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Rezi: Dunkle Tiefen #51006
01/08/05 08:33 AM
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Es hat lange gedauert. Eigentlich wollte ich schon lange die drei „Armalion“-Romane abhandeln. Doch leider bin ich bei der „Kompamie der Verdammten“ auf Seite 80 hängen geblieben ... nicht dass das Buch richtig schlecht wäre, aber es „läuft mir einfach nicht rein.“
Die anderen Beiden: „Das Dämonenschiff“ und „Der Tag des Zorns“ sind lesenswert ... ich hoffe, ich hole die Rezis gelegentlich nach.
Nach dem ich vor kurzem im meiner Heimatstadt eine Buchhandlung mit Fanpro-Avenurien-Romanen entdeckt habe, habe ich aber jetzt zugeschlagen und mir Band 87 geholt. Hatte bisher einfach keine Lust, für 9 Euro plus Versandkosten zu bestellen ...
Also:


„Dunkle Tiefen“ von Daniella Knor

Ein zweites Mal – nach „Tag des Zorns“ - nimmt uns die aktuelle Aventurien-Chef-Erzählerin in die „Dunkle Tiefen“ einer Zwergenbinge mit. Eine kleine, unbedeutende Siedlung der Angroschim ist es dieses Mal; und zur aventurischen Jetzt-Zeit. Doch Unheil und Abenteuer sind nah, und wie Tolkien schon im Herr der Ringe schreib: „Sie gruben zu tief und weckten namenloses Grauen“. Hier ist es ein alter Kohleförderschacht, auf den die Zwerge stoßen, der anstatt des wertvollen Rohstoffs tödliche Gefahr für die Siedlung bringt.
Held der Geschichte ist der junge Ortosch. Aus einer Familie von Kriegern stammend, scheint er zu nichts zu gebrauchen. Weder für das Handwerk seiner Väter, noch das des Schmiedes scheint er begabt genug und so ist er zum belächelten, gar verachteten Außenseiter geworden. Trotzdem wird es an ihm liegen, seine ganze Sippe vor der Vernichtung zu bewahren.
Daniella Knor behält ihren vertrauten soliden Stil bei, erzählt spannend bis zum Schluss, man mag das Buch gar nicht mehr weg legen, so sehr packt einen das Schicksal von „Mirschags Sippe“.
Doch leider lässt mich das Buch etwas unzufrieden zurück. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Autorin stärker auf Ortosch konzentriert, seinen Weg und Werdegang begleitet, so hätte das Buch – im Rahmen der abenteuerlichen „Horrorstory“ - zu einem bewegenden „Entwicklungsroman“ werden können. Doch statt dessen springt sie in der Erzählperspektive von Person zu Person, wirft immer mehr Namen in den Raum, die zudem in meinen „irdischen“ Ohren oft recht ähnlich klingen, so dass ich unablässig in dem – netterweise vorne im Buch abgedruckten – Stammbaum nachschlagen muss. Oftmals völlig überflüssig, da viele dieser Sippenmitglieder nur kurz auftauchen. Von der Persönlichkeit her bleiben sie im Dunkeln, bekommen ihren Namen, um kurz darauf etwas anderes zu verlieren, nämlich ihr Leben.
Der „Showdown“ ist extrem lang, bleibt aber dennoch spannend. Ich hätte mir stattdessen mehr „erlebte“ Informationen über die Ursache des Unheils gewünscht, anstatt dies am Schluss noch kurz erklärt zu bekommen. Auch die Person des Greifax hätte mehr Raum verdient.
Alles im allem ein spannender, solider Roman und zugleich eine vergebene Chance eine wirklich große Geschichte über einen „kleinen“ Angroscho zu schreiben. Denn eines muss ich sagen: Ich würde Ortosch gerne wiederlesen. Wie wird es ihm ergehen? Wird er zu seiner (Spoiler) zurück kehren? Wird es noch was mit ihm und (Spoiler)?
Daniella: Bitte!



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Körpertauscher #51007
15/09/05 09:59 PM
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Meine Schwester hat mir zwei DSA-Bücher geschenkt, die sie aus ihrer Sammlung aussortiert hat. Obwohl es sich daher um bereits vor einiger Zeit erschienene Titel handelt, möchte ich die Gelegenheit nutzen und diesen Faden um eine weitere Rezension bereichern (das andere Buch habe ich noch nicht durch).

Bei Barbara Büchners "Seelenwanderer" handelt es sich offenbar um den Nachfolger von "Schatten aus dem Abgrund", welches ich nicht kenne. Da die dort geschehenen Ereignisse, soweit sie eine Rolle spielen, erwähnt werden, spielt das auch keine große Rolle.

