rande des Orklandes, denn erst "Roter Fluß" erzählt, warum Phexcaer heute eine Enklave im von Orks beherrschten Gebiet ist.
Knor behält ihre Vorliebe für viele wichtige Personen bei, im Zentrum steht jedoch der aufgrund seiner Walwut ausgestoßene Thorwaler Hjalgar. Er hat mit den Menschen nichts mehr zu schaffen, stattdessen handelt er mit den Orks und versorgt sie mit menschlichen oder zwergischen Ausrüstungsgegenständen. Doch als die Orks sich zu einer Streitmacht zusammentun und auf Myrburg marschieren, gerät Hjalgar zwischen die Fronten ...

"Roter Fluß" bestätigt meine hohe Meinung von Daniela Knor als DSA-Autorin (mindestens zwei weitere Bücher von ihr sollen noch 2005 erscheinen), auch wenn es nicht ganz an das hohe Niveau ihres Rhiana-Romans "Das Geheimnis des Königs" herankommt. Dafür haben sich doch ein wenig zu viele Klischees eingeschlichen (gerade die Entwicklung von Hjalgar ist nicht gerade sensationell originell) und manches erscheint mir auch etwas unglaubwürdig oder übertrieben. Doch das sind Fehler, die die Qualität des Buches - das sich sehr flüssig lesen läßt, spannend und einfach gut geschrieben ist - insgesamt nicht übermäßig mindern. Deshalb die Note 2+.
Posted By: Ralf

Re: Das Geheimnis des Königs ... und anderes - 01/02/05 12:22 PM

Ich lese momentan das 20-Jahre-DSA-Jubiläums-Buch "Magische Zeiten". Neben einigen Kurzgeschichten und Artikeln gibt es darin auch eine sehr ausführliche DSA-Chronik, die Veteranen wie mich vor Nostalgiegefühlen fast zum Heulen bringt ...
Aber etwas fiel mir dabei auf: Es wird einmal erwähnt, daß es sozusagen zwei "legendäre Meisterinformationen" aus Abenteuern in der DSA-Geschichte gibt. Eine in "Die Attentäter" (habe ich selbst gespielt), die andere in "Alptraum ohne Ende" (war der erste Band der "Die sieben Gezeichneten"-Kampagne, wenn ich nicht irre). Zu dieser Zeit war ich allerdings leider schon vom aktiven zum passiven DSA-Fan geworden (also nur noch Romane und Aventurischer Bote).
Falls irgendjemand hier "Alptraum ohne Ende" gespielt hat und/oder weiß, was gemeint ist: Bitte laßt mich nicht unwissend sterben!!!

Ich schätze, ich muß meinen Neugier-Wert permanent um fünf Punkte erhöhen ...
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Das Geheimnis des Königs ... und anderes - 07/02/05 07:54 PM

Das kommt drauf an, Ralf - wenn er bisher noch einstellig war, dann um 10 Punkte !

Was die "ach so geheime Meisterinformation" angeht - schade!
Ich war zu dem Zeitpunkt auch schon passiver DSA´ler.
Allerdings hatte ich die DSA-Abenteuer schon immer gerne einfach auch nur gelesen.
Und die "Gezeichneten-Kampagne" sollte auf alle Fälle zu jeder Sammlung gehören!

Wie dem auch sei - kannst Du evtl. mal noch etwas näher spezifizieren, um welche Art Information es sich dabei handeln könnte?
Ich tät´ Dir dann `ne PM schicken (wenn Dir´s nicht schon jemand anderweitig verraten hat).
Es ist schon so lange her, daß mir jetzt spontan nichts einfällt.
Daneben ist die gesamte Kampagne gespickt mit den (für das Wissen `aventurischer Normalhelden´) geradezu unglaublichsten Meisterinfos (und einige davon fand´ ich doch zu wahnwitzig bzw. an alten und liebgewonnen, festen Größen - besonders aus der DSA-Frühzeit! - rüttelnd ).


Derweilen verbleibend,
Ragon, der Magier
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Das Geheimnis des Königs ... und anderes - 07/02/05 08:58 PM

Gegenfrage : Lohnt sich das überhaupt ? Ich meine, Abenteuer einfach so lesen ? Als Buch ?
(Das ist jetzt ernst gemeint.)

Posted By: Ralf

Re: Das Geheimnis des Königs ... und anderes - 08/02/05 01:15 PM

Es ist im Grunde genommen auch nicht groß anders als wenn du den Aventurischen Boten liest - bloß teurer ...
Da ich zu meiner aktiven Zeit auch ein paar Abenteuer gekauft habe, die wir dann irgendwie nie gespielt haben, bin ich dann auch zwangsläufig zum Leser geworden.
Tatsächlich habe ich mir sogar auch überlegt (als ich diese Chronik las), ob es nicht vielleicht sogar lohnend wäre, mir die vor ein oder zwei Jahren erschienene Neuauflage der "Sieben Gezeichneten" (in der dann wohl immer zwei der Abenteuer in einem Band veröffentlich wurden) zu kaufen. Zumal ich nochmal einiges von liebgewonnenen Meisterpersonen lesen könnte, die im aktuellen "Jahr des Feuers" dran glauben mußten. Bisher konnte ich mich allerdings noch nicht dazu durchringen (v.a. aus finanziellen Gründen) ...

Ragon: Leider kann ich das nicht näher spezifizieren, der Autor hat nicht mehr geschrieben. Ich dachte mir nur, wenn es genauso sensationell ist wie die Enthüllung in "Die Attentäter", dann müßte sich bestimmt jemand daran erinnern.

Übrigens hat das Lesen des DSA-Jubiläumsbands (obwohl ich erst etwa zur Hälfte durch bin) auch in mir den Wunsch geweckt, mal wieder "Das zerbrochene Rad" zu lesen ... hach, wenn man doch nur mehr Zeit hätte ... *schnief*
Posted By: Ralf

Re: Das Geheimnis des Königs ... und anderes - 01/03/05 05:51 PM

MAGISCHE ZEITEN, herausgegeben von Momo Evers:
Gut, genau genommen kein Roman, sondern der Jubiläumsband zu 20 Jahren Aventurien, bestehend aus verschiedenen Texten und Erläuterungen, Rückblicken und vor allem zahlreichen Kurzgeschichten. Etwas problematisch ist der Versuch, DSA-Neulinge und -Veteranen gleichermaßen anzusprechen, denn das führt dazu, daß manches für die Veteranen schlicht überflüssig ist, während die Neulinge v.a. bei den Kurzgeschichten viele Zusammenhänge gar nicht begreifen können.
Aber um es einfach zu machen, werde ich einfach zu allen Teilen des Buches etwas schreiben ...

Zunächst gibt es ein kurzes Kapitel über die "Aventurische Geografie" - für Veteranen eher überflüssig, aber nett geschrieben.
Es folgen sage und schreibe VIER Vorworte von Momo Evers, Bernhard Hennen, Hadmar von Wieser sowie Florian Don-Schauen und Thomas Römer (letzteres sehr unterhaltsam und an legendäre Skurrilitäten wie eine Ortschaft namens "Gradnochsjepengurken" erinnernd ... ).

"Willkommen in Aventurien": 15 Seiten, die sich explizit an Neulinge richten und über Rassen, Religionen und die Zwölfgötter informieren.

"Das Schwarze Auge" von Thomas Finn. Eine unterhaltsame Kurzgeschichte über den Diebstahl eines Schwarzen Auges in Gareth.
Übrigens haben alle Kurzgeschichten gemeinsam, daß bekannte historische DSA-Figuren darin auftauchen bzw. sogar Hauptrollen spielen. Hier ist es u.a. Reichsgroßgeheimrat Dexter Nemrod. Ich werde bei allen Kurzgeschichten erwähnen, welche dieser Meisterfiguren darin auftauchen (zumindest die bekanntesten), so gesehen sollte ich also eine leichte SPOILERWARNUNG geben.

"Heute ein Held", eine Einführung in das Rollenspiel an sich (wiederum für Veteranen reichlich überflüssig).

"Die Geschichte des Schwarzen Auges", der Name sagt es ja schon. Eine Chronik von 20 Jahren DSA (und zu Beginn auch des Rollenspiels generell). Auch oder gerade für DSA-Kenner informativ und unterhaltsam - weckt vor allem ständige "Ach, waren das noch Zeiten ..."-Gefühle!

"Am Anfang der Zeit" von Hadmar von Wieser. Etwas seltsame Kurzgeschichte, die vor allem mit zahlreichen unaussprechlichen Echsen-Namen nervt ... Unter den Promis (hier nur in der Rahmenhandlung) sind Erzmagier Rakorium und der Schwertkönig Raidri Conchobair.

"Myranor und Aventurien", eine (zum Glück kurze) Einführung in Myranor.

"Zwei stürmische Tage" von Susi Michels. Eine sehr vergnügliche Geschichte über ein gemeinsames Abenteuer des Schwerts der Schwerter Ayla vom Schattengrund und des Lichtboten Hilberian - mit leicht blasphemischen Zügen ...

"Aventurien lebt", eine kurze Hommage an die DSA-Spieler und ihre Aktivitäten wie Briefspiel, Fanzines oder Homepages.

"Die Winde voller Trauer klagen" von Martina Nöth. Eine sehr melancholische Geschichte über die letzten Momente des Reichsbehüters Brin, in denen sein Leben noch einmal vor seinem inneren Auge vorüberzieht. Sehr schöne Geschichte!

"Der Scharlachkappentanz" von Lena Falkenhagen. Die berühmte Geschichte des Falls von Hals damaligen Hofmagier Gaius Cordovan Galotta. Darin wird auch enthüllt, wer wirklich für Galottas Fall (und damit letztlich auch für seine folgenden Untaten) verantwortlich ist (ich sage nur: so eine Schlampe! ) ...

"Multimedia", kurzes Kapitel über Computerspiele, Handygames, Romane und Musik.

Dann gibt es eine höchst überflüssige Sonderausgabe des Aventurischen Boten, die nichts anderes als eine ziemlich offene Werbung für aktuelle Abenteuerbände ist.

"Vanjescha" von Ina Kramer. Wieder eine sehr humorvolle Kurzgeschichte über eine der Töchter Stoerrebrandts, die Liebe, einen Einbruch und einen ziemlich fiesen Elfen ...

"Bewahrer phantastischer Welten", ein recht kurzweiliges Interview mit der DSA-Redaktion.

"Das Herz des Kontinents" von Anton Weste. Vielleicht sogar mein Favorit unter den hier versammelten Kurzgeschichten. Aus der Sicht eines ganz besonderen Baumes und eines ganz besonderen Schmetterlings wird ein nostalgischer und melancholischer Rückblick auf die Geschichte Gareths gegeben. Wunderbar poetische Geschichte!

"Helden wie wir", eine Vorstellung der wichtigsten DSA-Köpfe aus Vergangenheit und Gegenwart, beginnend natürlich mit Ulrich Kiesow (r.i.p.).

"Die letzte Glut" von Stefan Küppers. Eine sehr kurze und eher verwirrende Geschichte über Borbarad und einen Blick in die Zukunft (immerhin mit gelungener Auflösung).

"Bewegte Zeiten", eine Chronik der letzten 30 aventurischen Jahre. Sehr gelungen, teilweise erfährt man sogar Informationen aus Abenteuern, einfach ein guter Überblick!

"Auf ins Abenteuer!", die unvermeidliche Vorstellung SÄMTLICHER jemals zu DSA erschienener Produkte auf satten 80 Seiten (von knapp 500).

Dazwischen gibt es immer wieder mal Texte und Noten zu aventurischen Liedern.

Also, mein Fazit: Die Qualität der Kurzgeschichten ist erfreulicherweise extrem hoch. Fast alle sind sehr gelungen - was man von den bisherigen Kurzgeschichten-Anthologien nicht unbedingt behaupten konnte - und decken ein breites Spektrum ab. Die Integration von "Meisterfiguren" erhöht zudem den Nostalgiewert und zu guter Letzt bauen einige dieser Geschichten sogar noch aufeinander auf (also möglichst nicht durcheinander lesen!).

Auch, wenn - wie erwähnt - einige Texte für DSA-Kenner entbehrlich sind, ist "Magische Zeiten" alleine aufgrund dieser herausragenden Kurzgeschichten eigentlich unverzichtbar. Und die Chroniken (irdisch wie aventurisch) sind ähnlich gelungen.
Aus Sicht eines DSA-Veterans gebe ich daher die Note 1-.

Für DSA-Neulinge hingegen könnte ich mir einen besseren Einstieg vorstellen - beispielsweise mit den erwähnten Kurzgeschichten-Anthologien oder bestimmten Romanen.
Posted By: Schweige

Rezi: Rhiana 3 - 05/03/05 06:30 PM

So, und jetzt, wie versprochen, endlich meine

Rezension: "Das Geheimnis des Königs (Rhiana 3)" von Daniela Knor

Rhianas Flucht aus Albernia geht weiter. Zusammen mit ihrer Freundin Fini hat sie inzwischen Havena erreicht. Gemeinsam mit den anderen talanischen Flüchtlingen bereiten sie alles für die Abreise zu den Zyklopeninseln vor. Doch ihre Feinde sind ihnen noch immer dicht auf der Spur.
Doch zunächst will Rhiana nach Hinweisen auf ein geheimnisvolles Artefakt suchen, das ihr Vater hinterlassen hat. Die Suche führt sie direkt in die Sümpfe des Flussdeltas zur unheimlichen "Insel der Nebelgeister".
Soweit ganz kurz die Handlung des dritten Bandes um die talanische Prinzessin und ihre Freunde. Wie ich schon in meinem Vorab-Kommentar geschrieben habe werden auch weitere alte Handlungsstränge weiterverfolgt und sogar noch neue eingeführt. Da sich die Haupthandlung jedoch auf die (vom Zeitrahmen, nicht vom Umfang her) kurze Queste ins Delta des Grossen Flusses beschränkt, gerät die Gesamterzählung nicht außer Kontrolle und wird auch nicht zu verwirrend - gut.
Daniela Knor schreibt flüssig und spannend. Was mir nicht gefällt, habe ich weiter oben schon erwähnt. Die kurzen mehrfache Perspektivwechsel im dritten Kapitel und das Verwenden einer "Realwelt-Mundart" in einem Fantasy-Roman mögen Geschmackssache sein, aber eben dies: ... ich mag sie nicht.
Ansonsten hat der Roman nur einen Fehler ... und das ist das Konzept an sich. So knapp die tatsächliche Handlung im dritten Band ist (und da unterscheidet er sich nicht sonderlich von den ersten beiden) müssen wir davon ausgehen, dass die Reihe ziemlich lang wird, wenn alles zu Ende geführt wird, was begonnen wurde. Jetzt nach ca. 1000 Seiten hat die Geschichte gerade so eben angefangen.
Und wenn ich schon beim Meckern bin: Jetzt hab ich angefangen, also werde ich die Geschichte vermutlich auch zu Ende lesen. Aber ... auch nach 1000 Seiten bleibt Rhiana eine blasse, langweilige Klischeegestalt, ihre Begleiterin Fini und alle anderen sind auch nicht viel besser.

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es geht gleich weiter ...

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Posted By: Schweige

Rezi: Roter Fluss - 05/03/05 06:33 PM

... und zwar mit meiner ...

Rezension: „Roter Fluss“ von Daniela Knor

Der walwütige Hjalgar hat die Moral schon längst über Bord geworfen. Der Ausgestoßene mach Geschäfte, ob mit Menschen oder mit Orks. Doch als die Orks zum Sturm auf Myrburg, das spätere Phexcaer, ansetzten, da ist es Hjalgar, der als Zünglein an der Wage über das Schicksal der Menschen im Orkland entscheiden kann.
Im Gegensatz zu „Rhiana 3“ hat Daniela Knor in „Roter Fluss“ wieder die Freiheit, sich nicht an einen übergeordneten Plot halten zu müssen. Ähnlich wie in „Blaues Licht“ hat sie ein „historisches“ Szenario gewählt, denn die Geschichte spielt etwa 400 Jahre vor dem aktuellen aventurischen Zeitgeschehen.
Um es kurz zu sagen: Daniela Knor bestätigt wieder, dass sie zu den großen Hoffnungen der aventurischen Geschichtenerzählern gehört. Auch wen eigentlich nichts an der Geschichte wirklich originell ist, die Charaktere klischeehaft und einige stilistische Stolperer die Lesefreude trüben, so ist die Geschichte doch einfach flott und spannend geschrieben, die Charaktere sympathisch. 350 Seiten Aventurien von der guten bis besten Sorte.
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... mehr, dann vielleicht noch ...


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Posted By: Schweige

Re: Rezi: Roter Fluss - 05/03/05 06:35 PM

... das hier: (der elende Seitenschinder schlägt wieder zu ...)

Rezension: „Todgeweiht“ von Markus Tillmanns

Nach dem „Daimonicon“ legt der „Aufruhr in Aventurien“-Sieger hier seinen zweiten Roman vor. Und ich kann nur sagen: Da hat sich einiges getan.
Doch kurz die Handlung:
Im Mittelpunkt steht der junge Krieger Quin. Er reist mit dem erfahrenen Krieger Arthang als väterlichem Freund und dem liebfeldschen Stutzer Oscatatio durch den Finsterkamm. Bei einem Orküberfall treffen sie auf die Tsageweihte Tsafilia und fliehen mit ihr in ein Noionitenkloster.
Doch schon bald ist klar, dass sie dort nicht in Sicherheit sind, dass in dem Kloster nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Und schon bald wird es den ersten Todesfall geben.
Markus Tillmanns verlegt eine Mischung aus Gruselgeschichte und Klosterthriller (wer sagt hier „Name der Rose“) in den aventurischen Finsterkamm und zeigt, dass das Land des Schwarzen Auges für mehr taugt, als die 111te Rettung der Welt von dem Bösen. Auch „kleine“ Geschichten können spannend und stimmig hier angesiedelt werden. (Wie weit alles „Regelkonform“ ist, überlasse ich anderen).
Tilmanns Figuren sind origineller und stimmiger als in seinem Erstling, besonders die Motivation der Helden, auch Mal das Falsche zu machen wirkt plausibler als dort – ich habe im „Daimonicon“ nie verstanden, wie ein junger aber gebildeter Jungmagier so offensichtlich ins Verderben rennt.
Insgesamt wieder ein schöner Aventurien-Roman ... wenn das nicht zur Gewohnheit wird ...

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... aber schon habe ich den vierten Band der Rhiana Reihe begonnen ... ihr wisst schon ... die Geschichte um die wunderschöne Amazonenprinzessintocherrondrasunderbinvontalania ... dem niedlichen „Dschin“ Fini und dem, die ganze Zeit Rastullah um Verzeihung bittenden Rhashid ... und da schon wieder die Frage auftauchte ob „genügend viele“ Schiffe übrig bleiben ... ich weiß, ich weiß ... ...

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Posted By: Ralf

Re: Rezi: Roter Fluss - 05/03/05 07:28 PM

Ich habe auch eben den vierten Rhiana-Band angefangen, "Todgeweiht" kommt erst danach.
Übrigens ist die Reihe auf zehn Bücher ausgelegt, so gesehen paßt es also, daß die Geschichte nach drei Bänden erst so richtig an Fahrt gewinnt ...

Davon abgesehen stimme ich dir zwar durchaus zu, daß Rhiana und Finni recht klischeehafte Charaktere sind (aber man gewöhnt sich an alles ), bin jedoch immer noch davon überzeugt, daß die Klischeehaftigkeit des von Knor eingeführten Rashid völlig bewußt und zudem herrlich übertrieben ist. Dadurch hebt er sich - zumindest bei Knor - wohltuend von den "ungewollt klischeehaften" Charakteren ab. Allerdings kommt beim vierten Band schon wieder eines der Probleme des Rhiana-Konzepts zum Vorschein. Denn Hans-Joachim Alpers bemüht sich zwar, Rashid so zu beschreiben wie Knor; mit dem Unterschied, daß Rashid bei ihm eher albern oder gar nervig wirkt und nicht mehr - wie bei Knor - sehr unterhaltsam.
Zumindest habe ich dieses Gefühl, auch wenn ich erst ein Kapitel durch habe ...
Posted By: Ralf

Re: Rezi: Roter Fluss - 11/03/05 03:41 PM

Ich lese gerade, daß demnächst mal wieder ein DSA-Brettspiel erscheinen wird.
Interessant finde ich dabei die "Begründung" von DSA-Veteran (und FanPro-Geschäftsführer) Werner Fuchs, der sich u.a. auf "stetige Zuwächse" der DSA-Buchreihen beruft.
Angesichts der Tatsache, daß ich seit Ewigkeiten keinen DSA-Roman mehr in einem Buchladen entdeckt habe (seit dem Ende von Heyne, um genau zu sein), finde ich diese Aussage in der Tat erstaunlich und ehrlich gesagt auch etwas fragwürdig.

Kann es wirklich sein, daß die Buchverkäufe stetig zunehmen, wenn sie fast nur noch per Internet bestellen kann? Also eigentlich gar keine Gelegenheitsleser mehr erreichen kann?
Ich bezweifle das, aber ich hoffe natürlich trotzdem, daß es stimmt.

Ein neues Buchprojekt, das leider erst in einem Jahr erscheinen soll, ist übrigens ein Roman über das Leben von Gaius Cordovan Galotta, sicherlich einer der interessantesten Figuren der aventurischen Geschichte. Autoren sind Kathrin Ludwig (kenne ich nicht) und Mark Wachholz.
Das könnte mal wieder ein echtes Highlight werden und zudem für DSA-Veteranen praktisch unverzichtbar, da Galottas Leben die gesamte Zeit der irdischen DSA-Publikationen abdeckt.
Das wird wieder ein Fest für Nostalgiker werden ...
Hoffentlich auch mit einer angemessenen Qualität.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Rezi: Roter Fluss - 11/03/05 08:38 PM

Galotta ? Ist der nicht gerade erst Spoiler : abgestürzt ... ?

Posted By: Ralf

Re: Rezi: Roter Fluss - 12/03/05 11:53 AM

Spoiler : Yep, ist er - zumindest laut AB
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Rezi: Roter Fluss - 12/03/05 02:27 PM

Aha. Ich frage mich, ob mehr über ihn in der derzeitigen Kampagne zu erfahren ist ... im AB gab es ja mehr als mysteriöse Andeutungen ...

Posted By: Ralf

Re: Rezi: Roter Fluss - 12/03/05 06:47 PM

Ja, er war wohl eine Hauptfigur im ersten Teil der "Jahr des Feuers"-Kampagne ("Schlacht in den Wolken" hieß das Abenteuer, glaube ich).
Posted By: Ralf

Re: Rezi: Roter Fluss - 22/03/05 04:30 PM

VERSCHWÖRUNG IN HAVENA von Hans Joachim Alpers (Band 4 von "Rhiana, die Amazone"):
Nachdem sich schon der Vorgänger größtenteils auf Havena als Handlungsort konzentriert hatte (bis auf die kurzen Abstecher zu den Tobriern), spielt der 4. Band ausschließlich dort. Alpers (der ja auch den 1. Band geschrieben hatte) konzentriert sich diesmal komplett auf Rhiana und ihre Freunde sowie ihre Gegner Mortenberg und Elidana. Die bereits erwähnten Tobrier werden nicht mal erwähnt und auch die meisten anderen, in den vorherigen Bänden eingeführten Gruppen und Charaktere werden bestenfalls erwähnt oder ganz ignoriert - mal abgesehen von den Thorwalern, deren Angriff auf Havena die Rahmenhandlung darstellt - und zugleich das IMHO größte Ärgernis der bisherigen Reihe ist. Denn während Hetman Bjarnison und seine Leute noch in André Wieslers 2. Band "Das Artefakt" explizit vorgestellt wurden und gleichberechtigt den zweiten Handlungsstrang neben Rhiana bestritten, wurden sie danach nie wieder aktiv gezeigt. Auch in "Verschwörung in Havena" wird - abgesehen von einer halben Seite - nur ÜBER sie berichtet, nie aber aus ihrer Sicht. Da der Thorwaler-Handlungsfaden mit diesem Band wohl auch sein Ende findet, muß dies als äußerst unwürdig bezeichnet werden.
Hier zeigt sich erstmals ganz klar die Schwierigkeit einer Reihe, die zwar in sich konsistent sein soll, aber von verschiedenen Autoren geschrieben wird!
Davon abgesehen ist die Verknappung der Perspektiven für das Buch an sich durchaus vorteilhaft. Es gibt keine Ablenkungen, die Geschichte wird straff und spannend erzählt, Alpers neigt zwar gelegentlich zu Wiederholungen, aber er zeigt auch, daß er ein erfahrener Autor ist - insbesondere die Figur des verschlagenen Ritters Mortenberg bringt er sehr gut zur Geltung, der Knabe wird so langsam zu meinem absoluten Lieblingscharakter der Serie.
Damit hat sich "Verschwörung in Havena" eine glatte 2 verdient, dennoch ist die Sache mit den Thorwalern für die gesamte Reihe sehr ärgerlich. Hoffentlich passiert sowas nicht öfters, sonst würde das der Glaubwürdigkeit der Reihe erheblich schaden.
Posted By: Ralf

Re: Rezi: Roter Fluss - 03/04/05 09:34 AM

TODGEWEIHT von Markus Tillmanns:
Schweige hat weiter oben ja schon einiges dazu geschrieben, somit kann ich mir zumindest eine Inhaltsangabe ersparen (mal abgesehen davon, daß der erfahrene Krieger Angrond heißt und nicht Arthag! ).
Der Bewertung kann ich jedoch nur zustimmen, was die ersten etwa 250 Seiten betrifft.
Soweit hatte ich das Buch eigentlich schon im Geiste mit einer 1- bewertet.
Leider haben mich die letzten 20, 30 Seiten dann doch ziemlich enttäuscht. Mal abgesehen davon, daß sie mir sehr unglaubwürdig und teilweise auch unlogisch erscheinen (leider kann ich ohne Spoiler nicht näher darauf eingehen), gibt es mir auch zu viele offene Fragen. Entweder Tillmanns plant bereits eine Fortsetzung (worüber ich mich freuen würde), oder das Ende ist mir wirklich zu ärgerlich und abrupt.
Daß die armen Orks im Grunde genommen nur dazu da sind, die Helden im Kloster "gefangenzuhalten", läßt sich ja noch verschmerzen. Aber auch andere Figuren und sogar einzelne Kapitel hängen irgendwie ziemlich in der Luft. Sie versprechen teils mehr, als Tillmanns hält ("Der Angriff") oder sind schlichtweg überflüssig ("Epilog"). Das ist insofern besonders bedauerlich, als Tillmanns an anderen Stellen sehr genau darauf achtet, daß sich Details und Andeutungen vom Beginn des Buches bewahrheiten (um das zu bemerken, sollte man übrigens aufmerksam lesen! ).
So gesehen vielleicht auch ein weiterer Hinweis auf eine Fortsetzung, denn ansonsten kann ich mir diese Diskrepanz eigentlich nicht erklären (höchstens noch mit Termindruck).

Aber davon hat die DSA-Redaktion mit Tillmanns (der ja im Rahmen eines DSA-Kurzgeschichten-Wettbewerbs entdeckt wurde) schriftstellerisch einen wirklich guten Fang gemacht. Tillmanns hat die Gabe, seine Geschichten nicht einfach nur aufzuschreiben, sondern sie wirklich zu ERZÄHLEN. Er hat einen lockeren, flüssigen, spannenden Schreibstil, der es einem schwer macht, das Buch vorzeitig aus der Hand zu legen. Und er hat ein sehr gutes Gespür für atmosphärische Grusel-Krimis (auch das "Daimonicon" hatte mir schon wirklich gut gefallen).

Die schon angedeutete 1- kann ich "Todgeweiht" aufgrund der genannten Mangel (zumindest in meinen Augen, aber da Schweige nichts dergleichen erwähnt, liegt es ja vielleicht an mir?) natürlich nicht geben. Insgesamt eine 2.
Sehr gute Grusel-Unterhaltung mit etwas enttäuschendem Ende.
Posted By: AlphaZen

Empfehlungen - 21/04/05 05:01 PM

Ich bin grad am überlegen, ob ich mir nicht mal wieder ein oder zwei Bücher aus der DSA-Romanreihe bestellen soll. Deswegen würd ich mal eure persönliche Top-5-Hitlist eurer Lieblingsteile der Reihe hören. Am besten wär auch ne kleine Begründung, warum euch die jeweiligen Teile gefallen haben.

Folgende hab ich schon gelesen:

Zwergenmaske
Das zerbrochene Rad (Dämmerung + Nacht)
Der Scharlatan
Das magische Erbe
Drei Nächte in Fassar
Das Wirtshaus zum lachenden Henker
Der Spieler
Sphärenschlüssel
Blutrosen
Der Schwertkönig
Der Dämonenmeister
Der geheime Pfad
Der Drachenkönig
Aus dunkler Tiefe
Aufruhr in Aventurien
Verborgene Mächte
Die letzte Schlacht

Müssten alle gewesen sein.

Ich danke schonmal für alle Empfehlungen
Posted By: Alix

Re: Empfehlungen - 22/04/05 07:57 AM

Mir haben z.B. die folgenden Romane nicht gefallen, deshalb verkaufe ich sie gerade:
-Drei Nächte in Fasar (3Romane in einem Buch) - Hennen
-Schatten aus dem Abgrund - B.Büchner (PRM)
-Hinter der eisernen Maske - Alpers (PRM)
-Das Jahr des Greifen-Hohlbein (3Romane in einem Buch)

Posted By: Patarival

Re: Empfehlungen - 22/04/05 08:33 AM

Ich vertraue hierbei meist auf die Benutzer-Ratings von Amazon. Bis jetzt bin ich damit ziemlich gut gefahren, muss ich sagen.
Oftmals sind die Benutzer so anständig und schreiben nicht nur "Das Buch ist scheisse!", sondern geben auch Gründe an.
Posted By: Ralf

Re: Empfehlungen - 22/04/05 02:55 PM

Alpha-Zen: Von den Büchern, die Alix verkauft, würde ich dir UNBEDINGT zu "Das Jahr des Greifen" raten!

Die Reihe gefiel Alix vermutlich nicht, weil sie sehr düster geschrieben ist und Alix auf sowas überhaupt nicht steht - wenn dich das aber nicht stört, kannst du kaum etwas falsch machen. Diese Trilogie gilt bei den meisten DSA-Fans als absoluter Klassiker.

Auf einer der vorherigen Seiten (je nachdem, wieviel Beiträge bei dir je Seite angezeigt werden - bei mir ist es auf Seite 4) kannst du meine Bewertungsübersicht sämtlicher DSA-Romane finden, aber wenn du unbedingt auf eine Top5 bestehst (von denen, die du noch nicht gelesen hast):
- "Im Schatten des Raben" (zwei Bände) von Lena Falkenhagen
Warum? Weil es eine wunderbare Geschichte über Vampire ist, romantisch und geheimnisvoll, dazu mit toller Atmosphäre und anspruchsvoller Story.
- "Spuren im Schnee" von Karl-Heinz Witzko (und eigentlich alle anderen Bücher von ihm)
Warum? Ich liebe Karlis schrägen Humor! Mehr muß man dazu nicht sagen ...
- "Und Altaia brannte" von Momo Evers
Warum? Weil es wieder mal eine sehr düstere Story ist (ich mag sowas ), in der Kobolde und Thorwaler vorkommen (kuriose Kombi, was? ) und es vor allem die IMHO bislang beste Schilderung von Boron-Geweihten gibt. In den meisten anderen Büchern werden die so geschwätzig dargestellt wie ein Politiker, hier zum Glück nicht.
- "Blaues Licht" von Daniela Knor
Warum? Sehr atmosphärische Geschichte über einen legendären Firungeweihten. Authentisch geschildert, mit vielen Überraschungen und einem gelungenen Krimi-Plot.
- "Der letzte wird Inquisitor" von Jesco von Voss
Warum? Weil es eine sehr amüsante Krimi-Geschichte mit einem - man glaubt es kaum - sympathischen Inquisitor in der Hauptrolle ist.

Viel Spaß beim Lesen ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Empfehlungen - 22/04/05 05:42 PM

In Antwort auf:

Die Reihe gefiel Alix vermutlich nicht, weil sie sehr düster geschrieben ist und Alix auf sowas überhaupt nicht steht - wenn dich das aber nicht stört, kannst du kaum etwas falsch machen. Diese Trilogie gilt bei den meisten DSA-Fans als absoluter Klassiker.




Würde ich auch annehmen. Ich habe die Trilogie (noch als 3 Bände !) gelesen, und ich mag düsteres Zeugs auch nicht, genauso, wie Alix. Trotzdem hat es mir gefallen.

Das Ende fand ich sehr traurig und melncholisch (doppelt gemoppelt ? ) , aber immerhin mit einem Hoffnungsschimmer.

Zu dem Buch läßt sich noch sagen, daß erst kürzlich ein Artefakt aus dem Roman von den Orks gestohlen wurde ... (laut Aventurischem Boten).

Posted By: Rei

Re: Empfehlungen - 22/04/05 06:05 PM

Ist dieses Buch im gleichen Stil wie die anderen Hohlbeinbücher geschrieben?
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Empfehlungen - 22/04/05 10:12 PM

Ich weiß nicht, wie die Holhbein-Bücher klingen (Hohlbein ? Hat wohl mal ein Vorfahre eine Beinprothese gehabt ?).

Der Name Hohlbein ist da wohl mehr aus marketingtechnischen Gesichtspunkten draufgekommen : Hohlbein verkauft sich wphl besser. Technisch gesehen ist das Buch aber zu 99 % von Bernhard Hennen geschrieben, soviel ich weiß.

Posted By: Alix

Re: Empfehlungen - 23/04/05 12:50 PM

Stimmt, es hat mir nicht gefallen, weil es so düster ist wie alle Hohlbein Romane! Ich hab schon einige gelesen und noch einige zu Hause die ich wohl auch noch verkaufen werde, düster sind sie alle.
Mir gefallen Fantasy Romane die lustige Dialoge haben, wie z.B. die Belgarionsaga und ein freundliches Ende!
Traurige Romane oder zu skurile Romane gefallen mir gar nicht.
Posted By: AlphaZen

Re: Empfehlungen - 25/04/05 07:46 AM

"Das Jahr des Greifen" hört sich echt vielversprechend an. Da werd ich wohl heut noch den Buchladen meines Vertrauens (und Gutscheins ) aufsuchen.

Ich danke für die vielen Tipps
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Empfehlungen - 25/04/05 05:45 PM

So, ich glaube, ich packe das mal hier rein :

Der Traum aller Powergamer : Besonders abgedrehte Vorteile in der 4. Edition von DSA

Die Schild ! - FDie Bildzeitung Aventuriens !

"Gespräche in Alveran" : http://www.kemi.de/add/alveran.pdf

(Beides ist im PDF-Format.)


Posted By: Schweige

Re: Empfehlungen - 26/04/05 08:56 AM

So ... ein paar Ergänzungen und Erweiterungen:

Markus Tillmanns „Todgeweiht“

Wie konnte ich das nur vergessen! Was Ralf in seiner Rezi schreibt, dem kann ich nur zustimmen. Die letzten Seiten führen, dank wirrer Andeutungen, nur zu Ratlosigkeit. Welche Pointe uns der Autor hier vorenthält, kann wohl nur dieser beantworten. Ich kenne keinen, der den Schluss verstanden hat. Dass, wie in anderen Kommentaren zu lesen war, einige Sachen im Laufe der Aufklärung des Falls etwas unglaubwürdig sind und die Orks nur dazu da sind, die Helden im Kloster gefangen zu halten, finde ich weniger Dramatisch, da die Geschichte in sich ansonsten stimmig und spannend ist ... aber wie gesagt: Die letzten Seiten hätte man ersatzlos streichen können.

Auch bei „Magische Zeiten“ ...

... kann ich nur auf Ralfs Kommentare verweisen. Die Kurzgeschichten gehören zu den Besten, die ich in der DSA-Welt gelesen habe. Klar, das Buch weiß nicht, an wen es sich richten soll – Einsteiger oder Einheimische-, aber der Mittelweg wurde ganz gut begangen.
Ich persönlich – Nicht-Spieler, alle Romane, ein halbes Duzend ältere Regelboxen etc. – hätte mir eine ausführlichere „Aufzählung der Jahre“ (um das HdR-Jargon zu verwenden) gewünscht.

Rezension: "Verschwörung in Havena (Rhiana 4)" von Hans Joachim Alpers.

Rhianas Flucht gehr weiter – langsam aber sicher. Auch der vierte Band beschreibt nur wenige Tage und wenige Ereignisse im großen Plot. Nebenbei und nett: Am Anfang von jedem der 12 Kapitel steht die Angabe von Ort und Zeit. 12 mal steht da „Havena, Mitte Boron 914 BF“.
Doch genug gelästert. HJ Alpers scheint seine Kritiken gelesen haben. Er verschont uns mit der 1000 Erwähnung von Rhianas Schönheit ... nun, zumindest fast. Die ganze Geschichte ist recht straff und spannend geschrieben, hier zeigt sich einfach Alpers Routine als Autor.
Wie Ralf schon geschrieben hat: Leider vermisst man die Nebenhandlungen. Besonders hart ist das bei Hardred Bjarnison. Er und die Thorwaller, im zweiten Band mühevoll und sympathisch eingeführt, gehen in diesem Band als durchgeknallte Barbaren und größenwahnsinniges Kanonenfutter – wortwörtlich – unter. Die Gaukler und die von Daniela Knor eingeführten tobrischen Soldaten können ja wiederkommen.
Letztendlich muss ich sagen, dass mir zu der Serie immer weniger einfällt. Zum Guten wie auch zum Schlechten ...


Nach dem Fanpro ganz „heimtückisch“ die Armalion und Myranor Bücher in die DSA-Reihe integriert hat (Heyne endet mit Band 73, Erst auf „Todgeweiht“ ist ganz offiziell Band 86 aufgedruckt) mache ich mich jetzt doch mit gemischten Gefühlen an diese Bücher (der Trick hat bei mir funktioniert ;-) ).

Daniela Knors „Tage des Zorns“ habe ich schon durch, ist recht gelungen, was aber bei der „neuen Heldin“ unter den DSA-Autoren nicht verwunderlich ist. „Den Göttern versprochen“ von Charlotte Engmann gefällt mir besser, als viele Rezensionen (Amazon etc.) erwarten lies, auch wenn die Welt mir fremd ist ... ist eben nicht Aventurien ...

... mehr dazu bei Gelegenheit ...

... ach ja ... und im Fanpro-Forum hab ich gelesen, dass die Beiträge zum letztjährigen Geschichtenwettbewerb gerade gelesen werden, ein Ergebnis aber auf Grund der Menge noch auf sich warten lässt (Stand März/April) ...

Posted By: Ralf

Re: Empfehlungen - 26/04/05 11:40 AM

Wird mal wieder Zeit, meine Liste zu aktualisieren (und mal wieder über die eingeschränkte "Edit"-Funktion zu meckern ... ), außerdem werde ich der Übersichtlichkeit halber auch die jeweiligen Autoren anführen.
Noch mal zur Erinnerung: Höchstbewertung sind 4 Sterne.

Das Jahr des Greifen (Hennen/Hohlbein): ****

Bei Heyne:
Der Scharlatan (Kiesow): ***
Túan der Wanderer (Zietsch): ** + 1/2
Die Zeit der Gräber (Jagnow): **
Das Leben der Thalionmel (Kramer): ** + 1/2
Feuerodem (Rumpel): *
Katzenspuren (Scheja): ***
Der Drachenkönig (Zietsch): ** + 1/2
Der Göttergleiche (Kurzgeschichten): ***
Die Legende von Assarbad (Raddatz): **
Treibgut (Witzko): ***
3 Nächte in Fasar (Hennen): ****
Die Piraten des Südmeers (Alpers): *** + 1/2
Die Reise nach Salza (Kramer): ** + 1/2
Die Gabe der Amazone (Kiesow): *** + 1/2
Spuren im Schnee (Witzko): ****
Schlange und Schwert (Falkenhagen): ***
Der Spieler (Jentzsch): ***
Das Gesicht am Fenster (Hennen): *** + 1/2
Steppenwind (Gaul): ** + 1/2
Der Lichtvogel (von Wieser): ***
Die Rabenchronik (Falkenhagen): ****
Aus dunkler Tiefe (Büchner): ** + 1/2
Von Menschen und Monstern (Kurzgeschichten): *
Heldenschwur (Kerk): ** + 1/2
Das letzte Lied (Tödter): ***
Das Galgenschloß (Büchner): **
Tod eines Königs (Witzko): ***
Das Leben des Raidri Conchobair (von Wieser): ** + 1/2
Schatten aus dem Abgrund (Büchner): *
Seelenwanderer (Büchner): * + 1/2
Das magische Erbe (Scheja): ** + 1/2
Der Geisterwolf (Budinger): **
Und Altaia brannte (Evers): ****
Blutopfer (Büchner): ***
Das Zerbrochene Rad (Kiesow): ****
Die Nebelgeister (Falkenhagen): ***
Die beiden Herrscher (Witzko): *** + 1/2
Das Wirtshaus "Zum lachenden Henker" (Büchner): **
Die Königslarve (Witzko): ****
Die Nacht der Schlange (Hennen): ***
Geteiltes Herz (Frischhut): **
Erde und Eis (von Wieser): ***
Gassengeschichten (Kurzgeschichten): ***
Die Hand der Finsternis (Huiskes): ***
Zwergenmaske (Nöth): ***
Aranische Nächte (Kamaris/Raddatz): ** + 1/2
Koboldgeschenk (Tödter): **
Der letzte wird Inquisitor (von Voss): *** + 1/2
Druiden-Rache (Flatergeist): ***
Blakharons Fluch (Thon/Wichert): **
Westwärts, Geschuppte (Witzko): *** + 1/2
Das Greifenopfer (Finn): *** + 1/2
Die Mühle der Tränen (Lohmann): ***
Aufruhr in Aventurien (Kurzgeschichten): ** + 1/2
Im Schatten der Dämmerung (Baroli/Weinzheimer): * + 1/2
Sand und Blut (Wichert): ***
Der geheime Pfad (Huiskes): ***
Das Daimonicon (Tilmanns): ***
Blutsbande (Nöth): *** + 1/2
Fuchsfährten (Plischke): ** + 1/2
König der Diebe (Wiesler): ***

Rhiana-Reihe:
Der Flammenbund (Alpers): ** + 1/2
Das Artefakt (Wiesler): **
Das Geheimnis des Königs (Knor): *** + 1/2
Verschwörung in Havena (Alpers): ***

Bei Phoenix:
Unsterblicher Traum (Renau): ***
Blaues Licht (Knor): ***
Spielsteine der Götter (Wolf): *** + 1/2
Rabengeflüster (Jäcke/Wichert/Wolf): ***
Todeswanderer (Gees): ***
Roter Fluß (Knor): ***
Todgeweiht (Tilmanns): ***

Bleibt wieder einmal festzustellen, wie erfreulich das hohe Niveau ist, auf dem sich die Romane mittlerweile eingependelt haben. Wenn man sich die Heyne-Romane mal anschaut: Da konnten schon mal drei, vier wirklich schwache Bücher erscheinen - sowas gab es in den letzten Jahren kaum noch. Dafür ein großes Lob an FanPro!
Posted By: Schweige

Myranor - 17/05/05 11:43 AM

„Jetzt setz Dich hin und schreib!“
Ja! Gleich.
„Nicht gleich, sondern jetzt!“
O.K. Bin schon dabei.
„Wird auch Zeit. Du kannst Dich doch jetzt schon bloß noch an die Hälfte von dem erinnern, was Du gelesen hast! Wie willst Du da eine vernünftige Rezension schreiben?“
Schon gut! Ich hab Word gestartet und angefangen zu tippen. Scheiß Gewissen!
„Was würdest Du ohne mich machen? Aus dem Bett vor den Fernseher in die Kneipe ins Bett! Hä! Du wolltest doch ...“
Ja! Hast ja recht. Aber sei jetzt ruhig, sonst krieg ich den Faden nicht.
„...“
Gewissen?
„...mmpf.“
Schön, es scheint sich ruhig zu verhalten. Dann nehme ich den Faden also auf und ... kehre zurück nach Av...
... gehe nach MYRANOR!


WAS?!

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Rezension: Die drei Myranor Romane bei Fanpro
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Zwischen 2002 und 2004 hat Fanpro drei Romane in der neuen Myranor-Reihe veröffentlicht. Von den typischen DSA-Roman-Lesern weitgehend unbeachtet fristeten die Bücher eher ein Schattendasein.
Nach dem Fanpro 2004 die klassische Aventurien-Reihe endgültig von Heyne übernommen hat, hat man dann in einem kühnen Streich die Heyne- und Fanpro-Aventurien-Bücher mit den bei Fanpro erschienenen Armalion- und Myranor-Büchern zwangsvereint.
(Zur Erinnerung: Die Heyne-Reihe endet mit Band 73. Fanpro setzte die offizielle Nummerierung erst mit Band 86 – Markus Tillmanns „Todgeweiht“ – fort.)
Zumindest bei einem Leser hat der Trick funktioniert: Ich neige zwar nicht zur Sammelwut, aber wenn ich schon angefangen habe, dann will ich es auch vollständig ...

„Den Göttern versprochen“ von Charlotte Engmann

Der erste Besuch in Myranor – wenn man von Hadmar von Wiesers „Erde und Eis“ absieht – führt uns in die Metropole Balan Cantara. Die junge Heilerin Lycadia wird in die Intrigen um einen verbotenen Kult gezogen. Schon bald muss sie feststellen, dass sie selber im Mittelpunkt der Ereignisse steht. Hat es etwas mit ihrer Herkunft zu tun und wird sie es mit Hilfe ihrer Freunde schaffen, mit heiler Haut davon zu kommen?
Der Roman ist straff geschrieben, auf den knapp 230 Seiten finden sich kaum Längen, die Protagonisten sind sympathisch und interessant. Mir hat das Buch gefallen, Verständnisprobleme gab es auch ohne Quellenmaterial kaum. Punkt.

„Der Schandfleck“ von André Helfers

Rowin und Ilvi geraten nach einer geglückten Überfahrt von Aventurien ins Güldenland in die Sklaverei. Sie verlieben sich ineinander, werden getrennt und versuchen – mit neu gewonnenen Freunden – sich wieder zu finden und nach Osten zurück zu kehren.
Ein ideales Szenario für einen Erstbesuch in Myranor. Leider sind schon die aventurischen Protagonisten sehr klischeebeladen. Eine Verfolgungsjagt mit dem „Insektopter“ ist für den klassischen DAS-Leser eher skurril als spannend, außerdem wurden einige viel versprechende Konflikte eher banal gelöst.
Ein „Naja“-Buch.

„Thronräuber“ von Alexander Lohmann

Während ich Balan Cantara und Umgebung noch auf der Myranor-Karte in „Magische Zeiten“ finden konnte, habe ich keine Ahnung, wo Neanikis liegt. Doch zumindest ist auch dort nicht alles, wie es sein soll. Das merkt auch die Magierin Baliante, die nach zehr Jahren, eher unfreiwillig, in ihre Heimatstadt zurückkehrt. Sie wird in eine Rebellion hinein gezogen, in der sie letztendlich die Rolle spielen muss, für die sie bestimmt ist.
Hört man sich Plot und Pointe an, so erinnert es einen doch sehr stark an oben genanntes „Den Göttern versprochen“, doch weiter haben die Geschichten nichts gemeinsam. Und trotz der eigentlich interessanten Story, wollte bei mir – im Gegensatz zu „Den Göttern versprochen“ – der Funke nicht recht überspringen.

Allgemeines und Fazit:

Als Neuling in Myranor wundert man sich über die Vielzahl der Rassen (allein 3 verschiedene Katzenmenschen, Vogelmenschen, Chamäleonmenschen etc. usw. ...), die aber viel weniger Unterschiede und Schwierigkeiten miteinander zu haben scheinen, als die traditionellen Rassen Aventuriens. Viel eher werden hier Klischees verarbeitet: Katzenmenschen sind elegant und sinnlich, Löwenmenschen sind tapfere Krieger und Pardermenschen sind wilde Jäger. Die Konflikte innerhalb und zwischen den verschiedenen Rassen und Kirchen Aventuriens sind bei weiten vielfältiger und glaubwürdiger als die irgendwie aufgepappt wirkenden Tiermasken der Myranoraner.

Wenn Myranor – allein auf Grund seiner Größe, seiner (irdischen) Jugend und des Konzepts – eine vielfältigere, frischere und freiere Welt als das dicht besiedelte und von „Regelfetischisten“ beherrschte Aventurien bieten sollte, so lassen die Romane das Potential bisher weitgehend ungenutzt.
Aventurien mag zwar eng geworden sein, es besitzt aber nach 20 Jahren auch eine Tiefe, die im Land jenseits des Meeres der sieben Winde erst einmal erzählt, geschrieben und erspielt werden muss.
Ich wünsche dem Güldenland dazu alles gute und kehre zurück ... demnächst, mit den Rezensionen zu den drei Armalion-Romanen.

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„Na? War das jetzt so schwer?“
Nein.
„Aber ...“
Ja, Du hast ja recht. Hätte ich mich früher hingesetzt, wäre mir zu den Büchern sicher mehr eingefallen.
„Das kannst Du bei den Armalion-Romanen ja besser machen. Immerhin bist Du mit dem Zweiten schon fast durch. Wenn Du jetzt gleich ...“
Halt`s Maul! Ich hab auch noch anderes zu tun!
„Was wäre das?“
Ich streite mich mit einem nervigen Gewissen. Außerdem muss ich das alles noch korrekturlesen. Im Larian-Forum sollte man Tippfehler vermeiden, da kommen gleich blöde Kommentare ...
„He! Das willst Du doch nicht ernsthaft schreiben. Das ist ...“
Schon geschehen.

Posted By: AlphaZen

Re: Empfehlungen - 17/05/05 03:42 PM

Tja, bin grad irgendwo in der Mitte des dritten Abschnitts und muss sagen, dass sich der "Kauf" von "Das Jahr des Greifen" wirklich gelohnt hat. Hat echt ne tolle Story und gute Charaktere .

Was mir aber aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass sich allein im zweiten Abschnitt so viele Rechtschreibfehler befinden, wie nicht in allen DSA-Romanen, die ich sonst noch hab, zusammen. Sogar Namen wurden komplett vertauscht. Natürlich kann man nicht 100%ig alle Fehler ausmerzen, aber das doch so viele drin geblieben sind, ist schon ein wenig seltsam...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Myranor - 20/05/05 08:54 PM

*seufz* Ich wollte, ich könnte solche Dialoge schreiben ... *schnief*
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Myranor - 25/05/05 05:08 PM

Interview : 20 Jahre DSA


Posted By: Ralf

Re: Myranor - 08/06/05 05:49 PM

DUNKLE TIEFEN von Daniela Knor:
Tja, dummerweise kann ich nicht konkret auf den Inhalt dieses gelungenen Romans eingehen, da das potentiellen Lesern zuviel Spannung verderben würde. Was ich sagen kann: Erstmals schrieb Daniela Knor einen DSA-Roman, der in der aventurischen Gegenwart spielt - was sich allerdings inhaltlich kaum auswirkt, da fast die gesamte Handlung in einer abgelegenen Zwergenbinge stattfindet. Lediglich die Tatsache, daß einige der Zwerge an der Dritten Dämonenschlacht teilgenommen haben, erinnert einen (allerdings atmosphärisch gut eingebunden) an den Gegenwartsbezug. Nun, es geht um einen alten Kohleförderschacht, den die Zwerge finden und der ihnen Wohlstand verheißt - wenn nicht plötzlich unheimliche Dinge vor sich gehen würden. "Dunkle Tiefen" erinnert in vielerlei Hinsicht an die Moria-Passagen im "Herr der Ringe" - und da die immer mein Favorit in der gesamten Trilogie waren, ist das schon mal positiv. Daniela Knor zeigt erneut ihr herausragendes Talent dafür, in ihren Büchern eine beklemmende, unheimliche Atmosphäre zu schaffen, verbunden mit beinahe unmenschlicher Spannung. Ich habe schon lange kein Buch mehr so schnell durchgelesen wie dieses. Heute nacht um 3.20 Uhr war ich fertig ...
Wie gesagt, leider kann ich nicht wirklich auf konkrete Dinge eingehen, aber wie es Daniela Knor in den ersten gut 150 Seiten gelingt, die Spannung immer weiter ansteigen zu lassen, bis man es fast nicht aushält, ist wirklich bemerkenswert. Leider hat "Dunkle Tiefen" dann aber das gleiche Problem wie viele Horrorfilme: Sobald das Grauen erst einmal sichtbar wird, verliert es viel von seinem Schrecken. Ich war jedenfalls durchaus etwas enttäuscht über die Natur des Unheils, das über die Zwergenbinge hereinbricht.
Dazu kommt, daß man in den letzten 100 Seiten des 280 Seiten dicken Werkes auch merkt, daß die eigentliche Story relativ dünn ist - was sich unter anderem in einem für meinen Geschmack deutlich zu langen finalen Kampf ausdrückt. Weiterhin hat Daniela Knor einige angedeutete Handlungsstränge, die sehr interessant wären, nicht weiter ausgeführt (z.B. einen, der die Hintergründe der Geschichte hätte näher erklären können, ähnlich wie im "Herr der Ringe" die Passage in Durins Grab) und auch das relativ plötzliche Ende konnte mich nicht ganz befriedigen. Ich weiß nicht, ob die Autorin unter Zeitdruck stand oder ob sie gar nicht vorhatte, das alles weiter auszuführen, jedenfalls finde ich es schade.
Dennoch soll das jetzt keinesfalls zu negativ klingen. Die zweite Hälfte des Romans ist IMHO im Vergleich zur grandiosen ersten Hälfte enttäuschend, für sich genommen aber immer noch gut. Neben der sensationell dichten Atmosphäre können vor allem die vielen Details über das Leben der Zwerge in ihrer Binge überzeugen, die die Geschichte noch realistischer wirken lassen.
Die ersten etwa 160 Seiten erhalten von mir fraglos eine 1+. Das ist mit das Beste, was in der DSA-Reihe jemals geschrieben wurde!
Die restlichen gut 100 Seiten bekommen eine knappe 2.
Gesamtnote: 1-.

Daniela Knor beweist damit erneut, daß sie bereits eine sehr gute Autorin ist, die aber sogar noch Potential zu deutlich mehr hat. Glücklicherweise wird sie auch den nächsten Band der "Rhiana"-Reihe schreiben und eine Thorwaler-Reihe ist auch schon in Planung, wir können uns also auf qualitativ hochwertigen DSA-Nachschub freuen.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Myranor oder nicht Myranor ... - 29/06/05 05:48 PM

Die Klausengeschichten jetzt auch als PDF !
Posted By: Schweige

DSA-Kurzgeschichtenwettbewerb - 17/07/05 09:10 AM

Die Sieger des aktuellen DSA-Kurzgeschichtenwettbewerbs stehen fest:

News bei "Das Manuskript"

Posted By: AlrikFassbauer

Re: DSA-Kurzgeschichtenwettbewerb - 19/07/05 09:44 AM

Ferinstein-Saga I & II

Posted By: Schweige

Rezi: Dunkle Tiefen - 01/08/05 08:33 AM

Es hat lange gedauert. Eigentlich wollte ich schon lange die drei „Armalion“-Romane abhandeln. Doch leider bin ich bei der „Kompamie der Verdammten“ auf Seite 80 hängen geblieben ... nicht dass das Buch richtig schlecht wäre, aber es „läuft mir einfach nicht rein.“
Die anderen Beiden: „Das Dämonenschiff“ und „Der Tag des Zorns“ sind lesenswert ... ich hoffe, ich hole die Rezis gelegentlich nach.
Nach dem ich vor kurzem im meiner Heimatstadt eine Buchhandlung mit Fanpro-Avenurien-Romanen entdeckt habe, habe ich aber jetzt zugeschlagen und mir Band 87 geholt. Hatte bisher einfach keine Lust, für 9 Euro plus Versandkosten zu bestellen ...
Also:


„Dunkle Tiefen“ von Daniella Knor

Ein zweites Mal – nach „Tag des Zorns“ - nimmt uns die aktuelle Aventurien-Chef-Erzählerin in die „Dunkle Tiefen“ einer Zwergenbinge mit. Eine kleine, unbedeutende Siedlung der Angroschim ist es dieses Mal; und zur aventurischen Jetzt-Zeit. Doch Unheil und Abenteuer sind nah, und wie Tolkien schon im Herr der Ringe schreib: „Sie gruben zu tief und weckten namenloses Grauen“. Hier ist es ein alter Kohleförderschacht, auf den die Zwerge stoßen, der anstatt des wertvollen Rohstoffs tödliche Gefahr für die Siedlung bringt.
Held der Geschichte ist der junge Ortosch. Aus einer Familie von Kriegern stammend, scheint er zu nichts zu gebrauchen. Weder für das Handwerk seiner Väter, noch das des Schmiedes scheint er begabt genug und so ist er zum belächelten, gar verachteten Außenseiter geworden. Trotzdem wird es an ihm liegen, seine ganze Sippe vor der Vernichtung zu bewahren.
Daniella Knor behält ihren vertrauten soliden Stil bei, erzählt spannend bis zum Schluss, man mag das Buch gar nicht mehr weg legen, so sehr packt einen das Schicksal von „Mirschags Sippe“.
Doch leider lässt mich das Buch etwas unzufrieden zurück. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Autorin stärker auf Ortosch konzentriert, seinen Weg und Werdegang begleitet, so hätte das Buch – im Rahmen der abenteuerlichen „Horrorstory“ - zu einem bewegenden „Entwicklungsroman“ werden können. Doch statt dessen springt sie in der Erzählperspektive von Person zu Person, wirft immer mehr Namen in den Raum, die zudem in meinen „irdischen“ Ohren oft recht ähnlich klingen, so dass ich unablässig in dem – netterweise vorne im Buch abgedruckten – Stammbaum nachschlagen muss. Oftmals völlig überflüssig, da viele dieser Sippenmitglieder nur kurz auftauchen. Von der Persönlichkeit her bleiben sie im Dunkeln, bekommen ihren Namen, um kurz darauf etwas anderes zu verlieren, nämlich ihr Leben.
Der „Showdown“ ist extrem lang, bleibt aber dennoch spannend. Ich hätte mir stattdessen mehr „erlebte“ Informationen über die Ursache des Unheils gewünscht, anstatt dies am Schluss noch kurz erklärt zu bekommen. Auch die Person des Greifax hätte mehr Raum verdient.
Alles im allem ein spannender, solider Roman und zugleich eine vergebene Chance eine wirklich große Geschichte über einen „kleinen“ Angroscho zu schreiben. Denn eines muss ich sagen: Ich würde Ortosch gerne wiederlesen. Wie wird es ihm ergehen? Wird er zu seiner (Spoiler) zurück kehren? Wird es noch was mit ihm und (Spoiler)?
Daniella: Bitte!

Posted By: Kunar

Körpertauscher - 15/09/05 09:59 PM

Meine Schwester hat mir zwei DSA-Bücher geschenkt, die sie aus ihrer Sammlung aussortiert hat. Obwohl es sich daher um bereits vor einiger Zeit erschienene Titel handelt, möchte ich die Gelegenheit nutzen und diesen Faden um eine weitere Rezension bereichern (das andere Buch habe ich noch nicht durch).

Bei Barbara Büchners "Seelenwanderer" handelt es sich offenbar um den Nachfolger von "Schatten aus dem Abgrund", welches ich nicht kenne. Da die dort geschehenen Ereignisse, soweit sie eine Rolle spielen, erwähnt werden, spielt das auch keine große Rolle.

Baron Ofrim von Roswylde, genannt "Mawr Bian" (Seidenhaar), und seine Schwester Morla leben als Hexen in Aranien. Aufgrund ihrer elfischen Urgroßmutter Amárandel erfreuen sie sich einer solchen Langlebigkeit, daß sie seit 80 Jahren jedes Jahr zur gleichen Zeit an einem alten Turm, der noch aus der Epoche der Echsenherrschaft stammt, ein seltsames Ritual durchführen, dessen Sinn sie selbst nicht ganz verstehen.

Doch in diesem Jahr ist etwas anders, denn der Schwarze Baron hat seltsame Träume von einem ekligen Echsenkult, seit ihn Kunrad von Marmelund, ebenfalls Baron und eifriger Praios-Inquisitor, folterte. Von Marmelund gilt selbst unter den strengen Praiosoberen als fanatisch, eine Meinung, die sein Helfer Zachaban Malle, Mitglied des nicht besonders zimperlichen Laienordens der Bannstrahler, bestätigt. Überall wittert sein Herr das Machwerk der Echsen bzw. Hexen, welche er als Nachfolger der geschuppten Götzenanbeter ansieht. Die neueste Spur führt die beiden in die Mangrovensümpfe bei Selem. Dort sollen Hinweise zu finden sein auf einen die Dämonin Asfaloth anbetenden Echsenpriester, welcher mit Hilfe eines blutigen Rituals in die Körper anderer Personen schlüpfen und so die Jahrhunderte überdauern kann.

Da das wohl kaum im Sinne des Zwölfgötterglaubens sein kann, tauchen im Verlauf der Geschichte noch zwei Boronpriester samt Golgariten auf. Die einzelnen Puzzlesteine fügen sich denn auch recht schnell zu einem bedrohlichen Ganzen zusammen und der Endkampf kann beginnen.

Helden verschiedener Glaubensrichtungen begegnen sich, um einen gemeinsamen, eindeutig bösen Feind zu bekämpfen - da hätte man einiges draus machen können. Leider weiß die Autorin mit der recht interessanten Konstellation nicht viel anzufangen.

So muß denn an zwei Stellen ein göttliches Wunder herhalten, um ansonsten drohende Handlungssackgassen ("Wie kommen die Protagonisten da wieder raus?") aufzulösen. Es spricht nichts dagegen, auf völlig unrealistische Kampfszenen ("der Held plättet mal eben 50 Echsen und geht dann nach Hause"), zu verzichten, aber die Alternative, ständig solche Eingriffe auf Spannungshöhepunkten einzubauen, ist nicht viel besser.

Zudem verhaspelt sich Büchner mit der erzählten Zeit: Da ist zwar schon Rahja, aber an späterer Stelle wird erwähnt, für Ingerimm sei es ungewöhnlich kühl. Geht man zudem davon aus, daß keine zeitlichen Sprünge stattfinden, paßt die Einteilung ein weiteres Mal nicht: Am Anfang sind es die letzten Tage des Ingerimm, dann kommt der Inquisitor nach Selem, bricht zwei Wochen später auf, und danach vollziehen die Hexen das Ritual am letzten Ingerimm. Wie das passieren konnte, obwohl doch löblicherweise nicht ständig zig verschiedene Erzählstränge durcheinander geworfen werden, bleibt mir schleierhaft.

Mehrere wichtige Fragen werden nicht geklärt: Spoiler : Wer führte den Mord in Selem aus? Wie konnte eine letzte Unterhaltung zwischen von Marmelund und Malle stattfinden, obwohl beide in verschiedene Richtungen davongetragen wurden? Was ist mit der Dämonin Ych'thszz, die ja angeblich ebenfalls in dem Turm wohnte? Wieso lehrte man die Hexen überhaupt ein solches Ritual, wenn dabei doch nur Böses herauskommen kann?

Als ob es nicht bereits genug Seltsame in den Sümpfen gäbe, tauchen drei verschiedene Rassen auf (abartig gekreuzte oder mutierte wohlgemerkt, also keine Achaz, Marus oder Krakonier). Das inzestuöse Verhältnis der beiden Geschwister wird nicht etwa verurteilt, sondern damit begründet, daß es ja keinen anderen möglichen Langzeitpartner gebe. Gleichzeitig nutzt der Baron mehrere Generationen lang die jeweiligen Dorfschönheiten für Bettgeschichten.

Obwohl es schön ist, wenn Erzählungen nicht abrupt enden, fällt diesmal das Endgeplänkel relativ lang aus. Das Ende wird bewußt offen gelassen, so daß die Geschichte hier zuende sein kann - aber auch noch genügend (z.T. sogar erst nach dem Finale eingeführte) Nebenpersonen bleiben, um Stoff für einen dritten Teil abzugeben.

Der von besseren DSA-Büchern verwöhnte Leser wird das Fehlen des Personenverzeichnisses ebenso bemerken wie die Unvollständigkeit der Liste mit den Fachbegriffen. Die vorne im Buch abgedruckte Karte zeigt zudem vor allem Maraskan, welches nur erwähnt wird, während Roswylde und Selem, zwei wesentliche Orte der Handlung, nicht aufgeführt sind.

Ein Details, welches mir recht gut gefallen hat: Die Beschreibung von Calijnaars Reich, den Motiven sowie den Auswirkungen eines Dämonenpaktes sind fast wortwörtlich aus dem Mysteria Arkana (Regelwerk der 3. Edition) übernommen und auch so in "Mit Geistermacht & Sphärenkraft" (4. Regeledition) erschienen.

Der "Seelenwanderer" enthält manche gute Idee und mehrere interessante Charaktere (gerade bei den Nebenfiguren), erzeugt an vielen Stellen allerdings den Eindruck, als wäre hier noch nicht genug Feinschliff vorgenommen worden. Es gibt zwar viele deutlich schlechtere Fantasy-Literatur; im Vergleich zu anderen DSA-Romanen, die ich schon gelesen habe, fällt dieser Band jedoch ab. Das zweite Buch, welches ich von meiner Schwester erhalten habe, soll deutlich besser sein. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt berichten, ob ich dies bestätigen kann. Den Titel verrate ich an dieser Stelle noch nicht!
Posted By: Ralf

Re: Körpertauscher - 16/09/05 11:51 AM

Daß ich mich an den Inhalt dieses Buches gar nicht mehr erinnern kann, sollte ja schon aussagekräftig genug sein (obwohl ich ihre Bücher nicht mal ganz so schrecklich fand wie die meisten DSA-Fans; ein paar waren immerhin durchschnittlich und eines - ich glaube, es war "Blutopfer" - hätte sogar richtig gut werden können, wenn die Autorin am Ende nicht wieder zuviel Angst vor der eigenen Courage bekommen hätte ...). Aber sei froh, daß du "Schatten aus dem Abgrund" nicht gelesen hast, das ist nämlich eines der ganz wenigen DSA-Bücher (ich denke, es waren insgesamt drei), dem ich die Niedrigstnote gegeben habe ...
Ich bin jedenfalls wirklich froh, daß die Ära Büchner bei DSA seit längerem vorbei ist, denn zu jener Zeit erschienen überhaupt so viele mittelmäßige bis schlechten DSA-Romane, daß man befürchten mußte, die ganze Reihe würde den Bach runtergehen.
Glücklicherweise sieht es mittlerweile ja wieder deutlich besser aus!
Posted By: AlphaZen

Re: Körpertauscher - 19/09/05 01:30 PM

Wie sieht das momentan eigentlich aus?

Ich seh mich schon seit längerem in diversen Geschäften nach neuen Romanen um, finde aber so gut wie nichts, selbst in Comic-Shops, die ja meistens auch solche Sachen drin haben. Nur letztens in nem Leipziger Bahnhofsbücherladen hab ich was relativ neues gesehen.

Wird überhaupt noch regelmäßig was veröffentlicht?
Posted By: Schweige

Re: Körpertauscher - 19/09/05 05:02 PM

Nun, von den alten Heyne DSA-Romanen sind ja bis zu zehn im Jahr erschienen. Fanpro selber hält sich da stark zurück.

Hier die aktuelle Liste der Fanpro-DSA-Romane:

DSA 89 DSA-Roman: Goldener Wolf (Januar 2006) 11010 9.00
DSA 88 DSA-Roman: Maraskengift (Oktober) 11012 9.00
DSA 87 DSA-Roman Nr. 87: Dunkle Tiefen 11009 9.00
DSA 86 DSA-Roman Nr. 86: Todgeweiht 11008 9.00
DSA 85 DSA-Roman Nr. 85: Roter Fluss 11004 9.00
DSA 84 DSA-Roman Nr. 84: Todeswanderer 11007 9.00
DSA 83 DSA-Roman Nr. 83: Thronräuber 11002 9.00
DSA 82 DSA-Roman Nr. 82: Rabengeflüster 11003 9.00
DSA 81 DSA-Roman Nr. 81: Spielsteine der Götter11001 9.00
DSA 80 DSA-Roman Nr. 80: Blaues Licht 10589 10.00
DSA 79 DSA-Roman Nr. 79: Unsterblicher Traum 10588 8.50
DSA 78 DSA-Roman Nr. 78: Den Göttern Versprochen 10579 8.00
DSA 77 DSA-Roman Nr. 77: Der Schandfleck 10582 7.50
DSA 76 DSA-Roman Nr. 76: Der Tag des Zorns 10573 8.50
DSA 75 DSA-Roman Nr. 75: Kompanie der Verdammten 10562 7.50
DSA 74 DSA-Roman Nr. 74: Das Dämonenschiff 10568 9.15
DSA 62 DSA-Roman Nr. 62: Das Greifenopfer 11011 9.00
DSA 56 DSA - Roman Nr. 56: Das Zerbrochene Rad: Dämmerung 11013 9.00
DSA-S 1 DSA-Jubiläumsband: Magische Zeiten 11006 15.00

DSA62 und DSA56 sind Wiederveröffentlichungen der alten Heye Bücher ...

Des weiteren gibt es bei Piper noch die Rhiana Reihe, wann da der fünfte Band erscheint weiß ich jetzt gerade nicht.

