Rashida antwortet dem Hüter leichthin: "Solche Geschichten finden sich viele in meinem Leben. Ich habe schon einiges erlebt."

Die Kriegerin ruft sich kurz ein Bild ihrer Stadt und des Tempels in ihr Gedächtnis: "Naja, von Stadt kann man nicht sprechen. Ich wurde in einem kleinen Dorf unterhalb des Tempels geboren. In der Nähe gibt es sonst auch keine andere Siedlung, einmal von dem Lebensraum der Ignamaer abgesehen. Zum Üben haben wir nur den Innenhof des Tempels, deshalb kam es zu diesem Zwischenfall."

Sie hält kurz inne, die Gedanken wollen gesammelt sein.

"Es ist üblich, dass die Zweit- und Drittgeborenen bei uns an den Tempel verkauft werden. Dort habe ich viel gelernt, zusammen mit Jungen und Mädchen meines Alters. Die meisten gehen nach der Ausbildung zum Wanderpriester auf Reise, um das Wort Undars in andere Städte und Gegenden zu bringen.
Einige wenige, die über bestimmte Kräfte oder Talente verfügen, bleiben im Tempel und werden als vollwertige Priester ausgebildet."

Rashida sieht, dass sich der Reisende und der Streuner bereits auf den Weg gemacht haben. Weiter redend geht auch sie langsam los.

"Undar ist es egal, ob ein Wesen männlich oder weiblich ist. Deshalb gibt es auch viele Priesterinnen bei uns. Allerdings kommt kaum eine Priesterin in den Genuss der Ausbildung, die ich absolviert habe. Doch da Undar mich selbst auserwählt hat, mussten die Hohepriester mich akzeptieren. Vor der ereignisreichen Zeremonie kursierten bereits Gerüchte, dass der nächste heilige Kämpfer schon fest stehen würde."


Quem dei diligunt, adulescens moritur. Titus M. Plautus