Baron Ofrim von Roswylde, genannt "Mawr Bian" (Seidenhaar), und seine Schwester Morla leben als Hexen in Aranien. Aufgrund ihrer elfischen Urgroßmutter Amárandel erfreuen sie sich einer solchen Langlebigkeit, daß sie seit 80 Jahren jedes Jahr zur gleichen Zeit an einem alten Turm, der noch aus der Epoche der Echsenherrschaft stammt, ein seltsames Ritual durchführen, dessen Sinn sie selbst nicht ganz verstehen.

Doch in diesem Jahr ist etwas anders, denn der Schwarze Baron hat seltsame Träume von einem ekligen Echsenkult, seit ihn Kunrad von Marmelund, ebenfalls Baron und eifriger Praios-Inquisitor, folterte. Von Marmelund gilt selbst unter den strengen Praiosoberen als fanatisch, eine Meinung, die sein Helfer Zachaban Malle, Mitglied des nicht besonders zimperlichen Laienordens der Bannstrahler, bestätigt. Überall wittert sein Herr das Machwerk der Echsen bzw. Hexen, welche er als Nachfolger der geschuppten Götzenanbeter ansieht. Die neueste Spur führt die beiden in die Mangrovensümpfe bei Selem. Dort sollen Hinweise zu finden sein auf einen die Dämonin Asfaloth anbetenden Echsenpriester, welcher mit Hilfe eines blutigen Rituals in die Körper anderer Personen schlüpfen und so die Jahrhunderte überdauern kann.

Da das wohl kaum im Sinne des Zwölfgötterglaubens sein kann, tauchen im Verlauf der Geschichte noch zwei Boronpriester samt Golgariten auf. Die einzelnen Puzzlesteine fügen sich denn auch recht schnell zu einem bedrohlichen Ganzen zusammen und der Endkampf kann beginnen.

Helden verschiedener Glaubensrichtungen begegnen sich, um einen gemeinsamen, eindeutig bösen Feind zu bekämpfen - da hätte man einiges draus machen können. Leider weiß die Autorin mit der recht interessanten Konstellation nicht viel anzufangen.

So muß denn an zwei Stellen ein göttliches Wunder herhalten, um ansonsten drohende Handlungssackgassen ("Wie kommen die Protagonisten da wieder raus?") aufzulösen. Es spricht nichts dagegen, auf völlig unrealistische Kampfszenen ("der Held plättet mal eben 50 Echsen und geht dann nach Hause"), zu verzichten, aber die Alternative, ständig solche Eingriffe auf Spannungshöhepunkten einzubauen, ist nicht viel besser.

Zudem verhaspelt sich Büchner mit der erzählten Zeit: Da ist zwar schon Rahja, aber an späterer Stelle wird erwähnt, für Ingerimm sei es ungewöhnlich kühl. Geht man zudem davon aus, daß keine zeitlichen Sprünge stattfinden, paßt die Einteilung ein weiteres Mal nicht: Am Anfang sind es die letzten Tage des Ingerimm, dann kommt der Inquisitor nach Selem, bricht zwei Wochen später auf, und danach vollziehen die Hexen das Ritual am letzten Ingerimm. Wie das passieren konnte, obwohl doch löblicherweise nicht ständig zig verschiedene Erzählstränge durcheinander geworfen werden, bleibt mir schleierhaft.

Mehrere wichtige Fragen werden nicht geklärt: Spoiler : Wer führte den Mord in Selem aus? Wie konnte eine letzte Unterhaltung zwischen von Marmelund und Malle stattfinden, obwohl beide in verschiedene Richtungen davongetragen wurden? Was ist mit der Dämonin Ych'thszz, die ja angeblich ebenfalls in dem Turm wohnte? Wieso lehrte man die Hexen überhaupt ein solches Ritual, wenn dabei doch nur Böses herauskommen kann?

Als ob es nicht bereits genug Seltsame in den Sümpfen gäbe, tauchen drei verschiedene Rassen auf (abartig gekreuzte oder mutierte wohlgemerkt, also keine Achaz, Marus oder Krakonier). Das inzestuöse Verhältnis der beiden Geschwister wird nicht etwa verurteilt, sondern damit begründet, daß es ja keinen anderen möglichen Langzeitpartner gebe. Gleichzeitig nutzt der Baron mehrere Generationen lang die jeweiligen Dorfschönheiten für Bettgeschichten.