Ach ja ... und - im Gegensatz zu den Heyne Büchern - scheint man die fanpro-Bücher seltener im Bahnhofsbuchhandel zu finden ... in "normalen" Buchläden fand/findet man sie eh kaum. Aber in meiner Heimatstadt hab ich jetzt einen Buchlanden gefunden, der sie hat ... freu ...
Posted By: Ralf

Re: Körpertauscher - 20/09/05 11:51 AM

"Maraskengift" von Markus Tillmanns befindet sich bereits im Druck, wird also pünktlich erscheinen.
Danach soll laut alveran.org Ende Oktober der nächste Rhiana-Roman "Klingenschwestern" von Daniela Knor erscheinen.
"Goldener Wolf" ist da auch bereits für Ende November terminiert.
Weiterhin sind demnach zwei Reihen in Planung, eine - ebenfalls von Daniela Knor - über "Die Hjaldinger-Saga" und eine Galotta-Biografie (auf die ich schon sehr gespannt bin) von Kathrin Ludwig und Mark Wachholz.
Da können aber gut noch andere Romane vorher erscheinen.

Eigentlich fand ich die DSA-Pause gar nicht schlecht. Dadurch konnte ich immerhin drei "Gezeitenwelt"-Romane und einige ältere Bücher von Terry Pratchett, die schon länger auf meinem Schreibtisch warteten, lesen ...

P.S.: Außer bei den Rhiana-Romanen kenne ich überhaupt keinen Laden in meiner Gegend, der noch DSA-Romane verkauft. Die bekomme ich nur noch über amazon.de, was ich schon deshalb etwas ärgerlich finde, weil die die Dinger regelmäßig erst ca. zwei Wochen nach der Veröffentlich zu erhalten scheinen.
Posted By: AlphaZen

Re: allgemein - 20/09/05 03:39 PM

Naja, aber wenn ein Buchladen sie schon nicht in den Regalen hat, bestellen kann man die dort doch eigentlich ja trotzdem. Und ich habe bis jetzt immer die Erfahrung gemacht, dass die dann am nächsten, spätestens aber am zweiten Tag nach der Bestellung auch da waren.
Posted By: Kunar

Drachenseele - 21/09/05 02:06 AM

Es folgt - wie versprochen - die Rezension des zweiten DSA-Buches, welches ich kürzlich von meiner Schwester geschenkt bekommen habe. Es handelt sich um den Roman "Zwergenmaske" von Martina Nöth.

Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Söldnern wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Nachdem einige von ihnen auf äußerst unangenehme Weise das Zeitliche gesegnet haben, schließen sich die Verbliebenen zusammen, um gegen einen unbekannten und übermächtigen Gegner zu bestehen.

Warum dieser es auf sie abgesehen hat und blutige Rache nehmen will, bleibt ihnen zunächst völlig schleierhaft. Denn alle haben ein reines Gewissen, was den gemeinsamen, längst vergangenen Auftrag betrifft, der das verbindende Element zwischen den Betroffenen darstellt: Jeder von ihnen war vor sieben Jahren an der Beschaffung eines steinernen Artefaktes beteiligt. Der genaue Auftraggeber blieb zwar unbekannt; als Mittelsmann trat jedoch ein befreundeter, vertrauenswürdiger Magier auf. Jeder tat seinen Teil der Arbeit, das Geschäft wurde erfolgreich erledigt und daher die vorher vereinbarte hohe Prämie gezahlt. Warum sollte also urplötzlich jemand die ehemaligen Boten mit dieser alten Sache behelligen?

Söldner, welche normalerweise gegen Geld anderen sicheres Geleit geben, müssen sich auf einmal selbst schützen. Die im bisherigen Berufsleben so erfolgreich angewandten Techniken wie Waffengeschick, Magie oder Kunst der Intrige versagen offenbar jämmerlich, wenn es um die eigene Haut geht. Die Grundidee mag nicht völlig neu sein, wurde aber hier interessant umgesetzt.

Die unbekannte Bedrohung sorgt für Spannung, durch die grausam Dahingemeuchelten kommt ein wenig Horror hinzu. Gleichzeitig schafft es Martina Sofie Nöth, traurige wie komische Szenen in die Erzählung einzuflechten. Dazu fügen sich mehrere Lieder passend zur Situation in die Geschichte ein.

Die Charaktere sind bis hin zu den Nebenfiguren interessant gestaltet und machen neben dem gelungenen Spiel mit den verschiedenen Stimmungen den wesentlichen Reiz des Buches aus. Die verschiedenen Ansichten der Helden (Pflichtbewußtsein, Vergnügungssucht, Launenhaftigkeit und schließlich das für Menschen völlig fremde elfische Weltbild) sorgen allein schon für genügend Konflikte unter den Protagonisten. Wenn an mehreren Stellen die gleiche Szene aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Personen geschildert wird, befindet sich die Autorin offensichtlich in ihrem Element. Für einige Überraschungen und Wendungen bleibt ebenfalls noch Platz.

Schon die eigentlich gar nicht so lange und wichtige Reise nimmt viel Platz ein, während der Hauptplot erst recht spät aufgelöst wird; und das mit Helden, die sich zwar irgendwie mögen, aber gleichzeitig ständig an ihren völlig anders gearteten Wesenszügen reiben und daher ein paar herbe Sprüche um die Ohren hauen. Mit anderen Worten: Ganz wie in einem DSA-Abenteuer! Wer wie ich selbst mal Mitglied in einer Rollenspielrunde war, wird sich über die authentische Atmosphäre freuen, welche Aventurien so lebendig macht.

Der Bardin Amber verleiht übrigens im richtigen Leben niemand anderes als Martina Nöth selbst ihre Stimme. Unter dem Namen "Amber und ihre Gefährten" hat sie bisher zwei CDs, "Bardensang" und "Rabenflug", veröffentlicht. Das im Buch abgedruckte Lied über den Dunkelforst befindet sich auf der ersten CD; die anderen Stücke habe ich nicht entdeckt. Vor diesem Hintergrund gefällt es mir besonders, wie sie ihre eigene Figur einbaut, ohne daß diese sich in den Vordergrund drängelt oder den eigentlichen Helden die Schau stiehlt. Es bleibt bei einem gelungenen Gastauftritt.

Einzig zwei marginale Kritikpunkte fallen mir ein: Die vier Himmelsrichtungen (Firun = Norden, Rahja = Osten, Praios = Süden, Efferd = Westen) werden nicht im ansonsten wie üblich guten Anhang erläutert und das Titelbild paßt mal wieder überhaupt nicht zur Geschichte. Letzteres ist ja schon fast chronisch bei DSA-Büchern.

"Zwergenmaske" stellt für mich nicht nur ein gutes Fantasy-Buch dar, sondern zeigt auch, was einen stimmungsvollen DSA-Roman ausmacht. Einzig Platzgründe können als Erklärung dafür dienen, warum meine Schwester das Buch nicht mehr haben wollte.

P.S.:
Ich freue mich immer wieder, wenn ich die Bedeutung von zunächst scheinbar unwichtigen Details sofort erkenne:
Spoiler : Die Eule kam mir gleich verdächtig vor!

Besonders schön fand ich auch:
Spoiler : Als die Bardin gerade im richtigen Moment den Traum mit dem entscheidenden Hinweis hatte und die Helden darauf drängte, dieser durch den Felsen auf einmal sehr konkreten Spur nachzugehen, dachte ich mir zunächst: "Schade, da ist der Autorin an dieser Stelle offenbar keine bessere Idee gekommen, um die Helden weiter voranzubringen. So mußte eine Handlungsverrenkung herhalten, die doch sehr künstlich und handwerklich wie ein billiger Trick wirkt." Als sich am Ende herausstellte, daß alles keineswegs ein Zufall war, habe ich mich umso mehr gefreut.

Was mich oft bei anderen Büchern stört, sind Schilderungen von Träumen, die nur vage erläutert werden und damit ziemlich diffus bleiben. Hier wird die Drachenvision recht zeitnah aufgelöst. Auch die allererste Szene, eine andere beliebte Stelle für Unklarheiten, wird vollständig geklärt. Schön fand ich ebenfalls, daß die Ringgeschichte und das Versprechen am Ende wieder aufgegriffen werden.

Posted By: AlphaZen

Re: Drachenseele - 21/09/05 11:11 AM

Und genau wegen dem, was du da oben geschrieben hast, ist "Zwergenmaske" auch mein Lieblingsbuch unter denen, die ich bis jetzt aus der DSA-Reihe hab. Habs schon drei- oder viemal gelesen und es ist immer wieder spannend.

Nur den Schluss find ich ein klein wenig überstürzt, da hätte sich Frau Nöth mehr Zeit lassen und etwas ausführlicher sein können. Aber sonst kann ich nicht meckern.
Posted By: Ralf

Re: Drachenseele - 21/09/05 01:14 PM

Das empfand ich ganz ähnlich. Die gute Martina könnte ruhig auch mal wieder einen DSA-Roman schreiben (auch wenn ich den Zweiteiler, den sie vor zwei oder drei Jahren geschrieben hat, etwas schwächer fand).
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Drachenseele - 21/09/05 04:38 PM

Was ist denn eigentlich die Zwergenmaske ?

Posted By: Ralf

Re: Drachenseele - 22/09/05 08:51 AM

Lies das Buch!
Posted By: Schweige

DSA-Kurzgeschichtensammlung - 25/09/05 04:54 PM

Ganz unscheinbar im Fanpro-Shop unter "angekündigte Artikel" entdeckt:
Die neue DSA-Kurzgeschichtensammlung wird wohl "Unter Aves Schwingen" heißen und im Dezember oder Januar erscheinen.
Posted By: Ralf

Re: DSA-Kurzgeschichtensammlung - 27/09/05 03:30 PM

Bei alveran.org haben sie die Liste der künftigen Erscheinungen aktualisiert: Demnach erscheint "Klingenschwestern" statt im Oktober im November, während es bei "Goldener Wolf" mittlerweile schlicht "2006" heißt. Kann also wohl noch dauern.
"Unter Aves Schwingen" ist hier für Januar terminiert.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: DSA-Kurzgeschichtensammlung - 27/09/05 07:56 PM

Terminator, wie ?

Posted By: AlrikFassbauer

Re: DSA-Kurzgeschichtensammlung - 30/09/05 10:58 AM

Splitter zum Jahr des Greifen :

In Antwort auf:

Original von Irian
In Antwort auf:

Original von Tankred
Elmore hat die Cover zu Jahr des Greifen gezeichnet; was wohl auch eindeutig zu erkennen ist, wenn man Elmores Stil kennt...



Wobei Bernhard mal erzählt hat, dass das Cover zuerst da war und er dann erst passende Szenen dazu geschrieben hat. Auch ne Methode!




Posted By: Schweige

Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns - 10/11/05 11:23 AM

Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns

Nach dem er alles verloren hat, bekommt Brindiji(a)n, der Beni Bornrech auf, den Auftrag, eine geheime Botschaft ins Schwarz-Maraskanische Jergan zu bringen. Er schließt sich einer Reisegruppe an. Mit sieben Reisegefährten geht es in den Dschungel. Schon bald ist klar, dass nicht alle wieder herauskommen werden.

Der Plot, eigentlich eine simple Reisegeschichte, wird in sechzehn Kapiteln abwechselnd von zwei Rur-und-Gror Priestern erzählt, die sich nicht nur über den Namen des Helden uneins sind. Dieser Trick der “erzählten Erzählung” erlaubt dem Autor noch weitere Kniffe, wie Voraussagen, nachgeschobene Ergänzungen und Erläuterungen des Erzählers. Diese unorthodoxe Vorgehensweise birgt natürlich Gefahren, doch – um es vorweg zu nehmen – Markus Tillmanns schafft es hervorragend, eventuelle Klippen zu umschiffen.
Die Geschichte ist nicht unbedingt komisch, doch humorvoll geschrieben, immer mit einem Augenzwinkern, schwarzhumorig skurril. Und: Sie bleibt bis zum Schluss spannend.

Ich möchte hier nichts weiter von der – zugegebenermaßen – dünnen Story erzählen. Nur drei Sachen: Bald nach dem betreten des Dschungels begann es mich als Leser vor lauter Geziefer zu jucken – und ich bin weder empfindlich, noch arachnophob. Die Auflösung des Rätsels ist maraskanischen Zahlenlogik in einer Sherlock Holmes Variation. Und die Schlusspointe ist gelungen.
Bevor ich mich aber in völliger Lobhudelei ergehe, zwei “Meckerpunkte”: Der Held wirkt in langen Passagen unnötig unbeholfen und naiv, was dem Bild, das er zu Beginn und am Ende der Geschichte abgibt wiederspricht. Und, etwa im dritten Viertel wird das ewige durch den Dschungel Gelatsche etwas ermüdend, hier hätte man bei immerhin 350 Seiten etwas kürzen können.

Markus Tillmanns dritter Roman, nach dem – für meinen Geschmack – schwachen “Daimonicon” und dem, bis auf den wirren Schluss, gelungenen “Todgeweiht”, hat mir sehr viel Lesevergnügen bereitet.
Ich vermute, dass die Form der Erzählung stark polarisieren wird, einige den Roman für schlichtweg sch... halten werden. Andere werden ihn lieben, und nicht nur Rollenspieler, die auf das “Maraskan-Szenario” stehen.
Auch Leute, die nicht in Aventurien zuhause sind, sollten damit klarkommen, die kurze Einleitung “Brief eines darpatischen Söldners an seine Geliebte”, sollte genug Hintergrundwissen vermitteln – wirklich beurteilen kann ich das nach etwa 90 DSA-Romanen wohl nicht mehr. Zu wünschen wäre es ihm, bietet das Buch doch einige Stunden Lektüre – ohne Schenkelklatschen, aber mit Dauergrinsen.

Daumen hoch.
Posted By: Ralf

Re: Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns - 12/11/05 01:52 PM

MARASKENGIFT von Markus Tillmanns:

Tja, mein lieber Schweige, so einig wir uns sonst auch meistens sein mögen - bei Markus Tillmanns scheinen sich unsere Geister doch zu scheiden ...
Tillmanns´ erste Romane "Das Daimonicon" und "Todgeweiht" haben mir beide gut gefallen. Seine Fähigkeiten wurden darin schon klar ersichtlich: Er hat einen gut lesbaren, flüssigen Schreibstil, einen erfrischenden Humor und vor allem die Fähigkeit, eine unheimlich spannende, gruselige Atmosphäre aufzubauen!
Ebenso offensichtlich wurde aber auch seine große Schwäche: Daß er nämlich bislang nicht wirklich in der Lage ist, eine durchgehend überzeugende, stringente Handlung zu ersinnen. Das hatte auch zur Folge, daß ich beiden Romanen über weite Strecken begeistert war, aber je näher das Ende kam, desto enttäuschender wurde die Story und ihre Auflösung - und gerade der Schluß bleibt dem Leser natürlich besonders im Gedächtnis.

Nun, eines muß ich Tillmanns lassen: In "Maraskengift" hält er das Niveau der Geschichte bis zum Ende auf annähernd gleichbleibendem Level - nur ist das leider nicht allzu hoch ...
Zur Handlung hat Schweige ja schon etwas erzählt, deshalb erspare ich mir das.
Jedenfalls war ich sehr frohgemut an das Buch herangegangen, zumal es Tillmanns gelungen ist, selbst Pflichtaufgaben wie das Glossar oder die Dramatis Personae mit humorigen Sprüchen aufzulockern und lesenswert zu gestalten. Und der Kniff mit den beiden Erzählern, die die Geschichte etwas anders im Gedächtnis haben - sehr vielversprechend!
Leider kam schon bald die Ernüchterung. Die Idee mit den Erzählern ist zwar grundsätzlich gut - in der Art ihrer Ausführung aber über weite Strecken komplett überflüssig. Die veränderten Details beschränken sich auf Dinge, die für die Geschichte fast grundsätzlich unwichtig sind und die je nach Kapitel veränderten Namen bzw. Geschlechter der Figuren verwirren letztlich eher - was zugegebenermaßen auch daran liegt, daß gerade der Name des Protagonisen Brindijin bzw. Brindijian immer wieder vom Autor (bzw. dem Lektor) selbst verwechselt wird!
Zwar halte ich FanPro zugute, daß die aktuellen DSA-Romane wesentlich weniger Tippfehler u.ä. enthalten als die ersten, aber dafür wirken die verbleibenden gerade in solchen Situationen natürlich umso nerviger ...
Aber letztlich ist diese Erzählstruktur in meinen Augen zwar überflüssig bzw. ihr Potential verschenkt, aber das schadet dem Buch eigentlich noch nicht.
Schlimmer ist, daß ich "Maraskengift" weder so amüsant noch so spannend wie die Vorgänger fand! Die dämonischen Perversionen von Schwarzmaraskan sind zwar glaubhaft rübergebracht (auch wenn die Beschreibung manchmal sehr oberflächlich bleibt, v.a. beim Monster in der Höhle), aber irgendwie habe ich die Raffinesse vermißt, die Tillmanns im "Daimonicon" und in "Todgeweiht" ausgezeichnet hat.
UND ich fand die Hauptfigur Brindijin/Brindijian nicht nur etwas naiv - in vielen Situationen war sie schlichtweg so dämlich, daß es mir fast schon körperliche Schmerzen bereitet hat ...
Und schließlich, wie üblich, das Finale. Daß die Auflösung letztlich in einem seitenlangen Monolog á la Hercule Poirot besteht, wo alle Details zusammengeführt werden, mag ja manchem Gefallen. Aber ich finde so etwas eher nervig, zumal dann, wenn die Auflösung zwar durchaus logisch ist - aber für den Leser alleine schlicht und ergreifend nicht zu finden ist! Das ist eine Gängelung des Lesers, die in Krimis zwar nicht selten ist, ich aber einfach absolut nicht abkann, sorry.
Davon abgesehen werden mir in diesem Finale auch zu viele Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet.

Aber immer mit der Ruhe! Das waren jetzt viele Kritikpunkte, doch SO schlecht ist das Buch nun beileibe auch wieder nicht.
In der Tat sind Tillmanns´ Fähigkeiten ja nicht einfach verschwunden. "Maraskengift" IST durchaus amüsant und auch spannend - nur halt nicht in dem Ausmaß wie in seinen vorangegangenen Romanen (zumindest aus meiner Sicht - Schweige scheint das ja etwas anders zu sehen ).

Aber das mit Abstand größte Verdienst von Markus Tillmanns ist es definitiv, daß er hier einen wahrhaft aventurischen Roman vorgelegt hat! "Maraskengift" strotzt nur so vor aventurischen und natürlich speziell maraskanischen Details, daß es für einen DSA-Fan eine wahre Freude ist (das fand ich übrigens auch am besten an der ansonsten arg konstruierten Auflösung). Witzig auch, daß das Buch Karl-Heinz Witzko gewidmet ist, dessen beliebte Romanfigur Scheijian sogar einen kleinen Gastauftritt hat.

Fazit: Meiner Meinung nach ist "Maraskengift" Markus Tillmanns´ bislang schwächstes Buch. Ich vermute fast, er hat sich vielleicht so sehr darauf konzentriert, seine große Schwäche (die fehlende Konstanz des qualitativen Niveaus der Geschichte) auszumerzen (was ihm recht gut gelungen ist), daß er dabei seine großen Stärken (Humor und Spannung) etwas vernachlässigt hat.
Deshalb hat er nach zwei IMHO guten Büchern mit Schwächen nun ein sehr durchschnittliches Buch geschrieben, das weder positiv (abgesehen vom aventurischen Detailreichtum) noch negativ sonderlich aus der Masse herausragt. Aufgrund meiner persönlichen Abneigung gegen die spezielle Art der Auflösung des Krimiplots fällt meine Bewertung noch ein klein wenig schlechter aus, das ist aber wirklich rein subjektiv.
Note 3-.

Dennoch bleibe ich dabei, daß der noch junge Autor Tillmanns (der ja immerhin erst bei einem DSA-Kurzgeschichtenwettbewerb entdeckt wurde!) ein großes Talent ist, von dem man noch viel erwarten kann.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns - 12/11/05 06:23 PM

Na sowas - und ich dachte schon, ich bekomm´ von Ralf nie etwas wie einen ernsthaften Verriß zu lesen!

Es geschehen noch Zeichen und Wunder...

Posted By: Ralf

Re: Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns - 13/11/05 01:09 PM

Na hör´ mal, ein Verriß ist das bei einer 3- ja wohl wirklich nicht! Wenn du ein paar Jahre zurückgehst - da waren echte Verrisse leider unumgänglich, weil in der DSA-Reihe wirklich einige Gurken (Büchner, Rumpel) veröffentlicht wurden. Heute ist das zum Glück nicht mehr der Fall.
Posted By: Ralf

Re: Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns - 26/12/05 12:08 PM

KLINGENSCHWESTERN von Daniela Knor:
(Rhiana die Amazone, Band 5)
Nach längerer Pause findet die einzige noch bei Piper verbliebene DSA-Reihe endlich ihre Fortsetzung - und wie gewohnt bei Daniela Knor gibt es nicht viel zu meckern!
Um den mysteriösen Flammenbund, der ihr weiterhin auf den Fersen ist, von ihrem auf der Flucht befindlichen Volk abzulenken, trennt sich die talanische Kronprinzessin Rhiana von diesem und wird nur von ihrer amazonischen Lehrmeisterin Neel, der halbelfischen Gauklerin Finni und dem Tulamiden Rashid begleitet.
Die erste Hälfte von "Klingenschwestern" ist im Grunde genommen ein echtes "road-book". Die Gefährten verfolgen den zwielichtigen Ritter Mortenberg, der sich auf dem Weg nach Gareth befindet. Streng genommen passiert in dieser ersten Hälfte des Buches nichts wirklich Spektakuläres oder für die Handlung übermäßig Bedeutsames (außer eben der Verlegung des Handlungsortes von Albernia nach Garetien und Umgebung), aber Knor schafft es wieder einmal, die Reise so unterhaltsam zu beschreiben, daß das einem erst im Nachhinein so richtig auffällt.
Die zweite Hälfte hat dann vordergründig endgültig nichts mehr mit dem Haupthandlungsstrang zu tun, sondern ist eher eine in sich abgeschlossene Nebenepisode - denn Rhiana und Co. suchen für den Winter Unterschlupf in einer Amazonenburg an der Grenze zwischen Tobrien und Darpatien. Sie werden relativ freundlich aufgenommen (selbst Rashid ...), doch bald merken sie, daß die Amazonen irgendein Geheimnis umgibt.
Auch diese Nebenepisode ist sehr interessant und spannend erzählt, doch das eigentliche Highlight des Buches sind für mich die Kapitel, in denen sich Daniela Knor wieder den von ihr im 3. Band der Reihe eingeführten Tobriern um Baron Rodebert widmet. In den bisherigen Büchern spielten diese nur eine Nebenrolle und schienen völlig isoliert zu sein von der eigentlichen Handlung - in "Klingenschwestern" wird dieser Handlungsstrang jedoch endlich sehr viel wichtiger und es gibt zwar vage, aber doch sehr vielversprechende Hinweise auf ihre tatsächliche Rolle in der Geschichte.

Letztlich ist "Klingenschwestern" primär ein (sehr unterhaltsames) Übergangsabenteuer. Die Handlung wird kaum vorangetrieben, doch das, was man darüber erfährt, verspricht für die weiteren Bände sehr viel. Anders formuliert: Gelingt es den Autoren und -innen (allen voran Daniela Knor selbst, die hoffentlich weiterhin so stark involviert bleibt), alles zu halten, was sie speziell in den letzten drei Bänden dem Leser implizit versprochen haben, dann stehen uns noch echte Highlights mit einem vermutlich spektakulären Finale bevor.
Leider weiß ich weder, ob bereits ein konkretes Ende der Reihe anvisiert ist (ich hoffe es nicht, denn dann müßten sie in den verbleibenden Bänden wohl ziemlich hetzen ...), noch, wann der sechste Band erscheint und wer ihn schreibt.
Ich freue mich jedenfalls darauf!
Note 2+

P.S.: Bei FanPro kann sich der Leser ja inzwischen meist über halbwegs passende Cover freuen - bei Piper hat man das offenbar noch nicht gelernt, denn ein Cover, das noch weniger mit dem Inhalt des Buches zu tun hat, kann man sich kaum vorstellen ...
Posted By: Ralf

Re: Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns - 08/03/06 04:57 PM

UNTER AVES´ SCHWINGEN:
(herausgegeben von Momo Evers)

Wieder einmal gibt es einen DSA-Kurzgeschichtenband, diesmal allerdings fast komplett ohne Mitwirkung renommierter DSA-Autoren (abgesehen von einer Geschichte von Tyll Zybura, die eigentlich für eine Regional-Spielhilfe vorgesehen war, dort aber aus Platzgründen nicht mehr unterkam). Dennoch sind neben "echten Amateuren" auch einige Autoren dabei, die bereits an DSA-Publikationen mitgewirkt haben und mit Sasa Stanisic sogar einer, der letzten Herbst den Publikumspreis beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Festival gewonnen hat (allerdings natürlich nicht mit einer Fantasy-Geschichte).
Ich habe lange überlegt, wie ich dieses Buch bewerten soll. Da alle Geschichten nur zwischen 10 und 20 Seiten umfassen, ist eine Besprechung jeder einzelnen Story spoilerfrei kaum möglich. Stattdessen jeden Beitrag einfach nur kommentarlos zu bewerten, würde aber auch keinem wirklich etwas bringen (außer vielleicht jemandem, der das Buch schon gelesen hat und so die Eindrücke vergleichen könnte).
Also werde ich es bei einem allgemeinen Fazit und der Hervorhebung jener Geschichten belassen, die mir besonders gut gefallen haben.

Der allgemeine Eindruck: Das Niveau ist im Schnitt erstaunlich hoch. Das war ja bei früheren DSA-Anthologien nicht immer so (mit Grausen erinnere ich mich an "Von Menschen und Monstern", wo fast jeder Beitrag ein echter Flop war ...), aber entweder versteht Momo Evers als Herausgeberin und "Auswählerin" der Stories etwas von ihrem Handwerk oder die Qualität der Beiträge ist einfach deutlich gestiegen - ich würde sogar auf beides zusammen tippen.
Wirklich schlechte Geschichten gibt es nicht, wenngleich mir einige nicht wirklich gefallen haben. Auf der anderen Seite gibt es auch nicht unbedingt DIE spektakulären Highlights, aber die guten Eindrücke überwiegen die negativen eindeutig!
Interessant übrigens: Nach jeder Geschichte gibt es eine kleine Info über den jeweiligen Autor. Gute Idee!

Meine persönlichen Highlights waren (in der Reihenfolge, wie sie im Buch stehen):

- "Der Weg des Kriegers" von Florian Meyer.
Eine schöne Geschichte über einen Kriegerveteran, mit deutlich asiatischem Einschlag. Der ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, aber gut.

- "Ein vermessenes Unterfangen" von Olaf Schroth.
Eine echte Besonderheit im Fantasy-Genre, denn Schroth hat seinen Beruf (der irgendwas mit Landvermessung zu tun hat) in die Story eingeflochten und erzählt von einem Landvermesser in Methumis. An sich fand ich die sehr kurze Geschichte eher durchschnittlich (Landvermessung ist für die meisten Menschen nunmal nicht der spannendste aller Berufe ...), aber die absolut geniale Schlußpointe bringt Olaf Schroth den verdienten Platz in dieser Liste ein.

- "Saatfest" von Nenja Sowa (gerade 19 Jahre alt).
Keine sehr originelle, aber dafür eine wunderbar melancholische Geschichte. Hier sorgt die zu vorhersehbare Schlußpointe allerdings eher für Abzüge in der B-Note.

- "Heldars erste Aventiure" von David N. Schmidt.
Echte Fantasy-Comedy mit Ritter, Knappe und Oger - sehr amüsant!

- "Festung aus Holz" von Thomas A. Ruhk.
Düstere Geschichte vom Beginn der Invasion Tobriens.

- "Corian, der Eine" von Stefan Schweikert.
Sehr unterhaltsame Rollenspiel-Parodie.

- "Heldenzeit" von Frederik Steenblock.
Nostalgische Geschichte über den Generationswechsel der aventurischen Helden ...

- "Zinke rennt" von Sasa Stanisic.
Eine typische "Gassengeschichte", kraftvoll geschrieben.

- "Der Tote im Park" von Stephanie von Ribbeck.
Wieder mal eine Geschichte mit Seltenheitswert: Ein Krimi aus Sicht einer Goblin-Frau in Festum! Gut geschrieben.

- "Straßenrose" von Christoph Maser.
Meine Lieblingsgeschichte! Eine wunderschöne, äußerst melancholische Story über wirklich "wahre Liebe".

- "Feuer der Vergangenheit" von Susanne Müller.
Sehr emotionale Geschichte über das Schicksal einer vom Unglück verfolgten Hexe.

- "Thamael" von Melanie E.C. Meier.
Sehr, sehr düstere, aber auch poetische Geschichte über die kleine Linn und ihre böse neue Stiefmutter ...

- "Von einem der auszog, ein Held zu werden" von Marcus Friedrich.
Eigentlich eine sehr gute Story über das Schicksal eines jungen Mannes, der sich während des Borbarad-Feldzuges freiwillig zur Armee meldet. Leidet aber unter einigen Ungereimtheiten, gerade was die Handlungsweisen der Charaktere betrifft.

- "Das Königsgrab" von Tyll Zybura.
Wie erwähnt war die Geschichte für eine DSA-Spielhilfe geplant und da hätte sie sich auch sehr gut gemacht. Interessante Geschichte, spannend geschrieben.

Insgesamt umfaßt "Unter Aves´ Schwingen" 22 Kurzgeschichten, von denen mir 14 richtig gut gefallen haben. Daher ist als Note eine glatte 2 gerechtfertigt.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns - 08/03/06 05:57 PM

Mensch - ich bin fast versucht, das jetzt einfach spontan mal zu kaufen. Und das obwohl ich schon seit Jahren kein Buch mehr gelesen hab´.
Ralf-Ranicki hat wieder zugeschlagen !
Klingt nach echt abwechslungsreichen, gemütlich-kleinen Szenarien.


Ragon, der Magier
Posted By: Schweige

DSA-Romane - 16/03/06 03:59 PM

So!

[Lebenszeichen Start]

... die letzten DSA-Roman-Neuerscheinungen - Goldener Wolf, Sieben Winde und R5/Klingenschwestern - stehen endlich auch in meinem Bücherregal.
Eine längere "literarische Reise" nach Aventurien steht also bevor. Sobald ich Terry Pratchetts "Hut voller Sterne" durch habe (was nicht allzu lange dauern dürfte) werde ich mich auf den Weg machen. Und aus "Unter Aves Schwingen" fehlen zwar auch noch ein paar Geschichten, aber das Buch werde ich aus gegebenen Gründen eh nicht rezensieren.

Bis dann.

Schweige

[Lebenszeichen Ende]

Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 16/03/06 04:37 PM

Ach, eine Geschichte von Dir war da drin?
Logisch, wenn ich mir die Namen noch mal anschaue, hätte ich auch gleich drauf kommen können.
Also laß´ dir gesagt sein, daß ich beim Lesen der Geschichte und damit auch beim Schreiben meiner Mini-Rezension keine Ahnung hatte, daß die von dir war und mein kurzer, aber positiver Kommentar somit absolut objektiv ist!

Btw: Vermutlich wußte ich bei "Aufruhr in Aventurien" auch nicht, welche Geschichte von dir ist (obwohl ich mich erinnern kann, DASS eine von dir stammte). Ich kann aber immerhin sagen, daß ich mich noch gut an "Li" erinnern kann, was ja durchaus ein positives Zeichen sein dürfte.
Interessant auch, wie unterschiedlich der Ton der beiden Geschichten war.

Und wie ich auf deiner Homepage lese, hast du einen DSA-Roman fast fertig, sehr interessant! Wird der auch definitiv veröffentlicht werden oder hast du ihn "einfach mal so" geschrieben in der Hoffnung, daß er den Verantwortlichen gefällt?
Falls du jedenfalls noch Überzeugungshilfe brauchst, sag´ den Jungs und Mädels, daß ich ALLE DSA-Romane gekauft und gelesen habe (also gewissermaßen mitreden kann) und daß ich auf jeden Fall auch deinen kaufen und lesen würde!
Posted By: Schweige

Re: DSA-Romane - 17/03/06 09:19 AM

Hallo Ralf ...

... äh ... wie war das nochmal?

Ich bin überhaupt erst auf das Larian Forum gestoßen, weil ich damals nach Rezis zu "Aufruhr in Aventurien" "gegoogelt" habe und hier eine heftige Diskussion zu den Geschichten im Gange war. Besonders zu meiner ... wegen "männlichen Vergewaltigungsfantasien" oder so ... da musste ich mich dann doch "rechtfertigen" ...
Nun ja, seit dem bin ich hier.

"Li" war übrigens die allererste Geschichte, die ich überhaupt fertiggeschrieben habe. Und nach dem ersten "Erfolg" dachte ich dann auch gleich, ich könne einen Roman schreiben. Die erste Fassung wurde schon 2002 von Fanpro dankend abgelehnt. Expose und Leseprobe zu einer neuen Version hab ich - im Ramen der "Unter Aves Schwingen"-Bewerbung - im letzten November an fanpro geschickt, hab aber seit dem nichts mehr gehört. Ich gehe also inzwischen davon aus, dass sie kein Interesse haben.
Fanpro versucht wohl - aus gutem Grund - in der Hauptsache Romane zu "Schlüsselthemen" zu veröffentlichen und meine Geschichte bietet eben keine Einblicke in "historische" Ereignisse, könnte auch in einer anderen Welt spielen.
Selber komme ich mit der Story auch nicht recht weiter. Der Plot ist inzwischen doch ein paar Jahre alt und eine "Pseudofortsetzung" von "Li" ... aber eingendlich will ich die Geschichte schon fertig schreiben ... wenn es Dich interessiert, kann ich Dir mal den Anfang schicken ...

2002 waren hier auch noch zwei weitere "AiA"-Autoren aktiv, was ist eigendlich aus denen geworden? Und Alex Wichert hat sich auch mal zu Wort gemeldet ... ach, waren das Zeiten

Übrigens: Schön, dass Dir meine Geschichte in "UAS" gefallen hat.
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 17/03/06 02:33 PM

Achja, ich kann mich gaaanz dunkel an die "Li"-Diskussion erinnern ...
Ja, Alex Wichert hat sich schon lange nicht mehr blicken lassen. Womöglich hat sie nicht mal meine sehr positive Rezension ihres letzten Romans (naja, mit zwei Mit-Autorinnen zusammen) mitbekommen. Jedenfalls hat sie mir keine Bezahlung dafür überwiesen!

Aber ich fände es wirklich schade, wenn FanPro deinen Roman nicht verlegen würde. Das mit den Schlüsselthemen - ich weiß nicht. Ich glaube eigentlich, daß das eher daran liegen dürfte, daß Daniela Knor wohl die beste zur Zeit "aktive" DSA-Roman-Autorin ist und offensichtlich eine Vorliebe für historische Stoffe hat.
Jedenfalls ist "Goldener Wolf", das ich momentan lese, mal wieder eine "ganz normale" aventurische Geschichte.

Na, jedenfalls wünsche ich dir viel Glück, logischerweise auch bei den anderen Projekten.
Auf das Angebot mit dem Anfang deines Romans will ich vorerst mal nicht eingehen, solange eine Chance besteht, daß das Buch doch noch veröffentlicht wird. In Buchform liest es sich halt einfach grundsätzlich schöner, finde ich ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: DSA-Romane - 17/03/06 08:19 PM

OT :

In Antwort auf:

Sobald ich Terry Pratchetts "Hut voller Sterne" durch habe




Falls du des Englischen einigermaßen mächtig bist, empfehle ich dir *dringend* Hat full of Sky auf Englisch zu lesen !! Und vorher den Vorgänger The Wee Free Men !!

(Man beachte bitte, daß ich keine 3 Ausrufezeichen benutzt habe ! )

Warum ich das schreibe ist ganz einfach : Die Sprache der Wee Free Men. Sie klingt eigentümlich, und ich habe sie im Original sehr genossen.

Ich muß aber zugeben, die deutsche Übersetzung nie gelesen zu haben - und habe auch nie vor, das zu tun, weil ich mich nicht aufregen will. Der Punkt ist der, daß ich die Sprache der Wee Free Men für nahezu unübersrtzbar halte - in ihrem Klang und Wesen, nicht in ihrer wortwörtlichen Bedeutung [der einzelnen Wörter].

Das ist für mich so, als versuchtest du, bayuvarisch ins Englische zu Übersetzen ...

Das nur so nebenbei.


Posted By: Schweige

Re: DSA-Romane - 20/03/06 10:55 AM

In Antwort auf:

OT :

In Antwort auf:

Sobald ich Terry Pratchetts "Hut voller Sterne" durch habe




Falls du des Englischen einigermaßen mächtig bist, empfehle ich dir *dringend* Hat full of Sky auf Englisch zu lesen !! Und vorher den Vorgänger The Wee Free Men !!





Nun ... (Bleiben wir noch kurz OT) ... nach dem "Amazing Maurice" legte ich mir auch die "Wee Free Men" zu. Leider habe ich hier die englische Fassung nie zu Ende gelesen.
Eine richtige Erklärung dafür habe ich nicht .... aber ... Obwohl ich etwas die ersten fünf Kapitel gelesen habe, machte mich der DRITTE SATZ fast verückt:
"Miss Perspicacia Tick sat in what little shelter a raggedy hedge could give her and explored the universe"
Ich meine, ich verstehe was da steht, ("Miss ... saß in dem geringen Schutz, den ihr eine lumpige (zerfetzte) Hecke bieten konnte ... ) aber die Gramatik ... im deutschen bräuchte man für so einen Satz diverse Kommas ... naja.
Prinzipiell bin ich kein Vertreter der "im Original ist alles besser" Fraktion, sondern sehe es als Übung um mein Englich nicht ganz einrosten zu lassen, oder, wie gelegentlich bei Pratchett sowie bei einem sehr populären Zauberlehrlig, weil ich auf die deutsche Ausgabe nicht warten kann/will.

In Antwort auf:


Warum ich das schreibe ist ganz einfach : Die Sprache der Wee Free Men. Sie klingt eigentümlich, und ich habe sie im Original sehr genossen.

Ich muß aber zugeben, die deutsche Übersetzung nie gelesen zu haben - und habe auch nie vor, das zu tun, weil ich mich nicht aufregen will. Der Punkt ist der, daß ich die Sprache der Wee Free Men für nahezu unübersrtzbar halte - in ihrem Klang und Wesen, nicht in ihrer wortwörtlichen Bedeutung [der einzelnen Wörter].
Das ist für mich so, als versuchtest du, bayuvarisch ins Englische zu Übersetzen ...
Das nur so nebenbei.





So ... (und damit nähern wir uns langsam wieder dem Toppic) ...
Da gebe ich dir recht ... Slangs und Mundarten sind - meiner Meinung nach - unübersetzbar und es sollte auch gar nicht ernsthaft versucht werden, diese in einen entsprechenden anderen Slang oder eine andere Mundart zu übersetzen.

Das einzige, was der Übersetzer tun kann, ist zu versuchen, gewisse Aspekte des Slangs in die Übersatzung zu retten. Sehr gut ist das (meiner Meinung nach) dem Übersetzer von HPotter gelungen, der Hagrid (im Original vermutlich eine Art Cogney-Englisch) (fast) normales Hochdeutsch reden lässt ... Kein Berlinerisch oder Ruhrpotisch ...

Ein Alptraum ist für mich eine Neuübersatzung von "Huckleberry Finn", die in meinem Bücherregal verstaubt. Mark Twain hat "HF" als "Ich-Erzählung" mit "Hucks" Stimme, und damit in einem Mississippi-Slang geschrieben. Der Neuübersetzer wollte dieses Element ins Deutsche retten, in dem er (den Göttern dank) zwar keine deutsche Mundart, aber dafür einen undefinierbaren Schnodder-Slang schrieb, bei dem z.B. jedes Nun durch "Nu" ersetzt wurde etc. pp. ... Ich habe das Buch nach fünf Seiten weg gelegt und die alte Übersetzung um so mehr genossen ...

Es ist mir also klar, dass ich auf gewisse Aspekte des Originals verzichten muss, aber der Luxus des Lesens in der Muttersprache muss mir das Wert sein ...

Bei den WeeFreeMen müsste ich jetzt doch noch mal das Original lesen, um zu sehen, was mir entgangen ist. Mal sehen ...

(Und damit nähern wir uns immer mehr dem Toppic)

Und da wir schon bei "Mundarten" sind ... ich weiß ich habe dieses und einiges vom obigen schon einmal gesagt/geschrieben ...

Ich habe jetzt mit den "Klingenschwestern" angefangen ...

... Und der Slang der Tobrier nervt mich weiterhin ...

Nach den ersten fünf Seiten wollte ich es schon weg legen ... nicht wegen der Mundart, die kommt da noch gar nicht vor, aber die ganze Story ist einfach laaangatmig.

Aber dann hat es mich doch wieder gepackt, ich will einfach wissen, wie es weiter geht und jetzt bin ich schon halb durch ...

Aber ich frage mich wie lange diese Serie geht, es geht alles so langsam ... naja, immerhin sind sie jetzt in Gareth ...

Aber die Helden sind noch immer so flach wie Abziehbilder ... seufz ... warum hat Rhiana nicht wenigstens ein Verhältnis mit Mortenberg gehabt, oder so ...

(und damit wäre der Kreis zurück onToppic geschlossen)

Bis bald

Schweige
Posted By: Patarival

Re: DSA-Romane - 20/03/06 12:30 PM

Ja, Herr Schweige, ich muss Ihnen hier wirklich zustimmen.

Auch ich bin bei Büchern kein Vertreter der "Musst Du im Original lesen"-Fraktion.
Bücher lese ich lieber auf Deutsch - falls ich lange genug warten kann.

Ich muss Alrik Recht geben, dass Pratchets wundervoller Umgang mit der englischen Sprache wirklich lesenswert ist. Auch ich habe so einige Scheibenwelt-Romane in Pratchets Muttersprache gelesen.

Aber ich finde die englische Art, Kommas zu setzen - vor allem in Pratchets Schachtelsätzen - mehr als nur nervig.


Auch die Sache mit den Slangs...

Ich rate meinen Schülern immer, möglichst nicht mit Slangs herumzuexperimentieren.
Slangs sind nervig und ermüdend. Umso schlimmer ist es, wenn ein Autor nicht wenigstens fehlende Buchstaben durch einen Apostroph kennzeichnet.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: DSA-Romane - 20/03/06 02:50 PM

Ich habe ganz allgemein Probleme, andere Charaktere eine andere Sprache sprechen zu lassen. Das istr für mich, als müsse ich eine fremde KI in meinem Kopf ablaufen lassen, während ich diesen Charakter schreibe ... Manche können es, ich kann es nicht. In OTRA habe ich es Ansatzweise mal mit einer Gruppe von etwa 5-7 Leuten versucht.

Englische Satzkonstruktionen haben ohnehin eine Tendenz, ziemlich komplex zu werden, zumindest bei Pterry.

Es gab Ende der 80er mal einen Song von einem Michael Bolton, der hieß : "How am I supposed to live without you ?" Als Übersetzer würde ich da erstmal einen Knoten ins Hirn kriegen. DEN Knoten müßte ich dann aufdröseln und VERSUCHEN, wortgerecht ins Deutsche zu übersetzen. Ich habe es damals - jung, wie ich war - für mich persönlich versucht mit : "Wie bin ich veranschlagt, ohne dich zu leben ?" Klingt grauenvoll, aber ich war jung ...

Dieser Satz, den du zitiert hast, ist mMn typisch Pterry. Er schreibt halt so, nicht oft, aber es kommt vor.

In Antwort auf:

"Miss Perspicacia Tick sat in what little shelter a raggedy hedge could give her and explored the universe"




Ich habe gerade Maskerade im Original gelesen, und ich fand dort stellenweise ähnliche Formulierungen.

Interessanterweise ist dieses indirekte Addressieren von Objekten (nicht "Loch in der Hecke" oder so, sondern "what a raggedy hedge could give her") etwas, das ist - bezüglich Personalpronomen - in Homers Ilias und Odyssee wiedergefunden habe. Dort heißt es ziemlich oft "jener aber, der", anstatt den Namen einer Person *direkt* zu nennen. Diese indirekte Adressierung wird zumindest hierzulande kaum noch verwendet. Jedenfalls kenne ich sie nicht aus moderner Literatur.

Pterry adressiert in ähnlicher Weise indirekt, aber nicht in Bezug auf Personalpronomen, sondern in Bezug auf Objekte. Leider fällt mir jetzt dazu kein Beispiel ein.

Ich vermute ganz einfach mal, daß diese indirekte Adressierung typisch für die Englische Sprache ist. Zumindest in dieser Form. Vielleicht hat er es von irgendwoher aufgegriffen, und benutzt es nun.


Achso, zu Mark Twain fehlt mir ein, ich sah neulich erst in einem Buchladen ein kleines Büchlein, das einen von ihm geschriebenen Aufsatz enthält : The awful German language. Er hat sich anscheinend tatsächlich mit der deutschen Sprache befaßt, und ich bin gespannt, wie er sie denn sieht ... Ich werde mal sehen, ob ich das Büchlein auch einsprachig (und nicht so offensichtlich zweisprachig als Lernmaterial) finde.



Posted By: Patarival

Re: DSA-Romane - 20/03/06 08:19 PM

In Antwort auf:


Es gab Ende der 80er mal einen Song von einem Michael Bolton, der hieß : "How am I supposed to live without you ?" Als Übersetzer würde ich da erstmal einen Knoten ins Hirn kriegen. DEN Knoten müßte ich dann aufdröseln und VERSUCHEN, wortgerecht ins Deutsche zu übersetzen. Ich habe es damals - jung, wie ich war - für mich persönlich versucht mit : "Wie bin ich veranschlagt, ohne dich zu leben ?" Klingt grauenvoll, aber ich war jung ... [/zitat]

Aber Alrik, wo ist denn da das Problem? Das heisst natürlich einfach "Wie soll ich (nur) ohne Dich leben?" Punkt.
Du denkst viel zu wörtlich und zu kompliziert!


[zitat]
Ich vermute ganz einfach mal, daß diese indirekte Adressierung typisch für die Englische Sprache ist. Zumindest in dieser Form. Vielleicht hat er es von irgendwoher aufgegriffen, und benutzt es nun. [/zitat]


Sowas gibt es in der deutschen Sprache auch. Dank ausgefeilterer Kommasetzung und typisch deutscher Pronomenverwendung wirken die Sätze dann nicht mehr so kompliziert.

[zitat
Achso, zu Mark Twain fehlt mir ein, ich sah neulich erst in einem Buchladen ein kleines Büchlein, das einen von ihm geschriebenen Aufsatz enthält : The awful German language. Er hat sich anscheinend tatsächlich mit der deutschen Sprache befaßt, und ich bin gespannt, wie er sie denn sieht ... Ich werde mal sehen, ob ich das Büchlein auch einsprachig (und nicht so offensichtlich zweisprachig als Lernmaterial) finde.





Dieses "Aufsatz" habe ich tatsächlich mal gelesen. Er beschwert sich, wie kompliziert die deutsche Sprache ist - aus der Sicht eines Engländers.
Natürlich übertrieben aber sehr amüsant.

Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 28/03/06 02:58 PM

GOLDENER WOLF von Linda Budinger:

"Goldener Wolf" ist eine Fortsetzung des bereits vor einigen Jahren (noch zu Heyne-Zeiten) erschienen Romans "Der Geisterwolf".
Erneut hat die junge Nivesen-Schamanin Starna eine weite Reise zu bewältigen, doch diesmal geht es nicht um die Rettung ihres versklavten Stammes, sondern darum, ein entführtes Wolfswelpen zurückzuholen. Klingt nicht sonderlich aufregend, doch dieses Welpen hat ein goldfarbenes Fell und ist daher etwas ganz besonderes für alle Nivesen und auch die mit ihnen verbundenen Wolfsrudel.
Also macht sich Starna gemeinsam mit dem eher unwilligen Rikkinen - dem Ziehsohn des alten Schamanen eines benachbarten Stammes - auf, um das Welpen zurückzuholen. Doch bald stellt sich heraus, daß es nicht irgendwelche Pelzjäger waren, die den goldenen Wolf entführt haben, sondern daß weitaus finsterere (und mächtigere) Kräfte ihre Hände im Spiel haben ...

Vom "Geisterwolf" war ich seinerzeit nicht sonderlich begeistert, "Goldener Wolf" hat mir da schon besser gefallen, ohne mich aber zu begeistern.
Das liegt einerseits sicherlich an Budingers Hang zu teils sehr detaillierten Beschreibungen der nivesischen Bräuche (die zumindest teilweise 1:1 übernommen sind von echten Bräuchen der alten skandinavischen Völker) und Schamanen-Rituale. Des weiteren an der sehr klischeehaften Figur des Rikkinen, dessen Charakterwandlung wohl selbst ein unerfahrener Leser bereits nach wenigen Seiten zu 100% vorhersagen kann!
Auch hatte ich bei einigen Passagen das Gefühl, daß die Geschichte künstlich aufgebläht wurde, um auf die bei FanPro inzwischen anscheinend üblichen etwa 350 Seiten zu kommen.
Und: Des öfteren ist es Linda Budinger leider nicht gelungen, bestimmte Szenen so zu beschreiben, daß ich sie mir wirklich vorstellen konnte. Vor allem die zentrale Schlacht in der Mitte des Buches blieb für mich ziemlich rätselhaft und das finde ich schon ärgerlich. Vielleicht liegt es ja an meiner mangelnden Vorstellungskraft, aber normalerweise habe ich solche Probleme nicht ...

Aber auf der anderen Seite gibt es zum Glück auch einiges Positives zu erwähnen:
Dazu zählt vor allem Budingers Fähigkeit, sehr emotional zu schreiben und diese Gefühle auf den Leser zu übertragen. Zudem ist die Geschichte einer Verfolgungsjagd zwar lange Zeit nicht allzu spektakulär oder originell, aber doch abwechslungsreich, stets spannend und flüssig geschrieben (abgesehen von oben erwähnten Ausnahmen). Und das große Finale bringt dann in der Tat Erstaunliches zutage und ließ mich am Ende das Buch durchaus zufrieden aus der Hand legen.
Kein großer Wurf, aber sehr solide Fantasy-Unterhaltung.
Note 3+.
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 28/03/06 03:25 PM

Da ich seit knapp einem Jahr meine Bewertungsliste nicht mehr aktualisiert habe, hier mal wieder ein Update:

Noch mal zur Erinnerung: Höchstbewertung sind 4 Sterne.

Das Jahr des Greifen (Hennen/Hohlbein): ****

Bei Heyne:
Der Scharlatan (Kiesow): ***
Túan der Wanderer (Zietsch): ** + 1/2
Die Zeit der Gräber (Jagnow): **
Das Leben der Thalionmel (Kramer): ** + 1/2
Feuerodem (Rumpel): *
Katzenspuren (Scheja): ***
Der Drachenkönig (Zietsch): ** + 1/2
Der Göttergleiche (Kurzgeschichten): ***
Die Legende von Assarbad (Raddatz): **
Treibgut (Witzko): ***
3 Nächte in Fasar (Hennen): ****
Die Piraten des Südmeers (Alpers): *** + 1/2
Die Reise nach Salza (Kramer): ** + 1/2
Die Gabe der Amazone (Kiesow): *** + 1/2
Spuren im Schnee (Witzko): ****
Schlange und Schwert (Falkenhagen): ***
Der Spieler (Jentzsch): ***
Das Gesicht am Fenster (Hennen): *** + 1/2
Steppenwind (Gaul): ** + 1/2
Der Lichtvogel (von Wieser): ***
Die Rabenchronik (Falkenhagen): ****
Aus dunkler Tiefe (Büchner): ** + 1/2
Von Menschen und Monstern (Kurzgeschichten): *
Heldenschwur (Kerk): ** + 1/2
Das letzte Lied (Tödter): ***
Das Galgenschloß (Büchner): **
Tod eines Königs (Witzko): ***
Das Leben des Raidri Conchobair (von Wieser): ** + 1/2
Schatten aus dem Abgrund (Büchner): *
Seelenwanderer (Büchner): * + 1/2
Das magische Erbe (Scheja): ** + 1/2
Der Geisterwolf (Budinger): **
Und Altaia brannte (Evers): ****
Blutopfer (Büchner): ***
Das Zerbrochene Rad (Kiesow): ****
Die Nebelgeister (Falkenhagen): ***
Die beiden Herrscher (Witzko): *** + 1/2
Das Wirtshaus "Zum lachenden Henker" (Büchner): **
Die Königslarve (Witzko): ****
Die Nacht der Schlange (Hennen): ***
Geteiltes Herz (Frischhut): **
Erde und Eis (von Wieser): ***
Gassengeschichten (Kurzgeschichten): ***
Die Hand der Finsternis (Huiskes): ***
Zwergenmaske (Nöth): ***
Aranische Nächte (Kamaris/Raddatz): ** + 1/2
Koboldgeschenk (Tödter): **
Der letzte wird Inquisitor (von Voss): *** + 1/2
Druiden-Rache (Flatergast): ***
Blakharons Fluch (Thon/Wichert): **
Westwärts, Geschuppte (Witzko): *** + 1/2
Das Greifenopfer (Finn): *** + 1/2
Die Mühle der Tränen (Lohmann): ***
Aufruhr in Aventurien (Kurzgeschichten): ** + 1/2
Im Schatten der Dämmerung (Baroli/Weinzheimer): * + 1/2
Sand und Blut (Wichert): ***
Der geheime Pfad (Huiskes): ***
Das Daimonicon (Tillmanns): ***
Blutsbande (Nöth): *** + 1/2
Fuchsfährten (Plischke): ** + 1/2
König der Diebe (Wiesler): ***

Rhiana-Reihe:
Der Flammenbund (Alpers): ** + 1/2
Das Artefakt (Wiesler): **
Das Geheimnis des Königs (Knor): *** + 1/2
Verschwörung in Havena (Alpers): ***
Klingenschwestern (Knor): ***

Bei Phoenix:
Unsterblicher Traum (Renau): ***
Blaues Licht (Knor): ***
Spielsteine der Götter (Wolf): *** + 1/2
Rabengeflüster (Jäcke/Wichert/Wolf): ***
Todeswanderer (Gees): ***
Roter Fluß (Knor): ***
Magische Zeiten (Jubiläumsband): *** + 1/2
Todgeweiht (Tillmanns): ***
Dunkle Tiefen (Knor): *** + 1/2
Maraskengift (Tillmanns): **
Unter Aves´ Schwingen (Kurzgeschichten): ***
Goldener Wolf (Budinger): ** + 1/2

Zwei weitere Romane sind übrigens bereits erschienen: "Sieben Winde" von Matthias Ott und der sechste Rhiana-Roman "Das Geheimnis der Zyklopeninseln" von Hans-Joachim Alpers.
Posted By: HeikeWolf

Re: DSA-Romane - 31/03/06 07:17 AM

Hiho,

Quote:


Ja, Alex Wichert hat sich schon lange nicht mehr blicken lassen. Womöglich hat sie nicht mal meine sehr positive Rezension ihres letzten Romans (naja, mit zwei Mit-Autorinnen zusammen) mitbekommen. Jedenfalls hat sie mir keine Bezahlung dafür überwiesen!





Wir haben die positive Rezi sehr wohl registriert - und uns sehr gefreut
(über deine, @Ralf, positive Rezi zu "Spielsteine der Götter" übrigens auch)

Alex schreibt zur Zeit ShadowRun - schaut mal nach dem Roman "Kettenhund".
Und ich bin zur Zeit mehr mehr Abenteuern und Spielhilfen (und einem ganz anderen Projekt) beschäftigt.

Viele Grüße
Heike
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 31/03/06 12:19 PM

Aber hallo, da können wir ja glatt noch eine DSA-Autorin hier begrüßen!

ShadowRun hin, Abenteuer/Spielhilfen/ganzandereProjekte her - ich hoffe doch sehr, daß ihr uns irgendwann wieder mit neuen DSA-Romanen beglücken werdet.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: DSA-Romane - 31/03/06 04:40 PM

Ja Großes Hallo,

eine DSA-Autorin (nicht nur Bücher), sowas - ich dacht´ die gibt´s nur bei vinsalt.de und auf fanpro.com!

Und unser Forums-"Chefkritiker" Ralf "Ranicki" scharrt schon ungeduldig mit den Füssen nach neuem Material... so isser halt, die Leseratz.


Ragon, der Magier
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 31/03/06 04:56 PM

Naja, SO dringend ist es eigentlich gar nicht. Der DSA-Output ist zur Zeit ja wieder recht groß (nächsten Monat müßte mit "Zugvogel" schon der nächste Roman erscheinen) und ich habe auch noch mehr als genügend weitere Bücher ungelesen auf dem Schreibtisch stehen ...
Posted By: Schweige

Re: DSA-Romane - 08/04/06 11:50 AM

So!
Inzwischen hab ich alle drei vor kurzem erstandenen DSA-Romane durch. Leider war ich so schreib und computerfaul, dass ich jetzt aus der Erinnerung heraus meine Rezensionen schreiben muss ...
... seufz ... *erinner* ... ? ... ? ... !

Rezension „Rhiana, die Amazone“ – Teil 5 – „Klingenschwestern“

Rhianas Reise zu den Zyklopeninseln geht weiter ... und wie schon in den vergangenen Bänden kommt sie ihrem Ziel kaum näher. Ganz im Gegenteil, in Band 5 begleiten wir sie auf einem Abstecher ins Mittelreich, der mit dem Hauptplot nur bedingt zu tun hat. Zusammen mit ihren Freunden verfolgt Rhiana einen ihrer Widersacher bis nach Gareth, anschließend macht sie sich auf den Weg zu einem Amazonenorden, von dem sie sich Unterstützung erhofft und bei dem auch nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Das ist – ganz kurz – der Handlungsablauf. (Ralf hat ja dazu schon näheres geschrieben)

Wir begegnen wieder den Tobrischen (?) Söldnern ... und ... ich weiß, ich wiederhohle mich ... noch immer nervt mich die „Pseudo-Mundart-Schreiberei“. Die Rhiana-Redaktion sollte vielleicht bedenken, dass sich der deutsche Sprachraum auch noch südlich des Mains erstreckt. Wir Schwaben "können zwar alles außer Hochdeutsch", aber nach diesem Slang, klingen sogar meine alten Werner-Comics wie feinstes „Hannoveranisch“.
Doch sei es ihnen verziehen, schwebt doch über Haldoran und seinen Kumpanen/innen, das Damoklesschwert, kaum dass wir sie ins Herz geschlossen haben, genau so verheizt worden zu sein, wie schon die Thorwaller in Band 4. Oder ist die Befürchtung unbegründet?

Was soll ich sonst noch schreiben ... das ich nicht schon in meinen Kommentaren zu Band 1 bis 4 geschrieben habe? Die Geschichte ist gut geschrieben, manchmal richtig spannend, die Haupthandlung plätschert weiter, ich lese, bin unterhalten ... aber ohne wirklich berührt zu sein.

Ach ja ... Band 6 ist erschienen, ich hab ihn noch nicht gelesen, aber bei "Alveran.org" hat ein gewisser "Fintan" den Band so beschrieben:

ZITAT:

jo, hab bisher durchgehalten ^^

Zum Buch:
Wird sich Finni von Rashid abwenden und ihre lesbischen Phantasien wieder mit Rhiana teilen? Werden Sie diese diesmal auch ausleben?
Oder werden die beiden Damen gar einen flotten Dreier mit dem degenschwingenden Novadi machen?
Wird am ende gar Neel auch dazustossen?

Was passiert werden wir wohl erst im neuen Roman erfahren. :-)

ZITAT ENDE

Fortsetzung folgt ...



Posted By: AlexW

Re: DSA-Romane - 12/04/06 08:03 PM

Quote:

Aber hallo, da können wir ja glatt noch eine DSA-Autorin hier begrüßen!

ShadowRun hin, Abenteuer/Spielhilfen/ganzandereProjekte her - ich hoffe doch sehr, daß ihr uns irgendwann wieder mit neuen DSA-Romanen beglücken werdet.




Hi Ralf, Schweige,

danke fuer die positiven Besprechungen. Bei mir hat etwas der Troll gesteppt in der letzten Zeit; ich bin ausgewandert, bin nunmehr voll berufstaetig (jemand bezahlt mich dafuer, dass ich mir Produkttrends aus den Fingern sauge) und schreibe gerade den zweiten Shadowrun-Roman. Ich wollte mal dreckig und finster sein, und hatte irgendwie genug von Fantasy. Aber ich lese die Rezis mit viel Vergnuegen, und schaue, dass ich hier mehr mitlese, obwohl ich gerade nicht an einem DSA-Roman arbeite (und daher auf absehbare Zeit auch keiner von mir rauskommen wird).

Mein Tagebuch gibt's unter

http://alexwichert.livejournal.com/

da steht eigentlich alles, und viel lustiger, als ich's hier erzaehlen koennte.
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 19/04/06 05:19 PM

SIEBEN WINDE von Matthias A.W. Ott:

Ein seltsames Buch.

"Sieben Winde" erzählt die Lebensgeschichte des Thorwalers Asbahk Waskirsson, der in jungen Jahren vom berühmten Skalden Thure Hjalmarsson als Schüler angenommen wird. In den folgenden Jahren lernt er jede Menge über Musik, Geschichte, Gesetze, Runen, Kampf und einiges mehr und schließlich erlebt er auf ausgedehnten Wanderungen durch das Nordland und im Krieg gegen die Liebfelder zahlreiche eigene Abenteuer.

Warum also soll dieses Buch seltsam sein?
Nun, das liegt wohl vor allem an Otts etwas gewöhnungsbedürftiger Erzählweise, teilweise aber auch an seinem Schreibstil. So wird schon im Prolog offensichtlich, daß der gute Mann eine gewisse Vorliebe für Schachtelsätze hat.
Was ich persönlich sogar sympathisch finde, da ich als Autor selbst dazu neige ...
Aber andere hassen so etwas und dem Lesefluß ist es sicher nicht immer zuträglich. Genauso wenig wie einige andere Sätze, die schlicht unnötig kompliziert sind.
(Wobei ich ehrlich gesagt die Vermutung habe, daß zumindest manche davon nur deshalb so kompliziert sind, weil ein Wort fehlt oder zuviel ist oder an der falschen Stelle steht - falls ich mich damit irre, muß ich tatsächlich zugeben, daß mein Intellekt bei einigen Sätzen nicht in der Lage war, ihre Bedeutung zu verstehen! Und das passiert mir beim Lesen von Belletristik höchst selten ...)
Aber vor allem dürfte dieser "seltsame Eindruck" wirklich an der unorthodoxen Erzählweise liegen. Nicht selten passiert es, daß Ott die Geschehnisse zielstrebig auf einen ganz bestimmten Höhepunkt zulaufen läßt - nur um diesen dann gar nicht zu beschreiben! Stattdessen geht es einfach NACH dem betreffenden Ereignis weiter (z.B. Asbahks Ottajara) und es wird nur beiläufig erwähnt, was passiert ist.
Auf der anderen Seite gibt es dafür Kapitel, in denen Ott in unglaublicher Detailliertheit die unbedeutendsten Ereignisse schildert!
Diese etwas paradoxe Vorgehensweise hat natürlich Vor- und Nachteile. Schlecht ist, daß immer wieder eine bestimmte Erwartungshaltung, eine Vorfreude auf etwas geweckt wird, die dann einfach nicht eingelöst wird! Das kann mitunter schon frustrierend sein.
Andererseits stellt diese Erzählweise dafür sicher, daß man stets mit der gebotenen Aufmerksamkeit bei der Sache bleibt, weil man wirklich NIE wissen kann, was einen im nächsten Kapitel oder selbst auf der nächsten Seite erwartet. Alles ist möglich!

Seltsam ist "Sieben Winde" auch deshalb, weil es eigentlich keine stringente Handlung gibt. Mit durchaus bemerkenswerter Konsequenz erzählt Ott das Leben des jungen Skaldenschülers - nicht mehr und nicht weniger. Aufgrund der Berühmtheit seines Lehrmeisters umfaßt dieses Leben aber immerhin zahlreiche historische Ereignisse und somit ist "Sieben Winde" zu einem Gutteil auch ein liebevoller Blick auf die Geschichte des Nordlandes der letzten etwa 30 Jahre. Auch "Promis" wie Tronde Torbensson, Iskir Ingibjarson oder Asleif "Foggwulf" Phileasson begegnen wir mit Asbahk.
Gerade Liebhaber der "Nordland-Trilogie" werden immer wieder auf Dinge stoßen, die sie mit verklärtem Blick von vergangenen Zeiten träumen lassen ... und seien es nur die kleinen, sonst fast nie erwähnten Ortschaften wie Thoss, Daspota oder Varnheim.

In der Tat habe ich aber auch das Gefühl, daß man sich wirklich gut mit DSA auskennen sollte, wenn man das Buch komplett genießen können will. Als Leser des Aventurischen Boten konnte ich mich an die meisten historischen Ereignisse (z.B. der Brand Thorwals, die Kämpfe mit den Nostrianern um Kendrar) erinnern, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß ich etliche Anspielungen nicht verstanden habe.

Insgesamt läßt sich sagen, daß ich "Sieben Winde" ziemlich schnell durchgelesen habe, weil ich immer wissen wollte, wie es weitergeht. Matthias Ott kann sicherlich sehr gut schreiben (wenn man sich an seine kleinen Eigenheiten gewöhnt), einige Kapitel sind unglaublich intensiv (z.B. das über das brennende Thorwal), viele Dialoge erfreulich geistreich und amüsant und die Charaktere sind ziemlich gut gezeichnet (auch wenn man die Handlungsweisen nicht immer völlig nachvollziehen kann), so daß man trotz der zahlreichen Namen nicht durcheinanderkommt.
Aber leider kommt mir das Buch insgesamt nicht wirklich komplett vor.
Es gibt zu viele Handlungsstränge, die irgendwann einfach nicht fortgeführt oder auch nur zufriedenstellend erklärt werden (Sylvgard? Die Runen? Asbahks Schicksal?). Eigentlich deutet alles auf eine Fortsetzung hin, von der mir leider bisher nichts bekannt ist und auch der Epilog scheint mir eher darauf hinzudeuten, daß es sich um eine abgeschlossene Geschichte handelt.
Sollte das tatsächlich der Fall sein, ist es ein ziemlich unbefriedigendes Ende. Gibt es aber doch eine Fortsetzung, dann bedeutet das für mich eine deutliche Aufwertung von "Sieben Winde".
Fakt ist jedenfalls, daß es mit Matthias Ott einen weiteren talentierten DSA-Autoren gibt, von dem ich gerne mehr lesen möchte - gerade auch aufgrund seiner Eigenheiten, die ihn von der Masse abheben! Dennoch ist Steigerungspotential ganz offensichtlich vorhanden und ich hoffe wirklich, daß es eine Fortsetzung von "Sieben Winde" geben wird. Nicht zuletzt, weil ich schon immer Thorwaler-Fan war ...

Auch mit der Benotung tue ich mich diesmal sehr schwer. Als erstem Teil einer Reihe würde ich "Sieben Winde" eine glatte 2 geben, weil die mangelnde Stringenz der Handlung durch viele gute Einfälle und die fordernde Schreibweise kompensiert wird.
Als abgeschlossenes Buch wäre es eher eine glatte 3.
Für jemanden, der einfach nur ein Fantasy-Buch lesen will und keine große Bindung zu Aventurien oder den Thorwalern hat, wäre es vermutlich sogar eine noch niedrigere Note. Aber für die ist das Buch wohl auch gar nicht konzipiert.

P.S.: Achja, ein Tip für die Verantwortlichen bei FanPro: Angesichts der Tatsache, daß die Geschichte über viele Jahre hinweg verläuft, wäre eine gelegentliche Angabe der Jahreszahl hilfreich gewesen, idealerweise zu Kapitelbeginn. Vor allem wenn man bedenkt, daß in manch anderem DSA-Roman bei jedem Kapitel das komplette Datum angegeben wird, obwohl die Geschichte innerhalb weniger Wochen spielt ...
Posted By: Schweige

Re: DSA-Romane - 20/04/06 03:21 PM

Ja ... (Hallo Ralf!) ... was soll ich da noch über

"Sieben Winde" von Mathias AW Ott

schreiben.

Auch ich habe das Buch innerhalb von wenigen Tagen "verschlungen", deshalb sind mir wohl die von Ralf bemängelten Schachtelsätze und und fehlende/zu viele Worte gar nicht aufgefallen.
Und auch mich lässt das Buch eher unzufrieden zurück. Fast alle wichtigen Handlungsfäden verlaufen (wie schon geschrieben) ins Leere, enden in Abwesenheit des "Helden", verlaufen im Sand. Am Ende hatte ich mehr Fagen als Antworten. Gerade aus dem Sylvgard-Plot wurde ich gar nicht schlau. Und weshalb wurde Ragna überhaupt vorgestellt? Wozu der Konflikt zwischen Asbahk Iskir? ... etc. usw. ... Und was will uns eigentlich der Epilog sagen?

Auf mich macht das Buch gelegentlich den Eindruck, als hätte der Autor versucht, die Erlebnisse eines P&P Helden zu schildern, der leider bei den meisten Schlüsselszenen verhindert war.

Trotzdem ist es ... auch das hat Ralf schon geschrieben ... eine schöne Reise durch die "Nordlande", besonders für Kenner des ersten Teils der PC-Trilogie.

Noten hab ich schon länger nicht vergeben, sollte ich iregdwann meine Wertungen im unter aufgeführten Link aktuallisieren, werde ich es nachholen
Posted By: Kunar

Kampf um Myrburg - 26/04/06 04:40 PM

Bei "Roter Fluß" von Daniela Knor handelt es sich um einen historischen DSA-Roman. Die Handlung spielt also nicht in der DSA-Gegenwart, sondern im Jahre 597 nach Bosparans Fall (umgerechnet 396 vor Hal).

