Geschafft ! Sie hatten die Wache hinter sich gelassen !

Es war nicht so schwierig gewesen, wie Alrik sich das gedacht hatte: Die Wache hatte ihnen ein paar Fragen gestellt, sie dann aber eher gelangweilt hindurchgewunken. Bis auf ...

"Wer seid Ihr und was wollt Ihr hier ?" hatte der Wächter, ein nicht mehr ganz schlanker, jovialer Mann gefragt. Die Stadt hatte also in der Tat schon seit längerem keine Gefahr mehr gesehen, wenn sie es sich schon leistete, solche Leute als Wachmänner anzustellen ... Alrik hoffte, daß dem auch so bleiben würde, denn mit der Wache hätten mögliche Angreifer vermutlich allzuleichtes Spiel. Und Spione auch.

"Wir sind auf der Durchreise. Wir brauchen Verpflegung und Proviant für die lange Reise, die uns bevorsteht und neue Kleidung" hatte Alrik geantwortet. "Und wir sind für saubere Geschäfte hier."

Der Wächter hatte sich daraufhin die Gefährten etwas genauer angesehen, sie aber dann durchgewunken. "Wenn ihr keinen Ärger wollt, dann lasst besser eure Waffen stecken, sofern ihr welche habt. Passt auf eure Börsen und Geldbeutel auf, und laßt euch nicht von den Magiern über den Tisch ziehen ! Einige von ihnen legen unbescholtene Bürger gerne herein ... hütet euch vor den Illusionisten ! Wahre Scharlatane sind das !"

Alrik machte sich in Gedanken eine Notiz.

Als sie drinnen waren, sprach sie der Wächter nochmal kurz an, bevor er sich wieder nach draußen wandte, und das kleine Tor - eher eine Türe - hinter sich schloß : "Ach, übrigens, Ihr solltet euch besser waschen. Irgendetwas stinkt an euch ganz erbärmlich !"

Irritiert schaute Alrik den Wachmann an.

"Ja, riecht ihr das denn nicht ? irgendeiner von euch muß irgendwelche Scheiße mit sich rumschleppen ... - Pferdeäpfel etwa. Ich weiß zwar nicht, ob die Magier in der Akademie euch geschickt haben, um so etwas zu besorgen - obwohl, sie hätten es auch viel leichter in den Ställen hier bekommen können" - dmit fährt sich der Wächter gedankenvoll über das mit Bartstoppeln verzierte Kinn - "die brauchen nämlich ständig irgendwelches obskure Zeugs - aber ihr stinkt ! Das wohl !" Damit wandte sich der Wachmann endgültig wieder dem äußeren Eingang zu und schloß das kleine Tor hinter sich.

Drinnen schaut sich Alrik die Gefährten hilfesuchend an. Jetzt merken sie es auch. "Schaut mal in Euren Rucksack rein, da kommt es her" sagt Bodasen und deutet mit dem Finger in die Richtung zum Rucksack, der sich noch aauf Alriks Rücken befindet..

Als Alrik fiebernd seinen Rucksack öffnet, bemerkt er auch den strengen Geruch. Er schnüffelt etwas herum. Er kommt aus dem Kästchen mit dem Gold !

Zitternd nimmt er das Kästchen in seine Hände. Seine Hände zittern wie Espenlaub, als er es - von dunklen Vorahnungen erfüllt - öffnet.

Pferdeäpfel ! Frische, schöne, runde, stinkende Pferdeäpfel ! Diese Bastarde !

Alrik ist außer sich vor Wut. Er zeigt das geöffnete Kästchen samt Inhalt an seine Gefährten und stößt zornesrot hervor : "Man ... hat ... mich ... herein ... gelegt !"

Bodasen nickt geschäftigt, und fügt hinzu : "Exzellente Illusionsmagie ! Sehr gute Arbeit ! Daß nicht nur Ihr, sondetn auch Glance darauf hineingefallen seid, läßt auf einen langandauernden Zauber schließen ... sehr, sehr gute Arbeit. Ich kenne nur einen, der dazu fähig wäre - einen Zauber von deratiger temporalen Länge herzustellen. Wir sollten ihm bald einen Besuch abstatten !"

