Was die Zahlendiskussion betrifft, muss ich Elgi absolut zustimmen! Man kann ein Unrecht nicht mit einem anderen aufrechnen!

Aber um eine Vergleichsbasis zu liefern: In der Schweiz gibt es bisher ganze 4(!) Minarette, z.T. schon seit Jahrzehnten, was bisher nie jemanden gestört hat. Es ist zudem der Bau von genau 1(!) beantragt, was vermutlich ohnehin mit der Begründung, dass es "nicht ins Ortsbild passt", von der zuständigen Baubehörde bzw. Gemeindeverwaltung abgelehnt würde. Durch Bauverordnungen ist die Beschallung ohnehin untersagt, so dass sich sicher kein Muhezzin mit Lautsprechern im Quartier bemerkbar machen kann. Oder zusammengefasst: der Bau eines ungewünschten Objekts kann auch ohne Änderung der Verfassung gstützt auf das Baurecht verhindert werden. So wurde ja auch der Bau eines neuen Fussballstadions in Zürich durch ein paar Einsprachen verhindert. Dies alles zeigt einmal mehr auf, wie wenig es eigentlich um diese Türme geht...

Und auch wenn die Christen in Islamischen Ländern z.T. schlecht behandelt werden, ist für mich das Argument "bei Euch darf ich mein Türmchen auch nicht bauen, also dürft Ihr bei uns auch nicht!" auf dem Niveau eines 4-jährigen Kindergärtners, dem jemand das Spielzeug kaputt gemacht hat. Das passt nicht zum Bild der Schweizer als Vorbild für Toleranz und Offenheit nicht zuletzt gegen Minderheiten...

Die Überraschung war wohl auch deswegen so gross, weil sich kaum einer in der Öffentlichkeit für das Verbot ausgesprochen hat: Die Medien, die Gelehrten, die Kirchen, die Wirtschaftsvertreter, (mehrheitlich) die Prominenz und fast alle der Politischen Parteien haben sich klar gegen das Verbot geäussert. Eigentlich alle ausser dem Rechten bis Rechtsextremen Flügel (SVP, PNOS) und den Christlichen Fundamentalisten der EDU, ach ja und noch ein paar Feministinnen.

Das Problem ist nur: Die Verbotsseite hat mit einfachen Bildern erfolgreich Ängste und Fremdenhass geschürt - das schreckliche Plakat der SVP ging ja um die Welt - und die Leute dazu gebracht, "ein Zeichen gegen die zunehmende Islamisierung zu setzen". Die Gegnerseite hat möglicherweise zu sehr sachlich, politisch korrekt und moralisch und damit an den Ängsten des Plebs vorbei argumentiert. Es ist ihnen also nicht gelungen, die "ungebildeten Eingeborenen" aufzuklären. Das Erschreckende daran ist, dass man die plumpe Art der Befürworter und deren widersprüchlichen bis widersinnigen Erklärungen eigentlich leicht hätte durchschauen können, wenn nicht müssen. Aber entweder war das Volk zu blind, zu stur, zu stolz, zu verängstigt oder einfach doch nur zu blöd, ungebildet und ignorant, um es zu schnallen.