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Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: harganaxki] #601032
17/03/17 01:20 PM
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Das Interessante an der Sache ist: Ich glaube nicht mal, daß es sich um Horrorszenarien handelt - sondern schlichtweg um (Welt-)Politik! Jedes Land verfolgt eigene Interessen und würde am liebsten alles für sich selbst haben. Einige Länder bzw. Bündnisse haben halt auch die Macht, das zumindest mal zu versuchen. Die Frage ist: Läßt man das mit sich machen? Und wenn ja, in welchem Ausmaß und von wem?

Aber rumzuheulen im Sinne von "Buuäääähhhh!!! Die Amis wollen uns plattmachen!!!" und sich dann einem psychisch kranken, pathologisch ehrgeizzerfressenen und an Verfolgungswahn leindenden Egomanen hinzugeben in der Hoffnung, daß er das doch bitte verhinden wisse - DAS ist einfach bescheuert. Zumal die AKP mit nur sehr wenigen Ausnahmen auch nichts an der Abhängigkeit der Türkei von den USA geändert hat - im Gegenteil. Wenn man sich mal die Personalrochaden in den etwas unteren diplomatischen Ebenen anschaut, kann man bisweilen erkennen, daß amerikafreundliche Herrschaften den Vorzug erhalten. Gleichzeitig hat man sich - vermutlich gekitzelt von der NATO - mit den Russen angelegt und sich damit fast eine weitere Kooperationsoption vermasselt.
Man munkelt, daß seit geraumer Zeit mit arabischen Ländern über stärkere finanzielle Zusammenarbeit verhandelt wird... das behaupten zumindest jene AKP-Jünger, mit denen man zumindest teilweise politisch diskutieren kann. Das ist dann ihr Argument dafür, daß ihr Führer ja alles daran setzt, die Türkei so unabhängig wie möglich zu machen.

Wer's glaubt...

Aber dieses Jahr 2023... sofern Erdoğan vorher nicht stirbt, wird das meiner Meinung nach wirklich ein Schicksalsjahr für die Türkei. Denn da jährt sich auch die Republik zum 100. Mal - und es ist seit Jahren das Ziel von Erdoğan, quasi als der neue Obervater der Türken in die Geschichte einzugehen... und damit Atatürk zu ersetzen. Deswegen will er das Präsidialsystem, das ihm nicht nur die absolute Macht sichert, sondern eben auch seine Regierungszeit über dieses symbolträchtige Jahr 2023 hinaus verlängert.


Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"
Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: bigclaw6] #601848
05/04/17 04:52 PM
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Originally Posted By: bigclaw6

Wo ist Ddraiggy??? So langsam mache ich mir wirklich Sorgen!!!


Inzwischen mache ich mir auch Sorgen. So lange nichts von ihm zu hören ist schon ungewöhnlich, auch wenn es hier allgemein sehr still geworden ist.

Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: Namara] #601854
05/04/17 07:27 PM
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Namara, ich wundere mich auch, wo Alle abgeblieben sind. think

Ja, es ist wirklich sehr still hier geworden!!! Das macht mich traurig. Ach, wenn ich an die früheren Zeiten denke....


Genieße Dein Leben ständig, denn Du bist länger tot als lebendig.
Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: harganaxki] #602370
16/04/17 04:41 PM
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Wie es aussieht, wird sich Erdogan mit am Ende wohl 51% der Stimmen zum Sultan krönen lassen. Das Perverse daran: Die Abstimmung unter den Inlandstürken hätte er offenbar verloren, entscheidend waren die im Ausland lebenden Türken (in Deutschland z.B. 54% Ja-Stimmen, wenn ich das richtig mitbekommen habe). So entscheiden also Menschen, die mit den realen Lebensverhältnissen in der Türkei im überwiegenden Fall vermutlich kaum noch zu tun haben, für diejenigen, die tatsächlich jeden Tag mit den Konsequenzen werden leben müssen ...

Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: harganaxki] #602382
16/04/17 06:27 PM
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Nun ja, ein Erfolg des Nein-Lagers war nicht wirklich zu erwarten gewesen.
Abgesehen davon, selbst wenn er verloren hätte, dann wäre halt Plan B an der Reihe gewesen, um trotzdem zum gleichen Ergebnis zu kommen. Ist halt nicht so, dass er sich sonderlich für demokratische Gepflogenheiten die ihm im Wege stehen würden interessiert.

Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: Steffen] #602398
16/04/17 10:23 PM
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Originally Posted By: Steffen
Nun ja, ein Erfolg des Nein-Lagers war nicht wirklich zu erwarten gewesen.

Ganz im Gegenteil... viele der Vorhersagen und Umfragen (außer die ganz besonders parteiischen) haben ein enges Rennen prognostiziert... und sogar das Nein-Lager teilweise vorne gesehen. Das wurde auch durch die Tatsache genährt, daß es selbst unter den Anhängern der regierenden AKP und des diesmnaligen Steigbügelhalters MHP (die Ultranationalisten) nicht wenige Kritiker an der neuen Verfassung gab - auch der eine oder andere Prominente Ex-AKPler hat sich offen gegen eine Verfassungsreform ausgesprochen.

Das ist auch nicht besonders überraschend: Man muß sich bei der AKP einfach vor Augen halten, daß sich unter ihrem Dach die überwältigende Mehrheit der Konservativen im Land versammelt. Die früheren konservativen Parteien sind nicht mehr der Rede wert, wer also früher z.B. die DYP oder ANAP gewählt hat, wählte zuletzt die AKP (neben den sowieso religiös motivierten Wählern natürlich). Nicht alle von diesen Wählern sind aber mittlerweile verblendete Erdoganisten... und wollen sicher kein auf einen starken Führer zugeschnittenes Präsidialsystem.

Hinzu kommt die innere Zerrissenheit der Ultranationalisten der MHP, mit denen Erdogan in dieser Frage gemeinsame Sache gemacht hat, um überhaupt die Volksbefragung durchs Parlament zu bringen. In der MHP tobt seit geraumer Zeit ein erbitterer Machtkampf um den Vorsitz und auch die Ausrichtung der Partei. Der aktuelle Parteichef hat seine Zukunft de facto an den positiven Ausgang der Volksbefragung geknüpft... sich für "JA" ausgesprochen und auch harten Wahlkampf dafür gemacht. Seine Konkurrentin hingegen gleichermaßen verbittert "NEIN" propagiert. Warum der Parteichef ausgerechnet auf den Erdogan-Kurs umgeschwenkt hat, ist bisher nicht wirklich bekannt... aber aufgrund der innerparteilichen Kämpfe war nicht davon auszugehen, daß die gesamte MHP-Wählerschaft geschlossen mit "JA" stimmen würde.

Folglich ging ich mit leichter Zuversicht an die Sache ran und ging tatsächlich von einem möglichen NEIN-Sieg aus. Wenn, aber dann nur äußerst knapp. Am Ende ist es relativ knapp anders herum gekommen. Aber wenn man die traditionellen 5-10% gestohlenen/gefälschten Stimmen, die massive mediale Bevorzugung der NEIN-Fraktion und die gesammelte Macht des Regierungsapparats beim Wahlkampf betrachtet, war das Ergebnis "erfreulich" knapp.
Ich bin mir sicher, daß das auch Erdogan und seine Kumpanen wissen. Sie haben jetzt zwar demnächste ihre neue Verfassung, aber sie werden dennoch mit einiger Vorsicht vorgehen, denke ich, denn kein Volk läßt sich unendlich lang verarschen - und am Ende reichen dann paar Wasserwerfer und Gasgeschosse auch nicht mehr aus.

Auf jeden Fall ein trauriger Tag für die Türkei, aber was genau dabei herumkommt, werden wir sehen.


Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"
Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: harganaxki] #602412
17/04/17 08:35 AM
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Erstmal eine Korrektur: Ich weiß nicht, wo gestern die 54% herkamen, die ich gehört hatte, aber tatsächlich haben sogar erschreckende 63% der Deutschtürken Erdogan gewählt - bei allerdings einer Wahlbeteiligung von unter 50% (in der Türkei: über 85%!). Interessant ist, daß es Länder gab, in denen das ganz anders lief, z.B. USA und Spanien; wobei dort aber natürlich auch deutlich weniger Türken leben als in Deutschland.

Grundsätzlich muß ich aber auch sagen, daß ich fast schon positiv überrascht bin, daß Erdogan bei allem, was er eingesetzt hat - allen voran der extrem einseitigen Medienberichterstattung in der Türkei - im eigenen Land nur ein 50:50-Ergebnis erreicht. Und umso ärgerlicher finde ich es eben, daß die Auslandstürken das letztlich entschieden haben (oder doch Wahlbetrug, aber ich schätze, in dem Fall wäre es deutlicher ausgegangen).

Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: harganaxki] #602475
18/04/17 07:06 AM
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Eben durch die engen Umfragen fand ich den Ausgang nicht überraschend. Dass die Wahl nun alles andere als wirklich fair abläuft war ja schon im Wahlkampf erkennbar. Und in so einem Fall verschieben sich enge Umfragen halt eindeutig in die eine Richtung.

Nicht nur Deutschland hatte beeindruckende Ergebnisse - Niederlande 71 %, Österreich 73 % und Belgien 75 %. Vielleicht lassen die Briten deswegen niemanden mit wählen, die mehrere Jahre außer Landes sind. Dabei war die mediale Präferenz in den Ländern doch eindeutig beim Nein.


Menschenrechtliche und demokratische Idealisten trifft man üblicherweise bei nicht direkt Betroffenen, fern ab in rechtlicher und wirtschaftlicher Sicherheit, die dann den tatsächlich Betroffenen erklären, wie diese sich gefälligst zu verhalten haben. Ob die einen nun einfach im Portemonnaie messbare wirtschaftliche Verbesserungen wünschen oder die anderen ihr Heimatland (und Ferne verbindet noch viel mehr) von den anderen Regierungen nicht mehr von oberen herab behandelt sehen wollen, die demokratischen Segnungen spielen im Alltag meist keine große Rolle.
Aber mal abwarten, wenn die Wirtschaft nicht funktioniert.

Jetzt wird es aber spannend, was er als nächstes so anstellt. Fertig ist er sicherlich noch nicht.

Immerhin kennen nun zumindest 90 % der Deutschen zwei türkische Worte, die sie zukünftig im Urlaub wohl erst mal nicht mehr brauchen werden.

Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: harganaxki] #602484
18/04/17 10:56 AM
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Interessant: In Großbritannien gibt es wegen des internen Brexit-Streits völlig überraschend Neuwahlen schon im Juni (eigentlich erst 2020). Ob der Brexit also doch noch einmal wackeln könnte? Angesichts des desolaten Zustands der Labour-Partei sieht es derzeit allerdings eher so aus, als könnte May ihre Mehrheit deutlich ausbauen. Der Wahlkampf dürfte jedenfalls interessant (und schmutzig) werden - und die Situation um das neue Unabhängigkeits-Referendum der Schotten (das es dann wohl 2018 geben könnte, falls es bis dahin nicht doch überflüssig wird) spielt ja auch immer noch mit rein ...

Re: immer wieder gern genommen - die aufreger [Re: Ralf] #640641
13/01/18 07:26 PM
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Beklemmender Bericht des Bloggers und Journalisten Richard Gutjahr, der infolge eines Zufalls (er war sowohl beim Terroranschlag von Nizza vor Ort als auch wenig später beim Amoklauf in München) zum Zentrum rechter Verschwörungstheorien wurde und seit eineinhalb Jahren quasi nur noch mit den Folgen kämpft:

"Unter Beschuss"

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