Aktuelle Geschehnisse zu behandeln birgt immer die Gefahr mit sich, denjenigen zuviel zu verraten, welche dazugehörige Abenteuer mit ihren Helden spielen wollen. Oder aber es stehen alle auf dem Schlauch, die den Kontext nicht kennen, weil es viel zu viel zu erklären gibt, bis man die Hintergründe verstanden hat.

Stattdessen ein Stück DSA-Chronik mit Leben zu füllen und aus einer Randnotiz in den aventurischen Geschichtsbüchern ein ganzes Buch zu machen, kann die reizvollere Alternative darstellen: Es gibt ohnehin schon so viele Seiten in Spielhilfen, welche sich nur mit Geschichte befassen, die bei Abenteuern aber praktisch keine Rolle spielt. Umso erfreulicher ist es, daß diese seitenlangen, drögen Abhandlungen über die Entwicklung Aventuriens von der Schaffung Deres bis heute als Steinbruch für ein Buch mit einem interessant erzählten Stoff genutzt wurden.

"Roter Fluß" spielt vor dem Hintergrund des zweiten Orkensturms, der sowohl Thorwal als auch das Mittelreich in arge Bedrängnis brachte. Die Schwarzpelze, sonst nur in kleinen, schlecht ausgerüsteten marodierenden Banden unterwegs, ziehen diesmal zu Tausenden los, um zuerst mehrere kleinere Siedlungen der Menschen im Orkland dem Erdboden gleichzumachen. Doch dann heißt es: Angriffsziel Myrburg! In dieser großen Stadt, welche heute den Namen Phexcaer trägt, leben Thorwaler gemeinsam mit Mittelreichern. Auch wenn sich die Einwohner einer Stadt mitten in der Wildnis traditionell gut gegen manche Gefahr rüsten: Einer gut organisierten orkischen Übermacht hat man wenig entgegenzusetzen.

Solche Szenarien sind schon öfters in Fantasy-Romanen behandelt worden. Da tut es gut, daß ein wesentlicher Teil der Handlung im Umland stattfindet und abwechselnd Ereignisse in der Stadt und im Orkland geschildert werden.

Hauptheld ist ausgerechnet Hjalgar Herjulfsson, Swafnirkind und Ausgestoßener, der sich als Überlebenskünstler in der Wildnis durchschlägt, indem er die Orkstämme mit Waffen und Alkohol beliefert und im Gegenzug Felle und Gold nach Myrburg schafft. Eine entscheidende Rolle in der Geschichte soll noch Lysmina Berian spielen, eine Bäuerin aus einem Gehöft nahe Myrburg. Aigur Skrajaröter, Sippenoberhaupt und Verfechter des traditionellen Thorwalschen Lebensstils, wittert die Gefahr, tut sich aber schwer damit, die breite Masse der Myrburger davon zu überzeugen. Am falschen Platz zu sein scheint Gorwin Eichhafner, ein Praiosgeweihter und ehemaliger Holzfäller aus Andergast, welcher auf eine Strafexpedition zu den Thorwalern geschickt wurde, um die nicht besonders praiosgläubigen Nordmänner zu bekehren. Und inmitten des drohenden Chaos versucht Sivas Deriak, ein alternder Dieb und Händler, seine Haut zu retten.

"Roter Fluß" enthält so viele liebevollen Details, daß man sich als Leser über den kompletten Index am Ende freut, der alle Spezialausdrücke aus Aventurien erläutert. Wer das Computerspiel "Die Schicksalsklinge" gespielt hat, fühlt sich direkt zu Hause. Die anderen hätten sich vielleicht über eine Karte Thorwals gefreut, auf der man erkennen kann, wo Orte wie Groenvelden und Bodon liegen.

Im Vergleich zur alten Thorwalbox und dem Nachfolger "Unter dem Westwind" fällt der Roman sehr treffend aus, was die Thorwaler und ihre Geschichte angeht. Was die Inhalte der Orklandbox betrifft, welche nicht nur über die Region, sondern auch über die Stadt Phexcaer berichtet, kann ich keine Aussage treffen, da ich diese Spielhilfe leider nicht kenne.

Es kommt sehr gut rüber, wie die verschiedenen Menschen tief verwurzelt in ihrem Glauben an die Zwölfgötter bzw. Swafnir leben und die Orks ein Dasein in ewigem Konkurrenzkampf und Kastenwesen führen. Dabei wird auch zwischen verschiedenen Orkstämmen unterschieden, so daß die gesamte Spanne von den blutdürstigen Kriegern bis zu relativ friedlichen Handelspartnern abgedeckt wird. Die Orks sind zudem nicht dumm, sondern gehen bei der Belagerung bisweilen recht geschickt vor. Es wird auch eine Erklärung dafür geliefert, warum ein Walwütiger zum Ausgestoßenen wird, anstatt in der Obhut eines Swafnirpriesters leben zu können.

Das Buch schildert keine bombastischen Ereignisse von epischen Ausmaßen, sondern überzeugt stattdessen durch Helden mit Fehlern und Schwächen und Charaktere, die sich ihrer Begrenztheit bewußt, aber lernfähig sind. Gegen Ende verlieren die Helden ihre Beschränkungen und wachsen angesichts der Gefahr über sich hinaus.

Das Titelbild paßt einigermaßen zur Geschichte, auch wenn die Szene so nicht vorkommt (Thorwaler kämpfen auf Flößen gegen Orks - allerdings "oben ohne" und ohne Schild). Von einigen sehr verschachtelten Sätze am Anfang abgesehen, gibt es nicht viel zu kritisieren. Zwar bleibt z.B. unklar, ob sich Askir und Lysmina jemals begegnen (immerhin stammen sie vom selben Wehrdorf und teilen das gleiche Schicksal!). Ebenso wird nicht geklärt, was aus Hardger wird. Allerdings ist das auch relativ unwichtig für die Geschichte.

Daniela Knor hat keine langatmige Trilogie um die Belagerung Myrburgs geschrieben, sondern ein nettes, gutes DSA-Buch, wie man es immer wieder gerne liest. Hier zeigt sich ein weiteres Mal, wie man die DSA-Kulisse für stimmungsvolle Einzelbücher nutzen kann.


Weiterführende Quellen:
Aventurisches Geschichtsbuch
insbesondere:
- Spezialthemen -> Thorwal -> Aufschwung und Niedergang
- Fehlerliste -> Nr. 80 "Myrburg und der Riese Orkfresser"
- Fehlerliste -> Nr. 71, "Gründung von Myrburg"

Im Geschichtsbuch wird steht folgende Passage:
"369 vor Hal: Myrburg wird nach halbjähriger Belagerung durch die Orks vom Riesen Orkfresser gerettet; der Legende nach war es die Bürgerin Lysmina Berian, die den Riesen derart bewegte, daß er sein Bündnis mit den Schwarzpelzen brach und ihr Heerlager vernichtete"

Demnach hat Daniela Knor die Geschichte ein wenig abgewandelt und aus einer halbjährigen Belagerung einen mehrere Tage dauernden Sturm auf die Stadt gemacht. Zudem gibt es im Buch kein offizielles Bündnis zwischen dem Riesen und den Orks.

In der Wiki Aventurica wird als Quelle für Informationen über Orkfresser die alte Orklandbox genannt, genauer "Seite 14 in dem Abschnitt 'Die Riesen'".


Zum geschichtlichen Hintergrund:

In dem Buch sind die Thorwaler sind besonders gut auf Bürger des Mittelreiches zu sprechen. Das hat folgende Gründe: Die Hjaldinger, welche die Vorfahren der Thorwaler waren, wurden von den Canterern aus ihrer ursprünglichen Heimat Güldenland vertrieben. Die Mittelreicher sind die Nachfahren dieser Güldenländer. Klar, daß das zu Konflikten führte. Etwa eineinhalb Jahrhunderte lang stand Thorwal sogar unter mittelreichischer Vorherrschaft. In diese Epoche fällt die Gründung Myrburgs. Die gemeinsame Stadtgründung 685 vor Hal stellt aber eine Ausnahme dar, denn die Priesterkaiser des Mittelreiches wollten die Stellung der Praioskirche in Thorwal durchsetzen und unterdrückten den traditionellen Swafnirkult der Nordmänner. 562 vor Hal, also etwa 200 Jahre vor der Belagerung Myrburgs, gelang es schließlich den Thorwalern in einer Seeschlacht vor Salza, die mittelreichische Flotte vernichtend zu schlagen. Seitdem war Thorwal wieder frei.

Der Kampf um Myburg stellte einen historischen Wendepunkt dar. Er fand während des sog. 2. Orkensturms statt, in dessen Verlauf die Orks sämtliche Siedlungen der Menschen im Bodirtal dem Erdboden gleichmachten und zweimal bis in die Stadt Thorwal vordrangen. (In vielen alten Quellen wird die Belagerung Myrburgs auf 369 vor Hal datiert. Einleuchtender wäre allerdings 396 v.H., wenn man die Daten der in den Folgejahren gefallenen Siedlungen betrachtet. "Roter Fluss" benutzt die frühere Jahreszahl, denn diese entspricht 597 BF.) Wenige Jahre später waren 1/3 der Bevölkerung tot, von Seuchen dahingerafft. Parallel zum Niedergang des Mittelreichs versank Thorwal in der Bedeutungslosigkeit.

Dies änderte sich erst gut 300 Jahre später, als man wieder Aktivität der Nordmänner im Süden vermeldete: Hetmann Hyggeliks Raubzüge in den verhaßten Sklavenhalterstädten.

Der 3. Orkensturm im Jahre 17 Hal schließlich hätte beinahe Thorwal getroffen, wenn nicht eine Gruppe tapferer Helden die Zholochai zwischen Phexcaer und Einsiedlersee aufgehalten hätten. Doch das ist eine andere Geschichte, die sich in "Die Schicksalsklinge" nachspielen läßt...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Kampf um Myrburg - 26/04/06 06:10 PM

Erstaunlich, daß ich hier vom Orkfresser lese ... ich kannte ihn bisher lediglich von einer Dark Force Karte ohne irgendwelchen Hintergrund, aber mit dem Attribut "Persönlichkeit".


Posted By: Kunar

Der Novize wird Inquisitor - 16/05/06 05:11 PM

Der DSA-Roman "Der Letzte wird Inquisitor" von Jesco von Voss wurde mir sowohl von meinem Bruder als auch hier im Forum wärmstens empfohlen. Ein sympathischer Praios-Geweihter als Hauptheld - das klang interessant! Daher wurde es Zeit, sich einen eigenen Eindruck zu machen.

Die Handlung spielt sich Anfang 27 Hal, also kurz nach Borbarads Angriff, im Osten Aventuriens ab, genauer gesagt in den Städten Beilunk, Perricum und der näheren Umgebung. Während sich alle für den bevorstehenden Krieg rüsten, wird Zoltan Imfelde, ein ehemaliger Hauptmann und Spätberufener im Dienst des Götterfürsten, auf eine geheime Mission nach Perricum geschickt. Verrat liegt in der Luft! Heimlichtuerei und üble Machenschaften sind den Dienern des Herrn der Wahrheit und des Lichts verhaßt, besonders natürlich, wenn es sich beim Gegner um einen von Borbarads Schergen handelt. Der eifrige, aber unerfahrene Praios-Novize bekommt daher vorrübergehend den Rang eines Inquisitors und Verstärkung durch eine Gruppe Bannstrahler, um im wahrsten Sinne des Wortes Licht in die Sache zu bringen. Nebenbei verdient sich eine klassische Heldengruppe ihr Geld als Informationsbeschaffer und sowohl die Kaiserlich-Garethische Informations-Agentur (KGIA) als auch ein sehr bekannter NSC haben einen kurzen Gastauftritt. Außerdem gibt es noch Anspielungen auf vergangene Abenteuer ("Verrat auf Arras de Mott" sowie die Gezeichnetenkampagne)...

Ein typisches Abenteuer mit einer ungewöhnlichen Heldentruppe: Daraus wußte der Autor etwas zu machen. Interessant wird's, weil die Vorgehensweise der Charaktere anders ausfällt. Denn wenn Praiosdiener als Protagonisten auftreten, bedeutet das viel Befehlsgewalt und Autorität, aber wenig Handlungsspielraum, was Magie oder gar Streunermethoden betrifft.

Die Ermittlungen im Praios-Tempel erinnern an "Der Name der Rose". Hier zeigt sich auch sofort das Hauptproblem der Helden: Ihr Glauben schreibt ihnen Wahrheit, Offenheit und Direktheit als Handlungsmaxime vor. Nun sind diese Eigenschaften zwar sehr lobenswert, nur leider ein wenig hinderlich, wenn es um die Aufdeckung einer Verschwörung geht, bei der die Heimlichkeit in der Natur der Sache liegt, um den Feind nicht zu warnen. Auch die Frage, wie man mit höherstehenden Verdächtigen umgehen soll, stellt die Ermittler vor ein theologisches Problem. Die ideologischen Grenzen werden auch am angedeuteten Konflikt zwischen Praios- und Rondrakirche deutlicher, als dem Anführer der Mission lieb ist.

Der Ablauf des Buches gleicht dem eines Krimis: Die Suche nach dem Täter, schnelle Verdächtigungen, falsche Fährten, plötzliche Auflösung... es gibt keine parallelen Erzählstränge oder Zeitsprünge wie in anderen Fantasybüchern. Bis auf Pro- und Epilog wird praktisch nur aus der Perspektive des Protagonisten berichtet, der die Rolle des Detektivs übernimmt.

Um auf ungewöhnlichen Pfaden zu wandeln, muß der Held natürlich selbst ein wenig anders sein als die anderen: Als ehemaliger Krieger besitzt er Kampferfahrung und Offenheit gegenüber der Rondrakirche. Seine praktische Denkweise und seine kritische Haltung gegenüber einigen Angehörigen des eigenen Ordens machen ihn zu einem untypischen Vertreter des Praios-Kultes.

Was ihn letzten Endes sympathisch macht und das Buch funktionieren läßt, ist seine Empathie. Er sorgt sich um seine Leute und fühlt sich für sie verantwortlich. Zoltan ist alles andere als perfekt und weiß das auch. Es wirkt sehr menschlich, wenn seine Gedanken abschweifen oder er voreilige Schlüsse zieht. Ein perfekter Ermittler à la Sherlock Holmes, der immer alles besser weiß, würde den Leser weniger interessieren. Auch verfolgt Zoltan nicht alle Spuren weiter. Andererseits sind nicht alle Details und Merkwürdigkeiten relevant. Stattdessen ist viel Unwichtiges dabei - wie in einem guten Abenteuer!

Es sind Detailschwächen, welche das Lesevergnügen ein wenig mindern:
- Völlig ohne Erklärung bleibt, wieso nach einem Kampf mit einem Gestaltwandler dessen vorletztes Opfer am Boden liegt, obwohl er offensichtlich den Körper schon viel früher übernommen hatte. (Zur Erinnerung: Ein Gestaltenwandler kann sich immer nur in sein letztes, und zwar totes Opfer verwandeln.) Zu diesem Zeitpunkt hätte der Gestaltenwandler die Leiche doch längst entsorgt!
- Zwischendurch werden die Alibi-Namen der KGIA-Agenten vertauscht. Plötzlich heißt die Frau Sturmfels und der Mann Fuxfell.
- Das Titelbild - grüngekleidete, bärtige Bogenschützen schießen auf einen nicht sichtbaren Feind, Galottas (?) Grinsen vor rotem Hintergrund - hat mal wieder nichts mit der Geschichte zu tun. Hier hätte man sich mehr Mühe geben können, zumal das Buch genügend spannungsgeladene Szenen liefert.

Von diesen Fehlern abgesehen bereitet "Der Letzte wird Inquisitor" eine Menge Freude. Das Buch bietet genügend Anknüpfungspunkte für eine Fortsetzung, ohne das allzu zwingend herauszufordern. Zum Vergleich bietet es sich an, "Koboldgeschenk" von Gun-Britt Tödter zu lesen - das spielt auch in Perricum und enthält außerdem einen Stadtplan! Eine Rezension habe ich bereits früher in diesem Faden geschrieben.

P.S.: Ob "Alchim von Bergthann" eine Anspielung auf "Alrik von Blautann" ist? Ich lese übrigens bereits das nächste DSA-Buch.
Posted By: Ralf

Re: Der Novize wird Inquisitor - 17/05/06 10:21 AM

Und welches?
Ich bin gerade mitten im neuen Rhiana-Roman von Hans-Joachim Alpers - und, oh Wunder! Die Haupthandlung wird tatsächlich mal wieder entscheidend vorangetrieben!
Rezension folgt, kann aber noch dauern - komme zur Zeit leider nicht so viel zum Lesen ...
Posted By: Ralf

Re: Der Novize wird Inquisitor - 24/05/06 09:07 AM

GEFANGENE DER ZYKLOPENINSELN von Hans-Joachim Alpers:
(Band 6 der Reihe "Rhiana, die Amazone")

Oh Wunder! Nachdem die eigentliche Haupthandlung im letzten Band "Klingenschwestern" fast völlig zur Nebensache geriet, dürfen wir nun mitverfolgen, wie die Geschichte erstaunlich schnell vorangetrieben wird. Gareth und das eigentlich angekündigte Reiseziel Perricum sind Vergangenheit (ob das wohl geplant war oder eine kurzfristige Konzeptänderung?), stattdessen geht es nun wieder zurück in den Westen, direkt zu den Zyklopeninseln!
Der Grund dafür ist eine Nachricht, die die Druidin Maruna an Rhiana schickt und der sie von der großen Gefahr berichtet, in der sich die Talanier - das Volk von Prinzessin Rhiana - befinden. Rhiana und ihre Gefährten machen sich natürlich schnellstmöglich auf den Weg, die Talanier zu retten.
Doch dummerweise kommt es wieder einmal anders als geplant ... Das Schiff, auf dem sie reisen, wird vom schlitzohrigen Piraten Rastidos geentert und plötzlich taucht auch wieder der unvermeidliche Flammenbund auf, der Rhiana immer noch in die Finger bekommen will.
Aber es gibt auch neue, unerwartete Verbündete ...

Mit Hans-Joachim Alpers ist ein bißchen so wie mit Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen: Seine besten Bücher spielen auf dem Meer! Nach der "Piraten des Südmeers"-Trilogie (von Fans vergöttert, von Gegnern gehaßt) wagt er sich nun erstmals wieder auf das nasse Element und sofort zeigt sich, wie wohl er sich dort fühlt. Das merkt man nicht nur an den ausführlichen, sehr detaillierten Beschreibungen des Lebens an Bord eines Segelschiffes (zum Glück gibt es wieder ein ausführliches Glossar, das die zahlreichen Fachbegriffe erläutert) und der teils rauen Sprache (aber keine Angst, sie ist bei weitem nicht so extrem wie bei den "Piraten des Südmeers"), sondern auch am Schreibstil.
Nicht, daß ich das genauer spezifizieren könnte - es ist einfach so, daß die Passagen auf dem Meer mir mit Abstand den meisten Lesespaß bereiten! Und ich wage die Behauptung, daß sie Alpers auch den meisten Schreibspaß bereiten.
Aber auch ansonsten ist "Gefangene der Zyklopeninseln" IMHO Alpers´ bislang bester Rhiana-Roman. Zwar gibt es immer wieder mal ein paar Längen und ein bißchen sehr ausführliche Landschaft- oder sonstige Beschreibungen, aber das wird vor allem durch die nun zügig voranschreitende, interessante Handlung mehr als kompensiert.
Lediglich das Ende kam für meinen Geschmack etwas zu plötzlich und eigentlich auch zu unspektakulär: Da hatte ich nach den Vorbereitungen eigentlich mehr erwartet.

Dennoch: Ein guter DSA-Roman, der mich wirklich freudig auf eine Fortsetzung warten läßt - die dann vielleicht auch Schweiges Frage beantwortet, ob die Tobrier bereits komplett raus aus der Geschichte sind (diesmal tauchen sie nicht auf, aber da sie primär bei den Büchern von Daniela Knor erschienen, muß das noch nicht viel heißen) oder ob sie noch eine Rolle spielen werden (was ich hoffe).
Note 2.

Edit: Ich sehe gerade, daß der 7. Band laut amazon.de von Alpers UND Daniela Knor geschrieben wird. Kann das etwa bereits der Abschluß der Reihe sein? Das wäre dann aber doch sehr plötzlich, weshalb ich es nicht hoffe.
Erscheinen soll das Buch erst im Januar 2007.
Posted By: Kunar

Wer zu lange um Dämonen buhlt... - 28/05/06 05:15 PM

Alexander Lohmann: Die Mühle der Tränen

Eine elfische Bardin, eine Gauklerin und ein Magiedilettant, die sich allesamt ihren Lebensunterhalt mit Musik und Kunststückchen auf Märkten und in Kneipen verdienen, haben bei einem niedrigen Adligen in Wehrheim ihr Winterquartier gefunden. Als ein Geisteskranker aus der Obhut der benachbarten Noioniten entflieht und ein ominöser Nebel den Gastgeber niederstreckt, siegt die Neugierde über die Vernunft: Die drei beginnen teils mehr, teils weniger zögerlich mit eigenen Nachforschungen - ungeachtet dessen, daß sich die Bannstrahler für den Fall zu interessieren scheinen und Dämonenpaktierer in der eigentlich recht sicheren Stadt Wehrheim ihr finsteres Spiel treiben sollen...

Das Buch bietet eine einfache Geschichte, die sehr direkt erzählt wird und somit wenig Platz für Spekulationen läßt. Schon mit minimalen chemischen Kenntnissen dürfte schnell klar werden, wie sich die Flucht abgespielt hat und warum der Tatort so aussieht. Auch den Trick mit der Tür im Keller durchschaut der Leser, welcher klassische Kriminalbücher oder -filme kennt. Zudem weist der Prolog schon eindeutig darauf hin, worum es in dem Abenteuer geht. Es handelt sich also insgesamt um einen recht schnörkellosen Roman, bei dem man den Helden auf weiten Strecken mit seinem Wissen voraus ist.

Reizvoll ist natürlich, daß diesmal eine relativ schwache Truppe unterwegs ist (so ziemlich das Gegenteil von "Der Letzte wird Inquisitor"), die als lichtscheues Gesindel auch ohne Herumschnüffeln öfters in Schwierigkeiten kommen würde. Angeblich soll man ja in Wehrheim schon Elfen mit den Ohren an Scheunentore genagelt haben (siehe "Sternenschweif"). Andererseits ist durch die Widmung am Anfang klar, daß zumindest die Elfe das Abenteuer überleben wird, was wiederum ein wenig Spannung nimmt.

Die mit Text aufgeführten Lieder der Bardin finde ich nicht besonders beeindruckend, auch wenn die Idee, eine Großstadtlegende zu verarbeiten, durchaus ungewöhnlich ist. Die Bannstrahler sind ein wenig zu einfach dargestellt. Hier hätte der Autor ein wenig mehr mit den Klischees brechen können. Die Tatsache, daß sich das Böse oft gegen sich selbst richtig, reicht mir hingegen als Erklärung dafür, wie ein paar dahergelaufene Abenteurer einen kompletten Dämonendienerring zu Fall bringen können. Das Ende bleibt leicht offen, aber immerhin findet die Suche nach dem Entflohenen ihren Abschluß.

Während die Haupthandlung recht schnell ersichtig wird, bleiben einige Detailfragen ungeklärt, etwa: Warum fand der Vorfall ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt statt? Was genau ist dem Koch passiert (bis auf die Alpträume)?

Der Titel des Buches bezieht sich auf die Folgen des Dämonenpaktes, d.h. was einen im Jenseits erwartet. Das Titelbild hingegen hat mal wieder nichts mit der Geschichte zu tun.

Alexander Lohmanns "Die Mühle der Tränen" ist in Ordnung, aber keine Pflichtlektüre. Inzwischen habe ich jedoch ein DSA-Buch verschlungen, welches eine Besprechung mehr als verdient hat... also seid gespannt!
Posted By: Kunar

Auszug aus Xorlosch - 29/05/06 05:30 PM

Thorwaler und Zwerge haben es mir besonders angetan. Deswegen war ich sehr gespannt darauf, nach dem ausgezeichneten Thorwalerbuch "Roter Fluß" von Daniela Knor nun einen weiteren historischen DSA-Roman von ihr zu lesen, der diesmal ein wichtiges Kapitel zwergischer Geschichte erzählt. Schon der Titel "Der Tag des Zorns" war mir ein Begriff, weswegen ich die grobe Handlung bereits kannte, welche in der Zwergenstadt Xorlosch 3075-3072 vor Bosparans Fall spielt (also etwa 4100 Jahre vor der aktuellen DSA-Zeitrechnung!).

Calaman Sohn des Curthag begehrt wie viele andere die schöne Aghira, welche als schönste aller Zwerginnen gilt. Weil die Angebetete jedoch aus einer reichen Sippe stammt, Tochter eines Rogmarok (eines Stammesführers) und ziemlich eingebildet ist, weist sie jeden Bewerber ab. Da Calaman immerhin ebenfalls Sohn eines Rogmaroks und daher eigentlich eine gute Partie ist, gibt sie ihm statt einer direkten, unhöflichen Abfuhr lieber eine unerfüllbare Aufgabe: Er soll ihr ein Stück aus dem Hort des Drachen Pyrdacor bringen, dann werde sie seine Braut.

Calaman versteht das seinerseits als Herausforderung und macht sich tatsächlich auf den Weg, obwohl sich bisher nur einmal ein Zwerg in den Machtbereich eines Drachen begeben hat und dabei ein ziemlich unrühmliches Ende fand. Die Geschichte setzt ein, als Calaman mit einem menschlichen Gefährten tatsächlich mitten im Echsenreich Zze Tha und kurz vor dem Hort steht. Und so unglaublich es zunächst erscheinen mag - er schafft es tatsächlich mit einem Schmuckstück zurück in die geliebte Heimat!

Doch damit fangen die wahren Schwierigkeiten erst an, denn mit seiner kühnen Tat hat Calaman gegen ein Friedensabkommen zwischen Zwergen und Drachen verstoßen. Beide Gruppen sind Todfeinde - die Zwerge wurden von ihrem Gott Angrosch speziell dafür geschaffen, um die Reichtümer der Erde von Drachen fernzuhalten. Die Kinder Angroschs haben sich mit den Drachen bereits einmal einen für beide Seiten verlustreichen Krieg geliefert. Ein Bruch des Friedens hätte also schlimme Konsequenzen.

Der Inhalt von "Tag des Zorns" erinnert ein wenig an griechische Heldensagen: Ein wagemutiger Held vollbringt unglaubliche Taten, bringt damit aber Ereignisse ins Rollen, deren Tragweite er nicht versteht und die die ganze Welt verändern. Viele Formulierungen findet man oft wortwörtlich in der Spielhilfe "Die Zwerge Aventuriens" wieder (S. 13-16, "Calamans Queste und der Tag des Zorns"), welche als Grundlage für den Roman diente. Die im Buch ebenfalls erzählte Geschichte des Stammvaters Ordamon, welche sich 7200 vor Bosparans Fall ereignete (also über 8200 Jahre vor der aktuellen aventurischen Zeit!), ist sogar fast 1:1 aus der gleichen Spielhilfe übernommen worden (Teil von "Das steinerne Zeitalter", S. 6-9). Hier wurde eigentlich nur ein wenig wörtliche Rede eingebaut, um die Geschichte in Abschnitte aufzuteilen und besser in die Haupterzählung einzugliedern.

Gerade diese enge Verzahnung mit der Vorlage hat mir sehr gut gefallen. Während man das Original jedoch recht trocken herunterliest, wird hier mehr geboten: Daniela Knor hat Geschichte mit Leben gefüllt, indem sie weitere Personen hinzugefügt hat, z.B. Mitglieder von Calamans und Aghiras Familien, Angroschpriester, Geoden und Handwerker. So bekommt man einen Eindruck von den verschiedenen Sippen und Institutionen in Xorlosch. Mir ging es wie schon in "Roter Fluß": Eigentlich hätte ich noch lange weiterlesen und den Alltag der verschiedenen Charaktere miterleben wollen. Der Autorin ist es offensichtlich gelungen, das Leben in Aventurien interessant darzustellen.

Zwergenfans freuen sich über Details: Die zwergische Zahlenmystik kommt unaufdringlich, aber ausreichend rüber, etwa in den Jahresangaben und der Anzahl der Geweihten. Das Buch bestätigt zudem die Vermutung, daß Pyrdacor die Diebe absichtlich entkommen ließ und so durch Hinterlist und Drachenmagie statt eines offenen Bruchs des Friedensvertrages die Zwerge schwächte. Weniger deutlich wird, daß Calaman sich seines Frevel schon vorher bewußt gewesen war; ebenso, daß er selbst das erbeutete Schmuckstück als Krone Ordamons identifizieren konnte.

Dagegen erhalten Calaman (wagemutig, selbstkritisch) und Aghira (selbstfixiert, verblendet) eine sehr deutliche Wertung. Dies kann man als Begründung sehen, warum im Lauf der Jahrtausende dem einen Stammn ein sehr gutes, dem andere hingegen ein sehr schlechtes Schicksal widerfahren ist.

Unklar bleibt, wie tatsächlich jemand darauf hoffen konnte, daß Calamans Tat vor den Priestern verborgen blieb, obwohl er doch so gerne davon redete. Schließlich hatte er Bewunderer in anderen Stämmen, wodurch klar war, daß sein Abenteuer bald auch außerhalb seiner Sippe bekannt sein dürfte. In der Spielhilfe war es das Prahlen von Aghira (hier nur angedeutet). Diese Unklarheit bestand jedoch schon im Original, denn wenn ein verschollen geglaubter Held heimkehrt, fragen ihn die Leute, was er in den Jahren erlebt hat.

Überflüssig fand ich den menschlichen Jäger und das Orkbaby. Soviel Kontakt zu anderen Rassen wirkt schon fast übertrieben für Erzzwerge zur damaligen Zeit. Sie sind allerdings gut geeignet, um die praktischen Auswirkungen des Geodendenkens auf das Handeln der Diener Sumus zu veranschaulichen. Die Experimentierfreudigkeit und der Wagemut der Kinder Curobans werden hingegen bereits durch die Abwehr des Wühlschrats und das Reiten deutlich.

Gestört haben mich allenfalls einige Rechtschreibfehler sowie falsch gebaute Sätze. Hier gab es offenbar einige hektische Umstellungen am Schluß ohne letztes Korrekturlesen. Ein sachlicher Fehler hat sich ebenfalls eingeschlichen: Ingerimm ist kein Gott der Güldenländer, sondern ist vielmehr in Aventurien aus dem Angroschglauben der Zwerge entstanden.

Daß das Buch 2001, also kurz vor der 4. Regeledition, erschienen ist, zeigt eine weitere Abweichung: Inzwischen gelten Zaubersprüche wie "Ignifaxius" als gildenmagische Repräsentation des Zaubers, an den sich der Geode vergeblich zu erinnern versucht. Er hätte also keineswegs nach Worten suchen müssen - den Spruch hätte er zudem in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt nicht von einem Zwerg lernen können.

Mit 276 Seiten ist das Buch vielleicht ein wenig kurz geraten. Zudem habe ich nicht verstanden, was es mit Armalion zu tun hat, da ich es ohne Weiteres in die normale DSA-Buchserie einordnen würde. Wenn ich ein Buch in einem Rutsch durchlese, weil ich mich an den sympathischen Helden erfreue, kann mir das jedoch egal sein.

Das Titelbild (zwei Typen und ein wacher Drache auf seinem Hort) kommt so nicht vor; ich halte es auch für nicht besonders passend, da die Suche nach dem Hort eigentlich nur die Eröffnungsepisode darstellt. Der Tag des Zorns würde genügend Motive hergeben - siehe Illustration in der Spielhilfe (auch in der neuesten Ausgabe "Angroschs Kinder" enthalten): Man sieht Zwerge in Panik fliehen, während Häuser brennen und einstürzen und im Hintergrund ein Vulkan ausbricht.

Ein lustiges Detail sei am Ende erwähnt: Der Name eines der neuen Schüler an Drachenjägerschule lautet Thoram Sohn des Thorgrim. So hieß der Spielcharakter meines Bruders! Er hat sich natürlich riesig gefreut über diesen Zufall.

Wer die DSA-Romane von Daniela Knor noch nicht kennt, sollte das bald ändern! Zum Glück bleibt noch viel Stoff für weitere Erzählungen, etwa die ganze Reise von Calaman hin und zurück sowie die Abenteuer drumherum! Außerdem bleibt noch die Calaman-Sage zu erzählen, welche von Bündnissen mit Trollen und den Kindern Tulams handelt.


Zum geschichtlichen Hintergrund:

Mit dem Tag des Zorns endete die Zeit der Unschuld für die Zwerge. Auch war es mit der viel beschworenen Einigkeit vorbei. Viele Angroschim wollten nicht mehr in Xorlosch bleiben.

Der Stamm des Curoban ließ sich zunächst in den Trollzacken nieder. Aus ihnen entstanden die Brilliantzwerge! Auch wenn diese aufgrund des Angriffs der Dämonenpaktierer aus Lorgolosch und den Beilunker Bergen fliehen mußten, haben sie glücklicherweise inzwischen erneut eine Heimat gefunden.

Durch den Auszug einiger Sippen in den Kosch entstand übrigens ein weiteres Zwergenvolk, nämlich die Hügelzwerge. Das wird allerdings nicht im Buch erwähnt.

Die Söhne Brogars zogen ins Eherne Schwert und gelten seitdem als verschollen. Es gilt als reine Spekulation, daß aus ihnen die Brobim, also die Wilden Zwerge wurden.

Der Stamm des Aboralm gründete weit im Norden die Stadt Umrazim. Inzwischen ist diese Stadt längst untergegangen. Ihre genaue Lage ist unbekannt. Die Ruinen liegen im Machtbereich der Orks. Übriggeblieben sind die sogenannten Roten Zwerge, ein Ausbund an Goldgier und Hinterhältigkeit, sowie die degenerierten Tiefzwerge.

Der Edelstein, welche aus der Krone Ordamons entfernt wurde und sich dann lange in Umrazim befand, hatte wahrscheinlich einen ebenso unheilvollen Einfluß auf seine Besitzer wie die Krone selbst. Zumindest wird damit der Untergang Umrazims erklärt.

Es war übrigens ein zwergisches Artefakt aus dieser verfluchten Stadt, welches die Tjolmarer Zwerge zu Verrätern werden ließ, so daß die Orks das Svellttal bis auf wenige Ausnahmen erobern konnten. Diese Ereignisse greift dann der Roman "Das letzte Lied" von Gun-Britt Tödter auf (schon von mir in diesem Faden besprochen)...
Posted By: Ralf

Re: Auszug aus Xorlosch - 30/05/06 10:00 AM

Daniela Knor hat auf ihrer Homepage übrigens selbst geschrieben, daß "Der Tag des Zorns" nicht das geringste mit Armalion zu tun hat, sondern von ihr als "echter" DSA-Roman geschrieben wurde. Was auch der Grund war, daß ich es mir gekauft habe, denn Armalion interessiert mich überhaupt nicht.
Posted By: Ralf

Re: Auszug aus Xorlosch - 07/08/06 11:53 AM

ZUGVOGEL von Dr. André Fomferek:

Wow, ein DSA-Roman von einem leibhaftigen (und erstaunlich jungen) Richter - daß ich sowas noch erleben darf!

Ein kurzer Überblick über den Inhalt von "Zugvogel" mag zunächst so erscheinen, als handele es sich um einen äußerst konventionellen DSA-Roman:
Der junge Alrik (welch origineller Name! ) will eine Abenteurer-Laufbahn einschlagen und da trifft es sich gut, als ihn der arrogante, aber ebenfalls noch unerfahrene Weidener Ritter von Weißentraut anheuert, um ihn und die Wildhüterin Tsaja bei der Suche nach seiner verschollenen Verlobten, der angehenden Magierin Silvana, zu helfen. Die Suche führt sie durch ganz Weiden und weiter und schließlich geht es nicht mehr nur darum, Silvana zu finden, sondern gar um das Schicksal ganz Aventuriens: Der legendäre "Stab des Wahren Herrschers" ist in Gefahr und muß von unseren wackeren Helden gerettet werden!

Wie gesagt: Eine klassische DSA-Geschichte. Zumindest auf den ersten Blick. Bei genauerer Betrachtung gibt es aber doch einige interessante Abweichungen: Das beginnt bereits damit, daß Alrik kein typischer, mittelloser Abenteurer ist, sondern ein Student des Rechts aus Vinsalt, den plötzlich die Abenteuerlust überkommen hat. Somit ist er kein überragender Kämpfer, aber dafür äußerst wortgewandt und belesen - was sich im Laufe der Geschichte als sehr hilfreich erweisen wird.
Auch die anderen Protagonisten weichen im Laufe der Erzählung immer weiter von den üblichen Klischees ab und werden vom Autor zu interessanten, durchaus vielschichten Charakteren geformt, die dem Leser bald ans Herz wachsen.
Hilfreich ist dabei sicher, daß vor allem Hauptfigur und Ich-Erzähler Alrik ein ungemein sympathischer Kerl und eine perfekte Identifikationsfigur für jeden DSA-Spieler ist - so wird auch schnell klar, daß der Name "Alrik" ganz bewußt gewählt wurde und nicht aus Ideenlosigkeit. Alrik selbst wundert sich zwar in der Geschichte, daß er von seinen Gefährten häufig als "der Alrik" bezeichnet wird, als sei es kein Name, sondern eine Berufsbezeichnung - aber genau das ist es eben auch in Aventurien!
Daß dieser Alrik auch noch bei jeder unpassenden Gelegenheit einen selten dämlichen Spruch losläßt, vergrößert das Vergnügen des Lesers nur noch mehr ... (er ist gewissermaßen der aventurische Elgi )

Überhaupt ist die Geschichte sehr launig und unterhaltsam geschrieben, was über die an sich recht dünne Story und auch einige Längen hinweghilft. Auffällig ist, daß der Autor scheinbar möglichst viele unterschiedliche Genres in seiner Geschichte unterbringen wollte - was sich angesichts des betonten "road-movie"-Charakters zwar anbietet, aber auch nicht übertrieben werden sollte. Dabei läßt sich durchaus erkennen, wo die Stärken und die Schwächen des Autors liegen.
So gibt es beispielsweise ein "Gruselkapitel", das leider überhaupt nicht gruselig ist. Ein "Mysterykapitel" in einem rätselhaften Gasthaus in Baliho ist zwar interessant, paßt aber IMHO nicht wirklich rein. Zwar gibt es später eine ansatzweise Erklärung für dieses Kapitel, die mich aber nicht vollends befriedigen konnte. Überhaupt Baliho: Mir ist in meiner langen DSA-Karriere nie aufgefallen, daß Baliho das DSA-Äquivalent zu einer klassischen Western-Stadt wäre. Ich weiß nicht, ob da die Phantasie des Autors mit ihm durchgegangen ist, oder ob das tatsächlich den "offiziellen" Vorgaben entspricht und es mich nur nie in dieses Städtchen verschlagen hat: Jedenfalls empfand ich auch dieses Kapitel - wiewohl es durchaus unterhaltsam ist - unpassend.

Ein weiterer Nachteil ist, daß eine spektakuläre "überraschende Wendung" am Ende der Geschichte zumindest für mich bereits rund 200 Seiten vorher zu erkennen war, was natürlich immer ärgerlich ist. Diese Überraschung ist eigentlich gut und weitgehend subtil aufgebaut - gerade zu Beginn des Handlungsstrangs sind die Hinweise jedoch leider allzu offensichtlich. Zum Glück ist es jedoch nicht die einzige Überraschung, die den Leser am gelungenen und durchaus untypischen Ende erwartet, somit wiegt auch diese Schwäche nicht allzu schwer.

Insgesamt bietet "Zugvogel" also einen sehr gut und unterhaltsam geschriebenen DSA-Roman, der letztlich vor allem eine liebevolle Ode an das ist, was Aventurien von Anfang an ausgemacht hat: Die Abenteurer!
Eine nicht allzu ausgefeilte zentrale Storyline und kleinere dramaturgische Schwächen werden durch wunderbare Charaktere und viel Wortwitz (der mich mitunter durchaus an einen Terry Pratchett erinnert hat) mehr als wettgemacht. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung, die sich am Ende auch anbieten würde, und vergebe die wirklich verdiente:
Note 2.

Übrigens: Wie es zu einer Ode an die Abenteurer perfekt paßt, hat der Autor als Kapitelüberschriften Titel von DSA-Abenteuern verwendet. Ich als nicht mehr aktive P&P-Spieler kenne zwar nicht alle, weshalb es auch eine Weile gedauert hat, bis ich das wirklich begriffen habe (beim Kapitel "Der Wald ohne Wiederkehr" - mein allererstes DSA-Abenteuer! - war es mir dann endlich klar, nachdem ich zuvor Titel wie "Silvanas Befreiung" noch als Zufall abtun wollte ). Aber da ich mehr als die Hälfte erkannt habe, gehe ich mal davon aus, daß es beim Rest nicht anders ist.
Ein wirklich nettes Detail für DSA-Veteranen und im Gegensatz zu jenem DSA-Roman vor ein paar Jahren, in dem ALLE bis dahin erschienenen Abenteuer-Titel in den Text eingebaut waren, wirkt es auch nicht erzwungen, sondern völlig passend.
Würde mich nicht mal wundern, wenn der Autor seine mitunter durchaus liebenswert chaotische Handlung sogar bewußt nach diesen Abenteuer-Titeln geformt hätte ...

P.S.: So sehr sich FanPro ein großes Lob dafür verdient hat, daß sie mittlerweile fast nur noch gute und wirklich aventurische Romane verlegen, so sehr muß ich den Verlag immer wieder für die mangelhafte Lektoren-Arbeit kritisieren! Gerade bei "Zugvogel" gibt es sehr viele Tipp-, Grammatik- und sonstige Fehler, die den Lesefluß stören.
Ich weiß, ich weiß. FanPro ist ein kleiner Verlag. Nicht viel Geld - Lektoren wollen Geld - Problem. Aber ganz ehrlich: In meiner Diplomarbeit gab es deutlich weniger von diesen Fehlern und ich hatte keinerlei professionelle oder semi-professionelle Korrekturleser ...
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Auszug aus Xorlosch - 07/08/06 02:50 PM

Quote:

...
Der junge Alrik (welch origineller Name! ) ...




Also langsam übertreibt er´s ja mit seiner ewigen Jagd nach "Off-Topic-Rekorden", unser Gutster
- jetzt geht er sogar soweit, sich in Werke gänzlich unbeteiligter Dritter einzuschleichen?!?!

Quote:

... (er ist gewissermaßen der aventurische Elgi ) ...





Aber daß der dabei auch noch mitmischt, daß ist ja wahrlich der Paukenschlag!
Wahrscheinlich hat er sich zum "üblichen Marktpreis" dort eingekauft
- aber über das "Wieso?" und "Warum?" und die genaueren Motive müssen wir einstweilen wohl noch Rätselraten ... bis zu einer offiziellen Stellungnahme seinerseits, zumindest.


Ragon, der "Operettenmagier"

Posted By: Kunar

Von guten und schlechten Geschichten - 21/10/06 09:50 AM

Erneut habe ich zwei DSA-Bücher gelesen, von denen ich zunächst das zweite vorstellen möchte. Bei dem anderen wird die Rezension schwieriger.

"Von Menschen und Monstern" ist eine Sammlung verschiedener Geschichten, die von Ina Kramer herausgegeben wurde. Sehr bekannte, weniger bekannte und zumindest mir völlig unbekannte DSA-Autoren haben insgesamt acht Erzählungen geschrieben, welche sowohl inhaltlich als auch qualitativ sehr unterschiedlich ausfallen:

Barbara Büchner: Das Wesen im Schloß
Ein Gruselmärchen, in dem DSA-spezifische Begriffe und Namen nur am Rande vorkommen und das ich deswegen auch nicht als echte DSA-Geschichte ansehe. Horror läßt sich meiner Meinung nach ohnehin nur schwer mit Aventurien verbinden. Daß ich mit Barbara Büchners Szenarien und Stil nicht viel anfangen kann, war schon in der "Gestaltenwandler"-Besprechung in diesem Faden zu lesen.

Hadmar von Wieser: Tronde geht feiern
Sehr stimmungsvolle Geschichte über einen Besuch des jungen Tronde Torbensson in Havena, bei dem natürlich einiges zu Bruch geht. Neben einer prominenten Figur hat der Autor viele DSA-Details sehr dicht zu einer Erzählung verwoben, so daß es ein Vergnügen ist, diese zu lesen. Die Thorwaler treten auf, wie man sie kennt und liebt.

Ulrich Kiesow: Am Großen Fluß
Märchenhafte Erzählung über den Flußvater und ein Bauernpärchen. So kann man es machen. Der DSA-Gründer liefert einen langen und guten Beitrag ab.

Lars Feddern: Gaukeleien
Kurze, aber nette Geschichte über die Rache eines zurückgewiesenen Barden. Die verschiedenen DSA-Heldentypen sind in den Figuren klar zu erkennen, was mich besonders gefreut hat. Man versteht dadurch schnell, worum es geht und wie die Sache abläuft.

Ina Kramer: Nach der Predigt
Ein Praios-Geweihter träumt in der Mittagssonne. Die Geschichte der Herausgeberin ist interessant zu lesen und findet auf mehreren Erzählebenen statt. Einzig das Ende bleibt - zumindest mir - unklar.

Stefan Küppers: Die Geschichte dreier Raben
Extreme Exoten, die quasi mit Superkräften ausgestattet sind, treffen auf einen Superschurken. Solche Poserei läßt mich ziemlich kalt. Immerhin kann man die Andeutungen an verschiedene Epochen Aventuriens als kleinen Selbsttest dafür nehmen, wie gut man in der DSA-Geschichte bewandert ist. Das Titelbild des Buches scheint sich auf diese Erzählung zu beziehen.

Stephan Johach: Der Menschenfresser
Eine Heldengruppe, bestehend aus Kindern, löst einen Fall. Das erinnert mich ein wenig an Detektivgeschichten, die ich als kleines Kind auf Kassette hatte - im positiven Sinne, wohlgemerkt! Das Ganze ist spannend zu lesen und regt zum Schmunzeln an.

Christel Scheja: Ratte
Noch einmal eine Mischung aus Grusel und Horror - und wieder geht's daneben. Die Charaktere bleiben blaß und was am schlimmsten ist: Es bleibt völlig unklar, warum das eine Monster gut und das andere böse sein soll. Opfer sind schließlich beide. Dieser Beitrag wäre (zumindest in Comic-Form) besser in der Reihe "Gespenster-Geschichten" aufgehoben.

Fazit: Mit 5:3 überwiegen die guten Geschichten in diesem Buch. Ungeschickterweise wurden gerade für den Anfang und das Ende die schwächsten Beiträge ausgewählt, so daß sowohl der Einstieg als auch der Ausklang einen schlechten Eindruck hinterlassen. Herausragend ist eindeutig Hadmar von Wiesers Geschichte, die jeden Thorwalerfan, ja eigentlich jeden Kenner des klassischen Schwarzen Auges vor Freude jauchzen läßt.
Posted By: Rei

Re: Von guten und schlechten Geschichten - 21/10/06 03:29 PM

So ich habe nun mein erstes beiden DSA Buch gelesen und muß vorweg sagen, daß ich mich im DSA Universum absolut überhaupt nicht auskenne.


Das erste Buch heißt "Die Nacht der Schlange" von Bernhard Hennen und ist als aventurischer Kriminalroman gekennzeichnet.
Die Handlung spielt in der Stadt Al'Anfa und es geht um einen Mord. Genauer gesagt um einen Mord an den jungen Offizier(s Anwärter?) Salpicio von der Stadtgarde. Salpicio gehörte zu einer kleinen "Spezialeinheit" innerhalb der Stadtgarde, dessen Ruf es ist, unbestechlich zu sein und Morde mit Spuren, Indizien und Beweisen und nicht mit Folter aufzuklären. Die Kommandantin dieser Spezialeinheit ist unsere Hauptakteurin Alara Olibano.
Zugleich wütet in der Stadt eine tödliche Seuche, die bisher allerdings nur die Armen befallen hat, und so versuchen die Herrscher die Seuche geheim zu halten und bringen die Erkrankten zur Sklaveninsel, die als nebenschauplatz dient.

Mehr will ich ehrlich gesagt auch gar nicht verraten und rate allen dringend ab, den Buchrücken zu lesen, da hohe Spoilergefahr!
Das Buch selbst hat mir vom Schreibstil gut gefallen. Viele Andeutungen und Geheimnisse werden nach und nach aufgeklärt und die Charaktere sind mehr oder weniger gut ausgearbeitet. Was mir nicht so gefallen hat, daß ich als Leser in vielen Sachen im Unklaren gelassen werde (was vor allem beim Schluß ein Problem darstellt), während ich über andere Geschehnisse informiert werde, obwohl sie den Hauptakteuren nicht bekannt sind.
Darüberhinaus ist es leider auch kein Kriminalroman. Oberflächlich gesehen handeln die Personen schon ein wenig danach, aber durch den großen Nebenschauplatz, die Seuche, bleibt es einfach farblos. Der größte Kritikpunkt ist allerdings der Schluß. Er kommt viel zu schnell und ist frustrierend, da er erstens nicht mit dem Rest wirklich harmoniert und zweitens einige Handlungsstränge einfach nicht beendet.
Ich würde es eher als ein Fantasyroman im DSA-Universum verpackt als Kriminalroman ansehen.

Mein Fazit: man kann es lesen, muß es aber nicht
ein Krimi ist es allerdings sicherlich nicht
Posted By: Ralf

Re: Von guten und schlechten Geschichten - 21/10/06 03:53 PM

Meiner Meinung nach ist "Die Nacht der Schlange" Bernhard Hennens mit Abstand schwächster DSA-Roman - was aber immer noch ein immerhin gut durchschnittliches Buch bedeutet.
Meine Vermutung ist, daß das Buch deshalb relativ enttäuschend ausgefallen ist, weil Hennen sich die Geschichte nicht komplett selbst ausgedacht hat, sondern sie basierend auf Friedrich Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker" sozusagen "aventurisiert" hat.
Da halte ich es wie mit diversen Filmregisseuren (Tom Tykwer, Ethan & Joel Coen): Am besten sind sie, wenn sie eigene Stoffe verfilmen. Adaptionen "fremder" Drehbücher funktionieren einfach nicht so gut. Genau so verhält es sich IMO mit Bernhard Hennen und "Die Nacht der Schlange" ...

Sollte dir der Schauplatz Al´Anfa dennoch gefallen haben, Rei, wäre übrigens Hennens "Das Gesicht am Fenster" wesentlich empfehlenswerter.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Von guten und schlechten Geschichten - 21/10/06 04:02 PM

Ich kenne beide Bücher, das Gesicht am Fenster (sogar signiert ) und die Nacht der Schlange.

Das erstere Buch ist wesentlich dichter und athmosphärischer, wohingegen das zweitere Buch auch nicht schlecht ist - oder mir zumindest einen netten Lesezeitvertreib beschert hat.

*Wirklich* schlecht ist es mir nicht vorgekommen ... nur halt etwas "seltsam" ... was bei mir aber auch daran liegen dürfte, daß ich bisher kaum Aventurienromane gelesen habe. In einer Fantasy-Welt ist ja generell so ziemlich alles möglich ...


Randnotiz : Der Begriff "Aventurien" könnte vom Begriff der "aventiuren" stammen, der "Abenteuer" in der mittelalterlichen, höfischen Dichtung meint (habe gestern das Niebelungenlied zu Lesen angefangen).

Posted By: Rei

Re: Von guten und schlechten Geschichten - 21/10/06 05:26 PM

Ich hab ja noch eins gelesen, auch von ihm.
Und zwar den Sammelband "3 Nächte in Fasar"

Die Geschichte hat mir sehr viel besser gefallen. Die Charaktere sind sehr schön ausgearbeitet, die Geschichte größtenteils unvorhersehbar und was mir am besten gefallen hat, es gibt keine ausweglose Situation wie in anderen Geschichten, die nur durch glückliche Umstände oder weil die Figur einfach weiterleben müßte, sondern es ist "realistisch" geschrieben.
Posted By: Ralf

Re: Von guten und schlechten Geschichten - 22/10/06 11:17 AM

Ja, die "3 Nächte in Fasar" sind sehr gut, zumindest wenn man nichts gegen Geschichten aus 1001 Nacht hat.
Das war dann wohl das von dir zunächst nicht namentlich genannte zweite DSA-Buch?
(eigentlich sind es sogar drei, aber du hast ja den Sammelband )
Posted By: Kunar

Der Jahrmarktsgaukler - 23/10/06 05:31 PM

Es folgt die Rezension eines weiteren DSA-Romanes, welchen ich kürzlich gelesen habe. Diesmal hat es etwas gedauert, meinen Eindruck aufzuschreiben, weil es einige Details zu klären galt. Im Buch tauchen eine Menge Namen auf, vor allem die aventurischer Adliger. Es interessierte mich sehr zu wissen, ob diese in der offiziellen DSA-Geschichtsschreibung auftauchen. Zu einigen habe ich nichts gefunden, bei den anderen scheinen die Angaben zu stimmen!

"Der Scharlatan" stammt von Ulrich Kiesow, dem leider schon verstorbenen DSA-Gründer. Da ist es nicht verwunderlich, daß der Autor wichtige aventurische Persönlichkeiten einbauen konnte. Man hat mir bereits gesagt, der zweibändige Roman "Das Zerbrochene Rad" sei eine Art Fortsetzung.

Nach neuerer Zählung handelt es sich um den 1. DSA-Roman überhaupt. Deswegen gibt es eine erklärende Einleitung, die den vollkommenen Neuling mit Aventurien und DSA vertraut macht und die wichtigsten Begriffe erläutert.

Die Geschichte spielt im Kosch einige Jahre nach dem Putschversuch von Answin von Rabenmund. Selissa von Jergenquell gehört zu den Ferdoker Lanzerinnen, einer Eliteeinheit der Region. Sie wird in ein Komplott gegen die Familie hineingezogen, bei dem angeblicher Verrat und Mord eine Rolle spielen. Ihr zur Seite stehen ihr Geliebter, der bornländische Graf Arvid von Geestwindskoje, sowie die Magd Algunde. Natürlich kommen noch diverse Lanzerinnen vor sowie eine KGIA-Agentin und ihre Helfer. Eine Szene mit Fürst Blasius von Eberstamm zeigt, wie Rivalitäten am Hof ausgetragen werden.

Die wirkliche Hauptfigur ist jedoch der titelgebende Held namens Gerion, welcher sich mit Tricks, Magie, Menschenkenntnis und Gerissenheit durchs Leben schlägt. Zum Glück wird eine Erklärung geliefert, warum er bei all diesen Qualitäten als Jahrmarktszauberer durch die Lande zieht, anstatt ein sorgenfreies Leben als geachteter Magier zu führen. Wie Gerion verbittert seine Sicht auf das Leben schildert, wie ihn Erinnerungen an seine Vergangenheit - ein ganz anderes Leben - plagen und wie die Lebenserfahrung ihn zum Pessimisten hat werden lassen - das sind unglaublich gut geschriebene, realistische Passagen, die zum Besten zählen, was ich je im Rahmen von DSA gelesen habe.

Der Scharlatan versucht die Helden vom absehbaren Vergeltungsplot abzuhalten und wirft gegen den rondrianischen Ehrenkodex der Kämpfer sein realistisches, vernünftiges Weltbild in die Waage - ein Aufeinandertreffen der Weltanschauungen. Daneben gibt es zahlreiche lustige oder spannende Stellen. Es handelt sich um einen durch und durch stimmungsvollen DSA-Roman; man taucht richtig ein in die beschriebene Welt. Das Lied vom Hetmann Faenwulf, allen Kennern der alten Thorwal-Box bestens bekannt, ist nur eines von vielen Schmankerln am Rande!

Auch wenn viele meiner Bekannten von dem Roman schwärmen, so kann man dennoch einige kleinere Details kritisieren: Die vorne im Buch enthaltene Karte mit den Orten des Geschehens hilft zwar bei der Orientierung, verrät aber wichtige Handlungselemente. Im Gegensatz zur Beschreibung auf dem Buchrücken wenden sich die Kampfgefährtinnen nicht einfach von Selissa ab. Hier stören die Klischees, daß die Hauptheldin natürlich die beste Lanzerin ist, sie und viele ihrer Kolleginnen extrem gutaussehend sind usw. Unklar bleibt, warum das Wort der einen Lanzerin das der anderen klar überwiegt. In der entscheidenden Schlacht gibt es keine Aussprache der Gegner. Sonst nervt so eine Verzögerung, hier ist es eher schade, daß sie fehlt. Unrealistisch und überflüssig erscheint, daß sich die hübsche Kriegerin dem alternden Zauberer hingibt, obwohl sich ihr junger, gutaussehender Geliebter in der Nähe befindet. Ganz am recht interessanten Ende gibt es eine letzte Wendung, welche ebenfalls an den Haaren herbeigezogen wirkt.

Von diesen leichten Abstrichen abgesehen, handelt es sich sicherlich um einen der besten DSA-Romane überhaupt. Das weckt Vorfreude auf "Das Zerbrochene Rad" (falls man es noch nicht kennt)...

( Irgendwie haben dieses Jahr alle einen bestimmten Termin verpennt. Offenbar schreibe ich nicht mehr oft genug, um im Gedächtnis zu bleiben.)
Posted By: Ralf

Re: Der Jahrmarktsgaukler - 10/01/07 02:59 PM

KAMPF UM TALANIA von Hans-Joachim Alpers:
(Band 7 der Reihe "Rhiana die Amazone")

Nach dem recht spektakulären vorherigen Band der Reihe erwartet den geneigten Leser mit "Kampf um Talania" im Grunde ein klassischer, aber höchst unpassend betitelter Übergangsroman. "Ankunft auf Talania" wäre ein wesentlich besserer Titel gewesen, denn genau darum geht es: Prinzessin Rhiana und ihre (mehr oder weniger) treuen Gefährten erreichen endlich das Inselkönigreich, das nun vom Usurpator und Flammenbund-Diener Hogard (der einst Rhianas Vater König Arlos gestürzt hatte) ausgepreßt wird.
Diese Ankunft auf Talania hat gleichzeitig zur Folge, daß "Kampf um Talania" nicht mehr allzu aventurisch ausgefallen ist.
Während die bisherigen sechs Bücher der Reihe zwar in der Vergangenheit, aber eben doch im altbekannten Aventurien mit Schauplätzen wie Havena, Gareth oder den Zyklopeninseln stattfanden, betritt Hans-Joachim Alpers hier ein ganz neues Reich - was er durch die Erfindung etlicher (IMHO sogar zu vieler) speziell talanischer Begriffe unterstreicht.
Folgerichtig kommen in diesem Buch auch ausschließlich talanische Personen vor (abgesehen von Rhianas Gefährten, versteht sich). Soll heißen: Charaktere aus den vorherigen Romanen sind hier nicht zu finden: Flammenbündler und Gaukler werden bestenfalls erwähnt, die armen Tobrier nicht einmal das (und trotzdem hoffe ich noch immer, daß sie komplett aus der Geschichte raus sind, denn in dem Fall wäre das ziemlich unbefriedigend für diese Storyline).

Stattdessen wird wieder einmal ein komplett neuer Handlungsstrang eingeführt, der dann auch gleich fast die Hälfte des Romans ausmacht. Darin geht es um die Shauka, eine Gruppe von Vogelfreien und Rebellen auf Talania, und ihre Anführerin Nialin. Während dieser neue Strang zunächst recht zäh beginnt, erweist er sich letztlich als der deutlich interessantere, weil actionreichere und phantastischere. Leider gleitet Herr Alpers bei der Erzählung von Nialins Abenteuern gelegentlich etwas ins Science-Fiction-Genre ab, kaschiert das aber immerhin gut genug, damit es nicht wirklich stört.
Im Gegensatz dazu sind die Erlebnisse von Rhiana und Co. reichlich unspektakulär ausgefallen. Wie gesagt: "Kampf um Talania" ist ein echter Übergangsroman, der einen Showdown oder zumindest Zwischen-Showdown im nächsten Band "Der Turm von Jubra" vorbereitet. Nicht mehr und nicht weniger.

Damit handelt es sich letztlich um nicht mehr und nicht weniger als einen höchst durchschnittlichen Roman. Und das entspricht der Schulnote 3.
Posted By: Ralf

Re: Der Jahrmarktsgaukler - 19/04/07 12:09 PM

AUS DEM LEBEN DES G.C.E. GALOTTA von Kathrin Ludwig und Mark Wachholz:
(bestehend aus den Bänden "Der Hofmagier" und "Der Feuertänzer")

Der junge, ehrgeizige Weißmagier Gaius Cordovan Eslam Galotta stößt mit seinen revolutionären Ideen und Forschungen bei seinen konservativen Gildenoberen auf immer stärkeren Widerstand. Da kommt das Angebot des neuen, tatkräftigen Kaisers des Mittelreiches gerade Recht, der Galotta als Hofmagier am Kaiserhof in Gareth einstellen möchte. Galotta nimmt die Chance - gegen den Widerstand seiner Gilde, die sich aus der Politik komplett heraushalten will - wahr und dient Kaiser Reto und dem Mittelreich fast 20 Jahre lang treu. In dieser Zeit erlebt er den Krieg auf Maraskan aus erster Hand mit, forscht für Reto nach einer gewaltigen Waffe, hat eine erstaunliche Affäre, kommt unerwartet zu vier Elfen"töchtern" (was nichts mit der Affäre zu tun hat) und muß sich nebenbei auch um die Erziehung von Retos weichlichem Sohn Hal kümmern, obwohl er diesen von Herzen verachtet.
Doch als Reto schließlich stirbt und Hal zum neuen Kaiser - gar zum Gottkaiser! - gekrönt wird, beginnt Galottas langsamer, aber tiefer Fall ...

Das Vorhaben, eine Biographie einer der wichtigsten, interessantesten und komplexesten "Meisterfiguren" der aventurischen sowie der DSA-Geschichte zu verfassen, ist zweifelsohne ein gewagtes. Doch insgesamt ist es den beiden jungen Autoren gut gelungen.
Die Bücher selbst sind flüssig geschrieben, man merkt kaum einmal, daß es sich um zwei Autoren handelt. Die Handlung krankt an der üblichen Biographien-Schwäche: Es ist eben keine klassische Geschichte mit Anfang, Spannungsaufbau, Höhepunkt und Ende. Sondern eher eine Aneinanderreihung von Episoden, die sich über etwa 30 Jahre hinweg erstrecken.
Doch die Autoren beherrschen es ziemlich gut, dieses Episodenhafte durch gelungene Übergänge zu verschleiern, sodaß man während des Lesens nur selten wirklich bemerkt, daß es keine wirklich stringente Handlung gibt.
Leider bleiben einige der ausgesprochen vielen Romanfiguren relativ oberflächlich, was gerade im Fall von Galottas Elfentöchtern schade ist, daraus hätte man sicher noch mehr machen können.

Wichtiger als die "technische" Beurteilung der Bücher ist in diesem Fall allerdings ein Blick auf die aventurische Authentizität! Immerhin sind die handelnden Personen beinahe ausnahmslos aventurische Berühmtheiten, die jeder DSA-Spieler zumindest namentlich kennen dürfte und von denen letztlich jeder sein eigenes Bild hat - geprägt ebenso durch (teilweise widersprüchliche) Abenteuer und Hintergrundmaterial verschiedenster Autoren wie durch die jeweiligen Meister der eigenen Spielrunden.
(Der folgenden Analyse soll eine ausdrückliche

SPOILERWARNUNG!!!

vorangestellt werden, sie sollte vor allem jene interessieren, die die Bücher entweder gar nicht lesen wollen und diese Rezension letztlich nur aus aventurischer Neugier lesen oder die sich selbst zu den DSA-Veteranen zählen und daher sowieso eine zumindest rudimentäre Kenntnis der jüngeren aventurischen Geschichte besitzen.)

Wie sehr sich das Bild von Meisterpersonen im Laufe der Jahre verändern kann, zeigen gerade Galotta und Hal beispielhaft: Während jüngere Spieler diese beiden Figuren auch aufgrund der "offiziellen" aventurischen Geschichtsschreibung vorwiegend als ultimativen Oberbösewicht (nach Borbarad) beziehungsweise als strahlenden Helden, der selbst den (vermeintlichen) Tod hinter sich läßt, um sein Reich aus größter Gefahr zu erretten, kennen, sieht das Bild für DSA-Spieler der ersten Stunde noch ganz anders aus:
Galotta war immerhin beinahe drei Jahrzehnte lang loyaler Hofmagier am garethischen Kaiserhof, der gerade Kaiser Reto treu gedient und ihm sogar das Leben gerettet hat. Sicherlich, er war bereits damals alles andere als ein typischer Weißmagier, zudem war er ziemlich größenwahnsinnig und ausgesprochen egoistisch. Doch er war alles andere als ein Bösewicht!
Hal hingegen war zumindest in den ersten Regierungsjahren ein ausgesprochen schwacher Herrscher, der überhaupt kein Interesse am und schon gar kein Talent zum Regieren hatte. Er benötigte die Hilfe von Personen wie Galotta, wie Helme Haffax, wie Answin von Rabenmund, wie Raidri Conchobair, wie Waldemar von Weiden und vielen unbekannteren Figuren aus dem Hintergrund, um das Reich nicht in kürzester Zeit in den (zumindest finanziellen) Abgrund zu führen.

Und so arbeiten die Autoren auch deutlich heraus, was man bereits in früheren Publikationen zwischen den Zeilen lesen konnte: Daß es letztlich Hal selbst war - mit tatkräftiger Mithilfe der mysteriösen Magierin Nahema -, der das Ungeheuer Galotta schuf! Natürlich hat Galotta selbst dazu beigetragen, diese Entwicklung heraufzubeschwören. Seine allzu offensichtliche Ablehnung Hals, die feste Überzeugung, für das Reich unersätzlich zu sein, die mangelnde Fähigkeit, sich am Hofe Freunde zu suchen und diese auch zu halten ... Wie gesagt, Galotta war weißgott nicht perfekt. Aber zum Erzbösewicht wurde er erst durch den legendären Scharlachkappentanz. Und danach ist sein Verlangen nach Rache sehr wohl verständlich und man kann gut nachvollziehen - wenn auch natürlich nicht gutheißen - warum Galotta zu dem wurde, zu dem er schließlich wurde ... zum Dämonenpaktierer und zum Heptarchen in den Dunklen Landen (was in den beiden Büchern allerdings nicht mehr behandelt wird, die enden kurz nach der Schlacht der mehr als 1000 Oger).

Daß in dieser Galotta-Biographie die Darstellung von Galotta und Hal dem, was die Spieler in den vergangenen Jahren erfuhren, ziemlich zuwiderläuft, läßt sich übrigens auch an einigen Rezensionen erkennen, die gerade diese "plötzliche Kehrtwendung" kritisieren. Allerdings muß ich einräumen, daß auch ich mir gewünscht hätte, daß Galotta ein klein wenig sinistrer dargestellt worden wäre. Zwar ist seine Entwicklung zum Bösen hin durchaus nachvollziehbar dargelegt, dennoch kommt er vor allem im ersten Band meines Erachtens doch etwas zu gut weg.

Was die weiteren berühmten Figuren in den Büchern betrifft, so lassen sich leider einige Widersprüche zu anderen Publikationen nicht verschweigen: Answins Motivation in der "Verschwörung von Gareth" beispielsweise ist hier eine ganz andere als damals im gleichnamigen Abenteuerband (hab´ extra nachgeschaut ) und auch der Scharlachkappentanz entspricht nicht unbedingt der gleichnamigen Kurzgeschichte von Lena Falkenhagen in der Anthologie "Magische Zeiten". Gerade das Verhältnis der Elfentöchter zu Galotta wird doch sehr unterschiedlich beschrieben.
Außerdem meine ich, daß in der vorliegenden Version Galotta eine ziemlich einfache Möglichkeit, sich zu retten, außer Acht läßt (nämlich durch eine seiner Elfentöchter den Großinquisitor Dexter Nemrod rufen zu lassen, während er die Paraphernalien für seinen Zauber erst zusammenstellen lassen muß). Aber das mag man mit Galottas Panik oder schlicht mit seinem egozentrischen Charakter begründen können.

Sehr gelungen finde ich dagegen die Schilderung des späteren Reichsverräters Helme Haffax. Während Galottas Abfall vom "Guten" mir schon immer nachvollziehbar vorkam, war Haffax´ Verrat für mich damals ein echter Schock (wobei ich zu der Zeit schon nicht mehr aktiv spielte, wenn ich mich nicht irre - kann also durchaus sein, daß das in einem Abenteuer überzeugend dargestellt wurde). Hier erfährt man endlich mehr über seine Motivationen und somit wird auch die spätere Entwicklung wesentlich verständlicher.
Andere Figuren wie der Schwertkönig Raidri, Waldemar der Bär, Cuanu ui Bennain, Lutisana von Perricum oder Saldor Foslarin spielen eher Nebenrollen, ihre Schilderung entspricht aber weitgehend meiner Vorstellung von ihnen.
Gleiches trifft auf die Kaiserin Alara zu, die als enge Freundin Galottas eine weitaus größere Rolle spielt. Das intrigante Wesen der Al´Anfanerin, die Galotta in diesem Punkt mehr als gewachsen ist, kommt hervorragend herüber und überzeugt auf der ganzen Linie.
Ein Sonderfall ist Nahema ai Tamerlein. Diese, von DSA-Gründer Ulrich Kiesow selbst geschaffene legendäre Magierin war in der DSA-Geschichte eigentlich noch nie eine nachvollziehbare Person. Wer ihre Schilderung in Kiesows "Das zerbrochene Rad" gelesen hat, der wird sich ernsthaft fragen, wie das die gleiche Person sein kann, die Hal dazu bringt, Galotta mit dem Scharlachkappentanz zu foltern und zu demütigen. Und im Laufe der DSA-Publikationen blieb - zumindest meinem Eindruck nach - eines gleich: Man wußte nie, was Nahema gerade wieder vorhatte oder warum. Daran halten sich auch Ludwig und Wachholz, wenngleich einige Sätze in ihrer Schilderung der Geschehnisse um Nahema durchaus Raum für Spekulationen lassen (hat sie Galottas Sturz mit seinen katastrophalen Folgen für alle nur herbeigeführt, um aus dem schwächlichen Kaiser Hal endlich einen wahren Herrscher zu machen? Aber sollte das zutreffen, dürfte man sich angesichts der folgenden Jahre in der aventurischen Geschichte durchaus über die Verhältnismäßigkeit der Mittel Gedanken machen ...).

