Originally Posted by buad
Aber ich toleriere es, wenn Menschen, die mit Fremden konfrontiert werden, voller Angst, Unwillen und Ablehnung reagieren. Menschen *fürchten* sich im Allgemeinen vor Veränderungen, sie klammern sich an dem fest, was sie haben, und was schon immer so gemacht wurde. Die Vorstellung, plötzlich ein Minarett vor dem Fenster zu haben und den fremdländischen Stimmen der Muezzin zu lauschen ist nur den Aufgeklärteren unter uns kein Graus.

Auf die Spitze getrieben würde dieser Abschnitt bedeuten, daß du prinzipiell alle Ausformungen der "Angst vor dem Fremden" tolerierst. Eine Einstellung, die ich - nicht nur, weil ich "fremd" bin in diesem Land, sondern weil ich mich als einen toleranten und offenen Menschen betrachte - überhaupt nicht teilen kann. Damit wäre jedweder Fremdenfeindlichkeit Tür und Tor geöffnet (Fremdenfeindlichkeit muß nicht nur aus Gewalt bestehen... auch der typische "Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber..."-Satz geht in dieselbe Richtung).

Der Rest ist meiner Meinung eine eloquent ausgeschmückte Weiterführung des Grundgedankens "Angst vor dem Fremden ist verständlich, laßt uns die Angstvollen behutsam führen, selbst wenn sie gedanklich noch im 18. Jahrhundert leben". Und mit diesem Grundgedanken kann ich mich nicht nur nicht anfreunden, ich verurteile sie sogar als zutiefst veraltet. Wir leben in einer globalisierten Welt, in einem Einwandererland, in einer Zeit der kulturellen Konfrontationen. Wer damit nicht klar kommt, hat Pech gehabt. Klingt hart, ist aber die Realität.

Das bedeutet nicht, daß man Zweiflern nicht auch behutsam das Prinzip der Gleichheit aller Menschen und Religionen (zumindest solange wir nicht von irgendwelchen schändlichen Ritualen sprechen, und dazu gehören weder Glockentürme noch Minarette) vor Augen führen soll. Gerne, machen wir das. Aber wenn das heißen soll, daß man unter dem Deckmantel des Verständnisses das alte Gedankengut solcher Menschen nicht nur toleriert, sondern quasi auch unterstützt, indem man so verständnisvoll argumentiert und am Ende sogar den Ausgegrenzten die Verantwortung dafür gibt, ausgegrenzt zu werden, hört's bei mir auf.


Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"