Es ist der Vormittag des achten Tages seit sie vom Tempel aufgebrochen waren, als sie erstmals am Horizont die Türme von Rechem bemerken, deren Dächer sich im Licht der aufsteigenden Sonne spiegeln.

Sieben Tage waren sie nun ununterbrochen gewandert. Erst drei Tage durch das lange Tal im Gebirge, bis sie an einen Fluss stiessen, dem sie eine zeitlang folgen mussten bis sie eine geeignete Stelle zur Durchquerung fanden. Zwar hatten sie hin und wieder vereinzelt Spuren gefunden, aber sie hatten Niemanden getroffen - wie sie selbst schienen alle Begegnungen in dieser Gegend vermeiden zu wollen.

Als sie dann flussabwärts durch offeneres Gelände gingen, fingen sie an darüber zu diskutieren, ob es besser wäre nach Groß-Furtheim oder nach Rechem zu gehen. Schließlich hatte Bloodwin sich von ihnen getrennt und war allein nach Groß-Furtheim gezogen, während die Anderen in Richtung Rechem weitergingen, da ihnen dort die Aussichten mehr über die alten Legenden zu erfahren grösser erschien. Sowohl im Tempel wie in der Magierakademie würde es mehr Unterlagen und Wissende geben, und die vielen Verbindungen der Hafen- und Handelsstadt könnten Interessantes zu Tage bringen.

Bloodwin hatte ihnen noch dringend geraten sich unauffälliger zu kleiden, und sich zu überlegen, was sie auf eventuelle Fragen antworten wollen. Ersteres war noch relativ einfach gewesen. Big Claw hatte ihr Haar geöffnet und über die Ohren gekämmt, ihren Stirnreif abgelegt und Glances Umhang umgehängt um ihre Rüstung zu verbergen. Glance hatte ebenfalls seine Ohren unter dem Haar verborgen und sich Stones Helm ausgeliehen. Ausserdem trägt er Claws Bogen, sodass er mit seiner Hellebarde und dem Kettenhemd, und vor allem mit dem Stoppelbart und der Narbe an der Schläfe, wie ein einfacher Krieger erscheint und nichts elfisches mehr hat. Stone hatte sein Hüterabzeichen mit einem Stück Leder abgedeckt, das er wie einen Flicken darüber gebunden hatte. Bodasen trug nun die grob angepasste Ledermontur, die sie gefunden hatten. Abgemagert und mit einem zwei Wochen alten Vollbart ähnelte er kaum noch dem Magier den sie ursprünglich trafen. An seinen Stab hatte Stone mit Lederstreifen an beide Enden Steine gebunden, sodass der Kristall verdeckt wurde und er nun wie eine doppelte Keulenwaffe aussah. Rashida und Alrik brauchten nichts weiter zu tun - aber Lu Ser bereitete ihnen weiterhin Kopfzerbrechen.

Am fünften Tag waren sie auf die Strasse zwischen Groß-Furtheim und Rechem gestossen. Erst hatten sie überlegt, ob sie ihr parallel folgen sollten, waren dann aber dann doch zu dem Schluß gekommen, dass dies auffälliger wäre als auf der Strasse zu laufen. Es gab dort weniger Verkehr als sie vermutet hatten, und keiner hatte sie angesprochen, obwohl manch Einer misstrauisch auf Lu blickte. Glücklicherweise schien er aufgrund seiner geringen Grösse für niemand als Gefahr gesehen zu werden. Nichtsdestotrotz waren alle beim Anblick der abgerissenen Gesellschaft schnell weitergezogen, im Geiste wahrscheinlich schnell noch mal ihre Wertsachen zählend.

Der Anblick des Zieles beflügelt ihre Schritte, aber Glance, der wie immer voraus geht, hält auf einmal inne. Mit dem Gedanken an den zur Stadt hin immer dichter werdenden Verkehr, wendet er sich an die Anderen.

"Wir werden bestimmt von Stadtwachen befragt werden, wenn wir in die Stadt wollen - und wir müssen uns überlegen, was wir sagen wollen - und wie wir Lu Ser erkären...".







In times of crisis it is of the utmost importance not to lose your head (Marie Antoinette)