Originally Posted by buad

Ah ja - also liegt es an der zunehmenden Dekadenz unserer Gesellschaft. Das Anschauen von blutigen Filmen, lesen von Büchern mit blutiger Handlung und nicht zuletzt die Beschäftigung mit Spielen, in denen grausame Gewalt oft das alleinige und ultimative Mittel darstellt wäre dann also ein Asudruck für unsere, ganz persönliche Dekadenz. Das erklärt aber noch nicht wirklich den Ursprung.


Ist jetzt nur ne persönliche Meinung, aber ich sehe da den Zusammenhang in dem immer dichter werdenden Verbotsdschungel. Wenn man schon als Kind nichts mehr nirgends darf und sich die Energie einfach staut, braucht man irgendwann ein Ventil. Und da das körperlich austoben so gut wie unmöglich ist, schnappt man sich das nächste, das Adrenalin versprich: Gewalthaltige Medien. Wobei sich hier auch die Frage stellt, ob Bücher in dieselbe Kategorie wie Filme und Spiele fallen. In einem Buch ist es immer nur so grausam wie man es sich selbst vorstellen kann.


Originally Posted by Buad

Ja, das bedeutet aber mMn im Grunde genommen nur, dass wir die Fähigkeit haben, Gewalt auszuüben, wenn wir herausgefordert werden. Kein Tier lässt sich auf einen Kampf ein, ohne einen Grund dafür zu haben. Es mag Menschen geben, die den Kampf des Kampfes wegen suchen - aber das dürfte eine verschwindende Minderheit sein. Es erklärt mMn *nicht*, warum wir von Gewalt und allem, was damit zusammenhängt, so fasziniert sind.


In gewissem Maße doch. Wie bereist gesagt hat der Mensch von Natur aus die Begabung für den Kampf. Dieser "Instink" wird aber in der heutigen Zeit mit fast allen Mitteln versucht zu unterdrücken. Klappt aber nicht. Wir üben zwar selbst nicht wirklich Gewalt aus, sind aber eben von den Ergebnissen fasziniert. Wirklich genau lässt sich das Vermutlich nicht erklären.

Originally Posted by Buad

Das bezweifel ich. Nicht, dass ein Teil von uns Blut sehen *will* - da widerspreche ich nicht. Wie sonst wären die Massen von Schaulustigen zu erklären, deren Anzahl scheinbar proportional zur Schwere eines Unfalls ist? Das es uns jedoch in Notsituationen das Richtige tun lässt, halte ich persönlich für unzutreffend.


Nunja... in brenzeligen Situationen neigt der Mensch dazu, das Denken auszuschalten und dann auf seine Instinke zu vertrauen. Er gibt sozusagen die Kontrolle an das Kleinhirn ab. Das ist übrigens auch der Bereich, der für Gewalt bis zu einer gewissen Stufe verantwortlich ist. Natürlich kommt es auf die Situation drauf an. Gemeint sind hier eher solche, wo das eigene Leben von einer anderen Person / Tier bedroht wird, bzw das eines anderen.

Originally Posted by Buad

Nun ja, hier gehen unsere Meinungen in der Tat auseinander - wenn auch nur indirekt. Mein "moralisches Korsett" empfiehlt mir, entschieden zu widersprechen und zu entgegnen, dass es an Gewalt *immer* etwas auszusetzen geben sollte. Andererseits habe ich ja schon erwähnt, das ich mich einer gewissen Faszination für Dinge, die in erster Linie dazu dienten, andere Menschen aus dem Wege zu räumen, nicht erwehren kann. Und ich drehe durchaus auch in einem RPG den Gewaltregler auf, wenn es einen solchen gibt (kann aber auch gut darauf verzichten). Und mit CoD und CoD2 hatte ich durchaus Spass, obwohl ich immer das Gefühl habe, mich dafür ein bisschen schämen zu müssen. Und ich schaue auch "James Ryan", und nein, ich spule die ersten 30 min nicht vor, und ja, ich schaue gebannt auf den Fernseher, obwohl es ein ekliges blutiges Gemetzel ist und ich so etwas *unter gar keinen Umständen* auch nur ansatzweise erleben möchte.