Obwohl es schön ist, wenn Erzählungen nicht abrupt enden, fällt diesmal das Endgeplänkel relativ lang aus. Das Ende wird bewußt offen gelassen, so daß die Geschichte hier zuende sein kann - aber auch noch genügend (z.T. sogar erst nach dem Finale eingeführte) Nebenpersonen bleiben, um Stoff für einen dritten Teil abzugeben.

Der von besseren DSA-Büchern verwöhnte Leser wird das Fehlen des Personenverzeichnisses ebenso bemerken wie die Unvollständigkeit der Liste mit den Fachbegriffen. Die vorne im Buch abgedruckte Karte zeigt zudem vor allem Maraskan, welches nur erwähnt wird, während Roswylde und Selem, zwei wesentliche Orte der Handlung, nicht aufgeführt sind.

Ein Details, welches mir recht gut gefallen hat: Die Beschreibung von Calijnaars Reich, den Motiven sowie den Auswirkungen eines Dämonenpaktes sind fast wortwörtlich aus dem Mysteria Arkana (Regelwerk der 3. Edition) übernommen und auch so in "Mit Geistermacht & Sphärenkraft" (4. Regeledition) erschienen.

Der "Seelenwanderer" enthält manche gute Idee und mehrere interessante Charaktere (gerade bei den Nebenfiguren), erzeugt an vielen Stellen allerdings den Eindruck, als wäre hier noch nicht genug Feinschliff vorgenommen worden. Es gibt zwar viele deutlich schlechtere Fantasy-Literatur; im Vergleich zu anderen DSA-Romanen, die ich schon gelesen habe, fällt dieser Band jedoch ab. Das zweite Buch, welches ich von meiner Schwester erhalten habe, soll deutlich besser sein. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt berichten, ob ich dies bestätigen kann. Den Titel verrate ich an dieser Stelle noch nicht!


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Re: Körpertauscher #51008
16/09/05 11:51 AM
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Daß ich mich an den Inhalt dieses Buches gar nicht mehr erinnern kann, sollte ja schon aussagekräftig genug sein (obwohl ich ihre Bücher nicht mal ganz so schrecklich fand wie die meisten DSA-Fans; ein paar waren immerhin durchschnittlich und eines - ich glaube, es war "Blutopfer" - hätte sogar richtig gut werden können, wenn die Autorin am Ende nicht wieder zuviel Angst vor der eigenen Courage bekommen hätte ...). Aber sei froh, daß du "Schatten aus dem Abgrund" nicht gelesen hast, das ist nämlich eines der ganz wenigen DSA-Bücher (ich denke, es waren insgesamt drei), dem ich die Niedrigstnote gegeben habe ...
Ich bin jedenfalls wirklich froh, daß die Ära Büchner bei DSA seit längerem vorbei ist, denn zu jener Zeit erschienen überhaupt so viele mittelmäßige bis schlechten DSA-Romane, daß man befürchten mußte, die ganze Reihe würde den Bach runtergehen.
Glücklicherweise sieht es mittlerweile ja wieder deutlich besser aus!

Last edited by Ralf; 16/09/05 11:55 AM.
Re: Körpertauscher #51009
19/09/05 01:30 PM
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Wie sieht das momentan eigentlich aus?

Ich seh mich schon seit längerem in diversen Geschäften nach neuen Romanen um, finde aber so gut wie nichts, selbst in Comic-Shops, die ja meistens auch solche Sachen drin haben. Nur letztens in nem Leipziger Bahnhofsbücherladen hab ich was relativ neues gesehen.

Wird überhaupt noch regelmäßig was veröffentlicht?


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Re: Körpertauscher #51010
19/09/05 05:02 PM
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Nun, von den alten Heyne DSA-Romanen sind ja bis zu zehn im Jahr erschienen. Fanpro selber hält sich da stark zurück.

Hier die aktuelle Liste der Fanpro-DSA-Romane:

DSA 89 DSA-Roman: Goldener Wolf (Januar 2006) 11010 9.00
DSA 88 DSA-Roman: Maraskengift (Oktober) 11012 9.00
DSA 87 DSA-Roman Nr. 87: Dunkle Tiefen 11009 9.00
DSA 86 DSA-Roman Nr. 86: Todgeweiht 11008 9.00
DSA 85 DSA-Roman Nr. 85: Roter Fluss 11004 9.00
DSA 84 DSA-Roman Nr. 84: Todeswanderer 11007 9.00
DSA 83 DSA-Roman Nr. 83: Thronräuber 11002 9.00
DSA 82 DSA-Roman Nr. 82: Rabengeflüster 11003 9.00
DSA 81 DSA-Roman Nr. 81: Spielsteine der Götter11001 9.00
DSA 80 DSA-Roman Nr. 80: Blaues Licht 10589 10.00
DSA 79 DSA-Roman Nr. 79: Unsterblicher Traum 10588 8.50
DSA 78 DSA-Roman Nr. 78: Den Göttern Versprochen 10579 8.00
DSA 77 DSA-Roman Nr. 77: Der Schandfleck 10582 7.50
DSA 76 DSA-Roman Nr. 76: Der Tag des Zorns 10573 8.50
DSA 75 DSA-Roman Nr. 75: Kompanie der Verdammten 10562 7.50
DSA 74 DSA-Roman Nr. 74: Das Dämonenschiff 10568 9.15
DSA 62 DSA-Roman Nr. 62: Das Greifenopfer 11011 9.00
DSA 56 DSA - Roman Nr. 56: Das Zerbrochene Rad: Dämmerung 11013 9.00
DSA-S 1 DSA-Jubiläumsband: Magische Zeiten 11006 15.00

DSA62 und DSA56 sind Wiederveröffentlichungen der alten Heye Bücher ...

Des weiteren gibt es bei Piper noch die Rhiana Reihe, wann da der fünfte Band erscheint weiß ich jetzt gerade nicht.

Ach ja ... und - im Gegensatz zu den Heyne Büchern - scheint man die fanpro-Bücher seltener im Bahnhofsbuchhandel zu finden ... in "normalen" Buchläden fand/findet man sie eh kaum. Aber in meiner Heimatstadt hab ich jetzt einen Buchlanden gefunden, der sie hat ... freu ...

Last edited by Schweige; 19/09/05 05:06 PM.

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Re: Körpertauscher #51011
20/09/05 11:51 AM
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"Maraskengift" von Markus Tillmanns befindet sich bereits im Druck, wird also pünktlich erscheinen.
Danach soll laut alveran.org Ende Oktober der nächste Rhiana-Roman "Klingenschwestern" von Daniela Knor erscheinen.
"Goldener Wolf" ist da auch bereits für Ende November terminiert.
Weiterhin sind demnach zwei Reihen in Planung, eine - ebenfalls von Daniela Knor - über "Die Hjaldinger-Saga" und eine Galotta-Biografie (auf die ich schon sehr gespannt bin) von Kathrin Ludwig und Mark Wachholz.
Da können aber gut noch andere Romane vorher erscheinen.

Eigentlich fand ich die DSA-Pause gar nicht schlecht. Dadurch konnte ich immerhin drei "Gezeitenwelt"-Romane und einige ältere Bücher von Terry Pratchett, die schon länger auf meinem Schreibtisch warteten, lesen ...

P.S.: Außer bei den Rhiana-Romanen kenne ich überhaupt keinen Laden in meiner Gegend, der noch DSA-Romane verkauft. Die bekomme ich nur noch über amazon.de, was ich schon deshalb etwas ärgerlich finde, weil die die Dinger regelmäßig erst ca. zwei Wochen nach der Veröffentlich zu erhalten scheinen.

Last edited by Ralf; 20/09/05 11:54 AM.
Re: allgemein #51012
20/09/05 03:39 PM
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Naja, aber wenn ein Buchladen sie schon nicht in den Regalen hat, bestellen kann man die dort doch eigentlich ja trotzdem. Und ich habe bis jetzt immer die Erfahrung gemacht, dass die dann am nächsten, spätestens aber am zweiten Tag nach der Bestellung auch da waren.


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Drachenseele #51013
21/09/05 02:06 AM
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Es folgt - wie versprochen - die Rezension des zweiten DSA-Buches, welches ich kürzlich von meiner Schwester geschenkt bekommen habe. Es handelt sich um den Roman "Zwergenmaske" von Martina Nöth.

Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Söldnern wird von ihrer Vergangenheit eingeholt. Nachdem einige von ihnen auf äußerst unangenehme Weise das Zeitliche gesegnet haben, schließen sich die Verbliebenen zusammen, um gegen einen unbekannten und übermächtigen Gegner zu bestehen.

Warum dieser es auf sie abgesehen hat und blutige Rache nehmen will, bleibt ihnen zunächst völlig schleierhaft. Denn alle haben ein reines Gewissen, was den gemeinsamen, längst vergangenen Auftrag betrifft, der das verbindende Element zwischen den Betroffenen darstellt: Jeder von ihnen war vor sieben Jahren an der Beschaffung eines steinernen Artefaktes beteiligt. Der genaue Auftraggeber blieb zwar unbekannt; als Mittelsmann trat jedoch ein befreundeter, vertrauenswürdiger Magier auf. Jeder tat seinen Teil der Arbeit, das Geschäft wurde erfolgreich erledigt und daher die vorher vereinbarte hohe Prämie gezahlt. Warum sollte also urplötzlich jemand die ehemaligen Boten mit dieser alten Sache behelligen?

