Der Marsch war anstrengend. Nichts hasste Rashida mehr, als stundenlang durch die Gegend zu gondeln und vor Anstrengung nicht einmal mehr ordentlich reden können.

So hing sie ihren Gedanken nach, achtete dabei aber auch auf die Umgebung.
Sie liess ihre Erinnerung weit zurück schweifen, irgendwo musste sie doch einen Anhaltspunkt für das jetzige Verhalten ihres Gottes finden!

Bei ihrer Geburt wurde das "Mal" gefunden, so haben es ihre Eltern zumindest erzählt. Seltsamerweise verschwand es kurze Zeit später wieder und sie musste nicht ausgesetzt werden. Also wuchs sie ganz normal in ihrem Dorf auf. Naja, was man zumindest als normal bezeichnen konnte. Ihr Dorf liegt direkt unterhalb des Tempels von Undar inmitten einer tristen Sandwüste. Die einzigen natürlichen Bewohner sind die Ignamaer, deren Wohngebiet, der Vulkan Lavar InnSal, gute drei Tagesmärsche von ihrem Dorf entfernt liegt. Man sah sie selten, am ehesten nachts zur Brunftzeit durch die Lüfte fliegen.
Rashida überlegte weiter: mit 5 Jahren war sie dem Tempel verkauft worden, da ihre Eltern das Geld dringend brauchten. Sie hegte keinen Groll auf ihre Eltern, da dies sehr oft vor kam. Sie war froh, dass sie im Tempel sein durfte, da war das Essen viel besser und sie wusste, dass sie, mit der entsprechenden Eignung, später die Kampftechniken gelehrt bekam.

Die Zeit verging und Rashida machte einen Sprung zu ihrem 13. Lebensjahr.

Damals wurde sie als Tempelwächter aufgenommen. Durch ihre Gabe der Telepathie und des inneren Auges war sie schnell etwas besonderes bei den Priestern geworden. Sie hatte die Aufgabe, vom höchsten Wachturm aus die Gegend zu beobachten. Auch wenn keine direkte Gefahr drohte, so konnte sie ankommende Reisende schneller bemerken und man konnte sich darauf vorbereiten.
Für Rashida selbst war die Aufgabe langweilig und stupide. Aber sie kam ihr pflichtbewusst nach.

Nach zwei Jahren wurde beschlossen, Rashida in die Reihen der Krieger aufzunehmen. Sie bestand die schwere Prüfung. EIn leises Lachen entrann ihrer Kehle, als sie daran dachte, was ihre Prüfung gewesen war. Sie musste alleine in eine bestimmte Höhle gehen. Normalerweise hauste dort ein grosser Sandskorpion. Dieser würde einen besonderen Gegenstand bewachen, den sie holen sollte. Rashida wusste von den Erzählungen anderer, dass sie dem Skorpion nur ein Stück Fleisch mitbringen musste, um den Gegendstand zu erhalten. Doch leider war zu ihrem Besuch der Skorpion nicht in der Höhle. Also nahm sie das Schwert und ging einfach wieder.

Als Belohnung durfte sie das Schwert behalten. Und dann geschah es: das Schwert begann rötlich zu leuchten. Am Knauf erschien eine seltsame Rune, die bläulich pulsierte. Ein helles Licht umstrahlte Rashida, die verwirrt und mit zusammengekniffenen Augen dastand und ungläubig schaute.
Laut und mächtig erschallte die Stimme ihres Gottes: "Ich habe Rashida erwählt. Sie soll meine heilige Kriegerin sein! Gebt ihr das beste Training, die beste Ausrüstung und macht sie für eine anstrengende Reise bereit! Näheres findet ihr hier!" Bei diesen Worten erschien in der Hand des Hohepriesters eine geschlossene Truhe. Undar verschwand wieder. Rashida fasste sich und wollte wissen, was in der Truhe ist. Es befand sich eine Karte darin, die den Fundort einer anderen Karte beschrieb. Daneben lag ein Schreiben, das Instruktionen über ihre Ausbildung enthielt.

