Der Weg zurück hatte ihn doch ein wenig mehr Zeit gekostet, als vermutet. Der Reisende erreicht den Rastplatz der letzten Nacht erst, als die Sonne schon auf den Gipfel des großen Berges im Westen herabsinkt.

Er atmet tief durch und setzt sich dann langsam auf einen flachen Felsen. Er musste Kräfte sammeln. Er musste soviel Macht wie nur irgend möglich in sich aufnehmen, bevor sie kamen. Er kann sie nun deutlich spüren, noch immer verborgen in den Spalten und Klüften ringsum. Doch sie beginnen sich zu regen - jetzt, wo die Schatten länger werden. Hoffentlich konnte er genug Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Er musste erreichen, das so wenige wie möglich den Gefährten folgten. Er musste ihnen den Rücken freihalten, wenn sie den Tempel lebend erreichen sollten.

Eine halbe Stunde muss er wohl mit geschlossenen Augen dagesessen haben, als die Sonne hinter dem Berg verschwindet. Das Licht verblasst und Kälte breitet sich aus. Und nun spürt er sie kommen. Wie schwarzer Rauch fließen sie aus ihren Verstecken herab, stumm, drohend, unaufhaltsam. Er öffnet die Augen und erhebt sich, um bereit zu sein.

"Oh Gütige, steh mir bei." flüstert er. Es mussten mehr als ein Dutzend sein, die nun langsam Gestalt annehmen, als sie sich ihm von allen Seiten nähern. So viele hatte er nicht erwartet.

Er lässt die Blutjäger so nahe wie möglich herankommen. Sie sind vorsichtig. Sie spüren was ihnen droht, doch sie vertrauen auf ihre Übermacht. Vermutlich lagen sie damit richtig, doch er durte jetzt keine Zweifel in seine Gedanken vordringen lassen.

Der Reisende lässt die gesammelte Macht auf einen einzigen Schlag los. Stärker und schneller, als er es je zuvor getan hatte. Eine Schockwelle ungeheuren Ausmaßes rast durch die Spähren, selbst die Luft entzündet sich in kalter Glut und die Berge ringsum reflektieren das Feuer, erstrahlen für einen Moment in eisigem Blau, während ein tiefer Donner von ihren Flanken wiederhallt.

Eine Handvoll der Blutjäger vergeht in der Schockwelle - diejenigen, die ihm am nächsten waren. Der Rest ist geschwächt, doch nicht vernichtet. Der Reisende zieht die Windsänger und die Welt um ihn herum verblasst in seiner Konzentration auf Klauen und Krallen und messerscharfe Zähne, die auf ihn eindringen.

Es ist ein stummer, rasend schneller Tanz der Klingen. Kalte, grausame Gesichter erscheinen für Sekundenbruchteile vor seinen Augen und verschwinden wieder. Die Windsänger durchschlagen Knochen und Fleisch. Kein Laut dringt zu ihm vor, absolute Stille begleitet den Tanz. Eine Klaue schlägt sich tief in seinen Arm - rasender Schmerz peinigt sein Innerstes. Eine Zweite reisst ein Stück Fleisch aus seiner Wange und lässt seinen Blick verschwimmen. Zähne schnappen nach seiner Kehle, kurz bevor eine Klinge den Kopf seines Gegners zu Boden fallen lässt. Er taumelt. Eine winzige Ewigkeit des Zögerns. Krallen zerfetzen seinen linken Unterarm und betäuben seinen Verstand. Er will schreien, gepeinigt von der dunklen Glut ihn seiner Seele, doch er bringt keinen Laut über seine Lippen. Die Klaue verschwindet in einem Schemen aus gefrorenem schwarzem Blut und blauem Stahl. Sekunden des tötens scheinen sich endlos zu dehnen - und während er die dunklen Kreaturen erschlägt, treffen auch ihn noch einige Hiebe der grausamen Klauen. Sein Kopf scheint zu explodieren, doch sein Körper bewegt sich wie mechanisch, schnell und präzise, losgelöst von seinem Geist. Krallen schneiden tief in seinen Oberschenkel, es riecht nach heissem Blut - seinem Blut.

Der Reisende nimmt nicht mehr wahr, wie seine Klingen dem letzten Blutjäger den Oberkörper durchschlagen und ihn beinahe in zwei Hälften zerteilen. Der Angriff ist vorüber. Er schwankt, sinkt auf die Knie, die Klingen entgleiten seinen Händen und er fällt. Tiefer und immer tiefer. Sein Kopf schlägt hart auf den Fels.

Dunkelheit. Stille.