Söldner, welche normalerweise gegen Geld anderen sicheres Geleit geben, müssen sich auf einmal selbst schützen. Die im bisherigen Berufsleben so erfolgreich angewandten Techniken wie Waffengeschick, Magie oder Kunst der Intrige versagen offenbar jämmerlich, wenn es um die eigene Haut geht. Die Grundidee mag nicht völlig neu sein, wurde aber hier interessant umgesetzt.

Die unbekannte Bedrohung sorgt für Spannung, durch die grausam Dahingemeuchelten kommt ein wenig Horror hinzu. Gleichzeitig schafft es Martina Sofie Nöth, traurige wie komische Szenen in die Erzählung einzuflechten. Dazu fügen sich mehrere Lieder passend zur Situation in die Geschichte ein.

Die Charaktere sind bis hin zu den Nebenfiguren interessant gestaltet und machen neben dem gelungenen Spiel mit den verschiedenen Stimmungen den wesentlichen Reiz des Buches aus. Die verschiedenen Ansichten der Helden (Pflichtbewußtsein, Vergnügungssucht, Launenhaftigkeit und schließlich das für Menschen völlig fremde elfische Weltbild) sorgen allein schon für genügend Konflikte unter den Protagonisten. Wenn an mehreren Stellen die gleiche Szene aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Personen geschildert wird, befindet sich die Autorin offensichtlich in ihrem Element. Für einige Überraschungen und Wendungen bleibt ebenfalls noch Platz.

Schon die eigentlich gar nicht so lange und wichtige Reise nimmt viel Platz ein, während der Hauptplot erst recht spät aufgelöst wird; und das mit Helden, die sich zwar irgendwie mögen, aber gleichzeitig ständig an ihren völlig anders gearteten Wesenszügen reiben und daher ein paar herbe Sprüche um die Ohren hauen. Mit anderen Worten: Ganz wie in einem DSA-Abenteuer! Wer wie ich selbst mal Mitglied in einer Rollenspielrunde war, wird sich über die authentische Atmosphäre freuen, welche Aventurien so lebendig macht.

Der Bardin Amber verleiht übrigens im richtigen Leben niemand anderes als Martina Nöth selbst ihre Stimme. Unter dem Namen "Amber und ihre Gefährten" hat sie bisher zwei CDs, "Bardensang" und "Rabenflug", veröffentlicht. Das im Buch abgedruckte Lied über den Dunkelforst befindet sich auf der ersten CD; die anderen Stücke habe ich nicht entdeckt. Vor diesem Hintergrund gefällt es mir besonders, wie sie ihre eigene Figur einbaut, ohne daß diese sich in den Vordergrund drängelt oder den eigentlichen Helden die Schau stiehlt. Es bleibt bei einem gelungenen Gastauftritt.

Einzig zwei marginale Kritikpunkte fallen mir ein: Die vier Himmelsrichtungen (Firun = Norden, Rahja = Osten, Praios = Süden, Efferd = Westen) werden nicht im ansonsten wie üblich guten Anhang erläutert und das Titelbild paßt mal wieder überhaupt nicht zur Geschichte. Letzteres ist ja schon fast chronisch bei DSA-Büchern.

"Zwergenmaske" stellt für mich nicht nur ein gutes Fantasy-Buch dar, sondern zeigt auch, was einen stimmungsvollen DSA-Roman ausmacht. Einzig Platzgründe können als Erklärung dafür dienen, warum meine Schwester das Buch nicht mehr haben wollte.

P.S.:
Ich freue mich immer wieder, wenn ich die Bedeutung von zunächst scheinbar unwichtigen Details sofort erkenne:
Spoiler : Die Eule kam mir gleich verdächtig vor!

Besonders schön fand ich auch:
Spoiler : Als die Bardin gerade im richtigen Moment den Traum mit dem entscheidenden Hinweis hatte und die Helden darauf drängte, dieser durch den Felsen auf einmal sehr konkreten Spur nachzugehen, dachte ich mir zunächst: "Schade, da ist der Autorin an dieser Stelle offenbar keine bessere Idee gekommen, um die Helden weiter voranzubringen. So mußte eine Handlungsverrenkung herhalten, die doch sehr künstlich und handwerklich wie ein billiger Trick wirkt." Als sich am Ende herausstellte, daß alles keineswegs ein Zufall war, habe ich mich umso mehr gefreut.

