Bereits seit einer ganzen Weile beobachtet der Priester und seine Ritter den entfernten Feuerschein. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit hatte ein Schleier das Licht zu verbergen gesucht, doch der Priester und seine Gefolgsmänner hatten sich von dem allzu offensichtlichen Tarnzauber nicht täuschen lassen.

"Sie sind entweder sehr dumm oder sich ihrer Sache sehr sicher!" raunt er zu einem der Ritter, der genau neben ihm steht.
Ärger ist in seinem Gesicht zu erkennen, Ärger darüber, dass er tatsächlich dem Schwur des Hüters Vertrauen geschenkt hatte. Er hätte es besser wissen sollen - der Prälat gilt in Rechem nicht als ehrenvoll, sondern als machtbesessen und verschlagen. Und wenn sich auch seine Hüter für ehrbar halten mögen - der Priester weiß sehr wohl, dass ihre Ehre vor allem auf ihrer unerreichten Arroganz fusst. Die Hüter waren sehr schnell mit großen Schwüren bei der Hand - doch sollten sich diese Schwüre zu ihrem oder ihres Prälaten Nachteil erweisen, waren sie ebensoschnell vergessen. Lediglich Ferrwar galt unter den Priestern als vertrauenswürdig. Beseelt von der Kraft des alten Hüterkodex war er ein Mann, den die Priester sehr schätzten und dessen bloße Anwesenheit bei den ermüdenden Verhandlungen mit dem Prälaten dafür sorgte, dass ein letztes bisschen Achtung vor den Hütern bei den Nachbarvölkern bewahrt wurde. Die Erwähnung Ferrwars mochte es auch gewesen sein, die den Priester zu seinem unangebrachten Vertrauen gegenüber dem jungen Hüter verleitet hatte. Einen schlechten Dienst hatte der junge Hüter seinem Ziehvater erwiesen, und jede Chance auf Vertrauen endgültig verspielt.

Eine Weile schweigt der Priester nachdenklich.
"Wir könnten sie mit einer einzigen Attacke über den Haufen rennen!" schlägt der Ritter neben ihm im Flüsterton vor. "Broadwin meint, sie hätten nichtmal Wachen aufgestellt - selbst, wenn man *nicht* verfolgt wird, ist das in dieser Gegend ausgesprochen dumm und lebensmüde, wenn Ihr mich fragt..."

Abwehrend hebt der Priester die Hand. "Wir sollten nichts überstürzen. Der Tod dieser Gruppe ist keine Lösung. Ich habe sehr wohl gespürt, dass die Wildschweine und Wargs von Undar geschickt wurden. Wenn es Undars Wille war, diese Menschen und Elfen zu befreien, dann sollten wir besser nachfragen, warum das so ist. Immerhin stehen wir auf der gleichen Seite, und ich spüre, dass uns diese hier nicht wirklich feindlich gesonnen sind. Schicke einen Mann zurück nach Rechem und bitte den Herzog um Verstärkung. Er soll einige seiner besten Ritter und Waldläufer schicken, denn eine große Bedrohung ist mit diesen ... Abenteurern verbunden."

"Aber, Herr..." entgegnet der Ritter, noch immer flüsternd und sichtbar verwirrt. "Soeben sagtet Ihr doch, dass sie uns nicht feindlich..."

"Die Bedrohung, die ich spüre, ist mit diesen da verbunden, doch sie geht nicht von ihnen aus. Wir sollten nichts unternehmen, solange wir nichts Näheres wissen."

Verstehend nickt der Ritter. "Der Hüter?" fragt er.
"Ein ganz normaler Hüter." knurrt der Priester. "Arrogant, skrupellos und egoistisch. Für einen Moment hatte ich geglaubt, den Alten Kodex in ihm zu sehen. Doch Ferrwar scheint seine Mühe an ihm vergeudet zu haben..."

Erneut nickt der Ritter. "Ferrwar - das ist noch einer der Großen! Einer der letzten *wirklichen* Hüter! Mit einem Mann wie Ferrwar hätte ich ohne zu zögern Seite an Seite gekämpft, bis in den Tod! Zu schade, dass sich sein Geist bei den jetzigen Hütern des Prälaten nicht durchsetzen kann. Und wenn sogar sein eigener Ziehsohn..." Der Ritter schweigt, doch es ist auch so klar, wie der Satz zu beenden wäre.

"Und der Magier? Er muss für seine Verbrechen bezahlen! Einer der Männer, die er tötete, war mein Cousin! Und vermutlich wird er jetzt mit seiner geschmeidigen Zunge seine 'Befreier' von seiner angeblichen Unschuld überzeugen..." fährt er schliesslich fort.

"Alles zu seiner Zeit." entgegnet der Priester. "Ich spüre, dass auch er noch eine Rolle zu spielen hat. Schicke jetzt einen Mann los, und sorge dafür, dass wir Verstärkung erhalten."