Zwischen Niedergang und Tod lag ein weiter Weg.

Doch nun, wo das Ende greifbar nahe war, schienen Stunden sich in Jahre zu wandeln und die Tage flossen so träge dahin wie Jahrhunderte. Das letzte Kapitel war nur ein winziger Tropfen im Strom der Zeit, doch er brannte angesichts dieses Tropfens in quälender Rastlosigkeit und Ungeduld. Nichts sehnte er sich mehr herbei, als das Ende all dessen.

Und sie ? Sie hatten nichts besseres zu tun, als sich von einer misslichen Lage in die nächste zu stürzen. Sie riskierten sich und das, was ihnen anvertraut wurde, in leichtsinnigen Unternehmungen - offenbar nicht begreifend, welches Schicksal auf sie vertraute.

Erneut hatte er überlegt, ob er nicht seinen Weg allein fortsetzen sollte. Er konnte die Karten und Artefakte an sich nehmen und es zu Ende bringen. Es konnte doch nur ein unglücklicher Zufall sein, das so wichtige Dinge in die Hände dieser Ahnungslosen gelangt waren. Ein bitterer Scherz dieses Schicksals, das ausgerechnet von jenen alles abhängen sollte. Was hielt ihn also davon ab, sich zu nehmen was er brauchte und zu gehen ?

"Eben dieses Schicksal..." flüsterte eine fast vergessene Stimme in den Tiefen seines Herzens. "Und du, du hast am wenigsten von allen ein Recht, das Schicksal anderer in Frage zu stellen.... Sie werden ihren Weg gehen müssen, so wie du deinen Weg gegangen bist. Nichts geschieht ohne tieferen Sinn und es ist nicht an Dir, zu beurteilen ob sie versagen werden oder nicht."

Und wenn sie versagen ? Was bleibt dann von der Welt ?

"Was bleibt, ist Tod und Asche. Aber ist es nicht immer das, was stets von allem bleibt was einst gewesen ? Denke nicht daran, was bleibt wenn sie versagen. Denke daran, was sie erreichen können, wenn sie erfolgreich sind. Denn dann liegt die Welt wahrhaft und einzig in den Händen ihrer Völker. Kein Schatten der Mächtigen wird länger über ihre Zukunft fallen, sei er hell oder dunkel. Die goldenen Tage der Etheran gehören der Vergangenheit an, so oder so."

Aber die Zeit ! An jedem Tag den sie vergeuden, wird SarSareth ein Stück mehr von seiner alten Macht zurückerlangen. Jahrtausende verharrte der Schattenweber in seiner Lethargie des Schmerzes - und nun ging alles so schnell. Welche Chance blieb ihnen denn noch, wenn er erst gänzlich erwacht wäre ?

"Die Zeit ist gleichsam Herrscher über Bettler wie über Könige. Sie mag für ihn anders fliessen wie für jene, die danach trachten ihn aufzuhalten - doch flieht sie ihn nicht. Sorge dich nicht um die Zeit. Sorge dich nur darum, das du dich zur rechten Zeit an den Namen erinnerst, den du einst getragen hast. Denn sonst ist alle Zeit für dich vergebens geflossen...."


Die Stiefel des Streuners knirschen auf dem steinigen Grund und holen den Reisenden aus seinen Gedanken. Sein Zorn war verflogen und seine Ungeduld gemildert. Je besser er dem Schicksal zur Seite stand, das die Gefährten führte, desto eher würde es vollbracht sein. Langsam öffnet er die Augen. Er sollte sehen, was es für ihn zu tun gab.