Genau an diesem Punkt muss ich jetzt meine Lieblingsfrage stellen: Woher kommen unsere moralischen Vorstellungen?
Nun... ein Teil stammt sicher aus der christlichen Religion. Allerdings ist die Bibel eines der blutigsten Bücher die je geschrieben worden sind. Der sogenannte "moralische Kodex" wird bei uns hauptsächlich durch die Meinung von Gruppe gebildet. Ich möchte hier als interessantes Beispiel das "Problem" Homosexualität anführen. Historisch gesehen gabs das schon immer und wurde in Griechenland sogar recht hoch in Ehren gehalten. Im feudalen Japan war so etwas sogar normal. Das alte Rom hatte damit auch keine Probleme. In unserer heutigen Zeit der Aufgeschlossenheit und Aufgeklärtheit aber ist das ganze mehr ein Problem als es in der Antike je wahr. Es ist für zum Beispiel völlig unverständlich warum ein gleichgeschlechtliches Paar keine Kinder adoptieren darf. Aber das nur am Rande. Die Grundaussage ist, dass der moralische Kompass von Gruppe bestimmt wird und eigentlich jeder selbst wissen sollte, was er als moralisch verwerflich bezeichnen will. Nicht alles was einem vorgegeben wird, ist wirklich durchdacht.


Originally Posted by Buad

Ja, im Allgemeinen sehe auch ich Verbote oder Zensur als eher ungeeignet. Leider entwickeln sich einge Spieledesigner offenbar immer mehr genauso wie jene Sensationsjurnalisten - die schlimmsten Nachrichten sind die besten. Keinen interessiert es, wenn eine neugebaute Straße eine Unfallschwerpunkt entscheidend entschärft hat. Aber man *bekäme* gigantische Einschaltqouten, wenn man ein röchelndes Unfallopfer, das möglichst noch im verkeilten Fahrzeug eingeklemmt ist, interviewen kann oder wenigstens ein paar schöne Nahaufnahmen macht. CoD6 wird sich prima verkaufen, vielleicht gerade aufgrund der umstrittenen Mission. Da die Konsumenten nun mal so sind und somit den Entwicklern ein falsches Signal gesendet werden würde - "Hey, hier seid ihr zuweit gegangen! Sowas kaufen wir nicht!" - kann nur ein Verbot diese Grenze ins Gedächtnis rufen. Ob ein Verbot wirklich etwas nützt, ist eine ganz andere Fragestellung


Da Stimme ich dir zu. Aber diese Entwicklung ist nur eine Auswirkung und keine Ursache. Viele Dinge gäbe es nicht, wenn es nicht Leute gäbe, die das sehen wollen.

Originally Posted by Buad

Übrigens, die Möglichkeit, die Mission zu überspringen, halte ich für keine sinnvolle Variante. SChließlich besteht auch die Möglichkeit, diese Mission zu spielen - und allein die Existenz einer solchen perversen "Mission" ist mMn der Stein das Anstoßes!


Auch hier stimme ich dir zu. Es macht keinen Sinn eine Mission einzubauen, von der man nichts hat wenn man sie spielt. Allerdings empfinde ich persönlich die "geschnittenen" Mission als wesentlich verstörender, weil man nicht mal sagen kann, dass man nun einmal in die Rolle eines Terroristen schlüpft. Man wird quasi zu Passivität gezwungen und hat keine Wahlmöglichkeit. In dieser Mission würden vermutlich der Großteil der Spieler sowieso nicht auf die Zivilisten schießen, alleine aus dem Grund, dass sie keine Gefahr darstellen.

Das ganze ist jedenfalls alles andere als einfach. Vielleicht entwickelt sich der Mensch irgend doch soweit, dass er von sich aus sagen kann, was ist gut und was nicht. Allerdings würde diese Entwicklung zugleich den Untergang der meisten Religionen herbeiführen.


Rollenspiel hört nicht beim technisch möglichen auf, es hört auf wo deine Fantasie endet.

Lasst uns den hilflosen Drachen vor der bösen Prinzessin retten!
... Das klingt irgendwie falsch...