Was mich oft bei anderen Büchern stört, sind Schilderungen von Träumen, die nur vage erläutert werden und damit ziemlich diffus bleiben. Hier wird die Drachenvision recht zeitnah aufgelöst. Auch die allererste Szene, eine andere beliebte Stelle für Unklarheiten, wird vollständig geklärt. Schön fand ich ebenfalls, daß die Ringgeschichte und das Versprechen am Ende wieder aufgegriffen werden.



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Re: Drachenseele #51014
21/09/05 11:11 AM
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Und genau wegen dem, was du da oben geschrieben hast, ist "Zwergenmaske" auch mein Lieblingsbuch unter denen, die ich bis jetzt aus der DSA-Reihe hab. Habs schon drei- oder viemal gelesen und es ist immer wieder spannend.

Nur den Schluss find ich ein klein wenig überstürzt, da hätte sich Frau Nöth mehr Zeit lassen und etwas ausführlicher sein können. Aber sonst kann ich nicht meckern.


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Re: Drachenseele #51015
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Das empfand ich ganz ähnlich. Die gute Martina könnte ruhig auch mal wieder einen DSA-Roman schreiben (auch wenn ich den Zweiteiler, den sie vor zwei oder drei Jahren geschrieben hat, etwas schwächer fand).

Last edited by Ralf; 21/09/05 01:16 PM.
Re: Drachenseele #51016
21/09/05 04:38 PM
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Was ist denn eigentlich die Zwergenmaske ?



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Re: Drachenseele #51017
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Lies das Buch!

DSA-Kurzgeschichtensammlung #51018
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Ganz unscheinbar im Fanpro-Shop unter "angekündigte Artikel" entdeckt:
Die neue DSA-Kurzgeschichtensammlung wird wohl "Unter Aves Schwingen" heißen und im Dezember oder Januar erscheinen.


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Re: DSA-Kurzgeschichtensammlung #51019
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Bei alveran.org haben sie die Liste der künftigen Erscheinungen aktualisiert: Demnach erscheint "Klingenschwestern" statt im Oktober im November, während es bei "Goldener Wolf" mittlerweile schlicht "2006" heißt. Kann also wohl noch dauern.
"Unter Aves Schwingen" ist hier für Januar terminiert.

Re: DSA-Kurzgeschichtensammlung #51020
27/09/05 07:56 PM
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Terminator, wie ?



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Re: DSA-Kurzgeschichtensammlung #51021
30/09/05 10:58 AM
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Splitter zum Jahr des Greifen :

In Antwort auf:

Original von Irian
In Antwort auf:

Original von Tankred
Elmore hat die Cover zu Jahr des Greifen gezeichnet; was wohl auch eindeutig zu erkennen ist, wenn man Elmores Stil kennt...



Wobei Bernhard mal erzählt hat, dass das Cover zuerst da war und er dann erst passende Szenen dazu geschrieben hat. Auch ne Methode!






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Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns #51022
10/11/05 11:23 AM
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Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns

Nach dem er alles verloren hat, bekommt Brindiji(a)n, der Beni Bornrech auf, den Auftrag, eine geheime Botschaft ins Schwarz-Maraskanische Jergan zu bringen. Er schließt sich einer Reisegruppe an. Mit sieben Reisegefährten geht es in den Dschungel. Schon bald ist klar, dass nicht alle wieder herauskommen werden.

Der Plot, eigentlich eine simple Reisegeschichte, wird in sechzehn Kapiteln abwechselnd von zwei Rur-und-Gror Priestern erzählt, die sich nicht nur über den Namen des Helden uneins sind. Dieser Trick der “erzählten Erzählung” erlaubt dem Autor noch weitere Kniffe, wie Voraussagen, nachgeschobene Ergänzungen und Erläuterungen des Erzählers. Diese unorthodoxe Vorgehensweise birgt natürlich Gefahren, doch – um es vorweg zu nehmen – Markus Tillmanns schafft es hervorragend, eventuelle Klippen zu umschiffen.
Die Geschichte ist nicht unbedingt komisch, doch humorvoll geschrieben, immer mit einem Augenzwinkern, schwarzhumorig skurril. Und: Sie bleibt bis zum Schluss spannend.