Fazit: Die Galotta-Biographie ist ein gelungener Blick in die aventurische Geschichte und als solcher primär für echte DSA-Fans geeignet. Leser, die eher zufällig über die Bücher stolpern, eigentlich aber wenig bis gar nichts mit DSA und Aventurien anfangen können, dürften ihre Probleme haben. Zwar kann man die Biographie grundsätzlich auch ohne Vorkenntnisse lesen und verstehen, aber damit entgingen einem selbstverständlich die ganzen aventurischen Bezüge, die ja gerade das Salz in der Suppe sind! Dabei fällt natürlich besonders positiv ins Gewicht, daß die Autoren Ludwig und Wachholz offensichtlich ausgiebig in den alten DSA-Publikationen geforscht haben und sich selbst sehr gut in Aventurien auskennen. Die aventurische Authentizität ist jedenfalls jederzeit gegeben, daran ändern auch die erwähnten paar kleineren Widersprüche nichts.

Auch soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Galotta-Biographie mit wenigen Ausnahmen (z.B. auf Maraskan) alles andere als actionbetont ist, sondern ihr Hauptaugenmerk auf die berühmten Persönlichkeiten, ihr Verhalten, ihre Beziehungen zueinander, ihre Pläne und Intrigen legt. Letztlich kann man das ganze wohl fast als eine (wenn auch nicht extrem tiefgehende) Charakterstudie bezeichnen.
Mir persönlich hat der erste Band "Der Hofmagier" besser gefallen. Schreibtechnisch gibt es keine großen Unterschiede, aber hier ist Galotta noch obenauf und zudem gibt es einige wahrlich sensationelle Enthüllungen selbst für DSA-Veteranen.
Der zweite Band "Der Feuertänzer" hingegen schildert primär Galottas Absturz und ehrlich gesagt: Es macht (mir) einfach weniger Spaß, das zu lesen, zumal wenn man bereits weiß, wie es enden wird. Dazu kommt, daß Überraschungen diesmal weitgehend ausbleiben und leider einige der Enthüllungen des ersten Bandes schon wieder ziemlich eindeutig relativiert werden. Da fehlte leider der Mut (oder die Erlaubnis der DSA-Redaktion?), die "inoffizielle" aventurische Geschichte nachhaltig zu ändern.

Insgesamt gibt es von mir die Schulnote 2 mit Tendenz zur 2+.

Laut alveran.org wurde übrigens "in einem Nebensatz" ein dritter Band der Biographie angekündigt, der dann wohl das Wirken Galottas als Bösewicht beschreiben würde. Sicher auch nicht uninteressant, wenngleich ein eindeutiger Bösewicht aus Hauptfigur natürlich recht gewagt ist und nicht jedem Leser gefallen wird.

Edit: Ich habe jetzt übrigens noch ein bißchen im Netz geforscht und scheinbar wurde Haffax´ Abfall vom Mittelreich in einer Kurzgeschichte in der Anthologie "Gassengeschichten" behandelt. Muß ich wohl verdrängt haben ...
Posted By: Ralf

Re: Der Jahrmarktsgaukler - 23/08/07 05:02 PM

Nach längerer Pause ist mal wieder ein neuer DSA-Roman erschienen (bis Jahresende soll dafür dann gleich ein ganzer Haufen weiterer kommen) und natürlich prompt von mir gelesen worden:

HOHENHAG von Dietmar Preuß:

Leider ist es bei diesem Buch fast vollkommen unmöglich, eine Rezension zu schreiben, die frei von SPOILERN!!! ist. Das geht aber scheinbar nicht nur mir so, denn der Klappentext des Buches verrät in wenigen Zeilen sogar noch deutlich mehr über den Handlungsverlauf als ich das im folgenden tun werde. Wer sich also die Spannung nicht verderben will, sollte die nächsten Passagen überspringen und sich gleich dem Fazit zuwenden - und im Falle eines Kaufes BLOSS NICHT den Klappentext lesen!
(da waren ja die alten Heyne-Zeiten fast noch besser, als die Klappentexte mitunter GAR NICHTS mit dem jeweiligen Inhalt zu tun hatten ... )

Genug gelabert und damit zur Sache!

Hohenhag ist einer von drei Wehrhöfen an der nördlichen andergast´schen Grenze zum Orkland. Die Bewohner der Wehrhöfe führen ein rauhes, arbeitsames und angesichts zahlreicher Orküberfälle sehr gefährliches Leben. Eines Tages werden die beiden 12-Jährigen Beolf und Sidra bei einem dieser Überfälle geraubt und vom Rikai-Schamanen der Sippe als Sklaven gehalten (was ihnen immerhin den grausamen Tod als Tairach-Opfer erspart ...). Nach jahrelanger Gefangenschaft gelingt den beiden nunmehr jungen Erwachsenen die Flucht und nur ein Gedanke beherrscht ihr Handeln: Rache! Naja, und eine dramatische Dreiecks-Geschichte ...

Als erstes an "Hohenhag" fällt positiv auf, daß es endlich mal nicht die jahrelang verwendete Aventurien-Karte zu sehen gibt (auf der die Schauplätze der meisten DSA-Romane mangels Größe nicht mal verzeichnet sind!), sondern eine zur Handlung passende, die Nord-Andergast und das Orkland abdeckt. Sehr schön, bitte in Zukunft immer so halten!

Auch die Handlung beginnt zunächst recht vielversprechend. Die jahrelange Gefangenschaft von Beolf und Sidra bei den Orken wird zwar in nur etwa 100 Seiten und damit zwangsläufig recht oberflächlich abgehandelt, zudem halte ich nicht alle Facetten der Gefangenschaft für allzu realistisch, aber das ganze läßt sich gut lesen, ist ziemlich spannend und auch die Orks werden recht gelungen und authentisch vorgestellt.
Man muß fast sagen: Leider gelingt Beolf und Sidra dann ungefähr zur Hälfte des Buches die Flucht - denn ab diesem Zeitpunkt ließ mein Lesevergnügen sukzessive und deutlich nach! Die Handlung teilt sich hier in zwei große Fäden auf:
Zum einen gibt es das vor allem bei Sidra unbändige Verlangen nach Rache an den Orks. Dieser Handlungsstrang ist weiterhin spannend und unterhaltsam geschrieben, aber dennoch alles andere als tadellos.
Nun war "Rache" bekanntlich schon immer ein sehr kontroverses Thema, das aber viele Menschen auch stark fasziniert, ob in Film (z.B. in "Ein Mann sieht rot") oder Büchern. Kein Wunder, beinhalten doch solche Geschichten zwangsläufig viel Dramatik, Spannung, Emotionen und Action. Das ist auch in "Hohenhag" nicht anders, allerdings ist Beolfs und Sidras Rachefeldzug dermaßen rassistisch, daß es zumindest bei mir ein äußerst mulmiges Gefühl im Magen hinterläßt.
Natürlich mag man - zurecht - einwenden, daß der Roman nunmal in Aventurien spielt und nicht auf der Erde, daß die Orks im Allgemeinen rücksichtslose und brutale Monster sind und daß die Rachegelüste zweier jahrelanger Ork-Sklaven nur zu verständlich sind. Alles richtig. Nur: Das macht die Sache dennoch nicht weniger moralisch zweifelhaft.
Neben diesen moralischen Zweifeln störte mich aber auch, daß Beolf in dieser Phase quasi aus dem Nichts zu einem militärischen Genie avanciert. Klar, er konnte die Kriegstaktiken der Orks während seiner Gefangenschaft studieren, aber was er im zweiten Teil des Romans alles leistet, das ist wahrlich nicht mehr normal. Beolf ist zumindest in dieser Hinsicht zu perfekt, um noch glaubwürdig zu sein oder die Spannung bei den recht zahlreichen blutigen Gefechten mit den Orks gänzlich aufrechtzuerhalten.

Wesentlich ärgerlicher fand ich jedoch den zweiten großen Handlungsstrang: Eine dramatische, aber leider (bestenfalls) zweitklassige shakespeare´sche Liebestragödie. Ganz ehrlich: Wo diese Love-Story mit Hindernissen zunächst noch recht zahm und damit erträglich geschildert wurde, wird es in der zweiten Romanhälfte - als daraus die erwähnte Dreiecksgeschichte wird - immer schlimmer. Das (aber nur bei dieser Thematik!) unerträglich kindische Verhalten der drei Haupt-Protagonisten ging mir im Laufe der Zeit dermaßen auf die Nerven, daß ich am liebsten geschrien hätte! Im Grunde ist die Liebesgeschichte sowieso eher überflüssig und dann noch so eine pseudo-Dramatik - sorry, aber damit kann ich einfach nichts anfangen. Das funktioniert bei Shakespeare, aber nicht hier.

Auch nicht hilfreich ist, daß die Charaktere des Romans sowieso recht flach sind. Letztlich gibt es unter den Menschen einen Bösen, während alle anderen herzensgut sind. Schwarz-weiß-Malerei at its best (oder worst, wie man will)!
Beolf und Sidra sind wenigstens etwas authentischer, aber die interessanteste, "echteste" Romanfigur ist eigentlich der Rikai-Schamane ...

Aber ich will ja nicht nur meckern: Immerhin nimmt dieser Handlungsstrang einen zwar gewichtigen, aber doch nicht den zentralen Raum der Geschichte ein. Lobend muß ich mich über Preuß´ Schreibweise äußern: "Hohenhag" ist trotz seiner Schwächen schön flüssig zu lesen und vor allem die leider recht wenigen humorvollen Szenen sind ausgesprochen gut gelungen. Auch gelingt es dem Autor, die vielen Nebenfiguren äußerst sympathisch wirken zu lassen; flach, aber sympathisch. Und generell ist es natürlich sehr erfreulich, daß mit Andergast auch mal eine sonst eher vernachlässigte, aber nichtsdestoweniger sehr interessante aventurische Region behandelt wird.

Fazit: Während des Lesens schwankte ich in meiner Notengebung ständig zwischen den Schulnoten 2 und 4. "Hohenhag" ist alles in allem ein gefällig geschriebenes Buch mit großteils sympathischen, wenn auch nicht übermäßig authentischen Charakteren. Die teilweise ziemlich konstruierte Story läßt sich bestenfalls als schlicht und zweckmäßig einordnen und wird in der zweiten Hälfte der knapp 300 Seiten aus meiner Sicht zunehmend zum Schwachpunkt des Buches. Wer mit Rache-Geschichten keine Probleme (zumindest, wenn es sich bei den Objekten der Rache "nur" um Orks handelt) und auch nichts gegen ein bißchen schwülstige Seifenoper hat, dürfte mit "Hohenhag" durchaus seine Freude haben. Bei mir reicht es aber - da ich eben weder Seifenopern noch diese Art von Rache-Story mag - nur für die Note 4+.
Posted By: Ralf

Re: Der Jahrmarktsgaukler - 15/11/07 09:45 AM

SATINAVS AUGE von Tobias Radloff:

Vinsalt, kurz vor dem Tod der Kaiserin (der seit etwa einem Jahr den üblichen Thronfolgestreit zurfolge hat, hier aber eben nicht thematisiert wird): Auf der großen Einweihungsfeier des neuen Hauptsitzes des Heiligblutordens treffen sich die Wege der jungen und hitzköpfigen Gardistin Silvanessa und des tolpatschigen Zauberlehrlings Anconio. Anconio rettet Silvanessa eher ungewollt das Leben, worüber diese sich ob des gewaltsamen Todes ihres großen Bruders wenig später aber kaum freuen kann. Silvanessa kennt fortan nur ein Ziel: Rache! Doch dafür muß sie erst einmal herausfinden, wer für den Tod ihres Bruders verantwortlich ist. Dabei trifft sie zufällig erneut auf Anconio und fortan machen sie gemeinsame Sache ...

Erstmals seit längerer Zeit hat wieder mal ein etablierter DSA-P&P-Autor einen DSA-Roman veröffentlicht. Das läßt den geneigten Leser auf Großes hoffen, erinnert er sich doch freudig an die Werke von DSA-Autoren wie Karl-Heinz Witzko, Ulrich Kiesow, Lena Falkenhagen oder Bernhard Hennen. Doch für Radloff sind diese Fußstapfen im Roman-Bereich noch eindeutig zu groß!
Das Vinsalt-Setting ist zunächst mal eine willkommene Abwechslung in der sonst doch eher Mittelreich-zentrierten Roman-Reihe, doch leider macht der Autor daraus viel zu wenig. Würde die Handlung stattdessen in Gareth stattfinden, würde man das abgesehen von den Vinsalt-spezifischen Namen und Institutionen (sowie dem Rapier als Haupt-Fechtwaffe) kaum bemerken. Das typisch horasische Flair kommt in "Satinavs Auge" einfach viel zu wenig rüber.
Auch die Handlung selbst kann nur teilweise überzeugen. Für Begeisterungsstürme ist die klassische Krimi-Story viel zu altbacken, auch wenn sich schon recht bald und nicht wirklich unerwartet herausstellt, daß es noch um viel mehr geht als "nur" einen simplen Mordfall. Die Charaktere sind zwar im Großen und Ganzen glaubhaft, aber auch recht klischeebeladen: Die stürmische Gardistin, der ungeschickte Zauberlehrling, der sinistre Kirchenmann, der arrogante Hofmagier, der Gentleman-Dieb ... da ist nichts wirklich Originelles dabei.

Dazu kommt, daß dem Roman irgendwie die nötige Stringenz fehlt. Auf (durchaus vorhandene) sehr gelungene Kapitel folgen unfaßbar langweilige (es sei denn, man findet die Wirkungsweise von Uhren so ungemein spannend wie offenbar der Autor ...), auf vergnügliche Dialoge -meist zwischen Silvanessa und Anconio, deren gemeinsame Kapitel auch die absoluten Highlights des Buches sind - folgen platte oder solche, die wohl eher unfreiwillig komisch geraten sind ("Bei Rondra, bluten kann ich später!").
Immerhin ist die Geschichte aventurisch sehr authentisch sowie insgesamt gut durchkonstruiert und flüssig geschrieben. Ich habe auch schon deutlich schlechtere DSA-Romane gelesen - nur um das klarzustellen. In seinen guten Phasen weiß "Satinavs Auge" sehr wohl zu unterhalten. Aber ich hatte mir deutlich mehr erwartet.

Note 4+

Damit gibt es nun erstmals seit dem Wechsel der Reihe zu FanPro zwei Romane am Stück, die mich nicht überzeugen konnten - hoffentlich nur eine Mini-Krise ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Den Göttern versprochen - 23/11/07 07:01 PM

DEN GÖTTERN VERSPROCHEN

Gutes Buch, interessanter Einstieg in Myranor. Mit der Basisbox im Hintergrund wirkt alles noch lebendiger und plastischer.

Ein gutes Buch, für eine leckere Zwischendurchmahlzeit sehr geeignet.

2+

Posted By: Ralf

Re: Den Göttern versprochen - 14/12/07 02:32 PM

Der nächste DSA-Roman wird von einem alten Bekannten stammen, der sich allerdings schon länger nicht mehr hier gemeldet hat :

Über den Dächern Gareths

Auf diesem Wege: Glückwunsch, daß es endlich geklappt hat mit dem Roman nach zwei veröffentlichten (und guten) DSA-Kurzgeschichten.
Posted By: Ralf

Re: Den Göttern versprochen - 28/12/07 02:22 PM

IN DEN NEBELN HAVENAS:

Das Romandebüt von DSA-Redakteur Daniel Jödemann erzählt von den Erlebnissen dreier untereinander zunächst unbekannter Hauptfiguren, deren Wege sich - wie bei dieser Art von Geschichte üblich - irgendwann kreuzen werden.
Als erstes haben wir den jungen liebfeldischen Efferd-Geweihten Mero, der an seiner Berufung zweifelt und sich deshalb nach Havena versetzen läßt - in der Hoffnung, an dem Ort, den Efferd einst durch eine verheerende Flutwelle für seine Sündigkeit gestraft hat, Antworten auf seine Glaubensfragen zu erhalten ...
Dann ist da die junge Havenerin Vilai, die nach dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern deren einflußreichen Handelsbetrieb weiterführt und an dieser Aufgabe zu scheitern scheint. Nur: Offenbar ist genau das ihr Ziel ...
Und schließlich haben wir die ebenfalls junge Weißmagierin Cairbre, die aus ihrer nostrischen Magieakademie in ihre Heimatstadt Havena zurückkehrt, in der die Magie bekanntlich ausgesprochen mißtrauisch beäugt wird. So auch von Cairbres Eltern, was offensichtlich auch mit einem tragischen Ereignis aus der Kindheit der frisch gebackenen Magierin zusammenhängt ...

Streng genommen passiert im ersten Drittel des gut 300 Seiten starken Romans ziemlich wenig. Daß es Jödemann dennoch gelingt, das Interesse des Lesers wachzuhalten - und das sogar problemlos! - liegt an einem interessanten Kniff. Denn bereits in den ersten Kapiteln etabliert er um jede seiner Hauptfiguren ein Geheimnis oder Rätsel. Und die sind so interessant (zumindest zwei davon: das der Magierin ist eigentlich relativ leicht zu durchschauen, aber dafür ist sie meiner Ansicht nach der sympathischste Charakter der Geschichte), daß man unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

Erfreulicherweise wird diese hohe Erwartungshaltung, die Jödemann mit seiner Methode von Beginn an schürt, durchaus erfüllt. Es entspinnt sich eine spannende, mitunter dramatische Geschichte und speziell einer der drei charakterbezogenen Handlungsstränge entwickelt sich ausgesprochen unkonventionell. Denn eine der drei Personen ist alles andere als das, was sie zunächst zu sein scheint. Da ich nicht spoilern will, muß ich an dieser Stelle leider sehr vage bleiben, aber so viel sei gesagt: In diesem Handlungsstrang schafft der Autor es hervorragend, die Emotionen des Lesers so raffiniert zu manipulieren, daß man das zwar sehr wohl bemerkt, sich aber kaum dagegen wehren kann.
Einen interessanter zur Geltung gebrachten Antagonisten als in "In den Nebeln Havenas" habe ich jedenfalls noch nicht allzu oft kennengelernt ...

Natürlich gibt es eigentlich noch eine vierte Hauptfigur: Havena. Offensichtlich gibt es kaum eine geeignetere Stadt für einen gruseligen DSA-Roman, denn Havena mit seiner verfluchten Unterstadt, der mysteriösen Muhrsape, dem weitgehenden Magieverbot und der ambivalenten Beziehung zum Meeresgott Efferd bietet unzählige Möglichkeiten. Eigentlich erstaunlich, daß diese nicht schon öfter in der mittlerweile sehr umfangreichen DSA-Roman-Reihe behandelt wurden (soweit ich mich erinnere, nur noch in Lena Falkenhagens "Die Nebelgeister").
Und auch in Hinsicht auf die Miteinbeziehung der Stadt und ihrer Besonderheiten muß man Daniel Jödemann großes Lob aussprechen: Er bringt Havena richtig gut, atmosphärisch und anschaulich rüber; dabei hilft es natürlich auch, daß eine seiner Hauptfiguren ortsfremd ist und somit gewissermaßen die Perspektive des Lesers einnimmt.

So richtig viel zu kritisieren habe ich also eigentlich nicht. Vielleicht, daß die Geschichte insgesamt mitunter doch ein kleines bißchen zu unspektakulär daherkommt und zudem recht gemächlich startet. Vielleicht auch, daß das Finale doch ein wenig gehetzt wirkt. Zudem ist es auf gelungene Art und Weise unkonventionell, dabei aber nicht hundertprozentig befriedigend. Auch die Möglichkeit einer Fortsetzung wird übrigens offengelassen.

Aber insgesamt: Ein sehr schöner aventurischer Stadtroman mit interessanten Charakteren, spannender Handlung und erfrischend unnormaler Erzählweise. Dafür gibt es die Note 2+.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Den Göttern versprochen - 28/12/07 08:31 PM

Ich könnte nicht so lange Reviews schreiben - ist bei dir wahrscheinlich Übung - und neige auch sonst in Beurteilungen eher zum Understatement.

Ich bin mir absolut sicher, daß wegen meinem "Review" noch *keiner* das Buch "Den Göttern versprochen" gekauft hat ...

(Im Moment avanciiert er übrigens zu einem meiner Lieblingsromane - und das will etwas heißen ! )

Posted By: Ralf

Re: Den Göttern versprochen - 31/03/08 10:21 AM

ÜBER DEN DÄCHERN GARETHS von Stefan Schweikert:

Der jungen Diebin (und Magiedilettantin) Liasanya eröffnet sich die ungeahnte Chance auf ein ehrbares Leben: Der erfolgreiche Kaufherr Halbart Jalson engagiert sie, um eine mysteriöse Schatulle von einem Konkurrenten zu stehlen, als Tarnung muß sie vor und nach Erledigung des Auftrags ganz normal für Halbart arbeiten - und lernt dabei sowohl die ehrliche, körperliche Arbeit als auch Halbart zu schätzen.
Doch wie sollte es anders sein, ein schreckliches Verbrechen geschieht und aufgrund ihrer kriminellen Vergangenheit sowie ihrer magischen Fähigkeiten wird schnell Liasanya als Hauptverdächtige ausgemacht! Ihr gelingt jedoch die Flucht und gemeinsam mit einem befreundeten jungen Magier versucht sie, die wahren Umstände des Verbrechens aufzuklären ...

Zwei Vorbemerkungen:
1. "Über den Dächern Gareths" ist nach offizieller Zählung der 100. DSA-Roman! Der allerdings rund einen Monat VOR Nummer 99 erschien ... Irgendwelche Boni (außer einer großen "100" auf dem Buchrücken) gibt es leider auch nicht, selbst das aventurische Glossar fehlt ein weiteres mal. Sehr schade.
2. Das Buch ist eine direkte Fortsetzung von Schweikerts lesenswerter Kurzgeschichte "Li" in der DSA-Anthologie "Aufruhr in Aventurien". Diese vorher zu lesen ist daher sinnvoll, inhaltlich aber keineswegs zwingend notwendig.

Zum Buch selbst:
Nach "Satinavs Auge" (Vinsalt) und "In den Nebeln Havenas" ist "Über den Dächern Gareths" das dritte "Stadtabenteuer" in Folge in der DSA-Roman-Reihe. Während es jedoch ersterem kaum gelang, jemals echte Stadt-Atmosphäre aufkommen zu lassen und zweiterer aufgrund seiner Handlung sowieso nicht ganz in das Schema paßt, gelingt es "Über den Dächern Gareths" sehr gut, sein Milieu herüberzubringen - dabei spielt die Handlung nicht in den noblen Teilen der Hauptstadt des Mittelreichs, sondern eher in der Gosse bzw. den "mittleren" Gebieten. Schweikert gelingt es überzeugend, die Enge der überfüllten und verschmutzten Gassen von Meilersgrund und Co. spürbar zu machen und das Elend gerade nach dem Krieg gegen Borbarad und Galottas erst kürzlichem Angriff auf Gareth selbst zu beschreiben - gerade auch im Unterschied zu der wohlhabenderen Gegend, in der Halbart Jalson (selbst ein tobrischer Flüchtling) lebt.

Die Handlung ist an sich nicht allzu originell (und recht geradlinig erzählt), sondern eher als "klassisch" zu bezeichnen - das muß natürlich nichts schlechtes sein, aber manches ist doch etwas vorhersehbar, vor allem die Identität des Hauptschurken war mir sehr früh klar.
Einige der zahlreichen Nebenfiguren sind leider auch ein wenig klischeehaft geraten, aber dafür ist die Charakterisierung der Hauptfiguren erfreulich vielschichtig und lebensecht. Und auch die Schilderung mancher Nebenfiguren kann durchaus überzeugen, vor allem die Kriegsveteranen-Bettlerin (ihr merkt schon: es gibt auch einige passend eingesetzte gesellschaftskritische Elemente), der Hauptermittler und ein Inquisitor fallen mir da ein.

Insgesamt läßt sich "Über den Dächern Gareths" sehr flüssig und über weite Strecken spannend lesen, auch wenn echte Highlights eher spärlich gesät sind. Ehrlich gesagt schwanke ich bei der Notengebung zwischen einer glatte 2 und einer 2-.
Hmm ... machen wir mal eine 2- draus verbunden mit der Aufforderung, es beim nächsten DSA-Roman NOCH besser zu machen! \:D

Achja, es ist ja mittlerweile fast schon Tradition, aber auch diesmal muß ich mich leider wieder über das mangelhafte Lektorat von FanPro beschweren. Wobei ich ehrlich gesagt langsam das Gefühl habe, daß dieses Lektorat daraus besteht, einmal die Word-Rechtschreibprüfung drüberlaufen zu lassen und sonst nichts ...
Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber mich nerven allzu häufige und mit einem guten Lektorat allemal vermeidbare Fehler in Büchern schon sehr. :down:
Posted By: Schweige

Re: Den Göttern versprochen - 31/03/08 06:36 PM

Hallo Ralf!

Vielen Dank für die gute Rezi! Ich hab schon sehnsüchtig darauf gewarten \:\) ...

Bis dann ...
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Den Göttern versprochen - 01/04/08 02:19 AM

"gute Rezi" jetzt auf Ralfs Leistung bezogen - oder hinsichtlich der Bewertung ihres Gegenstandes, vulgo die Qualität Deines Werkes?

Ralf hatte ja durchaus ein paar Kritikpunknte angebracht! ;\)

[ Jaaa, Du brauchst ja nicht glauben, daß Du uns hier so einfach davonkommst, wenn wir schonmal den Autor höchstpersönlich hier "greifbar" haben. ]


Ragon, der DSA-Roman-Magier
\:\/
Posted By: Ralf

Re: Den Göttern versprochen - 01/04/08 09:09 AM

Schweige kann ja ganz entspannt sein: Wie ich bei alveran.org gesehen habe, zählt meine Rezension sogar noch eher zu den schlechteren - mit so einer Aufnahme kann man bei seinem Debüt sicher sehr gut leben. \:D

Und daß man sich gerade beim (zumindest veröffentlichten) Debüt nicht gleich an der komplexesten aller Storylines versucht, ist ja auch mehr als verständlich. Ich habe es bei meinem ersten Versuch (der aber nichts mit Fantasy zu tun hat und noch eine sehr umfangreiche Überarbeitung benötigt, bevor er möglicherweise halbwegs lesbar ist) ganz ähnlich gemacht. \:\)

Aber wenn du schon in der Nähe bist, Schweige, dann fallen mir gerade noch zwei Punkte ein, auf die ich beim Lesen gestoßen bin:
1. Auf den ersten 20, 30 Seiten hatte ich das Gefühl, daß du versucht hast, recht blumig zu schreiben. Für meinen Geschmack sogar ein bißchen zu sehr. Danach ist mir dann aber nichts mehr aufgefallen. Also habe ich mich entweder schnell an den Stil gewöhnt oder er hat sich geändert. Kann das sein? Daß du möglicherweise am Anfang bewußt darauf geachtet hast, möglichst "schön zu schreiben" und nach einer Weile dann eher wieder in den "normalen" Schreibstil verfallen bist? Aber womöglich bilde ich mir das auch nur ein. \:\)
2.
Warning, Spoiler:
Bei dem - übrigens sehr schön erzählten! - Rückblick auf die Schlacht bei den Trollpforten kommt ja ein mächtiger Magier vor. Da ich die "Sieben Gezeichneten"-Kampagne nicht gespielt habe und der Aventurische Bote eher spärlich über die Geschehnisse berichtet hat, bin ich in der Thematik nicht ganz so gut informiert und daher die Frage: War das nur irgendein mächtiger Magier oder eine Meisterperson? Zunächst dachte ich ja sogar an Borbarad selbst, aber die Erwähnung der Robe läßt mich doch eher Galotta vermuten - nicht daß Galotta der einzige ehemalige Weißmagier unter Borbarads Truppen gewesen wäre, aber trotzdem ...

Posted By: Schweige

Re: Den Göttern versprochen - 01/04/08 04:58 PM

Ich kann mit Ralfs Rezi sehr gut leben. Immerhin ist es kein "Verriss", sondern spricht "Mängel" an, die auch schon andere angesprochen haben.

Und, ich schätze Eure Meinung (nicht nur die von Ralf), da wir uns hier schon ausführlich über DSA-Romane unterhalten haben und ich weiß, woran ich bin ... ;\)

Zu der Kritik:

Die Storyline ist wirklich bewusst "simpel" gehalten. Ich hab schon einige Bücher gelesen, die sich in Parallelhandlungen, Zeitsprüngen usw. verzettelt haben. Als "Neuling" wollte ich mich hier wirklich nicht "überfordern". Außerdem wollte ich die Geschichte konsequent aus der Perspektive der Hauptperson (Li) schreiben. Wie wir hier schon diskutiert haben, mag ich eigentlich keine Geschichten, in denen die Erzählperson permanent wechselt. Das muss man wirklich beherrschen. Ab dem zweiten Kapitel durfte/musste dann auch Seth gelegentlich erzählen, da ich sonst wiederum zu "hässlichen Tricks" greifen hätte müssen, um die Sachen zu schildern, die in Lis Abwesenheit geschahen. Prolog/Epilog/Zwischenspiele bilden natürlich eine Ausnahme.

Drei Hauptmängel wurden in den meisten Rezis angesprochen:
Erstere hat Ralf nicht gestört: Einige Rezesenten hatten beklagt, dass zu wenig garethisches Lokalkolorit herrscht, also zu wenig beschrieben wird, wie es wo aussieht und so. Das könnte ich jetzt wieder auf die Erzählperspektive schieben, da sich meine "Helden" als "Einheimische" ja wohl kaum über irgendwelche "Sehenswürdigkeiten" auslassen würden. Aber das Problem haben andere Autoren schon viel besser gelöst. Ich gelobe Besserung!

Zweitens sind einige Personen etwas flach geraten. OK! Auch richtig. Und gerade bei meinem Inquisitor ärgert es mich geradezu, da ich ihn (im Kopf) eigentlich ganz anders angelegt hatte ...

Dazu passt auch Hauptkritikpunkt drei: Dass die Auflösung/der Bösewicht zu offensichtlich und die Hinleitung zum Showdown etwas "an den Haaren herangezogen" wurde.

Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich ab dem Dritten und besonders im Vierten Kapitel nur noch fertig werden wollte, und so einige Nebenhandlungen schlicht aus den Augen verloren habe.
Schade ...

Zu Ralfs neuer Post:

In wie weit sich mein Schreibstil im Laufe der Geschichte verändert, kann ich nicht sagen, es kann aber schon sein, gerade der erste Teil ist doch schon ein paar Jahre alt und sehr oft überarbeitet worden.

Und die Person aus deiner zweiten Frage entsprang ganz allein meiner Fantasie, ich hab die erwähnte Kampagne auch nicht gespielt, aber ich denke, es ist platz genug für einen weiteren mächtigen M... und sollte es Ähnlichkeiten zu "offiziellen" Personen und Ereignissen geben, so wäre das ... nett ;\)

So meine erste Antwort ist doch recht lange geworden. Ihr seht schon, ich rede/schreibe gerne darüber \:\) \:\) \:\) ... wäre es jetzt Wochenende, so wäre meine Antwort wohl noch viel länger geworden ... aber was nicht ist ...
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Den Göttern versprochen - 01/04/08 05:29 PM

Schon recht so.

Wie gesagt, wenn man schonmal den Autoren da hat... dann kann man die Rezeption gleich nochmal um einige Dimensionen vertiefen.
(Also, Ralf kann - ich hab´s ja noch nicht gelesen. aber ich lese gern drüber! ;\) )


Ragon, der leider schon lange nicht mehr seine "magische Bibliothek" erweitern konnte. \:\(
Er versinkt immer schon in den täglichen Periodika.
\:\/
Posted By: Ralf

Re: Den Göttern versprochen - 01/04/08 07:54 PM

 Originally Posted By: Schweige

Drei Hauptmängel wurden in den meisten Rezis angesprochen:
Erstere hat Ralf nicht gestört: Einige Rezesenten hatten beklagt, dass zu wenig garethisches Lokalkolorit herrscht, also zu wenig beschrieben wird, wie es wo aussieht und so. Das könnte ich jetzt wieder auf die Erzählperspektive schieben, da sich meine "Helden" als "Einheimische" ja wohl kaum über irgendwelche "Sehenswürdigkeiten" auslassen würden. Aber das Problem haben andere Autoren schon viel besser gelöst. Ich gelobe Besserung!


Daß mir das nicht aufgefallen ist, liegt vermutlich daran, daß ich schon lange kein P&P-Spieler mehr bin und somit zwar genug Ahnung von Gareth habe, um es in der athmosphärischen Schilderung wiederzuerkennen - aber nicht genügend, um eventuell fehlenden Detailreichtum in dieser Schilderung zu bemerken ... ;\)

 Originally Posted By: Schweige

Zweitens sind einige Personen etwas flach geraten. OK! Auch richtig. Und gerade bei meinem Inquisitor ärgert es mich geradezu, da ich ihn (im Kopf) eigentlich ganz anders angelegt hatte ...


Eigentlich fand ich den Inquisitor gut getroffen. Okay, man merkt schon, daß du ursprünglich noch mehr mit ihm vorhattest - aber auch so gibt es genügend Andeutungen und sind genügend Facetten an seiner Person, daß man mit etwas Phantasie weit mehr als das typische Inquisitor-Klischee erkennen kann. Ich fand das so eigentlich genau richtig - subtil und unaufdringlich, aber eindeutig vorhanden. \:\)

 Originally Posted By: Schweige
Dazu passt auch Hauptkritikpunkt drei: Dass die Auflösung/der Bösewicht zu offensichtlich und die Hinleitung zum Showdown etwas "an den Haaren herangezogen" wurde.


Yep, das empfand ich auch ein bißchen so.

 Originally Posted By: Schweige
Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich ab dem Dritten und besonders im Vierten Kapitel nur noch fertig werden wollte, und so einige Nebenhandlungen schlicht aus den Augen verloren habe.
Schade ...


Sieh´s mal so: Es gibt viiiiel Material für eine Fortsetzung! \:D
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Den Göttern versprochen - 01/04/08 10:47 PM

Manchmal denke ich: Ich würde auch mal ganz gerne für DSA schreiben.

Nur leider weiß ich ganz genau, daß ich da nicht tief genug drinstecke, um wirklich ein Feingefühl für diese Welt entwickeln zu können ... \:\(

Zumal ich wohl leider sowieso Abitionen hätte, etwas *eigenes* daraus zu machen ...

Und zum schluß kommt leider noch hinzu, daß ich mich trotz allem immernoch viel zu leicht abschrecken lasse.
Posted By: AlphaZen

Re: Den Göttern versprochen - 04/04/08 10:08 AM

Das mit dem schlechten Lektorat ist mir auch schon aufgefallen. Fehlende Buchstaben oder gar Wörter fallen mir so gut wie immer auf und es stört meinen Lesefluss erheblich, da damit der ganze Abschnitt auf mich irgendwie falsch wirkt. Ich bin da empfindlich. \:D

Wie auch immer, schön, das wohl wieder mal ein gutes DSA-Buch rausgekommen ist. Das letzte, das ich mir zugelegt hab, war der erste Teil der Hjaldinger-Saga. Der wurde ja recht gelobt, aber ich bin damit erst im letzten Viertel warm geworden. Trotzdem bin ich auf die Fortsetzungen gespannt, das hat das Buch dann doch noch zum Ende hin geschafft. ^^
Posted By: Ralf

Re: Den Göttern versprochen - 04/04/08 10:48 AM

Das Buch habe ich zwar schon, will es aber erst lesen, wenn die Reihe komplett ist. Zwischenzeitlich sah es ja so aus, als ob es gar keine Fortsetzungen mehr geben würde, aber inzwischen hat sich Autorin Daniela Knor glücklicherweise mit FanPro geeinigt - es wird aber noch bis 2009 dauern, bis der zweite Teil rauskommt ...
Posted By: Ralf

Re: Den Göttern versprochen - 18/06/08 05:32 PM

Ts. Ausgerechnet Tobias Radloffs "Satinavs Auge", den ich für einen der schwächsten DSA-Romane der letzten Jahre halte, wurde als erster DSA-Roman für den Deutschen Phantastik-Preis nominiert ... (wo er übrigens u.a. gegen Bücher der (Ex-)DSA-Autoren Bernhard Hennen und Tom Finn antritt)
Posted By: Ralf

Re: Den Göttern versprochen - 16/07/08 11:51 AM

GEWITTERTAGE von Jana M. Eilers:

Eine geradezu klassische, aber noch unerfahrene Heldengruppe (Krieger, Söldner, Magier, Gaukler, Halbelfe) übernimmt einen simplen Botenauftrag nach Vinsalt, der sich am Ziel der Reise als unerwartet kompliziert erweist. Denn die Adressatin der Botschaft, eine unwichtige Händlerin, wurde kurz zuvor ermordet. Da die Heldengruppe ihren Auftrag sehr ernst nimmt, entschließt sie sich, den Mord aufzuklären - und gerät daher mit der Diebesbande des gerissenen Al´Anfaners (gibt es eigentlich Al´Anfaner, die NICHT gerissen sind? \:-D ) Capto aneinander ...

Vor ein paar Tagen habe ich mal bei alveran.org reingeschaut und da gab es bereits drei Rezensionen zum Roman: Eine extrem positive. Eine extrem negative. Eine extrem mittelmäßige. Man kann wohl sagen, daß dieses Buch nicht jedermanns Geschmack trifft. Und das dürfte vor allem an der sehr fragmentierten Erzählweise liegen. Denn anders als man zu Beginn erwarten würde, stehen die fünf Helden keineswegs im Zentrum der Geschichte. Vielmehr müssen sie sich den Platz gleichberechtigt mit dem knappen Dutzend Gaunern aus Captos Bande teilen. Diese Erzählweise mit Perspektivwechseln mehr oder weniger nach jeder zweiten Seite fördert naturgemäß nicht gerade den Lesefluß, zudem ist es schwierig, die Charaktere wirklich kennenzulernen. Ich meine: 100 Seiten, die in etwa gleichmäßig auf ein gutes Dutzend Figuren verteilt sind - da braucht man kein Abitur, um sich auszurechnen, daß nicht viel Platz für jeden übrigbleibt ...
Als die Autorin dann nach etwa 100 Seiten NOCH EINE WEITERE Diebesbande einführte, war ich ernsthaft der Verzweiflung nahe!
Doch zum Glück wird es stattdessen ziemlich genau ab dieser Stelle deutlich besser. Die im Grunde extrem simple Story um Mörder- und schließlich auch Schatzjagd nimmt deutlich an Fahrt auf und wird auch noch durch etliche Ränkespiele zwischen und innerhalb der Diebesbanden aufgelockert. Allerdings muß zu letzteren angemerkt werden: Der Maßstab für dieses Untergenre wurde innerhalb der DSA-Roman-Reihe eindeutig von den brillanten Intrigen in den Al´Anfa-Romanen von Alex Wichert (und ihren Co-Autorinnen bei "Rabengeflüster") gesetzt. Und an diesen Maßstab kommt "Gewittertage" bei weitem nicht heran. Die hier geschilderten Ränkespiele sind nett ausgedacht und unterhaltsam zu lesen - brillant sind sie bestimmt nicht!

Ein Highlight des Buches ist sicherlich der zentrale Kampf, der in aller Ausführlichkeit und Detailverliebtheit von der Autorin beschrieben wird. Das mag manchem etwas ZU lang und ausführlich sein, mir hat es gut gefallen. Die Kämpfe zwischen den einzelnen Personen sind sehr nachvollziehbar und überwiegend glaubwürdig geschildert (etwas, was man nicht von allen Kampfszenen in Fantasy-Romanen behaupten kann ...), es gelingt der Autorin tatsächlich, die Kampfszenen vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen. Das nötigt Respekt ab!
Überhaupt läßt sich sagen, daß "Gewittertage" nach der übertrieben langen Quasi-Einleitung zu einem Buch für Actionfreunde wird, die sich an detaillierten Beschreibungen von Kämpfen und Fluchtversuchen erfreuen.
Daß dabei die sprachliche Qualität schwankt, manche Metaphern und ähnliche Stilmittel etwas holprig wirken und manches Verhaltensmuster der Figuren nicht hundertprozentig nachvollziehbar ist, kann man einer Roman-Debütantin - die das Buch noch als Schülerin geschrieben hat! - kaum verdenken, zumal es das Lesevergnügen nur marginal trübt. Gleiches gilt für die Tatsache, daß zwar immer mal wieder die Menschenmassen auf den Straßen Vinsalts alibihaft erwähnt werden, man bei den angesprochenen Kampf- und Jagdszenen aber trotzdem das Gefühl hat, daß die ganze Stadt einzig von den handelnden Figuren dieser Geschichte bewohnt wird ...

Ausdrücklich loben möchte ich, daß die Autorin weitgehend erfolgreich versucht, die üblichen Klischees dieser Art von Handlung zu umschiffen, was dafür sorgt, daß Spannung - so sie erstmal endlich richtig aufgebaut ist - bis zum Ende nicht mehr nachläßt. Richtig vorhersehbar ist bei dieser Handlungsentwicklung jedenfalls nur wenig. Dennoch wirkt das seltsam antiklimaktische Ende der Geschichte nicht ganz befriedigend. Es ist fast, als würde "Gewittertage" nicht eine echte Geschichte mit Anfang und Ende erzählen, sondern vielmehr einfach wahllos ein paar Tage aus dem Leben der Protagonisten herausgreifen. Das ist - wie die (wohl durchaus realitätsnahe) Aufhebung der Unterscheidung zwischen eindeutigen Pro- und Antagonisten - ein mutiger Versuch, der nicht hundertprozentig funktioniert, aber auch bei weitem nicht mißlingt. Ein Problem der gleichberechtigten Darstellung der Figuren ist und bleibt natürlich die mangelnde Identifikation des Lesers mit ihnen. Zumal ehrlich gesagt die fünf Helden nicht wirklich sympathisch rüberkommen, zu Beginn sogar eher nervig kindisch. Aber angesichts ihrer (wenngleich etwas überspitzten und allzu plakativen) Wandlung im Rahmen der fortlaufenden Ereignisse wohl sogar so gewollt.

Ihr merkt es sicher schon: Man kann vieles über "Gewittertage" schreiben. Viel Gutes, aber auch viel Schlechtes. Und ich bin in der Tat hin- und hergerissen, was die Bewertung des Buches betrifft. Als Fazit läßt sich festhalten, daß Jana M. Eilers hier eine ausgesprochen unoriginelle Geschichte überraschend originell (auch und gerade formal) erzählt. Leider trübt der sehr zähe Einstieg das Gesamtbild deutlich, weshalb mehr als die Note 3- einfach nicht drin ist. Aber verbunden noch einmal mit dem eindeutigen Hinweis, daß der letzte Eindruck des Romans deutlich besser ausfällt als der erste (und zweite und dritte ;\) ).
Vielleicht gibt es ja sogar mal eine Fortsetzung, das Ende läßt die Möglichkeit allemal offen ...

P.S.: Achja, leider gilt es ein weiteres Mal, das mangelhafte Lektorat zu kritisieren. Vor allem zum Ende hin häufen sich die Fehler leider. Immerhin gibt es diesmal nach längerer Zeit wieder ein Glossar.
P.P.S.: Eher unglücklich finde ich auch, daß "Gewittertage" nun bereits der vierte Stadtroman in Folge war (wenn man den ersten Teil der Answin-Biographie nicht mitzählt). Immerhin: Der Titel des nächsten, angeblich bereits im August erscheinenden Romans läßt ein Ende dieser Serie erhoffen: "Die rote Bache". \:\)
Posted By: Kunar

Geburt eines Abenteurers - 16/08/08 01:38 PM

Nachdem ich mir eine Übersicht mit Ralfs und Schweiges DSA-Romanbewertungen gebastelt hatte, habe ich mir einige DSA-Bücher gebraucht gekauft. "Blutopfer" von Barbara Büchner war das erste davon, welches ich gelesen habe. Eigentlich waren die bisherigen literarischen Ergüsse, welche ich von Büchner kenne ("Seelenwanderer" und eine Kurzgeschichte in "Von Menschen und Monstern") eher abschreckend. Andererseits spielt "Blutopfer" in Lowangen, dem Svellttal und dem Orkland (alles Regionen und Orte aus der Nordlandtrilogie!), so dass ich ihm doch eine Chance geben wollte.

Roisin Bellentor ist von Beruf Sohn. Von seinem Vater, einem reichen Händler in Lowangen, wird er für einen Nichtsnutz gehalten. Zwar kann er sich den ganzen Tag diversen körperlichen Freuden hingeben, ist jedoch auf Dauer damit unzufrieden. Dazu kommt, dass er ein Magiedilettant ist und seine Fähigkeit, unbewusst das Geschirr im Schrank klappern zu lassen, den anderen gehörig auf die Nerven geht.

Dieser Alltag ändert sich, als sein Freund bei der Akademie der Verformungen seinen Abschluss macht und bald darauf einen Auftrag seines Meisters erhält: Er soll ins Orkland ziehen, um den Nachtwandlern, einem seltsamen und unbekannten Chimärenvolk, zu helfen. Roisin muss aus einem zunächst geheimen Grund unbedingt mitkommen. Seine Frau, eine Thorwalerin aus Olport, die ihn nur aufgrund ihrer Armut geheiratet hat, freut sich über die Abwechslung und kommt mit. Der Akademieleiter heuert noch einen Wildnisführer und eine Söldnerin an und die Gruppe ist komplett.

"Blutopfer" bietet mehr Stimmung als Spannung. Das ist schön zu lesen. Kein Wunder, wurden doch viele Inhalte, insbesondere Erzählungen und Personen, aus der Orklandbox übernommen. Viel Hintergrundwissen aus der Box wird durch den Kundschafter erzählt. Auf ihrem Weg haben die fünf Protagonisten typische Reiseereignisse fürs Svellttal und das Orkland. Der Höhepunkt des Romans ist ok und die Rückreise trotz einiger Wiederholungen ebenfalls lesenswert.

Dennoch findet ein DSA-Kenner eine Menge zum Meckern: Es ist z.B. unwahrscheinlich, dass die Reisebegegnungen in schöner Regelmäßigkeit auftreten wie in dem Buch. Die auf dem Hinweg zurückgelegte Strecke ist reichlich unlogisch: Am ersten Tag fährt man bis nach Svellmia und dann benötigt man noch zwei Tage bis Tiefhusen, obwohl der Svellt hier viel schneller fließt. Bei den doppelten Beschreibungen auf dem Hin- und Rückweg fragt man sich, ob das Buch eventuell anders geplant war ohne Schlussteil. Unklar bleibt, ob das Schloss, in dem die Chimären wohnen, von Zwergen oder Kopffüßlern erbaut wurde (oder teils-teils). Im Roman finden sich hierzu an verschiedenen Stellen unterschiedliche Angaben. Auch wirkt es sehr seltsam, dass eine freiheitsliebende Thorwalerin sich für Geld in eine Händlerfamilie einheiratet, anstatt mit ihrer Sippe auf Beutefahrt zu gehen.

Trotz der schönen Reisebeschreibungen ist "Blutopfer" alles andere als ein Meisterwerk von Barbara Büchner. Dafür hat sie einfach zu viel direkt aus der Orklandbox abgeschrieben. Ich habe mir den Spaß gemacht und im Artikel über das Buch in der Wiki Aventurica alle Parallelen aufgelistet, die mir aufgefallen sind. So kann jeder, der den Roman und die Box hat, das selbst überprüfen. Ein DSA-Spieler weiß, dass viele Informationen aus den Regionalbeschreibungen keinem gewöhnlichen Bewohner Aventuriens bekannt sind. Deswegen funktioniert der Kniff, dass sich Personen unterhalten und dabei Texte aus der Orklandbox abspulen, nicht oder wirkt zumindest sehr unaventurisch.

Zudem ist Büchners Eigenanteil zu wenig überzeugend: Im Orkland leben gutartige Chimären, die zwar wenigen Leuten bekannt sind, aber dennoch von Magiern und Forschern weit und breit geschätzt werden. Das direkte Tor zu Borons Hallen soll mystisch-überderisch erscheinen, wirkt aber dennoch trivial. Natürlich muss der Gegner irgendetwas mit Dämonen zu tun haben. Die seltsame Prophezeihung am Anfang, in der schon der Name einer später auftretenden Person genannt wird, rundet diesen negativen Eindruck ab.

Insgesamt bleibt eine nett zu lesende Reisebeschreibung einer Gruppe, die durchs Svellttal und das Orkland zieht. Den überderischen Kram, der in dem Buch dargestellt wird, würde ich hingegen mit einem Schulterzucken ignorieren und ganz gewiss nicht in meine Vorstellung Aventuriens übernehmen.

Für ein Buch von Barbara Büchner ist "Blutopfer" erstaunlich gut, weil sie so viele Texte anderer Autoren verwendet hat. Dass man aus Beschreibungen in DSA-Publikationen einen überzeugenden Roman schreiben kann, ohne platt abzukupfern, hat Daniela Knor mit ihren Werken "Roter Fluss" und "Der Tag des Zorns" gezeigt. Wer einen guten DSA-Roman lesen möchte, der im Svellttal spielt, dem sei "Das letzte Lied" empfohlen.
Posted By: Ralf

Re: Geburt eines Abenteurers - 16/08/08 01:44 PM

 Originally Posted By: Kunar

Für ein Buch von Barbara Büchner ist "Blutopfer" erstaunlich gut, weil sie so viele Texte anderer Autoren verwendet hat.


Interessant. Ich hatte mich schon gewundert, warum dieses Buch sich von den anderen der Autorin in der Tat deutlich positiv abhebt. Wieder mal dazu gelernt. \:\)
Posted By: Ralf

Re: Geburt eines Abenteurers - 24/11/08 10:33 AM

DIE ROTE BACHE von Dietmar Preuß:

Nachdem Beolf und Sidra im Vorgänger "Hohenhag" eine fünfjährige Gefangenschaft bei den Orks überstehen mußten, sehen sie sich nun mit einer mächtigen Goblinschamanin konfrontiert, die mithilfe des titelgebenden Goblinidols die einzelnen Stämme vereinigen und einen eigenen Goblinstaat im Norden Andergasts schaffen will. Dazu kommt, daß sie einen menschlichen Verräter als Verbündeten hat, der offenbar ein mit Beolf befreundeter Soldat ist. Um herauszufinden, welcher Soldat, macht sich Beolf mit den in Frage kommenden Soldaten auf den Weg, angeblich um die Rote Bache an einem magischen Ort zu zerstören - doch in Wahrheit soll so lediglich der Verräter zum Handeln gezwungen werden ...

"Die rote Bache" weist in etwa die gleichen Stärken und Schwächen auf wie schon "Hohenhag". Das Setting (das zudem etwa 1400 Jahre in der aventurischen Vergangenheit spielt) ist interessant und ungewohnt, der Schreibstil des Autoren flüssig und die Geschichte trotz großer Vorhersehbarkeit recht spannend erzählt, zudem gibt es mit der Goblinschamanin eine überzeugende Antagonistin.

Leider ist die einzige inhaltliche Überraschung auf den 340 Seiten die Tatsache, daß es keinerlei inhaltliche Überraschung gibt! Dazu kommt die ziemlich eindimensionale Beschreibung der meisten Romanfiguren und die bedauerliche Tatsache, daß Hauptfigur Beolf diesmal arg arrogant und teilweise auch ziemlich dämlich rüberkommt. Zunächst befürchtete ich schon, das wäre nicht mal Absicht des Autors, aber wie sich später herausstellt, handelt es sich wohl um seinen Beitrag zum Thema "Macht verdirbt den Charakter (zumindest ein bißchen)". Das mag man in der hier gezeigten Konsequenz theoretisch sogar anerkennden konstatieren - nur leider gibt Beolf somit keine sonderlich geeignete Identifikationsfigur für den Leser ab. Das war in "Hohenhag" besser gelöst.

Insgesamt hatte ich mich gedanklich dennoch bereits auf die Gesamtnote 3 eingestellt, doch dann kam das große Finale. Und das ist leider zu einer arg archaischen Metzelei samt geschmackloser Schlußszene verkommen, weshalb ich das Buch letztlich ziemlich unbefriedigt aus der Hand legte und froh war, endlich durch zu sein. Damit ist "Die rote Bache" in meinen Augen gerade mal ausreichend, sprich: Note 4 ("Hohenhag": 4+).

Man kann damit wohl sagen, daß Preuß´ Stil nicht unbedingt mein Fall ist. ;\)
Posted By: Kunar

Wer zu spät kommt, den bestraft der Leser - 16/12/08 12:11 AM

"Satinavs Auge" ist der erste DSA-Roman von Tobias Radloff. In einem Interview hatte er schon einiges zum Roman erzählt, was Interesse auf mehr weckte. Die eigentliche Handlung ist schnell erzählt:

Silvanessa, ambitionierte Gardistin, und Anconio, ungeschickter Magierlehrling, versuchen zunächst unabhängig voneinander einen Überfall bzw. Mord aufzuklären. Schnell wird ihnen jedoch klar, dass sie nur gemeinsam Erfolg in ihren Bestrebungen haben können. Richtig, die Handlung folgt dem klassischen "Buddy-Movie" im Ermittler-Milieu: Zwei unterschiedliche Charaktere raufen sich zusammen, um einen Fall zu lösen.

Es handelt sich um eine Detektivgeschichte im Horasreich, die Actionfilmklischees in einem Mantel- und Degen-Ambiente ansiedelt. Das Problem dabei ist, dass das einige Zeit sehr gut funktioniert, aber gerade beim Spannungshöhepunkt stört. Dieser fällt deutlich ab, ziemlich genau ab dem Kampf in Aldyra, der sehr unrealistisch wirkt. Kurze Textabschnitte mit offenem Ende öden nur an und zeigen deutlich, dass eine schnelle Szenenabfolge zur Spannungserzeugung vielleicht in einem Film funktioniert, aber nicht in einem Buch. Das Finale ist deutlich von Indiana Jones (auf der Suche nach dem Gral oder, wie nur im Computerspiel, nach Atlantis) inspiriert. Unnötig ist meines Erachtens vor allem die Gefahr, die von Satinavs Auge ausgeht. Hier hätte man besser einen klassischen "MacGuffin" verwenden sollen. Muss es denn immer gleich um soviel gehen?

Die im Roman vorkommenden Figuren sind einfach, der Plot leicht durchschaubar. Das "Wer war's" ist schnell beantwortet und dürfte für regelmäßige Krimigucker keine Überraschungen bieten. Sowohl die falschen Spuren als auch die Enthüllung der Vergangenheit sind vorhersehbar. Es fehlt eine ironische Brechung, der übliche Plot und die Figurenkonstellation müssten persifliert werden, um der altbackenen Geschichte neuen Reiz zu verleihen. Stattdessen bleibt das Buch trotz einiger lustiger Stellen todernst.

Überrascht hat mich nur, wie viele wichtige Nichtspielercharaktere entsorgt werden. (*) Der Roman mag überzeugen, wenn es um die korrekte Schilderung sehr vieler aventurischer Details geht. Allerdings macht sich umgekehrt hier das Fehlen eines Indizes bemerkbar, der diese Ausdrücke für Neulinge erläutert. Einen guten Einfall stellt die Idee dar, die typische Bettszene absichtlich nur in der Fantasie des Helden stattfinden zu lassen. Zudem ist sie aus der Handlung motiviert und nicht reiner Selbstzweck, dazu noch humorvoll aufgelöst. Das Titelbild könnte einen Gargyl darstellen, wirkt aber dennoch abschreckend auf Außenstehende. Mich hat man im Bus sehr belustigt darauf angesprochen.

Unterm Strich bleibt ein Roman, der zwar sprachlich solide geschrieben ist, in Handlung und Personen jedoch so wenig Neues bietet, dass er mindestens zwanzig Jahre zu spät kommt. Welch Ironie, wenn man bedenkt, dass im Titel ausgerechnet der Zeitfrevler Satinav vorkommt.

*
Warning, Spoiler:
Meister Taborax, Xhindan, die Kaiserin


Anbei eine Liste der Klischees, die im Buch vorkommen:
  • der fähige, aber verbohrte Kämpfer, dessen Freund/Partner/naher Verwandter nach einem Streit vor seinen Augen ermordet wird
  • der nette Tollpatsch, der so gerne ein Held wäre
  • der leicht reizbare Vorgesetzte, der den Helden wegen Regelübertretungen kritisiert und die Ermittlungen verbietet / entziehen will
  • die stets unzufriedenen Chefs / Eltern, die den Helden schikanieren und dadurch noch sympathischer machen
  • der Freak, welcher lang und breit eine Geschichte erzählt und damit den Helden nervt (und gleichzeitig später nötiges Spezialwissen gibt)
  • der edle Dieb, der sich für die Unterdrückten und Armen einsetzt
  • der zwielichtige und skrupellose Machtmensch, der Zweifler nicht duldet
  • der eiskalte Killer, bisher ungeschlagen im offenen Kampf
  • eine tragische Familiengeschichte in der Vergangenheit des Helden, die im Rahmen des Falls wieder hervorkommt
  • die Helden sind eigentlich schon zwei- bis dreimal erledigt, holen aber aus unerfindlichen Quellen noch einmal mehr Energie zum finalen Schlag / Zug
  • theatralischer bis sensationeller Abgang der Bösen
  • Überfall auf Unschuldige, die Schlüsselstücke in Verwahrung haben (dramatische Rettungsszene)
  • Szene in der Gerichtsmedizin
  • Ende: Wie nach einem Pilotfilm ("es gibt viel zu tun"), absichtlich vage gehalten, damit es bei Erfolg weitergehen kann


Insgesamt stimme ich also Ralfs Rezension vollkommen zu, auch wenn ich es in eigenen Worten ausdrücken möchte. Wenigstens in einem Punkt gibt es Erleichterung:

 Originally Posted By: Ralf
Ts. Ausgerechnet Tobias Radloffs "Satinavs Auge", den ich für einen der schwächsten DSA-Romane der letzten Jahre halte, wurde als erster DSA-Roman für den Deutschen Phantastik-Preis nominiert ... (wo er übrigens u.a. gegen Bücher der (Ex-)DSA-Autoren Bernhard Hennen und Tom Finn antritt)


Es blieb zum Glück bei der Nominierung für Deutschen Phantastik-Preis 2008, denn gewonnen hat schließlich "Tintentod" (alis Tintenwelt 3) von Cornelia Funke.

Wenn ich mir allerdings die anderen Nominierungen in der Kategorie "Bester deutschsprachiger Roman" ansehe, läuft's mir kalt den Rücken runter:
  • Bernhard Hennen: (Elfenritter 1) Die Ordensburg (Heyne, 2007, ISBN 978-3-453-52333-3)
  • Christoph Hardebusch: Die Schlacht der Trolle (Heyne, 2007, ISBN 978-3-453-53270-0)
  • Cornelia Funke: (Tintenwelt 3) Tintentod (Dressler, 2007, ISBN 978-3-7915-0476-6)
  • Stephan R. Bellem: (Die Chroniken des Paladins 1) Tharador (Otherworld, 2007, ISBN 978-3-9502185-6-5)
  • Susanne Gerdom: Elbenzorn (Piper, 2007, ISBN 978-3-492-70116-7)
  • Thomas Finn: (Die Chroniken der Nebelkriege 3) Die letzte Flamme (Ravensburger, 2007, ISBN 978-3-473-35272-2)
  • Tobias Radloff: (DSA 97) Satinavs Auge (Fantasy Productions, 2007, ISBN 978-3-89064-495-0)

Christoph Hardebuschs zweites Trollbuch habe ich gerade durch. Eine genaue Rezension soll noch folgen, aber es sei schon jetzt gesagt, dass es die übliche Fantasy-Hausmannskost ist, die keinen Veteranen vom Hocker reißen wird. Von Bernhard Hennens Elfenbüchern kenne ich die ersten drei Teile, die eine sehr schwankende Qualität besitzen. Von den restlichen Nominierungen kenne ich nichts, finde es aber beachtlich, wie viele Fortsetzungen sich insgesamt darunter befinden (mindestens vier!). Da scheint in der deutschen Fantasyromanszene nicht viel los zu sein. Allerdings sieht der offizielle Internetauftritt des Preises so amateurhaft aus, dass da nicht viel hinterzustecken scheint. Zudem erfolgten die Nominierungen per E-Mail durch die Leser, d.h. die breite Masse zeichnet aus. Da wundert einen nichts mehr.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Wer zu spät kommt, den bestraft der Leser - 16/12/08 12:56 PM

Bei solchen Kritiken frage ich mich immer wieder, ob es überhaupt noch möhglich ist, einen *originellen* Roman zu schreiben.

Mir persönlich würde da nichts einfallen.

Also lasse ich es besser gleich bleiben.
Posted By: Ralf

Re: Wer zu spät kommt, den bestraft der Leser - 16/12/08 05:32 PM

Es ist ja nicht mal so wichtig, einen wirklich originellen Roman zu schreiben. Das ist ja bei der Menge an veröffentlichten Büchern aus allen Genres in der Tat nur noch schwer möglich.
Aber wie heißt es so schön und keineswegs fälschlicherweise? Besser gut geklaut als schlecht erfunden. Ärgerlich (für den Leser) wird´s nur, wenn man schlecht klaut ... ;\)
Posted By: Ralf

Re: Wer zu spät kommt, den bestraft der Leser - 04/01/09 10:39 AM

DAS ZEPTER DES HORAS von Henning Mützlitz und Christian Kopp:

Als der horasische Adlige Darian eine kryptische Nachricht von einem entfernten Bekannten, dem umstrittenen Magister Crano erhält, macht er sich auf den Weg, um herauszufinden, was Crano eigentlich von ihm will (zumal er dank gewisser Eheschwierigkeiten sowieso nur nach einem Grund gesucht hat, auf Reisen gehen zu können ;\) ). Wie sich herausstellt, ist Magister Crano, der eigentlich archäologische Ausgrabungen leiten sollte, seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Also macht sich Darian mit einigen Gefährten auf die Suche und stößt dabei auf gleichzeitig faszinierende und gefährliche Geheimnisse aus der horasischen Vergangenheit ...

"Das Zepter des Horas" erzählt eine durchaus spannende Geschichte, auch wenn sie sich letztlich nur um den berühmten "McGuffin" dreht. Und das ist durchaus kein Zufall, denn das ganze Buch könnte eigentlich auch "Indiana Darian und das Zepter des Horas" heißen. Sprich: Es handelt sich um einen sehr actionbetonten Abenteuerroman in Aventurien. Leider wird die "Indy"-Qualität allerdings kaum einmal erreicht. Zwar ist die Abenteurergruppe recht innovativ, da sehr hochkarätig zusammengesetzt (neben dem adligen Darian gehören noch ein Rondra-Geweihter, ein Praios-Geweihter, eine Draconiterin und ein Maraskaner dazu), aber nicht allzu überzeugend präsentiert. Zumindest für meinen Geschmack sind und handeln die Charaktere viel zu extrem, was ihrer Glaubwürdigkeit nicht guttut. Oftmals wirkt das Verhalten einfach nur kindisch (und auf männlicher Seite übrigens sehr machohaft).
Eine Ausnahme ist dabei der Rondra-Geweihte. Der verhält sich zwar auch ziemlich extrem, zu ihm paßt das aber und er wirkt sogar authentischer als viele allzu umgänglich dargestellte Rondrianer in anderen DSA-Romanen. Allerdings macht ihn das nicht übermäßig sympathisch und das ist zugleich das nächste Problem des Buches: Es fehlen wirkliche Sympathieträger. Zwar handelt es sich bei der Gruppe streng genommen durchaus um Helden (da sie überzeugt gegen das namenlose Böse kämpfen), aber offensichtlich können auch echte Helden echte Arschlöcher sein ...

Mir geht es ja gar nicht darum, daß alle Roman-Protagonisten immer Strahlemänner sein müssen. Keineswegs. Ich habe auch schon Bücher gelesen, die aus der Perspektive richtiger Bösewichte geschrieben waren - und habe mit denen wesentlich stärker mitgefiebert als hier mit Darian und seinen Gefährten. Ein gewisser Sympathiefaktor gehört meines Erachtens einfach dazu und der ist in "Das Zepter des Horas" leider nur in wenigen Nebenfiguren (etwa dem Maraskaner) zu finden. Ein ähnliches Problem hatte ich ja bereits mit dem letzten DSA-Roman "Die rote Bache", allerdings ist "Das Zepter des Horas" insgesamt wesentlich besser geraten.
Zwar kommt die Charakterentwicklung wieder mal viel zu kurz, aber dafür ist das Buch sprachlich gelungen und läßt sich recht flüssig lesen, auch wenn mir mitunter die Landschaftsbeschreibung etwas sehr lang vorkamen. Lobend hervorheben muß ich auch, daß ich schon lange keinen DSA-Roman mit so wenigen Rechtschreib-, Grammatik- oder Tippfehlern gelesen habe wie diesen.

Insgesamt ist "Das Zepter des Horas" meiner Meinung nach nicht mehr und nicht weniger als befriedigend. Eben das DSA-Pendant zu einem kurzweiligen, anspruchslosen Popcornfilm. Actionfans werden gut bedient, aber auch wer wie ich lieber Geschichten mit etwas mehr Handlung und Tiefe mag, bekommt nette Unterhaltung geboten. Note 3.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Wer zu spät kommt, den bestraft der Leser - 04/01/09 10:49 AM

 Originally Posted By: Ralf
... Wie sich herausstellt, wird Magister Crano, der eigentlich archäologische Ausgrabungen leiten sollte, seit einigen Tagen spurlos verschwunden. ...


Also ent oder weder:
1. ... wird Magister Crano... vermißt.
2. ... ist Magister Crano... verschwunden.

*lalala* Du mußt Dich entscheiden, zwei Felder sind frei...* [frei nach "1, 2 oder 3"]

Posted By: Ralf

Re: Wer zu spät kommt, den bestraft der Leser - 04/01/09 03:22 PM

Jaja, sowas passiert, wenn man während des Schreibens in Gedanken noch schnell umformuliert ... ;\)
Posted By: Ralf

Re: Wer zu spät kommt, den bestraft der Leser - 13/04/09 09:39 AM

KHUNCHOMER PFEFFER von Eevie Demirtel und Marco Findeisen:

Als im Gasthaus seines Onkels ein Händler ermordet wird, weiß der überforderte Stadtgardist Kasim sich keinen anderen Rat, als beim u.a. ob seiner Ruppigkeit und Trunksucht berüchtigten Deniz um Hilfe zu bitten: Dem einzigen unbestechlichen (und entsprechend unbeliebten) Gardisten in der ganzen Stadt! Eigentlich will Kasim nur irgendeinen Sündenbock finden, um die Ehre seines Onkels als Gastgeber wiederherzustellen, doch nach und nach läßt er sich von Deniz´ Ermittlerdrang anstecken und die beiden kommen einer Verschwörung erstaunlichen Ausmaßes auf die Spur ...

Ja, der Plot ist wieder einmal nicht allzu originell. Daran ändert auch der unerwartete Perspektivwechsel nach einigen Kapiteln nichts, der mit dem Almadaner Gauner Federigo eine dritte Hauptperson einführt. Überhaupt ist "Khunchomer Pfeffer" kein Highlight der DSA-Roman-Reihe. Unterhaltsam liest er sich dennoch, weil er seine Stärken an anderer Stelle hat. Sprachlich ist das Buch beispielsweise sehr gelungen und auch recht amüsant zu lesen, erst am - sowieso etwas überhastet wirkenden - Ende schleichen sich ein paar IMHO nicht ganz überzeugende Formulierungen ein. Angesichts des Settings des Romans ist sprachliches Talent auch dringend gefragt, denn die Novadis lassen es nicht an unzähligen blumigen Ausschmückungen mangeln. ;\)
Zudem muß sehr gelobt werden, daß die aventurische Atmosphäre ausgezeichnet eingefangen wurde. Khunchom wirkt nicht einfach wie irgendeine exotische Stadt, die von den Autoren nur anhand eines Stadtplans "personalisiert" wurde - es IST Khunchom, so wie man es sich als DSAler vorstellt, so wie man es möglicherweise als DSA-Spieler schon selbst besucht hat. Das liegt unter anderem an den (manchmal gar etwas zu) detaillierten Beschreibungen und auch an der Aufmerksamkeit, die den regionbedingten Gedanken der handelnden Figuren gewidmet wurde. So sei nur als Beispiel genannt, daß sich einer der Gardisten nach dem Fund einer übel zugerichteten Beinahe-Leiche schockiert fragt, wie jemand nur so etwas einem FREIEN Menschen antun könne. In einer Stadt, in der Sklavenhaltung weit verbreitet ist, ein wichtiger Zusatz! Zwar wäre sein Fehlen vermutlich den wenigsten Lesern aufgefallen, aber es zeigt, daß die Autoren sich wirklich etwas gedacht und sich in ihre Figuren hineinversetzt haben.

