Mattes Fackellicht wirft unruhige Schatten auf die kleine Treppe, die den Weg ins oberste Kellergeschoß darstellt und erzeugt orange Reflexionen in den roten Pupillen der zwei Dunkelelfen, die diesen Zugang sichern. Lautlos und langsam nacheinander dazustoßend sammelt sich die kleine Gruppe und wartet am Fuße des Aufgangs. Prinz Alveriel wartet gelangweilt an eine Wand gelehnt und gähnt herzhaft, als Vigor aus einem Seitengang mit zwei Kriegern zu den anderen Drow stößt.
"Und?", fragt der Prinz ungeduldig, "War da nun was?"
Der Hauptmann schüttelt den Kopf, ihm ist deutlich der Groll über den Zweifel an seinen Fähigkeiten anzusehen: "Nein, mein Prinz, aber ich schwöre, ich habe da ein Geräusch gehört. Ich weiß genau, daß etwas da war." "Aber du hast nichts gefunden...", konstatiert der Drowprinz. "Schön. Können wir dann endlich weiter? Oder wollen wir uns noch länger damit aufhalten, Ratten nachzustellen?"
Vigor nickt, seine Wut herunterschluckend. Irgendwann würde er dem Adligen seine Arroganz heimzahlen, dessen war er sich sicher. Irgendwann... Laut sagt er jedoch nur: "Etwas mehr Vorsicht im Angesicht des Feindes wäre sicher nicht fehl am Platze!"
Alveriel dreht sich nicht einmal mehr um, als er auf die Treppe zugeht und über die Schulter hinweg raunt: "Nicht doch, ich habe vollstes Vertrauen in Eure Fähigkeiten, Hauptmann. Wenn ihr nichts gefunden habt, dann ist da auch nichts. Ihr könntet es Euch nicht leisten, mich in eine Falle zu locken. Ihr wißt so gut wie ich, daß ihr allein nicht zurückkehren könntet. Und gibt es ein jämmerlicheres Bild als einen ausgestoßenen Drow? Ich meine..."

In diesem Augenblick macht sich der Warlock plötzlich durch ein leises Zischen bemerkbar und hebt die Hand. Als sich Alveriel und Vigor umdrehen, sehen sie die verhüllte Gestalt vor dem Quergang stehen, der jenem genau gegenüberliegt, aus welchem der Hauptmann vorher gekommen war. Sich leicht hin- und herwiegend steht der Magus vor dem dunklen Gang und summt wieder vor sich hin. Seufzend erhebt der Prinz die Stimme, lauter als notwendig: "Was soll das jetzt? Kommen wir heute gar nicht mehr voran? Ich hatte ein wenig zu lange kein frisches Blut mehr an meiner Klinge." Von den umstehenden Drow kommt zustimmendes Gemurmel.

Der Warlock würdigt die anderen Dunkelelfen keiner Antwort, nimmt eine Fackel von der Wand nebenan und winkt lediglich einmal damit, in dem dunklen Gang verschwindend. Alveriel seufzt noch einmal, dann winkt er resignierend seinen Männern, ihm zu folgen und betritt die dunkle Öffnung ebenfalls.
Wenige Minuten später finden sich die Drow in einer riesigen Gruft wieder, mit großen Zwergenstatuen an den filigran gravierten Wänden und kunstvoll verzierten Steinsarkophagen in der Mitte, kreisförmig angeordnet. Das Fackellicht erhellt wenig und verliert sich rasch in der Tiefe der riesigen Gruft, aber es ist zumindest hell genug, um die angeborene Infravision der Drow nicht benutzen zu müssen. Der Warlock bleibt einen Moment am Rande eines Sarkophages stehen, das Bild in sich aufnehmend und dreht sich dann zu den Anderen um. Unmittelbar vor dem Prinzen bleibt er stehen, einen fiebrigen Glanz in den Augen, als er zischt: "Spürt ihr es, Prinz? Die arkane Macht, die uns umgibt? Die Zwerge müssen deswegen hier sein, die Energieströme sind ungeheuer... Spürt ihr die Energie, Alveriel?"

Unter den Drowkriegern verbreitet sich eine angespannte Unruhe. Die beklemmende Atmosphäre der Gruft ist durchaus spürbar. Die Luft ist irgendwie dicker...aber sonst? Der Prinz schluckt und weicht unwillkürlich einen Schritt zurück. Mehr als ein ungutes Kribbeln ist da nicht, aber das könnte jedwede Ursache haben. Er zuckt schließlich mit den Schultern und verneint.

Der Warlock nickt letztendlich und lächelt dann geringschätzig. "Das ist bedauerlich, mein Prinz, aber nicht zu ändern. Wisset jedoch, das wir nach Beendigung der Aufgabe an der Oberfläche wieder hierher zurück müssen. Das muß unbedingt näher untersucht werden! Diese Macht wird uns Kräfte verleihen, von denen Ihr nicht einmal zu träumen wagt, wenn wir es verstehen, das anzuzapfen, was hier ruht."
Der Prinz wirft dem Warlock einen mißtrauischen Blick zu und macht dann kehrt, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Er hat es eilig, diesen seltsamen Ort zu verlassen.


Wenn sie so überlegen sind, warum sind sie dann so tot?