Ich möchte hier nichts weiter von der – zugegebenermaßen – dünnen Story erzählen. Nur drei Sachen: Bald nach dem betreten des Dschungels begann es mich als Leser vor lauter Geziefer zu jucken – und ich bin weder empfindlich, noch arachnophob. Die Auflösung des Rätsels ist maraskanischen Zahlenlogik in einer Sherlock Holmes Variation. Und die Schlusspointe ist gelungen.
Bevor ich mich aber in völliger Lobhudelei ergehe, zwei “Meckerpunkte”: Der Held wirkt in langen Passagen unnötig unbeholfen und naiv, was dem Bild, das er zu Beginn und am Ende der Geschichte abgibt wiederspricht. Und, etwa im dritten Viertel wird das ewige durch den Dschungel Gelatsche etwas ermüdend, hier hätte man bei immerhin 350 Seiten etwas kürzen können.

Markus Tillmanns dritter Roman, nach dem – für meinen Geschmack – schwachen “Daimonicon” und dem, bis auf den wirren Schluss, gelungenen “Todgeweiht”, hat mir sehr viel Lesevergnügen bereitet.
Ich vermute, dass die Form der Erzählung stark polarisieren wird, einige den Roman für schlichtweg sch... halten werden. Andere werden ihn lieben, und nicht nur Rollenspieler, die auf das “Maraskan-Szenario” stehen.
Auch Leute, die nicht in Aventurien zuhause sind, sollten damit klarkommen, die kurze Einleitung “Brief eines darpatischen Söldners an seine Geliebte”, sollte genug Hintergrundwissen vermitteln – wirklich beurteilen kann ich das nach etwa 90 DSA-Romanen wohl nicht mehr. Zu wünschen wäre es ihm, bietet das Buch doch einige Stunden Lektüre – ohne Schenkelklatschen, aber mit Dauergrinsen.

Daumen hoch.


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Re: Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns #51023
12/11/05 01:52 PM
12/11/05 01:52 PM
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MARASKENGIFT von Markus Tillmanns:

Tja, mein lieber Schweige, so einig wir uns sonst auch meistens sein mögen - bei Markus Tillmanns scheinen sich unsere Geister doch zu scheiden ...
Tillmanns´ erste Romane "Das Daimonicon" und "Todgeweiht" haben mir beide gut gefallen. Seine Fähigkeiten wurden darin schon klar ersichtlich: Er hat einen gut lesbaren, flüssigen Schreibstil, einen erfrischenden Humor und vor allem die Fähigkeit, eine unheimlich spannende, gruselige Atmosphäre aufzubauen!
Ebenso offensichtlich wurde aber auch seine große Schwäche: Daß er nämlich bislang nicht wirklich in der Lage ist, eine durchgehend überzeugende, stringente Handlung zu ersinnen. Das hatte auch zur Folge, daß ich beiden Romanen über weite Strecken begeistert war, aber je näher das Ende kam, desto enttäuschender wurde die Story und ihre Auflösung - und gerade der Schluß bleibt dem Leser natürlich besonders im Gedächtnis.

Nun, eines muß ich Tillmanns lassen: In "Maraskengift" hält er das Niveau der Geschichte bis zum Ende auf annähernd gleichbleibendem Level - nur ist das leider nicht allzu hoch ...
Zur Handlung hat Schweige ja schon etwas erzählt, deshalb erspare ich mir das.
Jedenfalls war ich sehr frohgemut an das Buch herangegangen, zumal es Tillmanns gelungen ist, selbst Pflichtaufgaben wie das Glossar oder die Dramatis Personae mit humorigen Sprüchen aufzulockern und lesenswert zu gestalten. Und der Kniff mit den beiden Erzählern, die die Geschichte etwas anders im Gedächtnis haben - sehr vielversprechend!
Leider kam schon bald die Ernüchterung. Die Idee mit den Erzählern ist zwar grundsätzlich gut - in der Art ihrer Ausführung aber über weite Strecken komplett überflüssig. Die veränderten Details beschränken sich auf Dinge, die für die Geschichte fast grundsätzlich unwichtig sind und die je nach Kapitel veränderten Namen bzw. Geschlechter der Figuren verwirren letztlich eher - was zugegebenermaßen auch daran liegt, daß gerade der Name des Protagonisen Brindijin bzw. Brindijian immer wieder vom Autor (bzw. dem Lektor) selbst verwechselt wird!
Zwar halte ich FanPro zugute, daß die aktuellen DSA-Romane wesentlich weniger Tippfehler u.ä. enthalten als die ersten, aber dafür wirken die verbleibenden gerade in solchen Situationen natürlich umso nerviger ...
Aber letztlich ist diese Erzählstruktur in meinen Augen zwar überflüssig bzw. ihr Potential verschenkt, aber das schadet dem Buch eigentlich noch nicht.
Schlimmer ist, daß ich "Maraskengift" weder so amüsant noch so spannend wie die Vorgänger fand! Die dämonischen Perversionen von Schwarzmaraskan sind zwar glaubhaft rübergebracht (auch wenn die Beschreibung manchmal sehr oberflächlich bleibt, v.a. beim Monster in der Höhle), aber irgendwie habe ich die Raffinesse vermißt, die Tillmanns im "Daimonicon" und in "Todgeweiht" ausgezeichnet hat.
UND ich fand die Hauptfigur Brindijin/Brindijian nicht nur etwas naiv - in vielen Situationen war sie schlichtweg so dämlich, daß es mir fast schon körperliche Schmerzen bereitet hat ...
Und schließlich, wie üblich, das Finale. Daß die Auflösung letztlich in einem seitenlangen Monolog á la Hercule Poirot besteht, wo alle Details zusammengeführt werden, mag ja manchem Gefallen. Aber ich finde so etwas eher nervig, zumal dann, wenn die Auflösung zwar durchaus logisch ist - aber für den Leser alleine schlicht und ergreifend nicht zu finden ist! Das ist eine Gängelung des Lesers, die in Krimis zwar nicht selten ist, ich aber einfach absolut nicht abkann, sorry.
Davon abgesehen werden mir in diesem Finale auch zu viele Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet.