Sehr interessant ist es auch zu lesen, wie sich die beiden Hauptparteien (Kasim und Deniz auf der einen, Federigo auf der anderen Seite) erstmals treffen und dabei aus ihrer jeweiligen, vergleichsweise uninformierten Perspektive einen ganz anderen Eindruck von der Gegenseite gewinnen als dies der Leser bereits getan hat. Eine wirklich nette und gut ausgestaltete kleine Idee. \:\)

Doch trotz solcher Vorzüge, die auf ein beträchtliches Autoren-Potential hindeuten, konnte mich "Khunchomer Pfeffer" - wie schon zu Beginn erwäht - leider nicht wirklich begeistern. Das liegt einfach an der wenig aufregenden Story, die für mich wie eine typische Alibi-Handlung beim Roman-Debüt junger Autoren wirkt. Daran ist an sich nicht viel auszusetzen, es ist sicher eine gute Idee, nicht gleich beim ersten Buch den Pulitzerpreis gewinnen zu wollen und sich damit zwangsläufig deutlich zu übernehmen. Aber es kommt halt auch selten ein Meisterwerk heraus bei dieser verständlichen Vorgehensweise. Und da kann das Drumherum noch so gelungen sein - das wichtigste an einem Roman ist für mich immer noch die Handlung!
Zur zufriedenen Gesamtnote 2- reicht es dann aber doch. Mit einem etwas überzeugenderen, weniger gehetzt wirkenden Finale wäre auch noch mehr drin gewesen.

Und beim nächsten Buch bitte noch etwas mehr kreativen Mut! \:\)
Posted By: Ralf

Re: DSA-Romane - 13/04/09 10:14 AM

Nach drei Jahren wäre wohl mal wieder Zeit für ein Update meiner Bewertungsliste aller DSA-Romane - nur falls jemand mal auf die Schnelle Rat bei der Suche nach einem geeigenten Buch braucht. ;\)

Noch mal zur Erinnerung: Höchstbewertung sind 4 Sterne, es gibt auch halbe Bewertungen (falls sich jemand wundert oder nicht mehr erinnert: Das System stammt vom ursprünglichen Eröffner des ursprünglichen Topics - könnte sein, daß es Greyface war, bin mir aber nicht sicher).

Das Jahr des Greifen (Hennen/Hohlbein): ****

Bei Heyne:
Der Scharlatan (Kiesow): ***
Túan der Wanderer (Zietsch): ** + 1/2
Die Zeit der Gräber (Jagnow): **
Das Leben der Thalionmel (Kramer): ** + 1/2
Feuerodem (Rumpel): *
Katzenspuren (Scheja): ***
Der Drachenkönig (Zietsch): ** + 1/2
Der Göttergleiche (Kurzgeschichten): ***
Die Legende von Assarbad (Raddatz): **
Treibgut (Witzko): ***
3 Nächte in Fasar (Hennen): ****
Die Piraten des Südmeers (Alpers): *** + 1/2
Die Reise nach Salza (Kramer): ** + 1/2
Die Gabe der Amazone (Kiesow): *** + 1/2
Spuren im Schnee (Witzko): ****
Schlange und Schwert (Falkenhagen): ***
Der Spieler (Jentzsch): ***
Das Gesicht am Fenster (Hennen): *** + 1/2
Steppenwind (Gaul): ** + 1/2
Der Lichtvogel (von Wieser): ***
Die Rabenchronik (Falkenhagen): ****
Aus dunkler Tiefe (Büchner): ** + 1/2
Von Menschen und Monstern (Kurzgeschichten): *
Heldenschwur (Kerk): ** + 1/2
Das letzte Lied (Tödter): ***
Das Galgenschloß (Büchner): **
Tod eines Königs (Witzko): ***
Das Leben des Raidri Conchobair (von Wieser): ** + 1/2
Schatten aus dem Abgrund (Büchner): *
Seelenwanderer (Büchner): * + 1/2
Das magische Erbe (Scheja): ** + 1/2
Der Geisterwolf (Budinger): **
Und Altaia brannte (Evers): ****
Blutopfer (Büchner): ***
Das Zerbrochene Rad (Kiesow): ****
Die Nebelgeister (Falkenhagen): ***
Die beiden Herrscher (Witzko): *** + 1/2
Das Wirtshaus "Zum lachenden Henker" (Büchner): **
Die Königslarve (Witzko): ****
Die Nacht der Schlange (Hennen): ***
Geteiltes Herz (Frischhut): **
Erde und Eis (von Wieser): ***
Gassengeschichten (Kurzgeschichten): ***
Die Hand der Finsternis (Huiskes): ***
Zwergenmaske (Nöth): ***
Aranische Nächte (Kamaris/Raddatz): ** + 1/2
Koboldgeschenk (Tödter): **
Der letzte wird Inquisitor (von Voss): *** + 1/2
Druiden-Rache (Flatergast): ***
Blakharons Fluch (Thon/Wichert): **
Westwärts, Geschuppte (Witzko): *** + 1/2
Das Greifenopfer (Finn): *** + 1/2
Die Mühle der Tränen (Lohmann): ***
Aufruhr in Aventurien (Kurzgeschichten): ** + 1/2
Im Schatten der Dämmerung (Baroli/Weinzheimer): * + 1/2
Sand und Blut (Wichert): ***
Der geheime Pfad (Huiskes): ***
Das Daimonicon (Tillmanns): ***
Blutsbande (Nöth): *** + 1/2
Fuchsfährten (Plischke): ** + 1/2
König der Diebe (Wiesler): ***

Rhiana-Reihe:
Der Flammenbund (Alpers): ** + 1/2
Das Artefakt (Wiesler): **
Das Geheimnis des Königs (Knor): *** + 1/2
Verschwörung in Havena (Alpers): ***
Klingenschwestern (Knor): ***
Gefangene der Zyklopeninseln (Alpers): ***
Kampf um Talania (Alpers): ** + 1/2

Armalion-Reihe:
Der Tag des Zorns (Knor): ** + 1/2

Bei Phoenix/FanPro:
Unsterblicher Traum (Renau): ***
Blaues Licht (Knor): ***
Spielsteine der Götter (Wolf): *** + 1/2
Rabengeflüster (Jäcke/Wichert/Wolf): ***
Todeswanderer (Gees): ***
Roter Fluß (Knor): ***
Magische Zeiten (Jubiläumsband): *** + 1/2
Todgeweiht (Tillmanns): ***
Dunkle Tiefen (Knor): *** + 1/2
Maraskengift (Tillmanns): **
Unter Aves´ Schwingen (Kurzgeschichten): ***
Goldener Wolf (Budinger): ** + 1/2
Sieben Winde (Ott): ** + 1/2
Zugvogel (Fomferek): ***
Aus dem Leben des G.C.E. Galotta (Einzelbände "Der Hofmagier" und "Der Feuertänzer") (Ludwig/Wachholz): ***
Hohenhag (Preuß): **
Satinavs Auge (Radloff): **
In den Nebeln Havenas (Jödemann): *** + 1/2
Über den Dächern Gareths (Schweikert): ***
Gewittertage (Eilers): ** + 1/2
Die rote Bache (Preuß): * + 1/2
Das Zepter des Horas (Mützlitz/Kopp): ** + 1/2
Khunchomer Pfeffer (Demirtel/Findeisen): ***

Zur Ergänzung: Einige Bücher aus der offiziellen DSA-Roman-Liste fehlen. Das sind erstens (bis auf "Der Tag des Zorns") sämtliche Armalion- und Myranor-Bücher, die ursprünglich auch in eigenen Reihen erschienen sind, mittlerweile aber einfach nachträglich in die Gesamtliste eingefügt wurden. Außerdem lese ich Reihen gerne am Stück, weshalb einige Bücher aus noch nicht vollendeten Reihen in der Liste bislang fehlen (z.B. die Hjaldinger-Sage von Daniela Knor oder die Rabenmund-Bücher von Michelle Schwefel).
Außerdem habe ich die fünfteilige DSA-Novelle "Der Kristall von Al´Zul" aus Protest nicht gekauft, weil ich 5 Euro für knapp 80 Seiten (also insgesamt 25 Euro für ein Buch mit dem gleichen Seitenumfang wie ein normales Buch der DSA-Roman-Reihe für 9 Euro!) für Wucher halte und zudem davon ausgehe, daß die gesamte Geschichte sowieso irgendwann als Sammelband veröffentlicht wird (wurde ja schon bei einigen DSA-Roman-Reihen so gehandhabt).
Posted By: Kunar

Die Efferdperle - 14/04/09 10:30 PM

Schon vor einiger Zeit hatte ich die Liste der DSA-Romanbewertungen von Ralf und Schweige und außerdem Schweiges DSA-Kommentare durchgesehen, um Empfehlungen zu finden, welche weiteren DSA-Romane es zu lesen lohnt. "Blutopfer" von Barbara Büchner hatte ich mir trotz der mittelmäßigen Bewertung gekauft und zwar deswegen, weil es im Svellttal spielt. Beim zweiten Buch habe ich aufgrund des sehr positiven Abschneidens bei beiden Kritikern zugegriffen.

Lena Falkenhagen erzählt eine Geschichte rund um Havena, die erste detailliert beschriebene Stadt Aventuriens. Rondriane Kevendoch, Kopf der Schmugglerbande "Die Nebelgeister" (so auch der Buchtitel), arbeitet unverhofft zusammen mit Efferdan ui Bennain, Mitglied des albernischen Königshauses.

Dessen Nichte, Prinzessin Invher ni Bennain, soll im Efferd 29 Hal (1022 BF) den Thron von ihrem Vater übernehmen. Der Krönung steht jedoch ein ungeheuerlicher Vorfall im Wege: Die Efferdperle wurde aus dem Tempel des Meeresgottes gestohlen! Efferd hatte den Alberniern vor über drei Jahrhunderten dieses Artefakt geschenkt, um zu zeigen, dass er ihnen nicht mehr zürnte, nachdem er mit einem gewaltigen Seebeben einen großen Teil der Stadt zerstört und dauerhaft unbewohnbar gemacht hatte. Die Suche nach der Efferdperle ist also mehr als ein Wettrennen um einen wertvollen Schatz: Es geht darum, erneut drohendes Unheil von der Stadt abzuwenden. Die Schmugglerin und der Prinz haben also allen Grund, die Frevler zu finden, die hinter diesen dunklen Machenschaften stecken.

Ein zweiter Erzählstrang berichtet vom Fürstentum Albhernia, das sich 291 vor Hal (702 BF) gerade ein Jahr vom Mittelreich losgesagt hatte und als Seehandelsmacht aufblüht. Doch ein Machtkampf zwischen den verschiedenen Kirchen läßt zunehmend dunkle Wolken am Horizont erscheinen - und es ist bekannt, was folgte...

Der Gesamteindruck, den dieses Buch hinterläßt, lautet verkürzt: nicht spannend, sondern sehr stimmungsvoll. Das bedeutet nicht, dass der Roman keinerlei Spannung aufkommen ließe. Jedoch wurde mehr auf eine passende Darstellung des aventurischen Lebens Wert gelegt als auf allzu viele Überraschungseffekte. Das ist verständlich, wenn man sich vor Augen hält, dass zumindest bei einem Teil der Erzählung das Ende klar ist. So hat man beim Lesen weniger die Frage im Hinterkopf, was passiert, sondern vielmehr, wie es dazu kommt.

Beachtlich, dass das Buch für den Sprung zwischen zwei Zeitebenen eine Motivation aus der Erzählung heraus bereithält und sogar eine Erklärung dafür gibt, wie das Wissen einer Person aus der Vergangenheit einem Charakter in der Gegenwart zuteil werden kann. Die größte Stärke der Geschichte liegt jedoch darin, dass endlich einmal der Glauben der Menschen authentisch geschildert wird. Trotz aller Hinweise in den Regelwerken, dass die meisten Aventurier an zwölf Götter glauben und nicht nur jeweils an einen bestimmten, findet man noch allzu oft den Krieger, der nur Rondra anruft, den Magier, der zu Hesinde allein betet, und den Dieb, der einzig Phex verehrt.

Kleine Anspielungen auf andere Orte wie Tiefhusen erfreuen denjenigen, der sie wiedererkennt. Handlungselemente der früheren Romane "Kinder der Nacht" und "Die Boroninsel" werden kurz angedeutet, ohne dass es denjenigen stört, der die Bücher nicht gelesen hat. In Nebenrollen oder Gastauftritten taucht Hochadel aus halb Aventurien auf sowie eine geheimnivolle, aber altbekannte Magierin und sogar ein späterer Heiliger. Den Überschriften der Aventurischen Boten Nr. 77 und Nr. 78 nach zu urteilen wurden die Ereignisse rund um die Krönung eng mit dem Rest der DSA-Redaktion abgestimmt. Zwei Karten von Havena, eine Personenliste, der Index sowie ein passendes Titelbild, das offensichtlich speziell für dieses Buch angefertigt wurde (siehe Original beim Künstler) runden das positive Bild ab. Wenn überhaupt irgendetwas stört, dann das etwas kurz ausgefallene Ende.

Es bleibt jedoch festzuhalten: Hier steckt wirklich von vorne bis hinten Aventurien drin. An so einem Buch zeigt sich der Unterschied zwischen einer Auftragsarbeit, die auch überall sonst spielen könnte, und einer Erzählung, die profunde Kenntnisse der Hintergrundwelt voraussetzt und daher auch nur von wenigen Personen so verfasst werden kann. "Die Nebelgeister" von Lena Falkenhagen ist in einem Atemzug zu nennen mit "Zwergenmaske" von Martina Nöth und "Roter Fluss" von Daniela Knor. Wenn jemand noch eine Antwort darauf sucht, welche speziellen Möglichkeiten DSA-Romane bieten und wie man aus einer gewöhnlichen Grundkonstellation etwas Neues herausholt - hier ist sie!
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Die Efferdperle - 15/04/09 02:23 PM

Derzeit laufen die Dinge in Albernia übrigens gar nicht gut.

Isora, die schon einmal versucht hatte, Albernia an sich zu reißen, ist bis vor Kurzem rechtmäßige Herrscherin - protegiert von Jast Gorsam, den man auch "Just Grausam" nennt, ein eiskalter Machtpolitiker.

Die tatsächliche Königin Ablernias, Invher, ist dagegen zur Ausgestoßenen geworden (angestrebt wurde offenbar, eine Art "Robin-Hood-Setting zu machen), und Albernia befindet sich nun seit etwa dem berüchtigten Jahr des Feuers im Bürgerkrieg.

Seit dem allerletzten Aventurischen Boten ist Invher sogar noch einmal geächtet worden (offenbar auch, da sie Thorwaler um Unterstützung gebeten hatte und mit ihnen sogar eine Art Vertrag hat), und dadurch wurden *alle* Adligen Albernias von ihr losgesagt - sie mußten sich (da sie keine andere Wahl hatten) nun hinter Kaiserin Rohaja stellen, wobei es Isora sich mit der Kaiserin durch ein paar Sprüche, die Lesen vorkommen, wie aus geistiger Umnachtung gesprochen, aber angeblich als durchaus bewußte Willensentscheidung angelegt, ebenfalls vergeigt hat.

Albernia ist nun zwar immernoch vom Bürgerkrieg erschüttert, aber die Kiserin scheint derzeit zu versuchen, diesen Bürgerkrieg "auszutrocknen", indem sie Albernia in kaiserliches (?) Land verwandelt.

Die Thorwaler sind übrigens auch nicht mehr soooo gerne in Aventurien gesehen, da sie sich von den 12 Göttern mehr oder weniger abgewendet und zu Swafnir hingewendet haben, und zudem einen eigenen Staat aufzubauen versuchen.

Der Hetmann aus der Schicksalsklinge ist übrigens irgendwann in irgendeinem Abenteuer ... Ich weiß nicht genau, was wirklich mit ihm passioert ist, aber er steht nun als eine Art "Mann im eis" Wacht gegen Glorania.

Und Glorania scheint sich inzwischen wieder zurückzuziehen, bzw. das dämonische Eis davon.

Angeblich sol Pardona demnächst wieder auf der aventurischen Bühne erscheinen ...
Posted By: AlphaZen

Re: Die Efferdperle - 27/04/09 06:12 PM

Hier hat nich zufällig jemand nen direkten Draht zu Fanpro und könnte fragen, ob es von "Der Feuertänzer" eine neue Auflage geben wird?
Das Buch ist nirgends mehr zu bekommen. \:\(

Oder würde es jemand hier evtl. sogar verkaufen? O_O
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Die Efferdperle - 27/04/09 07:31 PM

Ebay versucht ? Amazonien ?

Sonst frag doch einfach mal im Ulisses-Forum herum ...

Leider kann ich da auch nicht weiterhelfen ...

Edit: Vielleicht im antiquarischen Zentralverzeichnis schauen ? ZVAB glaube ich hieß das ... http://www.zvab.com/


Posted By: Ralf

Re: Die Efferdperle - 28/04/09 08:28 AM

Da FanPro es ja teilweise nicht mal schafft, neue DSA-Romane auf der eigenen Homepage mehr als ein paar Tage vor dem Erscheinen anzukündigen, habe ich meine Zweifel, daß irgendjemand was aus denen rausbekommt.

Aber da ja voraussichtlich noch dieses Jahr ein dritter Galotta-Roman erscheinen soll, dürften die Chancen auf eine Neuauflage des "Feuertänzers" wohl nicht SO schlecht stehen. FanPro will ja schließlich auch Geld verdienen. Auch wenn man das ihren bescheidenen Marketing-Aktionen nicht immer anmerkt ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Die Efferdperle - 28/04/09 12:13 PM

Schon F-Shop probiert ? Wahrscheinlich ja ...

Hätte ich das früher gewußt, hätte ich auf der RPC mal schauen können ...

Was übrigens auch noch eine Idee wäre: RPC-Ausstellerverzeichnis raussuchen, und dann einzelne Händler, die in Frage kommen (könnten) per e-mail anschreiben ...
Posted By: AlphaZen

Re: Die Efferdperle - 28/04/09 04:13 PM

Die Webseiten haben alle nix gebracht, die hatte ich vorher schon durchgeschaut. :-/

Gibt es irgendwo ein vernünftiges Ausstellerverzeichnis? Das auf der RPC-Seite bringt mir nicht viel, weil nur die Firmennamen, jedoch nicht die Branchen dabei stehen.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Die Efferdperle - 28/04/09 09:51 PM

Hm, mir fällt leider dazu keine Methode ein - außer halt versuchen, vom Namen her festzulegen, was der Händler machen könnte.

Ich würde einfach ein paar Händlernamen herauspicken und in eine Suchmaschine eingeben und schauen, was dabei passiert.
Posted By: Ralf

Re: Die Efferdperle - 08/05/09 11:26 AM

TODESSTILLE von Bernard Craw:

Das Bornland, Gegenwart: Der Bronnjarensohn Wulfjew, jüngstes von drei Geschwistern, tritt auf Bestreben seines Vaters der Boron-Geweihtenschaft bei. Als Erbe erhalten er und die Boron-Kirche die abgelegene Burg Dornblut, die mitten in den berüchtigten Rotaugensümpfen liegt und nun zu einem neuen Sitz der Boronkirche werden soll. Zu diesem Zwecke reisen Wulfjew und eine kleine Gruppe Boronis um Deuterin Marboria sofort zu der halbverfallenen Burg, die mithilfe der Leibeigenen des dazugehörigen kleinen Torfstecher-Dorfes renoviert und zum Boron-Tempel geweiht werden soll. Dummerweise scheint es auf Burg Dornblut jedoch zu spuken und die Leibeigenen zeigen sich ausgesprochen verstockt, wenn es um die Vergangenheit des Gemäuers und seine vorherigen Besitzer geht ...

"Todesstille" war seit langer Zeit der erste DSA-Roman, auf dessen Lektüre ich mich nur aufgrund der Inhaltsbeschreibung auf der Buch-Rückseite richtig gefreut hatte. Und tatsächlich handelt es sich um ein gutes Buch, wenn auch auf andere Art und Weise als von mir vermutet (und eigentlich auch erhofft). Denn die Elemente "Boronkirche", "Sümpfe" und "Spuken" haben mich auf eine richtig schöne, gruselige Gespenster-Geschichte hoffen lassen. Nun, theoretisch ist es das auch, praktisch hat sich bei mir jedoch eher selten echte Gruselstimmung eingestellt.
Dabei liegt das nicht an den erzählten Geschehnissen selbst. Die sind durchaus gruselig und teilweise sogar richtig drastisch. Dennoch hat es mich nur selten emotional berührt. Man liest die entsprechenden Kapitel und denkt sich "okay, DAS ist wirklich krank". Aber man fühlt nicht so. Das liegt vermutlich an dem ausgesprochen nüchternen Stil, in dem Bernard Craw diese Ereignisse beschreibt. Der erinnert durchaus an den Stil von H.P. Lovecraft, was ja erstmal alles andere als negativ ist, wenn man eine Gruselgeschichte schreiben will. Dummerweise fehlt "Todesstille" jedoch jene berüchtigte und beunruhigende wahnhaft-irritierende Sprache, die Lovecrafts Geschichten zu den Klassikern der Horror-Literatur macht, die sie sind (zumindest die besten davon).

Dabei kann man keinesfalls behaupten, daß der Autor einfach nicht in der Lage sei, die Emotionen des Lesers anzusprechen. Mit der zweiten großen Storyline des Buches, einer herzzerreißenden Liebesgeschichte zwischen zwei entflohenen Leibeigenen (die zunächst wie die x-te Variante von "Romeo und Julia" wirkt, sich aber zum Glück schon bald zu etwas wesentlich einfallsreicherem und IMHO auch bewegenderen entwickelt), gelingt ihm das nämlich einwandfrei. Dabei ist auch dieser Handlungsstrang alles andere als frei von Horror-Elementen. Aber hier funktionieren sie deutlich besser.

Dennoch, obwohl also die erhoffte Gruselstimmung bei weitem nicht so überzeugend ausfällt wie es angesichts der Handlung möglich gewesen wäre, funktioniert "Todesstille" als Roman. Ein wesentlicher Grund dafür ist neben der überzeugenden bornländischen Atmosphäre vor allem die ausgefeilte Figurenzeichnung. Die Hauptfiguren mögen vielleicht nicht völlig frei von Klischees sein, sind aber dafür liebevoll ausgearbeitet und sind keinesfalls nur Schablonen, sondern durchlaufen vielmehr allesamt eine glaubwürdige Charakterwandlung. Sowas tut jedem Roman gut.

Da verzeiht man "Todesstille" auch gerne seine kleinen Schwächen wie das nicht immer perfekt ausbalancierte Erzähltempo. Da sich die Geschichte ziemlich regelmäßig über genau ein Jahr erstreckt (jedes Kapitel entspricht einem Monat), sind ein paar Längen vor allem zu Beginn ebenso unverkennbar wie das Problem, daß die Handlung an anderen Stellen etwas zu gehetzt erzählt wirkt.

Aufgrund der angegebenen Mängel hatte ich mich eigentlich die meiste Zeit über schon auf die Note 2- eingeschossen, aber letztlich vergebe ich doch noch knapp eine glatte 2. Weil "Todesstille" als Gesamtkunstwerk einfach funktioniert, auch wenn die Einzelteile für sich genommen mitunter etwas schwächeln.

P.S.: Achja, so oft und heftig, wie ich das Lektorat von FanPro bei den DSA-Romanen in der Vergangenheit kritisiert habe, muß ich es diesmal ausdrücklich loben. Die Anzahl der Fehler ist wirklich minimal (wobei ich natürlich nicht weiß, welchen Anteil daran das Lektorat trägt und welchen der Autor selbst - wenn der erst gar keine Fehler einbaut, erleichtert das natürlich die Arbeit der Lektoren ... ;\) ).
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Die Efferdperle - 09/05/09 03:21 PM

Apropos... \:\/

 Originally Posted By: Ralf
... Da sich die Geschichte ziemlich regelmäßig über genau ein Jahr erstreckt (jedes Kapitel entspricht einem Monat), ...


Du meintest "gleichmäßig", oder?
"gleichmäßig ... erstreckt (jedes Kapitel entspricht einem Monat)".

Weil der Gegenstand welchen das Adjektiv genauer definieren soll, weniger
eine zeitliche Abfolge ist (im Sinne von "etwas kehrt regelmäßig wieder")
als vielmehr eine Verteilung darstellt (Kapitel/Monat).



Ragon, arkanes Lektorat der Halle der Metamorphosen zu Kuslik

Posted By: Ralf

Re: Die Efferdperle - 09/05/09 06:38 PM

Nunja, die Monate kehren schließlich auch regelmäßig wieder ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Die Efferdperle - 10/05/09 07:34 PM



"Regelmäßige Monate" !!!

"Hast du die Tage ?"
"Nein, ich hab' die Monate !"


Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Die Efferdperle - 11/05/09 04:27 PM

Hab´ ich Euch eigentlich schonmal die eine Szene aus "Asterix und Obelix in der Schweiz"
erzählt... ...!?

Posted By: Kunar

Kein günstiger Wind - 01/06/09 04:47 PM

"Endlich erscheint wieder ein Thorwaler-Roman!" war mein erster Gedanke, als ich von Sieben Winde las. Ich kannte bereits Das letzte Lied von Gun-Britt Tödter, in dem einige der Hauptcharaktere Thorwaler sind, Roter Fluss von Daniela Knor, welches ein Kapitel gemeinsamer mittelreichisch-thorwalscher Geschichte im Orkland beleuchtet, sowie Hadmar von Wiesers Kurzgeschichte "Tronde geht feiern", erschienen im Band Von Menschen und Monstern, welches eine Episode aus Tronde Torbenssons Jugend erzählt. Wie würde sich das Buch von Matthias A. W. Ott im Vergleich dazu machen?

Schon das Titelbild - ein bärtiger Mann mit Laute blickt auf brennende Schiffe vor einem malerischen Sonnenuntergang - sprach mich an. Der Titel des Buches erinnerte mich sofort an das "Meer der Sieben Winde", auf dem die Thorwaler unterwegs sind. Auch der Klappentext weckte viel Vorfreude auf ein spannendes Buch, mit dem man in die Welt der Thorwaler eintauchen würde.

Man soll es kaum glauben, aber die Beschreibung auf dem Buchrücken gibt tatsächlich einen groben Einblick in die grobe Handlung zu Beginn des Buches. Auch das Titelbild kommt so im Roman vor, was selten genug der Fall. Darum geht's:

Asbahk Waskirsson stammt aus Thorwal, der Stadt der Freien. Thure Hjalmarson, ein geschätzter Skalde in Südthorwal, soll ihn in seinem Handwerk unterrichten. Ein wichtiger Teil der Ausbildung findet auf Thures Tor statt, einer Siedlung in der Nähe des Bodir. Je mehr Asbahk lernt, desto größer wird die Anzahl der Fragen und Geheimnisse, auf die er stößt. Ganz Thorwal scheint sich unwiederbringlich zu verändern, und er muss inmitten der Ereignisse versuchen, seinen Weg zu finden...

Die Geschichte wird aus Sicht eines Thorwal-Kenners geschildert. Der Anfang verläuft sehr schleppend, auch wenn vieles später wichtig wird. Ich habe das Buch unter anderem deswegen so langsam gelesen, weil es in einem unnötig komplizierten Schreibstil verfasst wurde, der nichts mit der Stimmung zu tun hat. Das passt auch nicht zu einem Erzähler, denn in mündlich geschilderten Geschichten müssen die Sätze einfach sein. In einer Thorwaler Erzählung würde außerdem eine Geschichte nicht mit Lücken und offenen Enden präsentiert. Der Roman ist ein Lehrbeispiel dafür, warum ein Buch eine einfache Sprache und einen Handlungsbogen benötigt.

Stattdessen erwarten den gespannten Leser zahlreiche Handlungssprünge. Auf einmal werden wichtige Entwicklungen verkürzt, die Handlungsgeschwindigkeit variiert. Die Erzählgeschwindigkeit folgt nicht der Handlung, welche oft episodenhaft vor sich hin plätschert. Dazu verfügt das Buch über kein richtiges Ende, keinen ordentlichen Spannungsbogen und keine echte Haupthandlung. Für eine ausgeschmückte Geschichte, so wie sie im Prolog angekündigt wird, ist das einfach unpassend.

Ich zähle mal alle Handlungsstränge auf, die im Nichts enden oder nicht erklärt werden. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte diesen Absatz überspringen und beim nächsten weiterlesen.
Warning, Spoiler:

* Was war denn genau mit Sylvgard?
* Was wird aus Jandara?
* Welches Ziel verfolgt Hjalma der Skaldin? Wird sie wegen der Namensgebung doch den Tor erben?
* Was genau bedeutete die Prophezeihung? Wurde sie etwa im Verlaufe des Buches durch Asbahk erfüllt?
* Was ist passiert am Ende? Der Epilog klingt so, als sei Asbahk verstorben.
* Was genau hat es mit dem Schwert auf sich?
* Warum mag Thure keine Swafnirgeweihten? Es scheint mit Swafgrimnur Thungurson und seinem Vater zusammenzuhängen.

Zwei schön schwachsinnige Stellen, die zeigen, wie unrealistisch die Hauptfigur an den wichtigen Stellen wirkt:
* Hywel wurde vor zwanzig Jahren von einem Andergaster Druiden entführt und taucht plötzlich wieder auf. Was ist die erste Reaktion Asbahks? Etwa Zorn gegen den Druiden, der ein Sippenmitglied geraubt hat? Pläne, um nach Andergast zu ziehen und diesem Kindsräuber eine Lektion zu erteilen? Endlose Fragen, was Hywel denn alles erlebt hat? Tränenerstickte Erzählungen, wie Asbahk sich die Schuld am Verschwinden des Bruders gegeben hat und wie er dessen Stein in einem Schmuckstück aufgehoben hat? Aber nein! Ganz ruhig wird gesagt: Ah, das bist Du wieder. Lass und doch auf Abenteuerfahrt gehen.
* Immerhin bietet das Buch eine originelle Variante des alten "Ein Typ, zwei Frauen"-Problems: Er bekommt am Ende einfach keine von beiden ab! Zieht er etwa daraus die Lehre, dass man sich manchmal vielleicht entscheiden muss? Natürlich nicht! Was sind schon zwei attraktive Frauen für einen introvertierten Einzelgänger...


Als Leser fragt man sich zwangsläufig: "Worauf will der Autor hinaus?" Halb so viele durchlebte Ereignisse wären besser gewesen. Als sich zwischendurch tatsächlich noch so etwas wie ein Höhepunkt andeutete (die Handlungen rund um Sylvgard und Iskir), hätte man das zu diesem Zeitpunkt bereits gar nicht mehr erwartet.

Es ist deswegen zusätzlich schwer, die Geschichte zu lesen, weil die Charaktere etwas klischeehaft daherkommen und dazu einige ein Verhalten an den Tag legen, welches sehr unrealistisch (zwei Brüder untereinander) oder seltsam (der Hauptheld) erscheint. Der Protagonist ist zudem ein Einzelgänger, was so gar nicht nach Thorwal passen will. Schließlich ist dort der Zusammenhalt der Sippe sehr wichtig. Thure hingegen darf sich alles erlauben, ohne dass ihn jemals jemand zu einem Kampf herausfordert. Auch das erscheint sehr merkwürdig, wo die Thorwaler doch für ihre Rauflust selbst bei nichtigsten Anlässen bekannt sind.

Asbahk wird von verschiedenen Freunden im Buch aufgefordert, seine Laute zuende zu stimmen und zu spielen. Umso besser, dass der Titel des Romans nicht "Saitenspiel" geworden ist so wie ursprünglich angekündigt, denn Asbahk spielt kaum. Auch im übertragenden Sinne gilt der Ratschlag, denn Asbahk fällt es unglaublich schwer, sich für irgendetwas zu entscheiden. Am Anfang des Buches steht ein Platon-Zitat. Dem kann man Seneca entgegen halten: "Wenn man nicht weiß, welchen Hafen man ansteuert, ist kein Wind günstig." Diese Lehre möchte man Asbahk nach Lektüre des Romans geben.

Asbahk erlebt Thorwalsche Geschichte als Zuschauer. Er bekommt zwar viel mit, spielt aber nie eine größere Rolle. Vielleicht sollte damit verhindert werden, dass sich das Buch allzu sehr in die offizielle aventurische Geschichtsschreibung einmischt. Dagegen spricht jedoch Thures Tor, ein Ort, der sonst nie erwähnt wurde und dennoch so wichtig ist. Er ist nicht einmal auf der neueren Thorwal-Karte eingezeichnet. Wie man erlebte Geschichte spannend schildern kann, zeigen Romane wie "Die Nebelgeister", "Roter Fluss" und "Der Tag des Zorns".

Leider gibt es zu dem eigentlichen Text keine der nützlichen Ergänzungen, wie man sie von anderen DSA-Romanen kennt. Besonders schmerzhaft macht sich das Fehlen eines Indizes am Ende bemerkbar. Bei den vielen Ereignissen, Personen und Orten, die vorkommen, hätte man sich das doch sehr gewünscht. Auch eine Liste der Thorwalschen Spezialbegriffe wäre sehr hilfreich gewesen. Zahlreiche dieser Wörter kommen im Text vor. Nicht jeder kann und will sich all die Spezialausdrücke für Magier, Geweihte usw. merken. Die Personenliste am Anfang ist zudem unvollständig. Zusätzliche Familienstammbäume hätten es leichter gemacht, die zahlreichen Verwandten von Asbahk und Thure richtig zuzuordnen. Auch eine grobe Thorwal-Karte hätte dem, der keine der beiden Thorwal-Spielhilfen besitzt, sehr bei der Orientierung geholfen.

Damit ist "Sieben Winde" nur für DSA-Kenner und Thorwal-Fans lesbar. Alle anderen kommen nicht zurecht. Das ist schade, denn das Buch bietet einen schönen Abriss der jüngeren Thorwalschen Geschichte. Das können jedoch nur die verstehen, die sie kennen. Damit stellt sich die Frage, für welche Zielgruppe der Roman geschrieben wurde. Um Neulingen Thorwal näher zu bringen, wird zu wenig erklärt und es fehlt eine Zeitleiste mit den wichtigsten Ereignissen. Thorwal-Experten ärgern sich besonders über die stilistischen und inhaltlichen Schwächen, die nicht die übliche Stimmung aufkommen lassen wollen. Einsteiger verstehen die Hintergründe nicht, Kenner benötigen hingegen keine langwierigen Erläuterungen im Text.

Dass praktisch nie genaue Datumsangaben vorkommen, sondern meistens nur Jahreszeiten und Ereignisse andeuten, wie die Handlung fortschreitet, macht es schwer, dem Verlauf der Jahre immer zu folgen. Genaue Zeitangaben wären eventuell unpassend für einen Thorwaler-Roman gewesen. Ich habe mir die Mühe gemacht, sämtliche Orts- und Zeitangaben zu überprüfen und im Wiki Aventurica unter Datierungshinweise einzutragen. (Das erklärt auch, warum ich solange für die Rezension gebraucht habe!) Praktisch alles läßt sich in eine korrekte zeitliche Abfolge bringen, so dass man die Handlung zwischen Hesinde 1000 BF und Boron 1026 BF einordnen kann.

Eine Thorwaler Erzählung ohne Abenteuer, ein Entwicklungsroman ohne Entwicklung - das muss einen unbefriedigt zurücklassen. Wer "Die Schicksalsklinge" gespielt hat, freut sich über die Reisen durch die bekannten Ortschaften. Das alleine macht aber noch keine gute Geschichte aus, schon gar nicht für ein breiteres Publikum.

"Sieben Winde" hätte der Thorwaler-Roman schlechthin werden können. So gehört das Buch nur zum Durchschnitt. Es handelt sich quasi um den Roman zur Spielhilfe "Unter dem Westwind": Wer die gelesen hat, versteht und kennt das meiste. Das Thema ist super, der Stil jedoch stark gewöhnungsbedürftig.

P.S.: Zum Vergleich seien die Rezension von Ralf und - direkt darunter - die von Schweige erwähnt. Selten konnte ich beiden so klar und in Details so übereinstimmend beipflichten. Einzige Ausnahme: Im Gegensatz zu Ralf hoffe ich, dass es keine Fortsetzung geben wird! Die wäre zwar mitunter interessant, weil dadurch offene Enden aufgelöst werden könnten. Es wäre aber keine Motivation für den Autor, ordentlich zu schreiben, wenn er zu diesem Buch auch noch eine Fortsetzung schreiben dürfte. Außerdem müsste man erst noch 20 Jahre warten, bis sich wieder entsprechend Thorwalsche Geschichte angesammelt hat. Ohnehin empfinde ich es als Beutelschneiderei, wenn ein Roman völlig unvollständig abschließt, damit man daraus noch eine Serie machen kann.
Posted By: Ralf

Re: Kein günstiger Wind - 01/06/09 05:15 PM

 Originally Posted By: Kunar
Einzige Ausnahme: Im Gegensatz zu Ralf hoffe ich, dass es keine Fortsetzung geben wird! Die wäre zwar mitunter interessant, weil dadurch offene Enden aufgelöst werden könnten. Es wäre aber keine Motivation für den Autor, ordentlich zu schreiben, wenn er zu diesem Buch auch noch eine Fortsetzung schreiben dürfte.


Na, man kann ja aus Fehlern lernen, selbst aus groben. Das hat auch die DSA-Reihe schon bewiesen (siehe Alex Wichert). \:\)
Posted By: Ralf

Re: Kein günstiger Wind - 28/06/09 12:03 PM

LÖWIN UND MANTIKOR von Jochen Hahn und Karsten Kaeb:

Gleich bei ihrem ersten offiziellen Auftrag als Botin ihres Volkes wird die junge Amazone Inja zum Ziel eines Überfalls, dem ihre Mentorin zum Opfer fällt. Auf der Suche nach den Hintermännern und den Gründen der feigen Tat tut Inja sich ausgerechnet mit der etwas älteren, Kor-gläubigen und kampferfahrenen Söldnerin Erethia zu einer unkonventionellen Zweckgesellschaft zusammen. Obwohl die beiden immer wieder aneinandergeraten, machen sie doch Fortschritte und kommen einer handfesten Verschwörung auf die Spur ...

"Löwin und Mantikor" zeichnet sich vor allem durch eine ungewöhnliche Detailtreue und große Authentizität aus. Das wird die Leserschaft sicherlich spalten, denn darob werden leider Spannung und Aktion ziemlich vernachlässigt. Es ist wohl einfach eine Geschmacksfrage: Ich persönlich bin kein Freund ausufernder Beschreibungen jeder Kleinigkeit, deshalb wurde ich beispielsweise auch nie mit den Büchern eines Karl May warm. Kritiker lieben eine solche Detailfülle in der Regel und offensichtlich gibt es auch viele Leser, denen das so geht, ich persönlich mag dagegen ein direkteres Vorgehen und fühle mich durch seitenlange Schilderungen vergleichsweise unwichtiger Details eher gelangweilt. So ging es mir mitunter auch bei "Löwin und Mantikor".

Der - offenbar bewußt gewählte - Ansatz größtmöglicher Authentizität geht nämlich einher mit einem nur selten wirklich spannenden Handlungsverlauf samt betont unspektakulärer Auflösung. Das ist auf der einen Seite wie gesagt lobenswert, weil es sehr glaubwürdig und realistisch wirkt - auf der anderen Seite aber eben nicht wirklich aufregend. Die Beziehung zwischen den beiden ungleichen Protagonistinnen stellt wohl das eigentliche Zentrum des Buches dar und ist alles in allem unterhaltsam erzählt, teilweise sogar richtig witzig.

Dennoch wurde ich das Gefühl nie los, daß dieses mit 280 Seiten für einen DSA-Roman sehr kurze Buch nicht mehr und nicht weniger als eine sehr ausführliche Einleitung für die *richtigen* Abenteuer der interessanten Charaktere ist. Zumal man zu Beginn auch auf Erethias schillernde Söldnerkumpane trifft, deren Erlebnisse ich ehrlich gesagt viel lieber verfolgen würde als das vorliegende Mini-Abenteuer. Potential für Fortsetzungen ist also jede Menge vorhanden und das Ende deutet auch darauf hin, daß die Autoren das ähnlich sehen. ;\)

Als für sich alleine stehendes Buch ist "Löwin und Mantikor" jedoch ziemlich durchschnittlich geraten. Absolut professionell aufgezogen und sprachlich sehr lesenswert, aber ohne die zu den handwerklichen Fähigkeiten passende Story. Daher reicht es nur zur Note 3+.

Zwei Anmerkungen noch, eine positive und eine negative:
1. Leider ist das altbekannte Lektoratsproblem der DSA-Romane hier wieder ziemlich schlimm, nachdem ich zuletzt den Einruck hatte, es würde langsam besser werden.
2. Selten habe ich ein so passendes Titelbild bei einem DSA-Roman erlebt. Vor allem werden Inja und Erethia wirklich genauso gezeigt, wie sie im Buch geschildert werden - abgesehen davon, daß die Söldnerin vielleicht ein klein wenig zu jung wirkt. Ansonsten aber ein ausgezeichnetes Cover!
Posted By: Ralf

Re: Kein günstiger Wind - 12/07/09 02:11 PM

TORAS VON HAVENA von Christian Labesius:

Toras von Havena, Meisterschüler des Erzmagus und Lowanger Akademieleiters Oswyn Puschinske, hat sich eine relativ schlechte Zeit für einen rechtschaffenen Schwarzmagier ausgesucht. Schon immer Zivilisten, Kirchen und der Weißen Gilde mit Mißtrauen beäugt, hat sich ihre Reputation der seit der Borbarad-Invasion mithilfe etlicher fehlgeleiteter Schwarzmagier noch deutlich verschlechtert. So ist es vielleicht kein Zufall, daß er sich für ein Zweitstudium in Al´Anfa entscheidet - wo die Uhren bekanntlich schon immer etwas anders gingen. Dummerweise gerät er dort mit einem mißgünstigen Kollegen aus Fasar aneinander, der ihm seine aushilfsweise Lehrposition an der Akademie neidet. Die gegenseitigen Aversionen gehen soweit, bis es zu einem waschechten Duell der Magier kommt! Doch das bildet letztlich nur den Auftakt einer erbitterten Fehde ...

Christian Labesius´ Debüt als DSA-Roman-Autor ist eine gelungene Abwechslung. Ein Schwarzmagier als Held ist eine sehr ungewöhnliche Perspektive, die aber ausgezeichnet funktioniert und das Buch von den meisten anderen der DSA-Reihe abhebt. Toras verkommt dabei keineswegs zu einem verkappten Gutmenschen, der nur nominell der schwarzen Gilde angehört - nein, obwohl er ein insgesamt sympathischer, mitunter sogar humorvoller und nach seinen Maßstäben absolut ehrenhafter Charakter ist, bleibt dem Leser anhand etlicher Aktionen doch keinesfalls verborgen, daß er als Schwarzmagier einem etwas anderen Wertemaßstab folgt als der durchschnittliche Abenteurer.

Leider ist Toras´ Geschichte über weite Strecken sehr überraschungsarm erzählt und die im Grunde banale Fehde zweier sturer Magier bietet nur schwerlich genügend Stoff für einen ganzen Roman. Das führt denn auch dazu, daß diese Haupt-Storyline ein erstaunlich frühes Ende findet. Was dann folgt, wiegt immerhin die vorherige Überraschungsarmut auf, allerdings bleibt das Problem, daß es sich dabei letztlich nur um einen überlangen Epilog handelt. Der ist inhaltlich eigentlich überflüssig, aber das läßt sich insofern locker verschmerzen, als er sehr unterhaltsam erzählt ist und dabei auch noch etwas intensiver (wenn auch nicht ohne Klischees, gerade was eine bornierte Weißmagierin als kurzfristige Antagonistin Toras´ betrifft) auf die Lage im post-borbarad´schen Mittelreich eingeht.

Insgesamt ist "Toras von Havena" daher ein Roman, der aus der Not eine Tugend macht und trotz des eigentlich zu kurzen zentralen Handlungsstrangs 300 Seiten lang gut unterhält. Note 2.

P.S.: Inwiefern die geschilderten Zauber und speziell die detailliert geschilderten Magier-Duelle regelkonform sind, kann ich angesichts meiner Unkundigkeit mit dem aktuellen DSA-Regelwerk natürlich nicht beurteilen. Für den Roman funktionieren sie jedoch hervorragend.
Posted By: Ralf

Re: Die Efferdperle - 21/07/09 05:58 PM

 Originally Posted By: AlphaZen
Hier hat nich zufällig jemand nen direkten Draht zu Fanpro und könnte fragen, ob es von "Der Feuertänzer" eine neue Auflage geben wird?
Das Buch ist nirgends mehr zu bekommen. \:\(

Oder würde es jemand hier evtl. sogar verkaufen? O_O


Laut alveran.org wird "Der Feuertänzer" eventuell im Herbst einen Nachdruck erhalten (wenn auch der dritte Teil "Der Aschengeist" erscheint), das ist aber noch nicht von FanPro bestätigt worden.

Außerdem hat FanPro endlich mal eine ordentliche Seite zu den DSA-Romanen erstellt:
DSA-Romane

Interessant vor allem die ersten Infos zum "Drakensang"-Roman ...
Posted By: AlphaZen

Re: Die Efferdperle - 21/07/09 06:53 PM

Oha, danke für die Info.

Hab die Hoffnung schon fast aufgegeben, weil meine Mail an Fanpro bezüglich dieser Frage unbeantwortet blieb.
Posted By: Ralf

Re: Die Efferdperle - 24/09/09 05:15 PM

 Originally Posted By: Ralf
 Originally Posted By: AlphaZen
Hier hat nich zufällig jemand nen direkten Draht zu Fanpro und könnte fragen, ob es von "Der Feuertänzer" eine neue Auflage geben wird?
Das Buch ist nirgends mehr zu bekommen. \:\(

Oder würde es jemand hier evtl. sogar verkaufen? O_O


Laut alveran.org wird "Der Feuertänzer" eventuell im Herbst einen Nachdruck erhalten (wenn auch der dritte Teil "Der Aschengeist" erscheint), das ist aber noch nicht von FanPro bestätigt worden.


Nicht so erfreuliches Update:
Der Feuertänzer

Edit: Ups, ich sehe gerade, daß in dem verlinkten Forum AlphaZen sowieso aktiv ist. So gesehen ist dieses Update hier wohl eher überflüssig ... ;\)
Posted By: Ralf

Re: Die Efferdperle - 29/09/09 08:58 AM

DIE ZWEI KAISER von Daniel Jödemann:
(bestehend aus den beiden Bänden "Die letzte Kaiserin" und "Der erste Kaiser")

Was war wohl das umwälzendste Ereignis in der Geschichte Aventuriens? Vermutlich der Fall Bosparans, denn immerhin richtet sich sogar die aventurische Zeitrechnung bis heute daran. "Die zwei Kaiser" erzählt, wie es dazu kam, daß die "Schöne Kaiserin" Hela-Horas, die fast ganz Aventurien beherrschte und eigentlich keinen Gegner zu haben schien, von einem kleinen, in Gareth heimisch gewordenen Tulamiden namens Raul gestürzt wurde und somit die Gründung des heutigen Mittelreichs möglich wurde. Da das Bosparanische Reich sich eng am Römischen Reich orientiert, ist "Die zwei Kaiser" innerhalb der DSA-Roman-Reihe ziemlich außergewöhnlich, quasi der erste Römer-Roman in Aventurien. ;\)

Autor Jödemann konzentriert sich dabei auf zwei Haupterzählungsstränge, die das Geschehen von beiden Seiten beleuchten. Auf der einen Seite folgen wir den Erlebnissen von Raul und seinem besten Freund Baduar, die als Gardisten in Gareth beginnen, aber schnell in den Rängen aufsteigen. Bis sich Raul in eine bosparanische Prinzessin verliebt und sie gegen alle Konventionen für sich gewinnen will - was erstaunliche Folgen für das gesamte Reich zeitigt. Auf der anderen Seite wagt sich Jödemann nur indirekt an die Kaiserin Hela-Horas heran, indem er die Geschichte aus der Perspektive des Anführers ihrer Leibgarde, Salim al´Thona, erzählt. Zu Beginn sind die beiden Erzählstränge ziemlich gleichberechtigt und wechseln sich brav Kapitel für Kapitel ab, etwa ab der Hälfte des ersten Bands rücken jedoch Raul und Baduar immer stärker in den Focus der Handlung - und das ist auch gut so, da ihre Geschichte zunächst deutlich interessanter verläuft.

Das Hauptproblem von "Die letzte Kaiserin" ist, daß das Buch sehr gemächlich, ja sogar langweilig beginnt. Angesichts des hochinteressanten Settings ist das erstmal eine ziemliche Enttäuschung, aber etwa nach dem ersten Drittel nimmt die Story zunehmend Fahrt auf. Raul, Baduar und auch Salim sind sehr interessante sowie gut und glaubwürdig herausgearbeitete Charaktere und auch die indirekte Erzählweise des bosparanischen Handlungsstrangs erweist sich als gute Idee, denn Hela wird dadurch nicht entmystifiziert oder ihre Taten laienpsychologisch erklärt, sie bleibt ein faszinierendes, trotz ihrer von Anfang an deutlich gemachten Ruchlosigkeit auch charismatisches Mysterium.
Leider kann der Beginn der Liebesgeschichte zwischen Raul und Prinzessin Vallusa nicht ganz überzeugen. Es wird nicht wirklich klar, warum Raul sich auf den ersten Blick in sie verliebt und bereit ist, wirklich alles zu opfern bei dem Versuch, sie zu gewinnen. Da muß man sich als Leser einfach auf die "irrationale Liebe auf den ersten Blick"-Theorie einlassen. Das ist zunächst ein wenig unbefriedigend, aber dafür ist die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden deutlich interessanter und glaubwürdiger gelungen.
Vor allem aufgrund des wenig überzeugenden Beginns, dem aber eine rasante Steigerung folgt, gebe ich "Die letzte Kaiserin" nur die Note 2-.

Beim zweiten Band läuft es eigentlich genau umgekehrt: Die Charaktere sind schließlich bereits etabliert und da der erste Band mit einem klassischen Cliffhanger endet, beginnt "Der erste Kaiser" in medias res. Dabei wird das hohe Tempo und der ebenso hohe Unterhaltungswert der letzten zwei Drittel von "Die letzte Kaiserin" lange Zeit nahtlos beibehalten, auf den ersten gut 200 Seiten gibt es eigentlich kaum Raum für Kritik. Nur Rauls unaufhaltsamen Aufstieg vom Niemand zum von allen (Aufständischen) verehrten Anführer fand ich nicht ganz überzeugend rübergebracht. Daß er ob seiner Taten vor allem im einfachen Volk jede Menge Bewunderer hat, ist klar, aber diese uneingeschränkte Heldenverehrung kann ich nicht völlig nachvollziehen. Dafür wird nun sogar Helas Motivation für ihre Taten - von der ich zwischenzeitlich bereits befürchtete, daß sie komplett ignoriert werden würde - behutsam angedeutet; genau im richtigen Maße, um glaubwürdig zu wirken, ohne irgendeine banale Erklärung zu liefern.

Auf den letzten 100 Seiten gibt es für mich dafür umso mehr Grund zur Kritik. Und dafür gibt es vor allem einen Grund: Ulrich Kiesows "Das zerbrochene Rad"! Denn wer Kiesows epochale Beschreibung der Schlacht auf den Vallusanischen Weiden genossen hat, der KANN mit Jödemanns eher spröder Nacherzählung der Zweiten Dämonenschlacht kaum zufrieden sein. Dafür ist diese viel zu kurz geraten, vor allem aber springt niemals wirklich der Funke über, bleibt man als Leser stets erstaunlich distanziert. Ich meine, bei allen Göttern, es ist DIE ZWEITE DÄMONENSCHLACHT! Nicht irgendein popeliges Scharmützel mit einer Schar Orks! Während der "menschliche" Teil der Schlacht noch akzeptabel ausfällt (wenngleich sich die Bosparaner für meinen Geschmack trotz der widrigen Umstände in Führungsfragen arg leicht austricksen lassen), wird es ab Hela-Horas Beschwörung der Erzdämonen richtig enttäuschend. Erstens wird dieser entscheidende Teil in wenigen Seiten abgehandelt und zweitens - ich weiß, ich wiederhole mich - gelingt es dem Autor hier in keiner Sekunde, den puren Horror zu vermitteln (und am Ende die umso größere Erleichterung), den dieses Szenario schlicht und ergreifend verlangt. Das ist zuletzt beispielsweise Bernard Craw in "Todesstille" sehr viel besser (wenn auch nicht perfekt) gelungen. Kurioserweise schafft es eigentlich auch Jödemann in etlichen Szenen, nur eben nicht während dieser Schlacht. Und trotz zwischenzeitlicher Höhen ist auch das Ende der Kaiserin in seiner Banalität kaum befriedigend - wenn auch zugegebenermaßen im Kontext der offiziellen aventurischen Geschichtsschreibung überraschend. Der schöne Epilog (samt "was dann mit ihnen geschah"-Nachwort) entschädigt dafür ein wenig.

Wie soll man sowas nun bewerten? Ein Buch, das sich 200 Seiten lang klar auf 1er-Niveau bewegt, um dann im großen, heiß erwarteten Showdown ziemlich zu versagen? Wobei das natürlich schon harsch formuliert ist, denn für sich genommen ist die Schlachten-Beschreibung ja absolut in Ordnung, nur kommt sie eben der epochalen Bedeutung genau DIESER Schlacht IMHO nicht einmal nahe. Nunja, ich denke, es ist wiederum die Note 2- angemessen. Und damit ergibt sich als Gesamtnote für die Geschichte "Die zwei Kaiser" logischerweise ebenfalls eine 2-.

P.S.: Da ich es sonst immer kritisiere, muß ich es hier auch mal loben: Erfreulich wenig Rechtschreib- oder Tippfehler! Nur ganz am Ende häufen sie sich ein wenig, da wohl die Zeit etwas knapp (oder die Konzentration) ...
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Die Efferdperle - 29/09/09 06:46 PM

... vielleicht ist in letzterem ja auch die Ursache für das erzählerische Versagen zum Ende hin zu finden?
Wär´ schade, wenn es Jödemann da mit dem Verlag oder wem auch immer Verantwortlichen so gegangen wäre, wie etlichen Spieleentwicklern mit ihren Publishern - gelle?! \:\/
Posted By: Ralf

Re: Die Efferdperle - 30/09/09 09:34 AM

Tja, vielleicht wäre ein dritter Band, der sich hauptsächlich der Dämonenschlacht mit ihrem direkten Vor- und Nachspiel widmet, wirklich besser gewesen. Die Geschichten von Raul und Hela-Horas hätte man sicherlich noch etwas ausbreiten können, ohne an erzählerischer Qualität zu verlieren. Aber vielleicht lag es ja wirklich am Verlag, wer weiß?

Im übrigen soll nicht unerwähnt bleiben, daß die Kritiken zu den beiden Büchern bei alveran.org oder amazon.de im Schnitt deutlich besser ausfallen als meine. Vielleicht übergewichte ich meine Kritikpunkte ja einfach, aber der Schatten Kiesows ist in diesem Fall wohl einfach zu groß und die unzähligen Highlights von "Das zerbrochene Rad" noch zu gut in meinem Gedächtnis verhaftet ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Die Efferdperle - 30/09/09 04:16 PM

"Das zerbrochene Rad" habe ich immer noch nicht ... Und da ich es mir in den Kopf gesetzt habe, unbedingt die Hardcover-Ausgabe haben zu wollen, wird das vielleicht auch nie passieren ... Denn die ist fest in den Händen der Sammler ...
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Die Efferdperle - 30/09/09 07:55 PM

Da geht´s mir witzigerweise genau wie Dir, Alrik.

Für mich muß dieses Vermächtnis des DSA-Schöpfers was schweres, robustes in der Hand sein.

Den Zweiteiler mag ich nicht.


Ragon, der Rad-Magier

Posted By: AlrikFassbauer

Re: Die Efferdperle - 01/10/09 08:21 PM

Ich mag den Zweiteiler auch nicht. Künstlich entzwei gerissen, scheint mir.
Posted By: Ralf

Re: Die Efferdperle - 02/10/09 10:53 AM

Ist aber sicherlich handlicher als das 1000-Seiten-Monster (nein, ich geb´s trotzdem nicht her! \:-D ).
Posted By: AlphaZen

Re: Die Efferdperle - 02/10/09 06:44 PM

 Originally Posted By: Ralf

Auf den letzten 100 Seiten gibt es für mich dafür umso mehr Grund zur Kritik. Und dafür gibt es vor allem einen Grund: Ulrich Kiesows "Das zerbrochene Rad"! Denn wer Kiesows epochale Beschreibung der Schlacht auf den Vallusanischen Weiden genossen hat, der KANN mit Jödemanns eher spröder Nacherzählung der Zweiten Dämonenschlacht kaum zufrieden sein. Dafür ist diese viel zu kurz geraten, vor allem aber springt niemals wirklich der Funke über, bleibt man als Leser stets erstaunlich distanziert. Ich meine, bei allen Göttern, es ist DIE ZWEITE DÄMONENSCHLACHT! Nicht irgendein popeliges Scharmützel mit einer Schar Orks! Während der "menschliche" Teil der Schlacht noch akzeptabel ausfällt (wenngleich sich die Bosparaner für meinen Geschmack trotz der widrigen Umstände in Führungsfragen arg leicht austricksen lassen), wird es ab Hela-Horas Beschwörung der Erzdämonen richtig enttäuschend. Erstens wird dieser entscheidende Teil in wenigen Seiten abgehandelt und zweitens - ich weiß, ich wiederhole mich - gelingt es dem Autor hier in keiner Sekunde, den puren Horror zu vermitteln (und am Ende die umso größere Erleichterung), den dieses Szenario schlicht und ergreifend verlangt.


Da kann ich nur uneingeschränkt zustimmen!

Nach dem Lesen der Schlacht dachte ich mir so "Äh.... das soll eine Dämonenschlacht gewesen sein? Eine, die eines der mir mit am häufigsten untergekommenen geschichtlichen Ereignisse war?"
Da war ich wirklich enttäuscht. Ich hab mich im Nachhinein dann im Netz weiter über diese Schlacht informiert. Da habe ich unter anderem rausgefunden, dass Baduar mit einem gewissen Dämonenspeer gekämpft haben soll. Aber im Buch kam das nicht vor. Oder doch, und mein Gedächtnis ist nur um einiges miserabler, als ich selbst bisher befürchtet hatte? \:D

Auf jeden Fall wurde in dem Abschnitt viel verschenkt. Was schade ist, denn den Rest der Bücher fand ich wirklich gut und meist auch recht spannend. Die Liebesgeschichte war mir etwas zu konstruiert, aber ok. Alles in allem gehören die beiden Romane für mich sicherlich zu den besseren aus der DSA-Reihe.

Mit den Rechtschreibfehlern wäre ich vor ein paar Tagen zwar nicht mit dir konform gegangen, aber nun, da ich "Die Legende von Assarbad" lese, kann ich doch nur zustimmen. Im Vergleich zu diesem Buch gibt es in "Die zwei Kaiser" wirklich wenige Fehler. ^^"


Btw., Hinweise zu Feuertänzer können nicht genug auftauchen, da ich weder hier noch bei Alveran wirklich regelmäßig reinschaue. \:D
Posted By: Kunar

Göttergleich in Phexcaer - 17/10/09 07:51 PM

Diesmal gibt's in der Rezension ein Doppelpack. Das hat einen guten Grund: Die beiden DSA-Kurzgeschichtensammlungen "Mond über Phexcaer" und "Der Göttergleiche" überschneiden sich inhaltlich. Da bietet es sich an, beide gemeinsam zu besprechen. Dadurch fällt es leicht, auf die Unterschiede einzugehen, die zwischen der jeweils älteren und neueren Version der wiederveröffentlichten Erzählungen bestehen. Insgesamt handelt es sich um sieben Geschichten:

Petra Baum: Maligno

Maligno führt ein glückliches Leben. Doch er spürt, dass er für seine Familie und Freunde zur Gefahr wird... Mehr sollte man nicht verraten. Die Kurzgeschichte ist ein überzeugender Einstieg im Buch "Der Göttergleiche".

Ina Kramer: Die Freifrau und der Zauberlehrling

Der siebzehnjährige Abelmir macht eine Ausbildung beim Magier Xerber ins Eslamsroden. Eines Tages verliebt er sich in eine Kundin seines Meisters... Diese Geschichte ist bereits 1991 in Ausgabe 10 des Fantasymagazins "Wunderwelten" erschienen und es war eine gute Entscheidung, sie in "Der Göttergleiche" wiederzuveröffentlichen. Geschildert aus der Perspektive des Zauberlehrlings, überzeugt die Erzählung sowohl durch ihren Inhalt als auch durch die Wortwahl.

Lena Falkenhagen: Wolfstränen

Kantala ist tieftraurig: Als Wolfsmensch ist sie es gewohnt, sich zu verwandeln. Doch seit einiger Zeit überkommt sie in Tiergestalt ein unbezähmbarer Blutdurst - und eines Tages ist ein Kind ihr Opfer... Eine mystisch-übernatürliche Geschichte, die wohl in den Nivesenlanden spielt und bei der mir besonders das Ende gefallen hat. Die Abenteuer "Das Levthansband" und "Sumus Blut" sollen sich ebenfalls mit der Thematik beschäftigen. Ein würdiger Abschluss des Buches "Der Göttergleiche", dessen Titelbild, mehrere Wölfe bei Vollmond, passend zur Geschichte gewählt wurde.

Christel Scheja: Die Diebe von Rashdul

Djamilla Azila hat es schon in jungen Jahren geschafft, die Königin der Diebe von Rashdul zu werden. Ihr Gegenspieler ist die Shanja, also Herrscherin der Stadt. Der neue Hauptmann der Stadtwache, Ilnamar ay Shorn, hat es sich in den Kopf gesetzt, die Meisterdiebin zu fangen...

Das Flair einer Stadt im Süden Aventuriens wird gut eingefangen und farbenfroh mit vielen Details geschildert. Die Handlung selbst ist eher eine kleine Episode, aber ok. Weniger gelungen ist die Darstellung der Figuren, welche sich verkürzt so wiedergeben läßt: Die Frauen sind gut und listig, die Männer böse und brutal. Wenigstens wird dieses Schema von dem Hauptmann durchbrochen.

Unangenehm fallen bei dieser Erzählung in "Mond über Phexcaer" die vielen Rechtschreibfehler auf. Auch der Name des Söldners wird immer wieder anders geschrieben. In der Wiederveröffentlichung wurden einige Fehler behoben. Außerdem gab es minimale Umformulierungen, die sich auf die Ebene einzelner Wörter beschränken. Eindeutig die schwächste Geschichte in "Der Göttergleiche", im Vergleich zum sonstigen DSA aber immer noch gehobener Durchschnitt.

Interessant ist, was die Autorin über ihre Hauptfigur schreibt. Demnach geht die Geschichte im Roman "Katzenspuren" weiter, während der Beitrag "Die unvollkommene Tänzerin" in "Gassengeschichte" eine Episode aus der Vergangenheit behandelt. Die weiteren Geheimnisse liefern noch einige Hintergrundinformationen zu den Charakteren.

Jörg Raddatz: Einen Drachen zu töten

Golambes von Gareth-Streitzig, Landgraf der Trollzacken, baut wieder auf, was mehr als 1000 Oger verwüstet haben, und versucht aus seinem Lehen das Beste für dessen Einwohner herauszuholen. Da erreicht ihn die Nachricht, dass sich ein Kaiserdrache auf dem Berg Wolkenkopf niedergelassen hat und ihn zu sprechen wünscht...

Liest man sich die reinen Fakten durch, die man über den Protagonisten erfährt, gäbe es viele Gründe, ihn als überkandidelten Charakter abzustempeln: Ein halbelfischer Adeliger, der einflussreiche Personen und legendäre Helden als Freunde und Verwandte hat, sich ein vorlautes Mundwerk erlauben kann und dazu noch über ungewöhnliche Eigenschaften und Ausrüstungsgegenstände verfügt. Allerdings zeigt er gleichzeitig oft allzu menschliche Schwächen, trifft falsche Entscheidungen und grübelt lange vor sich her. Ein strahlender Held sieht anders aus. Diese ungewöhnliche Mischung macht Golambes zu einer schillernden Figur, deren Weg man gerne verfolgt. Beachtlich, wie der Autor es geschafft hat, lustige, traurige und spannende Stellen zu einem Ganzen zu vereinen.

Kleines Schmankerl am Rande: Wer "Die Gabe der Amazonen" von Ulrich Kiesow gelesen hat, immerhin der zweite DSA-Roman überhaupt, der erfährt kurz und knapp, was aus den Hauptfiguren dieses Buches geworden ist.

Im Vergleich zur ursprünglichen Version in "Mond über Phexcaer" wurde die Geschichte in "Der Göttergleiche" an zahlreichen Stellen leicht abgeändert. Einen detaillierten Überblick gibt es im Wiki Aventurica. In vielen Fällen wurden dabei interessante Details weggelassen und so manche spitze Bemerkung gegenüber der kaiserlichen Familie entschärft - schade. Ungeachtet dessen stellt die Geschichte in beiden Ausgaben einen absoluten Höhepunkt aventurischer Erzählkunst dar und übertrifft so manchen kompletten DSA-Roman.

Ulrich Kiesow: Der Göttergleiche

In einem Gasthaus auf einer Handelsstraße südlich des Eisenwaldes, einem Gebirge im Westen Aventuriens, treffen verschiedene Gruppen von Reisenden aufeinander. Da draußen ein Gewitter tobt, sitzt man dichtgedrängt und irgendwann droht die alkoholgeschwängerte Stimmung zu eskalieren... Ulrich Kiesow, der verstorbene Vater des ursprünglichen Rollenspielsystems "Das Schwarze Auge", war ein Meister, was die Schilderung einzelner Szenen betrifft. In der Geschichte geht es nicht um große Helden, sondern um eine Situation, wie sie sich täglich in der Kneipe in einer Fantasywelt abspielen könnte. Dabei fehlt weder ein ungewöhnliches noch ein moralisches Element.

Im namensgleichen Buch steht, die Geschichte sei in "Mond über Phexcaer" in verkürzter Version erscheinen. Mir kommt es eher so vor, als sei sie bei der Wiederveröffentlichung erweitert worden. Mehrfach wurden Einzelheiten umformuliert, andere Sachen direkt erklärt, die man sich in der ursprünglichen Version selbst zusammenreimen musste. Insbesondere am Ende folgt eine längere aventurische Verdrahtung des Außergewöhnlichen.

Das ist einerseits schön für den Leser, der nicht so viel spekulieren will oder sich freut, dass das, was man sich ohnehin nach Lektüre der Originalausgabe dachte, in der Wiederveröffentlichung bestätigt wurde. Andererseits fehlt vielleicht ein wenig der Reiz des knapper Geschilderten und des Ungewissen, welches einige Dinge einfach mal ohne nachträgliche Erläuterung so stehen läßt.

Der Thorwaler Thimorn, der in der früheren Version auftritt, wurde in der späteren Ausgabe durch eine Thorwalerin namens Thornhild ersetzt. Es gibt eigentlich keinen zwingenden Grund dazu. Selbst wenn so leichter nachvollziehbar ist, warum der Chef der Fuhrleite diese Person unbedingt dabeihaben wollte, ist das ein wenig plump: Es ist doch genauso gut möglich, dass er einfach von dem Thorwaler große Stücke hält und seinen Fähigkeiten vertraut, anstatt dass er unbedingt heiß auf die Thorwalerin sein muss.

In beiden Ausgaben bleibt es eine sehr schöne Geschichte, unabhängig davon, dass sie in der Originalversion ohne allzu viel Aventurienspezifisches auskommt. Es ist müßig, darüber zu streiten, ob nun dies oder die Drachengeschichte der beste Beitrag in beiden Büchern ist.

Übrigens ist die spätere Version von "Der Göttergleiche" auch als Hörbuch beim Horchposten-Verlag erschienen. Der Verlag bietet eine kostenlose Hörprobe aus der Mitte des Textes an.

Pamela Rumpel: Der Mond über Phexcaer

Allhina, eine novadische Kriegerin, sucht ihren geliebten Sanshied. Dieser ist anscheinend in die Fänge eines finsteren Magiers namens Xaraxus gelangt und in Phexcaer gelandet. Auf dem Weg dorthin trifft die Novadi auf einen Gaukler, der sich ihr als Diener anbietet und immer wieder hilft. Hilfe hat sie auch bitter nötig, denn in und um Phexcaer tummelt sich allerlei Gesindel, das bestenfalls zwielichtig und oft mächtig und bedrohlich ist.

Die Geschichte nimmt knapp die Hälftes des fast gleichnamigen Buches ein und war für mich der Grund, es überhaupt ersteigern zu wollen. Wer die Nordlandtrilogie gespielt hat, fragt sich, wieviel von der Stadt der Diebe in dem zwei Jahre vorher veröffentlichten Buch vorkommt. Insgesamt ist die Geschichte in dieser Hinsicht eine Enttäuschung: Meine Vermutung, Mond über Phexcaer sei die erste Phexcaer-Quelle nach den frühen Aventurischen Boten, wurde nicht bestätigt. Die Übereinstimmungen mit der Nordlandtrilogie ergeben sich immerhin an wenigen Details; für mehr ist die Stadt in der Geschichte einfach zu ungenau beschrieben. Tatsächlich stellt die Phexcaer-Darstellung in den Kleinodien die älteste kanonische Quelle dar. Hier werden Einzelheiten geschildert, welche später für die Kurzgeschichte "Der Mond über Phexcaer" und das Computerspiel "Die Schicksalsklinge" verwendet wurden.