Seit diesem Tag war alles anders für Rashida, wie sie mit Bedauern feststellen musste. Ihr Training war härter, sie wurde von ihren bisherigen Kameraden gemieden und niemand wollte mehr mit ihr Streifzüge unternehmen.
Nach drei Jahren war sie soweit. In einem feierlichen Ritual wurde sie Undar geweiht, sie bekam ihr Ritualgewand und durfte das erstemal die Feierlichkeit zu Ehren Undars durchführen.

Rashida kehrte aus den Erinnerungen zurück, da Glance sie darum bat, ihr eine Wasserflasche zu reichen. Nachdem sie das getan hatte, gab er sie ihr wieder gefüllt zurück.

Sie versank wieder in ihren Gedanken.

Nach dem Ritual... ja, sie bekam ihre Ausrüstung und machte sich auf die Suche nach der besonderen Karte. Es war nicht schwer, da die Karte von niemanden bewacht wurde. Allerdings fand sie in der Nähe des Podestes, auf dem die Karte ruhte, ein ungewöhnlich anmutendes Skelett. Anscheinend war der Wächter der Zeit erlegen, die die Knochen schon staubig waren und ganz glatt.

Sie nahm einen Schluck des Wassers und der mineralische Geschmack erinnerte sie an den Trank der Zusammenkunft, den sie nehmen musste. Niemand wusste, wofür er gut sei, zumindest hüllten sich die Priester in Schweigen. Doch es schien ihr, dass sie nach Einnahme des Trankes leichter die Stimme ihres Gottes hören konnte.

Nachdem die Karte gefunden war und die Priester herausgefunden hatten, dass sie ein Teil einer grösseren Karte war, die zu einem Tempel führte, in dem die Statue des Blutes stehen musste, war ihr Auftrag klar.

Sie wappnete sich und zog los.

Rashida endete hier mit ihren Erinnerungen. Was hatte sie bloss falsch gemacht?

Sie konzentrierte sich auf die Gegenwart und bemerkte erst jetzt die Burg, die steil vor ihnen aufragte. War sie wirklich so in Gedanken gewesen, dass sie nicht mehr auf die Umgebung geachtet hatte? Sie musste aufpassen, nicht, dass ihnen dadurch Nachteile entstanden.

Nachdem sie vorsichtig über die Steine geklettert war und den ganzen Komplex angesehen hatte, kam der Reisende daher und meinte, sie müssten aufpassen, irgendwas stimme nicht. Rashida bedachte den fremden Wanderer noch immer mit giftigen Blicken, liess sich aber sonst nichts anmerken.
Da war auch schon Stone mit der nächsten schlechten Nachricht, dass Bodasen verschwunden war.

Rashida achtete nicht mehr auf die anderen, sondern überlegte kurz, warum sie das Verschwinden des Magiers betroffen machte? Sie seufzte und wurde von einem lauten, krachenden Geräusch wieder aufgeschreckt.

Eine seltsame Kreatur brach durch die Tür und fiel den Halbelfen an. Rashida zögerte nicht lange, stellte sich mit Abstand hinter Stone, damit sie im Notfall eingreifen konnte. Sie versuchte, die Kreatur von der anderen Seite her zu beharken, verwarf den Gedanken aber wieder, als ihr einfiel, dass Big Claw und Alrik zumindest eine freie Flugbahn brauchten.

Sie schaltete ihr inneres Auge ein und sah die Kreatur ganz deutlich. Es war verwunderlich. Ihr wurde nur das Äussere des Biestes als feindlich angezeigt, das Innere war nicht böse? Das verstand sie nicht. Sie beschloss aber, nachher mit ihren Gefährten darüber zu sprechen.

Die Kreatur fiel endlich und Rashida war froh, dass sie nicht eingreifen musste. Ihr war klar, dass sie das Biest besser als Stone hätte abwehren können, da ihre Defensiv-Technik der des Hüters weit überlegen war, aber sie musste sich auch eingestehen, dass sie keine so kraftvollen Hiebe hätte austeilen können.

Sie will dem anderen Krieger gerade zu dieser Taktik gratulieren, da wird sie von einem Zwerg angesprochen.

"Oh, entschuldigt. Ich bin Rashida a'Rooc, die heilige Kriegerin Undars."


Quem dei diligunt, adulescens moritur. Titus M. Plautus