Da hier im großen und ganzen meine Meinung schon gesagt wurde, möchte ich nur auf einen kleinen Teil von Ddraig's Post eingehen:

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Was mich hier wirklich aufregt ist folgendes: Ich glaube nicht, das es den hier anwesenden Verfechtern der asozialen und menschenverachtenden Reformen jemals in ihrem Leben wirklich dreckig gegangen ist. Das sie mal ganz, ganz unten waren. Trotzdem stellen sie sich mit einer unglaublichen Arroganz hier hin und behaupten "Hey - wir können ruhig alle auf ein bischen was verzichten, es geht uns doch gut !"


Weder verfechte ich (und andere auch) asoziale und menschenverachtende Reformen, noch hast Du irgendeine Ahnung davon, wie es irgendjemandem hier ging oder geht. Also würde ich an Deiner Stelle DIESE Art von Unterstellung lassen. Ich möchte hier nicht mit irgendeiner Trauergeschichte über mein Leben beginnen, noch möchte ich, daß das jemand anderes tut. Aber wenn man in einer politischen Diskussion nicht einmal mehr die Meinung sagen darf, ohne daß einem vorgeworfen wird, daß man nie arbeits- und obdach- und mittellos war (was wiederum nur hypothetisch ist), dann kann ich gut und gerne auf diese Diskussion verzichten. Ich kann auch mit Frauen über Frauenrechte diskutieren - aber ich war noch nie eine Frau. Und nun? Nur weil ich die Opfer, die ich bereit bin zu bringen, damit sich die Lage verbessert, auch von anderen fordere, bin ich noch lange kein Verfechter asozialer und menschenverachtender Reformen. Ob und welchen Respekt ich gegenüber Leuten habe, die in einer schwierigen Situation sind steht hier nicht zur Debatte, und wird es auch nicht.


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Ja - mag sein das es EUCH gut geht. Aber es gibt sehr viele Menschen in diesem Lande, denen es jetzt schon mehr als dreckig geht. Menschen, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Kinder versorgen sollen, oder ihre Miete zahlen sollen oder ihre Arztrechnungen, etc. Und die auf überhaupt nichts mehr verzichten können, weil sie jetzt schon viel zu wenig zum Leben haben.

MIR geht es auch noch ziemlich gut. Jedenfalls ist es mir in meinem Leben schon wesentlich schlechter gegangen. Vielleicht sind deshalb meine Toleranzgrenzen wesentlich enger gesteckt. Weil ich es nicht hinnehmen kann, das die Verbrecher die für die Katastrophe in diesem Land verantwortlich sind, geschont und belohnt werden - während die schwächsten Glieder der Gesellschaft noch weiter in den Dreck gezogen werden.


Da die ganze Diskussion u.a. mit der Frage begonnen hat, ob und wann eine arbeitslose Person eine Arbeit ablehnen darf oder nicht, möchte ich dahin wieder zurückkommen. Dazu zweierlei:

1. Wenn jemand wirklich ganz unten ist, dann nimmt er Arbeit an. Um diese armen Leute geht es nicht. Es geht nur um die, die sich zu schade sind und auf das Geld pochen, das sie während ihrer aktiven Zeit an den Staat bezahlt haben. Denn wenn sich jemand aus welchem Grund auch immer WEIGERT, eine Arbeit anzunehmen, kann es ihm nicht schlecht gehen - wenn es ihm schlecht ginge, würde er nämlich die Chance nutzen, seine Lage zu verbessern, was mit Arbeit immer noch am besten geht. Demzufolge ist es also in der Tat vollkommen deplaziert, in dieser Diskussion diejenigen als Argument zu benutzen, denen es schlecht geht. Abgesehen davon würde es mich mal interessieren, was GENAU von dem hier geschriebenen so menschenverachtend ist und eben jene besonders trifft, denen es bisher am schlechtesten geht.

2. Die ganze Perfidie des Arguments wird klar, wenn man vor Augen führt, was Ddraigy propagiert: Er lehnt eine Arbeit ab, die unter seinem Niveau liegt (in Hinsicht auf seine Karriere) und präferiert das Leben auf Staatskosten, bis ihm ein Job angeboten wird, der ihm einigermaßen gut vorkommt. Im gleichen Atemzug mahnt er zur Sorge über die Menschen, denen es echt beschissen geht. Nur vergißt er dabei, daß er durch seine propagierte Weigerung, eine Arbeit abzulehnen, wenn diese für die Karriere negative Auswirkungen haben könnte, genau in die Richtung geht, die uns dahin gebracht hat, daß es den armen immer schlechter geht: Der eigene Vorteil ist uns immer noch am wichtigsten. Sicher, ich kann hier und eventuell anderswo meckern, so gut es geht. Ich kann auch zu ungültigen Stimmzetteln raten (was juristisch gesehen eben nichts bringt). Aber wenn ich einen Job annehmen muß, der mir nicht paßt, stell ich mich quer.
Dabei ist es vollkommen egal, ob dies nur ein Einzelfall ist und es nur wenige Fälle dieser Zumutbarkeitsdiskussion gibt. Wichtig ist, daß hier ein bzw. DAS Problem der Menschen aufgezeigt wird: Alles schön und gut, aber beim Geld hört der Spaß auf! Deswegen stimme ich auch Ralf in dem Vorwurf der Polemik zu, denn die Gehälter von Bundestagsabgeordneten haben aber auch gar nichts mit der Thematik zu tun. Die verdienen ihr Geld - von einigen Ausnahmen abgesehen. Aber sollte ein einzelner Bäcker, der seine Kunden bescheißt, etwa die ganze Bäcker-Zunft in Verruf bringen dürfen? Nein, und genau dasselbe sollte auch für Politiker gelten.
Aber wieder zurück zum Thema: Du wirst die Probleme in Deutschland nicht lösen, indem Du Dich vehement dagegen wehrst, daß der Bürger mehr Geld ausgeben muß. Dies ist nicht nur die Idee der Regierung, darin stimmen ALLE Parteien überein. Also, solange Du keine bessere Lösung präsentierst, was Du nicht hast und nie machen wirst, bleibt Dir nur die Wahl, Dich nicht etwa zu fügen, aber doch das notwendige beizutragen.


Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"