Wenn man nicht "Die Schicksalsklinge" gespielt hat und dadurch neugierig auf eine Geschichte ist, die als Schauplatz eine dort vorkommende Stadt hat, hat man keinen Grund, die Erzählung zu lesen. Sie ist einfach viel zu unausgegoren, um an irgendeiner Stelle zu überzeugen. Das fängt bei den unrealistischen Charakteren an und hört beim praktisch nicht vorhandenen Spannungsbogen auf.

Die Hauptheldin, eigentlich eine Kriegerin, gerät ständig in eine Situation, in der sie zum Opfer wird, das von den Freunden gerettet werden muss. Der Gaukler kennt nicht nur schlaue Verkleidungstricks, sondern verfügt über profundes Hintergrundwissen rund um einen menschenscheuen Magier und dessen Machenschaften. Außerdem hat er wertvolle Ausrüstung bei sich und ist trotz seines Äußeren ein willkommener Liebhaber. Warum er bei all diesen Eigenschaften nicht längst selbst eine Gruppe anführt, sondern sich unbedingt jemandem andienern muss, bleibt ohne Begründung. Als Nebenfiguren treten unter anderem ein Bordellbesitzer auf, der sich wie ein echter Menschenfreund verhält, sowie eine geheimnisvolle Schlangenfrau, die natürlich ebenfalls gerettet werden muss, bevor sie ihre Stärken ausspielen kann. Man verrät hier nicht zuviel, wenn man diese Personen erwähnt, denn sie tauchen größtenteils aus dem Nichts in der Geschichte auf, nur um dann ohne zu Zögern der Heldin beizustehen. Einzig der sympathische Händler Haimamud wird als interessante Figur geschildert.

Die Hintergrundgeschichte, die bereits am Anfang in wesentlichen Zügen geschildert wird, bleibt auch im Verlauf ohne größere Überraschungen und ist der untersten Schublade der Fantasyklischees entnommen: Der böse Magier hat den geliebten Partner des Protagonisten in seine Gewalt gebracht und veranstaltet furchtbare Rituale und Experimente in seinem Turm. Natürlich geht es nicht ohne Dämonen, wobei hier unbedingt ein neuer namens Moilon eingeführt werden muss, der sowohl Gegenspieler der Erzdämonen als auch des Namenlosen ist. Klar, darunter geht's nicht, sonst wäre die Gefahr nicht ersichtlich, in der sich die geliebte Person befindet. Warum der Magier ausgerechnet Hunderte von Meilen entfernt im Land der Novadis diesen Menschen rauben musste, braucht offenbar keine schlüssige Erklärung.

Die absehbare Konfrontation mit dem Antagonisten wird durch völlig unmotivierte Nebenhandlungsstränge hinausgezögert. Anstatt dass sich dabei neue schwierige Konflikte auftun, etwa solche moralischer Art, finden die eindeutig erkennbaren Guten jedoch ohne größere Umwege zusammen und stehen uneigennützig einander bei.

Da das bekannte Rezept für billige Fantasy jedoch nicht nur aus unfreiwillig komischem Horror und unnötig brutaler Gewalt besteht, muss natürlich noch die wichtigste Zutat her, nämlich möglichst oft möglichst viel nackte Haut, ohne dass dies in irgendeiner Form durch die Handlung motiviert wird. Wenn die - selbstverständlich gutaussehende - Hauptheldin mal nicht entführt und ausgezogen wird, müssen eben grundlos noch einmal ihre körperlichen Vorzüge beschrieben werden. Als Tarnidentität bietet sich natürlich am besten eine Stelle als Hure in einem Luxusgewerbe an.

Die Geschichte "Der Mond über Phexcaer" verhält sich zu guten DSA-Geschichten etwa so wie italienische Fantasyfilme zu "Conan, der Barbar". Kein Wunder, dass sie als einzige nicht wiederveröffentlicht, sondern durch drei deutlich bessere Beiträge ersetzt wurde.

Abschließendes über beide Bücher

"Mond über Phexcaer" war die erste DSA-Kurzgeschichtensammlung und der dritte DSA-Roman überhaupt. Fünf Jahre, bevor die bekannte Romanreihe bei Heyne gestartet wurde, haben die damaligen DSA-Autoren dieses Buch durch ihrem eigenen Verlag veröffentlicht - Fantasy Productions, heute bekannt als Fanpro. Zu bemängeln sind die vielen Rechtschreibe- und Zeichensetzungsfehler, auch wenn heute noch immer wieder DSA-Romane mit diesem Mangel erscheinen und der erfahrene DSA-Leser dies schon gewohnt ist.

Das Titelbild, auf dem eine Echse mit einer leichtbekleideten Frau tanzt, während halbnackte Elfen zur Musik aufspielen, hat zwar nichts mit dem Inhalt zu tun, auch wenn der Vollmond im Hintergrund an die Titelgeschichte denken läßt, ist jedoch schön anzusehen. Außerdem wurde die typische DSA-Schriftart verwendet, welche auf den damaligen DSA-Produkten zu sehen war. Da sich die Illustration auch auf den Buchrücken erstreckt, lohnt sich ein Blick auf das vollständige Titelbild bei Darakens Rollenspiel-Infopage.

Das Buch ist heute vergriffen und wird unter zum Teil fantastischen Preisen bei diversen Händlern im Internet angeboten. Daher lohnt sich der Kauf nur für Sammler, die unbedingt jeden DSA-Roman haben wollen. Alle anderen werden wohl kaum für 226 Seiten etwa 30 Euro hinlegen - im günstigen Fall, wohlgemerkt.

"Der Göttergleiche" erschien 1995 bei Heyne und stellt einen frühen Höhepunkt der damals noch frischen DSA-Reihe dar. Das Buch bietet mehr Lesevergnügen und aventurische Stimmung als viele DSA-Romane. Die Zusammenstellung der Erzählungen ist deutlich besser gelungen als bei der späteren DSA-Geschichtensammlung " Von Menschen und Monstern". Anhand kurzer Geschichten wird das Leben in verschiedene Gegenden Aventuriens geschildert. Außerdem gibt es eine grobe Aventurienkarte sowie als Anhang eine Erklärung der wichtigsten aventurischen Begriffe sowie einiger Ausdrücke, die in den Geschichten des Buches eine Rolle spielen. Auch heute noch ist dieses Buch gebraucht zu vernünftigen Preisen zu haben, weswegen es auch Einsteigern in die Welt des Schwarzen Auges empfohlen werden kann.

Da es nur wenige Personen gibt, die beide Bücher gelesen haben und diese vergleichen können, möchte ich noch auf die Besprechungen von Stefan Knopp bei media-mania.de hinweisen:
* Rezension von "Mond über Phexcaer
* Rezension von "Der Göttergleiche"
Posted By: Kunar

Wenn das Rad zerbricht - 30/10/09 10:52 PM

Fragt man unter Spielern des Rollenspielsystems "Das Schwarze Auge", welches die großen Werke unter den DSA-Romanen sind (und zwar sowohl im Sinne von großartig wie voluminös), so werden vor allem jene vier genannt: "Das Jahr des Greifen" von Wolfgang Hohlbein und Bernhard Hennen, "Drei Nächte in Fasar" von Bernhard Hennen, "König Dajins Leben" von Karl-Heinz Witzko - und "Das zerbrochene Rad" von Ulrich Kiesow.

Mit letzterem ist eine traurige Geschichte verbunden: Zwei Tage, nachdem er das Buch fertiggestellt hatte, verstarb DSA-Schöpfer Ulrich Kiesow. So kann der Titel (welcher ursprünglich "Wenn das Rad zerbricht" gelautet hatte) durchaus als Anspielung auf die Realität verstanden werden. Schließlich symbolisiert das zerbrochene Rad in Aventurien den Tod...

Der Roman spielt zwischen Phex 1019 und Praios 1021 nach Bosparans Fall (also 26 bis 28 Hal) im Bornland, in Tobrien und Weiden mit gelegentlichen Schwenks nach Maraskan. Er berichtet, welchen Schatten die Rückkehr Borbarads auf den Nordosten Aventuriens wirft.

Den großen Rahmen bilden drei wichtige Schlachten der Borbaradkrise. Die alles entscheidende Schlacht an der Trollpforte, auch bekannt als Dritte Dämonenschlacht, ist jedoch nicht dabei. Da die Schlacht bei Eslamsbrück (alternativer Name: "Blutige Tobimora"), die Schlacht bei Ochs und Eiche und schließlich die Schlacht auf den Vallusanischen Weiden aus der Sicht einzelner Personen geschildert werden, die unmittelbar ins Kampfgetümmel verwickelt sind, bekommt der Leser keinen direkten Gesamtüberblick. Um dieses Manko zu beheben, ist im Anhang eine Schlachtenübersicht inklusive Auflistung der Truppen und Verlaufsplänen enthalten. Diese Herangehensweise kann nur als vorbildlich bezeichnet werden für Fantasyromane, die ähnlich große Kämpfe erzählen.

Die über 1000 Seiten starke Handlung teilt sich in mehrere Haupt- und Nebenstränge auf: Graf Uriel von Notmark hat sich mit dem Dämonenmeister verbündet und sammelt Truppen, um das Bornland zu unterwerfen. Als neuer Ratgeber dient ihm der unheimliche Magier Mengbillar. Außerdem zieht er benachbarte Adlige mit Rede, Bestechung und Gewalt auf seine Seite. Seine ärgste Gegnerin ist die Gräfin Thesia Jadvige von Ilmenstein, die ihrerseits Kämpfer und Verbündte um sich schart. Die undurchschaubare Magierin Nahema ai Tamerlain spannt Stane ter Siveling für ihre Zwecke ein und zwischenzeitlich auch seine Frau Tjeika von Notmark, Adelsmarschallin des Bornlandes. Später in der Geschichte treten noch weitere Prominente in Form von Hochadel und Militär des Mittelreiches auf. Viel häufiger wird das Geschehen jedoch aus dem Blickwinkel einfacher Leute geschildert, die größtenteils aus dem Dorf Geestwindskoje nahe der tobrischen Grenze stammen. Wer Ulrich Kiesows Buch "Der Scharlatan" gelesen hat, der wird diesen Ortsnamen bereits kennen. Tatsächlich gibt es ein Wiedersehen mit dem Grafin Arvid von Geestwindskoje, der ehemaligen Magd Algunde, der früheren Ferdoker Lanzerin Selissa von Jergenquell und dem Illusionsmagier Gerion Rottnagel. Dazu kommt noch die junge Söldnerin Thesia Gilia, Erbe der Amazonenkönigin von Kurkum, sowie eine Dächsin namens Grimbart, die unter den Misa-Auen lebt. So unglaublich es klingen mag, aber all diese Fäden laufen nach und nach zusammen.

Beachtlich, zu wie vielen anderen Werken aus der Welt des Schwarzen Auges ein Zusammenhang besteht. Das Buch "Der Scharlatan" sollte man unbedingt vor dem zerbrochenen Rad lesen. "Steppenwind" von Niels Gaul erzählt, was gleichzeitig rund um Bjaldorn geschieht. Chronologisch passt es am besten, dieses Buch zwischen den beiden Teilen "Dämmerung" und "Nacht" einzuschieben. Selbst zu Ulrich Kiesows Erstlingswerk "Die Gabe der Amazonen" gibt es eine Verbindung: Das Schicksal des Ich-Erzählers Arve vom Arvepass kommt vor, außerdem wird das der Amazonenkönigin Yppolita von Kurkum erwähnt, die Thesia Gilias Mutter ist. Angedeutet werden außerdem noch Inhalte des Abenteuers "Der Zorn des Bären".

Mehrere Lieder und eine Sage sind geschickt mit der Handlung verwoben. Das Titelbild zeigt Thesia von Ilmenstein. Wer die auf den Rücken geschnallten Flügel, die z.B. auch auf der Illustration für die Bornland-Box "Rauhes Land im hohen Norden" zu sehen sind, für unrealistisch hält, der irrt: So etwas wurde etwa von den polnischen Flügelhusaren getragen.

Das zerbrochene Rad ist ursprünglich 1997 als ein großes gebundenes Buch erschienen. Später wurde es innerhalb der DSA-Romanreihe von Heyne in besagten zwei Teilen als Taschenbuch wiederveröffentlicht. Der Inhalt ist derselbe, einzig in optischer Hinsicht macht die Originalausgabe etwas mehr her.

Der DSA-Roman wird von vielen als "Ulrich Kiesows Vermächtnis" bezeichnet. Der Umfang des Buches und die Tatsache, dass es das letzte ist, was der geistige Vater Aventuriens so kurz vor seinem viel zu frühen Tod beendet hat, legen das nahe. So steht es auch im Innenteil der gebundenen Ausgabe. Dennoch wage ich zu behaupten: "Das zerbrochene Rad" ist ein Klassiker, aber kein Meisterwerk. Natürlich handelt es sich um ein bedeutendes Werk für das Schwarze Auge, aber der Versuch, es in seiner Wichtigkeit und Brillanz als aventurisches Pendant zu J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe" einzuordnen, ist zum Scheitern verurteilt. Dafür enthält es einfach zu viele erzählerische Mängel und Schwächen bei der Gestaltung der Figuren.

1. Die Haupthelden sind weder realistisch noch Sympathieträger. Am besten läßt sich das an Thesia von Ilmenstein festmachen. Ihre Darstellung taugt schlichtergreifend nicht, um mit ihr mitzufiebern. Stattdessen nervt sie über weite Strecken, denn sie ist einfach in jeder Hinsicht super und stellt damit jeden anderen Charakter grundsätzlich in den Schatten:

Sie sieht umwerfend aus, ist einer der zehn besten Fechter des gesamten Kontinents, hat eine exotische Geliebte und verfügt trotz ihres Grafentitels ausgerechnet im konservativen Bornland über völlig moderne Ansichten, was die Stände betrifft. Dazu kommt ein "aufgeklärter" Götterglaube, der bei den Lesern wohl Sympathie erheischen soll, sich allerdings kaum mit dem traditionellen Zwölfgötterglauben vereinbaren läßt. Darüber hinaus ist sie gut zu Goblins, anstatt die Rotpelze wie jeder andere normale Aventurier zu verachten.

Spannung und Überraschung nimmt sie aus der Geschichte, weil sie wie ein moralischer Nordpol wirkt, an dem sich alles ausrichten läßt: Sie wird von allen Guten gemocht, von allen Bösen gehasst und von allen Hilflosen bewundert. Wenn sie etwas macht, dann ist das natürlich richtig. Ihre Idee, bereits frühzeitig Soldaten zu sammeln, ohne dass sie einen handfesten Beweis oder einen konkreten Grund für dessen Notwendigkeit vorweisen kann, erweist sich nicht nur später als rettend fürs Bornland, sondern wird auch ohne größere Diskussion befolgt, obwohl die bornländischen Bronnjaren doch so stolz auf ihre Unabhängigkeit sein sollen.

Was für eine tolle Person sie ist, merkt man zudem daran, dass sie eine Freundin von Nahema ai Tamerlein und der Amazonenkönigin Yppolita von Kurkum ist. Letztere benennt sogar ihre eigene Tochter nach Thesia.

Warum sollte man in einem DSA-Roman etwas durchgehen lassen, was schon in zweitklassigen Action- und Fantasyfilmen die Handlung spürbar verflachen läßt? So einseitig gute Figuren zerstören den fantastischen Realismus, der doch immer als DSA-Aushängeschild gepriesen und bei den Nebenfiguren angestrebt wurde.

Nahema ai Tamerlein dient als weiteres bewährtes Mittel, um den Ausgang von Konflikten und Intrigen vorhersehbar zu machen. Egal, wie undurchschaubar ihre Pläne scheinen mögen - sie weiß stets, was sie tut, und das ist natürlich immer wichtig. Jeder Sterbliche, der sich mit ihr anlegt, verliert automatisch - und wird dazu noch lächerlich gemacht.

Thesia Gilia von Kurkum geht einem ebenfalls sehr schnell schwer auf die Nerven. Klar, wenn man von einem Elfen verlassen worden ist, läßt einen der Liebeskummer schon dumme Dinge sagen. Wie sie aber in Selbstmitleid ertrinkt und stets die ihr zugedachte Rolle ablehnt, obwohl es jeder gut mit ihr meint und ihr keiner Vorwürfe wegen ihrer Verantwortlungslosigkeit macht, das tut schon weh.

Zwei der Hauptpersonen, die bereits aus dem Roman "Der Scharlatan" bekannt sind, wirken sehr unglaubwürdig. Algunde, die früher eine ängstliche und ein wenig einfältige Magd war, ist plötzlich eine reife, charismatische Persönlichkeit geworden. Graf Arvid hat es nicht nur seiner ehemaligen Verlobten verziehen, dass sie ihn wegen eines deutlich älteren, herumstreunenden Magiers verlassen hat, sondern nimmt auch gutmütig die Untreue seiner Ehefrau hin. Wahrscheinlicher wäre doch, dass er sie im Zorn erschlägt oder in Schimpf und Schande davonjagt. Es geht immerhin um einen bornländischen Grafen! Die Herrscher im Bornland sind schließlich stolz und deutlich unabhängiger als die Adligen im Mittelreich. Wer würde da den Prestige- und Autoritätsverlust akzeptieren, wenn er von einem Bauernjungen Hörner aufgesetzt bekommt? Ebenso seltsam erscheint es, dass er eine - nach aventurischem Recht - gerechte Strafe aussetzt und stattdessen seinen Rechtsvollstrecker entläßt. Normalerweise müssten danach die edlen wie die einfachen Menschen hinter seinem Rücken tuscheln, dass er seine Leute nicht im Griff hat, weil er zu nachsichtig und milde handelt.

2. Die Bösen bleiben blass. Ein gut gezeichneter Schurke kann so manche Geschichte erst richtig interessant machen - hier wurde diese Chance vertan. Uriel von Notmark ist hässlich, machtversessen, plump und brutal, wobei keine Erklärung geliefert wird, warum man einen so offensichtlich bösen Grafen, der selbst vor Mord und Verrat unter seinesgleichen nicht zurückschreckt, nicht schon längst abgesetzt oder zumindest isoliert hat. Natürlich sammelt er um sich nicht etwa nur Borbaradianer, sondern böse Söldner, böse Magier, böse Orks und böse Goblins - Hauptsache, diese sind alle fies und abstoßend und somit sofort als böse zu erkennen.

Eindimensional bleibt auch der Magier Mengbillar, dessen Name bereits selten dämlich gewählt ist - und das ausgerechnet von Borbarad selbst! Man hätte dem Bethanier doch etwas mehr Rafinesse zugetraut. Dazu verändert sich die Rolle des Magiers schlagartig zwischen den beiden Teilen des Romans: War er zunächst ein äußerst mächtiger, unheimlicherer Einflüsterer, verkommt er später zu einer kläglichen Figur, die nichts richtig hinbekommt und die von niemandem für voll genommen wird.

Besonders unangenehm fallen die beiden Figuren Tjeika von Notmark und Stane ter Siveling auf. Hatte man ihnen als Held im Abenteuer "Stromaufwärts" noch helfen müssen, so sind sie plötzlich zu völligen Karrikaturen verkommen: Tjeika ist nicht mehr eine schlank und schön, sondern fett und intrigant. Stane ist nicht mehr schüchtern, sondern einfältig und gierig. Warum diese Figuren plötzlich so stark verändert wurden, darüber ranken sich Gerüchte. Da jedoch nicht mehr alle beteiligten Personen darum gebeten werden können, ihre Version der Geschichte darzustellen, soll darauf hier nicht weiter eingegangen werden.

3. Es geht zu oft unter die Gürtellinie. Keine Frage: Wenn man schildert, wie sich Leute umbringen, kann man auch beschreiben, wie sie sich körperlich lieben. (Ja, nicht dieselben bzw. nicht gleichzeitig!) Wenn aber jede Gelegenheit für solche Szenen genutzt wird, dann ist mir das einfach zu viel des Guten! Nicht genug damit, dass die Helden in einer Art Dauerbrunftzeit zu verweilen scheinen, auch die Dämonen und ihre Körper werden in allen Einzelheiten beschrieben.

Eine andere Schattenseite ist noch mehr Geschmackssache und an die persönlichen Erwartungen an eine gute Fantasygeschichte gebunden. Die Guten erringen am Ende (welches nicht mehr in diesem Buch beschrieben wird) keinen echten Sieg. Stattdessen bleiben die Paktierer zurück und errichten ganze Reiche, die jahrelang unter ihrer Knute stehen. Man wollte damit wohl Horror in Aventurien etablieren. Nun ist es sicher vertretbar, dass bei einer epochalen Schlacht viele liebgewonnene Figuren abtreten. Irgendwann hätten sie aus Altersgründen ohnehin sterben müssen, und was wäre besser als ein heldenhafter Abgang? Die mit der Borbaradkrise verbundenen Änderungen gefallen mir jedoch nicht. Früher waren Dämonen Wesen einer anderen Sphäre, die ein guter wie böser Magier rufen konnte. Jetzt gibt es in den Regelwerken auf Dutzenden von Seiten detaillierte Beschreibungen, klar definierte Dämonenhierarchien und vor allem die Feststellung, dass nur noch böse Leute Dämonen beschwören. In der Box "Die Kreaturen des Schwarzen Auges" von 1989 wurde noch davor gewarnt, für das Spiel allzu mächtige Gegner zu schaffen, weil diese das Gefüge der Welt zerstören würden. Dieser Gedanke scheint mir mit der Überbetonung der Dämonen und den dauerhaft widernatürlichen Reichen völlig verloren gegangen zu sein.

Ulrich Kiesow war ein Meister darin, die Sichtweise verschiedener Personen und eine einzelne Situation zu schildern. Beim Versuch, eine Geschichte von größeren Ausmaßen zu stemmen, verzettelt er sich jedoch beim großen Ganzen. Wenn man sich die Mühe macht und die Zeitangaben vergleicht, die zur Reise von Thesia von Ilmenstein gemacht werden, so stellt man fest, dass diese nie und nimmer unter einen Hut zu bringen sind.

Dennoch scheint dem Buch ein Zauber innezuwohnen. Es ist einfach unheimlich gut zu lesen. Dieser Autor hätte selbst das einfache Leben auf einer Blumenwiese im Wechsel der Jahreszeiten so schildern können, dass es interessant gewesen wäre. Trotz aller Kritikpunkte lohnt es sich also, "Das zerbrochene Rad" zu lesen.


Zum Vergleich: die Rezension von Ragnar Schwefel - eine der wenigen Besprechungen, in denen auch Kritikpunkte vorkommen
http://www.alveran.org/index.php?id=162&publikationID=239

Das zerbrochene Rad als Hörspiel beim Horchpostenverlag (mit Hörproben):
http://www.horchposten.de/hoerbuecher/index.php?id=2
http://www.horchposten.de/hoerbuecher/index.php?id=3

P.S.: Hier wurde die These geäußert, die gebundene Originalausgabe sei nicht mehr oder nur zu horrenden Preisen erhältlich. Ich habe es daraufhin selbst probiert und in weniger als einer halben Stunde geschafft, ein sehr gut erhaltenes Exemplar für weniger als den Originalpreis zu bekommen. Natürlich mag dieser Wissensstand bald wieder überholt sein. Dennoch biete ich jedem Forumsmitglied an, via private Nachrichten meine Methode zu verraten (die allerdings, nebenbei bemerkt, ganz unspektakulär ist und kein Expertenwissen benötigt).
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Wenn das Rad zerbricht - 30/10/09 11:26 PM

[quoteStattdessen bleiben die Paktierer zurück und errichten ganze Reiche, die jahrelang unter ihrer Knute stehen. Man wollte damit wohl Horror in Aventurien etablieren.[/quote]

Das ist eines der ganz, ganz großen Probleme Aventuriens geworden.

Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Es wird im Allgemeinen von den Fans angenommen bzw. vermutet, daß anschließend irgendwann eine Kampagne zur Befreihung der Schwarzen Lande kommen sollte.

Das ist nie geschehen.

Statt dessen ist es - aus der Sicht einiger - nur noch schlimmer geworden, am Schlimmsten jedoch mit dem die Spielerschaft unzwifelhaft spaltendem Jahr Des Feuers.

Nach einigen Spielern paßt Horror schlichtweg nicht nach Aventurien - das Aventurien mit seinen märchenhaften Bezügen, das Aventurien, in dem es noch Feen und Kobolde gibt.
Und Schelme natürlich auch.

Die Schwarzen Lande sind nun etwa 10 irdische Jahre alt geworden (etwa), und erst jetzt tut sich da so langsam etwas !


Ein weiteres, nicht auf den ersten Blick sichtbares, aber meiner Meinung nach noch viel schlimmeres Problem besteht darin, daß sich Spielerschaften bzw. eine ganze Spielergeneration gebildet hat, die es nicht anders kennt !
Für diese gehört Horror ganz natürlich zu Aventurien, da sie es gar nicht anders kennen.

Im Ulisses-Forum sah das bis vor einigen Monaten (ich habe da schon ein paar MOnate nicht mehr reingelesen) so aus, daß sich zwei Fraktionen gebildet haben (oder drei, je nachdem, wie man's sieht) :

- die "Ewiggestrigen", die Aventurien gerne wieder auf den Stand VOR den Schwarzen Landen und OHNE Horror haben möchten

- die jüngere Generation, die Horror als Spielelement unbedingt erhalten haben möchte, und Aventurien gar nicht anders als mit kennt

- die "Mittleren", die den Horror als Spielelement schon erhalten haben möchten, aber in reduzierterer Form als jetzt.

Viele, speziell der - wie ich sie nenne - "Ewiggestrigen" (zu denen ich mich auch weitgehend zähle) - verstehen nicht, daß sich der Horor-Aspekt, der ihrer Ansicht nach ein Fremdkörper im mehr märchenhaft orientierten Aventurien darstellt, sich so lange halten konnte bzw. so lange gebraucht hat, daß sich da eine gewisse Besserung der Verhältnisse eintrat.

Da ich seit mehreren Monaten nicht mehr im Ulisses-Forum mitlese, weiß ich nicht, wie der Stand der Dinge ist, aber ein paar der "Ewiggestrigen"-Fraktion hat sich inzwischen mehr oder weniger enttäuscht von Aventurien abgewandt. Insbesondere auch wegen dem "Jahr Des Feuers", das die Spielerschaft unwiederruflich gespalten hat.
Zum Beispiel der dortige Moderator (keine Ahnung, ob er es immernoch ist) namens "Arthur Dent", der die ganze Diskussion mit seinem legendären "Eine Meinung" oder so ähnlich überhaupt erst ins Rollen gebracht hat (verschiedene Diskussionen gab es schon früher, aber er hat sozusagen alles erst gebündelt, und damit unwissentlich diese Fraktionen ermöglicht bzw. überhaupt erst indirekt erschaffen). Er spielt jetzt Myranor, sagte er damals, als ich das letzte Mal dort mitlas.

Das ist der derzeitige Stand der Dinge, soweit ich weiß (Stand von vor mehreren Monaten).
Posted By: Ralf

Re: Wenn das Rad zerbricht - 31/10/09 10:01 AM

Kunar, zu Kiesows Magnum Opus habe ich eine deutlich andere Meinung - allerdings kann ich die ehrlich gesagt nicht mehr so richtig begründen, weil es schon so lang her ist, daß ich das Buch gelesen habe. Ich weiß aber, daß es sich mir SEHR positiv im Gedächtnis festgebrannt hat und daß ich damals keine größeren Probleme mit den Charakteren hatte.
Ein paar Anmerkungen trotzdem zu deinen Kritikpunkten:
1. Deine Beschreibungen von Thesia und Thesia Gilia könnte man so ähnlich auch auf Gandalf und Frodo anwenden. Vielleicht ist der HdR-Vergleich (den ich allerdings nicht ziehen würde) doch nicht SO weit hergeholt? ;\)
2. Du widersprichst dir teilweise selbst, indem du bei den Charakteren eine zu klischeehafte Ausarbeitung anprangerst, dich dann aber ärgerst, daß speziell im Bezug auf die Bornländer nicht genügend auf die altbekannten Klischees geachtet wurde. Ich denke, das zeigt schon, daß es sich in der Tat eher um persönlichen Fantasy-Geschmack handelt als um rein objektive Kritikpunkte.
Gerade bei Nahema darf man zudem nicht vergessen, daß die in Spielerkreisen ja irgendwann richtiggehend verhasst wurde ob ihres "Powergamer"-Charakters - allerdings war das zum Zeitpunkt des Erscheines von "Das zerbrochene Rad" noch nicht so, deshalb funktionierte ihre Figur innerhalb des Romans damals wahrscheinlich einfach besser ...

Und was die auch von Alrik geteilte Kritik an den Folgen der Borbarad-Invasion betrifft: Ganz ehrlich, ich kann sie nicht verstehen! Genauer gesagt, ich kann schon nachvollziehen, warum man so denkt, aber ich verstehe nicht, warum es wirklich ein Problem sein soll. Die Schwarzen Lande wurden doch eingerichtet, um den Spielern eine weitere Genre-Alternative zu bieten. Das ist gelungen. Wer an Horror kein Interesse hat, kann sich ja immer noch in den Mittellanden, im Horasreich, im Novadi-Gebiet, in den Nordlanden oder in Al´Anfa vergnügen (oder gleich in Myranor). Warum ist es so schlimm, daß Tobrien, Maraskan (das zudem schon immer eher in die Horror-Richtung ging) und ein paar weitere Gebiete auch die Grusel- und Horrorfans bedienen?
Und was die Folgen des "Jahr des Feuers" betrifft: Immerhin wurde das initiiert, um wieder mittelalterlichere Stimmung im Mittelreich zu etablieren. Meiner Meinung nach eine sehr gute Idee, da mir das Mittelreich in den vorangegangenen Jahren schon deutlich zu fortschrittlich geworden war. Jetzt ist es im historischen Vergleich zur Erde zeitlich wieder zurückgefallen - und das eröffnet in der Theorie natürlich auch wieder mehr Platz für das von Alrik geforderte "Märchenhafte". Denn das wird bekanntlich stets vom Fortschritt verdrängt. Jetzt, wo der Fortschritt vorerst aufgehalten wurde, kann es sich wieder mehr verbreiten. Aber natürlich sind da primär die Abenteuer-Autoren gefragt (wie auch dabei, den Horror-Anteil nicht unverhältnismäßig werden zu lassen), die das dann auch umsetzen müssen. Oder die Spielleiter, die ihre eigene Fantasie spielen lassen.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Wenn das Rad zerbricht - 31/10/09 11:33 PM

Die Schwarzen Lande sind ja auch nicht schlecht.

Nur passen sie nicht ganz so gut rein bzw. hat es nie einen Umschwung gegeben.

Was das Jahr Des Feuers angeht, da ist die Spaltung *wesentlich* tiefer. Selbst gestandene Fans sagen oft, daß man damals weit über das Ziel hinausgeschossen ist.

Die Gruppe der "Ewiggestrigen" stört sich auch mehr daran, daß der Preis für ein Spielkonzept, das "Heldentum" im Setting fördert, zu hoch ist, und daß nun alles nur noch "grau in grau" ist, und es keine "echten Helden" mehr gibt - speziell als Meisterpersonen.

Spieler des der JDF-Kampagne sagen auch häufig, daß sie im Spiel alles daran gesetzt haben, um das Reich und das Drumherum zu retten - und fühlten sich vom Ergebnis vor den Kopf gestoßen.

Ich habe diese Kampagne nicht, weiß also daher nicht wirklich, was da abgelaufen ist, aber es muß etwas gewesen sein, was sie überhaupt nicht erwartet haben. Unter anderem ja auch die Ochsenbluter Bulle. Die das Reich und seine Kaiserin in ihren Augen enorm gewschwächt hat, während "Just Grausam" = Jost Gorsam an der Macht blieb. Das Schicksal von Emer ist ja auch nicht ohne.
Posted By: Ralf

Re: Wenn das Rad zerbricht - 01/11/09 10:13 AM

 Originally Posted By: AlrikFassbauer

Spieler des der JDF-Kampagne sagen auch häufig, daß sie im Spiel alles daran gesetzt haben, um das Reich und das Drumherum zu retten - und fühlten sich vom Ergebnis vor den Kopf gestoßen.

Ich habe diese Kampagne nicht, weiß also daher nicht wirklich, was da abgelaufen ist, aber es muß etwas gewesen sein, was sie überhaupt nicht erwartet haben. Unter anderem ja auch die Ochsenbluter Bulle. Die das Reich und seine Kaiserin in ihren Augen enorm gewschwächt hat, während "Just Grausam" = Jost Gorsam an der Macht blieb. Das Schicksal von Emer ist ja auch nicht ohne.


Gut, das kann ich natürlich nachvollziehen und ich habe auch davon gelesen, daß im "Jahr des Feuers" eine gewisse Machtlosigkeit der Spieler vorhanden war, die in einem Rollenspiel natürlich nicht unbedingt wünschenswert ist. Der Hauptkritikpunkt war, soweit ich mich erinnere, daß diejenigen Spieler(gruppen), die sich entschieden haben, sich auf Answin Rabenmunds Seite zu schlagen (was angesichts des Handlungsverlaufs eine absolut mögliche Option war), offenbar völlig im Regen stehengelassen wurden.
Das ist dann natürlich verdammt dumm gelaufen und höchst frustrierend.

Aber rein storytechnisch finde ich die Entwicklung durchaus interessant und Jast Gorsam ist doch mittlerweile fast schon ein verhassterer Bösewicht als es Borbarad jemals war, insofern muß ich in diesem Punkt sagen: Gut gemacht, werte Autoren. Das muß man auch erst mal hinkriegen (und das ist nicht ironisch gemeint, denn gute Bösewichte sind schließlich das Salz in der Suppe und wenn es dann im Gegensatz zu Borbie auch noch ein objektiv betrachtet durchaus ambivalenter wie Jast ist: umso besser!). \:\)
Posted By: Kunar

Auf ins eherne Schwert - 02/11/09 07:20 PM

Dieses Mal geht es sehr weit zurück in der Geschichte des Schwarzen Auges. Deswegen muss einiges über den Hintergrund des Buches erklärt werden:

Bevor Heyne die Reihe der DSA-Romane begann, war bereits die noch heute populäre Trilogie "Das Jahr des Greifen" bei Bastei-Lübbe erschienen. Doch es gab sogar vorher schon drei DSA-Bücher: "Das eherne Schwert", "Die Gabe der Amazonen" und die Geschichtensammlung "Mond über Phexcaer". Letztere wurde zu großen Teilen in "Der Göttergleiche" als 9. Band der DSA-Reihe bei Heyne wiederveröffentlicht, das zweite Buch mit einigen Änderungen als Nummer 18. Einzig der allererste DSA-Roman ist nie neu aufgelegt worden.

Zieht man die üblichen Quellen zu Rate (Wiki Aventurica, alveran.org), so erfährt man vor allem, dass der Inhalt des Buches größtenteils nichts mit DSA zu tun hat. Liest man sich Die Geschichte des Schwarzen Auges von Mark Wachholz durch, so findet man zwei nicht besonders vorteilhafte Erwähnungen: In dem Teil, der die Jahre 1984-1986 behandelt, heißt es, das Buch sei "ebenso wenig inspiriert von der Welt, in der Das Schwarze Auge spielt, wie sein Titel"; im Abschnitt, der über die Jahre 1987-1989 berichtet, wird es im Vergleich zum nächsten DSA-Roman als "klägliche, uninspirierte Auftragsarbeit" bezeichnet. Erstere Aussage kann jedoch so nicht ganz stimmen, denn das Eherne Schwert ist als Gebirge im Nordosten Aventuriens bekannt. Also galt es, auch die anderen Aussagen zu prüfen und sich einen eigenen Eindruck von dem Buch zu machen - umso mehr, als ich bisher keine einzige Rezension zu dem Buch im Internet gefunden habe, was nun wirklich eine Besonderheit ist.

Die Veröffentlichung bei Droemer Knaur ist Werner Fuchs zu verdanken, der damals für die Science-Fiction- und Fantasy-Reihe des Verlags verantwortlich war und im gleichen Jahr mit Jürgen Franke "Knaurs Buch der Rollenspiele" verfasst hat. Der Autor Andreas Brandhorst war mir bisher als Übersetzer der Terry-Pratchett-Romane bekannt. Ich habe die Bücher im englischen Original gelesen, kann also zu seinen Fähigkeiten nichts sagen. Allerdings gibt es inzwischen eine stattliche Fehlerliste rund um die Übersetzungen. Das macht natürlich keinen guten Eindruck, selbst wenn man berücksichtigt, wie schwierig eine gute Übersetzung ist.

Beim Titelbild kommt ein wenig Nostalgie auf, besonders wenn man das Buch selbst in den Händen hält: Es sieht wie ein ganz typisches Fantasy- oder Science-Fiction-Buch der 1970er und 1980er aus. Das bestätigt auch der optische Vergleich, wenn man sich andere Titel der Reihe ansieht. Die Titelillustration kommt tatsächlich so im Buch vor. In dieser Hinsicht ist der erste DSA-Roman so manchem Nachfolger überlegen. Der erste Abschnitt des Klappentextes, der etwas aus dem Zusammenhang gerissen wirkt, ist ein Textausschnitt etwa aus der Mitte des Romans.

Gleichzeitig gibt es einen Text auf der Buchinnenseite, der eine völlig andere Geschichte beschreibt. Die einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie ebenfalls mit dem ehernen Schwert zu tun hat.

Des Rätsels Lösung liefert ein Interview mit Andreas Brandhorst aus dem Jahr 2008. Dort sagt er, das Buch sei eine Auftragsarbeit mit genauen Vorgaben gewesen, welche er jedoch völlig ignoriert habe. (vermutliche Quelle: Alexander Seibold: Wenn das Eigenleben der Figuren der Story schadet, greife ich ein. Ein Gespräch mit Andreas Brandhorst. In: Sascha Mamczak, Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2008. Heyne, München 2008, ISBN 978-3-453-52436-1. S. 543–558)

Schade, dass man die Idee von der Buchinnenseite nie ausformuliert hat. Sie klingt jedenfalls nach einer interessanten Vorlage für einen DSA-Roman. Was Andreas Brandhorst abgeliefert hat, hat nur noch entfernt mit dem damals bereits bekannten Aventurien zu tun:

In der Stadt Al'Anfa wird der Totengott Visar verehrt. Neben dessen Boron-Priestern sind die Gesinde, eine Art Gilden für verbrecherische Tätigkeiten, ein wesentlicher Machtfaktor. Als die beiden Diebesanwärter Callehain und Medwyn bei einem Einbruch bei den Hexen erwischt werden, verurteilt man sie zu einer Expedition ins eherne Schwert, um dort eine schier unlösbare Aufgabe zu bewältigen.

Einige Ideen, etwa die strikte Vorgehensweise der Folterergilde oder die seltsamen übernatürlichen Wesen, wirken sehr abstrus. Das Bild der beschriebenen Städte passt praktisch nie zu dem, was man heute über die jeweiligen Orte weiß. Allerdings erfüllt es einen mit angenehmem Erstaunen, wie viele Ortsnamen bereits 1985 bekannt waren. Zum Vergleich: Im gleichen Jahr erschien gerade das Abenteuer-Ausbau-Spiel mit dem Buch "Aventurien: Völker, Mythen, Kreaturen" und der ersten Karte von Aventurien. Das war die erste ordentliche geographische Beschreibung Aventuriens überhaupt! Die jeweiligen Positionen der Städte und sonstigen Orte in dem Roman passen zur ältesten Aventurienkarte. Die gereimten Zaubersprüche wecken manche Erinnerung.

In Bausch und Bogen verdammen würde ich das Buch nicht. Es ist verständlich, wenn die damaligen DSA-Redakteure nicht gerade begeistert waren über die eigenmächtige Entscheidung des Autors, etwas ganz anderes zu schreiben, das dann unter dem Etikett "Das schwarze Auge" erschien. DSA-Spieler, die ein aventurisch stimmiges Buch erwartet haben, werden zurecht enttäuscht gewesen sein.

Andererseits gefällt der Schreibstil, welcher gut zu lesen ist. Auch wartet die Geschichte mit manchen Wendungen auf, was auf etwas mehr als 200 Seiten nicht gerade selbstverständlich ist. Obschon das Ende Raum für eine Fortsetzung läßt, ist das Buch dennoch in sich geschlossen. Es handelt sich insgesamt um einen recht netten Fantasyroman.

Natürlich lohnt es sich nicht, allein dafür den heute üblichen Preis von mehreren Dutzend Euro zu zahlen. Das ist der reine Sammlerwert. Ich hatte mich innerlich bereits auf eine halbe Katastrophe eingestellt, war dann aber sehr angetan davon, ein ganz ordentliches Fantasybuch bekommen zu haben.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Auf ins eherne Schwert - 03/11/09 11:52 AM

 Originally Posted By: Kunar
In der Stadt Al'Anfa wird der Totengott Visar verehrt.


Im Aventurischen Boten (ältere Ausgaben) habe ich den Visar-Kult als eine boronische Sekte kennengelernt, die später aufgelöst worden ist.
Posted By: Kunar

Zwischen Dämmerung und Nacht - 07/11/09 03:31 PM

Niels Gaul behandelt in seinem Roman "Steppenwind" einen parallelen Erzählstrang zu Ulrich Kiesows Das zerbrochene Rad. Wer nicht vorab den Ausgang der Geschichte erfahren will, welche zwischen Praios und Tsa 1020 spielt, der sollte das Buch zwischen den beiden Teilen des erwähnten größeren Romans, "Dämmerung" und "Nacht", lesen. Diese Reihenfolge empfiehlt sich auch deswegen, weil dort einige der Charaktere eingeführt werden, die in "Steppenwind" nicht mehr detailliert vorgestellt werden. Doch selbst wenn man wie ich das das kleinere Buch erst hinterher liest und daher das grobe Ende bereits kennt, kann es natürlich interessant sein zu erfahren, wie es dazu kommen konnte und was genau geschehen ist.

Ayla von Schattengrund, das Schwert der Schwerter, wird vom Weißen Mann um Hilfe gerufen. Der oberste Firungeweihte bittet die oberste Rondrageweihte, Unterstützung in den Norden Aventuriens zu senden. Da der Krieg gegen den zurückgekehrten Borbarad und seine Diener im Mittelreich bereits im vollen Gange ist, sind die Truppen jedoch gebunden. Letzten Endes werden nur zwei Personen Richtung Bjaldorn nördlich des Bornlandes geschickt: Hauka Wölfintochter, Nivesin und Heermeisterin der Rondrakirche, sowie Brin von Rhodenstein, ein noch recht junger Meister des Bundes. Junker Fjadir, Sohn des Barons Trautmann, hat als einer der ersten eine Ahnung, dass Gefahr droht. Die Bjaldorner wissen allerdings noch nicht, welcher Art die Bedrohung ist.

Der Roman enthält viele Hintergrundinformationen zu Bjaldorn und dem Leben der Leute dort. Die Beschreibungen vermitteln ein stimmiges Bild einer Region im Nordosten Aventuriens, in der der Winter- und Jagdgott Firun und seine Tochter Ifirn die höchste Verehrung genießen. Da ist es für DSA-Kenner sogar verzeihlich, dass die eigentliche Handlung recht einfach ist und auch die Charaktere nicht allzu viel Tiefgang im Lauf der Geschichte bekommen. Der Schwerpunkt liegt klar auf der Regionalbeschreibung und nicht auf einem spannungsgeladenen Handlungsbogen.

Zu den Schattenseiten des Buches zählt ganz klar die schwer lesbare Ausdrucksweise des Autors.Zwischen dem Stil von Ulrich Kiesow und dem von Niels Gaul herrscht ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Während alles aus der Feder des geistigen Vaters des Schwarzen Auges angenehm leicht zu lesen ist, macht es Letztgenannter seinen Lesern unnötig schwer, indem er immer wieder sehr umständlich geschrieben hat: Um möglichst viel einer Beschreibung in einen Satz zu pressen, verwendet er ineinander verschachtelte Nebensätze, deren voller Inhalt sich einem erst nach mehrmaligem Nachlesen und Umsortieren der Informationen erschließt. Dazu kommen noch besonders am Anfang häufige Erinnerungen und Abschweifungen. Als Krönung sei das dritte Kapitel genannt, welches sich über mehrere Erinnerungsebenen hinzieht: Brin wacht auf, denkt zurück an den Rat, bei dem er sich an frühere Zeiten erinnert hat, in denen ihm jemand eine Geschichte erzählt hat. Dazu kommen noch sonstige Rückblenden und Erläuterungen, etwa die Vergangenheit einer Person und der Weg bis zum Zeitpunkt des Aufwachens. Es ist schon eine Herausforderung, all diese Ereignisse in die richtige chronologische Reihenfolge zu bringen und den Faden nicht zu verlieren, bis am Ende der aktuelle Handlungsstrang wieder einsetzt.

Sehr peinlich fand ich eine Stelle auf dem Höhepunkt der Geschichte. Das erschien mir völlig unpassend und durch nichts aus der bisherigen Erzählung motiviert.

Warning, Spoiler:
Baron Trautmann kämpft gegen die dunklen Horden und entscheidet sich angesichts eines jungen Feindes plötzlich, absichtlich gegen ihn zu verlieren. Vorher wurde die andere Seite so böse wie es nur eben geht geschildert. Die Bjaldorner vertrauen darauf, dass der Barons sie verteidigen wird. Er könnte vielleicht sein Leben geben, um einen von ihnen zu schützen oder den Feind noch etwas aufzuhalten, aber nein, er wirft es lieber spontan weg gegen einen gegnerischen Reiter, von dem er nicht einmal weiß, ob dieser den Tag überleben wird, und opfert nebenbei noch damit die Heermeisterin. Das zählt zu den dümmsten Toden, von denen ich je gelesen habe.


Das Ende ist etwas ungewöhnlich.
Warning, Spoiler:
Die Schurken gewinnen und kommen auch noch davon.
Das ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass die zweite Hälfte des zerbrochenen Rades die Geschichte einiger Charaktere weiterspinnt.

Das Cover, welches mehrere Orks in der Steppe zeigt, ist zwar schön, hat aber nichts mit der Handlung zu tun. Es wäre geeignet gewesen für einen Roman, der im Orkland, Andergast, dem Svellttal oder der Stadt Phexcaer spielt.

Abschließend bleibt zu sagen: Wer etwas über Bjaldorn erfahren will, "Das zerbrochene Rad" liest bzw. gelesen hat und sich nicht von einem schwer konsumierbaren Schreibstil abschrecken läßt, für den lohnt sich das Buch. Es stellt jedoch vor allem eine Ergänzung zu dem größeren Roman dar: Während es problemlos möglich ist, "Das zebrochene Rad" ohne "Steppenwind" zu lesen, ist das Umgekehrte reichlich sinnlos.
Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 26/11/09 06:28 PM

 Originally Posted By: AlphaZen

Btw., Hinweise zu Feuertänzer können nicht genug auftauchen, da ich weder hier noch bei Alveran wirklich regelmäßig reinschaue. \:D


Im Alveran-Forum hat nun einer der User von FanPro die Information erhalten, daß "Der Feuertänzer" im 1. Quartal 2010 neu aufgelegt werde. Einen Monat vorher hat FanPro einem anderen Alveran-User geschrieben, daß der Roman als E-Book zur Verfügung gestellt werde. So oder so: Du wirst ihn wohl doch noch bekommen. \:\)
Posted By: AlphaZen

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 27/11/09 03:57 PM

Danke für die Rückmeldung. \:\)
Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 22/12/09 04:17 PM

Wie ich gerade bei alveran.org sehe, soll bereits im Januar Schweiges zweiter DSA-Roman "Kamaluqs Schlund" erscheinen. Sehr schön, knüpft qualitativ hoffentlich an den Vorgänger an. \:\)

Und AlphaZen: Mittlerweile scheint es offiziell zu sein: Die Neuauflage von "Der Feuertänzer" ist für März geplant.
Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 26/12/09 10:03 AM

EISWOLF von Linda Budinger:

Als der Heiler einer von der Hesinde-Geweihten Jettjala und dem Magus Estikan geführten Expedition ins Ewige Eis noch vor dem Aufbruch in Paavi kurzfristig ausfällt, erklärt sich der dort tätige junge Medicus Tjulf Ressken bereit, seinen Platz einzunehmen. Doch hätte er gewußt, was auf ihn und die Expedition zukommen würde, hätte er dies wohl niemals getan - denn bereits kurz nach der Ankunft im Ewigen Eis geht so ziemlich alles schief, was nur irgendwie schiefgehen kann ...

Die beiden ersten DSA-Romane von Linda Budinger - "Der Eiswolf" und die Fortsetzung "Goldener Wolf" - fand ich eher mittelmäßig. "Eiswolf" hat trotz des Titels und des sehr nördlichen Settings überhaupt nichts mit den beiden vorangegangenen Büchern zu tun - und entpuppt sich als echtes Highlight der DSA-Roman-Reihe!
"Eiswolf" setzt sich aus zwei abwechselnd erzählten Handlungssträngen zusammen: In dem einen, mehr oder weniger in der aventurischen Gegenwart spielenden (genau genommen: 1018 BF, also vor der Borbarad-Kampagne), geht es um die angesprochene Expedition (Ähnlichkeiten zum Film "Das Ding aus einer anderen Welt" sind offensichtlich, stören aber nicht). Im zweiten, 800 v. BF spielenden Handlungsstrang, steht die Firnelfensippe der Winterlichter im Mittelpunkt. Manche mögen das Hin- und Herspringen zwischen Storylines und Zeiten ja nicht sonderlich, aber meines Erachtens funktioniert es hier einwandfrei. Zu Beginn des Buches fand ich die Expeditions-Handlung interessanter, später dann die Elfenhandlung (zumal sich die Expeditionsstory im Mittelteil vorübergehend ein wenig in die Länge zieht), aber beide wissen stets zu unterhalten und zu fesseln.

Da ich auf die konkrete Handlung aufgrund hoher Spoilergefahr nicht näher eingehen will, sei gesagt: "Eiswolf" ist im Grunde genommen ein klassischer Survival-Horror-Roman! Und Budinger schöpft das Potential dieses Subgenres voll aus, indem sie eine beachtliche Anzahl von Personen einführt, die nach und nach dezimiert werden. Erstaunlich ist dabei, wie viele dieser Charaktere Budinger dem Leser nahebringt - wenngleich nur die Hauptfiguren wirklich Tiefe besitzen. Aber natürlich kommen bei mehr als zwei Dutzend Personen auch einige zu kurz und bleiben für den Leser austauschbar. Insofern ist die enthaltene Dramatis Personae natürlich sehr hilfreich, dennoch wäre es nett gewesen, im eigentlichen Text etwas häufiger mehr als nur den Namen der betreffenden Personen zu nennen (also etwa zusätzlich den "Beruf"). Aber in der zweiten Buchhälfte fällt dieser kleine Kritikpunkt dann sowieso nicht mehr ins Gewicht.

Die Geschehnisse selbst werden von der Autorin sehr überzeugend und spannend geschildert. Zwar finde ich die Handlungsweisen einzelner Charaktere etwas zu extrem und damit nicht völlig glaubwürdig, aber das ist wohl vor allem eine subjektive Einschätzung, die nicht jeder teilen wird.
Ähnlich ist es damit, daß man als Leser den handelnden Figuren meist einen kleinen Schritt voraus ist - zumindest mir ging es so. Allerdings haben die Charaktere ihren kleinen diesbezüglichen Rückstand stets schnell ausgeglichen, weshalb auch dieser Kritikpunkt nur minimal ist.
Athmosphärisch ist die (mitunter nicht gerade zimperliche) Erzählweise jedenfalls allemal, emotional packend ebenfalls und vor allem auch von hoher aventurischer Detailtreue und Authentizität. Was für Nicht-DSA-Kenner allerdings ein Problem sein könnte, zumal das Glossar der aventurischen Begriffe leider unvollständig ist (v.a. fehlen etliche Elfenwörter). Ich will es mal so formulieren: Wer Bernhard Hennens legendäre Phileasson-Kampagne sowie das PC-Spiel "Schatten über Riva" gespielt hat, wird "Eiswolf" sicherlich noch mehr genießen können! \:\)

Fazit: "Eiswolf" ist ein richtig guter, kunstvoll (und keineswegs unglaubwürdig) durchkonstruierter DSA-Roman, der vor allem Freunde des gepflegten Grusels begeistern dürfte, denen auch ein bemerkenswert hoher "Body Count" nichts ausmacht. Aber keine Sorge, es handelt sich natürlich nicht um einen richtigen Horror-Roman - die Schilderungen sind nicht allzu plastisch, auch zartere Gemüter sollten damit zurechtkommen. Nur wer wirklich überhaupt nichts mit Gescichten dieser Art anfangen kann, sollte man einen Bogen um dieses Buch machen.
Allen anderen sei "Eiswolf" sehr empfohlen. Note 2+.
Posted By: AlphaZen

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 02/01/10 12:22 PM

 Originally Posted By: Ralf

Und AlphaZen: Mittlerweile scheint es offiziell zu sein: Die Neuauflage von "Der Feuertänzer" ist für März geplant.


Jop, mittlerweile ist es auch bei Amazon vorbestellbar, was ich gestern gleich mal gemacht hab. Aschengeist hab ich mir auch gleich schicken lassen, nicht, dass es mir mit dem dann genauso geht. \:D

Jetzt heißt es, die Zeit bis März mit anderen DSA-Romanen, Dragon Age und dann bald Drakensang 2 zu überbrücken. ^^
Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 05/01/10 02:01 PM

DIE PAKTIERERIN von Dietmar Preuß:

Als Beolf und Sidra, die mittlerweile etwa 40-jähirgen Wehrsassen von Hohenhag an der Grenze von Andergast zum Orkgebiet, zu ihrem Lehnsherrn Nymmir gerufen werden, ahnen sie noch nicht, daß ihnen ein wahrhaft niederhöllisches Abenteuer bevorsteht. Denn die Gegend wird von mysteriösen "Mannwölfen" heimgesucht, die etliche Menschen töten und andere verletzen, wobei ihre Wunden einfach nicht verheilen wollen. Während Heilerin Sidra sich um die Verwundeten kümmert, soll Beolf gemeinsam mit einer kleinen Söldnertruppe eine umstrittene Baronie für Andergast im Handstreich erobern. Doch es zeigt sich, daß die Geschehnisse in der besagten Baronie und die in Nymmirs Herrschaftsbereich in Zusammenhang stehen ...

Ich bin nicht wirklich ein großer Fan der ersten beiden DSA-Romane von Dietmar Preuß. "Hohenhag" fand ich mittelmäßig, die Fortsetzung "Die rote Bache" sogar richtig schwach. Der erneute Fortsetzung "Die Paktiererin" führt nun viele meiner Kritikpunkte an den beiden Vorgängern leider fort - dennoch ist dieses Buch deutlich unterhaltsamer geraten als "Die rote Bache".
Die meiner Meinung nach größte Schwäche in Preuß´ DSA-Romanen offenbart sich hier bereits im 1. Kapitel, in dem auf wenigen Seiten geschildert wird, wie sich eine "gute" Hexe innerhalb von Minuten zu einer erzbösen Dämonen-Paktiererin wandelt. Nun mag man gerne einwenden, daß
Warning, Spoiler:
eine versuchte Vergewaltigung
durchaus extreme Reaktionen hervorrufen kann - allerdings ist die vorliegende derart übertrieben, daß sie zumindest auf mich einfach nur unglaubwürdig wirkt. Und es bleibt nicht die einzige Figur des Buches, die eine dermaßen unrealistische 180°-Wendung vollzieht (in den Vorgängern, vor allem in der "Roten Bache", geschah ähnliches). Nein, Subtilität ist sicherlich nicht die allergrößte Stärke des Autors ...

Überhaupt sind viele Figuren einerseits so klischeehaft gezeichnet (v.a. - wieder mal - ein Praios-Geweihter der übelsten Sorte) und handeln andererseits immer wieder so unlogisch oder dumm, daß sie mitunter eher wie Karikaturen ihrer selbst wirken. Immerhin sind die beiden Hauptfiguren Beolf und Sidra - die in "Die rote Bache" zeitweise ebenfalls ziemlich auf die Nerven gingen - diesmal deutlich glaubwürdiger gezeichnet, zudem gibt es auch einige Nebenfiguren, die durchaus überzeugen. Im Vergleich zur "Roten Bache" ein deutlicher Fortschritt.

Obwohl ich mich also immer wieder über das Gelesene ärgern mußte (und auch über das wieder mal beklagenswerte Lektorat, vor allem im ersten Buchdrittel), kann ich nicht verhehlen, daß mich die Story - so unoriginell und vorhersehbar sie im Grundsatz auch ist - irgendwann richtig gepackt hat. Vor allem die mittleren etwa 200 Seiten des 370 Seiten starken Romans wissen zu fesseln, wenngleich es auch hier sehr wohl noch Ärgernisse gibt (wie so manche repetitive Szene und die erwähnten unglaubwürdigen/extremen Handlungsweisen). Das Finale verflacht im Vergleich dazu wieder, ist aber insgesamt in Ordnung.

Insgesamt bleibt festzuhalten, daß "Die Paktiererin" ein erstaunlich unterhaltsamer DSA-Roman ist, der jedoch durch die zu zahlreichen handwerklichen Schwächen (dazu zähle ich auch, daß es nicht wirklich rüberkommt, daß die Geschichte über 1000 Jahre in der aventurischen Vergangenheit spielt ...) und die zumindest in meinen Augen unglaubwürdigen und/oder unlogischen Handlungsweisen im Mittelmaß versinkt. Was immerhin ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem direkten Vorgänger ist.
Note 3-.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 06/01/10 02:24 PM

"Eiswolf" wuurde von einer Langenfelderin geschrieben; sie war neulich in einer lokalen Zeitung abgebildet, ich glaube, es war die Rheinische Post. Sie schreibt wohl allgemein Fantasy-Romane.
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 13/01/10 05:49 PM

Unser guter Schweige (ist doch Stefan Schweikert, oder?! ) bringt ja offenbar in Kürze einen neuen Roman raus.

Hier wurde nun auf Alveran.org der Klappentext veröffentlicht:

"Elanora von Wilderklamm muss wieder einmal zu Hause bleiben. Dabei ist es
der größte Wunsch der Junkerstochter, endlich den Vater auf seinen
Expeditionen begleiten zu dürfen. Doch dieses Mal kommt alles anders. Der
Vater und die Brüder kehren nicht von ihrer Reise zurück. Bald greifen gierige
Hände nach Erbe und Titel im beschaulichen Kosch. Also macht sich Elanora
auf, mit Schrankkoffer und im steifen Reisekleid, die Vermissten in den
endlosen Dschungeln Meridianas zu finden. Doch die Gefahr lauert nicht erst
im Regenwald."


Klingt nett: Versetze unbedarfte Nicht-Abenteuerin auf unbekanntes Terrain... und schau´ was passiert! ;\)
Kann man einiges draus machen.
Bin gespannt, was SChweige draus gemacht hat. \:\)


Ragon, der Dschungelmagier

Posted By: Lurker

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 13/01/10 10:11 PM

Klingt nach "Aventurischer C-Promi landet im DSA-Dschungelcamp" ;\)
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 14/01/10 12:26 AM

So lang sie nur recht "knackig" daher kommt, wird´s Dir doch nur recht sein!
\:\/
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 15/01/10 12:13 PM

Habe ich schon irgendwo erwähnt, daß es zu Drakensang 2 angeblich einen Roman geben soll ?
Posted By: Schweige

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 15/01/10 12:17 PM

 Originally Posted By: Lurker
Klingt nach "Aventurischer C-Promi landet im DSA-Dschungelcamp" ;\)


\:\/ ... fast getroffen ...
aber ...
schau mal ...
Wie gesagt: fast.

Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 15/01/10 01:44 PM

 Originally Posted By: AlrikFassbauer
Habe ich schon irgendwo erwähnt, daß es zu Drakensang 2 angeblich einen Roman geben soll ?


Ja, hast du. Zumindest meine ich mich daran erinnern zu können. Und das "angeblich" kannst du auch streichen, der Roman (Titel: "Das Ferdoker Pergament") ist bei amazon.de bereits vorbestellbar und wird gepfefferte 19,90 Euro kosten. Ist allerdings wohl auch etwas dicker als die normalen DSA-Romane.
Posted By: Lurker

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 16/01/10 12:24 PM

 Originally Posted By: Schweige
 Originally Posted By: Lurker
Klingt nach "Aventurischer C-Promi landet im DSA-Dschungelcamp" ;\)


\:\/ ... fast getroffen ...
aber ...
schau mal ...
Wie gesagt: fast.


War ja nicht ernst gemeint ;\)

Aber als Frauenkenner par excellence dieses Forums durchschaue ich natürlich fast jede Frau auf den ersten Blick ... und fast jede weibliche Romanfigur auf die ersten Zeilen \:-D

Geringfügige Abweichungen von meiner Einschätzung sind selbstverständlich vernachlässigbar ... oder werden mit Charme beseitigt ;\)
Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 17/01/10 10:36 AM

IM SCHATTEN DER DORNROSE von Bernard Craw:

Vor ein paar Jahren: Während sich das zwölfgöttertreue Aranien und das dämonische Moghulat Oron erbittert bekriegen, steht das kleine, neutrale Beyrounat Gwerrat zwischen den Fronten. Zwar wird es von einem mächtigen Dschinn beschützt, doch im Zweifelsfalle könnte dieser wohl kaum die aranische oder oronische Streitmacht aufhalten. Also soll die Verheiratung des Erbprinzen Rengun entscheiden, zu welcher Seite Gwerrat künftig halten wird. Da beide Parteien großes Interesse am strategisch günstig gelegenen Gwerrat haben, werden Delegationen in das Beyrounat geschickt, die Rengun eine Braut aus ihrem Land schmackhaft machen sollen. Doch während die aranische Auswahl von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, hat Oron nur eine einzige Vertreterin geschickt, die übermenschlich schöne und mysteriöse Layla. Sie fordert Rengun auf, unter ihrem Schutz mit nach Oron zu reisen, um dort die für ihn auserkorene zukünftige Braut kennenzulernen - und dabei auch die Vorzüge des Moghulats, das der Herrin der Blutigen Ekstase huldigt ...

Bereits bei Craws erstem DSA-Roman "Todesstille" hatte mich der Stil des Autors an den von H.P. Lovecraft erinnert. "Im Schatten der Dornrose" festigt diesen Eindruck. In der Tat ist die wohl größte Leistung dieses Romans, daß es Craw gelingt, die Athmosphäre des grausamen Moghulats überzeugend rüberzubringen, indem man sich im ständigen Gefühl einer nicht wirklich greifbaren Gefahr befindet. Irgendwie hat mich das sehr an Hans Zimmers grandios eingesetztes Ein-Ton-"Joker"-Thema in "The Dark Knight" erinnert. Das beklemmende Panik-Gefühl läßt den Leser kaum einmal los, stets erwartet man, daß auf den nächsten Seiten etwas Schlimmes passiert.
Ja, das erinnert tatsächlich wiederum sehr an Lovecraft und speziell Geschichten von ihm wie "Stadt ohne Namen". Dafür also großes Lob.

Leider krankt das Werk dafür an einigen anderen Stellen. Gerade im Vergleich zum wirklich guten "Todesstille" muß ich konstatieren, daß sowohl Charaktere als auch Handlung hier deutlich schwächer ausfallen. Bei den Charakteren liegt es wohl vor allem daran, daß zu viele Hauptfiguren existieren, aus deren wechselnder Perspektive die Story mehr oder weniger gleichberechtigt erzählt wird. Das funktioniert nicht wirklich, zumindest bei mir konnte kein einziger dieser Charaktere allzu großen Eindruck hinterlassen oder gar eine emotionale Verbindung zum Leser aufbauen, zudem gibt es immer wieder für den Leser nur schwer nachvollziehbare Handlungsweisen. In Verbindung mit einer Handlung, die beinahe wie ein (sehr düsteres) Road-Movie funktioniert, aber inhaltlich relativ dicht an der Oberfläche bleibt und zum Schluß auch noch mit einem Twist nervt, dem das Kunststück gelingt, gleichzeitig vorsehbar und klischeehaft, aber auch relativ unglaubwürdig, da schlecht vorbereitet zu sein, ist das nicht gut.

Somit wäre "Im Schatten der Dornrose" insgesamt ein durchschnittlicher DSA-Roman, über den man nicht mehr viele Worte verlieren müßte.
Eigentlich.
Denn wie ein Blick zu den Leserbewertungen bei alveran.org zeigt, scheinen Craws Beschreibungen der Grausamkeiten von Oron die Leserschaft zu spalten. Auf der Übersichtsseite gibt es momentan drei Bewertungen - zweimal 0 Punkte, einmal 3! Und diese Bewertungen beziehen sich vor allem auf die Darstellung "sexueller Perversionen", die angeblich sogar jugendgefährdend seien! Nunja, im dazugehörigen Forum wird das ganze differenzierter gesehen, es gibt auch etliche positive Bewertungen des Buches und viele sind der Meinung, daß die Empörung einzelner deutlich übertrieben ist. Ich teile diese Meinung.
Zwar ist einiges von dem, was Craw beschreibt, schon ziemlich heftig - allerdings geht er dabei nie allzu sehr ins Detail, sondern beläßt es meist bei Andeutungen. Der Rest bleibt der Phantasie überlassen. Nunja, ich kann schon trotzdem verstehen, daß etliche DSA-Fans mit solch einer Handlung absolut nichts anfangen können (und sich deshalb nicht zu Unrecht auch über den Klappentext des Romans beschweren, der nur sehr andeutungsweise auf den Inhalt vorbereitet) - ein Skandal ist "Im Schatten der Dornrose" aber mit Sicherheit NICHT. Es geht nunmal um ein Land, dessen Bewohner Belkelel dienen, der Erzdämonin und Gegenspielerin Rahjas, der "Herrin der Blutigen Ekstase". Eine Beschreibung dieses Ortes kann niemals glaubwürdig sein, wenn sie nicht drastisch ausfällt! Als DSA-Spieler muß man das eigentlich wissen und ich wage zu bezweifeln, daß viele Nicht-DSA-Kenner die Romane lesen ...
Zudem: Wer schon mal Horrorfilme wie "Evil Dead" gesehen hat (ganz zu schweigen von "Hostel" und ähnlichem), der wird von "Im Schatten der Dornrose" kaum schockiert werden können.

Im Grunde war "Todesstille" außerdem in der Schilderung einiger Tötungsszenen weit drastischer als "Im Schatten der Dornrose", aber offenbar sind für manche "sexuelle Perversionen" ein viel roteres Tuch als rein "gewalttätige Perversionen". Hängt vielleicht mit der Erziehung zusammen, wer weiß? Übrigens ist der Autor des Buches Katholik, das sei nur am Rande erwähnt. \:-D

Fazit: "Im Schatten der Dornrose" ist ein vor allem vom Setting her ungewöhnliches und interessantes Buch, das von der bedrohlichen Atmosphäre lebt, die der Autor kunstvoll geschaffen hat, aber zugleich unter zu schwach entwickelten Charakteren und einer mittelmäßigen Handlung leidet. Note 3+.

P.S.: Achja, eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Für Alrik ist dieser DSA-Roman definitiv NICHT geeignet!
Posted By: Ragon_der_Magier

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 17/01/10 01:04 PM

 Originally Posted By: Ralf
IM SCHATTEN DER DORNROSE von Bernard Craw:
...

P.S.: Achja, eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Für Alrik ist dieser DSA-Roman definitiv NICHT geeignet!


*LOL*
Definitiv! \:\/
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 20/01/10 07:49 PM

Ich lese ehrlich gesagt sowieso kaum DSA-Romane. Es hat mich bisher noch keiner zum Lesen genügend angesprochen.

Es ist einfach nicht mein Stil. Da schreibe ich lieber selbst.
Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 21/01/10 09:49 AM

Alrik, es gibt DSA-Romane von MEHREREN DUTZEND verschiedenen Autoren! Ich garantiere dir, da ist auch mindestens einer dabei, der "deinem Stil" entspricht. Das Problem wäre nur, ihn zu finden ... ;\)

Im übrigen meine ich mich durchaus an ein paar DSA-Roman-Rezensionen von dir erinnern zu können.

P.S.: "Lesen" und "Schreiben" ist übrigens kein Widerspruch in sich. \:-D
Posted By: Patarival

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 21/01/10 01:27 PM

Ich lese meist nur die DSA-Romane, die hier in diesem Thread als wirklich gut eingestuft werden (in diesem Sinne auch mal ein Dankeschön für die Mühen vor allem an Ralf und Kunar) und fühle mich eigentlich sehr gut unterhalten.

Ich schreibe selber auch und habe überhaupt nicht das Gefühl, dass andere Romane unbedingt meinem Stil entsprechen müssten - ganz im Gegenteil, ich lese sehr gerne etwas, das nicht unbedingt meinem Stil entspricht.

Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit zu lesen aber so lese ich eben vor allem das, was mir hier empfohlen wird.
Posted By: AlphaZen

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 21/01/10 05:30 PM

Ich empfehle "Zwergenmaske". \:-D
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 23/01/10 08:17 PM

Hm, nein, was ich damit meine, ist eigentlich, daß - von denen, die ich kenne - ALLE irgendwie etwas düster sind - Westwärts, Geschuppte vielleicht ausgenommen. Es geht immer irgendetwas zu Bruch oder es werden Menschen, Zwerge etc. getötet ... Das hört sich jetzt banal an, aber irgendwie fehlt mir in den Romanen das Leichte, das leichtfüßige Element ... Selbst in den düstersten Romanen von Terry Pratchett gibt es zumindest immer etwas zu lachen (The Monstrous Regiment ist mein ganz persönlich düsterster Roman bisher), aber irgendwie fehlt mir das Auflockernde in den DSA-Romanen, die ich bisher kenne.

Das heißt nicht, daß ich nicht welche gut finden würde. "Das Gesicht am Fenster" hat mir zum Beispiel ziemlich gut gefallen (ich habe es auch signiert ;\) ), aber ... ach, es ist so schwer, in Worte auszudrücken, was ich meine ... Es scheint nur Intrigen und Kriege zu geben ...

