Originally Posted by buad
Und auch, wenn Elgi diese Angst nicht tolerieren mag und die Betreffenden womöglich als "ewig gestrige" Bremser und Dummbratzen beschimpft, so frage ich mich, ob die Verantwortung für den Ausgang dieser Entscheidung nicht ganz woanders zu suchen ist - nämlich im Versagen der Aufklärung ("Moslems sind Menschen wie du und ich") durch jene Kräfte, die eine entsprechende Gleichstellung der Religionen befürworten.

Wie schon gesagt: Ich habe nichts gegen Aufklärung, ich kläre auch gerne in allen Fragen auf, bei denen ich was beitragen kann. Aber prinzipiell finde ich es fatal, wenn wir sagen: "Wer religiöse Gleichberechtigung will, sollte zuerst die Leute hier erst mal aufklären über seine Religion."

Ich will nicht schon wieder Implikationen bewerten, aber ich kann dennoch nicht umhin, einen eigentlich zumindest für mich schockierenden Ansatz zu erkennen: Eine Religionsgemeinschaft, die sich in einem Land bisher nichts zuschulden hat kommen lassen, ist in der Bringschuld der Aufklärung des Volkes, um rechtmäßig die Gleichberechtigung vor dem Gesetz zu fordern. Und das ist dein Ernst?

Müssen dann z.B. Deutsche in Polen ebenfalls Aufklärung betreiben, daß sie ja alle keine Nazis sind, um vor dem polnischen Gesetz Gleichheit einfordern zu können?

Zweifel, Ressentiments, Ängste etc. sind ja schön und gut und ich kann durchaus nachvollziehen, daß es diese gibt. Aber in letzter Instanz kann man nicht die jenigen verantwortlich dafür machen, die Opfer dieser Ängste werden. D.h. es ist schade, wenn ein Bauer auf der Alm meint, sich vor einem Minarett fürchten zu müssen... und gerne würde ich ihm klarmachen, wie unbegründet das ist. Aber in meinen Augen, ist letztendlich dieser Bauer auf der Alm dafür verantwortlich, was für irrationale Ängste er hat und nicht der Otto-Normal-Moslem.


Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"