Stone nickt, aber Alrik ist sich nicht sicher, ob Stone das alles verstanden hat ... zumindest ist klar, daß dies in der Tat eine Illusionsmagie hervorgerufen haben mußte.

"Habt ihr wenigstens einen Geruchsbindungszauber ?" fragt Alrik den Magier.

"Ja, den habe ich, aber ich kann ihn nicht hier ausführen - zuviele Leute könnten uns dabei beobachten" antwortet Bodasen.

Schweren Herzens klappt Alrik das Kästchen wieder zu und packt es ein.

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Diese Schande ! Sie mußten nun zu der Hütte gehen, und alle würden hinter Alrik herschauen, lachen, auf ihn deuten, Witze machend ... diese Schande !

Das war mehr, als Alrik ertragen konnte.

Und es war ihm auch egal, ob es dunkel war oder nicht, ob ihn jemand sah oder nicht. Der Gedanke alleine zählte. Und das war mehr als genug.

"Ich werde mich an der Hütte von euch trennen. Erzählt Glance davon, gebt ihm das Kästchen samt Inhalt, und stattet Magister Johram einen Besuch ab. Wenn ihr mich mitnehmen wollt, dann gebt mir Bescheid.!"

Damit übergibt Alrik das Kästchen an Bodasen.

"Ich kann diese Schande, derartig hereingelegt worden zu sein, nicht überwinden. Ich werde außerhalb der Stadt warten, bei dem Felsen, der vor der Stadt liegt, rechts von dem Tor, wenn ihr herausgeht."

Alrik wundert sich noch, daß er - ein ehemaliger Streuner - deratig tiefes Ehrgefühl empfimden kann ...

Damit gehen sie zu der Hütte hin, die Glance ihnen beschrieben hatte.

Dort trennt sich Alrik von den anderen, und wandert zu der Felsenkette hin, die sich in der Nähe des Hafentores erstreckt ...

Dort will er warten, bis er von dieser Schande reingewaschen ist (falls das noch möglich ist).

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Der Wächter wendet sich dem Schatten zu. In der Dunkelheit ist nichts zu sehen, auch das Mondlicht leuchtet diesen schmalen Bereich neben dem Tor nicht aus und nur der Wächter weiß, daß im Schatten neben dem Tor tatsächlich jemand steht.

"Was meint Ihr ?" fragt er den Schatten.

"Nun, nun, es sind einfache Leute ... - aber sie haben eine merkwürdige Ausstrahlung. Irgendwas geht mit ihnen vor !

Diese Leute sind so ... seltsam ! Ein Waldläufer, ein Typ, dessen Rüstung mehr schlecht als recht sitzt ... ein Mann, der aussieht, ie ein Krieger ... leider konnte ichsein Wappen nicht erkennen.

Nein, Spione sehen nicht so auffällig unauffällig aus. Richtige Spione kommen in der Kleidung eines Biedermannes daher, eines Bettlers oder Marktbeschickers, aber nicht in Form solch abgerissener Gestalten !"

Damit zieht sich die Gestalt im Schatten wieder zurück. Der Wachmann nickt zufrieden. Dem Schatten konnte er in der Regel vertrauen. Es passierte höchst selten, daß sich Schatten irrten.


Um so erstaunter ist er, als jener Waldläufer wieder nach draußen geht. Den erahnten fragenden Blick des Wachmannes entgegnet der Waldläufer mit einem "ich muß Sühne leisten." Dann ist er auch schon in der Nacht verschwunden.

Aus dem Schatten kommt ein Geräusch, wie wenn sich jemand erstaunt und gedankenversunken das Kinn reibt ...


Last edited by AlrikFassbauer; 19/12/04 10:02 PM.

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