Den neuen Roman von Schweige werde ich mir vielleicht deswegen holen, weil er mal etwas ganz anderes darstellt, und mit dem Klischee bricht. Sofern er nicht auch wieder ein garstiges Ende hat ...

Ich kann mich zum Beispiel an gar keinen Roman mit "Happy End" erinnern,. oder zumindest hatten die, die ich las, immer einen schalen Beigeschmack, wenn das Ende gut war. So, als hätte eine Kommission von Autoren entschieden, daß es kein Friede Freude Eierkuchen geben dürfte - zumindest nicht am Ande.

Ich finde, Spannung und Tragik kann auch anders erzeugt werden als mit Dunklen Gähaimnissen (TM) und Intrigen. Insofern finde ich die "Abenteuerfahrt" von dem oben erwähnten Roman mal etwas anders.

Irgendwie wird auch dieses "Feeling", das DRakensang zum Beispiel entwirft, dieses großartige, diese Stimmung, nirgendwo in den Romanen transportiert. Es fehlt das Epische, das Saga-hafte, das Tolkienesque.

Oder wähle ich nur die falschen Bücher aus ? Lese ich die falschen Rezensionen ?

Wie würde eine Komödie in Aventurien ausschauen ? Wäre so etwas angesichts des Settings überhaupt machbar ? Denn momentan ist ja in Aventurien alles etwas ... düster.


Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 24/01/10 09:33 AM

Hm, eigentlich gibt es schon viele DSA-Romane mit Happy Ends (ich würde sogar sagen: deutlich mehr als die Hälfte) und auch einige mit einer "leichteren" Stimmung. Allerdings herrscht bei den meisten in der Tat eine authentisch-düstere Stimmung vor.

Humoristische DSA-Romane sind vor allem alle von Karl-Heinz Witzko (allerdings muß man seinen Humor auch mögen), dazu fällt mir spontan "Der letzte wird Inquisitor" ein, auch "Khunchomer Pfeffer" und es gibt auf jeden Fall noch ein paar mehr. Ob die jetzt komplett ohne Tote auskommen, weiß ich allerdings nicht mehr. Wohl eher weniger.

In den letzten Monaten dominieren aber tatsächlich die DSA-Romane mit Grusel-/Horror-Stimmung, weshalb ich auch hoffe, daß die nächsten Bände mal wieder in eine etwas andere Richtung gehen ...
Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 26/06/10 06:12 PM

DRAKENSANG - AM FLUß DER ZEIT: DAS FERDOKER PERGAMENT von Florian Don-Schauen:

Der begleitende Roman zum zweiten "Drakensang"-Computerspiel erzählt seine Geschichte größtenteils aus der Perspektiver dreier unterschiedlicher Hauptpersonen/-gruppen:
Da wäre einmal Gwidion, ein junger Havener Dieb, der seiner "Chefin" Mora beim Diebstahl eines mysteriösen Dokuments direkt aus dem Havener Fürstenpalast hilft, für das ein mindestens ebenso mysteriöser Auftraggeber sehr viel Geld bietet.
Als zweites haben wir die junge Hesinde-Geweihte Swanja, die durch Zufall Zeugin des Diebstahls besagten Ferdoker Pergaments wird und sich aufgrund ihrer göttingegebenen Neugierde selbst immer stärker in das undurchsichtige Geschehen verstrickt.
Und schließlich folgen wir der Magierin Frau von Sperberling, die im Auftrag der KGIA als magische Ermittlerin bei besonders komplizierten oder bedeutenden Verbrechen tätig ist und von ihrem gutherzigen, tierliebenden Diener Tugol begleitet wird.

Wie man erahnen kann, dreht sich die ganze Geschichte um das "Ferdoker Pergament", das sich als sehr gefährlich erweist. Wie man es von Geschichten mit einem derartigen Aufbau gewohnt ist, treffen die drei Haupthandlungsstränge irgendwann aufeinander - ungewohnt ist jedoch, daß sie ab dieser Stelle keineswegs gemeinsam vorgehen. Tatsächlich ist es so, daß sich die Wege der verschiedenen Gruppen immer wieder kreuzen, einige Personen vorübergehend auch gemeinsam ihres Weges gehen, insgesamt jedoch bis zum Ende niemals eine Einheit werden. Das ist einerseits eine sehr interessante und spannende Vorgehensweise, da sie relativ ungewöhnlich ist und viele Möglichkeiten der weiteren Handlungsentwicklung offenläßt. Andererseits ist es für den Leser aber mitunter etwas irritierend, da es schwierig ist, jederzeit den Überblick darüber zu behalten, wer gerade mit wem wo und warum unterwegs ist (was durch gelegentliche Namensverwechslungen des Autors auch nicht erleichtert wird) ... ;\)
Insgesamt funktioniert die Vorgehensweise des Autors jedoch ziemlich gut.

Davon abgesehen ergeben sich die üblichen Vor- und Nachteile einer solchen Perspektiven-Aufteilung. Hauptnachteil ist der schleppende Beginn, der angesichts der Vielzahl an wichtigen Figuren, die dem Leser nahezubringen sind, wohl fast unvermeidlich ist. Hauptvorteil ist, daß eine solche Erzählkonstruktion natürlich ein viel komplexeres und vielschichtigeres sowohl Handlungs- als auch Beziehungsgeflecht der handelnden Figuren untereinander ermöglicht. Tatsächlich erfreut die überwiegend sehr glaubwürdige und nur selten klischeehafte Zeichnung der Charaktere und ihrer Beweggründe und tröstet größtenteils erfolgreich darüber hinweg, daß die eigentliche Schnitzeljagd-Handlung doch recht dünn ist und auch bis zum Ende bleibt. Das ist auch der Hauptgrund dafür, daß "Das Ferdoker Pergament" kein sehr guter DSA-Roman geworden ist - aber immerhin ein guter. Ein Kritikpunkt trifft allerdings auch das ziemlich antiklimaktische Finale: Da wird man mehr als 400 Seiten lang auf einen großen Showdown vorbereitet - und dann wird der in nicht mal 20 Seiten abgehandelt. Da hatte ich mir mehr erwartet ...

Die Verknüpfung mit "Drakensang - Am Fluß der Zeit" ist übrigens relativ überschaubar. Die beiden Diebe Cuano und Mora spielen Nebenrollen, was aber lange Zeit die einzige echte Verbindung zu sein scheint. Erst auf den letzten etwa 100 Seiten gibt es eine Reihe von Anspielungen auf die Handlung des PC-Spiels und auch ein paar "Cameos" von "Drakensang"-Figuren.
Da "Das Ferdoker Pergament" als Begleitbuch zum PC-Spiel nicht innerhalb der normalen DSA-Roman-Reihe erscheint, hat es ein größeres Format, eine deutlich edlere Aufmachung und in der Buchmitte einige gelungene (wenn auch teilweise etwas klischeehafte) Porträts der Hauptfiguren sowie Karten der im Buch besuchten Orte. Ob das den im Vergleich zu den normalen DSA-Romanen doppelten Preis rechtfertigt, weiß ich nicht - aber im Bücherregal macht sich das Buch optisch durchaus gut. \:\)

Fazit: Ein schöner, atmosphärischer DSA-Roman, dessen Hauptstärke die glaubhafte und sympathische Figurenzeichnung ist. Außerdem durchzieht ein gewisser (im Buch schließlich sogar schlüssig erläuterter) märchenhafter Hauch die gesamte Geschichte, was gerade Alrik gut gefallen dürfte ... ;\)
(Knapp) Note 2.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 26/06/10 06:51 PM

... Steht schon seit ein paar Monaten auf meiner Einkaufsliste ... ;\)
Posted By: Ralf

Re: Zwischen Dämmerung und Nacht - 23/07/10 11:41 AM

KAMALUQS SCHLUND von Stefan Schweikert:

Die Koscher Junkerstochter Elanora von Wilderklamm macht sich in die Dschungel Aventuriens auf, um ihren verschollenen Vater und ihre beiden Brüder zu finden, die von einer ihrer regelmäßigen Expeditionen in den Süden nicht zurückgekehrt sind - und da gemäß der Tradition nur ein männlicher Nachkomme das Erbe antreten darf, stehen Elanora und ihre kranke Mutter kurz davor, ihre Heimat zu verlieren, wenn Elanora nicht zumindest einen der Vermißten lebendig findet. Im verruchten Chorhop sucht sich Elanora eine bunte Truppe zusammen, mit der sie die Spur der Vermißten aufnimmt und etliche gefährliche Begegnungen erlebt ...

Für einen Aventurien-Roman ist das eine originelle Handlung, global betrachtet aber natürlich eine sehr klassische. Tatsächlich fühlte ich mich die ersten etwa 200 Seiten lang verdächtig an einen alten Tarzan-Film erinnert, was die Erlebnisse betrifft, die auf Elanora und ihre Begleiter warten. Das ist nicht unbedingt negativ gemeint, aber wirklich Überraschendes oder Spektakuläres geschieht in der ersten Buchhälfte eigentlich nicht, weshalb ich mich gedanklich schon fast mit einer glatten 3 als Note angefreundet hatte. Zumal ich mit der Hauptfigur Elanora nicht so richtig warm wurde. Doch erfreulicherweise war das voreilig, denn speziell auf den letzten 150 Seiten haut der Autor dem zunehmend faszinierten Leser eine überraschende (und doch stets weitgehend glaubwürdige) Storywendung nach der anderen um die Ohren, daß es eine wahre Freude ist. Das Tempo ist hoch, die Spannung noch höher, die meisten Genre-Klischees werden elegant umschifft oder sogar ad absurdum geführt - prima!

Überhaupt muß die Charakterzeichnung lobend hervorgehoben werden. War beim letzten Roman des Autors, "Über den Dächern Gareths", noch der arg klischeebehaftete Bösewicht das Hauptärgernis (und einziger Grund für das Minus bei meiner Bewertung mit einer 2-), sind die Figuren in "Kamaluqs Schlund" weit glaubwürdiger und differenzierter (naja, abgesehen vielleicht vom letztendlichen Auslöser von Elanoras Queste, aber der spielt innerhalb der Geschichte sowieso kaum eine Rolle, weshalb das nicht stört). Zwar bleibt die Beschreibung mancher Charaktere etwas oberflächlicher als die von anderen, aber das läßt sich angesichts der Fülle von wichtigen Personen innerhalb des Storyverlaufs wohl nur schwerlich vermeiden.

Insgesamt könnte "Kamaluqs" Schlund gegenüber dem bereits guten "Über den Dächern Gareths" also noch einen Schritt vorwärts bedeuten, zumal gerade die wenigen Schwachpunkte des Vorgängers konsequent ausgemerzt wurden. Leider gibt es jedoch auch bei "Kamaluqs Schlund" einen Faktor, der mich von einer höheren Bewertung abhält - diesmal ist es, wie bereits angedeutet, die Hauptfigur Elanora von Wilderklamm. Ich will nicht behaupten, daß sie mir unsympathisch ist, aber so richtig mit ihr identifizieren kann ich mich einfach nicht. Da war "Li" aus "Über den Dächern Gareths" mir doch wesentlich lieber. Außerdem hat mich gerade im späteren Handlungsverlauf wirklich gestört, daß Elanora im Grunde genommen bei jedem männlichen Wesen, das auch nur zwei Worte mit ihr wechselt, spitz wie Nachbars Lumpi wird! ;\)
Ganz ehrlich, auf Dauer fand ich das einfach nervig und unglaubwürdig und fühlte mich irgendwie an das Klischee der ständig sexlüsternen Klosterschülerin erinnert ...

Davon abgesehen jedoch wiederum ein gelungener DSA-Roman von unserem Schweige. Glückwunsch! Wegen der etwas schwächeren ersten Buchhälfte und meiner Probleme mit Elanora gibt es erneut eine 2-.

P.S.: Ist eigentlich schon eine Fortsetzung in Arbeit oder geplant?
Posted By: Schweige

Re: Kamaluqs Schlund - 24/07/10 10:46 AM

Hallo Ralf,

ich habe ja schon so bange wie sehnsüchtig auf deine Rezension gewartet. Immerhin hast du ja schon bei den "Dächern Gareths" treffsicher die Schwachstellen in der Geschichte bloßgelegt. Darauf konnte ich mich auch dieses Mal verlassen.

Interessant ist, dass du dich nicht an eventuellen und offensichtlichen Unstimmigkeiten zur aventurischen Setzung störst. Das war immerhin das dickste Minus, das man mir bei den beiden Alveran-Rezis verpasst hat. Wobei der eine Fehler - ein falscher Zauberspruch - tatsächlich das Resultat extremster Betriebsblindheit war. Ich wusste, dass da noch ein Fehler drin ist, - eine Art Platzhalter, der ausgemerzt werden muss - und ich hab es schlicht vergessen ...

... aber das ist eine andere Seite ...

Danke, dass du Spannung und Tempo lobst, das sind Punkte dich ich als Schreiberling bei eigenen Texten noch schlechter Beurteilen kann, als das Vorhandensein von Rechtschreib- und Grammatikfehler.

Zu Tarzan: Ich gestehe, dass ich während des Schreibens überlegt habe, mein 30 Jahre altes "Tarzan" Buch von Edgar Rice Burroughs auszugraben. Ich habe es dann doch bleiben lassen, - übrigens ebenso wie eine nochmalige Lektüre von T.C. Boyles "Wassermusik". Das einzige was ich "inspirierend" nachgelesen habe, war eine Szene aus Douglas Adams "Der elektrische Mönch", die eine sehr stimmungsvolle Dschungelatmosphäre besitzt. Und dann natürlich ein mehrfaches ansehen der Dokumentation "Tropenfieber II, Folge 3: "Wagnis im Dschungel - Mary Kingsley unter Kannibalen".

Ich habe diese großartige Frau hoffentlich nicht zu sehr verunglimpft, weil ...
 Originally Posted By: Ralf

... Elanora im Grunde genommen bei jedem männlichen Wesen, das auch nur zwei Worte mit ihr wechselt, spitz wie Nachbars Lumpi wird!

Ehrlich, ich hatte bei Elanora keine "ständig sexlüsternen Klosterschülerin" vor Augen. (Zumindest nicht allzu oft ;\) ).
Eigentlich wollte ich Elanora eine kleine Romanze gönnen, leider erwies sich der dafür ausersehene Herr als ungeeignet. Also ließ ich sie sich ein wenig umschauen ... nun, vielleicht hätte ich das am Schluss noch entrümpeln müssen.
Damit muss ich jetzt leben ... ... ich gelobe Besserung!

Wie gesagt: Vielen Dank für deine Rezi, aus der ich auf meiner HP schamlos - und ohne "ständig sexlüsternen Klosterschülerin" - zitieren werde.

----

Und zu deiner Abschlussfrage: Nein. Keine Fortsetzung ist geplant. Ich lasse gerne noch ein paar (unwichtige?) Handlungsstränge offen (auch in "ÜddG"). Am Ende des Buches gehört die Geschichte dem Leser, der sie sich fortträumen darf. (Ich habe mich selten mehr über ein Ende geärgert, wie das "9 Jahre später" Kapitel im letzten Harry Potter ...) Und immerhin ist Aventurien eine Rollenspielwelt, wenn ein Spieler/Meister eine meiner Figuren oder Geschichten aufgreifen will, so ist das mir eine Ehre.
Aber es heißt ja: "Sag niemals nie". In meinem Bekanntenkreis fordern sie ein Fortsetzung der "ÜddG/Li"-Geschichten. Mir fällt nichts ein, also habe ich gesagt "Wenn ihr Ideen habt ..." Und immerhin gibt es ja in KS in Chorhop eine Szene ...
Einen Faden den ich jetzt aufgenommen habe, ist die Figur der Hauptmann Geronius Bosko aus "ÜddG". Von Fanpro habe ich einen vorläufigen "Daumen hoch", aber ich bin eh ein Langsamschreiber und zur Zeit komme ich garnicht voran ...

----

Übrigens: Nach dem ich das erste Halbjahr 2010 damit verbracht habe, mich durch Tad Williams "Otherland" zu kämpfen, habe ich jetzt beim Lesen der Aventurienromane kräftig aufgeholt. Z.Z. lese ich "Nachtrichter". Gefällt mir bislang ganz gut ... vielleicht solle ich es doch mal wieder mit einer Rezi hier versuchen ... zumindest über die Bücher, die mir gefallen haben.
Posted By: Ralf

Re: Kamaluqs Schlund - 24/07/10 01:52 PM

 Originally Posted By: Schweige

Interessant ist, dass du dich nicht an eventuellen und offensichtlichen Unstimmigkeiten zur aventurischen Setzung störst. Das war immerhin das dickste Minus, das man mir bei den beiden Alveran-Rezis verpasst hat. Wobei der eine Fehler - ein falscher Zauberspruch - tatsächlich das Resultat extremster Betriebsblindheit war. Ich wusste, dass da noch ein Fehler drin ist, - eine Art Platzhalter, der ausgemerzt werden muss - und ich hab es schlicht vergessen ...


Um solche Dinge zu beurteilen, fühle ich mich einfach nicht mehr genug "drin" im Regelwerk, da ich ja seit Jahren nicht mehr aktiv spiele und mindestens eine umwälzende Regelreform "verpasst" habe.
Warning, Spoiler:
Die Sache mit dem Zauber war mir schon aufgefallen, allerdings ging ich einfach davon aus, daß das durch den Einsatz von Lebensenergie regeltechnisch gedeckt sei. Offenbar doch nicht. ;\)


 Originally Posted By: Schweige

Ehrlich, ich hatte bei Elanora keine "ständig sexlüsterne Klosterschülerin" vor Augen. (Zumindest nicht allzu oft ;\) ).
Eigentlich wollte ich Elanora eine kleine Romanze gönnen, leider erwies sich der dafür ausersehene Herr als ungeeignet. Also ließ ich sie sich ein wenig umschauen ... nun, vielleicht hätte ich das am Schluss noch entrümpeln müssen.
Damit muss ich jetzt leben ... ... ich gelobe Besserung!


Naja, vielleicht hat es ja auch nur mich gestört. Bei den beiden Alveran-Rezensionen (ich habe sie allerdings nur überflogen) wurde ja nichts in der Richtung erwähnt, glaube ich. Und du weißt ja bestimmt, wie das ist: Wenn man aus welchen Gründen auch immer irgendein sich wiederholendes Detail entdeckt, dann hält man automatisch bis zum Schluß geradezu Ausschau danach, während andere Leser es wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen ...

 Originally Posted By: Schweige
Und zu deiner Abschlussfrage: Nein. Keine Fortsetzung ist geplant. Ich lasse gerne noch ein paar (unwichtige?) Handlungsstränge offen (auch in "ÜddG"). Am Ende des Buches gehört die Geschichte dem Leser, der sie sich fortträumen darf.


Den offensichtlichsten offenen Handlungsstrang finde ich so völlig okay und ich hatte auch gar nicht das Gefühl, daß es sich um ein klassisches "Fortsetzung folgt"-Ende handeln würde. Aber die "Endsituation" läßt natürlich allen Raum für neue Abenteuer, das weckte dann doch meine Neugier, ob vielleicht schon was geplant ist. Aber ich freue mich natürlich auch, vielleicht sogar noch mehr, auf ein "Gareth"-Spin-Off. ;\)
"Nachtrichter" liegt bei mir übrigens als nächstes an. Normalerweise lese ich die DSA-Romane ja in der Reihenfolge ihres Erscheinens (außer bei Mehrteilern, die ich bevorzugt erst dann lese, wenn alle Teile erschienen sind - auch wenn mir das Warten gerade bei den Answin-Romanen ziemlich schwer fällt ...) - nur den "Drakensang"-Roman habe ich vorgezogen, weil ich den lesen wollte, solange ich noch das Computerspiel im Gedächtnis habe. Deshalb hat es *etwas* länger gedauert bis zur "Kamaluq"-Rezension. \:\)
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Kamaluqs Schlund - 24/07/10 04:08 PM

Ich wundere mich ehrlich gesagt immer wieder, wie man das Schreiben eines Romans durchhalten kann.

Ich habe das bis heute nicht geschafft.

Wahrscheinlich steht mir mein eigener Anspruch im Wege.
Posted By: Schweige

Re: Kamaluqs Schlund - 25/07/10 11:30 AM

 Originally Posted By: AlrikFassbauer
Ich wundere mich ehrlich gesagt immer wieder, wie man das Schreiben eines Romans durchhalten kann.

Ich habe das bis heute nicht geschafft.

Wahrscheinlich steht mir mein eigener Anspruch im Wege.


;\) Welcher Anspruch? ;\)
1. - Es zu Ende bringen.
2. - Es das nächste Mal besser machen.

Ernsthaft: Für "ÜddG" habe ich fast sechs Jahre gebraucht. Die meiste Zeit moderte das Manuskript halb geschrieben auf der Festplatte. Ich dachte: "Das wird sowieso nichts." Dazu kam, dass ich in jedem zweiten damals erschienenen DSA-Roman (vermeintliche) Parallelen zu meiner Geschichte zu entdecken glaubte. Aber irgendwie wurde das Buch dann nicht nur fertig, sondern auch noch von Fanpro angenommen.
Bei "Kamaluqs Schlund" waren es dann "nur noch" zwei Jahre.
Mal sehen, ob man vor 2012 mit meinem nächsten rechnen kann.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Kamaluqs Schlund - 25/07/10 03:29 PM

Bei mir "modert" auch so einiges vor sich hin. ;\)

Ein Buch mit gesammelten, verschiedenartigen Kurzgeschichten hätte ich dagegen bereits sehr wohl zusammen, oder sogar zwei. ;\)


Nein, mit "Anspruch" meinte ich ursprünglich meinen Perfektionismus ;\) , mir war in dem Moment jedoch das Wort entfallen.

Ich weiß inzwischen wenigstens, daß ich mir damit des öfterem selbst im Wege stehe, auch wenn ich noch keinen Weg gefunden habe, "da drum herum zu gehen".

Ich will immer alles zu genau haben. Das ist das, was ich mit "Perfektionismus" meinte.

Posted By: Schweige

Re: Kamaluqs Schlund - 25/07/10 05:29 PM

\:\) War mir schon klar. ;\)

Ich habe jedoch mein "perfektes Buch", meinen "Magnus Opus", meinen epochalen Roman, meinen "Herr der Ringe", meinen [hier bitte Lieblingsbuch einfügen] auf unbestimmte Zeit verschoben.
Einerseits fällt mir das "fertig werden" schon schwer genug, andererseits gilt auch beim Schreiben das "Learning by dooing", und gerade das "Feedback" von Lesern und Lektorat verändert das Herangehen an die nächste Geschichte.
Ich kann mich übrigens inzwischen kaum noch erinnern, um was es in meinem "Meisterwerk" eigentlich gehen sollte ...
... vielleicht allein schon, weil ich früher (bevor ich das erste Wort geschrieben habe) den "großen Plot" gesucht habe. Heute (er)finde ich Personen, und lasse sie mir ihre Geschichte erzählen. Kleiner, aber wohl eher "meines".
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Kamaluqs Schlund - 26/07/10 11:47 AM

Ja, so ähnlich mache ich das inzwischen auch. ;\)
Ein grobes Grundgerüst hilft da aber immer.

Posted By: Ralf

Re: Kamaluqs Schlund - 26/07/10 02:18 PM

Mir fällt da noch eine Frage zu "Kamaluqs Schlund" ein, Schweige: Entspricht die Elanora vom Titelbild eigentlich deinen Vorstellungen als Autor? Ich muß nämlich sagen, daß ich sie angesichts deines Textes mir anders vorgestellt hätte. Das Titelbild ist zwar insgesamt durchaus gelungen, aber irgendwie ist die Frau einfach nicht die Elanora aus meinem Kopf ... ;\)
Posted By: Schweige

Re: Kamaluqs Schlund - 26/07/10 03:31 PM

"Meine" Elanora:
Wagnis im Dschungel - Mary Kingsley unter Kannibalen
und
beim ZDF
Posted By: Ralf

Re: Kamaluqs Schlund - 26/07/10 04:57 PM

Ja, das trifft meine Vorstellung auch besser. Wobei das Titelbild gar nicht so weit davon entfernt ist - es scheint ja sogar, was die Haltung von Elanora betrifft, fast eine Kopie des Fotos über "Ins Land der Kannibalen" auf der ZDF-Seite zu sein. Ob das nicht noch Copyright-Probleme gibt? \:-D
Posted By: Schweige

Re: Kamaluqs Schlund - 27/07/10 03:32 PM

 Originally Posted By: Ralf
Ja, das trifft meine Vorstellung auch besser. Wobei das Titelbild gar nicht so weit davon entfernt ist - es scheint ja sogar, was die Haltung von Elanora betrifft, fast eine Kopie des Fotos über "Ins Land der Kannibalen" auf der ZDF-Seite zu sein. Ob das nicht noch Copyright-Probleme gibt? \:-D


Ich habe Arndt Drechsler auch die Bilder von den Webseiten geschickt. Aber beim Gesicht und den Haaren hat er wohl andere Vorstellungen ...
Posted By: Ralf

Re: Kamaluqs Schlund - 23/08/10 11:03 AM

NACHTRICHTER von Dorothea Bergermann:

Die Geschichte von den furchtlosen Helden, die einem bösen Dämonenbeschwörer/Anhänger des Namenlosen das Handwerk legen, ist ein regelrechter Klassiker im Rahmen der DSA-Roman-Reihe. Tatsächlich bin ich sogar ziemlich sicher, daß kein anderes Story-Grundgerüst auch nur annähernd so oft bemüht wurde wie dieses. Die Ergebnisse waren teilweise mehr, teilweise weniger gelungen. Daß "Nachtrichter" glücklicherweise in die erste Kategorie fällt, ist das Verdienst der relativ ungewöhnlichen Hauptcharaktere.
Denn in "Nachtrichter" sind es nicht etwa irgendwelche dahergelaufenen Abenteurer, die sich dem Bösen entgegenstellen und auch keine unbeirrbaren Praioten. Nein, es sind die Phex-Geweihte Adara und ihr bester Freund, der phexgläubige tulamidische Schwarzmagier (!) Faisal. Zusammen kämpfen sie, wie wir zu Beginn erfahren, schon längere Zeit gegen Dämonenbeschwörer, doch auf ihren neuen Fall stoßen sie rein zufällig (oder doch eher durch einen gezielten Stupser Phexens in die richtige Richtung?), als sie sich eigentlich im Phex-Tempel des Städtchens Kyndoch von den vorangegangenen Strapazen erholen wollen ...

Das Besondere an "Nachtrichter" ist in der Tat nicht die Story an sich, sondern wie liebevoll detailgetreu, glaubwürdig und nachvollziehbar der Phex-Kult dem Leser nähergebracht wird. Zumal Adara und Faisal einfach zwei sehr sympathische Helden der Geschichte sind. Besonders lobenswert finde ich übrigens, daß es auf den gesamten 300 Seiten nicht auch nur die geringste Andeutung irgendwelcher romantischer Gefühle zwischen den beiden gibt. Sie sind einfach nur beste Freunde. Sowas kennt (hoffentlich) jeder aus dem "wahren Leben", aber in Büchern oder Filmen scheint normalerweise eher Harrys Haltung aus "Harry und Sally" vorzuherrschen: Es kann keine echte Freundschaft zwischen Männern und Frauen geben! Schön, daß auf dieses Klischee hier einmal komplett verzichtet wird. ;\)

Auch abseits der dominierenden "Phex-Perspektive" überzeugt "Nachtrichter" mit der Erzeugung einer ausgesprochen aventurischen Atmosphären. Anders als bei anderen DSA-Romanen glaube ich bei diesem nicht, daß man ihn auch problemlos in eine beliebige andere Fantasywelt transportieren könnte. "Nachtrichter" ist definitiv ein DSA-Roman! Umso bedauerlicher, daß das ansonsten fast obligatorische Glossar aventurischer Begriffe am Ende des Buches fehlt (abgesehen von einer Erläuterung der aventurischen Götter, von aventurischen Maßen und Gewichten und ähnlichem). Und ehrlich gesagt ist das mal wieder typisch. In fast jedem DSA-Roman gibt es ein solches Glossar - doch für jemanden, der sich ein wenig mit Aventurien auskennt, ist es eigentlich meist überflüssig. Hier, wo man wirklich ein ausgesprochener DSA-Experte sein muß, um alles genau verstehen zu können, fehlt das Glossar. Toll ...

Aber zum Glück schmälert das den Lesegenuß nur ein wenig. Allerdings summieren sich die Kritikpunkte insgesamt doch ein wenig. Beispielsweise gibt es für meinen Geschmack ein oder zwei Verfolgungsjagden zu viel. Irgendwann hatte ich den Eindruck, daß diese vor allem dazu dienten, die doch recht dünne zentrale Handlung zu strecken, um auf jene 300 Seiten Umfang zu kommen, die mehr oder weniger Minimum bei DSA-Romanen sind. Zudem handeln nicht alle Personen stets glaubwürdig, vor allem eine (zudem sehr vorhersehbare) Storyentwicklung gegen Ende läßt sich leider nur durch äußerst dummes Handeln gleich zweier Nebenfiguren erzwingen:
Warning, Spoiler:
gemeint ist Frau Uttas Entführung, nachdem sie sorglos durch die ganze Stadt flaniert, obwohl sie wissen muß, daß sie immer noch in Gefahr ist!

Und das Finale selbst konnte mich auch nicht richtig begeistern.

Insgesamt ist "Nachtrichter" also ein sehr unterhaltsames, flüssig geschriebenes Buch, das vor allem Aventurien-Kennern (und/oder Phex-Fans ;\) ) gefallen dürfte, aber doch auch noch ein paar kleinere Macken hat. Deshalb gibt es erneut die Note 2-.

P.S.: Nachdem ich dank Schweige ja weiß, daß die Autoren den Titelbildzeichnern auch "Promi-Fotos" schicken können, um ihnen zu zeigen, wie sie sich die Hauptfiguren vorstellen, möchte ich wetten: Frau Bergermann hat dem Zeichner für das Aussehen von Faisal ein Foto des Schauspielers Oded Fehr ("Die Mumie", "Sleeper Cell") geschickt! Das Gesicht ist jedenfalls unverkennbar (allerdings wirkt der Kopf leider etwas zu groß für den Körper, was das "Aufgesetztsein"-Gefühl natürlich noch verstärkt). Insgesamt finde ich das Titelbild zwar wieder mal gelungen, aber das hat mich dann doch etwas gestört. Und Adaras (unpassenderweise) leicht dümmlich wirkender Gesichtsausdruck ebenfalls ...
P.P.S.: Wenn ich´s mir so überlege ... Wenn wir schon mit Schweige einen DSA-Autor hier haben, könnte ich auch mal direkt fragen: Wie läuft das mit dem Glossar? Liegt das in der Verantwortung der Autoren? Oder entscheidet der Verlag darüber, ob überhaupt eines notwendig ist und falls ja, was genau darin geschrieben steht?
Posted By: Schweige

Re: Kamaluqs Schlund - 23/08/10 07:19 PM

Das Glossar ist tatsächlich Sache des Autors. Aber vielleicht sollte man das den "Neuen" vorher sagen. Das wusste ich z.B. bei "Über den Dächern Gareths" auch noch nicht, und deshalb ist in dem Buch überhaupt kein Glossar vorhanden - nicht einmal die Götter- und Monatsnamen. Aber eigentlich ist es auch offensichtlich, als Verursacher weiß ich immerhin, was in die Anhänge gehört, und was nicht. Bei "Kamaluqs Schlund" hab ich dann das Glossar parallel zu der Geschichte geschrieben.

Ach ja: Ich halte mich ja inzwischen mit Kommentaren zu DSA Romanen zurück, da ich nicht schlecht über "Kollegen" schreiben will, aber deiner Rezi zu "Nachtrichter" kann ich voll und ganz zustimmen. Zur Zeit macht es mir wieder richtig Spass, die Bücher zu lesen. Ich hab jetzt ein paar Seiten von "Stein" gelesen, und es gefällt mir richtig gut. Ich hoffe nur, Bernard Craw lässt dieses Mal ein paar der "Helden" am leben. ;\)
Posted By: Ralf

Re: Kamaluqs Schlund - 24/08/10 03:23 PM

Da warte ich noch, bis alle vier Bände raus sind (sollte ja in Kürze soweit sein) und lese sie dann "in einem Rutsch". \:\)
Posted By: Ralf

Re: Kamaluqs Schlund - 17/03/11 12:00 PM

Wie ich eben bei Nandurion lese, soll im Juli der dritte DSA-Roman von unserem Schweige erscheinen (vielversprechender Titel: "Schlimme Finger" \:-D ). Jetzt müßte ich nur noch die Zeit finden, die bei mir inzwischen angehäuften vorherigen DSA-Romane zu lesen (bin gerade bei Band 3 des "Isenborn"-Vierteilers) ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Kamaluqs Schlund - 20/03/11 01:55 PM

Das Ferdoker Pergament ist übrigens zu empfehlen.
Posted By: Ralf

Isenborn - 24/04/11 10:49 AM

ISENBORN von Bernard Craw:
(bestehend aus den vier Bänden "Stein", "Erz", "Eisen" und "Stahl")

Als der Dämonenmeister Borbarad seinen zweiten Welteroberungsversuch startet, gerät die tobrische Adelsfamilie vom Isenborn in ihrem Reichsjunkergut zunehmend in Bedrängnis. Während der hünenhafte Freiherr Härmhardt und seine kampferfahrene Gattin Olorande das heimatliche Anwesen Burg Isenborn gegen finstere Magier, Goblins und Untote verteidigen müssen, haben auch ihre Kinder gut zu tun. Fiana, eben erst zur Ritterin geschlagen, wird gleich auf ihrem ersten Ritterturnier in Kämpfe gegen Borbaradianer verwickelt und ihrer jüngerer Bruder Falk findet sich als Knappe eines tobrischen Ritters plötzlich auf der falschen Seite wieder, da dieser Ritter dem dunklen Herzog Arngrimm untersteht. Die Situation spitzt sich zu, als Burg Isenborn belagert wird - und in den folgenden Jahren müssen die vier Hauptfiguren an verschiedenen Fronten gegen die unterschiedlichsten Gegner standhalten ...

Es fällt recht schwer, eine angemessene Inhaltsübersicht zu diesem Vierbänder zu liefern, ohne Spoiler für die späteren Bände darin unterzubringen - deshalb diese eher vage Zusammenfassung.
Im Grunde genommen handelt es sich beim "Isenborn"-Zyklus um eine Schilderung der Borbarad-Invasion aus der Sicht einiger Beteiligter, die wichtig genug sind, um eine sehr interessante Geschichte zu liefern, aber zu unwichtig, um eine wirklich große Rolle in den entscheidenden Momenten zu spielen, weshalb DSA-"Promis" nur Gastauftritte haben und auch die großen Ereignisse wie die Dritte Dämonenschlacht oder das "Jahr des Feuers" nur gestreift werden.
Ich halte das für einen sehr spannenden Ansatz - auch wenn ich als Nicht-Spieler der "Sieben Gezeichneten"-Kampagne mich auch über einen noch direkteren Ansatz "mittendrin" im Zentrum der Borbarad-Invasion gefreut hätte - und muß dem Autor Craw zunächst mal ein großes Lob für seine Detailtreue und die klug durchkonstruierte Handlung machen. Daß eine Story, die sich über mehrere Jahre hinweg spannt und so viele Haupt- und wichtige Nebenfiguren umfaßt, am Ende tatsächlich einen runden Eindruck macht und (fast) alle Fragen beantwortet, ist alles andere als selbstverständlich. Craw ist aber offensichtlich sehr methodisch vorgegangen und hat stets den Überblick behalten. Im Grunde genommen gibt es nur eine Sache zu Beginn des ersten Bandes, bei der ich vermute, daß er sie schlicht vergessen hat -
Warning, Spoiler:
Fianas "Infizierung" mit einer dämonischen Flüssigkeit, von der ich definitiv irgendwelche Folgen erwartet hatte
- ohne jedoch ausschließen zu können, daß es sich dabei vielleicht doch um eine bewußt gelegte falsche Fährte handelt.

Auch die Charaktere finde ich insgesamt sehr gelungen. Zwar sind zu Beginn speziell Fiana und Falk für meinen Geschmack etwas zu "superheldenhaft", aber das legt sich in den späteren Büchern dann auch. Die anderen Figuren sind sehr authentisch in die Welt eingebunden, haben überwiegend glaubwürdige Motivationen und wachsen einem schnell ans Herz (abgesehen von den Bösewichtern, versteht sich ;\) ). Dadurch wird Craws Markenzeichen - jede Romanfigur kann jederzeit das Zeitliche segnen - umso wirkungsvoller, da man wirklich nicht die geringste Ahnung hat, wer überleben wird und wer nicht. Nunja, zumindest theoretisch, denn da "Isenborn" gleichzeitig als eine Art Prequel zu seinem DSA-Debüt "Todesstille" fungiert (und nebenbei für einige andere Figuren in den späteren Bänden auch als Fortsetzung zu seinem "Im Schatten der Dornrose"), gibt es in der Praxis doch drei Personen, deren Überleben gesichert ist. Aber angesichts der Vielzahl von bedeutenden Romanfiguren ist das locker verschmerzbar (zumal zwei der drei hier sowieso nur kleine Rollen haben).

Eine gewichtige Ausnahme gibt es jedoch bei der Glaubwürdigkeit der Charaktere, und ich vermute, daß diese Ausnahme mit ebenjenem Prequel-Status gegenüber "Todesstille" zusammenhängt. Denn eine Hauptfigur von "Isenborn" vollzieht etwa in der Mitte der Handlung eine dermaßen abrupte und unvorsehbare nahezu 180°-Wende, daß ich das emotional einfach nicht akzeptieren kann. Craws Erklärung für die Wende ist ziemlich alibihaft, ich vermute, daß er hier einfach unter Zugzwang war, weil er die Wandlung einer anderen Figur bis zum Beginn von "Todesstille" vollziehen mußte und dafür einen Anlaß brauchte. Und offensichtlich ist ihm wohl kein besserer als diese 180°-Wende einer mit dieser Figur verbundenen Person eingefallen (sorry für die verwinkelte Umschreibung, aber ich will möglichst wenig spoilern ... ;\) ). Das ist für mich der größte konkrete Kritikpunkt an dem gesamten "Isenborn"-Zyklus.

Allerdings gibt es noch einen weiteren, der mindestens ebenso stark auf die Endnote drückt, dabei aber deutlich subjektiver ist: Craw selbst bezeichnet die Bücher als "military fantasy". Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, denn in der langen DSA-Roman-Reihe sind solche eher actionlastige Stories mit großen Schlachten ziemlich selten und für Abwechslung bin ich immer zu haben. Leider gibt es in "Isenborn" für meinen Geschmack dennoch einfach etwas zu viele Kämpfe. Mitunter überkommt einen das Gefühl, über mehrere Kapitel hinweg letztlich nur von Kampf zu Kampf zu hechten, worunter die eigentliche Handlung zwangsläufig leidet. Aber wie gesagt: Letztlich ist es sicher Geschmackssache, wieviel Action man in einem DSA-Roman will. Für den durchschnittlichen DSA-Roman-Leser dürfte dieses Ausmaß zumindest eine Umstellung gegenüber dem bisher Gewohnten sein, auch wenn Craw insgesamt glücklicherweise schon darauf achtet, daß die Kämpfe nie alles andere dominieren.

Dennoch: Die Story leidet etwas darunter und ich bleibe bei meiner schon durch seine ersten beiden DSA-Romane gefestigten Meinung, daß Craw sich noch etwas mehr auf die Story selbst konzentrieren sollte als er es bereits tut, wenn er ein echter Top-Autor werden will. Zusätzliche Probleme ergeben sich durch die Zeitsprünge, die mitunter schon mal zwei oder drei Jahre umfassen und die Handlung insgesamt zwangsläufig etwas episodenhaft wirken lassen. Dadurch wird der Erzählfluß naturgemäß immer wieder mal empfindlich gestört. Auch fand ich es eher unglücklich, daß die Sprünge zwischen den verschiedenen Charakteren gerade in den späteren Büchern immer weiter auseinanderliegen. Grundsätzlich habe ich nichts gegen diese Taktik, vielmehr nervt es mich bei anderen Büchern schon, wenn teilweise alle paar Seiten die Perspektiven gewechselt werden und quasi jedes Kapitel mit einem Mini-Cliffhanger endet. Craw verzichtet darauf fast komplett, übertreibt es aber meiner Meinung nach, wenn er teilweise Hauptfiguren seiner Geschichte über mehrere hundert (!) Seiten hinweg komplett ignoriert.

Fazit: Der "Isenborn"-Zyklus ist eigentlich ein sehr gelungener Blick auf die Borabarad-Invasion und ihre Folgen aus einer interessanten Perspektive. Die Stärken liegen vor allem in der ausgesprochen sorgfältigen Ausarbeitung von Charakteren und Handlung (inklusive der sorgfältigen Einbettung in die Geschehnisse aus Craws bisherigen DSA-Romanen), der erstaunlichen Unvorsehbarkeit vieler Ereignisse und dem für manche sicher gewöhnungsbedürftigen, aber qualitativ sehr ansprechenden, für das Genre ungewohnt sachlichen Schreibstil. Als (teilweise subjektive) Schwächen sind eine gewisse Episodenhaftigkeit, die starke Kampflastigkeit und der beschriebene "deus ex machina" zu nennen. Insgesamt kann ich mich aber nicht beklagen und vergebe wieder einmal die Schulnote 2-.

Edit, 27.4.: Übrigens, da ich gerade den aktuellen Aventurischen Boten lese und mich über die immer stärker nachlassende formale Qualität aufrege (was diesmal an Tipp-, Grammatik-, Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehlern geboten wird, ist wirklich eine Frechheit!): Großes Lob an das Lektorat des "Isenborn"-Zyklus. Wer auch immer dafür letztlich verantwortlich ist (der Autor selbst? private Korrekturleser aus Familie oder Freundeskreis? Oder doch ein FanPro-Lektor?): So wenige Fehler auf über 1200 Seiten DSA-Roman durfte man bislang selten erleben. Chapeau!
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 25/05/11 12:08 PM

TIE'SHIANNA - DER UNTERGANG DER HOCHELFEN von Florian Don-Schauen:

Weit in der aventurischen Vergangenheit: Die großen Städte der Hochelfen sind fast alle den Scharen des Goldenen Gottes (heutzutage besser als Namenloser Gott bekannt) unterlegen und auch Tie'Shianna, die Stadt des Erzes, droht der Belagerung durch den zahlenmäßig weit überlegenen Feind nicht mehr lange standhalten zu können.
Gleichzeitig ist eine elfische Botin auf dem Weg aus dem Sala Mandra in ihre Heimat Tie'Shianna, da sie um die Identität eines Verräters in der Stadt weiß, der gut und gerne deren Untergang besiegeln kann. Doch ihr Luftschiff wird von Trollen abgeschossen und sie (not)landet in Zentaurengebiet. Da die Zentauren nicht gerade gut auf die Hochelfen zu sprechen sind, muß sie erst deren Vertrauen gewinnen, ehe sie ihre Reise nach Tie'Shianna wieder aufnehmen kann ...

"Tie'Shianna" ist der DSA-Roman zum "Drakensang: Am Fluß der Zeit"-Add-On "Phileassons Geheimnis". Wie bereits der Roman zum ersten "Drakensang"-Spiel, "Das Ferdoker Pergament", wurde auch dieser vom DSA-Veteran Don-Schauen verfaßt, hat allerdings noch weniger Verbindungen zum Spiel. Im Grunde genommen überhaupt keine, abgesehen vom Setting und ein paar Mini-Anspielungen auf das Add-On.

Das ändert natürlich nichts daran, daß die Thematik des Buches eine außerordentlich spannende und exotische ist. Daran gemessen ist das Ergebnis in meinen Augen jedoch eine kleine Enttäuschung. Zwar ist es Don-Schauen gut gelungen, einerseits die Macht und Pracht der Hochelfen darzustellen und andererseits auch ihre Arroganz und Dekadenz, die letztlich ihren Fall zumindest stark mitverschuldet. Auch schafft er es, die handelnden Figuren trotz dieser negativen Eigenschaften durchaus einigermaßen sympathisch rüberzubringen. Allerdings scheitert er meiner Meinung nach dabei, auszudrücken, wie extreme Intelligenz und ebenso extreme Überheblichkeit im Zusammenspiel ihre tragische Wirkung entfalten. Konkret formuliert: Die "Bösewichte" unter den Elfen wirken auf mich nicht wirklich überzeugend. Ihre Arroganz ist zwar gut ausgearbeitet, aber die Intelligenz nehme ich ihnen nicht ab. Natürlich ist das für einen Autor nicht leicht, aber wenn Figuren, die als unglaublich intelligente, wenn auch weltfremde und egozentrische, Philosophen betitelt werden, immer wieder Argumentationen verfolgen, die so lückenhaft sind, daß dem Leser ohne großes Nachdenken etliche effektive Entgegnungen einfallen, auf die die ach so intelligenten Hochelfen nicht kommen, dann leidet die Glaubwürdigkeit dieser Personen doch erheblich.

Wie gesagt, natürlich ist das für jeden Autor schwierig - vor allem, wenn man selbst keinen IQ jenseits der 150 hat ;\) - und Don-Schauen hält die entsprechenden Szenen und Dialoge auch relativ kurz. Unterm Strich ist es trotzdem ziemlich störend.

Dennoch ist der Tie'Shianna-Handlungsstrang insgesamt spannend und unterhaltsam, weshalb man über diesen Kritikpunkt einigermaßen hinwegsehen kann. In gewisser Hinsicht problematisch ist jedoch der gesamte Zweithandlungsstrang um die abgestürzte Elfe und die Zentauren. Problematisch nicht etwa, weil er schlecht geschrieben oder langweilig wäre. Problematisch vor allem deshalb, weil man lange Zeit keine Ahnung hat, was das Ganze überhaupt soll. Es gibt keine erkennbare Verbindung zwischen den beiden Handlungssträngen (abgesehen von der Elfe) und auch, wenn man sich natürlich denken kann, daß sich am Ende alles ziemlich sinnvoll zusammenfügen wird - man ist einfach zu lange weitgehend ratlos und vor allem wird man durch den geraume Zeit vergleichsweise unspektakulären Handlungsverlauf immer wieder unsanft aus dem ungleich spannenderen Tie'Shianna-Strang herausgerissen. Alles in allem wirkt es IMHO zu sehr, als würden zwei voneinander unabhängige Geschichten parallel erzählt. Es wäre vermutlich sinnvoller gewesen, entweder den Zentauren-Strang deutlich kürzer zu halten oder von Beginn an mehr Verknüpfungen zwischen beiden Handlungsebenen einzubauen. So wirkt es jedenfalls irgendwie unrund.

Immerhin gestehe ich gerne zu, daß mich eine überraschende Wendung gegen Ende der Geschichte (die dann auch die beiden Erzählstränge endgültig zusammenbringt) eiskalt erwischt hat. Ganz ehrlich, da wäre ich nie drauf gekommen, auch wenn es im Nachhinein natürlich schon Anzeichen dafür gibt, die ich hätte erkennen können. Allerdings hat es seinen Grund, daß ich das nicht getan habe, und dieser Grund sorgt auch dafür, daß ich diese Wendung - so gelungen das Überraschungsmoment auch ist - trotzdem nicht gut finde. Ich will hier nicht spoilern, weil es wirklich ein Riesenspoiler wäre, aber falls jemand unbedingt wissen will, was ich meine, und ganz sicher ist, daß er das Buch sowieso nie lesen wird, bitteschön:
Warning, Spoiler:
ZEITREISE!


Naja, was will man machen. Und auch wenn diese Rezension insgesamt ziemlich negativ klingen mag - so schlimm ist das Buch natürlich nicht. Diese Mängel im Detail verhindern eine richtig gute Note von mir, aber der Gesamteindruck ist dennoch noch ein positiver. Weil Don-Schauen einen guten, flüssigen Schreibstil pflegt, weil die Handlung unterhält (auch wenn das Ende leider etwas gehetzt wirkt), weil das Setting so ungewöhnlich wie spannend ist, weil die Charaktere bewegen, weil auch beide Erzählstränge für sich genommen gut funktionieren. Unterm Strich ein befriedigender DSA-Roman mit Stärken und Schwächen, ergo Schulnote 3.
"Das Ferdoker Pergament" gefiel mir aber deutlich besser.
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 12/06/11 12:24 PM

CALDAIA von Christian Lange:

Inmitten der Magierkriege ist das Dorf Fremmelshof verschwunden. 440 Jahre lang wußte niemand, wie es geschehen konnte, daß einzig ein leerer Krater übrigblieb, wo einst das Dorf stand. Keine Trümmer, keine Leichen, nichts. Nun, in der aventurischen Gegenwart, taucht es plötzlich wieder auf. Mitsamt seinen Bewohnern. Denn Fremmelshof war von einem Magier beim Versuch, das Dorf vor den angreifenden Scharen eines Schwarzmagiers zu retten, zwischen die Sphären gerissen worden und in der Gegenwart gelandet. Für die Bewohner und Verteidiger von Fremmelshof liegen die Magierkriege somit keine 440 Jahre in der Vergangenheit, sondern soeben erst geschehen. Escalia von Hahnentritt, gerade 18-jährige Baroness von Fremmelsfelde und während des Unglücks ebenfalls in die Kämpfe in Fremmelshof verwickelt, muß also nicht nur verdauen, daß für sie der Tod ihres Vaters erst wenige Stunden zurückliegt, sondern auch, daß sie nun in einer neuen Welt gelandet ist, in der alle, die sie kannte, lange tot sind und die sich ganz allgemein gewaltig verändert hat. Eine Welt zudem, deren Adlige keineswegs bereit sind, ihre 440 Jahre alten Ansprüche auf die (in dieser Form gar nicht mehr existenten) Baronie anzuerkennen ...

Als schon lange nicht mehr aktiver DSA-Spieler freue ich mich immer besonders, wenn ein Roman erscheint, der nicht eine in sich komplett abgeschlossene Geschichte erzählt, sondern aktiv das Geschehen aus dem "lebendigen Aventurien", also aus den Abenteuerbänden, aufgreift. Das ist in "Caldaia" der Fall und da ich mich zudem noch gut an den entsprechenden Artikel im "Aventurischen Boten" über die "Rückkehr" von Fremmelshof erinnern kann, war ich diesmal besonders gespannt auf das Buch. Leider wurde die Vorfreude ziemlich enttäuscht.

Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach die Unschlüssigkeit der Handlung. Ausgehend von einer hochinteressanten Prämisse ist es dem Autor höchstens ansatzweise gelungen, das Potential der Geschehnisse auszuschöpfen. Das beginnt damit, daß sich "Caldaia" leider auf die Figur der Escalia von Hahnentritt konzentriert und die übrigen Fremmelshofer fast komplett ignoriert. Das *kann* man natürlich so machen - allerdings sollte dann die Geschichte von Escalia auch entsprechend fesselnd sein. Das ist sie aber nicht. Zwar liest sich am Anfang alles noch recht vielversprechend, als die unerfahrene Escalia in den Intrigenstadel der mittelreichischen Adels gerät und zum mehr oder weniger willenlosen Spielball der konkurrierenden Potentaten wird. Doch abgesehen davon, daß bereits an dieser Stelle Escalias Passivität und auch nicht durch die besonderen Umstände entschuldbare gigantische Naivität zunehmend nervt, geschieht schon recht bald etwas, was sich durch das gesamte Buch zieht: Immer, wenn ein Handlungsstrang gerade interessant zu werden verspricht, wird er abrupt abgebrochen und durch den nächsten ersetzt. So mäandert die Geschichte lange Zeit ziellos umher, Escalia wird vom Autor dabei zu offensichtlich wie eine Marionette in die gewünschte Richtung gelenkt, ohne daß viele ihrer Entscheidungen glaubhaft und nachvollziehbar wären. Es mündet in ein zwar vergleichsweise spektakuläres Finale, das aber so stark konstruiert (und dabei, bis auf ein Detail, auch noch vorhersehbar) ist, daß ich es wirklich nicht mehr ernstnehmen konnte.

Auch wenn Escalia nervt: Im Gegensatz zu fast allen anderen Figuren des Romans hat sie wenigstens etwas Tiefgang und Dreidimensionalität. Die meisten der übrigen handelnden Personen wirken dagegen arg klischeehaft und oberflächlich, die Motivation ihrer Handlungen ist nur selten komplett nachvollziehbar - zumal ihnen sowieso nur wenig Platz eingeräumt wird in einem der kürzesten DSA-Romane bislang. Lediglich der Söldner Amarelo, der in einem parallelen Handlungsstrang auf der Jagd nach einem aus der Haft entflohenen Schwarzmagier ist, kann noch einigermaßen überzeugen und kommt insgesamt auch am sympathischsten rüber.

Der Schreibstil des Autors ist zwar nicht schlecht - aber doch ziemlich schlicht. Die Dialoge wirken gelegentlich nicht gerade lebensecht, zudem gibt es zu viele Wort-Wiederholungen. Ich weiß selbst aus leidvoller Erfahrung, wie schwierig es ist, solche Wiederholungen konsequent zu vermeiden - aber in "Caldaia" sind es einfach zu viele und in den meisten Fällen hätten diese zudem relativ einfach umgangen werden können.

Zugutehalten muß ich "Caldaia", daß ich mich allen Schwächen zum Trotz erst auf den letzten 70 oder 80 Seiten etwas gelangweilt habe (als dem Leser eine "überraschende Wendung" schon lange klar ist, gleich zwei Hauptfiguren aber trotz deutlicher Hinweise *ewig* brauchen, bis sie selbst darauf kommen ...). Escalias Gewöhnung an die "neue Welt" ist recht gelungen umgesetzt, auch die Adelsintrigen sind ganz unterhaltsam, reichen aber natürlich nicht an die Raffinesse der Al'Anfa-Romane von Alex Wichert (teilweise plus Co-Autoren) heran.

Fazit: "Caldaia" ist ein ausreichender DSA-Roman, ergo Schulnote 4.

Mir fällt es ja immer schwer, ein Buch zu verreißen (zumal wenn es sich wie hier um ein Romandebüt handelt), wenn zumindest eine kleine Chance besteht, daß der Autor die Rezension auch liest (was, wie wir in diesem Forum erleben durften, keinesfalls ausgeschlossen ist). Abgesehen davon, daß es sich hierbei ja keineswegs um einen Verriß handelt, sondern nur um eine "normale" eher negative Kritik, wird mein schlechtes Gewissen durch eine kleine Internet-Suche gemildert. Denn bei Nandurion gibt es eine positive Kritik, bei Wiki Aventurica zwei mittlere (3/5) und bei amazon.de zwei positive (jeweils 4/5) und eine negative (2/5), die übrigens ziemlich genau meine Empfindungen wiedergibt. Der Durchschnitt all dieser Bewertungen ist also gar nicht schlecht, da wird der Autor Christian Lange im Zweifelsfall wohl auch mit meiner etwas negativeren leben können. ;\)
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 26/06/11 11:17 AM

DER SCHRECKEN VON ARLINGEN von Thomas Walach-Brinek:

Der junge Geron ist ein geachteter Gelehrter und Magister an der Universität in Methumis, ehe er dort in Ungnade fällt und die Stadt verlassen muß. Gemeinsam mit seinem loyalen Diener Grimaldo, einem erfahrenen Krieger, nimmt er den Auftrag an, eine mysteriöse Mordserie in dem kleinen, extrem abgelegenen Fischerdorf Arlingen zu untersuchen. Die Dorfbewohner glauben an das Wirken böser Mächte und Geron soll ihrem Aberglauben seine wissenschaftlichen Methoden entgegensetzen ("Sleepy Hollow" läßt grüßen) ...

Beginnen wir mit dem Positiven: Der Schreibstil von Walach-Brinek ist sehr blumig und sehr gelungen (gerade im direkten Vergleich zum auffällig schlichten Stil des vorangegangenen DSA-Romans "Caldaia"). Zu Beginn befürchtete ich schon, es wäre sogar ein wenig zu viel des Guten, doch als nach wenigen Seiten offenbar wird, daß der Ich-Erzähler ein Horasier ist, fand ich diesen Stil vollkommen angemessen und alles in allem sehr angenehm (auch wenn er mitunter etwas weitschweifig wird). Zudem sind die Rückblenden auf Gerons Vergangenheit recht interessant.

Leider war es das dann auch schon wieder mit den positiven Punkten. Und ehrlich gesagt habe ich gar keine Lust, über die negativen allzu viel zu schreiben, weil ich nach nun bereits mehreren IMHO nicht überzeugenden DSA-Romanen in Folge etwas frustriert bin. Deshalb in Kürze: Ich will ja gar nicht groß davon anfangen, daß der Sinn einer "Sleepy Hollow"-Prämisse in einer Welt, in der die Existenz von Magie, Göttern und Dämonen völlig außer Frage steht, diskutabel ist. Das läßt sich verschmerzen.
Wirklich genervt hat mich jedoch, daß Geron die einzige handelnde Figur mit ernstzunehmender Tiefe ist; daß mehr oder weniger alle anderen Charaktere schablonenhafte Abziehbilder ohne echtes Innenleben sind; daß der Bösewicht der Geschichte viel zu früh klar ist; daß Geron zu oft nicht nachvollziehbar handelt; daß überhaupt die meisten Storyentwicklungen viel zu gehetzt wirken, um glaubwürdig sein zu können (kein Wunder, bei erneut deutlich weniger als 300 Seiten, die zudem nicht nur die Gegenwartshandlung beinhalten, sondern auch die nicht unbedingt kurzen Rückblenden); das typische B-Movie-Ende; einige Logikfehler, die darauf hindeuten, daß wohl einige Passagen des Buches vor der Veröffentlichung gestrichen wurden.

Tja, solche Sachen halt. Wie man eine Geschichte dieser Art überzeugend und hochgradig spannend erzählt, hat erst letztes Jahr Linda Budinger in ihrem "Eiswolf" vorgemacht. "Der Schrecken von Arlingen" kann da trotz seiner bemerkenswerten sprachlichen Qualitäten bei weitem nicht mithalten.
Note 4-

P.S.: Kurioserweise scheine ich erneut eine deutlich negativere Kritik zu verfassen als die meisten anderen "DSA-Roman-Rezensierer" im Netz. Bin ich etwa plötzlich und ohne jeden Grund so viel anspruchsvoller geworden? Oder treffen die aktuellen DSA-Romane einfach irgendwie nicht meinen Geschmack? Oder brauche ich einfach mal eine Pause? Die werde ich jetzt auf jeden Fall einlegen. Als nächstes nehme ich mir deshalb Stephen Frys "Das Nilpferd" vor - etwas viel Gegensätzlicheres zu den DSA-Romanen kann man wohl kaum finden ... \:\)
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 11/09/11 03:56 PM

RABENKIND von Gerrit Harm:

Das kleine Dorf Dunkelbach, das während der Orkkriege zerstört worden war, inzwischen aber wieder aufgebaut und besiedelt ist, wird zum Ziel ganz unterschiedlicher Personen und Gruppierungen: Unter anderem taucht der kriegserfahrene Golgarit Garlon auf, der seine neue Stellung als örtlicher Boron-Geweihter antreten soll und während der Reise den Zwergenveteran Ortosch als Weggefährten gewinnt. Kurz vor den beiden ist der Magier Velin mit seinem Bruder, dem Söldner Brogg, in Dunkelbach eingetroffen, wo er das Grundstück eines während der Orkkriege spurlos verschwundenen Magus erworben hat. Auch eine Rotte Orks sieht Dunkelbach als lohnendes Ziel und das ist noch lange nicht alles ...

"Rabenkind" ist so etwas wie die Romanversion eines Episodenfilms. Die interessante Geschichte rund um das kleine Dorf am Rande der Wildnis wird aus erstaunlich vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Das für sich ist schon gewöhnungsbedürftig und sicher nicht jedermanns Sache. Für meinen Geschmack gibt es eindeutig zu viele unterschiedliche Handlungsstränge, als daß alle erstens durchgehend interessant gestaltet werden und sie zweitens auch noch eine gewisse inhaltliche Tiefe entwickeln könnten (zudem gibt es immer wieder unschöne Perspektivwechsel selbst innerhalb kürzester Unterkapitel).

Die Charaktere wirken fast ausnahmslos klischee- und schablonenhaft, auch etliche überraschende Wendungen im Handlungsverlauf ändern daran wenig, weil die Figuren einfach nicht interessant genug dargestellt werden, um den Leser wirklich berühren zu können.

Das liegt auch und vielleicht sogar vor allem daran, daß die Dialoge ein großer Schwachpunkt des Romans sind. Dafür gibt es viele Gründe: Generell reden die handelnden Figuren viel zu oft künstlich und gewollt anstatt glaubwürdig und natürlich. Man merkt regelrecht, daß sie häufig nur das sagen, was der Leser nach Meinung des Autors an dieser Stelle erfahren soll (besonders augenfällig in der Kennenlernszene von Garlon und Ortosch, in der vor allem Garlon - immerhin ein schweigsamer Boron-Geweihter! - reichlich unmotiviert mal eben so seine ganze Lebensgeschichte erzählt ...). Lebendig wirken die Dialoge leider kaum einmal.
Dazu kommt, daß es kaum Unterschiede zwischen den immerhin sehr verschiedenen Charakteren gibt. Ob nun Boron-Geweihter, Bauer, Orkanführer, Magier oder Zwerg: Wer nur ihre Dialoge liest, ohne die Sprecher zu kennen, der wird kaum einen Unterschied bemerken! Athmosphärisch stört es einfach extrem, wenn man einen Ork kaum von einem Magier unterscheiden kann ... Ich konnte mich des stetigen Eindrucks kaum erwehren, daß es nicht die jeweiligen Personen sind, die reden, sondern eigentlich doch nur der Autor. Und das ist definitiv nicht gut.

Auch ansonsten gelingt es "Rabenkind" meiner Meinung nach kaum einmal, ein lebendiges Bild von Aventurien und seinen Bewohnern zu entwerfen. Ein Beispiel dafür ist eine Tavernen-Szene relativ zu Beginn des Buches, die dermaßen steril wirkt, daß ich unwillkürlich an eine ganz ähnliche Szene ziemlich am Anfang des allerersten "Drachenlanze"-Buchs denken mußte - die so wunderbar authentisch und glaubwürdig geschildert wurde, daß ich sie noch immer positiv im Gedächtnis habe (vielleicht auch etwas verklärt, aber auf jeden Fall sehr positiv)! Davon ist das Pendant in "Rabenkind" meilenweit entfernt.
Die Handlungsweisen vieler Personen sind zudem oft beinahe ebenso wenig nachvollziehbar wie ihre Dialoge (oder sogar noch weniger), dafür gibt es vor allem in der zweiten Buchhälfte immer wieder erstaunlich abrupte Meinungsänderungen ohne wirklich ersichtlichen Grund.

Als wäre das alles noch nicht nervig genug, kommt auch noch dazu, daß dieses Buch aber sowas von dringend einen guten Lektor benötigt hätte. Zwar macht der Autor kaum Rechtschreib- oder Grammatikfehler, aber dafür gibt es Flüchtigkeits- und Tippfehler in Hülle und Fülle (fehlende Buchstaben, falscher Bezug, gelegentlich ein fehlendes Wort, dazu des öfteren Wortwiederholungen selbst innerhalb eines Satzes). Sowas ist eigentlich inakzeptabel für einen Preis von immerhin 10 Euro ...

Wenn ich mich nicht irre, habe ich bisher genau eine positive Bemerkung über "Rabenkind" gemacht: daß die Handlung interessant sei. Das stimmt in der Tat, denn die Story macht eigentlich von Beginn an neugierig und auch wenn es gegen Ende arg viele Zufälle und Wendungen gibt, die auch nicht immer ganz glaubwürdig sind, habe ich mich letztlich die gesamten knapp 350 Seiten lang ordentlich unterhalten gefühlt. Natürlich immer wieder stark genervt aufgrund der handwerklichen Schwächen, aber letzten Endes ist mir bei einem Buch eine interessante Handlung eindeutig wichtiger als das ganze Drumherum. Das relativ offene Ende kann ich auch verschmerzen, einige komplett vorenthaltene oder schlicht vergessene Erklärungen zu bestimmten Geschehnissen oder auch Personen sind da schon ärgerlicher.

Letztlich vergebe ich gnädig die Schulnote 4.
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 04/10/11 02:07 PM

DER PFAD DES WOLFES von Alex Spohr:

Im Gjalskerland feiert die sportbegeisterte Dorfgemeinschaft des Haerad Mortakh ausgiebig das Ende der jährlichen Regionalmeisterschaften grin , als nachts eine Horde Untoter angreift. Zwar können die Mortakher den Angriff trotz durchgehend hoher Promillewerte relativ leicht abwehren; dennoch wird eine Dreiergruppe mit Caltha, der Tochter des Häuptlings, dem stärksten Krieger Barthak und dem jungen Druan, der sich beim nächtlichen Angriff besonders bewährte, losgeschickt, um die Hintergründe des scheinbar von einem Unbekannten gelenkten Angriffs aufzuklären ...

Na bitte, es geht doch! Endlich wieder ein DSA-Roman, der mir richtig gut gefallen hat. Dabei war ich vorher sehr skeptisch, da ich mich mit dem Gjalskerland kaum auskenne, im Grunde genommen nur den Namen und die ungefähre Lage in Aventurien kannte. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht mal sicher, ob das Gjalskerland bereits exisiterte, als ich noch aktiver DSA-Spieler war ...

Aber Autor Alex Spohr führt das irgendwo zwischen Thorwalern und Nivesen einzuordnende Völkchen mit seinen Schamanen und Tierkriegern informativ und unterhaltsam ein, liefert glücklicherweise auch ein umfangreiches Glossar, sodaß ich mich doch überraschend schnell an das ungewohnte Setting gewöhnte.
Die Geschichte ist zwar wenig originell, aber spannend und flüssig erzählt. Zwar scheint die Charakterkonstellation zu Beginn etwas arg klischeehaft, aber glücklicherweise weiß der Autor die Erwartungen des Lesers im weiteren Verlauf immer wieder zu durchbrechen. Die Hauptfiguren kommen im großen und ganzen sehr sympathisch rüber, ohne daß ihre mitunter erschreckende Wildheit und ihr archaisch anmutendes Gerechtigkeitsgefühl (allzu sehr) verharmlost würden.

Sprachlich ist "Der Pfad des Wolfes" sicher kein herausragender Leckerbissen, aber doch sehr solide und passend zu Story und Figuren. Lediglich einige Wiederholungen nerven etwas, zudem hatte ich auch das Gefühl, daß die Geschichte manchmal etwas bemüht gestreckt wird, um auf eine akzeptable Seitenanzahl zu kommen (am Ende sind es immerhin 270, womit das Buch aber dennoch zu den schmalsten der Reihe zählt). Wirklich gestört hat mich das nicht - gerade nach meinen letzten Erfahrungen mit DSA-Romanen weiß ich eine kurze, aber knackige Geschichte sehr zu schätzen. smile

Auch mein "Lieblingsthema" muß ich wieder mal erwähnen, das Lektorat. Zwar ist es hier etwas besser ausgefallen als etwa zuvor bei "Rabenkind", aber die insgesamt vermutlich nahezu dreistellige Fehleranzahl ist immer noch weit davon entfernt, als "gut" eingestuft werden zu können ...

Dennoch: Wenn das Buch gut unterhält, sieht man auch eher über solche nervigen Fehler hinweg. Und "Der Pfad des Wolfes" unterhält gut. Note 2.
Posted By: AlphaZen

Re: Isenborn - 04/10/11 08:03 PM

Früher hab ich mich auch immer über Bücher mit vielen Rechtschreibfehlern geärgert. Seit ich allerdings selber in einem Verlag arbeite und nun weiß, dass die "weniger wichtigen" Bücher nicht von uns, sondern von den Autoren selbst korrigiert werden (müssen), bin ich da etwas großzügiger.

Wie das bei DSA aussieht, kann ich nicht sagen, aber wenn deren Lektorat hauptsächlich für die Spielehilfen etc. zuständig ist und die Romanautoren tatsächlich selber Korrektur lesen müssen, sind Fehler zwar immer noch sehr unschön, für mich jedoch eher zu tolerieren.
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 05/10/11 07:34 AM

Originally Posted By: AlphaZen
Früher hab ich mich auch immer über Bücher mit vielen Rechtschreibfehlern geärgert. Seit ich allerdings selber in einem Verlag arbeite und nun weiß, dass die "weniger wichtigen" Bücher nicht von uns, sondern von den Autoren selbst korrigiert werden (müssen), bin ich da etwas großzügiger.

Wie das bei DSA aussieht, kann ich nicht sagen, aber wenn deren Lektorat hauptsächlich für die Spielehilfen etc. zuständig ist und die Romanautoren tatsächlich selber Korrektur lesen müssen, sind Fehler zwar immer noch sehr unschön, für mich jedoch eher zu tolerieren.


Seit ich bei meinem Buch selbst das Lektorat übernommen habe (beim Verlag hätte es was gekostet und da ich in dieser Hinsicht ziemlicher Perfektionist bin, wollte ich das sowieso lieber selber erledigen), ist mir das auch bewußt. Dennoch ist es für mich definitiv keine Entschuldigung für teilweise über 100 Fehler in einem Buch mit 300 Seiten. Zumal es bei den schlimmsten Fällen wirklich so wirkt, als hätte das Buch NIEMAND noch mal gegengelesen, so auffällig sind etliche Mißgeschicke ...
Bei den meisten DSA-Romanen wird im Impressum zwar ein Lektor angegeben, aber ich vermute fast, daß sich dessen/deren Lektorat hauptsächlich darauf beschränkt, die DSA-Kompatibilität sicherzustellen (was in Bezug auf die Regeltreue auch nicht immer hundertprozentig gelingt).