Aber immer mit der Ruhe! Das waren jetzt viele Kritikpunkte, doch SO schlecht ist das Buch nun beileibe auch wieder nicht.
In der Tat sind Tillmanns´ Fähigkeiten ja nicht einfach verschwunden. "Maraskengift" IST durchaus amüsant und auch spannend - nur halt nicht in dem Ausmaß wie in seinen vorangegangenen Romanen (zumindest aus meiner Sicht - Schweige scheint das ja etwas anders zu sehen ).

Aber das mit Abstand größte Verdienst von Markus Tillmanns ist es definitiv, daß er hier einen wahrhaft aventurischen Roman vorgelegt hat! "Maraskengift" strotzt nur so vor aventurischen und natürlich speziell maraskanischen Details, daß es für einen DSA-Fan eine wahre Freude ist (das fand ich übrigens auch am besten an der ansonsten arg konstruierten Auflösung). Witzig auch, daß das Buch Karl-Heinz Witzko gewidmet ist, dessen beliebte Romanfigur Scheijian sogar einen kleinen Gastauftritt hat.

Fazit: Meiner Meinung nach ist "Maraskengift" Markus Tillmanns´ bislang schwächstes Buch. Ich vermute fast, er hat sich vielleicht so sehr darauf konzentriert, seine große Schwäche (die fehlende Konstanz des qualitativen Niveaus der Geschichte) auszumerzen (was ihm recht gut gelungen ist), daß er dabei seine großen Stärken (Humor und Spannung) etwas vernachlässigt hat.
Deshalb hat er nach zwei IMHO guten Büchern mit Schwächen nun ein sehr durchschnittliches Buch geschrieben, das weder positiv (abgesehen vom aventurischen Detailreichtum) noch negativ sonderlich aus der Masse herausragt. Aufgrund meiner persönlichen Abneigung gegen die spezielle Art der Auflösung des Krimiplots fällt meine Bewertung noch ein klein wenig schlechter aus, das ist aber wirklich rein subjektiv.
Note 3-.

Dennoch bleibe ich dabei, daß der noch junge Autor Tillmanns (der ja immerhin erst bei einem DSA-Kurzgeschichtenwettbewerb entdeckt wurde!) ein großes Talent ist, von dem man noch viel erwarten kann.

Last edited by Ralf; 12/11/05 01:54 PM.
Re: Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns #51024
12/11/05 06:23 PM
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Ragon_der_Magier Offline
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Na sowas - und ich dachte schon, ich bekomm´ von Ralf nie etwas wie einen ernsthaften Verriß zu lesen!

Es geschehen noch Zeichen und Wunder...


Re: Rezension “Maraskengift” von Markus Tillmanns #51025
13/11/05 01:09 PM
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Ralf Offline OP
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Na hör´ mal, ein Verriß ist das bei einer 3- ja wohl wirklich nicht! Wenn du ein paar Jahre zurückgehst - da waren echte Verrisse leider unumgänglich, weil in der DSA-Reihe wirklich einige Gurken (Büchner, Rumpel) veröffentlicht wurden. Heute ist das zum Glück nicht mehr der Fall.

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