"Jeder muss eine ihm angebotene Arbeit annehmen..."

Vermutlich wird jeder die Lächerlichkeit des folgenden, fiktiven Dialogs einsehen:

Arbeitsamt: "Sie suchen also einen neuen Job..."
Suchender: "Ja, ich habe bisher als Hilfsarbeiter mal hier, mal da gearbeitet... auf dem Bau, als Straßenkehrer, im Ernteeinsatz, als Hausmeister..."
Arbeitsamt: "Hören Sie, junger Mann, wir sind nicht hier, um uns ihren bisherigen Berufsgang anzuhören, sondern um eine Arbeit für Sie zu finden! Also wir hätten da gerade diese unbesetzte Chirurgenstelle auf dem Land - die Ärzte wandern ja alle in die Stadt ab, schrecklich..."
Suchender: "Chirurg? Das ist doch so'ne Art Arzt, der die Leute aufschnippelt und so, nicht? Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich bisher nur Hilfsarbeiter war: 8. Klasse. keine Lehre..."
Arbeitsamt: "Und zuhören können Sie offenbar auch nicht! Ich sagte bereits, dass uns Ihre Qualifikationen völlig egal sind! Wenn Sie sich weigern, die Chirurgenstelle anzunehmen, werden wir Ihnen kurzerhand die Unterstützung entziehen - so einfach ist das! Also unterschreiben Sie bitte hier... und hier... und hier... herzlichen Dank und unsere besten WÜnsche für Ihren neuen Job! Der Nächste bitte..."
Suchender 2: "Guten Tag. Ich war bisher als Chirurg im Kreiskrankenhaus tätig, das ja aufgrund der neuen Gesundheitsreform ersatzlos aufgelöst wurde... Ich wollte fragen, ob..."
Arbeitsamt: "Wir hätten da diese Stelle als Hausmeister..."


Elgi, wenns in die eine Richtung lächerlich und eigentlich *unmöglich* ist - warum sollte die andere Richtung grundsätzlich anders bewertet werden? Und dieses Gesetz öffnet den Vermittlern jeden Raum für Willkür und - was viel wichtger ist - Korruption! Denn wer unter der Hand einige Scheine rüberschiebt, der bekommt auch nicht den "müll" angeboten sondern entweder ncihts, falls nicchts da ist, oder der Vermittler gibt sich tatsächlich etwas Mühe und recherchiert nach einer zumutbaren, angemessenen Tätigkeit.

So wie es werden soll, braucht sich der Vermittler jedoch keine Gedanken mehr machen und kann seinen dürftigen Stapel mit freien Stellen der Reihe nach abarbeiten, ohne auf Qualifikation oder Eignung achten zu müssen. Denn das er vielelicht ahgehalten sein wird, eine Auswahl zu treffen, ist das eine. Ob sich ein festangestellter, unkündbarer Beamter das jedoch antut... vermutlich wäre das eine "unzumutbare" Arbeit...

Ergo: Das Gesetzt wird recht schnell zu einem ungeheuren Missbrauch führen und das Leben vieler Menschen gründlich zerstören. Qualifikationen und Fähigkeiten werden mit Füßen getreten, und ob die vermittelten Arbeiten dann effektiv durchgeführt werden, darf wirklich ernsthaft angezweifelt werden.
Eine solche Regelung wäre sinnvoll, wenn es 10 Millionen unbesetzter Stellen gäbe, und das ganze Land händeringend nach Arbeitskräften sucht, um diese Arbeiten endlich zu bewältigen.
So ist es aber nicht. Es gibt Millionen Arbeitslose, und nur für einen Bruchteil ist überhaupt Arbeit da! Warum also sollte ein arbeitloser Akademiker (was ihr alle mit den Akademikern habt! Nichtakademische Berufe sind davon genauso betroffen!) - weg mit den Akademikerbeispielen. Warum also sollte ein arbeitsloser Frisör eine Stelle als hausmeister annehmen, wenn anderswo ein arbeitsloser hausmeister beim Amt herumhängt?
Die angestrebte Regelung wird einfach nicht benötigt - weil es genügend Anwärter für jede freie Stelle gibt! So dient sie in erster Linie allein dazu, längerfristig Arbeitlose als arbeitsfaule Schmarotzer hinzustellen (es gibt genügend Beispiele dafür, das Leute verzweifelt und bemüht länger als ein Jahr nach einem Job suchen, und dabei sogar eine ganze Reihe von Kompromissen einzugehen bereit sind!) und somit Front gegen sie zu machen, damit die eigene Unfähigkeit, etwas prinzipiell an der Situation zu ändern, kaschiert wird.
Es ist ein erbärmlicher wirderlicher und ablehnenswerter Versuche, die "Schuld" den Arbeitlsoen selbst zuzuschieben und von den eigenen Fhelern abzulenken.
Es gibt nicht zu viele Jobs, sondern zu viele Arbeitslose. Durch diese Regelung wird aber unterschwellig genau das Gegenteil erklärt.