Ich bin mal gespannt auf den nächsten Roman in der Reihe, "Im Schatten der Esse". Da die Autorin zu Beginn gleich mehreren Leuten fürs Korrekturlesen dankt, hoffe ich auf weitgehend ungetrübten Lesegenuß. smile
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Isenborn - 26/10/11 10:09 PM

So, ich habe jetzt auch "Riva Mortis" gelesen, und kann den ganzen Roman (für meinen Geschmack) fast uneingeschränkt empfehlen !

Mir hat besonders der erste Teil sozusagen als Entdeckerroman" besonders gut gefallen !

Der Teil, ab dem Punkt, wo die Stimmung "kippt", hat mir nicht so gut gefallen - und zwar gerade *wegen* der Spanung darin !

Ich fand den Roman aber hauptsächlich deswegen so erfrischend köstlich, weil hier gerade zwei "Underdogs", oder besser : zwei "Anti-Helden" die ganze Situation meistern ! - Das allerdings auch nur mit viel Glück ...

Ich wünsche mir von dem Roman eine Fortsetzung ...

Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 08/11/11 12:01 PM

IM SCHATTEN DER ESSE von Judith C. Vogt:

Die junge Schmiedin Zita geht nach dem Abschluß ihrer Ausbildung auf die Walz, um ihre Fähigkeiten zu erweitern. In der Wildermark, dem ehemaligen Darpatien, ist das allerdings kein ungefährliches Unterfangen, und so trifft Zita schon bald auf Orks, vor denen sie vom gutaussehenden Junker Ulfberth gerettet wird. Da dessen bester Freund ein versoffener Zwergenschmied ist, entschließt sich Zita, vorerst auf der Burg des Junkers zu bleiben und zu lernen. Doch die Orks geben keine Ruhe ...

"Im Schatten der Esse" ist ein gelungenes Debüt. Die Autorin präsentiert eine sympathische und authentisch wirkende Heldin, wenngleich deren Vorlautheit manchmal etwas übertrieben und gerade das respektlose Verhalten gegenüber Adligen nicht immer ganz glaubwürdig wirkt - genauso wenig wie die Tatsache, daß die meisten anderen Figuren des Romans stets großen Wert auf die Meinung dieser noch nicht einmal ganz erwachsenen Schmiedin zu legen scheinen. Aber gut, damit kann man leben und vielleicht strahlt Zita auch ganz einfach eine solch große natürliche Autorität aus, daß sie tatsächlich größeren Einfluß ausüben kann als es ihre gesellschaftliche Stellung ihr normalerweise ermöglichen würde ...

Auch die anderen Hauptfiguren sind sorgfältig ausgearbeitet, können zumindest teilweise auch mit überzeugender Charakterentwicklung dienen, während die Antagonisten im Storyverlauf etwas zu sehr in den Hintergrund rücken. Lobenswert, wenn auch für den unkundigen Leser mitunter etwas anstrengend (trotz des recht ausführlichen Glossars), ist die detaillierte Skizzierung des Schmiedehandwerks, die der Authentizität der Geschichte natürlich sehr guttut. Man merkt einfach, daß die Autorin weiß, worüber sie schreibt.

Der Handlungsverlauf ist vor allem in der ersten Hälfte recht unvorhersehbar, später folgt er eher gewohnten Mustern, ohne jedoch jemals zu langweilen. Gewürzt wird die Story noch durch regelmäßige kurze Erinnerungsfetzen Zitas, die offensichtlich von Schatten der Vergangenheit geplagt wird. Die Auflösung dieses Handlungsstrangs ist meiner Meinung nach sehr gelungen, die Autorin überzeugt hierbei vor allem durch ihre Sensibilität, mit der sie beim Leser viel Empathie für Zita erzeugt.

Vogts Schreibstil ist flüssig und gut lesbar, auch wenn es die ein oder andere etwas ungewöhnliche Formulierung und wenige Wiederholungen gibt. Zudem ist der Dank, den die Autorin zu Beginn ihren Korrekturlesern ausspricht, verdient - denn "Im Schatten der Esse" enthält so wenige Rechtschreib-, Tipp- und Grammatikfehler wie nur wenige DSA-Romane. up

Fazit: "Im Schatten der Esse" ist einfach ein gutes Buch, wenngleich mit einem IMHO etwas übereilten Ende. Note 2.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Isenborn - 17/11/11 06:44 PM

Blog-Eintrag : "Das Riva Mortis - Lied" (mit Download desselbigen) :
http://ulisses-forum.de/showthread.php?p=848932#post848932
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 10/01/12 04:19 PM

RIVA MORTIS von Mike Krzywik-Groß:

Als die horasische Forscherin Ancalita von ihrem Arbeitgeber nach Riva versetzt wird, um die Stelle ihres Vorgängers einzunehmen, der bei der Suche nach magischen Artefakten im Riedemoor scheinbar den Verstand verloren hat, ist sie alles andere als glücklich. Wenn sie schon von ihrer eigentlichen Forschungsarbeit fortgeholt wird, dann doch bitteschön wenigstens ins heimatliche Horasien! Aber nein, stattdessen muß es das kalte und unwirtliche Riva sein. Eher unwirtlich ist denn auch der Empfang, der ihr und ihrem jungen Diener Alrik in Riva gemacht wird - doch ist das erst der Anfang, denn obwohl Ancalita mit dem maraskanischen Magier Madajin auch einen hilfreichen Gefährten findet, stoßen die beiden schon bald auf jede Menge Schwierigkeiten ...

Alriks positivem Fazit zu "Riva Mortis" kann ich mich leider nicht ganz anschließen. Vielmehr war dieser Roman für mich in qualitativer Hinsicht eine ziemliche Achterbahn. Einem guten, vielversprechenden Auftakt im Prolog und dem ersten Kapitel folgen ab der Ankunft in Riva fast 100 Seiten, in denen ich mich vor allem gelangweilt und über diverse stilistische und inhaltliche Mängel geärgert habe (mehr dazu gleich). In der zweiten Buchhälfte nimmt das Erzähltempo jedoch deutlich zu und die Handlung bleibt bis zum recht abrupten Ende überwiegend spannend und unvorhersehbar. Allerdings stören auch in diesem deutlich stärkeren zweiten Teil des Buches die angesprochenen Mängel.

Zu einem unschönen Trend in der DSA-Roman-Reihe scheinen sich in der letzten Zeit die plötzlichen Perspektivwechsel selbst innerhalb von Absätzen zu entwickeln. Das mag nicht jeden stören, für mich ist es aber ein echter stilistischer Fauxpas. Daß sich gelegentlich sogar noch für einen Satz ein allwissender Erzähler einmischt, macht die Sache keineswegs besser ...

Zudem habe ich so meine Probleme mit der Figurenzeichnung, denn diese wirkt auf mich gerade bei den Hauptfiguren viel zu reißbrettartig und übertrieben. Daß die thorwalsche Wirtin jeden zweiten Satz mit Schimpfwörtern garniert - okay, meinetwegen. Schon ärgerlicher: Ancalita wird zu Beginn immer wieder als schrecklicher Tollpatsch beschrieben - aber in der zweiten Buchhälfte ist davon (fast) nichts mehr zu merken. Und dann Madajin, der als Klischee-Maraskaner für den nötigen Humor sorgen soll, aber in meinen Augen schon in seiner Einführungssequenz jegliche Glaubwürdigkeit verspielt, in der der Leser glauben soll, daß Madajin als immerhin Gildenmagier offensichtlich nicht die geringste Ahnung von selbst grundlegendsten Anstandsregeln innerhalb der magischen Gemeinschaft hat? Nein, tut mir leid, das gefällt mir nicht. Zumal diese Art des Humors auch nicht wirklich meinen Geschmack trifft, aber dieser Kritikpunkt ist natürlich rein subjektiv.

Auch sonst sind mir etliche inhaltliche Ungereimtheiten aufgefallen, zwei kleine Beispiele: Wieso sprechen die Rivaner Gardisten die ihnen unbekannte Ancalita gezielt an, obwohl diese gerade arg ramponiert und schlammverschmiert ist und sie allerhöchstens eine grobe Beschreibung ihrer Gestalt haben können? Wieso weiß die erwähnte thorwalsche Wirtin über so ziemlich alles Bescheid, was in Riva abläuft, nur nicht über einen Mord, zu dem selbst ihre Bediensteten bereits befragt wurden?
Eine eingestreute, innerhalb der Handlung eigentlich ziemlich sinnlose Diskussion über Homosexualität wirkte auf mich zudem eindeutig eher irdisch als aventurisch.
Und die Motivation von Ancalita und Madajin, sich ganz gezielt im Alleingang mit eigentlich übermächtigen Gegnern anzulegen, finde ich ebenfalls nicht gerade glaubwürdig (die Überlegungen der Figuren, mit denen diese selbstmörderische Entscheidung begründet wird, können mich ebenfalls nicht überzeugen). Andererseits scheinen die beiden (und auch einige andere) sowieso nahezu unsterblich zu sein, wenn man bedenkt, welch schwere Verwundungen sie mehr oder weniger problemlos wegstecken können ...

Gut, das alles mag jetzt arg negativ klingen, aber natürlich hat "Riva Mortis" auch seine Stärken. Dazu gehört vor allem die lobenswerte Detailversessenheit des Autors, dem es mit vielen Kleinigkeiten gelingt, echte aventurische Stimmung aufkommen zu lassen. Zudem ist der Schreibstil trotz der angesprochenen Mängel recht flott. Und vor allem ist, wie erwähnt, die Geschichte wirklich interessant - und letztlich ist die Handlung halt doch das wichtigste an einem Roman.

Die Bewertung ist ob dieser Diskrepanz zwischen starker Story und (zumindest aus meiner Sicht) zahlreichen Mängeln nicht so einfach. Letztlich reicht es gerade noch zu einer 3-.

P.S.: Die üblichen Lektoratsprobleme sind in "Riva Mortis" leider auch wieder ziemlich stark vertreten. Am besten wohl daran zu verdeutlichen, daß der Name einer Figur ständig zwischen "Ludowich" und "Ludewich" hin und her wechselt ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Isenborn - 10/01/12 08:30 PM

Wie du weiter oben lesen kannst, habe ich mich ziemlich leicht und flüssig da durchlesen können und habe mich recht gut davon unterhalten gefühlt.
Posted By: AlphaZen

Re: Isenborn - 14/01/12 08:48 AM

Lustig, ich lese das Buch auch gerade, bin aber noch nicht so weit. Ancalita hat gerade ihr neues "Arbeitszimmer" inspiziert.
Mich stört bisher eigentlich am meisten, dass der Autor in so gut wie jedem Satz irgendeine (in meinen Augen oft überflüssige) Beschreibung von irgendwas reinpresst. Dadurch finde ich das Buch bisher alles andere als besonders leichtgängig zu lesen. Ich mag zwar detailierte Beschreibungen, aber in dem Fall ist es mir einen Tick zu viel. Soll jetzt aber auch kein Verriss sein. ^^
Spaß macht mir das Buch besonders dann, wenn Örtlichkeiten in Riva beschrieben werden und ich die fast automatisch mit der Darstellung in Schatten über Riva vergleiche, wobei es zwischen der Stadt im Spiel und der offiziellen Variante natürlich erhebliche Diskrepanzen geben dürfte (kenne keinen aktuellen Stadtplan von Riva). grin
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 14/01/12 11:30 AM

Originally Posted By: AlphaZen

Mich stört bisher eigentlich am meisten, dass der Autor in so gut wie jedem Satz irgendeine (in meinen Augen oft überflüssige) Beschreibung von irgendwas reinpresst. Dadurch finde ich das Buch bisher alles andere als besonders leichtgängig zu lesen. Ich mag zwar detailierte Beschreibungen, aber in dem Fall ist es mir einen Tick zu viel.


Dies war auch ein Grund für die von mir angesprochene "Langeweile-Phase", das wird aber spätestens in der zweiten Buchhälfte deutlich besser.
Übrigens ist für März bereits die Fortsetzung "Angbar Mortis" angekündigt.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Isenborn - 23/01/12 04:47 PM

Erste Vorab-Info zu "Mortis Angbaris" oder wie man das nennen mag wink : http://ulisses-forum.de/showthread.php?p=860882#post860882

Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 12/02/12 05:15 PM

SALSWEILER von Alexander Nofftz:

Salsweiler, ein kleines, abgelegenes Dorf im Bornland: Die Travia-Novizin und Waise Hesinja ist eigentlich bereit, eine Geweihte ihrer Göttin zu werden, doch dafür muß ihr Bronnjar, der aufbrausende und für den Tod ihres Vaters verantwortliche Graf Joost, sie für die Pilgerfahrt zum Travia-Haupttempel freigeben. Als dieser sich weigert und Hesinja befiehlt, als Magd in seine Dienste zu treten, bricht für die hübsche 16-jährige eine Welt zusammen ...

"Salsweiler" ist ein ziemlich ungewöhnlicher Neuzugang in der DSA-Roman-Reihe, da er gut 200 Seiten lang ein reines Charakterstück ist, in dem eigentlich kaum etwas passiert, sondern "nur" der beschwerliche Alltag der Leibeigenen im Bornland beschrieben wird - anhand der Person Hesinjas, die ganz eindeutig im Zentrum der Geschichte steht. Das Problem der unvermittelten Perspektivwechsel, das ich bei einigen DSA-Romanen der letzten Zeit kritisieren mußte, gibt es hier nicht, wirklich alles wird aus der Sicht von Hesinja beschrieben. Das hat den Vorteil, daß die Protagonistin sehr detailliert und überzeugend beschrieben werden kann und ein hohes Identifiaktionspotential für den Leser bietet. Allerdings geht dies leider auf Kosten sämtlicher übriger Figuren des Buches. Graf Joost wirkt noch einigermaßen lebendig, aber alle anderen Personen bleiben dem Leser fremd, ihre Motivation weitgehend ein Rätsel. Zugegebenermaßen ist das speziell bei einigen sehr reißbrettartigen Nebenfiguren (der notgeile Stallknecht, die gehässige Köchin) kein allzu großer Verlust, doch andere Personen (die Gräfin, Hesinjas Pflegeeltern, der Majordomus, einige Besucher) hätten durch eine sorgfältigere Beschreibung deutlich interessanter werden können.

Obwohl also "Salsweiler" gut 200 (der insgesamt nur knapp 280) Seiten lang eine eigentlich ziemlich uninteressante und potentiell langweilige Handlung erzählt - natürlich nur, sofern man nicht ausgemachter Anhänger dieser Art von Story ist -, gelingt es dem Autor, sie unterhaltsam zu erzählen. Hesinjas Leiden und ihre charakterliche Wandlung im Laufe der Monate sind nachvollziehbar und mitfühlend beschrieben, auch wenn sie selbst für eine 16-jährige mit (relativ) hartem Schicksal eine arge Heulsuse ist. Damit ist "Salsweiler" soweit zwar kein Highlight der Reihe, aber definitiv grundsolide, sogar vergleichsweise anspruchsvolle Unterhaltung.

Wenn ... ja, wenn da nicht die letzten ca. 60 Seiten wären! Denn ab einem bestimmten Zeitpunkt zieht das bis dahin sehr gemächliche Erzähltempo rasant an, die Geschehnisse überschlagen sich regelrecht und die Handlung wartet mit einigen Überraschungen auf. Für meinen Geschmack ist das jedoch eindeutig zu viel des Guten. Der Tempowechsel ist zu stark ausgeprägt und zu abrupt durchgeführt, um im Zusammenspiel mit dem vorherigen Text homogen zu wirken. Die Intrigen, die ans Licht kommen, sind entweder so stümperhaft, daß man sich fragt, wie irgendjemand mit einem Hauch von Verstand sie nicht spielend leicht aufdecken könnte - oder aber dermaßen abgehoben, daß selbst Sherlock Holmes´ Erzfeind Professor Moriarty sie nicht durchziehen könnte (immerhin merkt der Autor das wohl selbst und schiebt deshalb eine kleine Alibi-Erklärung ein, die zwar nicht wirklich überzeugt, aber die Kritik doch ein wenig abzufedern vermag) ...

Actionfreunde werden durch dieses finale furioso möglicherweise mit der vorherigen Langsamkeit versöhnt, aber für mich ist es kein wirklich gelungener Schluß (abgesehen vom bewegenden Epilog).

Leicht negativ ins Gewicht fallen zudem einige aventurische und sonstige Ungereimtheiten (warum macht sich in einem Dorf mit nur gut 200 Einwohnern eine Woche lang niemand Sorgen, wenn eine sonst sehr gesellige Person spurlos verschwindet?) sowie mein "Lieblingsthema", das Lektorat: Diesmal ist die Anzahl der Tipp-, Grammtik- und sonstigen Fehler leider wieder ziemlich hoch, vor allem im letzten Drittel häufen sie sich unschön (wenngleich mich die Beschreibung der Frau mit den "langen dunklen Augen" immerhin zum Lachen brachte wink ). Das Highlight fiel mir jedoch sogar schon vor Beginn der Lektüre auf: Laut Buchrücken wurde das Buch nämlich von einem "Alexander Nofftz" geschrieben, auf der Titelseite im Buch ist dagegen von einem "Alex Noffz" die Rede. Nun kann ich ja noch nachvollziehen, daß ein Alexander zu Alex wird - aber daß der Nachname eines Buchstaben verlustig geht, erscheint mir dann doch eher ungewöhnlich ...

Fazit: "Salsweiler" ist ein ruhiger, in sich stimmig geschriebener Roman mit einer interessanten Protagonistin. Viele blasse Nebenfiguren und das irgendwie unpassend wirkende, actionreiche Finale trüben das Gesamtbild jedoch nicht unerheblich. Note 3-.

P.S.: Dies ist der erste DSA-Roman unter Federführung von Ulisses. Das merkt man leider nicht nur am zusätzlichen Ulisses-Logo auf dem Umschlag, sondern vor allem an einer anderen Art der Bindung, die alles andere als leserfreundlich ist. Während die DSA-Romane bis dato eine ziemlich konventionelle, recht flexible Bindung hatten (im Grunde genommen wie die meisten anderen Taschenbücher), ist sie bei Ulisses nun unerklärlich steif, weshalb es beispielsweise schon schwierig ist, das Buch aufgeschlagen abzulegen, ohne daß es von selbst wieder zuklappt. Nun bin ich kein Experte in Sachen Buchbindungen und bestimmt gibt es viele mögliche Erklärungen für diese Veränderung (höhere Haltbarkeit? Umweltverträglicheres Verfahren?), aber angesichts der bisherigen Handlungen von Ulisses seit Übernahme von DSA tendiere ich deutlich zu der Vermutung, daß es so einfach billiger in der Herstellung ist ...
Immerhin scheint Ulisses entweder selbst gemerkt zu haben, daß das alles andere als leserfreundlich ist, oder sie haben auf Kundenbeschwerden reagiert, jedenfalls konnte ich zum Glück feststellen, daß es nur vier DSA-Romane mit dieser steifen Bindung gibt (darunter leider auch Schweiges "Mörderlied"), danach wurde wieder auf eine sehr viel flexiblere umgestellt. Immerhin. smile
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 07/04/12 02:47 PM

DER BLINDE SCHRAT von Dietmar Preuß:

1018 oder 1028 BF in Nostria: Kriegsheld Michal Jakubek von Olasko hat es sich in den letzten Jahren auf seiner Burg gutgehen lassen. Doch als eines Tages sein alter Kamerad Jan Pac mit einigen Soldaten aufkreuzt und ihn unterrichtet, daß er einen wichtigen Auftrag von der Königin erhalten hat, packt ihn schnell wieder die alte Abenteuerlust. In einer nahezu beispiellosen Aktion sollen nostrische und andergastische Soldaten unter Michals Führung gemeinsam rätselhaften Geschehnissen im Grenzgebiet der beiden verfeindeten Kleinstaaten nachgehen. Gerüchte sprechen davon, daß der im Osten des Kontinents wiedergekehrte Dämonenmeister Borbarad über die große Distanz hinweg seinen verderbten Einfluß geltend macht, doch der bodenständige Michal hält das für abergläubiges Geschwätz. Realistischer kommt ihm da schon die Meldung vor, wonach ein Faulwüter - ein kranker Schrat - die Verantwortung tragen soll ...

Seit die DSA-Romane nicht mehr bei Heyne erscheinen, muß ich bei fast jedem neuen Band der Reihe über das mangelhafte Lektorat meckern. Doch "Der blinde Schrat" sollte eigentlich auch Ulisses als endgültiger Beweis dafür reichen, daß es ohne (ordentliches) Lektorat einfach nicht geht. Das Dilemma beginnt damit, daß der Autor offensichtlich die Jahreszahlen durcheinander bringt. Theoretisch müßte "Der blinde Schrat" im Jahr 1018 spielen, da diese Jahreszahl mit der Rückkehr Borbarads korrespondiert und da bei einer Nebenfigur erzählt wird, daß sie seit der "Schreckensnacht von Salza" vor drei Jahren stumm ist - und wie ein Blick ins Internet zeigt, fand diese Schreckensnacht 1015 statt. Problem nur: Die einzige Jahreszahl, die im Text ausdrücklich als Zeit des Geschehens genannt wird, ist 1028. Zunächst ging ich von einem einfachen Tippfehler aus - doch dann kam die Zahl noch mal vor. Okay, Tippfehler versehentlich übernommen, kann passieren. Spätestens im Anhang wird jedoch klar, daß es doch kein Versehen ist, denn laut Personenbeschreibung wären zwei der Soldaten aus Michals Truppe im Jahr 1018 gerade elf Jahre alt. Nun mögen ja Nostria und Andergast als Hinterwäldler-Staaten berüchtigt sein, aber den Einsatz von Kindersoldaten traue ich ihnen dann doch nicht zu ... Fazit: Irgendwas lief da gewaltig schief.

Auch ansonsten gibt es etliche Fehler, deren Vermeidung normalerweise im Aufgabenbereich des Lektorats liegt. So kommt an einer Stelle eine bis dahin überhaupt noch nicht erwähnte Figur zu Wort - kein Wunder, daß sie noch nicht erwähnt wurde, denn sie stößt erst ein paar Seiten später zur Gruppe. Humoristisches Highlight - sofern ich da nicht etwas komplett falsch verstanden habe - ist jedoch sicherlich jene Szene, in der sich Michal von einigen Mitreisenden verabschiedet, die eigentlich ein paar Seiten vorher während einer Schlacht ums Leben kamen. grin

Diese nervigen und eigentlich leicht zu vermeidenden Fehler sind umso ärgerlicher, als das Buch im Grunde eine ziemlich interessante Geschichte auf unterhaltsame Art und Weise erzählt. Der raubeinige Michal ist ein spannender Protagonist mit Ecken und Kanten, wie man sie in der DSA-Reihe eher selten findet. Ein wenig erinnert er an eine Mischung aus Conan und Obelix: Gutmütig, aber stur, bauernschlau, aber mitunter unglaublich begriffstutzig, ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl, aber gleichzeitig sehr standesbewußt. Ein ambivalenter, durchaus sympathischer Charakter mit Stärken und Schwächen.

Die Nebencharaktere sind deutlich weniger ausgefeilt und teilweise recht klischeehaft, erfüllen aber im Großen und Ganzen ihren Zweck. Ein Problem von "Der blinde Schrat" ist, daß der Autor in mehrererlei Hinsicht dem Zuschauer früh mehr Informationen zukommen läßt als den handelnden Figuren. Das ist natürlich ein legitimes Stilmittel, aber wenn man es - wie Preuß hier - zu lange auswalzt, läuft man einfach Gefahr, die Protagonisten ziemlich dumm aussehen zu lassen. Gleiches gilt für ein "Geheimnis" einer Nebenfigur, das an sich schon eines der offensichtlichsten Geheimnisse der Literaturgeschichte sein dürfte, durch Preuß´ ständige Hinweise darauf aber auch noch so plump rüberkommt, daß man die Geistesgegenwart der anderen Figuren ernsthaft anzweifeln möchte, weil sie das "Geheimnis" einfach nicht erkennen ...

Generell sind diese Wiederholungen ein weiteres kleines Problem der Geschichte: Einige Elemente sind einfach zu repetitiv, Subtilität ist eindeutig nicht die Stärke des Autors. Das gilt grundsätzlich für Preuß´ Schreibstil, ist aber erstens keine Neuigkeit (da es bei seinen vorangegangenen drei DSA-Romanen nicht anders war) und zweitens in meinen Augen gar keine Schwäche. In den mittlerweile über 130 DSA-Romanen sind so viele Stilrichtungen vertreten, da ist auf jeden Fall auch Platz für gelegentliche Ausflüge in die Welt der leicht trashigen Pulp-Romane. Und als solcher macht "Der blinde Schrat" zumindest mir wirklich Spaß, vor allem in der ersten Hälfte der rund 375 Seiten. In der zweiten Hälfte wird die Angelegenheit etwas zäher, bleibt aber stets unterhaltsam und leidlich spannend.

Inwiefern der Roman dem DSA-Regelwerk entspricht, kann ich nicht wirklich beurteilen, da ich selbst in meiner aktiven Spielerzeit kaum einmal mit diesen Regionen oder mit den Druiden (die im Handlungsverlauf eine wichtige Rolle spielen) in Berührung kam. Angesichts der Probleme mit der richtigen Datierung würden mich einige Ungereimtheiten allerdings nicht überraschen.

Fazit: "Der blinde Schrat" vertritt eine im Rahmen des DSA-Reihe ziemlich einzigartige Erzählweise, die sicher nicht jedem gefallen wird, mir jedoch durchaus Freude bereitet hat. Negativ fallen stilistische Schwächen (noch nicht erwähnt: die Dialoge klingen mitunter ziemlich unglaubwürdig, da Formulierungen verwendet werden, die in den entsprechenden Situationen mündlich wohl kaum so geäußert würden - schon eher in einer nachträglichen schriftlichen Aufarbeitung ...), einige zu offensichtliche bzw. zu breit ausgewalzte Storyentwicklungen und das leidige Lekoraktsproblem ins Gewicht.
Unterm Strich: Schulnote 3.
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 01/05/12 09:40 AM

Leider hat Ulisses heute bekanntgegeben, daß die angefangenen Galotta- und Answin-Roman-Reihen NICHT fortgesetzt werden. So viel zum Thema "wir wollen möglichst viele begonnene Roman-Reihen zu einem runden Ende bringen". down

Da Galotta-Co-Autorin Kathrin Ludwig laut ihrem Blog nicht einmal davon informiert wurde, können die Bemühungen um eine Fortsetzung so groß wohl nicht gewesen sein. Angesichts der unschönen Trennung von Ulisses und dem zweiten Galotta-Autor Mark Wachholz sowie der klaren Worte zur Affäre von Answin-Autorin Michelle Schwefel kommt die Meldung allerdings auch nicht wirklich überraschend. Naja, so kann ich mir die entsprechenden Romane wenigstens endlich mal vornehmen (ich warte bei Reihen ja normalerweise, bis alle Bände erschienen sind - die ersten beiden Galotta-Romane waren eine Ausnahme, weil da ursprünglich gar nicht mehr angekündigt waren) ...

Zwei weitere seit längerem brachliegende Reihen - Daniela Knors Hjaldinger-Saga und die nach dem Tod von Hans-Joachim Alpers unvollendete Rhiana-Reihe - werden gar nicht erst erwähnt. Lediglich Michael Masberg wird den lange angekündigten zweiten Teil von "Drachenschatten" tatsächlich vollenden. Magere Bilanz.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Isenborn - 01/05/12 12:10 PM

Masberg gehört ja auch zu Ulisses.
Die anderen nicht (mehr).
Posted By: AlphaZen

Re: Isenborn - 01/05/12 05:15 PM

O_o

Doof. Answin hab ich bisher nicht gelesen, aber bei Galotta und der Hjaldinger-Saga wüsste ich schon gerne, wie das weitergeht. :-(
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Isenborn - 08/05/12 04:41 PM

Angbar Mortis : Sehr grau-dreckiger Kriminalroman. Leute, die das so mögen, werden es lieben.

Imho gut geschrieben, nur für mich (wie üblich) einfach viel zu viel unnötige Gewalt.

Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 11/06/12 12:46 PM

Nachdem Ulisses Gerrit Harms Fortsetzung seines DSA-Romans "Rabenkind" nicht veröffentlichen wollte, darf er ihn nun zumindest als inoffiziellen Roman zum kostenlosen Download auf seine Homepage stellen:

Rabenjagd zum Download
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Isenborn - 11/06/12 04:33 PM

Ich beginne immer mehr an Ulisses zu zweifeln - irgendwie. Was die schon alles abgesägt haben ...
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 11/06/12 06:41 PM

Naja, in dem Fall könnte es tatsächlich eine qualitative Entscheidung gewesen sein - jedenfalls fand ich "Rabenkind" handwerklich nicht sehr überzeugend (obwohl die Story an sich interessant war).
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 22/08/12 03:52 PM

MÖRDERLIED von Stefan Schweikert:

Ein Serienmörder geht um in Gareth, doch lange hat es niemand gemerkt. Erst als der Sohn einer angesehenen Adelsfamilie ermordet wird, bemerkt der eigenbrötlerische, aber intelligente Stadtgardist Torm, daß es einen Zusammenhang zu einigen früheren ungeklärten Mordfällen gibt: Allen Opfern wurde vom Mörder ein Finger abgetrennt. Geronius Bosko, erfahrener Inspector der Garether Criminal-Cammer und berühmt-berüchtigt für seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden, wird mit der Aufklärung der Mordserie beauftragt und macht sich gemeinsam mit Torm an die Arbeit. Doch der Fall ist höchst rätselhaft und daß Bosko sich zudem mit den Intrigen des übelmeinenden Inspectors Marnek herumärgern muß, macht die Angelegenheit nicht einfacher ...

Nachdem Geronius Bosko in Schweikerts gelungenem DSA-Roman-Debüt "Über den Dächern Gareths" eine durchaus erinnerungswürdige Nebenrolle spielte, wurde er für "Mörderlied" flugs zur Hauptperson befördert. Zumindest theoretisch und zu Beginn. Daß sich der Fokus des Autors im Handlungsverlauf weg von Bosko verschiebt und zunehmend zerfasert, ist denn auch einer meiner Hauptkritikpunkte an "Mörderlied".

Bosko ist schlicht und ergreifend ein so guter und interessanter Protagonist, daß er es verdient hätte, die gesamten 400 Seiten über klarer "Hauptdarsteller" zu sein. Damit will ich nicht sagen, daß ich mir eine One-Man-Show gewünscht hätte, keineswegs. Es gibt ja auch noch den kaum weniger unterhaltsamen Torm, dazu den mit Torm verfeindeten heißblütigen Jung-Inspector Hane und natürlich den mysteriösen Mörder, aus dessen Perspektive jeder Kapitelbeginn geschildert wird. Das wären schon mal vier wichtige Figuren, auf die man die Handlung hätte aufteilen können, auch mit fünf oder sechs hätte ich gut leben können.

Leider sind es letztlich in etwa doppelt so viele und nicht alle sind auch nur halb so interessant wie Bosko, Torm, Hane oder der Mörder. Vor allem der immer stärker an Gewicht gewinnende Handlungsstrang um Inspector Marnek, der unbedingt Bosko diskreditieren will, hat mir doch mächtig auf den Magen geschlagen. Einerseits, weil dadurch die eigentlich sehr spannende zentrale Mördersuche zunehmend an den Rand gedrängt wird. Andererseits, weil Marnek in meinen Augen keine psychologisch stimmige Figur ist. Anfangs scheint es noch so, daß er lediglich von einer geradezu praiotischen Regelfanatismus getrieben wird und deshalb Bosko, der die Regeln gerne mal kräftig beugt und auch mit Kleinkriminellen zusammenarbeitet, um an die ganz schweren Jungs heranzukommen, loswerden will. Also quasi aus Prinzip und Sturheit, was zwar höchst unsympathisch, aber noch nachvollziehbar wäre. Doch sehr schnell wird aufgrund von Marneks Wahl der Mittel klar, daß dieser Erklärungsansatz ins Leere läuft. Und einen einleuchtenderen bekommen wir nicht wirklich präsentiert, weshalb Marnek bis zum Schluß wenig greifbar und sein Verhalten wenig nachvollziehbar bleibt.

Dazu kommt noch, daß Marneks Intrigen ehrlich gesagt ziemlich dämlich sind. Ich gebe gerne zu, daß ich bei dieser Thematik sehr anspruchsvoll bin: Um mich zu überzeugen, müssen Intrigen richtig gut, hochintelligent in der Planung und mit allen Wassern gewaschen in der Ausführung sein. Ob sie dann auch wirklich erfolgreich sind, ist für mich gar nicht so wichtig, der Weg ist das Ziel, sozusagen. Und bei Marnek ist dieser Weg nicht überzeugend. Seine Intrigen sind nicht übermäßig gerissen, sondern einfach nur hinterhältig, dazu macht er mitunter dämliche Fehler und wird nur durch glückliche Zufälle beziehungsweise durch noch dämlichere Fehler seiner potentiellen Opfer auf Kurs gehalten. Ein glaubwürdiger oder gar faszinierender Intrigant (wie im DSA-Universum v.a. die Al´Anfaner Granden) ist Marnek nicht ansatzweise - auch wenn seine Methoden durchaus erfolgversprechend sind.

Und deshalb ist "Mörderlied" für mich ein seltsam zwiespältiger DSA-Roman: Der Teil mit Bosko und der Mörderjagd ist das Beste, was ich bisher von Stefan Schweikert gelesen habe - eine stimmungsvolle, aventurisch authentische Atmosphäre, gut ausgestaltete, ambivalente Figuren, interessante Dialoge, eine ebenso spannende wie (auch dank des gelungenen Einfalls mit den Kapitelanfängen aus der Mörder-Perspektive) mysteriöse Handlung mit einer IMHO deutlich besseren und weniger vorhersehbaren Auflösung als noch bei "Über den Dächern Gareths" (die Identität des Mörders betreffend bin ich diesmal auf eine völlig falsche Spur geraten ...). Einwandfrei.
Der Teil mit Marnek und den immer mehr und leider auch immer uninteressanteren Figuren, aus deren Sicht zwischenzeitlich die Handlung vorangetrieben wird - psychologisch wenig überzeugend, mit teilweise unfaßbar dämlichen Verhaltensweisen der Charaktere, zudem ziemlich vorhersehbar.

Fazit: Für den Bosko-Part gibt es die Note 2+, für den Marnek-Part nur die Note 4. Im Schnitt also eine 3+.
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 31/08/12 11:48 AM

Übrigens erhöht Ulisses mal eben die Preise für die DSA-Romane um fast 20% von 10 Euro auf 11,95 Euro. Da werde ich mir noch sehr genau überlegen müssen, ob ich das wirklich mitmache ...
Posted By: Patarival

Re: Isenborn - 13/09/12 11:53 AM

Sag mal, Ralf, wäre für dich eventuell ein eBook Reader wie der Amazon Kindle interessant?

Dort kostet das Buch nämlich nur 7 Euro. Und, wenn ich meiner überkritischen rau glauben schenken darf, ist das Lesen mit dem eInk Display vom Kindle sogar angenehmer als auf dem Papier.
Posted By: Ralf

Re: Isenborn - 14/09/12 08:56 AM

Du weißt doch, daß ich Wert auf den physischen Besitz, auf die haptische Wahrnehmung sozusagen wink , lege - schließlich habe ich erst vor zwei Monaten oder so erstmals überhaupt ein PC-Spiel per Download gekauft. Bis ich bei Büchern umsteige, wird das noch lange dauern, falls überhaupt. Außerdem hat Ulisses die E-Book-Preise ebenfalls um zwei Euro angehoben (und damit prozentual sogar noch deutlich stärker), die Dinger kosten in Zukunft 10 Euro.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Isenborn - 14/09/12 10:12 AM

Das ist eines der wenigen Male, daß ich mit Ralf einer Meinung bin. (Ich bin halt einfach kein Filmkritiker. laugh )
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Isenborn - 26/11/12 12:46 PM

So, ich habe jetzt auch "Kalamuqs Schlund" urch, und ich muß sagen :

Ich bin zwiegespalten.

Das Buch (das ich inzwischen wieder verkauft habe, kann daher leider auch nicht mehr hier zitieren), macht auf mich einerseits einen handwerklich ziemlich guten Eindruck.

Aber, meine Kritik richtet sich nicht an den handwerklichen Teil. An den habe ich nichts auszusetzen (zumindest fällt mir da im Moment nicht viel ein, bis auf das Sex & Crime"-Element in dem letzten Aufeinandertreffen der Protagonistin mit ihrem Widersacher).

Meine Kritik ist ganz einfach : Das Buch hast nichts zum Mitzittern, zum Mit-Erleben, es fühlt sich einfach emotional "kalt" an.

Die Protagonistin hat es bei mir - ganz persönlih - innerhalb von nur wenigen Seiten geschafft, durch ihr - vom Setting her durchaus richtig, imho, dargestelltes - herrisches Verhalten alle Sympthien zu verspielen. Am schlimmsten fand ich den Satz "Es hat überhaupt keine Zeit !", der sich in meinen Ohren wie das totale Gegenteil anhörte.

Somit war "Kalamuqs Schlund" eines der ganz wenigen Bücher, bei denen ich mehr das Gefühl hatte, die Abenteuer einer Antagonistin zu lesen, als einer Protagonistin. Ich hatte überhaupt kein Mitleid mit ihr, es gab kein Mit-Fühlen, sie strahlte nicht einen Hauch an sympathichem Wesen aus. Am Ende war es mir sogar fast egal, was aus ihr wurde.

Und das wurde das ganze Buch hindurch am Laufen gehalten durch ihr herrisches Wesen. Das als Setting-Notwendigkeit zwar tatsächlich notwendig war, und auch daher sehr gut zu ihr paßte, und auch in den Roman hinein paßte, das aber andererseits ein derartig erratisches und kaltes Wesen und Verhalten offenbarte, daß es für mich keinen Grund gab, mit ihr "mitzuzittern".

Der einzige *wirkliche* Höhepunkt - das waren für mich die Höhlen. Die fand ich gut gemacht. Und ich liebe ja so geheimnisvolle Sachen. wink

Der Rest ... Nun ja, mir war es dann sogar ziemlich egal was aus ihr geworden ist, jene "Sex & Crime"-Szene fast am Schluß fand ich ganz persönlich extrem unglaubwürdig und künstlich, war aber wohl als eine Art "Deus Ex Machina" notwendig, um den Widersacher noch vor Abschluß des Buches "zu beseitigen".
Ach ja, und den Tod der Piratenfrau fand ich auch extrem unnötig.

Alles in allem muß ich sagen, daß ich beim Lesen eher "emotional mitgehe", und Klamuqs Sclund brachte mir da gar nichts.

Mein ganz persönliches, höchst subjektives Fazit : Ein handwerklich gut gemachter Roman, der sich für mich persönlich allerdings recht "kalt" anfühlte, ein Eindruck, der durch das erratische, herrische und gefühlskalte Handeln der Protagonistin regelmäßig ( = alle paar Seiten) immer wieder bestärkt wurde. Sie hatte schlichtweg nichts liebenswertes an sich.

Deswegen habe ich den Roman auch schon wieder erkauft : Dieser Roman war zwar interessant zu lesen, mehr aber auch nicht. Eine emotionale Bindung" fand bei mir nicht statt.

Nebenbei erwähnt : Daß man es mit "emotionaler Bindung" auch zu weit treiben kann, das hat mir "Angar Mortis" gezeigt. Viel zuviel "Sex & Crime",
Click to reveal..
und die Protagonistin wird nur wenige Seiten vor dem Ende des Romans doch noch getötet.

Posted By: Ralf

Tagrichter - 02/12/12 01:34 PM

TAGRICHTER von Dorothea Bergermann:

Unmittelbar nach den im Vorgänger "Nachtrichter" beschriebenen Erlebnissen befinden sich die Phex-Geweihte Adara Barent, ihr schwarzmagischer Akoluth Faisal und der thorwalsche Novize Ragnar angesichts der Hinweise auf dämonische Umtriebe auf dem Weg nach Elenvina. Adara ist von ihrem siegreichen Kampf gegen einen Paktierer in Kyndoch noch erheblich geschwächt, doch kaum in Elenvina angekommen, wird sie mit ihren Schützlingen erneut in finstere Umtriebe hineingezogen. Und zu allem Überfluß bereitet auch noch die in Elenvina mächtige Praios-Kirche Schwierigkeiten ...

"Nachtrichter" habe ich als richtig gutes Buch empfunden, das zwar gerade in Richtung Finale ein paar Logik- und Glaubwürdigkeitsschwächen offenbarte, mich dafür aber mit unverschämt sympathischen Protagonisten und einem authentischen Blick auf die Phex-Kirche begeistern konnte. In "Tagrichter" hat die Autorin Dorothea Bergmann die Schwächen des Vorgängers konsequent eliminiert - dummerweise sind dafür ein paar neue hinzugekommen, die allerdings nicht allzu schwerwiegend ausgefallen sind.

Eine große Stärke ist erneut die detaillierte und intime Beschreibung der Phex-Kirche, diesmal in Verbindung mit der Praios-Kirche. Ansätze dieser in erzählerischer Hinsicht erstaunlich fruchtbaren Kombination gab es bereits in "Nachtrichter", diesmal verstärkt die Autorin sie noch, indem Phex-Novize Ragnar von dem gutmütigen, aber mit beinahe phexischer Schläue gesegneten hohen Praios-Geweihten Praiodan als Spitzel an die örtliche Praiosschule geschickt wird. Praiodan hegt den Verdacht, daß sich dort unlautere Dinge abspielen und Ragnar soll das als vermeintlicher Praios-Novize überprüfen. Bergermann gelingt es ausnehmend gut, die komplexen Beziehungen zwischen Adara, Praiodan und einem recht fanatischen Bannstrahler, den mit der Phex-Geweihten eine langjährige Rivalität verbindet, zu beleuchten. Natürlich hilft es dabei, daß Adara und Faisal bereits in "Nachtrichter" viel Profil gewonnen haben, weshalb sich die Autorin diesmal mehr auf die Zeichnung der neuen Charaktere sowie des im Vorgänger noch relativ kurz gekommenen Ragnar konzentrieren kann. Generell kann ich die Figurenzeichnung nur loben: Bergermann setzt auf viele realistische Grautöne, auch die Helden dürfen immer wieder menschliche Schwächen offenbaren, die sie nur noch sympathischer erscheinen lassen. Und selbst vermeintliche Klischee-Bösewichte haben eine glaubwürdige Motivation für ihr Handeln.

Leider verliert sich der eigentliche rote Faden der Geschichte - die Jagd nach Dämonenpaktieren - ein wenig im Gewirr der zahllosen Charaktere, zumal Bergermann mehrere gleichberechtigte Handlungsstränge verfolgt. Das ständige Hin- und Hergespringe schadet naturgemäß auch ein wenig der Spannung. Ein ähnliches Problem hatte ich zuletzt ja bereits mit Schweiges "Mörderlied", allerdings hat "Tagrichter" demgegenüber den Vorteil, daß tatsächlich alle Stränge und ihre jeweiligen Pro- und Antagonisten sehr gelungen sind. Als kleinen Kritikpunkt möchte ich allerdings noch nennen, daß die Szenen an der Praiosschule mich teilweise doch eher an die guten alten "Paukerfilme" mit Hansi Kraus erinnert haben als an eine typisch aventurische Institution. Jedoch stört das nicht sonderlich (zumal es sich sowieso nur um wenige Szenen handelt), sondern lädt eher zum Schmunzeln ein. Nur den Einfall, aus dem irdischen "cool" ein aventurisches "frostig" zu machen, halte ich für eine ziemlich alberne Schnapsidee ...

"Fazit": Wer "Nachtrichter" mochte, der darf bedenkenlos auch zu "Tagrichter" greifen - ebenso wie alle, die sich besonders über Geschichten im religiösen Umfeld Aventuriens interessieren. Der flüssige Schreibstil und die sympathisch-bodenständigen Figuren machen "Tagrichter" für mich zu einem der besten DSA-Romane der letzten Zeit. Note 2+.

P.S.: Lob hat die Autorin auch deshalb verdient, weil sie vergleichsweise wenige Tipp-, Rechtschreib- oder sonstige Fehler eingebaut hat. Spätestens seit Ulisses in der Verantwortung für die DSA-Roman-Reihe ist, gibt es ja offenbar überhaupt kein Lektorat oder Korrektorat mehr, weshalb die Unterschiede von Buch zu Buch eklatant sind (teilweise bis an den Rand der Unlesbarkeit). Bergermann (und/oder ihre privaten Korrekturleser) gehört eindeutig zu den sorgfältigeren, auch wenn die Häufigkeit der Fehler gegen Ende zunimmt.
Negativ dafür: Nach "Mörderlied" ist dies mein zweiter DSA-Roman in Folge, bei dem sich bereits während des Lesens die "Schutzfolie" vom Buch abzulösen begonnen hat. Bei "Mörderlied" dachte ich noch, das wäre Zufall, aber zweimal hintereinander läßt mich befürchten, daß es sich schlicht und ergreifend um einen (weiteren) Qualitätsmangel des neuen Produktionsverfahrens handelt. Hoffentlich wurde der (wie die Sache mit der viel zu straffen Bindung) einigermaßen schnell korrigiert, ansonsten wäre die 20-prozentige Preiserhöhung für die DSA-Romane eine noch viel größere Unverschämtheit von Ulisses ...
Posted By: Ralf

Re: Tagrichter - 18/02/13 07:06 PM

DER ASCHENGEIST von Mark Wachholz und Kathrin Ludwig:

Nachdem er am Ende von "Der Feuertänzer" alles verloren hat, was er je hatte (eigentlich inklusive seines Lebens), erwacht Gaius Cordovan Galotta - ehemaliger kaiserlicher Hofmagier in Gareth und nach seiner dortigen grausamen Ausbootung durch Kaiser Hal und die Zauberin Nahema verantwortlich für den Zug der mehr als 1000 Oger - mit geschundenem Körper und ohne Gedächtnis. Relativ schnell findet er heraus, daß ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt ist, woraufhin er sich irgendwie bis ins schwüle Brabak im Süden Aventuriens durchschlägt. Dort findet der Nekromant Polberra den Halbtoten und päppelt ihn in der örtlichen Schwarzmagierakademie langsam wieder auf. Doch Kopfgeldjäger haben sich auf Galottas Spur gesetzt ...

Eigentlich wollte ich "Der Aschengeist" erst lesen, wenn die Galotta-Biographie vollständig ist. Doch nachdem dies aufgrund der bekannten Differenzen zwischen vor allem Mark Wachholz und Ulisses nicht passieren wird, solange Ulisses die DSA-Lizenz besitzt, habe ich mich nun doch einmal an die Lektüre gemacht. Leider kann "Der Aschengeist" jedoch qualitativ nicht ganz an die beiden Vorgänger "Der Hofmagier" und "Der Feuertänzer" anknüpfen. Das liegt nicht etwa daran, daß sich die schriftstellerischen Fähigkeiten der beiden Autoren in der Zwischenzeit verschlechtert hätten, sondern an der zu sehr in die Länge gezogenen Handlung. Das ist insofern etwas kurios, als die hier beschriebene Story deutlich linearer ist als in den (wie die meisten Biographien in Buch- oder Filmform) recht episodenhaften vorigen Büchern. Doch während diese primär als gelungene, actionarme Charakterstudie Galottas dienten, ist die Handlung von "Der Aschengeist" wesentlich gewöhnlicher und verliert für meinen Geschmack die Stärken der Vorgänger aus den Augen.

Vor allem liegt das daran, daß Galotta plötzlich kaum mehr als eine Nebenfigur ist. Auf den ersten 150 (von knapp 400) Seiten kommt er nur zu Beginn kurz aktiv vor, ansonsten wird eigentlich nur über ihn geredet, während er physisch und/oder geistig abwesend ist. Dafür setzen Wachholz und Ludwig auf zwei andere Protagonisten, die die Geschichte vorübergehend tragen müssen: den Nekromanten Polberra und den Kopfgeldjäger Brander, der gemeinsam mit einer Partnerin aus ganz persönlichen Beweggründen Galotta tot sehen will. Während Polberra eine sehr interessante Figur ist, wirkt Brander eher klischeehaft und scheint vor allem als Alibi für die recht zahlreichen Actioneinlagen zu dienen. Dabei finde ich diesen Handlungsstrang schon deshalb recht lahm, da Brander und seine Partnerin einfach nicht ansatzweise das Kaliber sind, dem man auch nur eine kleine Chance zutrauen würde, Galotta gefährlich werden zu können (zumal man als DSA-Spieler ja weiß, daß Galotta erst viel später stirbt ...). Und natürlich kommt es dann so, wie es kommen muß: Sobald Galotta wieder halbwegs Herr seiner Sinne ist, verschwinden plötzlich Polberra und Brander im Hintergrund und spielen nur noch vereinzelt eine Rolle.

Für den Leser ergibt sich so ein ausgesprochen uneinheitliches Gesamtbild, das der starken Konzentration auf Galotta in den ersten beiden Bänden beinahe diametral zuwiderläuft. Mit Galotta als Hauptfigur wird das Ganze dann schon wieder interessanter, allerdings nicht wirklich temporeicher. Es ist zweifellos sehr unterhaltsam, detailverliebt und auch spannend geschrieben, wie Galotta versucht, wieder sein altes Ich zurückzuerlangen, umgeben von skrupellosen Schwarzmagiern und Kopfgeldjägern. Ein bißchen kürzer hätte man sich dabei aber schon fassen können. Immerhin hat "Der Hofmagier" über 20 Jahre aus Galottas Leben abgedeckt, "Der Feuertänzer" noch gut 10 Jahre - in "Der Aschengeist" sind es mickrige drei Jahre, in denen schlicht und ergreifend nicht viel Weltbewegendes geschieht.

Das mag jetzt alles recht negativ klingen, soll aber eigentlich nur meine leichte Enttäuschung im Vergleich zu den ersten beiden Galotta-Büchern ausdrücken - unterm Strich ist auch "Der Aschengeist" noch ein sehr ordentlicher DSA-Roman, sorgfältig recherchiert, mit viel aventurischem Flair ausgestattet und kompetent in Worte gefaßt. Aber in der geplanten Abfolge der Galotta-Reihe hätte dieses Buch wohl einen klassischen Übergangsstatus eingenommen als Verbindung zwischen den wirklich spektakulären Ereignissen vorher und nachher.
Note 3+.
Posted By: Ralf

Re: Tagrichter - 12/08/13 11:38 AM

KHUNCHOMER PFEFFER II: TOD AUF DEM MHANADI von Eevie Demirtel und Marco Findeisen:

Aus Zeitgründen nur eine sehr kurze Rezension: Dieses mal werden die beiden so unterschiedlichen Khunchomer Stadtgardisten Deniz und Kasim in gleich mehrere Verschwörungen gegen die Fürstenfamilie und deren Gast Sultan Hasrabal verwickelt. Das ist wie im ersten Teil sehr unterhaltsam beschrieben, leider verzettelt sich das Autorenduo in seiner ambitionierten, fast 500-seitigen Handlung aber etwas in den zahlreichen Handlungssträngen. In der ersten Hälfte ist das alles recht gemächlich erzählt, gegen Ende zu wird es dann dafür sehr hektisch, teilweise auch arg unglaubwürdig.
Das wäre dennoch verschmerzbar, was aber ziemlich unverzeihlich ist: Die beiden wichtigsten Handlungsstränge fördern nur durch extrem glückliche Zufälle das gewünschte Resultat zutage, anstatt dieses durch eine logische, glaubwürdige Vorgehensweise zu erreichen. Das ist einfach ärgerlich und überschattet die ansonsten durchaus spannende, atmosphärische und gut erzählte Story mit vielen aventurischen "Promis". Der erste Teil ist somit trotz deutlich schlichterer Handlung IMHO besser gelungen (Note 2-).

Note 3+.
Posted By: Ralf

Tanz der Biene - 16/03/14 01:48 PM

HERR DER LEGIONEN und HERRIN DES SCHWARMS von Judith C. Vogt:

Bosparan während der Herrschaft von Dalek-Horas: Die nicht mehr ganz junge Patrizierin Sahina, Oberhaupt des Hauses der Veneter, schmiedet wie so viele andere Aristokraten der Stadt ihre Ränke, um in der Gunst der Horas aufzusteigen. Doch im Gegensatz zu den meisten ihrer Konkurrenten ist es bei ihr nicht nur reines Machtstreben, das ihr Handeln veranlaßt, sondern sie hat eine geheime, aber wichtige Agenda, die sie antreibt.
Ihr Sohn Venetus ist derweil als Legionsmagier mit der legendären Legion Shinxiria seit langem in Garetien unterwegs, um die Außengebiete des riesigen bosparanischen Herrschaftsgebietes gegen Barbaren und Orks zu sichern. Da die Shinxiria dem als Hornisse dargestellten Kriegsgott Shinxir gewidmet ist, der unter Dalek-Horas in Ungnade gefallen ist, und die immer weniger werdenden Legionäre seit Jahren keinen Sold mehr erhalten haben und entsprechend unruhig werden, müssen Venetus und die umtriebige Shinxir-Priesterin Crabroda zu einigen Kniffen greifen, um die langersehnte Rückkehr in das zivilisierte Bosparan einzuleiten - als unerwartet entscheidendes Rädchen in der Maschine erweist sich dabei die einfache Legionärin Eiria Punina.
Und dann gibt es da noch die jugendliche Sklavin Puella, die aus der Provinz nach Bosparan verkauft wird und bei einem finsteren Schwarzmagier landet, der ihre magische Begabung erkennt und für seine Zwecke nutzen will ...

Mit dem Zweiteiler "Herr der Legionen" und "Herrin des Schwarms" (inoffizieller Reihentitel: "Tanz der Biene") hat Judith C. Vogt sich an das ambitionierteste Projekt der DSA-Roman-Reihe seit langem gewagt, in dem sie auf 800 Seiten eine fesselnde, verschachtelte und hervorragend konstruierte Geschichte aus dem "Alten Rom Aventuriens" erzählt. Glücklicherweise erweist die Autorin sich als ihren Ambitionen weitestgehend gewachsen, weshalb ich hier gar nicht allzu viele weitere Worte verlieren muß. Die vielschichtige Handlung ist sowieso zu spannend und wendungsreich, um hier ohne Spoilergefahr näher darauf einzugehen zu können, daher nur so viel: Es ist wirklich beeindruckend, wie gut es Vogt gelingt, die drei (ausnahmslos weiblichen, denn Venetus spielt zwar eine wichtige Rolle, zählt aber nicht zum zentralen Trio der Handlung) Hauptperspektiven der anfangs noch weitvezweigten Story harmonisch ineinandergreifen zu lassen. Die einzelnen Kapitel haben zudem eigentlich immer genau die richtige Länge, ehe die Perspektive gewechselt wird, ohne den Leser allzu oft mit fiesen Cliffhangern zu nerven. Auf diese Weise bleibt die Spannung ebenso beständig hoch wie das Verlangen zu erfahren, wie es weitergeht.

Auch das Ränkespiel vor allem im Sahina-Handlungsstrang ist überzeugend - für mich ein entscheidender Punkt, denn Intrigen zu kreieren, die den Leser faszinieren und beeindrucken und ihn vielleicht sogar zu Bewunderung ob der ausgeklügelten Schachzüge bewegen, ist wahrlich keine einfache Aufgabe. Zu oft - gerade in DSA-Romanen - geraten die Intrigen einfach nur plump und ärgerlich. Bei Vogt erreichen sie vielleicht nicht ganz das hohe Entertainment-Niveau der Al'Anfa-Romane von Alex Wichert, Heike Wolf und Anja Jäckel, das ist aber auch der epischeren Dimension der Geschichte vom "Tanz der Bienen" geschuldet und somit absolut verschmerzbar.

Meine einzigen echten Kritikpunkte (abgesehen von der etwas plumpen Motivation von Sahinas Hauptkonkurrentin Fluvia) beschränken sich denn auch auf sprachliche Kleinigkeiten: Erstens benutzt die Autorin für meinen Geschmack etwas zu exzessiv lateinische Begriffe, die in dieser Häufung mitunter den Lesefluß stören und noch nicht einmal ganz vollständig im Glossar erklärt werden (da ich das Große Latinum habe, war das für mich kein so großes Problem, unnötig finde ich es dennoch). Und zweitens habe ich mich zwar grundsätzlich über die geringe Anzahl von Rechtschreib-, Grammatik- und Tippfehlern gefreut, mit der Verwendung des Apostrophs hat Judith C. Vogt aber ein paar Probleme. Doch wie gesagt, das sind Kleinigkeiten, über die man - gerade im Vergleich zu den meisten anderen DSA-Romanen der Post-Heyne-Ära - locker hinwegsehen kann.

Fazit: "Tanz der Biene" ist der beste DSA-Roman, den ich seit einigen Jahren gelesen habe. Note 1-.
Posted By: Ralf

Re: Tanz der Biene - 25/05/14 07:48 PM

SCHARFRICHTER von Dorothea Bergermann:

Solange hier die Umlaute nicht wieder funktionieren, verspuere ich wenig Lust, eine richtige Rezension zu schreiben, aber bevor ich es ganz vergesse, kommt hier die Kurzfassung: Note 2-, das Buch setzt Staerken und Schwaechen der beiden Vorgaenger "Nachtrichter" und "Tagrichter" ziemlich konsequent fort.
Posted By: Steffen

Re: Tanz der Biene - 26/05/14 12:15 AM

Wenn es dir zu aufwändig ist, statt ae & auml; zu schreiben, könntest du es ja mal damit versuchen. Ist aber sehr quick und sehr dirty, einfach als HTML speichern und nach Bedarf erweitern.
Code:
<html> <head>
<meta http-equiv="content-type" content="text/html; charset=ISO-8859-1">
<script type="text/javascript">
function ums()  {
var str=document.getElementById("txt").value;
for (var i=0; i<=str.length; i++)	{
switch (str[i])  {
case 'ä': str=str.substr(0,i)+'&auml;'+str.substr(i+1); break;
case 'Ä': str=str.substr(0,i)+'&Auml;'+str.substr(i+1); break;
case 'ö': str=str.substr(0,i)+'&ouml;'+str.substr(i+1); break;
case 'Ö': str=str.substr(0,i)+'&Ouml;'+str.substr(i+1); break;
case 'ü': str=str.substr(0,i)+'&uuml;'+str.substr(i+1); break;
case 'Ü': str=str.substr(0,i)+'&Uuml;'+str.substr(i+1); break;
case 'ß': str=str.substr(0,i)+'&szlig;'+str.substr(i+1); break;
case '€': str=str.substr(0,i)+'&euro;'+str.substr(i+1); break; }}
document.getElementById("txt").value=str;  }
</script> </head><body>
<textarea style="WIDTH: 929px; HEIGHT: 419px" cols="27" id="txt"></textarea><br />
<input onclick="ums()" value="Button" type="button"></body></html>


Edit: Oder das ganze in Code-Tags packen, da schluckt das Forum anscheinend die Umlaute noch.
Posted By: Ralf

Re: Tanz der Biene - 27/05/14 03:52 PM

Ich weiss schon, dass das ginge, aber ich sehe es eher so: Solange noch nicht einmal wieder Umlaute funktionieren, ist mir das Forum eigentlich zu unsicher (in verschiedenen Sinnen inklusive dem, dass schon morgen alles weg sein koennte ...), da will ich nicht mehr posten als unbedingt noetig. Ist wahrscheinlich naiv, aber trotzdem ... wink
Posted By: Ralf

Re: Tanz der Biene - 31/07/15 08:01 AM

"Drachenschatten" von Michael Masberg (Einzelbaende: "Der Kreis der Sechs" und "Der Nabel der Welten"): Note 2.

"Im Feuer der Esse" von Judith C. Vogt: Note 1-.
Bereits "Im Schatten der Esse" war trotz einiger Maengel lesenswert, die Fortsetzung - die grossteils in den Schwarzen Landen spielt - ist sogar der beste DSA-Roman, den ich in den letzten Jahren gelesen habe.
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Tanz der Biene - 21/05/17 06:24 PM

Löwin & Mantikor : Hat mir sehr gefallen. Ist fast schon eine Detektivgeschichte.

Die Paktiererin : Imho besser als sein Ruf. Gutes Drama : Man wird förmlich mit hineingezogen in das Drama und sieht (bei erfolgreichen Klugheits-Checks des Lesers / der Leserin) worauf das alles hinausläuft - und kann rein gar nichts dagegen tun ! Hat mir insgesamt ganz gut gefallen.
Besonderes Plus : Das allererste Mal, das man lesen kann, wie ein feister, schwabbeliger, dekadenter PRAios-Geweihter "bekehrt" und wieder auf die rechte Linie von PRAios gebracht wird !

Riva Mortis : Okay, zum Teil sehr lustig geschrieben.

Angbar Mortis : Uah ! Sex & Crime ! Ohne den Maraskaner hätte ich mir diese Buch nie angetan ! Und noch nicht mals mit "Happy End" !

Tuzak Mortis : Werde ich mir wegen Angbar Mortis nicht kaufen.

In den Nebeln Havenas : Einige fürcherlich dumme W20er in den Klugheits-Checks der Protagonisten ! Furchtbar !

Kamaluqs Schlund : Okay. Mittlere Note. Teile davon habe ich gar nicht gemocht, andere Teile davon fand ich dann doch recht interessant. Wo bleibt eigentlich die Fortsetzung davon ?

Caldaia : GIng so. Aber warum dieser komische Antagonist (ich will hier nicht spoilern) ? Etwas weniger hätte es auch getan ... Das Ende (quasi der Nachhall des Ganzen) war auf jeden Fall klasse geschrieben ! Sehr emotional !

Die Hundstage-Reihe : Gut für Leute, die es schon düster mögen. Ist daher aber für mich nichts. Hat aber ein paar nette Momente.

Das Ferdoker Pergament : Mein Lieblingsroman der letzten Jahre ! Ich hole ihn immer wieder mal hervor, um darin zu schmökern. smile
Posted By: Ralf

Re: Tanz der Biene - 22/05/17 11:02 AM

Witzig, daß du gerade jetzt hier postet, erst am Wochenende dachte ich mir nämlich, ich sollte hier zumindest mal die Noten der DSA-Romane nachholen, die ich seit meinem letzten Post gelesen habe. Das Problem ist nur, daß ich erstmal nachschauen muß, was genau ich seitdem eigentlich gelesen habe (auf jeden Fall die Uthuria-Trilogie) ...

Bei "Tuzak Mortis" sind wir uns übrigens im Fazit einig, wenngleich vermutlich aus anderen Gründen - den Maraskaner finde ich nämlich absolut schrecklich (im Vorgänger ging es noch durch die zweite Hauptfigur) und der Humor hat mich sehr an Adam Sandler-Niveau erinnert - weshalb die brutal geschilderten Kämpfe umso unpassender wirkten. Die Zwergin als ungewöhnlicher Co-Protagonist hat es für mich noch halbwegs gerettet. Als Komplettist werde ich den Trilogie-Abschluß wohl trotzdem noch irgendwann lesen, aber das hebe ich mir für eine Zeit auf, in der ich mich selbst bestrafen muß ... wink

Das Lob für "Das Ferdoker Pergament" teile ich dagegen, "Caldaia" fand ich eher langweilig, soweit ich mich erinnere. "Hundstage" boykottiere ich wegen der Preispolitik (ich war mir sicher, daß sie diese fünfteilige Novelle irgendwann mal als Sammelband bringen würden, aber bis heute warte ich darauf vergeblich).
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Tanz der Biene - 22/05/17 07:04 PM

Auf der RPC kann man diese Novellen inzwischen für billig Geld bekommen, da habe ich meine auch her.
Die "Kristall von Al'Zul"-Novellen-Reihe habe ich wegen meiner Drakensang-2-PE rabattiert bekommen, damals, da lag so ein Gutschein bei, wenn ich mich richtig erinnere.

Kannst ja mal in Ulisses' F-Shop reinschauen, wieviel die da inzwischen kosten.

Den Maraskaner fand ich ganz nett - mich hat allerdings das "Sex & Crime" - Gedöns im zweiten Roman ziemlich stark abgeschreckt.

Quote:
weshalb die brutal geschilderten Kämpfe umso unpassender wirkten.



Das sehe ich genauso.

Generell gibt es auf der RPC (und im Oktober in Essen) einen Stand, ich glaube sogar jedes Jahr, der DSA-Romane für 1 Euro pro Stück oder so anbietet, ältere zwar - siehe meine Liste oben - aber immerhin.

Kannst ja mal schauen, ob es in deiner Gegend auch eine Con gibt, wo der auftaucht.

Einmal abgesehen davon habe ich mit DSA5 weitgehend einen Schnitt gemacht und werde mir *vielleicht* noch das Regelwerk kaufen, aber sonst ... Ich beobachte das ganze Geschehen rund um DSA5 noch, aber ich habe keine große Lust, da nochmal alles neu zu kaufen - zumal ich rein gar nicht weiß, wohin die Reise geht ... Settingsmäßig ... Immerhin habe ich jetzt begriffen, daß wohl eine neue "Heldenzeit" jetzt ansteht ...

Den Aventurischen Boten hole ich mir aber immer noch brav. wink

( War das jetzt Englische Grammatik ? LOL )


Auf jeden Fall warte ich dann mal auf dein Review der Uthuria-Trilogie. Ich bin mal gespannt, wie die Bücher denn so sind, allerdings kann es auch durchaus sein, daß sich mein Geschmack von deinem etwas unterscheidet (siehe Kalamuqs Schlund).
Schade, daß sie nicht mehr aus dem Uthuria-Setting gemacht haben.
Posted By: Ralf

Re: Tanz der Biene - 23/05/17 05:56 PM

Naja, eine große Rezension werde ich dazu nicht mehr schreiben, dafür ist auch meine Erinnerung nicht mehr frisch genug. Ich kann dir aber sagen, daß ich die Trilogie erfreulich unterhaltsam fand - und das, obwohl sie eigentlich kaum ein Kolonisierungs-/Afrika-Klischee ausläßt (mitunter bis an den Rand des Rassismus, für mein Empfinden zumindest). Das mag jetzt nicht unbedingt wie eine Empfehlung klingen, aber die Bücher sind wirklich unterhaltsam geschrieben und verfügen über ein großes, recht gut ausgearbeitetes (inklusive echter Entwicklung) und charisamtisches Figurenensemble und sind keineswegs frei von Humor. Als allzu düster empfand ich die Geschichte auch nicht unbedingt, eher so im mittleren Bereich - sollte für dich also noch im Rahmen des Erträglichen sein, aber ohne Gewähr ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Tanz der Biene - 28/05/17 07:21 PM

"Im Schatten der Esse" - ein netter Roman, der fast wie ein "Road Movie" bzw. ein "Reiseroman" beginnt, dann aber immer kämpferischer wird - was mein Interesse daran erlahmen läßt. Die letzten Seioten habe ich nur noch überflogen. Aber trotzdem : Ja, es gibt ein Happy End ! Nur ist bis dahin so viel Blut vergossen worden ...

Der Roman ist als Solches nicht schlecht, aber einfach nicht mein Geschmack. Mir hat dieser Roman wieder einmal vor Augen geführt, wie sehr ich inzwischen Reiseromane / geschriebene Road Movies liebe, die viel von der Umgebung zeigen ... Ich weiß nicht warum, aber ich schwelge geradezu in Landschafts- und NPC-Beschreibungen ... Und das scheint auch mein Lieblingsausdruck in meinen eigenen Geschichten geworden zu sein ...
Posted By: Ralf

Re: Tanz der Biene - 29/05/17 08:25 AM

Hast du schon mal die Romane von Karl May gelesen? Die habe ich als Jugendlicher schnell aufgegeben, weil es viel zu viele viel zu ausführliche Landschaftsbeschreibungen gab für meinen Geschmack ... wink
Posted By: Arhu

Re: Tanz der Biene - 29/05/17 09:06 PM

Originally Posted By: Ralf
Hast du schon mal die Romane von Karl May gelesen? Die habe ich als Jugendlicher schnell aufgegeben, weil es viel zu viele viel zu ausführliche Landschaftsbeschreibungen gab für meinen Geschmack ... wink

Hm, klingt gut. Bei "ausfuehrliche Landschaftsbeschreibungen" muss ich gleich an Das Rad der Zeit denken (Landschaft und Kleidung), sowie an Kim Stanley Robinson's Marstrilogie (sehr viel Marsgestein). Ich mag sowas auch. Die Dune-Buecher (sehr viel Sand und Staub) z.B. fand ich nicht unbedingt wegen der Story gut, sondern vor allem wegen des Wuestenplaneten an sich.

... und nun zurueck zu DSA. wink
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Tanz der Biene - 01/06/17 07:46 PM

Ich hatte vor ein paar Jahren mal Winnetou 1 angefangen ... Und war dermaßen angewiedert von der "Mary Sue" - haftigkeit des Protagonisten ... https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_Sue

Den Wüstenplaneten habe ich auch nicht gemocht.

Mit dem Herrn der Ringe habe ich dagegen keine Probleme laugh - einmal abgesehen von der Tatsache, daß ich immer noch nicht wirklich weiß, wie Mauerpfeffer eigentlich aussieht ...
Posted By: Ralf

Re: Tanz der Biene - 02/06/17 08:37 AM

Du könntest ja mal einen der anderen Karl May-Protagonisten versuchen - ich persönlich mochte bei den Filmen jedenfalls immer die Kara Ben Nemsi- und Dr. Sternau-Geschichten lieber als die Winnetou-Storys ...
Posted By: AlrikFassbauer

Re: Tanz der Biene - 03/06/17 09:15 AM

Okay, danke ... Ich glaube, Kara Ben Nemsi habe ich sogar irgendwo ...
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